{"id":16,"date":"2012-04-17T07:48:40","date_gmt":"2012-04-17T07:48:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/?p=16"},"modified":"2012-04-17T09:23:39","modified_gmt":"2012-04-17T09:23:39","slug":"zur-wirksamkeit-analytischer-psychotherapie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/zur-wirksamkeit-analytischer-psychotherapie\/","title":{"rendered":"Zur Wirksamkeit analytischer Psychotherapie"},"content":{"rendered":"<p>Wie es sich mit der therapeutischen Wirkung der Freudschen Psychotherapie und ihren angeblichen Nachweisen verh\u00e4lt, dazu der folgende, von uns schon im Juli 2002 ins Netz gestellte Beitrag<\/p>\n<h1><span style=\"font-family: Arial; font-size: x-small;\"> F. Weinberger<\/span><\/h1>\n<h1 align=\"center\"><span style=\"font-family: Arial;\">Zur Wirksamkeit analytischer Psychotherapie<\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Wiederholt schon haben wir aus guten Gr\u00fcnden gegen die Psychoanalyse Stellung bezogen. Aus ebenso guten Gr\u00fcnden ist es jetzt angebracht, die einschl\u00e4gigen Argumente einmal kurz zusammenzustellen. Verstreut standen sie \u00fcber die Jahre fast alle schon einmal in unseren Rundbriefen. Es kann dabei f\u00fcrs erste bei einem \u201eleichten Abklopfen\u201c der psychoanalytischen Erfolgsangaben, ihrem Vergleich untereinander und dem Vergleich mit den Realit\u00e4ten bleiben. Eine genauere kritische \u00dcberpr\u00fcfung, deren Aufwand \u00fcber die M\u00f6glichkeiten unserer kleinen Gesellschaft hinaus ginge, bleibt jedoch w\u00fcnschenswert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Gern tritt die Psychoanalyse unter wechselnden Bezeichnungen auf (\u201e<em>psychodynamische<\/em>\u201c, \u201e<em>analytische \/ neoanalytische Psychotherapie<\/em>\u201c, \u201e<em>Tiefenpsychologie<\/em>\u201c\u00a0 etc.), \u00fcber deren Unterschiede die \u00e4rztlichen wie nicht-\u00e4rztlichen (psychologischen) \u201eFachleute\u201c mitunter heftig streiten, die aber doch alle entscheidend auf Freudschen Grunds\u00e4tzen fu\u00dfen. Daneben gibt es freilich auch echte Differenzen \u00fcber Theorie und Praxis der Psychotherapie. Freud, Adler, Jung z.B. befehdeten sich bekanntlich bis \u00fcber den Tod hinaus. Unter Freudschem Primat buhlen die \u201eanalytischen Schulen\u201c heute aber um ihre gesellschaftliche Geltung gemeinsam. Und ihren heilkundlichen Anspruch st\u00fctzen sie letztlich gemeinsam auf eine einzige Arbeit, n\u00e4mlich auf <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">A. <strong>D\u00fchrssen<\/strong>s<strong> <em>Katamnestische Ergebnisse bei 1004Patienten nach analytischer Psychotherapie <\/em><\/strong>(Z. psycho-som. Med. 8,1962, 94ff). Sie stellen die <em>grundlegende Arbeit <\/em> dar, die besagte \u201eTherapie\u201c in die Kassenmedizin, den Rehabilitationsbetrieb, letztlich in Deutschland zur allgemeinen \u201eAnerkennung\u201c und damit zur Massenverabreichung brachte. Erst k\u00fcrzlich betonte das Deutsche \u00c4rzteblatt 5\/02, \u201e<em>das Organ der \u00c4rzteschaft<\/em>\u201c<em>,<\/em> wieder den \u201e<em>Wirksamkeitsnachweis von Psychotherapie &#8230; durch D\u00fchrssen<\/em>\u201c als Voraussetzung f\u00fcr die Einf\u00fchrung \u201e<em>entsprechender Leistungen in die gesetzliche Krankenversicherung<\/em>\u201c, die allgemeine Anerkennung des \u201e<em>eigenst\u00e4ndigen wissenschaftlichen Paradigmas<\/em>\u201c der Freudianer, die weitere \u201e<em>konsequente Integration der Psychosomatik in die Medizin<\/em>&#8230; <em>durch Einf\u00fchrung des Fachgebietes <\/em>\u201a<em>Psychotherapeutische Medizin\u2019<\/em>\u201c ab 1999 wie auch, so hie\u00df es zuvor schon in D\u00c4 45\/01, die Einbringung der Freud-theoretisch begr\u00fcndeten \u201e<em>psychosomatischen Grundversorgung in alle klinischen Facharzt-Curricula<\/em>\u201c ab 1995.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">D\u00fchrssens \u201eErfolge\u201c wurden alle am <strong> Zentralinstitut f\u00fcr psychogene Erkrankungen der AOK Berlin <\/strong>erzielt, wo verschiedene, auch grunds\u00e4tzlich divergente Schulen, besonders die neoanalytische von Schultz-Hencke, ansonsten die Freudsche, Adlersche und die Jungsche zusammenwirken. Nachdem sie expressis verbis alle <em>in gleicher Weise <\/em>\u201eerfolgreich\u201c waren, bewies D\u00fchrssen im Grund jedoch das genaue Gegenteil von dem, was sie beweisen wollte, n\u00e4mlich <em>die Irrelevanz der psychodynamisch-psychotherapeutischen Theorien<\/em>, damit die Irrelevanz eigentlich des gesamten \u201eInventars\u201c, von dem besagte Psychotherapeuten den Anspruch wissenschaftlicher G\u00fcltigkeit ableiten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">D\u00fchrssens Arbeit ist und bleibt die entscheide. Jahrzehnte sp\u00e4ter erschienen f\u00fcr die analytischen Verfahren zwar weitere (die im Folgenden beschriebenen) \u201eErfolgsnachweise\u201c. F\u00fcr die Zulassung eines neuen Heilverfahren bleibt es in jedem Fall ungew\u00f6hnlich, da\u00df <em>eine einzige<\/em>, noch dazu <strong>eine auf den ersten Blick grob wurmstichige Arbeit <\/strong>den Erfolg zweifelsfrei bewiesen hat oder haben soll, just sie der \u201eanalytischen Psychotherapie\u201c Eingang in die kassen\u00e4rztliche Versorgung verschaffen und <strong>\u00fcber drei\u00dfig Jahre hinweg <\/strong> Ausgaben der Krankenkassen in H\u00f6he vieler, vieler Millionen Mark und Euro ausl\u00f6sen konnte. Es sind in sp\u00e4teren Jahren zwar weitere \u201eErfolgsnachweise\u201c nachgekommen. Sie sind bei n\u00e4herem Hinsehen jedoch auch nicht \u00fcberzeugender als jener \u201eentscheidende\u201c erste. Vier Arbeiten seien n\u00e4her besprochen, weil \u201e<em>das Organ der \u00c4rzteschaft<\/em>\u201c DeutscheS \u00c4rzteblatt sie als solchen Nachweis schon ausgab.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">F. <strong>Breyer <\/strong>et. al. fanden bei ihrer Pr\u00fcfung analytischer Behandlungsergebnisse (<strong><em>Kosten und Nutzen ambulanter Psychoanalyse in Deutschland<\/em><\/strong>, Gesundheitsoekonomie &amp; Qualit\u00e4tsmanagement 3\/97) \u00e4hnlich stolze Erfolge wie D\u00fchrssen und in ihrer Nachfolge \u00e4hnliche Ersparnisse bei sp\u00e4teren \u201eGesundheitskosten.\u201c Auch sie pr\u00fcften freilich wie D\u00fchrssen wieder die Ergebnisse theorie-kontr\u00e4rer Behandler, psycho- wie neoanalytischer, dazu individualpsychologisch-Adlerscher. Bez\u00fcglich <em>theoriespezifischer<\/em> Wirksamkeit jener Behandlungen war ihre Untersuchung damit wieder ein voller Schlag ins Wasser. Gleichwohl lobte das Deutsche \u00c4rzteblatt, \u201e<em>das Organ der \u00c4rzteschaft<\/em>\u201c, Breyers Arbeit als klaren psychoanalytisch-\/-therapeutischen Erfolgsnachweis (den genauen Wortlaut kann Ref. in seinen Unterlagen im Augenblick nicht auffinden).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Nach den \u201e<em>Neoanalytikern<\/em>\u201c um D\u00fchrssen und ihrer \u201eBest\u00e4tigung\u201c durch Breyer legten in Psyche 3\/01 <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">M. <strong> Leuzinger-Bohleber<\/strong> et al. mit <strong><em>Langzeitwirkungen von Psychoanalysen und Psychotherapien: Eine multiperspektivische, repr\u00e4sentative Katamnesestudie <\/em><\/strong>sowie<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">R. <strong>Sandell <\/strong> et. al. mit <strong><em>Unterschiedliche Langzeitergebnisse von Psychoanalysen und Langzeitpsychotherapien<\/em><\/strong> <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">speziell f\u00fcr die (orthodoxen) Psychoanalytiker, in Deutschland organisiert in der DPV, die &#8222;Effizienz&#8220; ihrer Behandlungen dar. Im Durchschnitt liefen diese \u00fcber vier Jahre bzw. 371 Behandlungsstunden. Mit ihren \u201e<em>Stichproben<\/em>-Pr\u00fcfungen\u201c (!) fand Leuzinger bei rund 80% der Nachuntersuchten \u201e<em>gute<\/em>\u201c bis \u201e<em>mittlere<\/em>\u201c Besserungen in Bezug auf \u201e<em>Wohlbefinden, pers\u00f6nliche Entwicklung und Beziehungen zu anderen<\/em>\u201c, \u00e4hnlich bez\u00fcglich \u201c<em>Bew\u00e4ltigung von Lebensereignissen, Selbstwertgef\u00fchl, Stimmung, Lebenszufriedenheit und Leistungsf\u00e4higkeit<\/em>.\u201c Leuzinger weist auch auf einen R\u00fcckgang von Arztkontakten, Arbeitsunf\u00e4higkeitstagen, allgemeinen \u201eGesundheitskosten\u201c durch die Analyse, legt hierzu jedoch<em> keine <\/em>objektiven Daten vor. Behandelt worden waren angeblich \u201e<em>schwer gest\u00f6rte Patienten\u201c, <\/em>zu 56 Prozent <em>\u201ePers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen<\/em>\u201c, die heute in der <em>International Classification of Diseases<\/em> der WHO (ICD10) aufgelistet, gleichwohl bei den Fachleuten h\u00f6chst umstritten sind, \u00e4hnlich wie es seinerzeit die \u201e<em>Schizophrenie ohne Symptome<\/em>\u201c der Sowjetpsychiater war. Vor allem aber bleibt festzuhalten: Wenn die von Leuzinger berichteten Erfolge auch aus psychoanalytischen Behandlungen resultierten, ist damit in keiner Weise gekl\u00e4rt, ob andere Arten von \u00e4hnlich langen (und teuren) Besprechungen nicht gleich gute oder gar bessere Ergebnisse erbracht h\u00e4tten.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Sandells in der gleichen Nummer der PSYCHE dargestelltes Untersuchungsergebnis war unter anderem, da\u00df sich nach psychoanalytischen Behandlungen \u201e<em>eine gr\u00f6\u00dfere Abh\u00e4ngigkeit von Sozialhilfe, signifikant h\u00e4ufigere Krankschreibungen, signifikant h\u00e4ufigere Konsultationen wegen somatischer Behandlungen und signifikant h\u00e4ufigere Einnahme psychoaktiver Medikamente fanden.\u201c<\/em><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Das Deutsche \u00c4rzteblatt, \u201e<em>das Organ der \u00c4rzteschaft<\/em>\u201c, genauer Redaktionsmitglied Petra B\u00fchring aber zogen in dem Beitrag <em>Psychoanalyse \u2013 Schwierige Evaluation <\/em>(D\u00c4 30\/01) den k\u00fchnen Schlu\u00df: Die \u201e&#8230;<em>Studien untermauern nun die Langzeitwirkung<\/em>\u201c. Unter der Hand deuteten sie die reichlich negativen Befunde &#8211; hat Sandell nicht das psychotherapeutische Hauptargument, D\u00fchrssens \u201eKostenersparnisse\u201c, widerlegt? &#8211; wieder in <em>positive <\/em> Langzeitwirkungen der Analyse um. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Das Buch des Psychologen K. Grawe et al., <strong> Psychotherapie im Wandel<\/strong>, Hogrefe, 1994 wird vielfach noch als Bibel der psychotherapeutischen Effizienzforschung gehandelt, als g\u00fcltige \u00dcbersicht \u00fcber die Leistungsf\u00e4higkeit der verschiedenen Psychotherapie-Richtungen weit \u00fcber die analytischen Verfahren hinaus. Zu diesen schrieb Grawe zwar, wie in unserem Rundbrief 4\/99, Fu\u00dfnote 32, schon vermerkt, es h\u00e4tten \u201e<em>40 kontrollierte Studien ihre klinische Wirksamkeit nachweisen<\/em>\u201c k\u00f6nnen. Er bezieht dieses Urteil im einzelnen dann auf zw\u00f6lf katamnestische Untersuchungen zur \u201e<em>psychoanalytisch orientierten Psychotherapie<\/em>\u201c (PAOP) sowie auf 29 zur \u201e<em>psychoanalytischen Kurztherapie<\/em>\u201c (pKT). Sie decken das positive Gesamturteil jedoch keineswegs. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Von der eigentlichen Freudschen Langzeittherapie f\u00fchrt Grawe \u00fcberhaupt nur eine einzige als \u00fcberpr\u00fcfbar an, die <strong>Menninger-Studie<\/strong>. Sie musterte (wie Leuzinger und Sandell unter \u201enaturalistischen\u201c Bedingungen, im Vergleich zu ihnen jedoch noch viel akribischer) 45 Patienten, davon 22 noch viel orthodoxer-psychoanalytisch, n\u00e4mlich \u00fcber zwei- bis drei Jahrzehnte (!) \u00fcber durchschnittlich 1017 Stunden (!) behandelte Patienten und verglich diese mit 20 schwerer (!) Gest\u00f6rten, die \u201edeshalb\u201c nur \u201esupportiv\u201c, immerhin aber noch \u00fcber 316 Stunden oder vier Jahre (!) behandelt wurden. Die Untersuchung, deren Voraussetzung in jedem Fall eine gef\u00fcllte Patientenbrieftasche war, f\u00f6rderte f\u00fcr alle Behandelten in etwa 60 % der F\u00e4lle Verbesserungen ans Licht, die Grawe aber angesichts des immensen Therapieaufwands und weil sie sich in keiner Weise \u201e<em>positiv von anderen Therapieverfahren abh\u00f6ben<\/em>\u201c als bescheiden wertete, wobei im Vergleich zu den schwereren, supportiv behandelten f\u00fcr die leichteren, orthodox-psychoanalysierten F\u00e4lle sogar noch bescheidenere Ergebnisse abfielen, was wieder die Irrelevanz der analytischen Theorie belegt. Zu den therapeutischen Fehlschl\u00e4gen bemerkt Grawe: \u201e<em>Bei den 26 % \u201aFailures\u2019 &#8230; handelt es sich nicht einfach um F\u00e4lle, bei denen positive Wirkungen ausgeblieben waren, sondern bei der Mehrzahl &#8230; <\/em>(um)<em> ausgesprochen sch\u00e4digende Effekte<\/em>.\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Zu den 40 angeblich \u201eklinische Wirksamkeit\u201c der Analyse zeigenden Studien rechnet Grawe nun 12 Expertisen zur PAOP, die er gleichzeitig aber als \u201e<em>methodisch eher unterdurchschnittlich<\/em>\u201c wertete. Die einschl\u00e4gige \u201e<em>Befundlage <\/em>(sei) <em>weder quantitativ noch qualitativ sehr beeindruckend<\/em>.\u201c Von den 29 Studien zur Kurztherapie (pKT), die \u00fcberhaupt nur bedingt \u201eanalytische\u201c Therapie ist, schreibt Grawe im weiteren, es h\u00e4tten lediglich 10 davon \u201e<em>interpretierbare Resultate<\/em>\u201c geliefert. Sie zeigten \u201e<em>Besserungen der Symptomatik<\/em>\u201c an, aber \u201e<em>auffallend oft&#8230; auch signifikante Verschlechterungen<\/em>\u201c. Sie lie\u00dfen \u201e<em>ein positives Bild von der Wirksamkeit psychoanalytischer Kurztherapie nicht entstehen<\/em>.\u201c <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Weder also st\u00fctzen Grawes detaillierte Angaben sein eigenes oben genanntes positives Gesamturteil \u2013 er folgerte ja auch gar nicht aus 40, sondern allenfalls aus 22 \u201e<em>kontrollierten Studien<\/em>\u201c -, noch rechtfertigen sie die wiederkehrenden Verweise amtierender Gesundheitspolitiker auf ihn, die ihn vielfach als den Kronzeugen psychoanalytischer Effizienz handeln. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">\u201e<em>Stand und Umfang der evaluierten Psychotherapieforschung sind unzureichend<\/em>,\u201c stellte das DEUTSCHE \u00c4RZTEBLATT 27\/01, \u201e<em>das Organ der \u00c4rzteschaft<\/em>\u201c (1), dazu wieder durchaus richtig fest, behauptete aber in ein und dem\u00a0 gleichen Atemzug weiter, \u201e<em>durch Untersuchungen (zum Beispiel D\u00fchrssens, 1962, Grawes, 1995)<\/em>\u201c sei\u00a0 (bezogen auf die Gesamtausgaben f\u00fcr individuelle \u201eGesundheitsleistungen\u201c) \u201e<em>die Kosteneinsparung \u00a0durch Psychotherapie belegt<\/em>\u201c worden. Und seine Leser nahmen es hin!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Grawe gilt vielfach als \u00fcber den Grabenk\u00e4mpfen der analytischen Schulrichtungen stehend. Als Psychologe neigt er speziell der in der universit\u00e4ren Psychologie gelehrten, im Vergleich zur Analyse gewi\u00df weniger abstrusen, freilich auch nicht minder materialistisch-reduktionistischen Verhaltenstherapie (VT) zu. Er ist somit alles andere als \u201eunparteiisch.\u201c <strong>Das ist ja das Hauptmanko der gesamten Psychotherapie und der von ihr gepr\u00e4gten \u201eReform-Psychiatrie\u201c, da\u00df es Unparteilichkeit und damit eine fair moderierte, alle divergenten Aspekte zulassende Diskussion hierzulande nie gegeben hat<\/strong>. Grawes Interesse war und ist, die Psychologen besser ins Gesch\u00e4ft zu bringen. F\u00fcr die VT hat er ungleich mehr und \u00fcberzeugendere Erfolgsnachweise beigebracht. Sie k\u00f6nnten ebenfalls noch \u201eabzuklopfen\u201c sein. Nur geht das \u00fcber unsere M\u00f6glichkeiten endg\u00fcltig hinaus.<\/span><\/p>\n<blockquote><p><span style=\"font-size: x-small;\">(1) (Nachtrag 5\/03): <\/span>Mit einer weiteren \u201e<em>Therapieevaluation bei psychischen St\u00f6rungen<\/em>\u201c kamen inzwischen das DEUTSCHE \u00c4RZTEBLATT 16\/03, genauer sein stellv. Leiter der Marburger Kinderpsychiater Prof. <strong>Remschmidt <\/strong>heraus, einer Erhebung \u00fcber Ergebnisse der entsprechenden Behandlungen <em>&#8222;von Kindern und Jugendlichen&#8220;<\/em>. Er schrieb &#8211; f\u00fcrs Erste durchaus richtig, es spiele<em> <\/em> im Fach <em>&#8222;Psychotherapie eine herausragende Rolle<\/em>&#8222;, dann aber: &#8222;<em>Betrachtet man die Leitthemen der Psychotherapieforschung in den letzten 50 Jahren, lassen sich vereinfachend folgende Epochen unterscheiden: Auf das vorempirische Stadium (Wirksamkeit wurde unterstellt, anstatt sie systematisch zu \u00fcberpr\u00fcfen) folgte das Stadium, in dem es darum ging, die allgemeine Wirksamkeit von Psychotherapie \u00fcberhaupt nachzuweisen, was mittlerweile als gesichert gelten kann. Darauf folgte das Stadium, das man als Phase der &#8217;speziellen Wirksamkeitsforschung&#8216; bezeichnen kann &#8230; Dieser st\u00f6rungsspezifische Ansatz bezieht sich allerdings nicht nur auf Psychotherapie, sonders auf alle Interventionen, die f\u00fcr eine bestimmte St\u00f6rung die relativ besten Behandlungsergebnisse bewirken&#8230;\u201c<\/em> Die \u201e<em>allgemeine Wirksamkeit von Psychotherapie<\/em>\u201c ist freilich nichts anderes als die des guten Worts allgemein. Zur \u201e<em>speziellen Wirksamkeit<\/em>\u201c (der psychoanalytisch-tiefenpsychologisch-spezifischen etwa) aber schweigt sich Remschmidt aus. Dabei geht es in der Diskussion allein um sie. Wird sie doch stets hier zugrunde liegenden Theorien und dem Training in ihnen zugeordnet. Just sie aber steht nach hundert Jahren \u201e<em>Therapie-Forschung<\/em>\u201c\u00a0 \u00fcber alle angeblichen \u201e<em>Phasen<\/em>\u201c, \u201e<em>Epochen<\/em>\u201c oder \u201e<em>Stadien<\/em>\u201c hinweg nach wie vor in den Sternen. Von verlogener, verwischender Rabulistik aber waren bisher <em>alle <\/em>einschl\u00e4gigen \u201e<em>Evalutationen<\/em>\u201c! Mit solchen Flunkereien getrauen sich renommierte Ordinarien der \u201ePsycho-F\u00e4cher\u201c \u00fcber die Jahre, Jahrzehnte ihren Kollegen unter die Augen zu treten. W\u00e4hrend viel im Gesundheitswesen von \u201e<em>Qualit\u00e4t<\/em>\u201c, \u201e<em>Qualit\u00e4tskontrollen<\/em>\u201c geredet wird, kann ein Bereich sich weiter bl\u00e4hen, der aus nichts als Augenwischerei besteht.<\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Wissenschaftlich umfassende, kontinuierliche und <strong>an die Wurzeln gehende Freud-Kritik gibt es derzeit nur im Ausland <\/strong>(2).<strong> Viele neu aufgefundene Daten hat sie verarbeitet<\/strong>. In deutscher \u00dcbersetzung liegt davon vor H. Israels\u2019 Der Fall Freud \u2013 Die Geburt der Psychoanalyse aus der L\u00fcge (1999). Gro\u00dfes Gewicht haben dazu F. Cioffi mit Was Freud a Liar?, 1974, M. Macmillan mit Freud Evaluated,1991, R. Webster mit Why Freud was Wrong, 1991, A. Esterson mit Seductive Mirage, 1993, F. Crews mit Unauthorized Freud (1998), R. Wilcocks mit MOUSETRAPS AND THE MOON (2000) und andere. T. Dineen behandelt in MANUFACTURING VICTIMS (2. Aufl. 1998), was eine unsolide, ins Kriminelle gehende \u201e<em>Psycho-Industrie <\/em>(insgesamt) <em>den Menschen antut<\/em>\u201d. Besonders erhellend war an den englischen Arbeiten f\u00fcr den Autor die Darlegung, da\u00df und wie Freud schon bei seinen fr\u00fchesten Behandlungen mit Kokain, seiner Darstellung des ber\u00fchmten \u201eersten\u201c Psychotherapie-Falls \u201e<em>Anna O<\/em>.\u201c Erfolge vorgaukelte, die gar nicht existierten, der Altmeister offensichtlich das Muster vorgab, nach dem auch gewisse \u201eWirksamkeitsnachweise\u201c seiner Adepten laufen. <\/span><\/p>\n<blockquote><p>(2) Nachtrag (12\/02): K\u00fcrzlich kam eine neue Freud-Kritik heraus aus der Feder des Bamberger Psychologen Prof. Herbert Selg: SIGMUND FREUD \u2013 GENIE ODER SCHARLATAN, Kohlhammer, 2002. Der Autor f\u00fchrt \u00fcbersichtlich, b\u00fcndig viele Freudsche Schwachstellen auf. Er gibt der Analyse trotz aller Schw\u00e4chen dennoch ein langes Leben, weil sie \u201e<em>von Personen au\u00dferhalb der Psychologie immer wieder ernst genommen<\/em>\u201c wird. Da\u00df es vielfach auch Psychologen sind, die heute Freud\u00adsche Psychotherapie praktizieren, sagt er nicht. Seit Eysenck will psychologische Freud-Kritik all zu oft nur bewahren, was mit D\u00fchrssen just Freudianer errungen haben, den prinzipiellen Zugang von Psychologie, \u201e<em>sprechender Medizin<\/em>\u201c zu den Geldt\u00f6pfen der Krankenkassen. An therapeutischer Wirksamkeit werde die Analyse, schreibt Selg, \u201e<em>von anderen Therapiearten, z.B. von der Verhaltenstherapie \u00fcbertroffen<\/em>\u201c. Da\u00df auch an deren Theorien und Effizienzkontrollen manch Fragw\u00fcrdiges ist , sagt er nicht. Heilsam effiziente, menschengerechte Psychotherapie ist fraglos w\u00fcnschenswert..<\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Ernsthafte Freud-Kritik hat es auch hierzulande gegeben, hier einst die Kritik international f\u00fchrender Fachleute von K. Jaspers bis K. Schneider, H. J. Weitbrecht und anderen. Heute geben sich die \u201ef\u00fchrenden\u201c deutschen Psychiater zwar zwischendurch auch \u201ekritisch\u201c. Prof. M. Berger, Freiburg, etwa stellt auf Seite 162 seines modernen, viel gelobten Lehrbuches PSYCHIATRIE UND PSYCHOTHERAPIE (Urban und Schwarzenberg, 1999) fest, es werde der Psychoanalyse \u201e<em>vorgeworfen, da\u00df ihre Begriffsbildungen und Konzepte Verifizierung bzw. Falsifizierung von Hypothesen nicht gestatten und da\u00df sich ihre wissenschaftliche Vorgehensweise nicht an den Grundlagen empirisch-wissenschaftlicher Methoden orientiert (Popper 1963) &#8230; Die Kritik bezieht sich weiterhin auf den weitgehend fehlenden klinischen Wirksamkeitsnachweis<\/em>\u201c der\u00a0 Analyse. Die \u201eKritik\u201c dieser \u201eKritiker\u201c kommt freilich meist im Konjunktiv als Fremdzitat, unter Verweis auf andere und offensichtlich vollen Hosen. Sp\u00e4testens im \u00fcbern\u00e4chsten Satz schon tun diese \u201eKritiker\u201c dann, als seien die therapeutische Wirksamkeit der Psychoanalytiker doch \u00fcber alle Zweifel erhaben und ihre Aussagen immer h\u00f6chst bedenkenswert.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\"><strong>\u00c4hnlich der Eiertanz<\/strong>, den die gesamte \u00c4rztevertretung in den letzten Jahrzehnten um die Analyse auff\u00fchrt. Es kommen zwar in \u00c4rztebl\u00e4ttern mitunter auch heute noch Freud-Kritiken vor (3). Sie werden aber umgehend mit den w\u00fctenden Entgegnungen, scipionischen Drohungen derer konterkariert, die mit Freudschem Bluff ihren Lebensunterhalt bestreiten (4). Emp\u00f6rung bei ihnen, da\u00df Schwindel mitunter noch Schwindel genannt wird. \u201e<em>Nirgends wird in der Medizin so fanatisch und intolerant gestritten wie in der \u201aTiefenpsychologie\u2019<\/em>\u201c, stellte H.J. Weitbrecht in seinem Lehrbuch Psychiatrie im Grundriss (1963) noch fest (5). <\/span><\/p>\n<blockquote>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: x-small;\">(3) Auf <\/span> einen der vielen Jubelartikel des Deutschen \u00c4rzteblattes zur Psychoanalyse (<em>Schwierige Evaluation<\/em> von P. <em>B\u00fchring<\/em> in Heft 30\/01 \u2013 s.o.) kam in Heft 38\/01 der Leserbrief von Dr. J. Wiedmayer, Erlangen:<\/p>\n<p align=\"center\"><em>Glaubenslehren<strong> <\/strong>auf br\u00fcchigem Fundament<\/em><\/p>\n<p align=\"left\"><em>Psychoanalyse wie auch&#8230; Psychotherapie, sind, dar\u00fcber kann auch das durch Brille, Bart und Zigarre unterst\u00fctzte Durchblickergebaren ihres Erfinders Freud nicht hinwegt\u00e4uschen, Glaubenslehren, gegr\u00fcndet auf allzu br\u00fcchigem Fundament. Der Spuk w\u00e4re schon l\u00e4ngst in der akademischen Mottenkiste gelandet, gel\u00e4nge es nicht deren in mannigfachen Zirkeln organisiert<strong>e<\/strong>n &#8222;Hohenpriestern&#8220; in froher Seilschaft mit einschl\u00e4gigen Medien &#8230; ihren Seelenfirlefanz als tiefe, hilfreiche Erkenntnis zu verkaufen&#8230;<\/em> <em>Das erbsenz\u00e4hlerische Brimborium des vorgenannten Artikels entl\u00e4\u00dft den geneigten Leser deshalb ratlos, weil es hinsichtlich der Beurteilung des Nutzens Psychoanalyse-Psychotherapie nichts zu \u201eevaluieren&#8220; gibt, handelt es sich doch um das milde Miteinander zweier Glaubenslehren&#8230;<\/em> Gespr\u00e4che mit gesundem Menschenverstand gef\u00fchrt &#8230;, sind in seelischer Not oft hilfreich, wer w\u00fc\u00dfte das nicht? &#8230; Der Anspruch jedweder &#8222;Therapie&#8220;-Verfahren &#8211; nat\u00fcrlich nur in unz\u00e4hligen, teuren Psychoseminaren schwer zu erwerben -, kraft h\u00f6herer Einsichten und besserer Methoden etwas dar\u00fcber hinaus zu bewirken, ist &#8230; gleicherma\u00dfen naiv wie l\u00e4cherlich&#8230;<\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-size: x-small;\">(4) Auf vorstehenden Leserbrief entgegnete <\/span> Dr. G. Obertreis, Krefeld <span style=\"font-size: x-small;\">in D\u00c4 8\/02<br \/>\n<\/span><br \/>\n<em>Offene Feindseligkeit<strong><br \/>\n<\/strong><br \/>\nDieser Leserbrief stellt in seiner offenen Feindseligkeit und hochgradigen Unsachlichkeit eine Diffamierung einer ganzen \u00c4rztegruppe und nicht\u00e4rztlicher Psychotherapeuten dar. Die Beziehung der somatisch t\u00e4tigen \u00c4rzte und Psychotherapeuten wird durch solche Stellungnahmen weiter zerr\u00fcttet&#8230; Ceterum censeo, da\u00df sich auch die \u00e4rztlichen Psychotherapeuten, die wie ich ausschlie\u00dflich psychotherapeutisch arbeiten, den sich bildenden Psychotherapeuten-Kammern anschlie\u00dfen m\u00f6gen, da\u00df sich daraufhin Kassenpsychotherapeutische Vereinigungen bilden m\u00f6gen und da\u00df eine Geb\u00fchrenordnung f\u00fcr Psychotherapeuten (Gap) angestrebt wird. Ich habe zunehmend Schwierigkeiten, eine Zeitschrift durch meine Kammerzugeh\u00f6rigkeit mitzutragen (das D\u00c4 wird nicht aus Kammerbeitr\u00e4gen finanziert, die Red.), in der mir in Form solcher Leserbriefe eine derartige Feindseligkeit entgegenschl\u00e4gt.<\/em><\/p>\n<p align=\"left\">(5) Weitbrecht beschr\u00e4nkte sich weitgehend darauf, Freud zu zitieren, etwa dessen Ansicht, man d\u00fcrfe als Therapeut \u201e<em>sich die Symptome in \u00c4tiologie \u00fcbersetzen und dann von den Kranken dreist die Bekr\u00e4ftigung seiner Vermutungen verlangen &#8230;; man besteht fest auf dem, was man erschlossen hat, und besiegt endlich jeden Widerspruch dadurch, da\u00df man die Unersch\u00fctterlichkeit seiner \u00dcberzeugungen betont.\u201c Dreistigkeit aber ist das Markenzeichen der Analyse bis heute geblieben.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Mit der Attit\u00fcde der Erhabenheit \u00fcber kleinliches Gez\u00e4nk, vor allem aber dem Verweis auf den psychotherapeutischen \u201eWirksamkeitsnachweis\u201c D\u00fchrssens <strong>setzten sich \u00c4rztevertretung, \u00c4rztetag, \u00c4rzteblatt etc. anstandslos \u00fcber Jahre, Jahrzehnte \u00fcber alle, auch die fundiertesten Einw\u00e4nde hinweg<\/strong>. In Salami-Taktik trieben sie die \u201eIntegration\u201c der Freudschen Pseudowissenschaft in die Medizin voran und kr\u00f6nten sie 1999 mit der Einrichtung eines auf Freuds Dogmen ruhenden \u201e<em>Facharztes f\u00fcr psychotherapeutische Medizin<\/em>\u201c. Plumpen Flunkereien gaben sie statt offensichtlich, <strong>weil die politische F\u00fchrung quer durch die Parteien, selbst an ihnen interessiert, selbst an ihnen mitwirkte<\/strong>. Wenn ein Prof. Kolkmann beim letzten Deutschen \u00c4rztetag in Rostock Ende Mai 2002 sagte, da\u00df \u201e<em>die wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften die lex artis medicinae verk\u00f6rpern<\/em>\u201c (D\u00c4 23\/02), so kann, wer das Wirken der Analytiker-Lobby unter den \u00c4rzte-Parlamentariern erlebt hat, nur m\u00fcde abwinken. \u201eFachgesellschaften\u201c gibt es auf psychotherapeutischem Gebiet wie Sand am Meer. Fast t\u00e4glich tauchen neue auf.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Karl Jaspers bemerkte in Rechenschaft und Ausblick (Piper, M\u00fcnchen) 1950 schon, wie von den \u00c4rzten die Anspr\u00fcche der Psychoanalyse \u201e<em>ernst genommen werden, <\/em> (dar\u00fcber) <em>kann man wohl in Staunen geraten. Das Ma\u00df der Anerkennung&#8230; seitens der Nichtanalytiker, die Vorsicht, als ob etwas daran sein k\u00f6nne, die Sorge, durch radikale Verwerfung der Unwissenschaft sich zu blamieren, zeigt, wie tief die Wirkung dieser Glaubensweisen geht<\/em>&#8230;\u201c (RB 2\/00, K.3.3). In dem jahrzehntelang schleichenden, mit fast krimineller Energie verfolgten Anerkennungsproze\u00df der \u201eanalytischen Psychotherapie\u201c wurden die \u00c4rzte offensichtlich von keinen wissenschaftlichen, sondern von rein politischen \u00dcberlegungen und\/oder Einfl\u00fcssen bestimmt, wie sie 1945 mit der Rede des alliierten Psychiater-Generals G.B. Chisholm vor amerikanischen Spitzenpolitikern zum Ausdruck kamen:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">\u201e&#8230;<strong><em>Die Uminterpretation und letztlich Ausmerzung des Konzepts von Richtig und Falsch<\/em><\/strong><em>, &#8230;, <strong> das sind die letzten Ziele praktisch aller effektiven Psychotherapie<\/strong>&#8230; <strong> Wenn das Menschengeschlecht von seiner es verkr\u00fcppelnden Last von Gut und B\u00f6se befreit werden soll, m\u00fcssen es Psychiater sein, die hierf\u00fcr die Verantwortung \u00fcbernehmen<\/strong>&#8230; Wir haben <\/em>(jetzt)<em> bei etwas Gl\u00fcck vielleicht 15 oder gar 20 Jahre vor uns, bis der n\u00e4chste Weltkrieg ausbricht, <strong>20 Jahre aber auch, um die liebsten Gewi\u00dfheiten von gen\u00fcgend Menschen umzukrempeln, 20 Jahre, um das \u00e4lteste und bl\u00fchendste parasit\u00e4re Wachstum in der Welt zu entwurzeln und zu vernichten, den Baum der Erkenntnis von Gut und B\u00f6se&#8230;\u201c <\/strong><\/em>(RB 2\/00 &#8211;\u00a0 der englische Originaltext in ganzer L\u00e4nge im englischen Teil unserer Web-Site). Diese Ziele, kurz nach Ende des 2. Weltkrieges vor Mitgliedern der Roosevelt-Truman-Administration unter dem Titel \u201e<em>Reestablishment of a Peaceful Society<\/em>\u201c ausgebreitet und von einzelnen von ihnen offen unterst\u00fctzt, sind es allem Anschein nach, derenthalben <strong>die Regierenden und ihre Hilfswilligen in der Medizin die analytische Psychotherapie und die wesentlich mit ihr \u201ereformierte\u201c Psychiatrie \u00fcber alle ihr anhaftenden Fragw\u00fcrdigkeiten hinweg allerorts vorantreiben<\/strong>.<strong> <\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">So \u201e<em>fanatisch und intolerant<\/em>\u201c sie immer stritt (s.o.), wurde die \u201e<em>Tiefenpsychologie<\/em>\u201c, dem Marxismus auch hierin verwandt, weithin als \u201e<em>Friedenserziehung<\/em>\u201c gefeiert. Es wurde ja auch <em>das Konzept von Richtig und Falsch, Gut und B\u00f6se <\/em>oft genug schon mi\u00dfbraucht. Kann seine <em>Ausmerzung <\/em>jedoch je anderes geb\u00e4ren als noch mehr Unfrieden und Willk\u00fcr? Zum Chisholmschen Ziel einer Kulturrevolution der 68er Art passen nat\u00fcrlich Freuds Menschenverachtung, seine \u201e<em>konzeptionellen Irrt\u00fcmer, unabl\u00e4ssigen Apriorismen, Nichtbeachtung von Gegenbeispielen, einsch\u00fcchternden Untersuchungsmethoden, <\/em>seine <em> gedanklichen Kurzschl\u00fcsse, rhetorischen Ausweichman\u00f6ver und <\/em>seine <em> umfassende, chronische Unwahrhaftigkeit<\/em>\u201c &#8211; so der Kalifornier Frederick Crews in der Einleitung seines oben genannten Buches. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Hierzulande aber kotauen heute hochm\u00f6gendste Psychiatrie-Ordinarien, r\u00fchrigste \u00c4rztevertreter, schlaueste Journalisten wie auch reputierteste Gelehrte vor Freud. Wie vor anderen Herausforderungen in der \u201eSeelenheilkunde\u201c, etwa der Psychiatrie-Reform, dem Psychiatriemi\u00dfbrauch gehen sie der offenen Diskussion aus dem Weg, helfen sie Freuds Konstruktionen institutionell zu befestigen und sie dem Volk immer eindringlicher unterzujubeln. Konnte und kann solches, darf man fragen, anders geschehen und anders zum Erfolg f\u00fchren als auf h\u00f6chste politische Veranlassung hin?<strong> <\/strong>Am Rande: Die AOK Berlin bot an ihrem \u201e<em>Zentralinstitut f\u00fcr psychogene Erkrankungen<\/em>\u201c analytische Psychotherapie an, lange <em> bevor <\/em>D\u00fchrssens \u201eWirksamkeitsnachweis\u201c vorlag. Zu seiner Erstellung lieferte die halb-staatliche Einrichtung nicht nur die Behandlungsdaten ihrer Krankenversicherten, sondern auch alle manpower und alle materiellen Unterlagen bis hin zum letzten Bleistiftspitzer. Wenn das nicht eine politische Auftragsarbeit war! \u00c4hnlich erstaunlich, da\u00df etwa Leuzingers Arbeit \u2013 wie sie ausdr\u00fccklich festhielt \u2013 \u201e<em>von der <\/em>(halb-staatlichen) <em>\u00a0Deutschen Forschungsgemeinschaft gef\u00f6rdert<\/em>\u201c wurde, was erneut ein vorausliegendes, politisches Interesse an diesem \u201eWirksamkeitsnachweis\u201c ausweist. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Trotz unentwegter Propaganda, die f\u00fcr die Psychoanalyse \u00fcber die Jahrzehnte allerorts lief, steht ihre therapeutische Wirksamkeit bis heute dahin. Wie viele Millionen Mark und Euro wurden da aus \u00f6ffentlichen Mitteln vergeudet? Wieviel Korruption hat sich von ihr und ihrer \u00f6ffentlichen Anerkennung zudem \u00fcber die ganze Gesellschaft gebreitet? <strong>Wie viel mehr noch wiegt aber das menschliche Leid, das dadurch erhalten, wenn nicht gar produziert wurde? Erbarmungslos wurden und werden hilfesuchende Menschen der Pseudowissenschaft ausgeliefert<\/strong>. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\">Die Spannung aber w\u00e4chst. W\u00e4hrend sich etwa das englisch-sprachige Ausland immer entschiedener schon aus dem Bann Freuds l\u00f6st (vgl. auch vorstehende \u00c4u\u00dferungen Dr. Sophie Freuds \u00fcber ihren Gro\u00dfvater), geben sich die Freudianer hierzulande immer dreister (Obertreis, Fu\u00dfnote 4). Und unsere \u00c4rzterepr\u00e4sentanten, Medienbosse und Politiker, rote wie schwarze, blasen den Schwindel weiter auf. Welche Peinlichkeit sie noch einholen wird, wenn anglo-s\u00e4chsische Offenheit einmal in unserem Land ankommt, l\u00e4\u00dft sich dennoch voraussehen<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\"> Freuds Streitern kam \u00fcber die Jahre gewi\u00df zustatten, da\u00df auch die Kritik an ihm mitunter etwas unzul\u00e4nglich war oder da\u00df sie sternschnuppengleich aufschien und schnell wieder erlosch, etwa D. Zimmers TIEFENSCHWINDEL von 1986. So ist ja, auch wenn Freud uns ein ganzes Jahrhundert lang narrte, noch lange nicht ausgemacht, ob bestimmte Therapie-Verfahren und \u2011Lehren &#8211; und seien sie \u201e<em>in unz\u00e4hligen, teuren Psychoseminaren schwer zu erwerben<\/em>\u201c &#8211; nicht doch \u201e<em>h\u00f6here Einsichten<\/em>\u201c vermitteln k\u00f6nnen, mit denen bei (manchen) seelisch Leidenden \u00fcber den \u201e<em>gesunden Menschenverstand<\/em>\u201c hinaus doch noch \u201e<em>etwas zu bewirken ist<\/em>\u201c (Fu\u00dfnote 1). Dies festzustellen k\u00f6nnte es vielleicht gar \u201e<em>erbsenz\u00e4hlerische<\/em>\u201c Erfolgskontrollen brauchen, <strong>bessere freilich als jene, mit denen die angef\u00fchrten Autoren und das \u201eOrgan der \u00c4rzteschaft\u201c die \u00d6ffentlichkeit bisher immer wieder \u00fcber die derzeit noch kl\u00e4glichen psychotherapeutischen Realit\u00e4ten hinwegzut\u00e4uschen versuchten. <\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Arial;\"> Als eine menschlich ansprechende und angemessene Lehre haben wir V. E. Frankls Logotherapie und Existenzanalyse vorgestellt (Rundbrief 3\/01). Es mag noch manch andere Psychotherapie geben, die zumindest nicht von vornherein so gegen allen \u201egesunden Menschenverstand&#8220; angelegt und nicht so von L\u00fcge und Zynismus gepr\u00e4gt ist wie die Freudsche. Erfolgsnachweise der genannten Art hat die Logotherapie freilich noch nicht vorgelegt, das Eintrittsbillet zu den Geldt\u00f6pfen der deutschen Krankenkassen noch nicht erworben. Oder gereicht es ihr zur Ehre, da\u00df sie es mit faulen \u201eNachweisen\u201c noch nicht versucht hat?<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>***<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[5],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=16"}],"version-history":[{"count":5,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":45,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/16\/revisions\/45"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=16"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=16"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=16"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}