{"id":222,"date":"2015-09-27T18:07:55","date_gmt":"2015-09-27T18:07:55","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/?p=222"},"modified":"2015-09-27T18:10:30","modified_gmt":"2015-09-27T18:10:30","slug":"bemerkungen-zu-otto-f-kernberg","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/bemerkungen-zu-otto-f-kernberg\/","title":{"rendered":"Bemerkungen zu Otto F. Kernberg"},"content":{"rendered":"<h3><span style=\"color: #000080;\">\u201e<em>Pers\u00f6nliche Stile in Psychoanalysen<\/em>\u201c &#8211;<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> Bemerkungen zu einem ihrer derzeit f\u00fchrenden Vertreter<\/span><\/h3>\n<p><span style=\"color: #000080;\">anl\u00e4\u00dflich einer Fachtagung an der \u201e<em>International Psychoanalytic University<\/em>\u201c in Berlin, Allerheiligen 2013<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\"><strong>Zusammenfassung:<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #000080;\">Klaus Schlagmann unterzieht den Aufsatz eines Fachmannes, der als einer der ber\u00fchmtesten Psychoanalytiker der Welt gilt (Otto F. Kernberg), einer gr\u00fcndlichen Analyse. In dem Aufsatz wird z.B. der Fall einer Frau besprochen, die an Depressionen leidet. Sie hatte als Grundsch\u00fclerin von (unkonkret) \u201eunter 10 Jahren\u201c sexualisierte Gewalt von Seiten ihres Vaters erlebt. Kernberg unterstellt ihr, sie habe diese Situation \u201ein typischer Weise \u2026 als einen sexuell erregenden Triumph \u00fcber ihre Mutter\u201c erlebt und sie m\u00fcsse \u201eihre Schuld tolerieren\u201c. Dieses (berechtigte) Schuldgef\u00fchl sei der Ursprung ihrer Depression. Diesem Gewaltopfern wird in Kernbergs \u201eTherapie\u201c sogar zugemutet, dass sie lernen m\u00fcsse, sich mit der sexuellen Erregung des sadistischen Vaters zu \u201eidentifizieren\u201c.<\/span><\/p>\n<p style=\"padding-left: 30px;\"><span style=\"color: #000080;\">\u00a0Diese Art von Therapie l\u00e4uft auf eine glatte Opferbeschuldigung hinaus und muss geradezu bei den Betroffenen Schaden anrichten! Schlagmann kennt aus der Literatur, aus Darstellungen im Internet oder auch aus eigener Praxis F\u00e4lle, in denen es zu sch\u00e4dlichen Entwicklungen nach entsprechenden Opferbeschuldigungen gekommen ist. Er fordert deshalb von verantwortlichen PolitikerInnen die Einrichtung eines \u201eRunden Tisch Psychotherapie-\u201eOpfer\u201c.<\/span><\/p>\n<div id=\"post-4266\" class=\"hentry post private post-1 odd author-weinberger has-excerpt category-klaus-schlagmann\">\n<div class=\"entry-content\">\n<p><span style=\"color: #000080;\">Professor Otto\u00a0 F. Kernberg er\u00f6ffnete an Allerheiligen 2013 am Berliner Privatinstitut \u201eInternational Psychoanalytic University\u201c (IPU) die Fachtagung \u201ePers\u00f6nliche Stile in Psychoanalysen\u201c . In seinen Therapien hat er es mit Menschen zu tun, die schwerstes Leid erfahren haben: Sie ha- ben eventuell Folter, KZ-Haft, politischen Terror, Vergewaltigung oder sexualisierte Gewalt im Kindesalter \u00fcberlebt. Inwiefern ist nun gerade Kernbergs \u201epers\u00f6nlicher Stil\u201c dazu angetan, solche KlientInnen vor weiterem Leid, vor Verzweiflung oder gar Suizidimpulsen zu bewahren?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Wenn Kernberg von einem Opfer von Folter, KZ-Haft oder Vergewaltigung gefragt wird: \u201eGlauben Sie mir nicht? Sind Sie nicht meiner Meinung? War das nicht entsetzlich?\u201c \u2013 was, glauben Sie, ist aus seiner Sicht die therapeutisch korrekte Antwort?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">M\u00f6glichkeit A: \u201eJa, nat\u00fcrlich glaube ich Ihnen! Und ich bin ganz Ihrer Meinung! Die entsetzlichen Erlebnisse, die Sie schildern, ersch\u00fcttern mich selbst zutiefst! Ich empfinde aufrichtiges Mitleid!\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">M\u00f6glichkeit B: \u201eWarum brauchen Sie meine Meinung, anstatt eine eigene zu haben?\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Im Rahmen seiner mit Fortbildungspunkten honorierten Lehre empfiehlt Kernberg die (w\u00f6rtlich zitierte) Antwort B. Begr\u00fcndung: \u201eEs ist wichtig \u2013 ich zitiere da Freud in einem Brief von 1916 an Pfister \u2013 dass wir uns vor Mitleid sch\u00fctzen. Wie Sie wissen, ist Mitleid sublimierte Aggression.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Und nicht nur das: W\u00e4hrend es (angeblich) ein Zeichen von Aggression sein soll, mit KlientInnen Mitleid zu haben, ist es umgekehrt \u2013 nach Kernberg \u2013 heilsam, wenn sich TherapeutInnen mit T\u00e4terInnen identifizieren: \u201eWir m\u00fcssen uns also mit dem Kommandanten des Konzentrationslagers, mit dem Folterer in der Diktatur, mit dem inzestu\u00f6sen Vater, mit der sadistischen Mutter identifizieren k\u00f6nnen. Wir m\u00fcssen so auch die Lust versp\u00fcren am Zerst\u00f6ren, die Lust, eine Brandbombe zu werfen, die Lust sadistische Aggressionen zu versp\u00fcren, \u2026\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Und, halten Sie sich gut fest, f\u00fcr Kernberg ist es Ausdruck einer gelungenen Therapie, wenn er selbst, als Therapeut, solche T\u00e4ter-Aggressionen gegen\u00fcber seinen PatientInnen empfindet. Originalton: \u201eWenn alles gut geht, dann gibt es Momente, in denen wir sie [unsere KlientInnen; K.S.] am liebsten aus dem Fenster werfen w\u00fcrden, besonders wenn unser B\u00fcro im 80. Stock liegt, und dann langsam und freudevoll lauschen, bis wir unten ein leises \u201aPlopp\u2019 h\u00f6ren.\u201c \u2013 Lautes Gel\u00e4chter im Publikum. \u2013 \u201eIch meine das ganz ernst!\u201c Das f\u00fcrchte ich auch. Aber die Voll- versammlung von \u00fcber eintausend \u201eExpertInnen\u201c bei den \u201eLindauer Psychotherapiewochen\u201c von 1997 lacht erneut. Das entlarvende Tondokument ist bis heute bei \u201eAuditorium Netzwerk\u201c, M\u00fcllheim, erh\u00e4ltlich. 1999 wurde der Vortragstext (leicht abge\u00e4ndert) unter der \u00dcberschrift \u201ePers\u00f6n- lichkeitsentwicklung und Trauma\u201c in der von Kernberg mit herausgegebenen Fachzeitschrift \u201ePers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen \u2013 Theorie und Therapie\u201c (PTT), 1, 5-15, beim Verlag Schattauer publiziert. S\u00e4mtliche hier angef\u00fchrten Zitate \u2013 mit Ausnahme der obigen, von mir selbst formulier- ten \u201eM\u00f6glichkeit A\u201c \u2013 sind w\u00f6rtlich diesen beiden Publikationen entnommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Warum sollte es aber wichtig sein, dass PsychotherapeutInnen sich mit Unmenschen wie KZ- Kommandanten, Folterknechten, inzestu\u00f6sen und sadistischen Eltern zu \u201eidentifizieren\u201c verste- hen? Nun, es ist angeblich aus irgendeinem \u2013 mir von Kernberg nirgendwo plausibel gemachten \u2013 Grund erforderlich f\u00fcr die Heilung von Opfern extremer Gewalt, \u201esich mit dem T\u00e4ter zu identifizieren\u201c. Anscheinend sollen TherapeutInnen mit gutem Beispiel vorangehen, um KlientInnen diesen Prozess zu erleichtern.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Ein Fallbeispiel von Kernberg: Er erz\u00e4hlt von einer Frau, die von Seiten ihres Vaters, einer \u201eanti- sozialen Pers\u00f6nlichkeit\u201c, sexualisierte Gewalt erlebt hatte, und zwar im Alter von unter zehn Jahren. (Das Alter wird nicht n\u00e4her konkretisiert, als w\u00e4re es v\u00f6llig unerheblich, ob Derartiges im Alter von 2, 6 oder 8 Jahren geschieht.) \u201eSie hatte in typischer Weise das Verhalten des Vaters in vielf\u00e4ltiger Art erlebt, als brutalen Eingriff und Verletzung ihrer physischen Identit\u00e4t, \u2026 und als einen sexuell erregenden Triumph \u00fcber ihre Mutter. Dieses letztere Element war nat\u00fcrlich vollkommen unbewusst und mit schweren Schuldgef\u00fchlen verbunden, die in ihrer masochistischen Pers\u00f6nlichkeit zum Ausdruck kamen und sie sich so ihr ganzes Leben wegen dieser \u00f6dipalen Schuld opfern lie\u00df. Von dem Moment an, als sie sich nicht mehr als Opfer sehen musste, konn- te sie sich auch mit ihrer eigenen sexuellen Erregung in diesem unbewussten und jetzt bewussten Sieg \u00fcber die \u00f6dipale Mutter zurechtfinden und ihre Schuld tolerieren.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Eine Grundsch\u00fclerin erlebt die Vergewaltigung durch ihren Vater also als einen \u201esexuell erregenden Triumph \u00fcber ihre Mutter\u201c; dabei l\u00e4dt sie \u201e(\u00f6dipale) Schuld\u201c auf sich, die sie sp\u00e4ter \u201etolerieren\u201c muss; ihr Triumphgef\u00fchl ist ihr zun\u00e4chst \u201eunbewusst\u201c; und nur ein geschulter Psychoanalytiker wie Otto Kernberg versteht sich darauf, ihre unbewussten Impulse zu entschl\u00fcsseln; die Aufgabe der Psychoanalyse ist es, ihr ihre alten Schweinereien bewusst zu machen. Das soll ihr helfen, sich mit den eigenen Verfehlung zurechtzufinden; dadurch kann sie sich endlich selbst als Handelnde erleben und die Opferrolle verlassen: Mit dem Zauberwort \u201eunbewusst\u201c versucht die Psychoanalyse seit \u00fcber 100 Jahren selbstzufrieden, ihre unselige Pseudo-Argumentation gegen jeden Widerspruch und jede Kritik von au\u00dfen zu immunisieren.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Das (angeblich) fruchtbare Ergebnis seiner Arbeit mit diesem Opfer fr\u00fchkindlicher Erfahrung von sexualisierter Gewalt sieht Kernberg so: \u201eSie erlangte so die F\u00e4higkeit, sich mit dem T\u00e4ter zu identifizieren, n\u00e4mlich mit der sexuellen Erregung des sadistischen, inzestu\u00f6sen Vaters, und so wurde es ihr auch m\u00f6glich, den Hass gegen den Vater mit dem Verstehen seines sexuellen und ihres sexuellen Verhaltens zu verbinden.\u201c Mit welchem Trick es Herrn Kernberg tats\u00e4chlich gelungen ist, seine Klientin dazu zu bewegen, sich \u201emit der sexuellen Erregung des sadistischen, inzestu\u00f6sen Vaters\u201c zu identifizieren (was auch immer das hei\u00dfen m\u00f6ge), das hat er nicht wirklich verraten. Er offenbart auch nicht, ob und wie lange die Frau diese Art von \u201eTherapie\u201c \u00fcberlebt hat, oder ob sie sich nicht vielleicht danach in noch gr\u00f6\u00dferer Verzweiflung umgebracht hat.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Suizid w\u00e4hrend einer psychoanalytischen Behandlung scheint \u00fcbrigens keine Seltenheit zu sein. D\u00f6rte v. Drigalski beschreibt in ihrem Buch \u201eBlumen auf Granit\u201c die Erfahrungen ihrer Lehranalyse (= psychoanalytische Behandlung, die ein Mediziner oder Psychologe erfolgreich \u00fcber sich ergehen lassen muss als eine von mehreren Voraussetzungen, um selbst diese Art von Therapie durchf\u00fchren zu d\u00fcrfen). Sie erw\u00e4hnt dort, dass sich w\u00e4hrend ihrer Ausbildung insgesamt vier ihrer AusbildungskollegInnen das Leben genommen hatten. Ihre Appelle an AusbilderInnen, diese Suizide einmal gr\u00fcndlich zu untersuchen, wurden nicht aufgegriffen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">V. Drigalskis Bericht ist geradezu qu\u00e4lend zu lesen. Sie muss eine Kette von Missverst\u00e4ndnis- sen, Missdeutungen oder Entwertungen von Seiten ihres Lehrtherapeuten \u00fcber sich ergehen lassen. Da, wo sich v. Drigalski \u2013 sie arbeitet damals als Kinder\u00e4rztin \u2013 z.B. musterg\u00fcltig f\u00fcr das Wohl ihrer Klientel engagiert und dagegen aufbegehrt, dass ihr Appell an ihren Vorgesetzten zum Einschreiten abgeschmettert wird, da wird ihr dies von ihrem \u201eLehrtherapeuten\u201c \u2013 in permanenter Umdeutung und Opferbeschuldigung \u2013 als Rivalisieren oder Kastrationswunsch ge- gen\u00fcber dem Chef ausgelegt. Am Ende war die ganze kostspielige \u201eAusbildung\u201c (f\u00fcr zigtausende von DM) wertlos. Der \u00c4rztin wurde nach ca. f\u00fcnf Jahren das Scheitern ihrer Lehranalyse attestiert, die entsprechende Lizenz zum Durchf\u00fchren von Psychoanalysen wurde ihr nicht erteilt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">In einem j\u00fcngst erschienen Artikel von G\u00fcnter Bittner \u201ePsychoanalyse als Bildungserfahrung\u201c (in Boothe &amp; Schneider [Hg.]: \u201eDie Psychoanalyse und ihre Bildung\u201c, 2013) geht dieser etwas n\u00e4her auf die \u201eBlumen auf Granit\u201c ein. Ohne ein wirkliches Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die dort geschilderten Zust\u00e4nde zu entwickeln, res\u00fcmiert Bittner: \u201eBildungserfahrungen in meinem Verst\u00e4ndnis sind ja nicht nur positive, sondern alle, die den Weg eines Lebens bestimmt haben.\u201c Statt sich ernsthaft mit den Mechanismen sch\u00e4digender Psychoanalyse auseinanderzusetzen, verpasst Bittner dieser katastrophalen Geschichte ein Etikett, das das Geschehen brutal verharmlost: \u201eBildungserfahrungen\u201c! Wer sich ein wenig in der Literatur oder im Internet umsieht, wird leicht mehr Material zu solchen makaberen, den Lebensweg pr\u00e4genden \u201eBildungserfahrungen\u201c vorfinden.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Als Kernberg von einer solchen \u201eBildungserfahrung\u201c berichtet, die mit dem Selbstmord der Pati- entin seiner Klinik endet, da bringt er sein Publikum zweimal zu herzhaftem Lachen. Es geht um eine Frau mit (angeblich) antisozialer Pers\u00f6nlichkeit, die (Originalton) \u201eunter Inzest litt, dessen [sic] Vater sie sexuell missbrauchte, mit schweren Depressionen und Selbstmordversuchen, die ihren Therapeuten sexuell verf\u00fchrte. Sie rief ihn zu sich nach Hause unter Bedrohung schwerer Selbstmord [sic], empfing ihn im Neglig\u00e9, und nur er konnte sie retten \u2013 ein junger Psychiater in Ausbildung mit schweren narzisstischen Problemen, und eh\u201c \u2013 explosives Gel\u00e4chter im Publikum, erheiterte Nachfrage von Kernberg: \u201eIst das hier ungew\u00f6hnlich?\u201c, erneut schallendes Ge- l\u00e4chter \u2013 \u201eUnd ehm \u2013 \u00e4h \u2013 hahh \u2013 und \u00e4h, \u00e4h \u2013 der \u2013 nach \u2013 sie schrieb \u2013 sie hatte ein Tagebuch, und sie hatte auch eine homosexuelle Freundin, sie beging Selbstmord, sandte das Ta- gebuch mit einer genauen Beschreibung des sexuellen Verkehrs mit ihrem m\u00e4nnlichen Therapeuten dieser homosexuellen Freundin, die dann ein Gerichtsverfahren gegen den Therapeuten und gegen unser Spital einleitete. Also, Sie sehen, wie sie im Tode sich noch r\u2026[\u00e4chte?; K.S.], wie sie Opfer und T\u00e4ter zugleich wurde.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Es ist schon ein sehr pers\u00f6nlicher \u2013 oder wohl besser: ein ganz miserabler \u2013 Stil, in dem Kernberg seine \u201eAnalyse\u201c hier vortr\u00e4gt, bei der m.E. erst einmal jede Menge Fragen aufgeworfen werden, die unbeantwortet bleiben. Es fehlt dabei jeglicher Ansatz, das Verhalten des \u201ejungen Psychiaters in Ausbildung\u201c tiefergehend kritisch aufzuarbeiten. Die Hauptschuld an dem verh\u00e4ngnisvollen Geschehen wird nicht etwa dem \u201eFachmann\u201c zugemessen, der sich in Aus\u00fcbung seines Berufes befindet und daf\u00fcr bezahlt wird, sondern vor allem der Klientin selbst.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Diese Fallanalyse greifen Gerhard Dammann und Benigna Gerisch in ihrem Artikel \u201eNarzissti- sche Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung und Suizidalit\u00e4t: Behandlungsschwierigkeiten aus psychodynami- scher Perspektive\u201c noch im Jahr 2005 unkritisch auf (Schweizer Archiv f\u00fcr Neurologie und Psychiatrie, 156, 6, 299-309). Frau Prof. Gerisch ist Dozentin am \u201eInternational Psychoanalytic Institute\u201c, Berlin, das Kernberg als Er\u00f6ffnungsredner zu Allerheiligen eingeladen hat. Unter der Zwischen\u00fcberschrift: \u201eDestruktiver Narzissmus \u2013 ein Sonderfall\u201c (S. 302) texten die AutorInnen: \u201eEine 34j\u00e4hrige Patientin mit einer destruktiv narzisstischen Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rung begann we- gen Leeregef\u00fchlen, zeitweiligem Alkoholabusus, Beziehungsproblemen mit ihrer lesbischen Freundin und rezidivierenden suizidalen Phasen eine tiefenpsychologisch fundierte Psychothe- rapie. Nach bereits kurzer Zeit ging es ihr, ihrem Gef\u00fchl nach, viel besser, und sie setzte sich zum Ziel, mit ihrem Psychotherapeuten eine Aff\u00e4re zu beginnen. Seine offensichtliche Unkorrumpierbarkeit, seine intakt erscheinenden Familienverh\u00e4ltnisse und die Tatsache, dass er f\u00fcr sie wie nicht erreichbar schien, reizten sie und ihren Neid dabei besonders. Bald sah sie nur noch in diesem Ziel, ihn zu gewinnen, den einzigen Grund in die Therapiestunden zu kommen. Die Patientin unternahm relativ drastische und eindeutige Anstrengungen, um den Therapeuten zu verf\u00fchren, bis ihr dieses schlie\u00dflich auch gelang. \u2026 Allerdings beendete der Therapeut bereits nach kurzer Zeit die Beziehung zu ihr, aus Angst davor, seinen famili\u00e4ren R\u00fcckhalt zu verlieren, aber auch infolge eigener ethischer Bedenken, nachdem er bereits zuvor die Therapie beendet hatte. Die Patientin geriet darauf hin in eine schwere Krise, f\u00fchlte sich verraten, weg- geworfen und von ihrem Therapeuten missbraucht. Sie unternahm dringliche Versuche, ihn als Liebhaber oder zumindest als Therapeut zur\u00fcckzugewinnen. Nachdem diese Versuche nicht fruchteten, tyrannisierte sie ihn mit Telefonterror. Schlie\u00dflich suizidierte sie sich und hinterlie\u00df einen Abschiedsbrief an ihre geschockte Freundin, aus dem hervorging, dass sie von ihrem Therapeuten sexuell missbraucht worden sei, was sie dadurch belegte, dass sie dem Schreiben den einzigen Liebesbrief, den sie von dem Psychotherapeuten erhalten hatte, beilegte.\u201c<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Im anschlie\u00dfenden Abschnitt hei\u00dft es: \u201eDieser von Otto F. Kernberg beschriebenen Patientin war es offensichtlich unertr\u00e4glich, die unabh\u00e4ngige Existenz des Analytikers und die eigene be- d\u00fcrftige Abh\u00e4ngigkeit von ihm anerkennen zu m\u00fcssen, was sich in dem intensiven Neid zeigt. Statt sich damit auseinanderzusetzen, suchte sie jedoch im Agieren Best\u00e4tigung, wobei der Therapeut sich auf eine dramatische, skandal\u00f6se und suizidbeg\u00fcnstigende Art und Weise mit der Patientin verstrickt hatte, eine Gefahr, die gerade bei diesen Patienten besonders gro\u00df ist. Der Suizid ist hier Ausdruck des destruktiven Hasses gegen andere und gegen sich selbst.\u201c Der Halbsatz zum Versagen des Therapeuten und zu seiner \u201edramatischen\u201c (?), \u201eskandal\u00f6sen\u201c und (abschw\u00e4chend) \u201esuizidbeg\u00fcnstigenden\u201c Art und Weise der \u201eVerstrickung mit der Patientin\u201c hat wohl reine Alibifunktion, sonst w\u00e4re er nicht mit S\u00e4tzen eingerahmt, die das Opfer weiter diffamieren (\u201eintensiver Neid\u201c, \u201ebed\u00fcrftige Abh\u00e4ngigkeit\u201c, \u201edestruktiver Hass\u201c).<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">In dem Absatz, der dieser Falldarstellung unmittelbar vorausgeht, wird zum einen auf Kernbergs \u201eSevere Personality Disorders\u201c (dt.: \u201eSchwere Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen\u201c) von 1984 Bezug ge- nommen, zum anderen geben die AutorInnen in dem gerade zitierten Nachsatz an, dass es sich um eine \u201evon Otto F. Kernberg beschriebene Patientin\u201c handelt. Aber in dem Referenzwerk von Kernberg (1984) finde ich unter den (w\u00f6rtlich gemeint) von A bis Z durchbuchstabierten Fallbeispielen kein einziges, das von einem solchen Suizid und seinen Begleitumst\u00e4nden berichtet. (Allerdings werden dort durchaus Patientinnen \u201ebeschrieben\u201c, z.B. unter L bis N, denen im weiteren Verlauf ihrer \u201eBehandlung\u201c das geschilderte Elend widerfahren sein k\u00f6nnte.) Auch in zwei anderen Kernberg-Werken, auf die sich die AutorInnen an anderer Stelle ihres Aufsatzes bezie- hen, habe ich eine entsprechende Falldarstellung nicht gefunden. Es w\u00fcrde mich nun also interessieren, woher sie all ihr \u201eWissen\u201c beziehen \u00fcber die (angeblichen) Beweggr\u00fcnde der Klientin bei ihrer fiesen Attacke auf den bedauernswerten Therapeuten. Und ich w\u00fcrde gerne etwas n\u00e4heren Aufschluss \u00fcber die Gegenseite bekommen, z.B. \u00fcber den Inhalt dieses Liebesbriefes des Therapeuten von \u201eoffensichtlicher Unkorrumpierbarkeit\u201c. Dar\u00fcber hinaus w\u00fcsste ich gern, wie der Therapeut seine \u201eethischen Bedenken\u201c genau formuliert hatte. Zusammen mit Informationen zu etlichen anderen offenen Punkten k\u00f6nnte ich dann vielleicht besser beurteilen, ob ich mich mehr mit dem (angeblichen) \u201edestruktiven Narzissmus\u201c der Klientin, oder aber mit dem massiv sch\u00e4digenden, verantwortungslosen Verhalten des Therapeuten besch\u00e4ftigen sollte. Bez\u00fcglich der f\u00fcr mich wissenswerten Details h\u00fcllen sich jedoch die AutorInnen in Schweigen, obwohl sie \u00fcber die Hintergr\u00fcnde pr\u00e4zise informiert zu sein scheinen. Stattdessen beflei\u00dfigen sie sich einer g\u00e4nzlich unprofessionellen Diffamierung und Verh\u00f6hnung eines Menschen, der sich w\u00e4hrend seiner Therapie suizidiert hat. Angesichts dieser Umst\u00e4nde gehe ich davon aus, dass die geschilderte Frau nur wegen einer v\u00f6llig missratenen, unangemessenen \u201eBehandlung\u201c zu ihrem Selbstmord getrieben worden ist, und dass ihr Therapeut weit davon entfernt war, sein Bestes zu tun, um ihrer Verzweiflung effektiv entgegenzuwirken.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u00dcbrigens: Im Bericht der Nationalen Kommission zur Verh\u00fctung von Folter in den psychiatri- schen Diensten Thurgau an den Regierungsrat des Kantons vom 17.11.2010, verabschiedet am 12.04.2011, werden die Zust\u00e4nde in der Klinik M\u00fcnsterlingen untersucht, in der Gerhard Damm- mann als Spitaldirektor und \u00c4rztlicher Direktor t\u00e4tig ist. In dem Bericht wird von einer H\u00e4ufung von Suiziden zwischen September 2009 und M\u00e4rz 2010 berichtet: Insgesamt hatten sich in ca. einem halben Jahr 8 PatientInnen das Leben genommen (sonstiger Durchschnitt: 2-4). Es w\u00e4re interessant zu ergr\u00fcnden, ob das so offensichtlich absch\u00e4tzige Umgehen des M\u00fcnsterlinger Spitaldirektors mit Patientensuizid, wie er es in seinem Fachartikel dokumentiert, diese Entwicklung beg\u00fcnstigt hatte.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Aber noch einmal zur\u00fcck zu dem sehr \u201epers\u00f6nlichen Stil\u201c von Professor Kernbergs Psychoanalysen: \u201eIch spreche hier von einem Mann, der als einziger \u00dcberlebender seiner ganzen Familie als Kind im Alter von 12 Jahren [im m\u00fcndlichen Vortrag hei\u00dft es: 8 Jahren; K.S.] aus dem Kon- zentrationslager befreit wurde, in dem seine ganze Familie vor seinen Augen ermordet wurde\u201c (Kernberg, 1999, S. 9). Wer k\u00f6nnte unber\u00fchrt bleiben von dem, was sich hinter dieser lapidaren Schilderung an Elend und Leid verbergen muss, wenn man sich aufgrund dieses einen Satzes nur f\u00fcr einen kurzen Moment in die Situation dieses Kindes hineinversetzt?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Ohne jedoch n\u00e4her auf die massiv traumatisierende Erfahrung dieses Kindes einzugehen, glei- tet Kernberg mit wenigen Worten zu dessen Auff\u00e4lligkeiten im Erwachsenenalter \u00fcber, was im folgenden Satz m\u00fcndet: \u201eDie Untersuchung dieses Patienten und seiner Familie ergab ein erschreckendes Bild eines Mannes, der ein absoluter Diktator seiner Familie war, seine Tochter in ihrer Kindheit sexuell vergewaltigt hatte, verhinderte, dass sich seine S\u00f6hne von ihm unabh\u00e4ngig machen konnten und seine Frau wie eine Sklavin behandelte\u201c. [Im Vortrag ist von zwei T\u00f6chtern und einem Sohn die Rede.] Sehr gut kann ich mir vorstellen, dass die geschilderten Extremerfahrungen im KZ das Seelenleben dieses Jungen und sein (offenbar problematisches) Verhalten gepr\u00e4gt haben, dass diese Erfahrungen noch viel sp\u00e4ter sein Leben \u00fcberschattet und auch seine Familie in Mitleidenschaft gezogen haben. Mit keiner Silbe wird jedoch der Dynamik einer solchen Entwicklung im Detail nachgegangen. Vielmehr zieht Kernberg ein plumpes Re- s\u00fcmee: \u201eIch \u00fcbertreibe nicht, wenn ich meinen Eindruck wiedergebe, dass dieser Mann sich seiner Familie gegen\u00fcber so verhielt, als ob er der Kommandant des Konzentrationslagers sei, in dem seine ganze Familie ermordet wurde.\u201c Verh\u00f6hnt nicht eine solche Gleichsetzung von Opfer und T\u00e4ter in unertr\u00e4glichem Ma\u00df alle Menschen, die die H\u00f6lle eines KZs nur mit schwersten seelischen Blessuren \u00fcberlebt haben?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Die Argumentation ist aber noch perfider: Ein Schl\u00fcsselbegriff ist f\u00fcr Kernberg die \u201echronische Aggression\u201c. Er wei\u00df (angeblich), wie sie sich entwickelt: N\u00e4mlich allein aus der \u201eoralen Wut\u201c bzw. aus dem \u201eoralen Neid\u201c des S\u00e4uglings. So ist es f\u00fcr Kernberg im Fall dieses Klienten erwie- sen (der ja seiner Familie gegen\u00fcber solch \u201echronische Aggression\u201c zeigt), dass er seine Verhaltensst\u00f6rung nicht etwa im KZ bei der Ermordung seiner ganzen Familie entwickelt hat, son- dern als S\u00e4ugling, w\u00e4hrend des Gestillt-Werdens. Seinen Hass und seine chronische Aggression bringt er als Kind in das KZ mit hinein.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">W\u00e4hrend Kernberg die Situation an der Mutterbrust bedenkenlos f\u00fcr lebenslange massive Ver- haltensst\u00f6rungen verantwortlich macht, sieht er die Wirkung einer ganz anderen Klasse von Ereignissen \u2013 \u201eKonzentrationslager, Kriegsneurosen [sic], schwere Unf\u00e4lle, Vergewaltigung, Geiselnahme, politischer Terror, Folter, andere Formen schwerer physischer und sexueller Misshandlung, besonders in den fr\u00fchen Kinderjahren, in den ersten zehn oder f\u00fcnfzehn Jahren des Lebens\u201c \u2013 als vergleichsweise harmlos an. Die Wirkung solcher Traumata, so will Kernberg uns einreden, sei relativ \u00fcberschaubar: \u201eDas posttraumatische Stresssyndrom ist ein Syndrom, das allen schweren Traumata [den gerade aufgelisteten; K.S.] gemeinsam ist.\u201c Es sei charakterisiert durch \u201eAngstzust\u00e4nde, Einschr\u00e4nkung der Ich-Funktionen, Wutausbr\u00fcche, wiederkehren- de Alptr\u00e4ume und Flash-backs\u201c. Originalton: \u201eUnd dieses Syndrom dauert im Allgemeinen zwei bis drei Jahre und hat die Tendenz, langsam zu verschwinden.\u201c Der aus dem KZ befreite Acht- j\u00e4hrige h\u00e4tte also \u2013 so der \u201eFachmann\u201c \u2013 eigentlich sp\u00e4testens ab seinem elften Lebensjahr wieder ein ganz normales Leben f\u00fchren k\u00f6nnen \u2013 wenn, ja, wenn er nicht als S\u00e4ugling so schrecklich darin versagt h\u00e4tte, seine orale Wut zu bez\u00e4hmen!<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Interessant, dass eine \u00e4hnliche Argumentation schon der Psychiater Ernst Kretschmer gepflegt hatte. Kretschmer und andere dem Nationalsozialismus nahe stehende Psychiater hatten im sch\u00f6nen Lindau die dortigen Psychotherapiewochen begr\u00fcndet. In Philipp Mettauers Studie \u201eVergessen und Erinnern\u201c (2010) \u00fcber die Gr\u00fcndungsv\u00e4ter der Lindauer Psychotherapiewochen hei\u00dft es: \u201e1955 attestierte Ernst Kretschmer als Gutachter in einem \u201aWiedergutmachungsverfah- ren\u2019 eines an Depressionen leidenden Verfolgten des NS-Regimes, ohne diesen jemals gese- hen zu haben, dass es keine verfolgungsbedingten Neurosen g\u00e4be, da die \u201aAusgleichsf\u00e4higkeit des Organismus bei schweren psychischen Traumen\u2019 unbegrenzt sei.\u201c Schwer\u00adste Gewalterfahrungen f\u00fchren also nicht zu Depressionen. Sie sind vielmehr aufgrund entsprechender Konstitution von Geburt an angelegt. (Das Gericht sei zwar der Position Kretschmers nicht gefolgt, sein Gutachten habe jedoch Eingang in juristische Kommentare gefunden.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Es best\u00e4rkt also eine Lindauer Tradition, wenn Otto Kernberg ausgerechnet hier seine Lehren pr\u00e4sentiert. Auch das Jahr, in dem er die \u201eLindauer Thesen\u201c verk\u00fcndet (1997), ist sicherlich mit Bedacht gew\u00e4hlt: In diesem Jahr feiert Sigmund Freuds \u201e\u00d6dipuskomplex\u201c sein hundertj\u00e4hriges Bestehen. Offensichtlich soll Kernbergs Vortrag damals bekr\u00e4ftigen, was Freud 100 Jahre zuvor als angeblich universelle Kinderperversion aus dem antiken Mythos abgeleitet und zum Dogma erhoben hatte. (Im selben Jahr wird Kernberg zum Pr\u00e4sidenten der \u201eInternationalen Psychoanalytischen Vereinigung\u201c gew\u00e4hlt, also gewisserma\u00dfen zum Nachfolger auf Freuds Thron.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Eine Aufarbeitung dieses d\u00fcsteren Kapitels systematischer, therapeutisch verbr\u00e4mter Opferbe- schuldigung, auf das ich \u2013 neben anderen AutorInnen \u2013 seit bald 20 Jahren innerhalb der psy- chotherapeutischen Zunft hinzuweisen versuche, wurde bislang strikt verweigert. Die Ungeheu- erlichkeit dieser Vorg\u00e4nge \u00fcbertrifft m.E. den Skandal um die F\u00e4lle sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in Kirchen, Internaten und Heimen bei weitem: Selten \u2013 mit Ausnahme vielleicht in der Ideologie der Wanderv\u00f6gel (Christian F\u00fcller: \u201eP\u00e4derasten in der Jugendbewe- gung. Wandern und v\u00f6geln\u201c, taz v. 11.06.2013) \u2013 wurden so offen die Urheber von (sexualisierter) Gewalt gegen Kinder und Jugendliche so drastisch entschuldet. Kaum anderswo werden Opfer von brutalster Gewalt ausdr\u00fccklich auf sich selbst zur\u00fcckgeworfen. Wohl nirgendwo sonst wird eine solche Einstellung als heilsame Therapie verkauft, wird ein solch brutaler geistiger Sadismus als \u201epers\u00f6nlicher Stil\u201c oder \u201eBildungserfahrung\u201c sch\u00f6ngeredet.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Nun soll Otto Kernberg an Allerheiligen eine Fortbildung an der Berliner \u201eInternational Psycho- anlytic University\u201c er\u00f6ffnen. F\u00fcr die lernbegierigen Besucher gibt es f\u00fcrs Zuh\u00f6ren Fortbildungspunkte von der \u00c4rztekammer. Viele Menschen gedenken an diesem Tag ihrer Toten. Manche davon gingen an einem sehr pers\u00f6nlichen Stil ihrer Psychotherapie zugrunde. Kernbergs geplanter Auftritt in Berlin k\u00f6nnte der \u00d6ffentlichkeit Anlass geben, der Opfer verfehlter Psychotherapie zu gedenken. Er sollte ein Ansto\u00df sein, in einer Art und Weise all dieser Verletzten und Toten zu gedenken, wie es in Bezug auf die Opfer von \u201esexuellem Kindesmi\u00dfbrauch\u201c und \u201eHeimunterbringung\u201c versucht worden ist \u2013 damit in Zukunft weiteres Elend m\u00f6glichst weitgehend vermieden wird.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Und ich w\u00fcnsche mir, \u2026<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u2026 dass die PsychotherapeutInnenschaft in einen umfangreichen Diskurs \u00fcber Fehler und Ver- schlechterungseffekte eintritt bzw. bestehende Ans\u00e4tze vertieft;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u2026 dass sie weiter und verst\u00e4rkt an der Entwicklung effektiver, hilfreicher, menschenfreundlicher Methoden arbeitet;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u2026 dass sie die Opfer von therapeutischem Fehlverhalten aufrichtig betrauert, die sich oft ge\u00adnug zu Wort gemeldet haben, in den weitaus \u00fcberwiegenden F\u00e4llen jedoch wohl ein\u00adge\u00adsch\u00fcch\u00adtert, stumm, resigniert und\/oder unbeachtet geblieben sind;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u2026 dass sie klare Ma\u00dfnahmen ergreift;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u2026 dass meine Einw\u00e4nde und Kritiken \u2013 sofern sie nicht geteilt werden \u2013 eine ernsthafte Erwiderung erfahren, die hinausreichen sollte \u00fcber ein: \u201eSie haben wohl Ihre eigenen Probleme noch nicht richtig aufgearbeitet! Ich kann Ihnen einen guten Psychoanalytiker empfehlen!\u201c Oder: \u201eSie haben wohl nicht verstanden, dass es hier um das Unbewusste geht!\u201c Oder: \u201eSie haben offensichtlich von Psychotherapie keine Ahnung!\u201c (Alles schon erlebt.)<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u2026 dass die hier zitierten AutorInnen sich meine Kritik durchlesen und zu Herzen nehmen;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u2026 dass innerhalb unserer Zunft Kernbergs Vortrag \u2013 durchaus kontrovers \u2013 diskutiert wird;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u2026 dass mir die Organisatoren der \u201eLindauer Psychotherapiewochen\u201c endlich meine wieder\u00adholt vorgetragene Bitte gew\u00e4hren, an genau dem Ort, an dem Otto Kernberg seine fatalen Thesen vor sechzehn Jahren in die Welt gesetzt hat, eine Plattform f\u00fcr eine kritische Diskussion der \u201eLindauer Thesen\u201c zu erhalten;<\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">\u2026 <strong>und dass die Bundesregierung einen \u201eRunden Tisch Psychotherapieopfer\u201c ins Leben ruft, bei dem ExpertInnen das verh\u00e4ngnisvolle Wirken sadistischer Psychothera\u00adpeu\u00adtIn\u00adnen aufarbeiten und wirksame Ma\u00dfnahmen zur Abhilfe vorschlagen.<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #000080;\">Diplom-Psychologe\/Psychotherapeut Klaus Schlagmann Scheidter Str. 62 66123 Saarbr\u00fccken<\/span><br \/>\n<span style=\"color: #000080;\"> 0681\/375 805 KlausSchlagmann [at] t-online.de <a style=\"color: #000080;\" href=\"http:\/\/www.oedipus-online.de\">http:\/\/www.oedipus-online.de<\/a><\/span><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>***<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=222"}],"version-history":[{"count":2,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":224,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/222\/revisions\/224"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=222"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=222"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=222"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}