{"id":145,"date":"2008-05-16T16:42:02","date_gmt":"2008-05-16T16:42:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/?p=145"},"modified":"2012-08-16T16:46:19","modified_gmt":"2012-08-16T16:46:19","slug":"aufstieg-und-fall-freuds-druben-und-huben","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/aufstieg-und-fall-freuds-druben-und-huben\/","title":{"rendered":"Aufstieg und Fall Freuds dr\u00fcben (und h\u00fcben?)"},"content":{"rendered":"<p style=\"padding-left: 30px;\"><em><br \/>\nFreud, die Psychoanalyse und die Folgen waren \u00fcber die Jahre oft Themen auch der\u00a0 GEP-Rund\u00adbriefe. Nun kam der Wunsch auf, die umf\u00e4nglichsten, jeweils spezielle Aspekte beleuchtenden Beitr\u00e4ge\u00a0im deutschen INFC-Teil zusammenzustellen, um sie den speziell interessierten Lesern leichter und konzentrierter zug\u00e4nglich zu machen. Freud spielt ja in alles Weitere von uns Behandelte hinein, ist vielfach Ursprung und Basis der von uns aufgezeigten N\u00f6te. <\/em><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><em>Der folgende Artikel stand erstmals im GEP-Rundbrief 1\/08,3. Er war im Januar 2008 beim Rheinischen Merkur zur Publikation ein\u00adgereicht worden. Auf Nachfrage teilte die Redaktion mit, es sei bei ihr f\u00fcr den Be\u00adreich Wissenschaft zur Zeit niemand voll zust\u00e4ndig, um \u00fcber einen Abdruck zu be\u00adfinden. Inzwischen ist das lang bisch\u00f6fliche unterst\u00fctzte Blatt sanft entschlafen.<\/em><\/p>\n<p><strong>1. <\/strong>Seit hundert Jahren beansprucht die Psychoanalyse Deutungshoheit \u00fcber den Menschen. Sie wurde ihr nach 1945 von Amerika aus in der ganzen westlichen Welt zunehmend auch einger\u00e4umt. Der Kulturbetrieb, die Medien, die Intellektuellen begeisterten sich an ihr. Die \u00c4rzte machten sie zu einem integralen Bestandteil der gesundheitlichen Versorgung im Land. In dem ber\u00fchmten Bericht der<strong> <\/strong>Enqu\u00eate-Kommission von 1975 \u201e<em>\u00fcber die Lage der Psych\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00adiatrie in der Bundesrepublik Deutsch\u00adland<\/em>\u201c, einer \u201e<em>Unterrichtung durch die Bundesregierung<\/em>\u201c(drs 7\/4200, S. 293), wurde das \u201e<em>von der Psychoanalyse entwickelte Konzept der Entstehung neurotischer und psychosomatischer Erkran\u00adkungen<\/em>\u201c als gesicherte Erkenntnis verk\u00fcndet und entspre\u00ad\u00adchende Behandlungen forciert. \u201e<em>Be\u00adratung und The\u00adrapie<\/em>\u201c, hie\u00df es, \u201e<em>m\u00fcs\u00ad\u00ad\u00adsen so fr\u00fch wie m\u00f6glich einsetzen, um der Chronifizierung von Krisen und Krank\u00adheiten &#8230; vorzubeugen.<\/em>\u201c<\/p>\n<p>Nun ist in den letzten Jahrzehnten just von Amerika aus eine Kritik laut geworden, die besagtes Kon\u00adzept von Grund auf ersch\u00fcttert. Profunde \u201eFreud-Ge\u00adlehrte\u201c \u2013\u00a0 die kritische Durchforstung der Gesam\u00admelten Werke Freuds hat tats\u00e4chlich etwas wie eine neue Fach\u00addis\u00adzi\u00adplin hervorgebracht \u2013 wiesen die Theorien und Me\u00adtho\u00adden des ber\u00fchmten Wieners und seiner An\u00adh\u00e4nger als fragw\u00fcrdige Kopf\u00adgeburten aus.<\/p>\n<p><strong>2.\u00a0 <\/strong>Unter den vielen Freud-Kritiken,<strong> <\/strong>die heute so besonders im eng\u00adlischen Sprachraum kursieren \u2013 kaum etwas ist davon auf deutsch erschienen -,<strong> <\/strong>ist das Buch des amerikanischen Psych\u00ad\u00adiaters E. Fuller Torrey FREU\u00adDIAN FRAUD (<em>Freud\u2019sche Betr\u00fcgerei<\/em>), HarperCollins, 1992, besonders bemer\u00adkens\u00adwert. Torrey bekleidete \u00fcber Jahre eine hohe Stellung am <em>National Institute of Mental Health (NIMH) <\/em>der USA.<em> <\/em>Prim\u00e4r um die dortige Situation kreisend, ist sein Buch auch f\u00fcr uns von Belang, weil hier\u00adzulande doch nur bruchst\u00fcckhaft bekannt ist, wie die Lehre \u201edr\u00fcben\u201c ihre Geltung erreichte, bevor sie dann \u00fcber uns kam.<\/p>\n<p>Seine erste Anh\u00e4ngerin in Amerika fand Freud, so Torrey, in der Anar\u00adchi\u00adstin-Femi\u00adnistin Emma Gold\u00adman, die ihn, die gesellschaft\u00ad\u00adliche Sprengkraft seiner Sexualtheo\u00adrien erfassend,<a title=\"\" href=\"#_edn1\">[i]<\/a> schon 1895 in Wien aufgesucht hatte. Auch \u00fcber zwischenzeitliche Inhaftierungen und ihre sp\u00e4tere Abschiebung in ihr (nach 1917) sowjetisches Herkunftsland<a title=\"\" href=\"#_edn2\">[ii]<\/a> hinaus blieb sie seine umtriebige Propa\u00adgan\u00ad\u00ad\u00ad\u00addistin. 1909 weilte Freud zu einem Vortrag an der Clark University in Worcester, Massachusetts, \u201e<em>Red Emma<\/em>\u201c in der er\u00adsten Reihe seines Auditoriums. Auch danach brachten Freud weiteren Zulauf nicht die the\u00adra\u00adpeu\u00adti\u00adschen Versprechen seiner Lehre, sondern deren \u201eSex-Appeal\u201c &#8211; insbesondere im links-li\u00adberalen New Yorker K\u00fcnstler-Vier\u00ad\u00ad\u00ad\u00adtel <em>Greenwich Village<\/em> bei den dort zentrierten In\u00adtel\u00adlek\u00adtuel\u00adlen, Mar\u00ad\u00adxisten, Trotzkisten, \u201eFreigeistern\u201c, brachte ihm zu\u00addem die f\u00f6r\u00addern\u00adde Aufmerksamkeit einflu\u00dfreicher Medien.<\/p>\n<p>Weiter bekannt und bedeutsam wurde die Psychoanalyse \u00fcber den lang und heftig anhaltenden Aus\u00adein\u00adan\u00adderset\u00adzun\u00adgen in den Staaten um \u201e<em>nature \/ nurture<\/em>\u201c, zwischen solchen also, die den Menschen vom <em>Ererbten<\/em><a title=\"\" href=\"#_edn3\">[iii]<\/a> und solchen, die ihn vom <em>Erlebten <\/em>her erkl\u00e4rten. Bei Freuds Betonung fr\u00fc\u00adher sexueller Kind\u00adheitstraumen standen die Freu\u00addianer nat\u00fcrlich auf Seiten letzterer und be\u00adhaup\u00ad\u00adteten mit ihnen dann auch das Feld. Ihnen gesellten sich ab 1933 die aus Nazi-Deutsch\u00ad\u00adland vertriebenen Analytiker zu, die aus der alten \u201e<em>N\u00e4he zwischen Freud und Marx<\/em>\u201c jetzt so etwas wie eine \u201e<em>Bluts\u00adgemeinschaft<\/em>\u201c mach\u00adten, \u201e<em>Partisan Review<\/em>\u201c, das f\u00fchrende In\u00adtel\u00adlek\u00adtuel\u00adlenmagazin der USA damals, die Presse, die Theater des Broadway, die Sozialarbeit und Sozialp\u00e4dagogik ihr bevorzugter Tummelplatz und Resonanzboden.<\/p>\n<p><strong>3.\u00a0 <\/strong>Freud gewann so ab den 20ern in den USA zunehmend Einflu\u00df auf die Kindererziehung, die Rechtsprechung, das Meinungsklima insgesamt. Erster H\u00f6hepunkt 1945 unter dem Eindruck der Bilder vom Holocaust &#8211; Freud selbst ein Verfolgter, vier seiner Geschwister in KZs er\u00admordet. Als mit dem dann einsetzenden \u201ekal\u00ad\u00adten Krieg\u201c eine Distanzierung von Stalin und damit auch von Marx not\u00adwendig wurde, stieg Freud, jetzt posthum, bei den ame\u00adrikanischen, zur H\u00e4lfte j\u00fcdischen Intellek\u00adtuellen als Idol noch h\u00f6her, womit er auch in deutschen Landen wieder landen konnte, hier wie dort<a title=\"\" href=\"#_edn4\">[iv]<\/a> bald von den Linken wieder eingeholt, neuen Linken, Fidel, Che, Ho Chi Minh, Mao, Marcuse usf., ihre nicht nur stu\u00adden\u00adti\u00adsche Suite in den Staaten meist als \u201eli\u00adbe\u00adral\u201c ge\u00adhan\u00addelt, prim\u00e4r so von den \u201eDemokraten\u201c, ansonsten \u201eau\u00dferpar\u00adlamentarisch\u201c unterst\u00fctzt, ab Mitte der 50er u.a. von und mit der \u201e<em>Mental Health-Bewe\u00adgung<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Sie konkretisierte sich unter John F. Kennedy ab 1963 auch \u00fcber die Kuba-Krise hin\u00adweg in kompakten Einrichtungen und Programmen, u.a. in \u00fcber das Land verteilten, aus Bun\u00addes\u00admit\u00adteln getragenen<em> Com\u00admunity Mental Health Centers (CMHC).<\/em> In ihnen sahen manche fr\u00fch-so\u00adwje\u00adtische Utopias \u201eneuer Men\u00adschen(ma\u00adche)\u201c wieder auferstehen. Sie wurden aber auch von \u201eRepublikanern\u201c letztlich akzep\u00adtiert. Sie verspra\u00adchen, psychischer Krank\u00adheit und sonstigen \u00dcbeln, nicht zuletzt der Ar\u00admut zu wehren, ja ihnen vorzubeugen, versprachen gar \u201e<em>die psychische Gesund\u00adheit der Bev\u00f6l\u00adkerung<\/em>\u201c zu vermehren. In jedem Fall ver\u00adbreiteten sie Freud\u2019sche Ideologie weiter und vermehrten, ver\u00adzwan\u00adzig\u00adfach\u00adten die Zahl der \u201ePsycho-Pro\u00adfis\u201c. Sie n\u00e4hrten, verbreiteten\u00a0 den Rauschzustand der 68er Kulturre\u00advo\u00adlu\u00adtion, womit sich der <em>Freud<\/em>-Marxis\u00admus noch fester in ALLE Winkel der amerikanischen, ja der westlichen Ge\u00adsell\u00adschaf\u00ad\u00adten eingrub, besonders in Erziehung, Schu\u00adle, Uni\u00adver\u00adsi\u00adt\u00e4ten, Medien, die Unterhal\u00adtungs\u00adin\u00addustrie, die Recht\u00adsprechung<strong>, <\/strong>die Kirchen und nochmals nat\u00fcrlich in die Heilkunde selbst, besonders Psych\u00adiatrie und Psy\u00adcho\u00adlo\u00adgie. \u201e<em>McFreud<\/em>\u201c \u00fcber\u00adall &#8211; h\u00fcben und dr\u00fcben. Dort freilich begann in den 70ern mit Henry F. Ellen\u00adberger<a title=\"\" href=\"#_edn5\">[v]<\/a> auch schon der Paradigmenwechsel, die Ent\u00ad\u00adzau\u00adbe\u00adrung Freuds.<\/p>\n<p><strong>4.\u00a0 <\/strong>Es ist hier nicht Platz, Torreys Ausleuchtung der psychoanalytischen Durchdringung ALLER Lebensbereiche in den USA nachzuzeichnen. Ein Bereich nur sei wegen seiner Aktualit\u00e4t auch hier\u00adzulande als Beispiel herausge\u00adgriffen, die Durchsetzung und da\u00admit Verwandlung der Rechts\u00adprechung. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im angels\u00e4chsischen Strafrecht die Schuld eines Verbrechers bei offensichtlicher psychischer Erkrankung als aufgehoben oder vermindert angesehen, fraglos ein hu\u00adma\u00adnisierendes Element in der Rechtspraxis (RB 2\/07, 2.1). Schon ab den 20ern aber wurde, so Torrey, die Gerichtspsychiatrie in den USA mehr und mehr von Freu\u00addianern (W. Healy, B. Glueck, W.A. White, sp\u00e4ter K. Men\u00adninger) besetzt. Sie stellten das Prinzip der Schuld grunds\u00e4tzlich in Frage und machten damit 1924 erstmals Geschichte. Zwei junge, aus wohlhabenden Familien stam\u00admen\u00adde M\u00e4n\u00adner, Leopold und Loeb, 19 und 18-j\u00e4hrig, hatten wohl durchdacht ein 13-j\u00e4h\u00ad\u00ad\u00adriges M\u00e4d\u00adchen ermordet und ihre Leiche in einem Ab\u00adwasserkanal nahe Chicago \u201eentsorgt\u201c. Vor Gericht pauk\u00adten sie geschickte An\u00adw\u00e4lte und als Zeugen der Verteidigung einige der besagten Psycho-Experten unter an\u00adge\u00adle\u00adgentlicher Teilnahme der Medien<a title=\"\" href=\"#_edn6\">[vi]<\/a> heraus.<a title=\"\" href=\"#_edn7\">[vii]<\/a><\/p>\n<p>Das Verbrechen war laut Healy \u201e<em>nur m\u00f6glich aufgrund psychischer Abnormit\u00e4t mit pathologischer Spaltung der Pers\u00f6nlichkeit<\/em>\u201c. Die Schuld, sagte Glueck, l\u00e4ge bei den El\u00adtern. White, der Star-Foren\u00adsi\u00adker damals, der ge\u00adrade Pr\u00e4\u00adsident der ame\u00ad\u00ad\u00adrikanischen Psychiaterfachgesellschaft ge\u00adworden war, lastete ihnen bei aller Zuerkennung be\u00adster Ab\u00adsichten \u201e<em>Vernachl\u00e4ssigung<\/em>\u201c an. Standesgem\u00e4\u00df waren die T\u00e4ter in ihrer Jugend von Kinderm\u00e4dchen betreut wor\u00adden. Eines da\u00advon, so White, sei \u201e<em>pr\u00fcde und streng<\/em>\u201c gewesen, habe \u201e<em>schrecklich zu den Haus\u00adaufgaben an\u00adgehalten<\/em>\u201c. \u201e<em>Als Konsequenz solcher Kind\u00adheits\u00aderlebnisse<\/em>\u201c h\u00e4tten sich die \u201e<em>antisozialen Tendenzen<\/em>\u201c entwickelt.<\/p>\n<p>Besagte Ex\u00adperten,<a title=\"\" href=\"#_edn8\">[viii]<\/a> die nat\u00fcrlich h\u00f6chste Honorare kassierten \u2013 White, der gleichzeitig Beamter war, wurde sp\u00e4ter daf\u00fcr belangt -, setzten eine Praxis in Gang, die den genannten vern\u00fcnftigen Rechts\u00adgrundsatz leicht pervertierte. Glueck hatte in seinem Buch \u201e<em>Studies in Forensic Psych\u00ad\u00ad\u00adiatry<\/em>\u201c allem Verbrechen ein \u201e<em>psychisches Trauma<\/em>\u201c zugrunde gelegt. White, der Verbrecher als \u201e<em>Geiseln ihres Unbewu\u00dften<\/em>\u201c darstellte, pl\u00e4dierte konsequent f\u00fcr die Abschaffung <em>aller <\/em>Gef\u00e4ngnisse und ihren Ersatz durch <em>Psych\u00adiatrische Behandlungszentren<\/em>, \u00e4hnlich wie es der Fr\u00fch-Kom\u00admunist Wilhelm Weit\u00adling vordem schon gefordert hat (RB 3\/78, S. 19). Das Problem der Schuld wird von Psych\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00adiatern, Psy\u00adchotherapeuten, heute auch \u201e<em>Neuro-Wis\u00adsenschaftlern<\/em>\u201c (RB 1\/04,4.1-4) immer wie\u00adder gew\u00e4lzt. Au\u00dfer in dem Ausnahmefall ernster psychi\u00ad\u00adscher Erkrankung konnten sie es freilich n\u00e4her nie be\u00adstimmen. Hier\u00adzulande diskutiert man aus aktuellem Anla\u00df, wann Ju\u00adgend\u00adstrafrecht beginnen oder enden soll.<\/p>\n<p><strong>5.\u00a0 <\/strong>W\u00e4hrend Freud hierzulande aber mit der 68er Re\u00advo\u00adlution erst voll zur Geltung kam, begann \u201edr\u00fc\u00adben\u201c, wie ge\u00adsagt, schon sein Abbau. Zunehmend wurden an Freud Unregelm\u00e4\u00dfigkeiten entdeckt, wozu einige sei\u00adner eigenen Mitteilungen beitrugen. Mit <em>Sigmund Freud &#8211; Briefe an Wilhelm Flie\u00df 1887 \u2013 1904<\/em> brachte\u00a0 Jeffrey M. Masson, ein dissidenter Analytiker, 1985 erstmals auf englisch (deutsche Ausgabe 1986 bei S. Fischer) die vertraulichen Mitteilungen des Meisters an seinen lang\u00adj\u00e4hrigen Intimus un\u00adgek\u00fcrzt (!) heraus. Mit ihnen kam die kritische Freud-For\u00adschung in eng\u00adlisch- und franz\u00f6sisch-sprachi\u00adgen L\u00e4ndern in Schwung, auch dort na\u00adt\u00fcrlich gegen ge\u00adn\u00fcgend Widerst\u00e4nde. Es wurde jetzt m\u00f6glich, Freuds \u201eoffiziell\u201c ausgedruckte Be\u00adhaup\u00ad\u00adtungen mit vertraulich abgege\u00adbenen zu vergleichen. Eine F\u00fclle von Ungereimt\u00ad\u00adheiten, ja eine sein ge\u00adsamtes Werk durchziehende Unredlichkeit tra\u00adten so ans Ta\u00adgeslicht. Einige Beispiele:<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Freud empfahl 1884 \u2013 es war quasi sein erstes eigenst\u00e4ndiges Forschungsprojekt &#8211; seinem \u00fcber qualvollen Schmerzen morphinabh\u00e4ngig gewordenen Freund und Kolle\u00adgen Fleischl von Mar\u00adxow das damals noch unerforschte Kokain zur Entw\u00f6hnung. Er publizierte die \u201eEntziehungskur\u201c im gleichen und folgenden Jahr als erfolgreich, wobei er empfahl, bei \u201e<em>\u00e4hnlichen Entziehungskuren Cocain in subcuta\u00adnen In\u00adjectionen&#8230; zu ge\u00adben und sich vor der H\u00e4u\u00adfung der Dosen nicht zu scheuen<\/em>\u201c (Z. f\u00fcr The\u00adra\u00adpie, 1.4.1885). Der Freund kam dar\u00fcber innerhalb k\u00fcrzester Zeit weiter herunter. Er wurde zus\u00e4tzlich kokainabh\u00e4ngig. Freud aber verteidigte sein Vorgehen als heilsam \u00f6ffentlich weiter. Es wurde bald von einem anderen Arzt, dem Sucht-Kli\u00adniker Erlenmey\u00ader \u00fcberpr\u00fcft und als nichtsnutzig verworfen. Freud behauptete darauf (1887), Erlen\u00admeyer habe sich nicht an seinen Dosierungsvorschlag ge\u00adhal\u00adten und ha\u00adbe ent\u00adgegen seinem Rat \u201e<em>sub\u00ad\u00adkutane Injektionen gegeben<\/em>\u201c (Wiener Med. Wo\u00adchen\u00ad\u00ad\u00adschrift, 9.7.1887).<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Im Fall der (1880-81 von Josef Breuer behandelten) Anna O. (Berta Pappenheim), pu\u00adbli\u00adziert von Breuer und Freud\u00a0 zusammen in Studien \u00fcber Hysterie, 1895, berichteten die Autoren von der \u201e<em>wun\u00ad\u00adderbaren Tat\u00adsache, da\u00df vom Beginne bis zum Abschlusse der Erkrankung alle &#8230; ihre Fol\u00adgen durch das Aussprechen in der Hypnose dauernd beseitigt wurden<\/em>&#8230;\u201c De facto wurde nichts \u201e<em>dauernd beseitigt<\/em>\u201c. Vielmehr mu\u00dfte die Patientin unmittelbar nach Breuers Psychotherapie klinisch eingewiesen wer\u00adden.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Auch bei seinen eigenen psychotherapeutischen Behandlungen ab 1894 berief sich Freud in Wort und Schrift immer wieder auf therapeutische Erfolge. Seinem Intimus Flie\u00df aber gestand er am 3.1.1897 im Hinblick auf einen bevorstehenden Kongre\u00df: \u201e<em>Viel\u00adleicht habe ich bis Ostern einen Fall zu Ende gebracht<\/em>\u201c, was doch hei\u00dft, da\u00df er bis da\u00ad\u00adhin noch nicht eine einzige Behandlung erfolgreich ab\u00adgeschlossen hatte.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Von diesen Behandlungen behauptete Freud auch sp\u00e4\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00ad\u00adter noch, seine Patient\/inn\/en h\u00e4t\u00adten ihm von se\u00adxu\u00adellen, in der Kindheit erlittenen Traumen, Ver\u00adf\u00fch\u00adrun\u00adgen durch ihre V\u00e4ter berich\u00adtet (\u201e<em>ha\u00adbemus papam<\/em>\u201c, et\u00adwa: <em>Da haben wir den Vater<\/em>, schrieb er sp\u00f6ttisch-tri\u00adumphierend an Flie\u00df), w\u00e4hrend weitere vertrauliche Mitteilungen an diesen zeigen, mit wel\u00adcher Kalt\u00adschn\u00e4u\u00adzigkeit, ja Brutalit\u00e4t er ihnen solche \u201eEr\u00adin\u00adne\u00adrungen\u201c aufdr\u00e4ngte.<\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\">&#8211;\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 In seinem \u201e<em>Traum\u00ad\u00admuster<\/em>\u201c (2. Kapitel der 1899 fertig gestellten TRAUMDEUTUNG)<strong> <\/strong>nimmt Freud Bezug auf seinen (angeblichen) <em>Mustertraum<\/em> vom 23.\/24.07. 1895 und bei dessen Ausdeutung auf eine Di\u00adph\u00adthe\u00adrie\u00ader\u00adkrankung seiner Tochter Mathilde im Jahr 1893. Er exem\u00adpli\u00adfi\u00adziert daran die T\u00e4tigkeit \u201e<em>des Unbewu\u00dften<\/em>\u201c, macht letztlich seine Traum\u00adtheorie, die Letztfassung seiner gesamten Lehre daran fest, wie\u00adwohl es bei Mathilde <em>zum ange\u00adgebe\u00adnen Zeitpunkt <\/em>\u2013 sie machte die Krankheit 1897 durch &#8211; eine Di\u00adphtherie, die Immunit\u00e4t hinterl\u00e4\u00dft, nicht gegeben haben <em>kann <\/em>(Wil\u00adcocks, RB 1\/06,4.3). Der \u201e<em>Mustertraum<\/em>\u201c, Eckstein quasi des Freud\u2019schen Theoriegeb\u00e4udes, steht damit auf Sand. Dem ruhm- und karrierebedachten Freud war offensichtlich selbst die lebensbe\u00addrohliche Krank\u00ad\u00adheit seines Kindes eine L\u00fcge wert.<\/p>\n<p>Manche dieser Flunkereien lagen von Anfang an offen auf. Einige wurden erst in j\u00fcngerer Zeit aufgedeckt. Viele angesehene Gelehrte verschiedenster Disziplinen und unterschiedlicher, auch j\u00fcdischer Herkunft haben daran An\u00adteil, unter ihnen der Kinderpsychologe Jacques B\u00e9nesteau, Toulouse, mit Mensonges freu\u00addiens, der Philosophieprofessor Frank Cioffi, Canterbury, mit Freud and the Question of Pseudo\u00adscience, der Literaturprofessor Frederick Crews, Berkeley, mit u.a. Follies of the Wise, der Mathematiker Allen Esterson, London, mit Seductive Mirage, der Psychologe Prof. Malcolm Macmillan, Mel\u00adbourne, mit Freud Evaluated, der P\u00e4dagoge Prof. Max Scharn\u00adberg, Upp\u00adsala, mit The Non-Authentic Nature of Freud\u2019s ObServa\u00adtions, der Philologe Richard Webster, Suffolk, mit Why Freud was wrong, der Literaturprofessor Robert Wil\u00adcocks, Edmonton, mit u.a. Maelzel\u2019s Chess Player \u2013 Sigmund Freud and the Rhetoric oF De\u00adceit<em>, <\/em>um nur einige der ak\u00adtuellsten Forscher auf dem Gebiet und einige ihrer gewichtigen Schriften zu nennen. Die Psychiater Henry F. Ellenberger und E. Fuller Torrey wurden mit ihren Beitr\u00e4gen schon vor\u00adgestellt.<strong><\/strong><\/p>\n<p><strong>6.\u00a0\u00a0\u00a0 <\/strong>Entsprechend sind insbesondere in den angels\u00e4chsischen L\u00e4ndern sowohl die Zahlen ana\u00adly\u00adtischer Behand\u00adlun\u00adgen als auch der Ausbildungskandidaten stark r\u00fcckl\u00e4ufig. Wie Paul Roazen, ein ebenfalls leicht dissi\u00adden\u00adter, in\u00adzwischen verstorbener Analytiker, im AMERICAN\u00a0 Journal of Psychiatry vom Oktober 1994 mit\u00adteilte, war eine Freud\u2019sche Zusatzausbildung in den 60ern Vorbe\u00addin\u00adgung zur Erreichung h\u00f6herer Funktionen in der Psychiatrie, etwa auch in der Weiterbildung des Nachwuchses. 30 Jahre sp\u00e4ter war sie f\u00fcr eine solche Po\u00adsi\u00adti\u00adon eher zum Hindernis geworden. B\u00e9nesteau nennt in dem genannten Buch eine Reihe \u00e4hnlicher Hin\u00ad\u00adweise, die den R\u00fcck\u00adgang Freud\u2019schen Einflusses in Amerika anzeigen.<\/p>\n<p>Dabei ist Freud auch \u201edr\u00fcben\u201c keineswegs schon erledigt. Erst k\u00fcrzlich kam das Buch des Psychiaters\u00a0 und Psychoanalytikers George Ma\u00adkari heraus, Re\u00advolu\u00adtion in Mind: The Creation of Psy\u00adch\u00ado\u00ad\u00adana\u00adlysis, HarperCollins, New York, 2008, 630 Seiten, \u00fcber 80 Seiten erkl\u00e4render End\u00adnoten, kennt\u00adnis\u00adreich, fl\u00fcssig geschrieben. Makari ber\u00fchrt gar einige der oben angef\u00fchrten Kritikpunkte. Die meisten freilich \u00fcbergeht er, den Kern ohnedies. Er bleibt letztlich bei der alten Freud-Verg\u00f6tzung. Im englischen Teil un\u00adserer INFC-Website erschien umgehend Wilcocks\u2019 Kritik des Buches.<\/p>\n<p>In der heutigen Aus\u00adeinandersetzung spielt eine wesentliche Rolle, da\u00df mit dem Internet jetzt verlags\u00adun\u00adab\u00adh\u00e4n\u00adgige M\u00f6glichkeiten der Ver\u00f6ffentlichung exi\u00adstieren, die einen raschen, welt\u00adweiten Informa\u00adtionsaustausch unter den fachlich Interessierten erm\u00f6glichen. Das <em>In\u00adternationale Netzwerk der Freud-Kri\u00adtiker <\/em>(<em>INFC<\/em>) publiziert aktuelle Beitr\u00e4ge auf englisch, franz\u00f6sisch und deutsch und gibt somit auch dem deutschsprachigen Leser Zugang zu einer der weltweit lebhaftesten Auseinandersetzungen um Mensch und Gesellschaft, von denen er \u00fcber 30 Jahre abgeschnitten war.<\/p>\n<p>Das markiert in der bei weitem noch nicht ausgestandenen Auseinandersetzung den gro\u00dfen Unter\u00adschied zwischen neuer und alter Welt, da\u00df Freud, der dr\u00fcben rasch und nachhaltig zur Geltung kam, dort jetzt kritisch dis\u00adkutiert, wenn nicht zerpfl\u00fcckt wird, w\u00e4hrend er \u201eh\u00fcben\u201c, insbesondere im deutsch\u00adspra\u00adchigen Raum erst nach \u201945, mehr noch nach \u201968 zur Geltung kam, daf\u00fcr hier jetzt um so unangefochtener herrscht. Von all den lebhaften Kontroversen um Freud im Ausland ist hier kaum etwas be\u00adkannt, geschwei\u00adge da\u00df nachhaltige Beitr\u00e4ge dazu ge\u00adleistet worden w\u00e4ren.<\/p>\n<p><strong>7.\u00a0 <\/strong>Was die therapeutische Wirksamkeit der Analyse betrifft, so tendierte diese seit den Tagen der Anna O. gegen Null. K\u00fcrzlich stellte dies auch der <em>GEK<\/em>&#8211;<em>Report 2007 <\/em>der Gm\u00fcnder Ersatzkasse fest. Torrey selbst spricht <em>al\u00adlen <\/em>Psychotherapien eine gewisse Effektivit\u00e4t zu. Glei\u00adche Wirksamkeit aller Psychotherapien hebt freilich auch den Wert <em>aller <\/em>hinter ihnen stehenden Konzepte einschlie\u00dflich der Freu\u00add\u2019schen von den <em>fr\u00fchkindlichen Trau\u00admati\u00adsierun\u00adgen<\/em> bis zum <em>\u00d6di\u00ad\u00adpus\u00ad\u00adkom\u00adplex<\/em> als Ursache sp\u00e4terer Neurosen auf, ihren Wert als the\u00adrapeuti\u00adsches Agens.<\/p>\n<p>Torrey\u00a0 streift kurz ung\u00fcnstige Therapieausg\u00e4nge. Schon eine im Vergleich zum Bev\u00f6lkerungs\u00addurch\u00adschnitt ungew\u00f6hnlich gro\u00dfe Zahl fr\u00fcher Freudianer beging Suizid. Jacques B\u00e9nesteau f\u00fchrt das in seinem o.g. Buch weiter aus. Vielen Freud-Gl\u00e4ubi\u00adgen, so Torrey, wur\u00adde ihr Glaube an Freud zur s\u00e4\u00adkularen Ersatz\u00adreligion. Wil\u00adhelm Stekel etwa nannte sich \u201e<em>Apostel Freuds, der mein Christus war<\/em>.\u201c Auch sein Glaube an die ma\u00adteria\u00adli\u00adstischen, deterministischen Konzepte des Meisters erwies sich als wenig tragf\u00e4hig. Freud selbst glaubte an Telepathie, Telekinese und \u00e4hnlich obskures Zeug, verachtete nur Religion. Noch kurz vor dem Einmarsch der Nazis in Wien bezeichnete er die katholische Kirche als seinen \u201e<em>wah\u00adren Feind<\/em>\u201c.<\/p>\n<p><strong>8.\u00a0 <\/strong>Das Buch Torreys k\u00f6nnte f\u00fcr uns im Deutschsprachigen bedeutsam sein, weil es Versteigungen zu\u00adrecht r\u00fcckt, die mit den 68ern in der Seelen\u00ad(heil)-kunde auch hier Platz gegriffen haben. Die Ver\u00adspre\u00adchen wachsender \u201e<em>psychischer Gesundheit der Bev\u00f6lkerung<\/em>\u201c etc. ver\u00ad\u00adfingen hier nicht we\u00adniger als dr\u00fcben, wurden im \u00fcbrigen hier so wenig wie dort eingel\u00f6st, geschweige da\u00df die Psychoanalyse einem menschlichen Ge\u00adbrechen oder gesellschaftlichen \u00dcbel je \u201e<em>vorgebeugt<\/em>\u201c h\u00e4t\u00ad\u00adte. In jedem Fall aber ist es gut, einmal zu er\u00adfahren, wie die Freud-in\u00adspi\u00adrierte Psych\u00adiatrie-Re\u00adform \u201edr\u00fc\u00adben\u201c so gelaufen ist. Mit Gesund\u00adheitsre\u00adformen ist man \u201eh\u00fc\u00adben\u201c zumindest rege weiter besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<p>Am dr\u00e4ngendsten ist sicher die Frage nach der Wirksamkeit der Psychotherapie, der Freud\u2019schen wie jeder anderen. Unbe\u00adstritten ist die Wichtigkeit des \u201eWortes\u201c in der Heilkunde, unbestritten auch, da\u00df das \u201erichtige\u201c Wort in schwierigen Lebenssituationen erleichternd, ja rettend sein kann, umstritten freilich wie eh und je, ob es lehrbar f\u00fcr alle Wechself\u00e4lle des Lebens, insbesondere aber <em>Krank\u00adheiten <\/em>oder <em>krank\u00adheitswertige <\/em>St\u00f6rungen ein solch \u201erich\u00ad\u00adtiges Wort\u201c gibt, f\u00fcr F\u00e4l\u00adle also, in denen Psycho\u00adthe\u00adrapie nach den gesetzlichen Bestimmungen allein zur An\u00adwendung kommen darf. Immerhin sind da nicht nur Millionen-Betr\u00e4ge, sondern vor allem Menschenschicksale im Spiel. Ob dar\u00fcber hierzulande noch eine realistische Diskussion aufkom\u00admen wird? Entgegen dem, was be\u00adsagte \u201e<em>Unterrichtung durch die <\/em>(da\u00admals sozial-libe\u00adrale) <em>Bundesregierung<\/em>\u201c als gesichert ausgab, erscheinen Freuds Konzepte heute zweifelhafter denn je.<\/p>\n<p>In Deutschland sieht es dennoch so aus, als wollte die \u201e<em>Psycho-In\u00addu\u00adstrie<\/em>\u201c (Dineen, RB 2\/01,3.1) noch zulegen. Fragen nach ihrem therapeutischen Wert beantwortet sie weiter mit Vorspiegelungen. In D\u00c4 8\/08 behauptete der B\u00c4K-nahe Psychologe Prof. D. Schul\u00adte k\u00fcrzlich, es ginge heute um <em>neue <\/em>Metho\u00adden psychothera\u00adpeu\u00adti\u00adscher Be\u00adhandlung und ihrer \u00dcberpr\u00fcfung. Als neu f\u00fchrte er die <em>In\u00adterper\u00adsonelle Psychotherapie <\/em>der H. St. Sullivan und G. B. Chisholm an. Letzterer, der erste Generalsekret\u00e4r der WHO, bestimmte 1945 (!) \u201eals <em>Ziel aller effektiven Psy\u00adcho\u00adtherapie die Aus\u00admerzung von Gut und B\u00f6se<\/em>\u201c. Das Buch George Makaris RE\u00adVO\u00adLUTION IN MIND wird auch in Deutschland jetzt offen\u00adsichtlich viel gekauft, weil sich die Freudianer davon neue Munitionierung versprechen. Freuds Sa\u00adche wird weiter machtvoll \u201evon oben\u201c ge\u00adst\u00fctzt. Allein von dieser politischen Unterst\u00fctzung lebt sie. (3.1) Ob sie \u201eewig\u201c so leben kann, bleibt die spannende Frage.<\/p>\n<div><\/div>\n<hr align=\"left\" size=\"1\" width=\"33%\" \/>\n<div>\n<p><strong>Endnoten:<\/strong><\/p>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref1\">[i]<\/a> Zitate aus Freuds Drei Abhandlungen zur Sexu\u00adal\u00adtheo\u00adrie (1905): ,,<em>Die Mehrzahl&#8230; <\/em>(ist) <em>der Aufgabe der Ab\u00adstinenz konstitutionell nicht gewachsen&#8230;. Die Zunahme der nerv\u00f6sen Erkrankungen <\/em>(r\u00fchrt) <em>von&#8230; der sexuellen Einschr\u00e4nkung her; <\/em>&#8230; (ist) <em>der Sexual\u00adver\u00adkehr in legitimer Ehe eine volle Entsch\u00e4digung f\u00fcr die Einschr\u00e4nkung vor der Ehe<\/em>&#8230; (?) <em>Das Material zur verneinenden Beantwortung die\u00adser Frage dr\u00e4ngt sich so reichlich auf<\/em>&#8230; &#8220;\u00a0 In dem Buch hei\u00dft es auch, der ,,<em>Ele\u00admentar\u00adunter\u00adricht&#8216;\u00a0 <\/em>m\u00fcsse <em>&#8222;das Gebiet des Geschlechts\u00adlebens mit umschlie\u00ad\u00df<\/em>(en)&#8220; und die &#8222;<em>We\u00adsens\u00adgleich\u00adheit von Mensch und Tier<\/em>&#8220; lehren. Gewi\u00df waren und sind das popul\u00e4re Thesen. Waren und sind sie aber gesichert? Waren und sind sie nicht schon das fast komplette 68er Programm?<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref2\">[ii]<\/a> nach Aberkennung ihrer durch Heirat erworbenen US-Staats\u00adb\u00fcrgerschaft.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref3\">[iii]<\/a> Eugeniker veranla\u00dften ab1907 in 20 US-Bundes\u00adstaaten Gesetze zur \u201e<em>Verh\u00fctung der Fortpflanzung Krimineller, Schwachsinniger, Syphilitiker, moralisch und sexuell Perverser<\/em>\u201c usf. Bis 1933 wurden so in den USA an die 20.000 Zwangssterilisationen durchgef\u00fchrt. \u00dcber solch grausigen \u00dcberziehungen biologischer Konzepte \u2013 hierzulande fielen sie bekanntlich noch grausiger aus &#8211; war nach 1945 in den USA auch die Selbstverst\u00e4ndlichkeit bald nicht mehr diskutabel, da\u00df im Menschen <em>Erlebtes <\/em>und <em>Ererbtes <\/em>wirksam sind. Gleichzeitig wurden dort in gro\u00dfem Um\u00adfang verst\u00fcmmelnde Lobotomien durchgef\u00fchrt und \u2013 D\u00c4 18\/08 vermerkt\u2019s &#8211; un\u00adkritisch gepriesen, so unktitisch wie hierzulande heute die Psychoanalyse.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref4\">[iv]<\/a>\u00a0 Ende der 40er bestand \u00fcber die H\u00e4lfte der Mitglieder der internationalen Freudianer-Zunft (IPA) aus Amerikanern.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref5\">[v]<\/a> Henry F. Ellenberger, THE DISCOVERY OF THE UN\u00adCON\u00adSCIOUS, Basic Books, New York, 1970, deutsch DIE ENT\u00adDECKUNG DES UNBEWUSSTEN, Diogenes, 1985, 1226 Seiten.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref6\">[vi]<\/a>\u00a0 Sie luden Freud zu dem Termin, boten ihm \u201e<em>welche Summe auch immer<\/em>\u201c er verlange. W.R. Hearst, Eigner des Evening American, bot Freud ein eigenes Schiff f\u00fcr die \u00dcberfahrt, damit er sie in Ruhe \u00fcberst\u00fcnde, \u201e<em>durch an\u00adde\u00adre Pas\u00adsagiere nicht gest\u00f6rt<\/em>\u201c. Freud mu\u00dfte infolge einer notwendig gewordenen Kieferoperation absagen.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref7\">[vii]<\/a> Einen \u00e4hnlichen Fall haben wir in RB 1\/04,4.5 vorgestellt, den des jugendlich sadistischen Serien-M\u00f6rders Bartsch, den 1967 un\u00adter \u00e4hnlichem Medien-Tamtam und mit \u00e4hnlichen \u201eArgumenten\u201c herausgepaukt zu haben, sich der M\u00fcnchner Star-Anwalt Bossi 2004 noch br\u00fcstete.<\/p>\n<\/div>\n<div>\n<p><a title=\"\" href=\"#_ednref8\"><sup><sup>[viii]<\/sup><\/sup><\/a><sup>\u00a0 <\/sup>Mit ihnen eng verbunden der von uns wiederholt vorgestellte G. Brock Chisholm M.D. (Bild in RB 2\/07, 7.8), er\u00adster Ge\u00adneral\u00adsekret\u00e4r der WHO, der \u201e<em>die Uminterpretation und letztlich Aus\u00admerzung des Konzepts von Richtig und Falsch<\/em>\u201c als \u201e<em>die letz\u00adten Ziele praktisch aller effektiven Psychotherapie<\/em>\u201c be\u00adstimmte und fortfuhr: \u201e<em>Wenn das Menschengeschlecht von seiner es ver\u00adkr\u00fcp\u00adpelnden Last von Gut und B\u00f6se befreit werden soll, m\u00fcssen es Psychiater sein, die hierf\u00fcr die Verantwortung \u00fcbernehmen<\/em>&#8230;\u201c Auch Torrey vermerkt es kritisch.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>****<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/145"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=145"}],"version-history":[{"count":10,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/145\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":160,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/145\/revisions\/160"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=145"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=145"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=145"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}