1.) Aktuell ist im Winter 2011/12 immer noch der Rundbrief 1/11 von Ende Juli 2011 sowie Rundbrief 1/12 vom Januar 2012. Die brisanten Entwicklungen auf dem Gebiet der letzten Wochen und Monate sind hier zusammengefaßt.
Zum Fall von Gustl F. Mollath sei weiter auf http://www.gustl-for-help.de verwiesen. Weiter machen wir hier die Verfassungsbeschwerde einsehbar, die RA Dr. Kleine-Cosack am 11.1.2012 zugunsten Mollaths eingereicht hat.
Am 8.3.2012 gab es im Rechtsausschuß des Bayerischen Landtags eine Debatte zu diesem Fall. Die Justizministerin wie die Abgeordnetenmehrheit beriefen sich auf gültige Gerichtsurteile, die das Parlament nach dem Prinzip der Gewaltenteilung nicht zu hinterfragen habe. Damit blieb zugedeckt, daß die Voraussetzung für eine Unterbringung des Mannes im Maßregelvollzug, auf psychischer Krankheit fußende Gemeingefährlichkeit, der springende Punkt, von zwei Gutachtern bereits verneint worden sind, Hinweise darauf vom gerichtlich zuletzt bestellten Gutachter Prof. Pfäfflin nicht wirklich ausgewiesen, von Dr. Weinberger als Privatgutachter aber danach nochmals als gänzlich fehlend befunden wurden. Weitere Bemühungen laufen, daß dieses Ergebnis beim nächsten Prüftermin am 8. Juni 2012 auch Eingang in die Gerichtsentscheidung finden wird.
Weiter geben wir die umfängliche Darlegung Verteidigung im Maßregelvollzug des § 63 StGBwieder, in der RAin Gabriele Steck-Bromme, eine bekannte Strafverteidigerin in Frankfurt / M., von juristischer Seite die vielen Mängel beleuchtet, die speziell dem Maßregelvollzug in Deutschland mit seinem Drum und Dran, auch dem psychiatrischen, anhaften. Viele von ihnen trafen auch Gustl Mollath.
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2.) Auf das gewichtige Thema Psychoanalyse gehen wir in dem neuen Rundbrief nur am Rande ein. Im „roten Teil“ unserer Webseite stehen eher neue Beiträge der Teilnehmer am Internationalen Netzwerk der Freud-Kritiker (INFC).
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3.) Einige früher schon wiedergegebene Aussagen sind es wert, auf Dauer festgehalten zu werden, so
Prof. Igor Schafarewitsch, russischer Mathematiker, ein Freund Andrej Sacharows, in einem Aufruf vom 14.05.1978 anläßlich der Verhaftung des jüdischen Bürgerrechtlers Alexander Podrabinek, der nachdrücklich gegen die damals in seinem Land verbreitete Psychiatrisierung Oppositioneller, ihre Internierung und Behandlung als Geisteskranke, protestiert hatte. Schafarewitschs Worte standen bereits in unserem Rundbrief 3/78.
… Wenn man im Menschen nichts anderes sieht als eine Mischung von sozialen oder biologischen Kräften, dann verlieren die Konzepte von Schuld und Strafe jede Bedeutung, so wie sie bedeutungslos sind, wenn sie gegen eine Maschine angewandt werden. So wie ein kaputter Computer nicht vor Gericht gestellt und nicht bestraft, sondern repariert wird, so ist es „notwendig“, eine Person zu reparieren, die aufhört nach dem offiziellen Programm zu funktionieren. Für exakt diesen Zweck gibt es psychiatrische Spezialkrankenhäuser.
Diese Schlußfolgerung ist so unausweichlich, daß schon ein Früh-Materialist wie Weitling, ein Vorläufer und Lehrer von Marx, das Bild einer Zukunftsgesellschaft „von Freiheit und Harmonie“ gemalt hat, in der es keine Gerichtsverfahren und keine Prozesse mehr gäbe, in der vielmehr alle „von schlechten Leidenschaften Besessenen“ in Hospitäler gesteckt und die „Unheilbaren“ auf speziellen Insel-Kolonien festgehalten würden. Dies eine typische, von einem schlimmen Phantasten geträumte Utopie. Um wieviel schauriger ist die Utopie, die das reale Leben geschaffen hat? Im (noch kleinen) Modell zeigt sie uns, was uns in nicht zu ferner Zukunft erwartet.
Eine Kostprobe davon ist gegeben, wenn Psychiater zwangseingewiesenen „Patienten“ in offensichtlich aller Ernsthaftigkeit erklären, daß ihre religiösen Glaubensüberzeugungen oder ihre kritischen Haltungen dem Leben gegenüber, ihr „Mangel an sozialer Anpassung,“ wie die Ärzte sagen, ein klares Symptom geistiger Erkrankung seien.
Die Weltanschauung, von der solche Ansicht stammt, ist nicht in Rußland geboren – sie wuchs und trieb Blüten auf westlichem Boden. Aus diesem Grund bin ich sicher, daß auch der Westen von der gleichen Gefahr bedroht ist, wenn vielleicht auch in anderer Weise – von der Perfektion der Techniken zur Manipulation des Denkens, von der Veränderung des Menschen in ein „eindimensionales“ Wesen, das seiner inneren Freiheit beraubt ist…

Sehr geehrter Herr Dr. Weinberger,
Sehr geehrte Freunde und Förderer der Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V.,
Sehr geehrte Damen und Herren,
seit der Überwindung meiner über 30 jährigen partiellen Amnesie im Zusammenhang mit meiner zwangsweisen Unterbringung als gerade 16 jähriger, pol. Gefangener (§213 StGB DDR) in dem weltweit als die Hölle von Ueckermünde bekannten „HEILKLINIKUM“, den heutigen AMEOS-Kliniken, befasse ich mich mehr oder weniger freiwillig mit dem pol. initiierten Missbrauch der Psychiatrie.
Ich danke und beglückwünsche Sie zu ihrem „neuen“ Internetauftritt. Er ist in gewisser Weise ein Quantensprung und wird bereits rein optisch den ohnehin wertvollen Inhalt aufwerten.
Bitte erlauben Sie mir, Ihnen meine persönliche Achtung und meinen Respekt zu erklären.
Gleichzeitig erlaube ich mir die Hoffnung, dass sich noch weitere Fachleute konstruktiv in die –oftmals leider auch noch heute hochgradig ominösen- Geschehnisse konstruktiv einbringen.
Mit freundlichen Grüßen
Karsten Zühlke
Sehr geehrte Damen und Herrn,
Was sich am 13.2.2012 im Landtag Baden-Württemberg abgespielt hat, sollten Sie sich unbedingt zu Gemüte führen:
http://www.youtube.com/watch?v=9vjnHK-5vIk
MdL. Manfred Lucha – selbst Leiter eines sozialpsychiatrischen Dienstes hatte die von der CDU-Vorgängerregierung vorgenommenen Kürzungen der Zuschüsse für die SPDi’s wieder rückgängig gemacht.
Mit seinem Einzug in den Landtag wurde die Landeskasse zum Selbstbedienungsladen für die Psycho-Branche. Zu der Anhörung im Landtag hatte Lucha all seine “Amigos” geladen, die sich dann auch höflich für den von Lucha angeordneten Geldsegen bedankten. Allerdings waren auch jede Menge Psychiatrie-Erfahrene, sowie der Rechtsanwalt Schneider-Addae-Mensah, der das wegweisende Urteil gegen psychiatrische Zwangsbehandlung vor dem Bundesverfassungsgericht erstritten hatte, anwesend. Diese Gruppe bot Lucha und seinen Leuten ordentlich Paroli.
Auch im Sozialministerium von Baden-Württemberg spielt sich ähnliches ab. Hier sollt ein neues “Landespsychiatriegesetz” ausgearbeitet werden. Zu den Sitzungen eingeladen waren Vertreter all derjenigen, die an der Psychiatrie und ihrem Umfeld verdienen, also z.B. Vertreter von Psychiatrien, sozialpsychiatrischen Diensten, Psychologenverbände Diakone und Caritas usw. Mit anderen Worten: All diejenigen, die in diesem Umfeld verdienen, sollten für sich selbst ein maßgeschneidertes Gesetz machen dürfen. Die Liste der Teilnehmer habe ich übrigens hier…
Mfg.
Winston Smith