{"id":129,"date":"2005-08-16T16:47:31","date_gmt":"2005-08-16T16:47:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/?p=129"},"modified":"2012-09-01T14:45:17","modified_gmt":"2012-09-01T14:45:17","slug":"freuds-eroberung-des-katholizismus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/freuds-eroberung-des-katholizismus\/","title":{"rendered":"Freuds Eroberung des Katholizismus"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding-left: 30px;\"><em><br \/>\nFreud, die Psychoanalyse und die Folgen waren \u00fcber die Jahre oft Themen auch der\u00a0 GEP-Rund\u00adbriefe. Nun kam der Wunsch auf, die umf\u00e4nglichsten, jeweils spezielle Aspekte beleuchtenden Beitr\u00e4ge\u00a0im deutschen INFC-Teil zusammenzustellen, um sie den speziell interessierten Lesern leichter und konzentrierter zug\u00e4nglich zu machen. Freud spielt ja in alles Weitere von uns Behandelte hinein, ist vielfach Ursprung und Basis der von uns aufgezeigten N\u00f6te. Der folgende Artikel unter dem Titel \u201eDie Gewinne der Freudianer beidseits des Rheins, ihr Zerrinnen heute beidseits des Atlantiks\u201c stand erstmals in GEP-Rundbrief 1\/05, Kapitel 5<\/em><\/p>\n<p>Bei den vielen irrlichternden Geistesgr\u00f6\u00dfen in den westlichen Gesellschaften erweist sich die katho\u00adlische Kirche oft noch als Fels in der Brandung , gewinnt sie in der Diskussion der mensch\u00adlichen wie gesellschaftlichen Probleme auch bei nicht kirchlich Gebundenen darob zunehmende Aufmerksamkeit und Wertsch\u00e4tzung..Andererseits scheint es oft, als ginge die Welle des Zeitgeists auch \u00fcber sie hinweg. Eines der inter\u00ad\u00adessantesten Kapitel ist das zunehmende Eindringen des Freudismus, einer der wirkm\u00e4chtigsten anti\u00adchristlichen Ideologien, in die Kirche. In RB 2\/02.1 beleuchteten wir, wie sich das in Deutschland abspielte <a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-1\" id=\"refmark-1\"><sup>[1]<\/sup><\/a>. B\u00e9nesteau beschreibt in MENSONGES FREUDIENS (S. 311 ff) wie es in Frankreich und letztlich international ablief. Folgend ein Auszug:<\/p>\n<p>\u201e&#8230; <em>Die Eroberung des Katholizismus, des kirchlichen Milieus durch die Freudianer geht zumguten Teil auf die Umtriebe der Maryse Choisy <a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-2\" id=\"refmark-2\"><sup>[2]<\/sup><\/a> zur\u00fcck. Lange stand der Freudismus ob seines offen antireligi\u00f6sen, vor allem antikatholischen und kulturfeindlichen Inhalts auf den Index, besonders unter Pius XII. Dieser begann gar eine Disziplinierungsaktion im Klerus, der sich allzu bereitwillig von den Sirenenkl\u00e4ngen des neuen s\u00e4kularen Dogmas einlullen lie\u00df. Wie Maryse Choisy in ihren Memoiren von 1925-1939 schreibt \u2013 ihr Untertitel: \u201eSur le chemin de Dieu on rencontre d\u2019abord le diable (Auf dem Weg zu Gott trifft man erst einmal den Teufel)\u201c \u2013, mu\u00dfte sie zuerst zum \u00a0Kom\u00ad\u00admu\u00adnismus schwingen <a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-3\" id=\"refmark-3\"><sup>[3]<\/sup><\/a> , bevor sie im Zuge ihrer Begegnung mit Pierre Teilhard de Chardin 1936 zum Katholizismus konvertierte.<\/em><\/p>\n<p><em>Mit religi\u00f6ser wie psychoanalytischer Prominenz sich umgebend, verbreitete sie durch ihre Zeitschrift PSYCH\u00c9 die Idee einer heiligen Allianz und kreierte dar\u00fcber hinaus, um ja weit genug auszuholen und ja nicht eine Richtung au\u00dfer Acht zu lassen, die \u2019Alliance Mondiale des R\u00e9ligions\u2019. Sie orga\u00adni\u00adsier\u00adte im April 1953 einen Kongre\u00df katholischer Psychotherapeuten in Rom. Als Frucht davon kam sie in Begleitung des Lacan-Analytikers Serge Leclaire zu einer Privataudienz beim Heiligen Vater, an der auch Jacques Lacan , der neue Gro\u00dfmeister<\/em> (der Bewegung in Frankreich &#8211; W),<em> teilnahm, der endlich den Fischerring k\u00fc\u00dfte<\/em> (RB 2\/02,1).<\/p>\n<p><em>Man mu\u00dfte jedoch auf Johannes XXIII., den Nachfolger Pius\u2019 XII., warten, um ein wirkliches Nach\u00adlassen der Wachsamkeit der katholischen Autorit\u00e4ten zu erreichen. Zu dieser Zeit war es nun soweit, da\u00df eine gro\u00dfe Zahl von Jesuiten dem Freudismus zuneigte, nachdem dieser in die Religion eingedrungen war und beide Dogmengeb\u00e4ude begannen, in einander zu flie\u00dfen. Einige (Priester) konnten in der Soutane direkt vom Beichtstuhl weg zwischen zwei Messen in der Sakristei ihre \u201eKuren\u201c<\/em> (Lehranalysen &#8211; W)<em> machen und in weniger Zeit, als es zur Segnung des Weihwassers brauchte, in Weihrauchschwaden vom Vaterunser zum<\/em> (Freudschen) <em>Penis-Neid gleiten.<\/em><\/p>\n<p><em>Zu Beginn der 60er Jahre f\u00fchrte Pater Gregoire Lemercier sechzig Benediktiner-M\u00f6nche zu einer Gruppenanalyse zusammen, die von zwei offiziellen Analytikern der IPA in einem mexikanischen Kloster in der N\u00e4he von Cuernavaca geleitet wurde. \u201aZwei Jahre sp\u00e4ter verlie\u00dfen Lemercier selbst und 40 M\u00f6nche den Orden, um sich zu verehelichen oder (noch komfortablere) sexuelle Beziehungen einzugehen\u201c <a class=\"fn-ref-mark\" href=\"#footnote-4\" id=\"refmark-4\"><sup>[4]<\/sup><\/a> Andere verlie\u00dfen die Kirche, um ihre integren Seelen dem \u201eg\u00f6ttlichen\u201c Freudismus zu \u00fcberantworten, z.B. Francois Roustang, ein Jesuitenpater urspr\u00fcnglich bis zu seinem Treffen mit Serge Leclaire. Diesem verdankt er sein Ausscheiden aus dem Orden, dann seine Heirat und zeitweilige Verm\u00e4hlung mit dem Lacanismus, von dem er sich auch wieder scheiden lie\u00df, um sich, als er von der Analyse gleichfalls entt\u00e4uscht war, der Hypnose zu ergeben.<\/em><\/p>\n<p><em>Mitte der 50er Jahre nahmen nach einer ersten Untersuchung von Moskovici <em>75% der katholischen Publikationen <\/em>eine sehr positive Haltung zum Freudismus dahingehend<em> an<\/em>, da\u00df er <em>mehr <\/em>praktizierenden Fa\u00admi\u00adlien (60%) zusagte als nicht praktizierenden oder indifferenten (34%). 20 Jahre sp\u00e4ter wie\u00adderholte Moskovici die gleiche soziologische Studie zum Thema &#8230; und zeigte dabei ein noch substantielleres Eindringen der freudschen Idee in das Gemeinwesen und die Kultur. Aus ihrer dominanten Position heraus trug diese Idee jedoch nur teilweise zum opportu\u00ad\u00adnisti\u00adschen Wiederaufleben des Kommunismus nach Stalins Tod bei&#8230;<\/em><\/p>\n<p><em>Freud sah in den Riten und Gedanken des Christentums Hinweise auf eine an die Zwangsneurose heranreichende psychische Pathologie. Was die Psychoanalyse st\u00f6rt, ist ein Glaube, der nicht Psycho\u00adanalyse ist. Sind doch Analytikern irrationale religi\u00f6se Glaubensrichtungen und Ideologien, Marxismus inbegriffen, wenn nicht vom Freudismus impr\u00e4gniert, analytischer Interpretation bed\u00fcrftig, wenn sie schon nicht behandelbar sind. Die russischen Opponenten gegen das kommunistische Re\u00adgime wurden zu Geisteskranken erkl\u00e4rt (zu \u201easymptomatischen Schizophrenen\u201c) und erhielten die \u201averdiente\u2019 Behandlun<\/em>g&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div id=\"footnote-list\" style=\"display:inherit\"><span id=fn-heading>Endnoten<\/span> &nbsp;&nbsp;&nbsp;(\u21b5 returns to text)<\/p>\n<ol>\n<li id=\"footnote-1\" class=\"fn-text\">Noch kurz vor dem Einmarsch der Nazis in Wien nannte Freud die katholische Kirche &#8222;<em>meinen wahren Feind<\/em>&#8222;. In Deutschland sorgten f\u00fcr seine Akzeptanz im katholischen Milieu besonders Albert G\u00f6rres und nat\u00fcrlich Christa Meves. Verschleiernd sprach sie statt von Psychoanalyse stets von &#8222;Tiefenpsychologie&#8220;.<a href=\"#refmark-1\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-2\" class=\"fn-text\">\u00a0B\u00e9nesteau schildert sie als Hanna Dampf in allen Gassen, die sich im richtigen Moment am richtigen Ort ein fand, um Verbindungen mit wichtigen Personen zu kn\u00fcpfen, eine Journalistin, die leichten Zugang zu den M\u00e4chtigen und Ber\u00fchmten hatte, zu Staatsleuten, Gelehrten, katholisch Prominenten, \u00c4rzten, Schauspielern, Schriftstellern, zu \u201e<em>all denen, von denen man spricht, damit das Volk zuh\u00f6rt<\/em>.\u201c 1946 gr\u00fcndete sie \u201ePSYCH\u00c9 &#8211; <em>Revue internationale de Psychoanalyse et des Sciences de l\u00b4 Homme<\/em>\u201c, die seit 1947 auch in Deutschland erscheint, hier u.a. von A. Mitscherlich begr\u00fcndet als \u201e<em>Zeitschrift f\u00fcr Psychoanalyse und ihre Anwendungen<\/em>\u201c.<a href=\"#refmark-2\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-3\" class=\"fn-text\">\u00a0Zuerst schwang Choisy zum Okkultismus, gr\u00fcndete AROT, <em>L\u2019Association pour la R\u00e9novation de l\u2019Occultisme Traditionel<\/em>. Ein Okkultist war freilich mit anderen Psychoanalytikern auch Freud selbst.<a href=\"#refmark-3\">\u21b5<\/a><\/li>\n<li id=\"footnote-4\" class=\"fn-text\">\u00a0Roudinesco E. &amp; Plon M., DICTIONAIRE DE PSYCHANALYSE, Fayard, (1997) 241<a href=\"#refmark-4\">\u21b5<\/a><\/li>\n<\/ol>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>***<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/129"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=129"}],"version-history":[{"count":23,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/129\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":169,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/129\/revisions\/169"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=129"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=129"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}