{"id":102,"date":"2010-08-16T09:58:45","date_gmt":"2010-08-16T09:58:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/?p=102"},"modified":"2012-08-16T16:51:10","modified_gmt":"2012-08-16T16:51:10","slug":"warum-kritik-der-psychoanalyse-zu-ihrer-wiederein%c2%adfuhrung-nach-45","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/warum-kritik-der-psychoanalyse-zu-ihrer-wiederein%c2%adfuhrung-nach-45\/","title":{"rendered":"Zur Wiederein\u00adf\u00fchrung der Psychoanalyse in Deutschland nach &#8217;45"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Freud, die Psychoanalyse und die Folgen waren \u00fcber die Jahre oft Themen auch der\u00a0 GEP-Rund\u00adbriefe. Nun kam der Wunsch auf, die umf\u00e4nglichsten, jeweils spezielle Aspekte beleuchtenden Beitr\u00e4ge\u00a0im deutschen INFC-Teil zusammenzustellen, um sie den speziell interessierten Lesern leichter und konzentrierter zug\u00e4nglich zu machen. Freud spielt ja in alles Weitere von uns Behandelte hinein, ist vielfach Ursprung und Basis der von uns aufgezeigten N\u00f6te. Der folgende Artikel stand erstmals in RB 1\/10,3.<\/em><strong><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><strong>Warum Kritik an der Psychoanalyse? Eine kurzgefa\u00dfte Geschichte ihrer Wiederein\u00adf\u00fchrung in Deutschland nach \u201945 an Hand von Feststellungen anderer und pers\u00f6nlichen Erfahrungen<\/strong><\/p>\n<p><strong>1\u00a0 <\/strong>Immer wieder wird gefragt, warum wir \u00fcber alle Schwierigkeiten hinaus, die die Kri\u00adtik am Psychiatrie\u00admi\u00dfbrauch, an dem der DDR in Sonderheit, an den Ver\u00adbrechen des Sozialismus gar allge\u00admein, \u00fcber alle Ma\u00ad\u00dfen schon einbringt, auch noch Kritik an der Psychoana\u00adlyse \u00fcben, die doch selbst in psychiatriekritischen Kreisen heute als gute Alternative und in deutschsprachigen L\u00e4ndern insgesamt als heh\u00adre Heilkunde gilt.<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-1\" id=\"refmark-1\"><sup>[1]<\/sup><\/a> Ihre Zur\u00fcckweisung m\u00fcsse uns so doch nur noch gr\u00f6\u00dfere Schwierig\u00adkeiten einbringen.<\/p>\n<p>Die Antwort: Weil auf dem Gebiet ein Schwin\u00ad\u00ad\u00addel in den anderen greift &#8211; auch in der Psycho\u00adanalyse liegt Beugung der Wissenschaft mit fragw\u00fcrdigen Folgen und damit Mi\u00df\u00adbrauch der Seelenheilkunde vor -, ist ei\u00adnem Schwin\u00addel und einem Mi\u00dfbrauch nicht ohne den an\u00ad\u00adde\u00adren<em> <\/em>zu weh\u00adren, ist jeglichem Mi\u00dfbrauch des Fachs, jeglichem Schwin\u00addel auf dem Gebiet mit gleicher Ent\u00adschie\u00ad\u00ad\u00ad\u00adden\u00adheit entge\u00adgen\u00adzutreten. Nicht von un\u00adgef\u00e4hr hat es so die GEP in ihrer Sat\u00adzung fixiert und hat es in der Auslegung ihrer Ver\u00adeinsziele von 1994 noch\u00admals bekr\u00e4ftigt (RB 2\/94,8.5).<\/p>\n<p>Fehlpraktiken hat es in der Seelenheilkunde gewi\u00df auch ohne Freud genug gegeben, im braunen Terror weit Schlimmeres noch. Seit der russischen Revolution steht mit dem gar nicht so erfolglosen Trotz\u00adky\u00adschen Versuch der Schaffung eines \u201e<em>neuen Sowjet\u00admen\u00adschen<\/em>\u201c (RB 1\/08,4.4) die Psychoanalyse gar am Anfang des umf\u00e4nglichsten <em>politischen Mi\u00dfbrauchs der Seelen\u00adheilkunde <\/em>\u00fcberhaupt. Mit der 68er Ver\u00adqui\u00adckung von Psy\u00ad\u00ad\u00adcho\u00adana\u00adlyse und Marxis\u00admus hat sie das Denken auch in vielen west\u00adlichen L\u00e4ndern gepr\u00e4gt, vielleicht auch hier einen \u201e<em>neu\u00aden Men\u00adschen<\/em>\u201c<em> <\/em>schon<em> <\/em>her\u00advor\u00adgebracht, ei\u00adnen, wie man\u00adche fin\u00adden, \u201epolitisch (korrekt)\u201c unbek\u00fcmmert-unkritischen, die verbreitete Verharmlosung besagter Ver\u00adbre\u00adchen sym\u00adpto\u00adma\u00ad\u00ad\u00adtisch daf\u00fcr. Nicht von un\u00adgef\u00e4hr hat Karl Jaspers (1883-1969)<strong> <\/strong>dem Kom\u00ad\u00admu\u00adnis\u00admus, dem Nazis\u00admus (der Ras\u00adsentheo\u00adrie) und der Psychoanalyse einen \u00e4hn\u00ad\u00adlich to\u00adtalit\u00e4ren Charakter zu\u00ader\u00adkannt (s.u.). Es ist gewi\u00df ange\u00admes\u00ad\u00adsen, auch der Ana\u00adlyse weiter kritische Auf\u00admerk\u00adsamkeit zu widmen. Auf Jaspers hat uns un\u00adser Mitgr\u00fcnder und langj\u00e4hriger Eh\u00adren\u00adpr\u00e4\u00adsident Walter Ritter von Baeyer im\u00admer ge\u00adwiesen.<\/p>\n<p><strong>2\u00a0 <\/strong>In englischsprachigen L\u00e4n\u00addern ist die Psychoanalyse jetzt in freiem Fall. Hier\u00adzulande wird sie weiter ge\u00adst\u00fctzt. Erst Ende November 2009 machte in Berlin eine neue private \u201e<em>Hochschule<\/em>\u201c als \u201e<em>In\u00adternational Psycho\u00adanalytic University &#8211; IPU<\/em>\u201c auf,<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-2\" id=\"refmark-2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> offen f\u00fcr (aus dem Lager der Sozial-P\u00e4\u00adda\u00adgo\u00adgen, Sozialarbeiter usw. kommende) \u201e<em>Quer-Ein\u00adsteiger<\/em>\u201c (RB 1\/09,3.5). Gleichzeitig be\u00ad\u00ad\u00adst\u00e4rkte der Vor\u00adsit\u00adzende der KBV Dr. K\u00f6hler die Freu\u00addianer, \u201e<em>ihre Bedeutung f\u00fcr die Versor\u00adgung <\/em>(wessen?) <em>in der \u00d6f\u00adfentlichkeit st\u00e4rker zu vertreten<\/em>\u201c und die \u201e<em>psychoso\u00admati\u00adschen Geb\u00fchrenziffern \u2026 st\u00e4r\u00adker zu ben\u00fct\u00adzen<\/em>\u201c (D\u00c4 50\/09), was un\u00adter gegebenen Bedingungen<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-3\" id=\"refmark-3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> fast einer Anstiftung zur Betr\u00fcgerei gleichkommt. Sind doch die relevanten \u201eNachweise\u201c einer the\u00adrapeutischen Wirkung der An\u00adalyse als Augenwischerei ausgewiesen (RB 2\/03, 5.2). Schon Breuers und Freuds erster, als Be\u00adhand\u00adlungs\u00aderfolg ausgegebener Fall der <em>Anna O<\/em>. war ein Flop. Nat\u00fcrlich ben\u00fctzen viele \u00c4rz\u00adte die fetten Ziffern gern und finden nichts dabei, den Schwin\u00addel da\u00admit weiter zu best\u00e4rken. KBV-Richtlinien gem\u00e4\u00df (RB 2\/07,5.4) erfinden sie <em>Es-Ich-\u00dcberich<\/em>-Kon\u00adflikte als Ursache dieser oder je\u00adner \u201eSt\u00f6rung\u201c. Auch so l\u00e4\u00dft sich der Freudsche Ge\u00dfler-Hut gr\u00fc\u00dfen, der Psy\u00adcho\u00adana\u00adlyse (1), Psychosomatik (2), Tie\u00adfen\u00adpsy\u00adcho\u00adlo\u00adgie (3) Re\u00ad\u00adverenz erwei\u00adsen, 2 und 3 in aller Regel gleich 1.<\/p>\n<p>In etwa gleich\u00adzeitig waren <em>Anfang der 70er <\/em>der so\u00ad\u00adwje\u00adti\u00adsche Psychiatriemi\u00dfbrauch, hierzulande aber die Psych\u00adiatrie-Re\u00adform und, in sie integriert, die Etablie\u00adrung der Psychoanalyse in Gang ge\u00adkom\u00admen. In gleicher Weise und gleich\u00ad<em>zeitig <\/em>er\u00adhob ich so gegen sie Einspruch. Aus\u00adgie\u00adbig konnte ich diesen an\u00adfangs noch im Deutschen \u00c4rz\u00adte\u00adblatt publizieren. Es be\u00adfand sich damals<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-4\" id=\"refmark-4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> noch nicht in 68er H\u00e4n\u00adden. Diesem meinem, unserem Vor\u00adgehen gegen Mi\u00dfbr\u00e4uche der Seelen(heil)kunde der <em>verschiedenen Art <\/em>begegneten von Anfang an von Seiten der Psy\u00adcho\u00adana\u00adly\u00adtiker sch\u00e4rfster Widerstand, der gleiche Aus\u00addruck entgeisterter Mi\u00dfbilligung, still (mitunter auch laut) kochen\u00adder\u00a0 Wut, wie ich ihn auch in der Mitgliederversammlung der DGPN 1972 in Wies\u00adbaden erlebt hatte (RB 1\/88, S. 60). Sie hat\u00adte ich aufgefordert \u2013 wer wagte es sonst? \u00ad-, gegen den Mi\u00dfbrauch des Fachs in der Sowjetunion vorstellig zu werden. Der Ha\u00df der Freudianer aber traf und trifft, wie h\u00e4ufig in Sekten, be\u00adson\u00adders Re\u00adne\u00adga\u00adten,<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-5\" id=\"refmark-5\"><sup>[5]<\/sup><\/a> sol\u00adche, die etwa ein Berufsleben lang Psycho\u00adthe\u00adra\u00adpie aus\u00fcbten, gar \u201e<em>psychoana\u00adlyti\u00adsche Me\u00adthoden be\u00adn\u00fctzten\u201c <\/em>(Jaspers, s.u.)<em>,<\/em> die die \u201e<em>psycho\u00adsomatischen Ge\u00adb\u00fch\u00adren\u00adzif\u00adfern<\/em>\u201c wie Freud\u00ad\u00adschen Axiome jedoch mieden und da\u00admit dem auf\u00adge\u00adstellten Ge\u00dfler-Hut den Gru\u00df verweigerten.<\/p>\n<p>Immer ad personam gingen die Angriffe der Freudianer und brachten anf\u00e4ngliche Mitstreiter von uns ab. Auch die \u00c4rzte-Ra\u00ad\u00adbau\u00adken, die 1974 den Deutschen \u00c4rztetag in Berlin und hier just die Psychia\u00adtrie-De\u00adbatte spreng\u00adten, r\u00fcckten in ihrem vor der Kongre\u00df\u00adhalle verteilten Pamphlet \u201e<em>Verkauft und ver\u00adraten<\/em>\u201c just die besagten, u.a. freud-kritische Publikatio\u00adnen (Fn 12) \u2013 an Brisanz kamen sie den GEP-Rund\u00adbrie\u00adfen gleich &#8211; ins nicht mehr Dis\u00adku\u00adtab\u00adle, Habermas-scher \u201e<em>Ausgren\u00adzung vom Dis\u00ad\u00adkurs<\/em>\u201c entspre\u00adchend. Ihre 68er Positionen und Ma\u00adnieren fan\u00adden zuneh\u00admend freilich Anklang in der ge\u00adsamten Ge\u00adsell\u00adschaft, den Me\u00addien und auch bei der Union, geballt dann in der Psychiatrie-Enqu\u00eate.<\/p>\n<p>Was wir nach der Vereinsgr\u00fcndung 1977 unter von Baeyers Aegide als DVpMP und ab 1999 dann als GEP ne\u00adben besagten The\u00ad\u00ad\u00admen zum Psych\u00adia\u00adtrie\u00admi\u00df\u00adbrauch im Sozialismus vorbrachten, kam so bei der \u00c4rzteschaft, ja der <em>gesamten <\/em>politischen Klasse nicht mehr an. Selbst die Opferverb\u00e4nde, <a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-6\" id=\"refmark-6\"><sup>[6]<\/sup><\/a> die doch den Op\u00ad\u00adfern dienen sollten, wollten von diesem Mi\u00dfbrauch in der DDR und sei\u00adnen Opfern nichts mehr wissen. Prim\u00e4r folgen sie halt ihren Geldgebern, das hei\u00dft der Regierung.<\/p>\n<p><strong>3\u00a0 <\/strong>Wie sich die Wandlung der Gesell\u00adschaft, mit ihr die Wand\u00adlung auch der \u00c4rzteschaft und ihres Or\u00adgans ins neo\u00ad\u00admarxistisch-\u201e<em>politisch Kor\u00adrekte<\/em>\u201c ab\u00adspielten, haben wir \u00f6f\u00adters schon beleuchtet. In den USA trug sich un\u00adter dem Einflu\u00df der Psychoana\u00adlyse ja \u00c4hnliches zu (RB1\/ 08,3). Ih\u00adre (Wie\u00adder-)Eta\u00adblie\u00ad\u00adrung nach 1945 in Deutschland m\u00fcndete bei den 68ern und brachte die all\u00adgemeine Korruption im Land auf den Weg, den Ver\u00adri\u00df \u201e<em>se\u00adkun\u00add\u00e4\u00adrer<\/em>\u201c, wenn nicht ganz prim\u00e4rer \u201e<em>Tugenden<\/em>\u201c (Lafontaine), das Sch\u00f6nreden sexueller \u00dcbergriffe auf Minderj\u00e4hrige nicht zuletzt. DIE HOHE KUNST DER KOR\u00ad\u00adRUP\u00adTION, Hoffmann &amp; Campe, 1989, pries der Psychoanalytiker Horst-Eberhard Richter, nach A. Mitscherlich Leiter des Sigmund-Freud-In\u00adstituts in Frankfurt, beliebter Festredener der deutschen \u00c4rzte. Nat\u00fcrlich kam Freud wie sei\u00adnen Anh\u00e4ngern viel Mensch\u00adli\u00adches entgegen. Angst in ihren vielf\u00e4l\u00adtigen For\u00admen mach\u00ad\u00adte gewi\u00df den gr\u00f6\u00dften Teil des \u201e<em>neurotischen Elends<\/em>\u201c aus, dem abzuhelfen er billig versprach. Zwar half die Analyse gegen die Phobien, ge\u00adgen krankhafte Angst, auch nicht,<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-7\" id=\"refmark-7\"><sup>[7]<\/sup><\/a> weckte aber wenigstens Hoffnung, die sie bei ihrer langen bis un\u00adendlichen Dauer nie einl\u00f6sen mu\u00dfte. Mit\u00adunter halfen Spontanheilungen.<\/p>\n<p>\u201e<em>Da\u00df die Psychoanalyse in den ersten Jahren nach 1945 an der Heidelberger Universit\u00e4t Fu\u00df fassen konnte<\/em>\u201c, sei, schreibt Bormuth<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-8\" id=\"refmark-8\"><sup>[8]<\/sup><\/a>, \u201e<em>das Verdienst<\/em>\u201c Viktor von Weizs\u00e4ckers und Alexander Mitscher\u00adlichs. Dieser, vor 1933 mit Ernst J\u00fcnger und Ernst Niekisch \u201e<em>national-re\u00advolutio\u00adn\u00e4r<\/em>\u201c bewegt und von Hause aus gut betucht, war kri\u00adtisch ge\u00adworden, als er das NS-Sy\u00adstem ab 1933 selbst un\u00adgut zu sp\u00fcren bekam, 1935 gar ein paar Monate Gestapo-Haft. Gr\u00f6\u00dftm\u00f6glich\u00aden Abstand hielt von Baeyer von ihm.<\/p>\n<p>Von Weizs\u00e4cker, urspr\u00fcnglich von seinem Kommilitonen Kronfeld f\u00fcr Freud erw\u00e4rmt, besuchte diesen 1926 in Wien. Von ihm erlebte er f\u00fcr eine erste an ihn anlehnende Ar\u00adbeit aber eher eine Ab\u00adfuhr. So brach er 1933 den Kon\u00adtakt zu Freud ab, erw\u00e4hnte ihn bis 1945 nicht mehr, warf selbst eines seiner B\u00fccher ins Nazi-Feu\u00ader und erkl\u00e4rte daf\u00fcr den Antisemiten C.G. Jung zur \u201e<em>S\u00e4u\u00ad\u00adle der Psycho\u00ad\u00adthera\u00adpie<\/em>\u201c. 1941 erhielt er einen Lehr\u00ad\u00adstuhl f\u00fcr Neu\u00adrologie in Breslau, an dem, hei\u00dft es, ein Mit\u00adarbeiter Ge\u00adhirne \u201eeuthanasierter\u201c Kinder sezierte. 1945 nach Hei\u00addelberg zu\u00adr\u00fcckgekehrt, stellte er sich, die Psychoso\u00admatik wieder aufnehmend, daf\u00fcr \u201e<em>mit kom\u00adpen\u00adsa\u00adto\u00adri\u00adscher Leiden\u00ad\u00adschaft<\/em>\u201c hinter \u201e<em>den \u201ekul\u00adtur\u00adkritischen Impetus der Psychoanalyse als notwen\u00addige \u201ageistige Revolution\u2019<\/em>\u201c. Mit Mitscherlich zusammen h\u00e4ngte er die Verbrechen der Nazi-\u00c4rzte der natur\u00adwis\u00adsen\u00adschaft\u00adlich gepr\u00e4gten Medizin an<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-9\" id=\"refmark-9\"><sup>[9]<\/sup><\/a> und propa\u00adgierte ihre \u201e<em>Befrei\u00adung<\/em>\u201c \u201e<em>von der Bevormundung durch die Naturwissenschaft<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>In <em>Die geistige Situation der Zeit \u2013 1931 <\/em>hatte Jaspers an der Rassentheorie, am Marxismus und eben an der Psychoanalyse \u00e4hnlich totalit\u00e4re Z\u00fcge ausgemacht. Dem folgenden Ter\u00adror entging er mit seiner j\u00fcdischen Frau nur knapp. Ihm, der als einer der wenigen \u00fcberragen\u00adden Gelehrten des Landes vor dem aufzie\u00adhen\u00adden Nazismus <em>rechtzeitig <\/em>gewarnt hatte, begegneten Mitscherlich und in seiner Begleitung von Weiz\u00ads\u00e4cker als die wahren Antifaschisten.<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-10\" id=\"refmark-10\"><sup>[10]<\/sup><\/a> Als sie ihre Absicht, mit der Einrich\u00adtung eines Instituts die freudsche Ideologie uni\u00ad\u00adver\u00adsit\u00e4r zu etablieren, immer deutlicher hervorkehrten, widersetzte sich ihnen Jaspers immer heftiger (s. 3.4). Die Herren aber unterliefen sei\u00adne und weitere Widerst\u00e4nde mit allerlei Tricks &#8211; verschleiernd firmierte ihr Institut erst etwa als \u201e<em>Abteilung f\u00fcr All\u00adge\u00admeine Therapie<\/em>\u201c \u2013 und \u00fcbert\u00f6lpelten schlie\u00dflich die ge\u00ad\u00adsamte Fakult\u00e4t und bald das ganze Land. Unterst\u00fctzung kam aus Ber\u00ad\u00adlin von den Resten des dortigen G\u00f6ring-In\u00adsti\u00adtuts.<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-11\" id=\"refmark-11\"><sup>[11]<\/sup><\/a> Besagte \u201e<em>Reform der Me\u00addizin<\/em>\u201c aus dem Freudis\u00admus geht in \u00e4hnlicher Weise aber bis heute weiter \u2013 vgl. das j\u00fcngste Animieren von KBV-Bo\u00df K\u00f6hler (3.2). Ein gro\u00dfes St\u00fcck voran brachte sie vor allem die <em>Psych\u00adia\u00adtrie-En\u00adqu\u00eate<\/em> und \u2011Re\u00adform der 70er Jahre. An Jaspers\u2019 War\u00adnungen ging das Land wie vor 1933 vorbei. Jaspers verlie\u00df es 1948 und legte bald darauf die deutsche Staatsb\u00fcrgerschaft ab.<\/p>\n<p>Von Weizs\u00e4ckers Psychosomatik versprach eine \u201e<em>anthropologische Vollkommenheit<\/em>\u201c, die dem Trotzky\u00adschen \u201e<em>neu\u00aden Sowjetmenschen<\/em>\u201c kaum nachstand. \u201e<em>Psychotherapie or\u00ad\u00adgani\u00adscher Krankheiten<\/em>\u201c sollte, schrieb er, mit der \u201e<em>Neu\u00adpro\u00adduktion eines Konfliktes auf gesellschaftlicher Ebene einhergehen<\/em> \u2026 <em>Ob Ehescheidung , politischer Um\u00adsturz oder re\u00adligi\u00f6se Revolution \u2013 allemal wird der so Geheilte zum Geg\u00adner gewohnter Ordnung werden und sein Arzt von den Freun\u00adden und Nutznie\u00dfern der gewohnten Ord\u00adnung mi\u00df\u00adbilligt werden\u2026 Die recht verstandene psychosomatische Medizin hat einen umst\u00fcrzenden Charakter\u201c <\/em>(Bormuth, S. 236.). Die \u00c4rzteschaft mi\u00dfbilligte sie freilich keineswegs. Sie wie die gesamte \u201epolitische Klasse\u201c unterst\u00fctzten sie und die mit ihr einhergehende Kulturrevolution vielmehr nach\u00addr\u00fccklich.<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-12\" id=\"refmark-12\"><sup>[12]<\/sup><\/a> Ob die \u00c4rzte drau\u00dfen im Land ihr wirklich als Agenten des Wertewandels dienen wollten, wurden sie nie ge\u00adfragt, wie ja auch der restlichen Bev\u00f6lkerung der 68er Wer\u00ad\u00adte\u00adkanon vom Gender-Mainstreaming bis zur Milde f\u00fcr SED-Verbre\u00ad\u00adcher eher \u00fcbergest\u00fclpt wurde und wird. Die \u00c4rzte wie viele andere taten nolens volens mit, wie ihnen eingetrichtert wurde.<\/p>\n<p>Mit ihren Vorhaben aber kamen Mitscherlich &amp; Co. voran vor allem, weil es in den USA M\u00e4chtige gab, die \u00e4hnlich kul\u00adturrevolution\u00e4r gestimmt waren (RB 1\/ 08,3). Amerika ist eben auch das Land, in dem ein Herbert Marcuse wirkte, ein G. Brock Chisholm (RB 2\/00, 3.3) bald zum ersten Generalse\u00adkre\u00adt\u00e4r der WHO avancierte, wo die Revolution der 68er ihren Ursprung nahm und Jahrzehnte zu\u00advor bereits ein Schiff voller Geld in Richtung Petersburg ausgelaufen war, Trotzky an Bord, um mit Lenin zusammen die Oktoberrevolution zu ver\u00adanstalten. Mitscherlich hatte \u201945 offensichtlich ein Gesp\u00fcr daf\u00fcr, was unter der Fahne der Freiheit jetzt anstand. Es waren jedenfalls aktuelle <em>po\u00adli\u00adti\u00adsche <\/em>Kl\u00fcn\u00adgel,<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-13\" id=\"refmark-13\"><sup>[13]<\/sup><\/a> die der Psy\u00adcho\u00adsomatik und mit ihr bald der 68er \u201eRevolution\u201c zum Durchbruch verhalfen. Karl Jaspers, Hannah Arendt und viele andere immer noch dem ho\u00adhen j\u00fcdisch-christ\u00adli\u00adchen Menschenbild verhaf\u00adte\u00adte Ideali\u00adsten, nicht zuletzt auch von Baey\u00ader und wir wur\u00adden kontinuierlich ausgebremst und ausgegrenzt. Die Entwicklung merkw\u00fcrdig <strong>verschlafen haben unsere Kirchen<\/strong>.<\/p>\n<p><strong>4\u00a0 <\/strong>Nur um nochmals ansichtig zu machen, wie deutsche Psychiater von Weltgeltung gegen Freud argumen\u00adtier\u00adten, was speziell Jaspers dem hier behandelten Mitscher\u00adlich-von-Weiz\u00ads\u00e4\u00adcker\u00ad\u00ad\u00adschen Vorge\u00adhen entgegensetzte und was die deutsche \u00c4rzteschaft danach l\u00e4ssig vom Tisch wischte und bis heute ignoriert, einige Zitate (teil\u00adweise in RB 2\/00, 3.3 schon wiedergegeben):<\/p>\n<p><strong>Emil Kraepelin<\/strong><a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-14\" id=\"refmark-14\"><sup>[14]<\/sup><\/a> aus <em>Dementia praecox and Para\u00adphrenia<\/em> (aus dem Englischen r\u00fcck\u00fcbersetzt):<\/p>\n<p><em>\u201e\u2026 \u00dcberall treffen wir den charakteristischen Grundzug der Freudschen Untersuchungsmethode, die Pr\u00e4\u00adsenta\u00adtion willk\u00fcrlicher Annahmen und Kon\u00adstrukti\u00ado\u00adnen als Fakten, die ohne Z\u00f6gern zum Bau neuer und immer h\u00f6her aufget\u00fcrmter Luftschl\u00f6sser genommen werden, wie auch die Tendenz, von einzelnen Beobachtungen aus zu ma\u00dflosen Generali\u00adsierungen zu ge\u00adlan\u00adgen. Ich mu\u00df letztlich bekennen, da\u00df ich beim be\u00adsten Willen dem Gedankenflu\u00df dieser \u201aMeta-Psych\u00adiatrie\u2019 nicht folgen kann<\/em>\u2026\u201c<\/p>\n<p>Aus <strong>Karl Jaspers\u2019<em> <\/em><\/strong><em>Zur Kritik der Psychoanalyse<strong><a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-15\" id=\"refmark-15\"><sup>[15]<\/sup><\/a><\/strong><\/em><\/p>\n<p><em>\u201e\u2026 <strong>Freud der \u00fcberragende Kopf. Das Gewicht seines We\u00adsens, die Radikalit\u00e4t, mit der er bis zum Absurden geht<\/strong>, sein Bezug auf die Krisis eines verlo\u00adge\u00adnen Zeitalters, sein Stil und seine Eigenwilligkeit wirken st\u00e4rker, als irgendeiner der Nachfolger es vermochte. \u2026 Es ist l\u00e4ngst durch Kritiken gezeigt worden, was in seinen Schilderungen, Deutungen, Thesen Erkenntnis\u00adbe\u00addeu\u00adtung hat, was pseudowissen\u00adschaftliches Verfahren, was in der Folge nicht etwa Fortschritt einer haltbaren Theorie, sondern blo\u00dfer Wandel der Einf\u00e4lle des Autors ist. Freud nimmt nicht teil am Sinne moderner Wissenschaft. Er bewirkt mit seinen Entschleierungen selber neue Verschleierungen&#8230;.<\/em><\/p>\n<p><em>Heute gibt es innerlich unabh\u00e4ngige Psychotherapeuten, die den Menschen lieben und ihm helfen m\u00f6chten. In je einmali\u00adger pers\u00f6nlicher Gestalt tun sie vern\u00fcnftig das M\u00f6gliche. Sie benutzen auch psychoanalytische Methoden, ohne ihnen zu verfallen. Sie organisieren und technisieren nicht, was f\u00fcr immer Sache der geschichtlichen Kommunikation einzelner Men\u00adschen bleibt. Sie sind naturwissen\u00adschaftlich klares Erkennen gew\u00f6hnt und haben es stets als die Grundlage aller Therapie gegenw\u00e4rtig. Von ihnen soll hier nicht die Rede sein\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Die Weise der therapeutischen Wirkung <\/em>(der Psychoanalyse) <em>ist fragw\u00fcrdig. Man wei\u00df, da\u00df alle psy\u00adchotherapeutischen Verfahren in der Hand wirksamer Pers\u00f6nlichkeiten Erfolge haben, durch die Jahr\u00adtau\u00adsende hindurch. Man sieht, da\u00df psychoanalytische Verfah\u00adren ebensoviel Erfolge und Mi\u00dferfolge haben wie andere Me\u00adthoden. Die Befriedigung mancher Patienten an der eingehen\u00adden Besch\u00e4ftigung mit ihnen und ihrer gesamten Biographie ist nicht gut als Heilung zu bezeichnen. \u2026Was hier Therapie hei\u00dft in der Unbe\u00adstimmt\u00ad\u00ad\u00adheit und Be\u00adliebigkeit des Sinns von Heilung, ist an dem Worte eines namhaften Psychoanalytikers von 1933 zu er\u00adken\u00adnen: die gr\u00f6\u00dfte psychotherapeutische Handlung sei die Wirkung Adolf Hitlers\u2026<\/em>\u201c &#8211; nach Bormuth (S.252) Aus\u00adspruch des Psychoanalytikers (Hans von) Hattingberg.<\/p>\n<p><em>\u201eEs erw\u00e4chst <\/em>(aus der Psychoanalyse) <em>der Anspruch eines Totalwissens vom Men\u00adschen, von seiner eigentlichen Substanz, die noch vor der Scheidung in Leib und Seele liegt. Diese Totalisierung der Menschenauffassung ist wissenschaftlich unm\u00f6glich. Sie ist als Denkstruktur dem Totalitarismus in der historisch-sozio\u00adlogi\u00adschen Auffassung analog. Sie beruht auf der Verwechslung von Erkennbarkeit und Freiheit. Freiheit, zum Gegenstand ge\u00admacht, ist nicht mehr Freiheit.<\/em><\/p>\n<p><em>Krankheit wird zur Schuld. Was in begrenzten Bereichen ein m\u00f6glicher Standpunkt gegen\u00fcber Krankheitserscheinun\u00adgen ist &#8211; in keinem Falle ein \u00e4rztlicher Stand\u00adpunkt &#8211; das wird mehr oder weniger deutlich auf alle Krankheiten aus\u00adgedehnt. Eine falsche und in ihren Folgen inhumane Philoso\u00adphie verdirbt den Sinn und das Ethos \u00e4rztlichen Helfens.<\/em><\/p>\n<p><em>Es entsteht, mehr oder weniger bewu\u00dft, eine Vorstellung von menschlicher Vollkommenheit, die Ge\u00adsundheit genannt wird. Die Einheit des Menschen, die Einheit der Wissenschaft, die Einheit der Medizin werden pathetisch betont &#8211; aber ge\u00admeint als Unterwerfung unter die fragw\u00fcr\u00addigen Glaubensge\u00adhalte der schlechten, schwankenden, in verwirrenden dialek\u00adtischen Kreisen unklar sich bewegenden Philosophie <\/em>(Freuds)<em>&#8230; Man fragt sich, ob die Psycho\u00adanalyse der Weg sei zur Reife\u2026 \u00a0Oder ob hier nicht vielmehr durch verkehrten, bodenlosen Glauben, der sich fa\u00adnatisch festh\u00e4lt, der Weg verlegt wird zum eigent\u00adlichen Menschsein\u2026<\/em><\/p>\n<p><em>Das medizinische Kleid f\u00fcr unmedizinische Anschau\u00adun\u00adgen, das \u00e4rztlich-therapeutische Kleid f\u00fcr un\u00ad\u00e4rztliche Be\u00adhandlungs\u00admethoden im Umgang mit Leiden und N\u00f6ten schafft eine Ver\u00adwirrung der Grund\u00adhaltung, die den Boden bereitet f\u00fcr eine Orthodoxie&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>\u2026 Blickt man auf alle diese Er\u00adschei\u00adnungen\u2026 und sieht man dann, wie et\u00adwa auf dem Wiesbadener Internistenkongre\u00df 1949 solche Dinge ernst genommen wurden, so kann man wohl in Stau\u00adnen geraten.. Das Ma\u00df der Anerken\u00adnung in der Diskussion seitens der Nichtanalytiker, die Vorsicht, als ob etwas daran sein k\u00f6nne,<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-16\" id=\"refmark-16\"><sup>[16]<\/sup><\/a> die Sorge, bei radikaler Verwerfung der Unwissenschaft als befangen zu gelten, zeigt, wie tief die Wirkung dieser Glau\u00adbens\u00adweisen geht. Es k\u00f6nn\u00adte hier, wo mit der Wissenschaft zu\u00adgleich Freiheit und Menschlichkeit und der Ernst des Un\u00ad\u00adbedingten bedroht sind, eine Reaktion zur notwendigen Selbstbesinnung f\u00fchren<\/em>\u2026\u201c<em> <\/em><\/p>\n<p><strong>5\u00a0 <\/strong>Von Weizs\u00e4cker, Mitscherlich (der ihn bald ab\u00adh\u00e4ngte) und Co. bewiesen fraglos Geschick, Jaspers\u2019 Widerst\u00e4n\u00ad\u00addigkeit zu \u00fcberwinden. An seinen Mahnungen ging Deutsch\u00adland wieder vorbei,<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-17\" id=\"refmark-17\"><sup>[17]<\/sup><\/a> ebenso an denen vieler an\u00adderer Freud-Kritiker, die sich bald, auf neue Entdeckungen Freudscher Flunkerei ge\u00adst\u00fctzt, zu\u00adnehmend in aller Welt zu Wort meldeten. Hierzu\u00adlande wurde derweil aus\u00adgegrenzt, wer an Freud nicht glaub\u00adte. Selbst f\u00fcr Opferverb\u00e4nde gilt heute als psychiatrisch nur oder doch be\u00adson\u00adders kompetent, wer wie die Damen S\u00fc\u00df (2.2) und Ebbing\u00adhaus (2.1) dem Freudschen Aberwitz anh\u00e4ngt, am besten den 68ern rund\u00adheraus (RB 2\/09,1). Diesen galt ja die DDR \u00e0 priori als das bessere Deutschland.<\/p>\n<p>1973, als die analytisch reichlich schon mitbestimmte Psych\u00ad\u00ad\u00adia\u00adtrie-En\u00adqu\u00eate, von der CDU\/CSU angefor\u00addert, vom Bun\u00ad\u00ad\u00addestag in Gang gesetzt, schon fortgeschritten war und ihr Zwi\u00ad\u00ad\u00ad\u00adschen\u00adbe\u00adricht bereits vorlag, toppte die damalige Bun\u00addes\u00adgesund\u00adheitsmi\u00adnisterin Focke (SPD) das Unterneh\u00admen, in\u00addem sie der Enqu\u00eate-Kom\u00admis\u00adsion noch ei\u00adnen Extra-Trupp von Ana\u00adly\u00adti\u00adkern aufsetzte. Deren Wortf\u00fchrer war jetzt Horst-Eber\u00adhard Richter, Mit\u00adscher\u00ad\u00adlichs Nachfolger als Direktor des Sigmund-Freud-In\u00adstituts in Frank\u00adfurt, SPD-Wahl\u00adk\u00e4mp\u00adfer, Vor\u00admann des Freud-(Mar\u00ad\u00adx)ismus jetzt in Deutschland (s.o.).<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-18\" id=\"refmark-18\"><sup>[18]<\/sup><\/a> Nicht zuletzt \u00fcber dem psy\u00adcho\u00adanaly\u00adti\u00adschen Auf\u00adsatz geriet der anderthalb tausend DIN-A-seitige En\u00adqu\u00eate-Be\u00adricht 1975 in seiner sprachli\u00ad\u00adchen \u00d6de, seiner Verblasenheit und seiner po\u00adlitischen Verdr\u00fccktheit \u2013 \u00fcber Institutsambulanzen ver\u00adfolgte er breiteren staat\u00adlichen Zugriff auf das Fach, \u00fcber die Psycho\u00ad\u00adtherapie Zu\u00adgriff auf jedermann \u2013 zu einer neu\u00aden Peinlich\u00adkeit der deutschen See\u00adlenheil\u00adkun\u00adde.<\/p>\n<p><strong>6\u00a0 <\/strong>Immerhin war es ja die Zeit, in der jenseits des gro\u00dfen Teichs \u2013 davon erfuhren wir freilich erst sp\u00e4ter \u2013 ein ganz anderer Trend schon eingesetzt hatte. Zu <em>Aufstieg und Fall Freuds in den USA<\/em> standen in RB 1\/08,3, st\u00fctzend auf das Buch von E. Fuller Torrey FREUDIAN FRAUD, schon einige Ausf\u00fch\u00adrungen. Ein weiteres in\u00adzwi\u00adschen er\u00adschienenes Buch verbreitert die Spur, das Buch des Psychiatrie-Profes\u00adsors an der McGill University in Montreal Joel Pa\u00adris THE FALL OF AN ICON (University of Toronto Press, 2005). Es \u00a0zeigt, wie in Nord-Ame\u00adrika bereits in den 70er Jahren die Abl\u00f6sung von Freud innerhalb der Psychiater-Zunft vorankam. Hierzulan\u00adde erw\u00e4rmten sich derweil die Seelen-Exper\u00adten, die \u00c4rzteschaft insgesamt, ja die gesamte \u201epolitische Klas\u00adse\u201c, auch die Union f\u00fcr ihn (und Marx) erst richtig. Pers\u00f6nliche Erfahrun\u00adgen einflechtend, f\u00fchrt Pa\u00adris ein Beispiel an, das die un\u00ad\u00adter\u00adschiedliche Auf\u00ad\u00adnahme des \u201eFreud-Marxismus\u201c in der der (Seelen-)Heil\u00adkunde beidseits des Atlantiks verdeutlicht.<\/p>\n<p>Auf der H\u00f6he der Revolte lud die McGill-Klinik Herbert Marcuse zur Diskussion, zu seiner fachlichen Unterst\u00fctzung dazu noch den Psychiater \u201e<em>Ro\u00adbert<\/em>\u201c. Die Versammlung wurde von einer Gruppe Maoisten gest\u00fcrmt, die die Diskussion mit Zwischenrufen st\u00f6rten. Marcuse klagte das Fach an, auf der Seite des \u201eEstablishments\u201c zu stehen. Der alt verdiente Klinikchef (Dr. Lehmann) hielt da\u00adgegen, die Revolutio\u00adn\u00e4re verspr\u00e4chen <em>nach <\/em>der Revolution kommende Sahne, lieferten sie aber nie. <em>Robert<\/em> stand auf, rief: \u201e<em>Ich geb\u2019 euch eine<\/em>\u201c und spritzte Leh\u00admann mit Sahne voll. Als ihn McGills De\u00adkan zu stoppen ver\u00adsuchte, gab\u2019s ihm \u201eRobert\u201c ebenso. Marcuse verteidigte ihn. Die Maoisten br\u00fcllten und drohten, die Ar\u00adbeiter-Klas\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00adse zum Aufruhr zu f\u00fchren. Lehmann sorgte f\u00fcr Beru\u00adhi\u00adgung, indem er einr\u00e4umte, vielleicht ein fal\u00adsches Wort gesagt zu haben. \u201e<em>Aber lassen Sie uns jetzt die Diskussion fortsetzen<\/em>\u201c &#8211; wie\u2019s dann auch geschah.<\/p>\n<p><strong>7<\/strong>\u00a0 Als in Berlin 1974 ein \u00e4hnlicher Haufen in den Deutschen \u00c4rztetag brach (RB 1\/01,6.9), lie\u00df die \u00c4rztetagsleitung die eben lau\u00adfende Psychiatrie-Diskussion \u2013 kurz war \u00a0ich da noch zu Wort gekommen &#8211; in lauter Marschmu\u00ad\u00adsik un\u00adterge\u00adhen und schlo\u00df sich in der Folge ohne viel Auf\u00adhe\u00adbens den linken Chaoten an, die Psychotherapie, in der es Ein\u00adf\u00fchlung und Offenheit braucht, der Freudschen Dogmatik \u00fcberlas\u00adsend, daf\u00fcr andere jetzt ausgrenzend.<\/p>\n<p>Paris schildert, wie die der Freud-(Marx)-Bewe\u00adgung entsprungenen \u201eSozialpsychiater\u201c selbst in den USA eine Zeitlang die Oberhand gewannen und gar das <em>National Institute for Mental Health (NIMH)<\/em> vereinnahmten. \u201e<em>The hijacking of a national research centre to pro\u00admote an agenda of social change seems incredible. <\/em><em>The institution\u2026 reflected the \u201aZeitgeist\u2019<\/em>\u201c (weitere Zi\u00adtate s. nachfolgenden Kasten). \u201eDie\u201c Psychiater waren da\u00admals in aller Welt ver\u00adsessen, die deutschen zu\u00addem von \u201e<em>kompensatori\u00adscher Lei\u00addenschaft<\/em>\u201c erf\u00fcllt, die Gesellschaft zu ver\u00e4ndern und sie (zu\u00admin\u00addest rhetorisch) von al\u00adl ihren Gebre\u00adchen zu heilen. \u201e<em>Psychis<\/em>\u201c, die Kar\u00adriere ma\u00ad\u00adchen woll\u00ad\u00adten, wa\u00adren da\u00admals allesamt \u201e<em>Sozialpsychiater<\/em>\u201c &#8211; solche, denen die Psy\u00adch\u00ad\u00adiatrie der DDR auch heute noch als \u201e<em>positiv und be\u00adwah\u00ad\u00ad\u00adrenswert<\/em>\u201c gilt (RB 1\/09,2.7).<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-19\" id=\"refmark-19\"><sup>[19]<\/sup><\/a> Neben Psychoanalytikern und Po\u00adliti\u00adkern wa\u00adren sie die treiben\u00ad\u00adde Kraft hinter der Reform. Wer ein noch so d\u00fcrftiges Pa\u00adpier\u00adchen zum En\u00ad\u00adqu\u00eate-Be\u00adricht bei\u00adtrug, hat\u00adte bereits das Ticket f\u00fcr einen psych\u00adia\u00adtrischen Chef\u00adarzt\u00adposten in der Tasche. Das \u201e<em>unfreie System der Planwirtschaft<\/em>\u201c legte da in seiner \u201e<em>Ver\u00adkorkst<\/em>heit\u201c (Philipp R\u00f6sler) im Gesundheitswesen los.<\/p>\n<p><strong>8 \u00a0\u00a0<\/strong>Effizienz-orien\u00adtier\u00adte und damit Freud-<em>kriti\u00adsche <\/em>Psych\u00ad\u00ad\u00adiater l\u00f6sten in Amerika derweil, so Paris, die lang auch dort do\u00admi\u00adnierenden Freudianer ab.<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-20\" id=\"refmark-20\"><sup>[20]<\/sup><\/a> Einige von ihnen wech\u00ad\u00adselten gar selbst zur exakten Wissenschaft \u00fcber und wur\u00adde auf deren Seite zu Pionieren wie etwa Aaron Beck. Zur Depression ent\u00adwickelte er die (angeb\u00adlich) ef\u00adfi\u00adzi\u00adenz\u00aderprobte <em>Kogniti\u00adve Therapie<\/em>.<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-21\" id=\"refmark-21\"><sup>[21]<\/sup><\/a> Wissenschaftler und Phantasten wirk\u00aden demnach auch in der Neuen Welt heute noch neben einander. So gibt es auch dort er\u00adheb\u00adliche Reste von Freud-Gl\u00e4ubig\u00adkeit und \u2013Gel\u00adtung. Da\u00df die angesehene amerikanische \u00c4rzte-Zeit\u00adschrift JAMA k\u00fcrzlich den Beitrag<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-22\" id=\"refmark-22\"><sup>[22]<\/sup><\/a> zweier deut\u00adscher Psy\u00adchologen, der die Wirksamkeit der \u201eTie\u00adfenpsy\u00adcho\u00adlogie\u201c angeblich (!) aus\u00adweist, ist wohl sym\u00adptomatisch. Der Para\u00addigmen\u00adwech\u00adsel verlaufe insgesamt, so Paris, fried\u00ad\u00adlich. Die Sache aber sei entschie\u00adden.<\/p>\n<p>Ihr S\u00fcndenregister fliegt den Analytikern und den lange mitgelaufenen US-Psych\u00adiatern nun um die Ohren. Der Schriftsteller E. Dolnick<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-23\" id=\"refmark-23\"><sup>[23]<\/sup><\/a> etwa er\u00adinnert, wie sie Eltern, in Sonderheit \u201e<em>schizophrenogenen<\/em>\u201c M\u00fcttern kranker Kinder zu all ihrem Un\u00adgl\u00fcck auch noch die Schuld an deren Leiden aufluden. Dolnick wie Paris meinen beide halb ent\u00adschuldigend jedoch, die Psychiater h\u00e4tten es halt nicht bes\u00adser gewu\u00dft.<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-24\" id=\"refmark-24\"><sup>[24]<\/sup><\/a><\/p>\n<p><strong>9\u00a0 <\/strong>Auf die geschichtliche Entwicklung verweisen auch deutsche Psychiater jetzt gern, nachdem sie die Psychoanalyse \u00fcber Jahrzehnte Platz greifen lie\u00dfen. Sie stellen diese <em>und <\/em>solide Wissenschaft jetzt einmal <em>nach <\/em>und das n\u00e4chste Mal <em>neben <\/em>einander, stellen er\u00adstere als zu\u00admindest historisch interessant, im Handumdrehen dann aber auch als therapeutisch relevant und somit ebenb\u00fcrtig hin.<a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-25\" id=\"refmark-25\"><sup>[25]<\/sup><\/a> Sie geben den Schwindel damit immer noch als honorig-emp\u00adfeh\u00adlens\u00ad\u00adwerte Therapie-Alternative aus, ja ben\u00fctzen den guten Ruf \u00e4rztlicher Wissenschaft, um Schwindel zu be\u00adst\u00e4r\u00adken. Das Ergeb\u00adnis ist, da\u00df zur Anwendung kommen\u00adde Psychotherapien zu drei Vierteln weiterhin freud-ori\u00adentiert sind (RB 1\/06,7.3).<\/p>\n<p>Auch in Ame\u00adrika aber lautet die Anklage nicht nur sanft auf hi\u00adstorischen Irrtum, sondern rundweg auf L\u00fcge und Be\u00ad\u00adtr\u00fc\u00adgerei (Torrey, FREUDIAN FRAUD \u2013 3.6). Uns steht in jedem Fall ein entschiedenes Urteil zu: Ohne da\u00df unsere einschl\u00e4gig \u00fcber Jahre erhobenen Anklagen je ge\u00adpr\u00fcft worden w\u00e4ren, wur\u00adden und werden wir ausgegrenzt, \u00a0die Freudsche Schwin\u00addel\u00adwissen\u00adschaft aber von obersten \u00c4rztevertre\u00adtern, KV-Bo\u00df K\u00f6h\u00adler u.a., weiter be\u00adst\u00e4rkt, Hil\u00adfesu\u00adchende weiter verschaukelt, Zwangs\u00ad\u00ad\u00ad\u00adbei\u00adtr\u00e4ge der Kran\u00adkenversicherten, Millionen-, Milliardensummen in den Sand ge\u00adsetzt und das ganze Land irrege\u00adf\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div><strong>Endnoten:<\/strong><\/div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<p><sup><sup><\/sup><\/sup><\/p>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div>\n<\/div>\n<div id=\"footnote-list\" style=\"display:inherit\"><span id=fn-heading>Endnoten<\/span> &nbsp;&nbsp;&nbsp;(\u21b5 returns to text)<\/p>\n<ol>\n<li id=\"footnote-1\" class=\"fn-text\">\u00a0 Es gibt auch solche, die unsere Kritik am Psychiatriemi\u00dfbrauch und unsere Freud-Kritik gegen einander auszuspielen versuchen. Von Anfang an lie\u00dfen es Gegner an Angriffen\u00a0 (und Unsinnigkeit ihrer \u201eArgumente\u201c) nicht fehlen. Wir bleiben die einzige Grup\u00adpe im Land, die den Mi\u00dfbrauchsopfern \u00fcber mehr als drei\u00dfig Jahre kompetent und selbstlos beigesprungen ist. Keine Unterstellung soll uns hin\u00addern, es weiter zu tun, wie es recht und sinnvoll ist.<a href=\"#refmark-1\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-2\" class=\"fn-text\"><\/sup><\/sup>\u00a0 \u201eUniversity\u201c nennt man das Unternehmen hochstaplerisch, weil das deutsche Wort Universit\u00e4t doch f\u00fcr echte Universit\u00e4ten steht. Auch das ein Trick, Adepten mit akademischen Aus\u00adsichten zu locken und ihnen Geld abzukn\u00f6pfen, Studiengeb\u00fchr \u20ac 32.000. DIE WELT vom 29.11.09 textete gleichwohl: \u201e<em>Die Psychoanalyse hat jetzt eine eigene Universit\u00e4t.<\/em>\u201c Echte deutsche Professoren aber machen mit, K\u00e4che\u00adle etwa (RB 2\/07, 6.1) und Freyberger (RB 2\/09,7.2).<sup><sup><a href=\"#refmark-2\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-3\" class=\"fn-text\">\u00a0 In den Geb\u00fchrenordnungen der \u00c4rzte steht f\u00fcr je\u00adde erbrach\u00ad\u00adte Leistung eine Ziffer und f\u00fcr diese dann ein Geldwert, f\u00fcr Freudsche Leistungen fraglichen Heil-Werts ein extra ho\u00adher Geldwert. Will ein Therapeut sie in Anspruch nehmen, mu\u00df sich nur zuvor in jedem Behandlungsfall in einem Gutachten als An\u00adh\u00e4nger der Freudschen Schwindel\u00adlehre bekennen. Gegen alle Verlockungen ging ich selbst diesen K\u00f6der-Ziffern mein Be\u00adrufsleben lang aus dem Weg.<a href=\"#refmark-3\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-4\" class=\"fn-text\">Gegen den Mi\u00dfbrauch der Psychiatrie in der Sowjetunion nahm ich erstmals in D\u00c4 38\/1972 Stellung\u00a0 (Replik an den da\u00admaligen Bonner Ordinarius Prof. G. Huber: \u201e<em>Soziale oder so\u00adzia\u00adlisierte Psychiatrie?<\/em>\u201c). Gegen die Machart der Psychiatrie-Reform richtete sich insbe\u00adson\u00addere mein Beitrag \u201e<em>Achillesferse Psychiatrie oder: Der Countdown einer Sozialisie\u00adrung<\/em>\u201c in D\u00c4 50\/1973. Der Beitrag <em>Vom \u2019Fach\u2019 und \u201aFach\u00adarzt\u2019 f\u00fcr Psycho\u00ad\u00ad\u00adthe\u00adra\u00adpie<\/em> in D\u00c4 40\/75 richtete sich gegen die weitere Etablierung des Psychoanalyse-Schwindels. Der linken Psy\u00adcho-Szene widersprechend \u2013 eine andere gab\u2019s damals nicht mehr -, l\u00f6sten die Beitr\u00e4ge schon viel Emp\u00f6rung aus. Da\u00df im April 1976 noch unser Aufruf zur Gr\u00fcndung unserer Ver\u00adeini\u00adgung in einer ganzseitigen (6000 Mark teuren) An\u00adzeige erscheinen konnte, m\u00fcssen wir dem Blatt zugute hal\u00adten. In D\u00c4 8\/85 erschien als Titelgeschichte ein letzter gro\u00dfer Bei\u00adtrag von mir: \u201e<em>Zeitenwende in der Me\u00ad\u00addizin?<\/em>\u201c (gek\u00fcrzter Nach\u00addruck in RB 4\/99,5).<a href=\"#refmark-4\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-5\" class=\"fn-text\">In RB 1\/09, Fn 61 ber\u00fchrte ich meine eigene tiefenpsychologische \u201eAusbildung\u201c 1964-66 in Berlin. Ein gl\u00fcck\u00adli\u00adches Schicksal, die M\u00f6glichkeit n\u00e4mlich, meine fach\u00e4rztliche (psychiatrisch-neurologische) Weiterbildung an der Univ.-Nerven\u00adklinik in M\u00fcn\u00adchen ab\u00adschlie\u00dfen zu k\u00f6nnen, befreite mich aus ihr. Es dauerte aber noch l\u00e4nger, bis die irritierendsten freudschen Verbildungen abgestreift waren.<a href=\"#refmark-5\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-6\" class=\"fn-text\">DER STACHELDRAHT (<em>f\u00fcr Freiheit, Recht und Demokratie<\/em>!) 8\/09 berichtete \u00fcber den Kongre\u00df der UOKG am 24.10. 09 und dabei \u00fcber die Ausf\u00fchrungen der Psychiaterin Ebbinghaus. Da\u00df ihr Leugnen des <em>systematischen <\/em>Psychiatriemi\u00dfbrauchs von einer anderen Psychiaterin vor etwa hundert Zuh\u00f6rern offen als <em>L\u00fcge <\/em>markiert wurde (RB 2\/09,2.1), unterschlug die Zeitschrift. Selbst Opfer-Organe gl\u00e4tten die Geschichte, spielen kommunistische Verfolgung herunter. Dar\u00fcber sind innerhalb angesehener Opfervereine inzwischen Schlammschlachten aufgekommen.<a href=\"#refmark-6\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-7\" class=\"fn-text\">Die Psychiatrie hat die Angst, die \u201enormale\u201c wie die krank\u00adhafte, die verbreitetste seelische &#8222;St\u00f6rung&#8220; unter den Menschen \u00fcberhaupt (RB 1\/05,3), lange nicht wahrge\u00adnom\u00admen. Die Soziale Phobie wurde erst in den 1970ern identifiziert und damit (verhaltens-) the\u00adrapeu\u00adtisch und medikament\u00f6s effektiv angehbar.<a href=\"#refmark-7\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-8\" class=\"fn-text\">Bormuth M., KARL JASPERS UND DIE PSYCHO\u00adANA\u00adLYSE, frommann &#8211; holzboog, 2002 &#8211; s. auch RB 2\/07, Fn32<a href=\"#refmark-8\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-9\" class=\"fn-text\">\u00a0 F\u00e4lle politischer Anpassung sind in der Fa\u00admilie mehrfach bekannt geworden.<a href=\"#refmark-9\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-10\" class=\"fn-text\">Infam genug unterstellte Mitscherlich in der Einf\u00fchrung in seine zehnb\u00e4ndige <em>Freud-Studienausgabe<\/em>, \u201e<em>da\u00df jeder, der intellektuelle Einw\u00e4nde gegen\u00fcber der Psychoanalyse oder ihrer richtigen Auslegung hege, sich selbst fragen m\u00fcsse, ob er nicht zuletzt nur antisemitischen Vorurteilen Folge leiste<\/em>\u201c, ungeachtet der Einw\u00e4nde auch vieler j\u00fcdischer Gelehrter, nicht erst der von Han Israels, RB 1\/07, 5.1-2).<a href=\"#refmark-10\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-11\" class=\"fn-text\">\u00a0 Die Einrichtung des <em>Deutschen Instituts f\u00fcr psychologische Forschung und Psychotherapie <\/em>unter der Leitung des Hermann G\u00f6ring-Vetters Matthias habe, so Bor\u00admuth (S. 171), zu bester Nazi-Zeit die (vordem) unterschiedlichen Schulen der Psychotherapie zusammengef\u00fchrt und so ihre \u201e<em>professionelle Kon\u00adsolidierung und Etablierung<\/em>\u201c vorangebracht.<a href=\"#refmark-11\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-12\" class=\"fn-text\">\u00a0 Einzelne richtige Beobachtungen und Schlu\u00dffolgerungen einzelner Freudianer und Marxisten hellen\u00a0 ihre insgesamt ne\u00adgativen Bilanzen nicht auf. In noch so miesen Systemen sind mitunter auch n\u00fctzliche Dinge entstanden \u2013 z.B. Autobahnen.<a href=\"#refmark-12\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-13\" class=\"fn-text\">\u00a0 Letztlich waren es das Geld der Rockefeller-Stiftung und \u201e<em>der politische Druck des Justizministers Carlo Schmid<\/em>\u201c, die 1950, schreibt Bormuth, zur Er\u00f6ffnung der \u201eFreudKlinik\u201c an der Heidelberger Universit\u00e4t f\u00fchrte.<a href=\"#refmark-13\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-14\" class=\"fn-text\">aus<em> \u201eEinf\u00fchrung in die Psychiatrische Klinik\u201c <\/em>(1916): Zu Freud\u00a0 \u201e<em>l\u00e4\u00dft sich mit Bestimmtheit aussprechen, da\u00df die Heilerfolge \u2026 in keiner Weise \u00fcber das durch andere Suggestivverfahren Erreichbare hinausgehen<\/em>.\u201c<a href=\"#refmark-14\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-15\" class=\"fn-text\">\u00a0 Aus <em>Rechen\u00adschaft und Ausblick <\/em>Piper, M\u00fcnchen, 1951. \u2013 \u00e4hnliche Ausf\u00fchrungen u.a. in Jaspers\u2019 \u201e<em>Kleinen Schule der Philosophie<\/em>\u201c von 1964. Zeit seines wissenschaftlichen Lebens ist Jaspers\u00a0 der Pseudowissenschaft entgegengetreten, versuchte er dem Ungeist zu wehren.<a href=\"#refmark-15\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-16\" class=\"fn-text\">\u00a0 Schritt um Schritt hat die \u00c4rzteschaft seit dem Kongre\u00df, dem Anla\u00df der Philippika Jaspers\u2019, alle \u201e<em>Vorsicht, als ob etwas daran sein k\u00f6nne\u201c,<\/em> fahren lassen. Aus vol\u00ad\u00adlen Z\u00fcgen und ungehemmt gab sie der\u00a0 Schwin\u00addelwissenschaft bei.<a href=\"#refmark-16\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-17\" class=\"fn-text\">\u00a0 F\u00fcr ihre Hilfe zu seinem Buch dankte Bormuth s.o.) u.a. der <em>\u00d6sterreichischen Karl Jaspers Gesellschaft<\/em>. Auch die\u00adse freilich l\u00e4\u00dft von der Freud-Kritik ihres Namenspatrons, die diesem doch sein ganzes wissenschaftliches Leben lang ein erstrangiges Anliegen war, nichts mehr verlauten. Das hei\u00dfe Ei\u00adsen scheint auch ihr zu hei\u00df zu sein.<a href=\"#refmark-17\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-18\" class=\"fn-text\">\u00a0 laut D\u00c4 19\/08 ein weiterer \u201e<em>Pionier der Psycho\u00adso\u00adma\u00adtik, Wegbereiter der psychoanalytischen Familientherapie, an\u00ader\u00adkannter Sozialphilosoph, Leitfigur der Friedens\u00adbewe\u00adgung\u201c<\/em> usw. usf., kurz: \u201e<em>ein unbequemer Vor\u00addenker<\/em>\u201c<a href=\"#refmark-18\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-19\" class=\"fn-text\">\u00dcber den psychia\u00adtri\u00adschen Universit\u00e4tsbetrieb Bonns hat der deutsch-amerikanische \u201e<em>Sozia<\/em>lpsychiater\u201c\u00a0 Prof. Karl Koehler im <em>Antipsychiatrieverlag <\/em>ein B\u00fcchlein, eine Groteske herausgebracht: GUMPEL\u00adMANN, 2004, von Zoten triefend.<a href=\"#refmark-19\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-20\" class=\"fn-text\">Bei Aufgabe der Psycho<em>analyse <\/em>wird die Psychiatrie das Psychotherapeutische <em>nie <\/em>aufgeben (k\u00f6nnen). So viele S\u00fcn\u00adden ihr auch anh\u00e4ngen, wird sie weiter frequentiert bleiben. An wen sonst sollen sich die Kranken denn wenden?<a href=\"#refmark-20\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-21\" class=\"fn-text\">\u00a0 Das ist etwas anderes, als etwa gro\u00dfartige For\u00adschungs\u00adarbeit zu leisten und, auf die Meriten gest\u00fctzt, dann nach Art Eric Kandels wieder Freud-Kult zu betreiben.<a href=\"#refmark-21\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-22\" class=\"fn-text\">\u00a0 Leichsen\u00adring F, Rabung S. <em>Effective\u00adness of long-term psychodynamic psychotherapy \u2013 a meta-ana\u00adlysis<\/em>. JAMA 2008; 300:1551-65. Die Arbeit ist reichlich verschl\u00fcs\u00adselt und so\u00admit kaum \u00fcberpr\u00fcfbar. Sie \u00a0suggeriert aber allein mit ihrem Erscheinen in der angesehenen JAMA Stimmigkeit. Dar\u00adan ist de facto gar nichts. Im Beitrag \u201e<em>Zur Wirksam\u00adkeit der Psychotherapie<\/em>\u201c haben wir in RB 2\/02,5.2. die fehlende Stich\u00adhaltigkeit der bis dahin vorgelegten Ef\u00adfi\u00adzienz\u00adnach\u00adwei\u00adse ausgebreitet. Selbst wenn nachtr\u00e4glich noch reelle Nach\u00ad\u00adweise k\u00e4men, gilt unver\u00e4ndert, da\u00df \u00fcber Jahrzehnte den Be\u00adhandlungen jede ernsthaft wissenschaftliche Grundlage ab\u00adging, sie letztlich betr\u00fcgerisch waren.<a href=\"#refmark-22\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-23\" class=\"fn-text\">Dolnick Edward, <em>Madness on the Couch: Blaming the Victims in the Heydays of Psychoanalysis, <\/em>Simon &amp; Schuster, 1998.<a href=\"#refmark-23\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-24\" class=\"fn-text\">Auch moderne Freud-Nachfolger wie J. Bowlby, P. Fonagy u.a. verunsichern Kinder, Eltern und Gesellschaft wahrscheinlich mehr, als sie sie best\u00e4rken.<a href=\"#refmark-24\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-25\" class=\"fn-text\">\u00a0 so etwa Dr. Fric und Prof. Dr. med. Dipl.Psych. G. Laux in <em>NeuroTransmitter <\/em>1\/2010, in dem Beitrag \u201e<em>Mulitmodale Behand\u00adlungskonzepte f\u00fcr die \u201eSor\u00adgenkrankheit<\/em>\u201c. Andere versuchen derweil heimlich sich von Freud davonzustehlen (NPZ 1\/10 etwa findet: <em>Verhaltenstherapie n\u00fctzt auch oh\u00adne Ursachen\u00adkl\u00e4rung<\/em>.)\u00a0 Unter dem gleichen Etikett \u201ePsychotherapie\u201c und immer zum gleichen Preis verkaufen die Herrschaften unterschiedlichste Inhalte, ihre Wirksamkeit nie n\u00e4her diskutierend. Gern ziehen sie bei passender Gelegenheit aber Freud unter dem Ladentisch wieder hervor.<a href=\"#refmark-25\">\u21b5<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>***<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=102"}],"version-history":[{"count":29,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":128,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/102\/revisions\/128"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=102"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=102"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=102"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}