Auszug aus dem Rundbrief 1/2002 der GEP vom 26.02.2002

      (an die Mitglieder, stellenweise hier modifiziert, auch ergänzt) 

„.... Gehen die deutschen Ärzte über den Psychiatriemißbrauch der DDR auch weiter hinweg, läßt etwa das Deutsche Ärzteblatt seine Erwähnung nicht einmal in Leserbriefen mehr zu, so kommt er anderenorts doch noch zur Sprache (so kürzlich in einer Berliner Bürgerrechts-Zeitschrift –  s.u.). In Zusammenhang mit dem Kohl-Urteil wurde öfters Bangen um den weiteren offenen Zugang zu den Stasi-Akten geäußert. Jetzt kommt in der Zeitschrift erstmals auch zur Sprache, wie beschränkt die ‚Offenheit’ vordem schon war. Die Gauck-Behörde pflegt eine ‚Sonderforschung’, in deren Rahmen es ‚privilegierte Zugänge’ zu den Akten gibt. Das Material, aus dem Dr. Süß ihr fein verzeichnendes Buch ‚Politisch mißbraucht?’ schöpfte, konnte bis heute kein Außenstehender einsehen.

In Sachen embryonaler Stammzellenforschung (RB3/01, K.9.1) ist inzwischen die Entscheidung gefallen, die Schröders ‚Nationaler Ethikrat’ empfahl und die zu erwarten war. Manch Kichern gab es darob. In der Psychiatrie läuft es so doch seit langem. Immer holten sich die Politiker solche Sachverständigen in ihre ‚Räte’, Enquête-Kommissionen, Untersuchungskommissionen etc., die ihre ReformIntentionen, ihre Auffassungen etwa von einer psychiatrisch untadeligen DDR ‚wissenschaftlich’ stützten. Zur besseren Steuerung ihrer Untertanen mußte und muß ihnen an einer spurenden Staatspsychiatrie auch gelegen sein. Mit besagten Vorgehensweisen wie jetzt dem Parlaments-Ja zum Stammzellenimport, ähnlich auch der jetzt beginnenden legalisierten Heroinabgabe ist die Entwicklung zur Schönen neuen Welt wieder schön vorangekommen.

Auch auf dem Gebiet von Psychotherapie-Psychoanalyse ist einiges im Gang – zumindest im Ausland. In englischsprachigen Medien, kürzlich auch Fachzeitschriften wie History of Psychiatry 12/01 wird Freud mit einer Stringenz der wissenschaftlichen Falschmünzerei geziehen, daß von seinem Lehrgebäude eigentlich kein Stein mehr auf dem anderen bleibt. In Deutschland aber halten die Psychiater unverdrossen zur Analyse, blähen sie gar weiter auf. Im Juli tagt in München ein großer Kongreß über ‚Persönlichkeitsstörungen’, ‚multiplen’ oder auch ‚dissoziativen’ Störungen, ausgerichtet von den Spitzen der lokalen Universitätskliniken. Wir korrespondierten über diese abenteuerlichen Störungen mit mehreren Fachleuten (Fachkollegen) in angelsächsischen Ländern. Sie haben sie so wenig wie wir selbst je gesehen. Andererseits stehen sie, abgeleitetet meist aus Freudschen Axiomen, in modernen Lehrbüchern z.B. dem von M. Berger und stehen in der ICD, sind also international ‚anerkannt’ (vgl. RB 3/0, K.5.2). Von einem Teil der Fachleute, die an sie glauben, wird ganz unverblümt dargelegt - bei Berger steht davon freilich nichts -, die Störungen seien von Geheimdiensten, speziell von CIA-Psychiatern absichtlich erzeugt worden – nachzulesen auch in deutschen Internet-Seiten z.B. http://ourworld.compuserve.com/homepages/humgresch, in kompetent sich gebenden. Schreckenerregendes wird da im Ton der Alltäglichkeit vorgetragen, unglaublich Wirkendes, stünden dahinter nicht Spitzenvertreter der internationalen Psychiatrie und wäre etwa die Verteilung von LSD an arglose Studenten (im ‚MK-Ultra-Projekt’), wären radioaktive Testungen menschlicher Versuchskaninchen durch die CIA nicht schon Realität geworden. Einige Einblicke in das Geschehen gibt auf englisch (ohne Gewähr): www.hotweird.com/heliophobe/mkultra.htm. Gegenüber manchen der hier behaupteten (westlich) ‚staatsmedizinischen’, ‚staatspsychiatrischen’ Untaten nimmt sich der (frühere) Psychiatriemißbrauch in kommunistischen Ländern fast bescheiden aus...“

Die Nervenärzte, Psychiater gehen mehrheitlich über die Vorgänge hinweg. Soweit frei praktizierend, haben sie zwar unter den Ausuferungen der Staatspsychiatrie selbst schon zu leiden, jammern sie jedenfalls darüber heute lauter denn je (z.B. Dr. Bühler in Neurotransmitter 4/2002). Als aber mit der bekannten Psychiatrie-Enquête von 1975 die Weichen zu solcher auch ihnen mitspielenden „Reform“ gestellt wurden, ließen sie sich von einem Bundesvorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Ärzte vertreten, klebten sie an den Lippen ihrer Ministerialen, ihrer Ordinarien und waren Feuer und Flamme dafür. Da prallten alle Warnungen ab (z.B. Achillesferse Psychiatrie – oder: Der Countdown einer Sozialisierung, DÄ  50/1973 - Weinberger wurde im Deutschen Ärzteblatt damals noch gedruckt) Von den niedergelassenen Nervenärzten, zumindest ihrer Mehrheit ist auch heute, wo die „Staatspsychiatrie“ teilweise schon bedrohliche, mitunter absurde Züge annimmt, ernsthafter Widerstand nicht zu erwarten. Sie gehören nun einmal zu den politisch indolentesten Bürgern im Land, Mitläufern par excellence. Sie merken nicht einmal oder merken es allenfalls Jahrzehnte später, wenn ihnen die eigene Haut abgezogen wird. Wie sollten sie es merken, wenn ihren Mitmenschen oder gar dem Staatswesen Gefahr droht? - Die Feststellungen des mitgliederinternen Rundbriefs 1/2002 wurden bei der Jahresversammlung der GEP 2002 teilweise noch näher ausgeführt.