{"id":227,"date":"2016-08-31T16:30:45","date_gmt":"2016-08-31T16:30:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/?p=227"},"modified":"2016-09-12T13:36:04","modified_gmt":"2016-09-12T13:36:04","slug":"wer-schweigt-macht-sich-mitschuldig","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wer-schweigt-macht-sich-mitschuldig\/","title":{"rendered":"Wer schweigt, macht sich mitschuldig!"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u00dcber blinde Flecken in der psychoanalytisch-\/psychotherapeutischen Ethik-Diskussion \u2013<br \/>\nam Beispiel des \u201e<em>Ethikvereins e.V.<\/em>\u201c und eines \u201e<em>Verb\u00e4ndetreffens<\/em>\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Von Dipl.-Psych. Klaus Schlagmann, Saarbr\u00fccken<\/p>\n<p>Prof. Otto F. Kernberg gilt als einer der ber\u00fchmtesten Psychiater und Psychoanalytiker der Welt. Bei einer der gr\u00f6\u00dften Psychotherapiefortbildungen im deutschsprachigen Raum, den \u201e<em>Lindauer Psychotherapiewochen<\/em>\u201c referiert er den Fall einer Frau mit (angeblich) antisozialer Pers\u00f6nlichkeit, die \u201e<em>unter Inzest litt, dessen <\/em>[sic] <em>Vater sie sexuell missbrauchte, mit schweren Depressionen und Selbstmordversuchen, die ihren Therapeuten sexuell verf\u00fchrte. Sie rief ihn zu sich nach Hause unter Bedrohung schwerer Selbstmord <\/em>[sic]<em>, empfing ihn im Neglig\u00e9, und nur er konnte sie retten \u2013 ein junger Psychiater in Ausbildung mit schweren narzisstischen Problemen, und eh<\/em>\u201c \u2013 explosives Gel\u00e4chter im Publikum, erheiterte Nachfrage von Kernberg: \u201e<em>Ist das hier ungew\u00f6hnlich?<\/em>\u201c, erneut schallendes Gel\u00e4chter \u2013 \u201e<em>Und ehm \u2013 \u00e4h \u2013 hahh \u2013 und \u00e4h, \u00e4h \u2013 der \u2013 nach \u2013 sie schrieb \u2013 sie hatte ein Tagebuch, und sie hatte auch eine homosexuelle Freundin, sie beging Selbstmord, sandte das Tagebuch mit einer genauen Beschreibung des sexuellen Verkehrs mit ihrem m\u00e4nnlichen Therapeuten dieser homosexuellen Freundin, die dann ein Gerichtsverfahren gegen den Therapeuten und gegen unser Spital einleitete. Also, Sie sehen, wie sie im Tode sich noch r\u2026<\/em> [\u00e4chte?; K.S.]<em>, wie sie Opfer und T\u00e4ter zugleich wurde.<\/em>\u201c (Nachzuh\u00f6ren ist dieses Zitat im <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=zPydDQZz2II\">O-Ton<\/a> in dem verlinkten youtube-Beitrag ab Min. 18:28.) Zwei Jahre sp\u00e4ter wird der Vortrag \u2013 leicht \u00fcberarbeitet \u2013 in der von Kernberg mit herausgegebenen Fachzeitschrift \u201e<em>Pers\u00f6nlichkeitsst\u00f6rungen: Theorie und Therapie (PTT)<\/em>\u201c publiziert; die zitierte Fallgeschichte wird durch eine Zwischen-\u00dcberschrift scheinbar auf das Kernproblem fokussiert: \u201e<strong><em>Transformation des Opfers in einen T\u00e4ter<\/em><\/strong>\u201c. (Kernberg wurde kurz nach diesem Vortrag f\u00fcr vier Jahre zum Pr\u00e4sidenten des psychoanalytischen Weltverbandes IPA gew\u00e4hlt.)<\/p>\n<p>Weitere sechs Jahr sp\u00e4ter nehmen Gerhard Dammann und Benigna Gerisch das zitierte Beispiel zum Anlass, die Betroffene weiter zu diffamieren.<\/p>\n<p>Auf z.B. diesen eklatanten Fall von Machtmissbrauch und Grenzverletzung in der Psychotherapie, belegt mit einer F\u00fclle von konkreten Zitaten und Quellenangaben, spreche ich seit nun ziemlich genau sechzehn Jahren immer wieder Kolleginnen und Kollegen an. Und das Ergebnis ist meist das gleiche: Ich selbst werde zum Buhmann erkl\u00e4rt, man will mit mir und der ganzen Angelegenheit nichts zu tun haben. So auch jetzt wieder einmal. Meine Einladung zu einer Auseinandersetzung zu dem o.g. Fall im April 2016 f\u00fchrt am Ende zu einer br\u00fcsken Abfuhr von dem sog. \u201e<em>Verb\u00e4ndetreffen\u00a0 gegen Grenzverletzungen und sexuellen Missbrauch in Psychotherapie und psychosozialer Beratung<\/em>\u201c \u2013 und zwar ausdr\u00fccklich \u201e<strong><em>im Namen der<\/em><\/strong> [aller?]<em> <strong>Teilnehmer und Teilnehmerinnen<\/strong><\/em>\u201c. Unter dem Banner des \u201e<em>Verb\u00e4ndetreffens<\/em>\u201c versammeln sich (Stand: Mai 2014, bereinigt um 2 Verb\u00e4nde, die nach deren eigener Auskunft nicht mehr vertreten sind):<\/p>\n<p>\u2013 <strong>BAPt <\/strong>(Bundesverband akademischer Psychotherapeuten)<br \/>\n\u2013 <strong>DeGPT<\/strong> (Deutschsprachige Gesellschaft f\u00fcr Psychotraumatologie)<br \/>\n\u2013 <strong>DGIP<\/strong> (Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Individualpsychologie e.V.)<br \/>\n\u2013 <strong>DGLE<\/strong> (Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Logotherapie und Existenzanalyse e.V.)<br \/>\n\u2013 <strong>DGPT<\/strong> (Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik und Tiefenpsychologie); vertreten durch <strong>Dr. Giulietta Tibone<\/strong>;<br \/>\n\u2013 <strong>DGSF<\/strong> (Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Systemische Therapie, Beratung und Familientherapie)<br \/>\n\u2013 <strong>DGTA<\/strong> (Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Transaktionsanalyse)<br \/>\n\u2013 <strong>DGVT<\/strong> (Deutsche Gesellschaft f\u00fcr Verhaltenstherapie)<br \/>\n\u2013 <strong>DPGG<\/strong> (Deutsche Psychologische Gesellschaft f\u00fcr Gespr\u00e4chspsychotherapie)<br \/>\n\u2013 <strong>DPV<\/strong> (Deutsche Psychoanalytische Vereinigung); vertreten durch <strong>Dr. Isolde B\u00f6hme<\/strong><br \/>\n\u2013 <strong>DVG<\/strong> (Deutsche Vereinigung f\u00fcr Gestalttherapie)<br \/>\n\u2013 <strong>EMDRIA<\/strong> (EMDRinternational association); vertreten durch <strong>Dr. Andrea Schleu<\/strong><br \/>\n\u2013 <strong>Ethikverein e.V. &#8211; Ethik in der Psychotherapie<\/strong>; vertreten durch <strong>Dr. J\u00fcrgen Thorwart<\/strong><br \/>\n\u2013 <strong>GNP<\/strong> (Gesellschaft f\u00fcr Neuropsychologie)<br \/>\n\u2013 <strong>GWG<\/strong> (Gesellschaft f\u00fcr personenzentrierte Psychotherapie und Beratung e.V.)<br \/>\n\u2013 <strong>UDH<\/strong> (Union Deutscher Heilpraktiker)<br \/>\n\u2013 <strong>VAKJP<\/strong> (Vereinigung analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten); vertreten durch <strong>Dipl. -Psych. Dietrich Winzer<\/strong><\/p>\n<p>(Zur leichteren Zuordnung sind oben diejenigen <strong>VerbandsvertreterInnen<\/strong> namentlich angef\u00fchrt, die am nachfolgenden Disput mitwirken.)<\/p>\n<p>Aber nun erst mal der Reihe nach. Im April 2016 sende ich eine Mail an <strong>Dr. J\u00fcrgen Thorwart<\/strong>, der f\u00fcr den 3. Mai in M\u00fcnchen mit einem Vortrag zum Thema \u201e<em>Macht und Machtmissbrauch in der Psychotherapie<\/em>\u201c angek\u00fcndigt ist. Veranstalter ist die Psychiatrie-<em>Beschwerdestelle \u201eKompass\u201c, angesiedelt unter dem Dach des \u201eNetzwerks Psychiatrie M\u00fcnchen e.V.\u201c. [Dieses \u201e<\/em><em>Netzwerk\u201c darf sich r\u00fchmen: \u201e<\/em><em>Wir werden gef\u00f6rdert vom Bezirk Oberbayern.\u201c (!) (vgl. <\/em><a href=\"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpgepde\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/RB1.15.doc2.pdf\"><em>Rundbrief 1\/15 der GEP<\/em><\/a><em>, S. 19).] Das \u201e<\/em><em>Netzwerk\u201c hat einen Aufsichtsrat, der \u2013 so die Selbstdarstellung \u2013 \u00fcber die grundlegende Ausrichtung der Vereinsarbeit entscheidet. Herr <\/em>Thorwart sitzt in diesem Aufsichtsrat, ebenso im Vorstand des Vereins \u201e<em>Ethik e.V. \u2013 Ethik in der Psychotherapie<\/em>\u201c. Diesen Ethik-Verein wiederum repr\u00e4sentiert er auch auf einer h\u00f6heren Ebene, im sog. \u201e<em>Verb\u00e4ndetreffen\u00a0 gegen Grenzverletzungen und sexuellen Missbrauch in Psychotherapie und psychosozialer Beratung<\/em>\u201c. Thorwart, \u201eAktivist\u201c zu \u201e<em>Macht und Machtmissbrauch in der Psychotherapie<\/em>\u201c, den ich anspreche, um ihn um Austausch und Zusammenarbeit zum Thema zu bitten, reagiert jedoch auf den von mir konkret belegten, oben zitierten Missbrauchsfall mit einer br\u00fcsken Zur\u00fcckweisung, u.a. mit dem Vorhalt, ich w\u00fcrde ja nur \u201e<em>mit dem Pr\u00fcgel wild und v\u00f6llig undifferenziert auf die Psychoanalyse einschlagen<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Daraufhin unterrichte ich die Mitglieder des \u201e<em>Ethikvereins<\/em>\u201c von Thorwarts Reaktion und bitte um Unterst\u00fctzung. Antwort der Vorsitzenden <strong>Dr. Andrea Schleu<\/strong>: Man habe einstimmig beschlossen, <strong>nicht<\/strong> mit mir kooperieren zu wollen.<\/p>\n<p>In einem Beitrag <em>f\u00fcr den Rundbrief 1\/16 <\/em>der \u201e<em>Walter-von-Baeyer-Gesellschaft f\u00fcr Ethik in der Psychiatrie e.V.<\/em>\u201c beschreibe ich die Vorg\u00e4nge und zitiere aus Thorwarts Mail<em>. Ebenso <\/em>informiere ich die Mitglieder des \u201e<em>Verb\u00e4ndetreffens gegen Grenzverletzungen und sexuellen Missbrauch<\/em>\u201c. Von dort beziehen sp\u00e4ter <strong>Dr. Isolde B\u00f6hme <\/strong>und <strong>Dietrich Winzer<\/strong> Stellung gegen mich, bevor mir dann \u2013 am 08.08.2016 \u2013 <strong>Dr. Giulietta Tibone<\/strong> eine Absage im Namen der (aller?) \u201e<em>Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Verb\u00e4ndetreffens<\/em>\u201c erteilt: Meine konkreten Ausf\u00fchrungen \u2013 dargelegt in Beitr\u00e4gen zu den Fachzeitschriften \u201e<em>Sexuologie<\/em>\u201c bzw. \u201e<em>psychoneuro<\/em>\u201c sowie in einem Aufruf zur Einf\u00fchrung eines \u201e<em>Runden Tisch Psychotherapie-Opfer<\/em>\u201c \u2013 seien zwar \u201e<em>einzeln korrekt<\/em>\u201c, aber ansonsten \u201e<em>pauschal gehalten und dahingehend unausgewogen, dass sie widersprechende andere, sehr verbreitete psychoanalytische Positionen v\u00f6llig versch<\/em><em>weigen.<\/em>\u201c Ich f\u00fchrte \u201e<em>einen so erbitterten wie aussichtslosen Krieg<\/em> \u2026 <em>mit langj\u00e4hrigen, gesch\u00e4tzten Mitgliedern<\/em>\u201c des Verb\u00e4ndetreffens.<\/p>\n<p>Das Kartell des Schweigens hat wieder einmal funktioniert. Ausgerechnet Gremien wie \u201e<em>Ethikverein<\/em>\u201c oder \u201e<em>Verb\u00e4ndetreffen<\/em>\u201c, die sich angeblich der Aufkl\u00e4rung verschrieben haben und dem Machtmissbrauch entgegentreten wollen, blocken eine l\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llige Diskussion \u00fcber systematische Verschlechterungseffekte durch bestimmte Therapiemethoden ab. Haben \u201e<em>Ethikverein<\/em>\u201c und \u201e<em>Verb\u00e4ndetreffen<\/em>\u201c etwa genau diese Funktion: die Diskussion \u00fcber Missst\u00e4nde zun\u00e4chst an sich zu ziehen und \u2013 bei Bedarf \u2013 radikal auszubremsen? Warum verstummt man dort so schnell, wenn man mit skandal\u00f6sem \u201e<em>psychoanalytischem<\/em>\u201c Material konfrontiert wird, das in Fachzeitschriften ver\u00f6ffentlicht ist bzw. offiziell als Lehrmaterial f\u00fcr Psychotherapeutenausbildung gehandelt wird?<\/p>\n<p>Wenn auch wom\u00f6glich einzelne wohlmeinende Mitglieder in diesen Clubs sitzen m\u00f6gen, so setzen sich doch offenbar schnell unverbesserliche DogmatikerInnen durch, die sich Freuds und Kernbergs Lehren fest verbunden f\u00fchlen, denen als Fundament die Unterstellung kindlicher Beteiligung (\u201eeigener Anteil\u201c) an sexualisierten \u00dcbergriffen bzw. ganz generell Opferbeschuldigungen oder Opfer-T\u00e4ter-Umkehrungen dienen, worauf dann das ganze weitere Theoriegeb\u00e4ude fest aufsitzt.<\/p>\n<p>Am 23.07.2016 beantragt Herr Thorwart bei der Psychotherapeutenkammer des Saarlandes die Einleitung eines \u201e<em>berufsrechtlichen Verfahrens<\/em>\u201c gegen mich, weil sich ihm \u201e<em>die Frage stellt<\/em>\u201c ob ich \u201e<em>zur Aus\u00fcbung des Approbationsberufes eines Psychologischen Psychotherapeuten ausreichend geeignet<\/em>\u201c sei. Das Beschwerdeverfahren wird dort am 25.08.2016 eingestellt. Diese Einstellung des Beschwerdeverfahrens nehme ich nun f\u00fcr mich in gewisser Weise als Ermutigung, mein Engagement fortzusetzen gegen solche B\u00f6cke, die sich selbst zu G\u00e4rtnern erkl\u00e4ren. So auch mit dieser unten verlinkten Publikation, in der ich das Geschehen noch einmal ausgiebig zusammenfasse und dokumentiere, ausf\u00fchrlich Querverweise und links zu den Quellen einf\u00fcge sowie am Ende auf die immer wieder gepriesenen Segnungen der \u201emodernen\u201c Psychoanalyse eingehe.<\/p>\n<p>Dieses Schreiben soll gleichzeitig Aufruf und Ermunterung sein f\u00fcr all diejenigen, die sich ernsthaft mit dem Thema Macht, Machtmissbrauch und Grenzverletzung in Psychotherapie und Beratung auseinandersetzen wollen. Gerne w\u00fcrde ich die Entwicklung einer entsprechenden Arbeitsgruppe ansto\u00dfen und koordinieren. Nutzen Sie die unten angegebene Kontaktadresse.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/vg06.met.vgwort.de\/na\/a1f0947906c345d1886b41553a615ec0?l=http:\/\/www.oedipus-online.de\/Thorwart.pdf\">Der ausf\u00fchrliche Text zu diesem Disput findet sich unter diesem link<\/a>. Dort werden zun\u00e4chst (S. 1-12) die Abl\u00e4ufe ausf\u00fchrlich dargestellt, dann (S. 13-57) die einzelnen Quellen dokumentiert.<\/p>\n<p>Dipl.-Psychologe<br \/>\nKlaus Schlagmann<br \/>\nScheidter Str. 62<br \/>\n66123 Saarbr\u00fccken<br \/>\n<a href=\"mailto:KlausSchlagmann@t-online.de\"><strong>KlausSchlagmann@t-online.de<\/strong><\/a><strong><br \/>\n<\/strong><a href=\"http:\/\/www.oedipus-online.de\/\"><strong>www.oedipus-online.de<\/strong><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber blinde Flecken in der psychoanalytisch-\/psychotherapeutischen Ethik-Diskussion \u2013 am Beispiel des \u201eEthikvereins e.V.\u201c und eines \u201eVerb\u00e4ndetreffens\u201c Von Dipl.-Psych. 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