{"id":41,"date":"2012-04-17T09:16:23","date_gmt":"2012-04-17T09:16:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/?p=41"},"modified":"2012-04-17T09:16:23","modified_gmt":"2012-04-17T09:16:23","slug":"zur-bestatigung-freudscher-deutungen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/zur-bestatigung-freudscher-deutungen\/","title":{"rendered":"Zur Best\u00e4tigung Freud\u2019scher Deutungen"},"content":{"rendered":"<h1><strong>Max Scharnberg<\/strong><span style=\"font-size: small;\"><strong>, <\/strong> Uppsala, Schweden<\/span><\/h1>\n<h1><\/h1>\n<h1 align=\"center\"><strong> Zur Best\u00e4tigung Freud\u2019scher Deutungen<\/strong><\/h1>\n<h1 align=\"center\"><\/h1>\n<h1><strong>Vorwort des Herausgebers<\/strong><\/h1>\n<blockquote>\n<h1>I<span style=\"font-size: x-small;\">n Deutschland bl\u00fcht die Psychoanalyse allerorts. Zum 150. Geburtstag Freuds h\u00e4lt die Katholische Akademie in Bayern am 28.\/29 April 2006 eine gro\u00dfe Festveranstaltung ab. Hans K\u00fcng predigt seit langem: \u201e<em>Kein Zur\u00fcck hinter Freud<\/em>\u201c.\u00a0 Die evangelische Kirche ist auf den Blender vordem schon abgefahren. In der \u201eSeelenheilkunde\u201c ist Freud heute schlechthin sakrosankt. Die Psychoanalyse ist neue Staatsreligion geworden.<\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">Dr. Max Scharnberg, bis vor kurzem als Ass.Professor an der Erziehungswissenschaftlichen Abteilung der Universit\u00e4t Uppsala, Schweden, t\u00e4tig, bekleidet seit Jahren einen hohen Rang im Kreis der wissenschaftlichen Freud-Kritiker. Er hat dazu teils auf schwedisch, teils englisch vier B\u00fccher geschrieben (s. Einleitung zur INFC-Site). Wir freuen uns, hier einen neuen, gewichtigen Beitrag von ihm auf deutsch vorstellen zu k\u00f6nnen. Dem oft nur ungef\u00e4hr mit Freud und seinen J\u00fcngern Vertrauten werden deren Gedankeng\u00e4nge hier an vielen Beispielen, einigen auch von Freuds \u201eber\u00fchmten F\u00e4llen\u201c, genauer vorgestellt und, ins Einzelne gehend, kritisch hinterfragt. <\/span><\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: x-small;\">\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0Friedrich Weinberger<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zusammenfassung <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1958 fand am <em>New York University Institute of Philosophy<\/em> eine Konferenz statt, an der hervorragende Psychoanalytiker und Philosophen teilnahmen. Thema war Art und Grad der Rationalit\u00e4t psychoanalytischer Theorie und Methodik. Die Ausf\u00fchrungen wurden in einem Buch ver\u00f6ffentlicht: Sidney Hook, <em>Psychoanalysis, Scientific Method, and Philosophy<\/em> (1959). Die Philosophen brachten viele entschiedene Einw\u00e4nde vor. Sie blieben gleichwohl zur\u00fcckhaltend, weil sie davon ausgingen, dass die Analytiker guten Glaubens waren. Sie entdeckten darum die zentralen und \u2013 bewussten L\u00fcgen von Heinz Hartmann nicht, des Vaters der Ich-Analyse, der damals auf Seiten der Freudianer als \u00fcberragender Theoretiker galt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle seine Kollegen stimmten auch darin mit ihm \u00fcberein, dass<\/p>\n<p>(a)\u00a0\u00a0\u00a0 Psychoanalytiker \u00fcber jeden Patienten so viele konkrete Beobachtungen machten, dass Nicht-Analytiker sich so gro\u00dfe Mengen gar nicht vorstellen k\u00f6nnten,<\/p>\n<p>(b)\u00a0\u00a0\u00a0 jede Deutung auf sehr viele Beobachtungen gegr\u00fcndet sei,<\/p>\n<p>(c)\u00a0\u00a0\u00a0 diese Beobachtungen mit der psychoanalytischen Methode erreicht worden seien,<\/p>\n<p>(d)\u00a0\u00a0\u00a0 die psychoanalytischen Deutungen der vielen, vielen Einzelheiten allem \u00fcberlegen seien, was mit anderen Theorien erreicht werden k\u00f6nnte,<\/p>\n<p>(e)\u00a0\u00a0\u00a0 die Voraussagen durch Verfahren best\u00e4tigt w\u00fcrden, die auch Nicht-Analytiker als rational ans\u00e4hen,<\/p>\n<p>(f)\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 die Psychoanalytiker sich h\u00fcteten, ihre Patienten zu beeinflussen,<\/p>\n<p>(g)\u00a0\u00a0\u00a0 es deshalb gesichert sei, dass die Reaktionen der Patienten \u2013 u.a. ihr letztendlicher Glaube an die Deutungen \u2013 nur aus ihrem Inneren herr\u00fchren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hartmann f\u00fchrte zu diesen Punkten keine konkreten Beispiele an. Er lie\u00df nur zwei Worte fallen: \u201eBonaparte\u201c und \u201esechs\u201c (letzteres die Nummer seiner Referenz) \u2013 womit er das seines Erachtens beste Beispiel nannte, das er w\u00e4hrend 60 Jahren wissenschaftlicher Bet\u00e4tigung in der einschl\u00e4gigen Literatur gefunden hatte. Er gab jedoch keine weitere Information dar\u00fcber, <em>welche<\/em> Beobachtungen und <em>welche<\/em> Deutungen da beschrieben und <em>wie<\/em> diese best\u00e4tigt worden sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In <em>Notes on the Analytic Discovery of a Primal Scene<\/em>, dem von Hartmann anvisierten Text, beschreibt Marie Bonaparte (1945) eine Psychoanalyse bei Freud, wobei die weiteren Einzelheiten rasch verraten, dass es sich um ihre eigene Analyse handelte. Eine \u00dcberpr\u00fcfung des Inhalts deckte einiges auf, was Hartmann verbarg, n\u00e4mlich:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(1) S\u00e4mtliche Beobachtungen wurden ohne besondere Methodik gemacht. Es sind Beobachtungen, die jedem Laien direkt m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>(2) Es sind extrem wenige Beobachtungen.<\/p>\n<p>(3) Bonaparte hatte von einem nahe an einander liegenden Ehepaar getr\u00e4umt. Als sie selbst sieben Jahre alt war, schrieb sie eine kleine Geschichte mit dem Titel \u201eDer Mund-Bleistift\u201c.<\/p>\n<p>(4) Alle Deutungen st\u00fctzen auf eine bis allenfalls vier banale Beobachtungen.<\/p>\n<p>(5) Die Deutungen sind reich an Einzelheiten.<\/p>\n<p>(6) Sie sind v\u00f6llig willk\u00fcrlich und oft absurd.<\/p>\n<p>(7) Freuds Deutung war, dass Bonaparte im Alter von zwei Jahren sexuellen Verkehr und Fellatio (vgl. \u201eMund-Bleistift\u201c) beobachtet hatte.<\/p>\n<p>(8) Freud wie auch Hartmann, Bonaparte und Ernest Jones u.s.w. vermochten nicht zu unterscheiden, welche Deutungen wirklich auf psychoanalytischer Theorie fu\u00dften, welche dagegen auf privaten Vorurteilen. Freud leitete \u201eaus der Theorie\u201c noch ab, dass das Paar, das Bonaparte beobachtete, ihr Onkel und ihre Amme war.<\/p>\n<p>(9) Der Onkel war jetzt 82 Jahre alt. Bonaparte ging und erz\u00e4hlte ihm, was sie von Freud gelernt hatte, und bearbeitete ihn, bis er \u201egestand\u201c.<\/p>\n<p>(10) Dies das angeblich \u201ewissenschaftliche Verfahren\u201c, das die \u201eBest\u00e4tigung\u201c brachte.<\/p>\n<p>(11) Bonaparte schreibt ausdr\u00fccklich, dass sie sich gegen die Deutungen Freuds heftig wehrte. Dieser aber fuhr fort, ihr seine Deutungen aufzuzwingen, bis ihr Widerstand \u00fcberwunden war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hartmann wagte nicht, die Wahrheit zu sagen. Offensichtlich war ihm bewusst, dass die Philosophen sein Beispiel zerpfl\u00fccken und abweisen w\u00fcrden, wenn er ihnen erz\u00e4hlte, welch konkrete Tatsachen hinter ihm steckten. Andere Erkl\u00e4rungen f\u00fcr sein Vorgehen als bewusste L\u00fcge sind ausgeschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wird in dem Beitrag weiter dokumentiert, dass Hartmanns Ausf\u00fchrungen \u00fcblichem psychoanalytischen Vorgehen entsprechen. Ferner wird gezeigt, dass alle psychoanalytischen Deutungen nach dem Prinzip der kausalen \u00c4hnlichkeit gewonnen werden: Die Ursache \u00e4hnelt der Wirkung. Im Titel der genannten Geschichte \u00e4hnelt \u201eDer Mund-Bleistift\u201c (Wirkung) fraglos der angeblichen, aber nicht wirklich gemachten Beobachtung von Fellatio (Ursache).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dies wird auch an mehreren von Freuds bekannten F\u00e4llen weiter ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><strong> Inhaltverzeichnis<\/strong><\/p>\n<p align=\"center\">\n<p align=\"center\">\n<p><strong>I\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wie nach Heinz Hartmann psychoanalytische Deutungen konstruiert und verifiziert werden <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>II\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Marie Bonapartes Beispiel von Konstruktion und Best\u00e4tigung der Deutungen <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>III\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 St\u00fctzen sich Bonapartes Deutungen auf eine \u201eriesige Menge von Beobachtungen\u201c? <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>IV\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Freuds, Bonapartes, Jones\u2019 und Hartmanns Unverm\u00f6gen, zwischen psychoanalytischen Deutungen und\u00a0 privaten Vorurteilen zu unterscheiden <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>V\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Scheinbest\u00e4tigung von Bonapartes Deutungen <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>VI\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Das Prinzip der kausalen \u00c4hnlichkeit <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>VII\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201cDie riesige Menge von Beobachtungen\u201d im \u201edritten Verf\u00fchrungsartikel\u201c <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>VIII\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die \u201eBest\u00e4tigungen\u201c von Deutungen in \u201eZur \u00c4tiologie der Hysterie\u201c, einige L\u00fcgentechniken und L\u00fcgenindikatoren<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>IX\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201cDie Psychoanalytiker beeinflussen ihre Patienten nicht \u201d <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>X\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Schlussbemerkungen <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kapitel I <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie nach Heinz Hartmann psychoanalytische Deutungen konstruiert und verifiziert werden <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1958 fand eine Konferenz am <em>New York University Institute of Philosophy<\/em> statt, um Art und Grad der Rationalit\u00e4t der psychoanalytischen Theorie und Methode zu er\u00f6rtern. Hervorragende Psychoanalytiker und Philosophen nahmen daran teil. Ihre Ausf\u00fchrungen wurden in einem Buch publiziert: Sidney Hook, <em>Psychoanalysis, Scientific Method, and Philosophy<\/em> (1959).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Philosophen brachten viele entschiedene Einw\u00e4nde vor. Sie blieben dennoch eher zur\u00fcckhaltend infolge ihrer Annahme, dass die Psychoanalytiker guten Glaubens waren. Sie entdeckten daher einige fundamentale L\u00fcgen in den Aussagen Heinz Hartmanns, des Vaters der sog. Ich-Psychoanalyse, nicht, die der Ausgangspunkt dieses Artikels sind. Ich werde sie <em>\u201edas zentrale Zitat\u201c<\/em> nennen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie Daten, die in der psychoanalytischen Situation [a] <em>mittels der psychoanalytischen Methode<\/em> gesammelt werden<strong>,<\/strong> sind [b] <em>haupts\u00e4chlich Verhaltensdaten<\/em>; und ihr Ziel ist eindeutig die Erforschung menschlichen Verhaltens. Die Daten bestehen meistens aus dem verbalen Verhalten des Patienten, schlie\u00dfen aber auch andere Arten von Aktivit\u00e4t ein: sein Schweigen, seine K\u00f6rperhaltung und seine Bewegungen, insbesondere seine Ausdrucksbewegungen. [&#8230;]<\/p>\n<p>\u201cThe data gathered in the psychoanalytic situation with [a] <em>the help of the psychoanalytic method<\/em> are [b] <em>primarily behavioral data<\/em>; and the aim is clearly the exploration of human behavior. The data are mostly the patient\u2019s verbal behavior, but include other kinds of action. They include his silences, his postures, and his movements in general, more specifically his expressive movements. [&#8230;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich der Daten ist es schwierig, au\u00dferhalb des eigentlichen analytischen Prozesses einen Eindruck zu geben von [c] <em>der Menge von Beobachtungsdaten, die schon in einem einzelnen Fall gesammelt werden.<\/em> Oft verweist man auf die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleine Anzahl von F\u00e4llen, die von der Psychoanalyse untersucht wurden und neigt dazu, [d] <em>die sehr gro\u00dfe Anzahl von tats\u00e4chlich gemachten Beobachtungen, auf welche wir in jedem einzelnen Fall die Deutungen eines Aspekt des Charakters, der Symptome (u.s.w.) eines Patienten gr\u00fcnden.<\/em><\/p>\n<p>[Fu\u00dfnote:] Es beinhaltet also im Hinblick auf Forschung jeder einzelne Fall Hunderte von beobachteten [e] <em> Regularit\u00e4ten<\/em> in [f] <em>Hunderten von Hinsichten<\/em>. [\u2026]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>As to the data, it is hard to give, outside the analytic process itself an impression of [c] <em>the wealth of observational data collected in even one single \u2018case\u2019<\/em>. One frequently refers to the comparatively small number of cases studied in analysis and tends to forget [d] <em>the very great number of actual observations on which we base, in every individual case, the interpretations of an aspect of a person\u2019s character, symptoms and so on.<\/em><\/p>\n<p>[Footnote:] Thus every single clinical \u2018case\u2019 represents, for research, hundreds of data of observed [e] <em> regularities<\/em>, and in [f] <em>hundreds of respects<\/em>.\u201d [\u2026]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dadurch, dass einige Variable in der psychoanalytischen Situation, wenn auch nicht v\u00f6llig unver\u00e4nderlich, [g] <em>so doch so unver\u00e4nderlich, wie die Situation es eben gestattet<\/em><strong>,<\/strong> gehalten werden, wird es leichter, [h] <em>die Bedeutung anderer Variablen zu bestimmen, die in das Bild einflie\u00dfen<\/em>. Das Beispiel, das am besten untersucht ist, ist was man [i] <em>die Passivit\u00e4t des Analytikers<\/em> nennt [&#8230;]. Ich behaupte nicht, dass die Psychoanalyse eine experimentelle Wissenschaft ist. Aber es gibt Situationen, in denen sie [j] <em>dem doch nahe kommt<\/em>.\u201c [\u2026]<\/p>\n<p>\u201cBy <em>keeping certain variables<\/em> in the analytic situation, if not constant, [g] <em>as close to constancy as the situation allows<\/em>, it becomes easier to evaluate [h] <em>the significance of other variables<\/em> that enter the picture. The best-studied example of this is what is called [i] <em>the \u2018passivity\u2019 of the analyst<\/em>, [&#8230;] This is not to claim that psychoanalysis is <em>an experimental discipline<\/em>. However, there are situations where it [j] <em>comes close to it<\/em>.\u201d [\u2026]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEs gibt genug Beweismaterial f\u00fcr die Aussage, dass unsere Beobachtungen in der psychoanalytischen Situation, in Zusammenhang der psychoanalytischen Erfahrung und Hypothesen gesetzt, [k] <em>Voraussagen erm\u00f6glichen<\/em> \u2013 Voraussagen verschiedener Grade von Pr\u00e4zision oder Reliabilit\u00e4t, die aber [l] <em>allen anderen in der Pers\u00f6nlichkeitspsychologie versuchten in der Regel \u00fcberlegen sind<\/em>. Auf Grund der Betonung des genetischen Gesichtpunkts sind viele Voraussagen das, was \u2019Voraussagen der Vergangenheit\u2019, d.h. Rekonstruktionen vergangener Begebenheiten genannt worden ist. <em>Sie k\u00f6nnen<\/em> [m] <em>oft bis in \u00fcberraschende Einzelheiten hinein best\u00e4tigt werden <\/em>(Bonaparte, 6).\u201c<\/p>\n<p>\u201cThere is sufficient evidence for the statement that our observations in the psychoanalytic situation, set in the context of psychoanalytic experience and hypotheses, [k] <em>make predictions possible<\/em> \u2013 predictions of various degrees of precision or reliability, but [l] <em>as a rule superior to any others that have been attempted in the psychology of personality<\/em>. Due to the emphasis on the genetic viewpoint, many predictions are what has been called \u2018predictions of the past\u2019, that is, reconstructions of the past [m] <em>which can often be confirmed in astonishing detail<\/em> (Bonaparte, 6)\u201d.<\/p>\n<p>(Heinz Hartmann: <em>Psychoanalysis as a Scientific Theory<\/em>, 1959, S.\u00a021f., kursiv MS)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Psychoanalytiker und andere Anh\u00e4nger ihrer Theorie haben Gleiches oder \u00c4hnliches ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cFreud war in den Naturwissenschaften bewandert und darum <em>ein \u00fcberzeugter Empiriker<\/em>. Er war auch <em>ein sorgf\u00e4ltiger und scharfer Beobachter;<\/em> wegen seiner <em>sorgf\u00e4ltigen Darstellung der Beobachtungen<\/em> und der <em> Verallgemeinerungen<\/em>, die er aus ihnen ableitete, ist es ein Vergn\u00fcgen, einige seiner Schriften zu lesen. Auf Grund just dieser <em>Betonung sorgf\u00e4ltiger Beobachtung<\/em> hat er seine Thesen mehrmals umformuliert; er versuchte immer bessere Wege zu finden, ihren Beziehungen unter einander Rechnung zu tragen. Die Daten waren nicht fehlerhaft. Die entscheidenden Reaktionen seiner Patienten <em>kamen <\/em><em> tats\u00e4chlich vor<\/em>. Man braucht nicht seine Aussage zu bezweifeln, dass <em> die Patienten ihm von Verf\u00fchrung w\u00e4hrend ihrer Kindheit und ihrem auf ihre Eltern gerichteten sexuellen Begehren erz\u00e4hlten. <\/em>Vielmehr <em> waren seine Umformulierungen neue Versuche, die Tatsachen besser zu erkl\u00e4ren.<\/em> [&#8230;]<\/p>\n<p>\u201cTrained in the natural sciences, Freud was <em>a confirmed empiricist<\/em>. He was also <em>a careful, keen observer<\/em>, and some of his work is a delight to read because of his <em> careful reporting of observations<\/em> and the <em>generalizations<\/em> derived from them. It is precisely because of this <em> emphasis on careful observation<\/em> that he reformulated his propositions several times, trying to find better ways to account for their interrelationships. <em> The data were not in error.<\/em> The crucial responses did occur in his patients. One need not question his statements that <em>patients told him of childhood seductions and sexual longings for parents<\/em>. Rather <em>his reformulations were attempts to explain the data better<\/em>. [&#8230;]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die Beobachtungen waren umfassend.<\/em> [&#8230;] Man kann Freuds gl\u00e4nzende F\u00e4higkeit als Beobachter kaum in Frage stellen. <em>Er baute seine Theorien auf diese Masse von Beobachtungsdaten.<\/em> Das geht aus <em>den umfassenden Krankengeschichten<\/em> hervor, die er schrieb. Er <em>fing mit Tatsachen an und baute seine Theorie induktiv auf<\/em>, im Gegensatz zu Verfahren, bei denen man mit theoretischen Formulierungen beginnt und danach die Beobachtungsdaten deduziert, die bei Stimmen der Theorie herauskommen m\u00fcssten. [\u2026]\u201d<\/p>\n<p><em> The observations were extensive<\/em>. [&#8230;] There is little question about <em> the brilliance of Freud\u2019s observational skills<\/em>. He <em>developed his theories out of this mass of observational data<\/em><span style=\"text-decoration: underline;\">.<\/span> The <em>extensive case studies<\/em> he presents reveal this. He <em>started with data<\/em>, and <em>inductively developed the theory<\/em>, rather than beginning with theoretical formulations and deducing the observational data which should appear if the theory were correct. [\u2026] \u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Donald H. Ford &amp; Hugh B. Urban: <em>Systems of Psychotherapy<\/em>, <em>1963<\/em>, Ss.\u00a0148, 174; kursiv MS)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freud und viele seiner Nachfolgern behaupteten, dass die Theorie absolut wahr und unersch\u00fctterlich bewiesen sei. Erst als die Resultate der modernen Freud-Forschung aus den 1990er Jahren zu bekannt wurden, gaben sie solche Behauptungen teilweise auf. Ihre heutige Strategie ist, nach gr\u00f6ssten momentan erreichbaren Vorteilen zu lavieren, die Theorie entweder weiter zu vertreten oder nur zu implizieren oder sie gar in Abrede zu stellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Einige Beispiele propagandistischer Superlative: <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cWir sind im Besitz der Wahrheit.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWe possess the truth.\u201d<\/p>\n<p>(Sigmund Freud in einem Brief an Ferenczi, hier r\u00fcck\u00fcbersetzt und zitiert nach Percy Bailey: <em>Sigmund the Unserene<\/em>,<em> 1965<\/em>, S.\u00a089)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie Psychoanalyse l\u00e4sst es nicht zu, mit anderen Auffassungen in eine Reihe ger\u00fcckt zu werden. Mit ihnen auf das gleiche Niveau gestellt zu werden, weist sie zur\u00fcck. Die universelle G\u00fcltigkeit, die die Psychoanalyse f\u00fcr ihre Theorien in Anspruch nimmt, macht ihre Begrenzung auf irgend eine bestimmte Sph\u00e4re unm\u00f6glich.\u201c<\/p>\n<p>\u201cPsychoanalysis does not permit itself to be ranged with other conceptions. It refuses to be put on an equal basis with them. The universal validity which psychoanalysis postulates for its theories makes impossible its limitation to any special sphere.\u201d<\/p>\n<p>(Anna Freud: <em>Psychoanalysis of the Child, 1931<\/em>, hier r\u00fcck\u00fcbersetzt und zitiert nach Percy Bailey: <em>Sigmund the Unserene<\/em>,<em> 1965<\/em>, S.\u00a090).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cBis heute ist keine andere wissenschaftliche Psychologie aufgetaucht, die sich mit der Folgerichtigkeit und Strenge messen kann, mit der Freud die Erforschung der menschlichen Pers\u00f6nlichkeit als System verfolgte.\u201c<\/p>\n<p>\u201cSo far, no other scientific psychology has been evolved that can match the consistency and rigor with which Freud pursued the investigation of man\u2019s personality as a system.\u201d<\/p>\n<p>(Kurt Eissler: <em>Medical Orthodoxy and the Future of Psychoanalysis, 1965,<\/em> S.\u00a057)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cWir k\u00f6nnen nicht die Vielf\u00e4ltigkeit und Fruchtbarkeit best\u00e4tigender Beispiele \u00fcbersehen.\u201c<\/p>\n<p>\u201cWe cannot overlook the multiplicity and pregnancy of supporting instances.\u201d<\/p>\n<p>(Bert Westerlundh: <em>Aggression, Anxiety and Defence, 1976,<\/em> S.\u00a01)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[Als Antwort auf Janets Kritik, psychoanalytische Deutungen seien willk\u00fcrlich:]<\/p>\n<p>\u201eDiese Aussagen sind v\u00f6llig wertlos, denn er [Janet] weiss einfach nicht, dass die Deutungen das ganze Gegenteil sind. Sie sind auf objektiven Prinzipen gegr\u00fcndet, die nichts mit individueller Meinung zu tun haben, sondern nur mit den Fakten selbst.\u201c<\/p>\n<p>\u201cThe statements are quite worthless, for he simply does not know that the interpretations are the very reverse of this, being based on objective principles that have no reference to individual opinion, but only to the evidence of the facts themselves.\u201d<\/p>\n<p>(Ernest Jones: <em>Professor Janet on Psychoanalysis: A Rejoinder, 1914,<\/em> S. 406)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cKristalline Klarheit\u201d ist das Wort, mit dem Daniel E. Miller Freuds Schriften lobt &#8211; in <em>Psychoanalytic Theory of Development: a Re-Evaluation, 1973,<\/em> S.\u00a0500.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDora, die sich nach diesem Ideal [= Wahrheitsliebe] sehnte, muss Freuds beachtliche Integrit\u00e4t und seine zielbewusste Suche nach Wahrheit in seiner Arbeit hochgesch\u00e4tzt haben.\u201c<\/p>\n<p>\u201cDora, yearning for this ideal [= love of truth] must have appreciated Freud\u2019s remarkable integrity and his single-minded search for truth in his work.\u201d<\/p>\n<p>(Jules Glenn: <em>Freud\u2019s Adolescent Patients: Katharina, Dora and the \u201eHomosexual Woman\u201c, 1980,<\/em> S. 34)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir wollen auch noch einige der Hartmannschen Behauptungen im zentralen Zitat herausgreifen, sie kl\u00e4ren und vergleichen. Man merke sich, dass s\u00e4mtliche Behauptungen auf ein und der selben Seite stehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"left\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Heinz Hartmanns Behauptungen<\/span><\/strong> (B\u2011)<\/p>\n<p>B\u20111\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jede psychoanalytische Deutung st\u00fctzt sich auf eine so gro\u00dfe Menge von Beobachtungen, dass Nicht-Analytiker sich kaum vorstellen k\u00f6nnen, dass irgend ein Wissenschaftler so viele sammeln w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B\u20112\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Von jedem Patienten [abgesehen von unbedeutenden Ausnahmen, z.B. Patienten, die sehr schnell die Behandlung abbrechen] sammeln die Psychoanalytiker riesige Mengen von Beobachtungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B\u20113\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Psychoanalytische Deutungen k\u00f6nnen einschlie\u00dflich erstaunlicher Einzelheiten best\u00e4tigt werden. Solche Best\u00e4tigungen werden durch Methoden gewonnen, die nicht-psychoanalytische Wissenschaftler als vern\u00fcnftig und uneingeschr\u00e4nkt vertretbar anerkennen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B\u20114\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die meisten Tatsachen, die die Psychoanalytiker sammeln, sind Beobachtungen \u00e4u\u00dferen Verhaltens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B\u20115\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Die Beobachtungen in der psychoanalytischen Situation werden mit der psychoanalytischen Methode gewonnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B\u20116\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ein Psychoanalytiker beobachtet an jedem Patienten eine Reihe von empirischen Regularit\u00e4ten. Und jede dieser Regularit\u00e4ten st\u00fctzt auf Hunderte von Beobachtungen. [Hartmann gibt keine Information \u00fcber die Anzahl solcher Regularit\u00e4ten. Liegt die Zahl n\u00e4her bei \u201c6\u201d, 60 oder \u201c600\u201d?]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B\u20117\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Psychoanalytiker beobachten an jedem Patienten \u201eHunderte von Hinsichten\u201c (\u201crespects\u201d). [Hartmann erkl\u00e4rt nicht, welche Beziehung die Hinsichten zu den Regularit\u00e4ten haben.]<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B\u20118\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Psychoanalytiker sind bem\u00fcht, alle Variablen der psychoanalytischen Situation konstant zu halten. Dies gelingt ihnen auch in sehr hohem Mass.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B\u20119\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Psychoanalytiker ist vor allem in dem Sinn passiv, dass es ihm in h\u00f6chstem Grad gelingt, den Patienten nicht zu beeinflussen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B\u201110\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wegen der Unver\u00e4nderlichkeit der Variablen in der psychoanalytischen Situation kommt die Psychoanalyse bisweilen nahe an eine experimentale Wissenschaft heran.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B\u201111\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Infolge der Unver\u00e4nderlichkeit des Einflusses der psychoanalytischen Situation einschlie\u00dflich des Psychoanalytikers kann als feststehend gelten, dass die Reaktionen des Patienten nicht von einer Beeinflussung herr\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kapitel II <\/strong><\/p>\n<p><strong>Marie Bonapartes Beispiele von Konstruktion und Best\u00e4tigungen psychoanalytischer Deutungen <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Leicht kann eine Kleinigkeit im \u201ezentralen Zitat\u201c \u00fcbersehen werden. Sie wurde auf besagter Tagung von allen anwesenden Philosophen tats\u00e4chlich auch \u00fcbersehen, n\u00e4mlich das kurz hingeworfene \u201eBonaparte, sechs\u201c. Hartmann meinte damit, ein eindrucksvolles Beispiel von Ableitung einer psychoanalytischen Deutung einschlie\u00dflich erstaunlicher Einzelheiten k\u00f6nne in Marie Bonapartes achtseitigem Artikel <em> Notes on the Analytic Discovery of a Primal Scene <\/em>(1945) gefunden werden, ein Beispiel auch der Best\u00e4tigung dieser Deutung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4re das wahr, h\u00e4tten die psychoanalytische Theorie und Praxis fraglos wissenschaftlichen Wert. Dann k\u00f6nnten wir auch bez\u00fcglich anderer M\u00e4ngel toleranter sein. Folglich gibt es gewichtige Gr\u00fcnde, Bonapartes Artikel n\u00e4her anzuschauen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Marie Bonaparte (1882-1962) war Prinzessin von Griechenland und D\u00e4nemark. Ihr Urgro\u00dfonkel war Napol\u00e9on der Dritte. Niemand, den Freud zum Psychoanalytiker ausbildete, brachte im Voraus so hohes Ansehen wie sie mit. Sie war wohl die einzige Person, die f\u00fcr Freud 1938 von der Gestapo die Erlaubnis zur Ausreise aus \u00d6sterreich erlangen konnte. Weiter ist sie die Person, die Freuds Briefe an Wilhelm Fliess, als Freud sie vernichten wollte, gerettet hat. \u2013 Theoretische Innovationen lagen ihr nicht. Sie hatte aber immer eine gute Beziehung zu den Ich-Analytikern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie unterzog sich zwei Unterleibsoperationen im Glauben, dass Chirurgie ihre Frigidit\u00e4t heilen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In seiner Freud-Biographie schreibt Ernest Jones:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cDer vorrangige Grund, aus dem Freud anfangs abgeneigt war, den Rat seines Arztes zu folgen [Wien zu verlassen], war, dass er seine Arbeit fortsetzen wollte, so lange Marie Bonaparte in Wien bleiben konnte. Nach ihrer R\u00fcckkehr nach Paris dr\u00e4ngte sie \u00fcbrigens ihren alten Stallknecht zu gestehen, dass er, als sie knapp ein Jahr alt war, in ihrer Gegenwart wiederholt Verkehr mit ihrer Amme hatte. Er [Freud] hatte diese Episode zu ihrer gro\u00dfen \u00dcberraschung aus dem analytischen Material erraten. Sie waren beide \u00fcber die Best\u00e4tigung ganz aufgeregt. Er schrieb ihr: \u201eJetzt werden Sie verstehen, wie Widerspruch oder Anerkennung ganz gleichg\u00fcltig sein k\u00f6nnen, wenn man selbst ganz sicher ist. Das war ich. Und das war der Grund, warum ich Hohn und Unglauben ertragen habe, ohne gar bitter zu werden.\u201c<\/p>\n<p>\u201cThe main reason why Freud had at first been reluctant to accept his doctor\u2019s advice [that he should leave Vienna] was that he wished to continue his work so long as Marie Bonaparte could stay in Vienna. Incidentally, it was on her return to Paris that she induced her old groom to admit that he used to have intercourse with her nurse in her presence when she was just under a year old. Freud had to her great astonishment divined this episode from analytic material, and they were both excited at the confirmation. He wrote: \u2018Now you understand how contradiction and recognition can be completely indifferent when one knows oneself to possess a real certainty. That was my case, and it was why I have held out against scorn and disbelief without even getting bitter\u2019.\u201d<\/p>\n<p>Ernest Jones: <em>Sigmund Freud. <\/em><em> Life and Work, Band III, 1957,<\/em> S.\u00a0129<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bonapartes Artikel steht ver\u00f6ffentlicht im ersten Band des Jahrbuches <em>The Psychoanalytic Study of the Child<\/em>. Herausgeber dieses Bandes waren Anna Freud, Ernst Kris and Heinz Hartmann. Es ist ausgeschlossen, dass sie nicht wussten, dass Bonaparte selbst die Patientin war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten sieben Zitate aus Bonapartes Artikel stehen alle auf fast derselben Seite (119 oder 120). Aus dem Anfangsteil werde ich vier separate Zitate vorstellen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEine Frau, zweiundvierzig Jahre alt, geht in Psychoanalyse. In der vierten Woche ihrer Analyse tr\u00e4umt sie eines Nachts, dass sie sich in einer kleinen H\u00fctte befindet, die auf einer grasbewachsenen Erhebung in einem Schlosspark, nahe einem See liegt. Sie betrachtet intensiv ein verheiratetes Paar, das sie kennt, und das ganz nahe an einander in seinem Bett liegt.<\/p>\n<p>\u201cA forty-two-year-old woman is undergoing analysis. In the fourth week of her analysis the patient one night dreams that she is in a small cot on the grassy slopes of a park, near a lake, looking intently at a married couple whom she knows lying quite near in their bed.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dieses erste Zitat gibt alle Beobachtungen wieder, auf die Freud seine Deutungen gr\u00fcndete:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDer Analytiker behauptet, dass sie w\u00e4hrend ihrer Kindheit sexuelle Szenen gesehen haben musste und der Traum aus unbewussten Erinnerungen von dem herr\u00fchren m\u00fcsste, was sie da sah. Sie musste nicht nur solche Szenen im Dunkel <em>geh\u00f6rt<\/em> haben, wie es Kindern oft widerf\u00e4hrt, sondern musste sie bei hellichtem Tageslicht <em>gesehen<\/em> haben.\u201c<\/p>\n<p>\u201cThe analyst asserts that she must have seen sexual scenes in her childhood, that the dream must derive from an unconscious reminiscence of what she saw. She must not only have <em>heard<\/em> those scene in the dark, as is so often the case with children, but she must have <em>seen<\/em> them in full daylight.\u201d (Kursiv im Original)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das folgende Zitat gibt die Reaktion der Patientin auf diese Deutung wieder zusammen mit der Erwiderung des Psychoanalytikers:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eAnfangs akzeptierte die Patientin diese Deutung ihres Traumes nicht; sie reagierte gegen sie sogar heftig; aber der Psychoanalytiker blieb beharrlich bei seiner Behauptung.\u201c<\/p>\n<p>\u201cThe patient did not at first accept this interpretation of her dream, she even reacted violently against it, but the analyst persisted in his assertion.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Danach aber wird die Deutung etwas breiter ausgearbeitet:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDie Mutter der Patientin starb, als das kleine M\u00e4dchen gerade geboren worden war. Sie hatte aber eine Amme. Und der Analytiker meinte, dass sie Szenen zwischen dieser Amme und irgend einem sexuellen Partner beobachtet haben musste.\u201c<\/p>\n<p>\u201cThe patient\u2019s mother had died when the little girl was born but she had a wet nurse, and the analyst suggested that she must have observed scenes between that nurse and some sexual partner.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unstrittig ist, dass Bonaparte ihre eigene Analyse bei Freud beschreibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Folgende ist die fr\u00fcheste Erinnerung, die sie w\u00e4hrend der Behandlung vorgebracht hat. Wir wissen nicht, ob sie diese Erinnerung vor oder nach dem Traum erz\u00e4hlte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eSie sitzt sehr niedrig auf einem kleinen Stuhl oder einer kleinen Kiste im Zimmer der Amme. Die Amme steht vor dem Spiegel auf dem Kamin, in dem das Feuer brennt. Das Kind sieht die Amme intensiv an. Die Amme schmiert ihr schwarzes Haar mit Pomade ein. Die Pomade befindet sich in einem kleinen Topf, der auf den Marmor des Kamins steht. Die Pomade ist schwarz. Das Kind findet sie widerlich. Die Amme hat ein langes gelbliches Gesicht und sieht aus wie ein Pferd.<\/p>\n<p>\u201cShe is sitting very low, on a small chair or a small box, in her nurse\u2019s room. The nurse is standing in front of the looking-glass of the chimney, in which the fire burns; the child is looking at her intently. The nurse is smearing her own black hair with pomade. The pomade, in a little white pot, is on the marble of the chimney; that pomade is black. The child finds that disgusting. The nurse has a long yellowish face and looks like a horse.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weitere Beobachtungen:<\/p>\n<p>\u201eGer\u00fcchte, die der Patientin zu Ohren kamen, kursierten in dem Haushalt, dass die Amme einen Geliebten hatte, der Stallmeister der Pferde des Vaters der Patientin war\u201c [= des unehelichen Halbbruders des Vaters.]<\/p>\n<p>Rumors had been going in the household, rumors which the patient had heard, that her nurse had had a lover, the master of her father\u2019s horses.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Amme verlie\u00df die Familie, als Marie drei Jahre alt war. Eine Photographie, die Marie Freud vorlegte, zeigt aber, dass sie keineswegs ein Pferdegesicht hatte. Ihr Gesicht war angenehm rund. Daraus folgert Freud, dass ihr \u201epferdartiges Aussehen\u201c etwas anderes ausdr\u00fccken musste n\u00e4mlich, dass sie \u201ewie ein Pferd von einem Pferdemann geritten\u201c worden ist. Die gelbe Farbe ihres Gesichts muss davon herr\u00fchren, dass Pferdez\u00e4hne gelb sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freud erkl\u00e4rt:<\/p>\n<p>\u201cDas Feuer dr\u00fcckt das Feuer sexueller Liebe aus\u201d. \u2013 Der Kamin ist ein Symbol der Ausleerungskan\u00e4le des K\u00f6rpers. \u2013 Die schwarze Pomade ist ein Symbol von Kot.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weitere Deutungen Freuds:<\/p>\n<p>\u201eZweifellos ist schon das Haar der Amme vom niederen zum oberen Teil des K\u00f6rpers verschoben. Hier geschieht eine Kondensation von Schamhaaren und Kopfhaaren.\u201c<\/p>\n<p>\u201cNo doubt the hair itself of the nurse is displaced from the lower to the higher part of the body. Here occurs a condensation of pubic hair and hair on the head.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Marie ungef\u00e4hr sieben Jahre alt war, schrieb sie mehrere kurze Geschichten. Der Titel von einer war \u201eDer Mundbleistift\u201c. \u00dcber den Inhalt wird nichts berichtet. Der Titel wird v\u00f6llig isoliert gedeutet: Die Amme und der Onkel hatten Verkehr und Fellatio ge\u00fcbt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alle sexuellen Akte aber wurden bis zu Maries Alter von zwei Jahren bei Tageslicht ausge\u00fcbt, danach im Dunklen. Begr\u00fcndung: Alle Kinder lernen genau im Alter von zwei Jahren sprechen. Nach diesem Alter, aber nicht fr\u00fcher, h\u00e4tte Marie das Paar verraten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kein Mangel an Einzelheiten hier. Wie aber wurden die Deutungen best\u00e4tigt?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Onkel war 82 Jahre alt, als ihn Marie mit dem konfrontierte, was sie von Freud gelernt hatte. Er verneinte alles. Aber Marie drang \u00fcber Monate hinweg unentwegt auf ihm ein. Und schlie\u00dflich gab er alles zu. Er gestand, dass er und die Amme bei hellem Tageslicht Koitus und Fellatio ausgef\u00fchrt hatten, aber nur bis zu Maries Alter von zwei Jahren, darnach nur im Dunklen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bonaparte und Hartmann erkl\u00e4ren, das beschriebene Verfahren sei der wissenschaftliche Weg, auf dem die Wahrheit von Deutungen best\u00e4tigt werden k\u00f6nne. Auf S. 125 schreibt Bonaparte:<\/p>\n<p>\u201eMehrere Faktoren mussten zusammenarbeiten, um dieses Resultat zu erreichen.\u201c<\/p>\n<p>(\u201cSeveral factors had to work together in order to achieve this result\u201d).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu ihnen rechnet sie \u201eden wissenschaftlichen, fast zwanghaft die Untersuchung verfolgenden Unternehmungsgeist der Patientin\u201d (\u201cthe scientific, almost compulsively enterprising spirit of investigation of the patient\u201d).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kapitel III <\/strong><\/p>\n<p><strong>St\u00fctzen sich Bonapartes Deutungen auf eine &#8222;riesige Menge von Beobachtungen? <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenden wir uns jetzt Hartmanns elf Behauptungen in obiger Aufstellung zu (B-). Er behauptete, eine Unmenge von Beobachtungen sei f\u00fcr jede psychoanalytische Deutung kennzeichnend. Offensichtlich hat er von allen w\u00e4hrend der vorausgegangenen 60 Jahre verfassten psychoanalytischen Schriften gerade Bonapartes Artikel ausgew\u00e4hlt, weil er ihn hier f\u00fcr besonders beweiskr\u00e4ftig hielt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hartmann sagt, es k\u00e4men nachtr\u00e4gliche Best\u00e4tigungen von Deutungen \u201eoft\u201c vor. Wenn dem so w\u00e4re, warum haben er oder andere Psychoanalytiker dann solche Best\u00e4tigungen nicht ver\u00f6ffentlicht? In der ganzen Literatur l\u00e4sst sich kaum ein zweites Beispiel finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie soll ferner, wenn die Psychoanalytiker bis 1958 \u00fcberzeugende Verifizierungen gefunden h\u00e4tten, erkl\u00e4rt werden, dass manche von ihnen einige Jahrzehnte sp\u00e4ter behaupteten, es sei gar nicht das Ziel von Deutungen, wahr zu sein. Nach W. Loch (<em>Some Comments on the Subject of Psychoanalysis and Truth<\/em>, 1977) sind die Deutungen kaum mehr als eine besondere Art von Trostl\u00fcgen. Und nach dem schwedischen Analytiker Ludvig Igra (<em>Objektrelationer och psykoterapi<\/em>, 1997) geben die Deutungen nicht Wahrheit, sondern \u201eErleichterung\u201c und \u201eintellektuellen Genuss\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Kapitel V werden wir eine Reihe von den Deutungen sehen, die Freud seiner jungen Patientin Dora vorsetzte. Man muss sich wirklich fragen, wie ein Psychoanalytiker tickt, wenn er glaubt, derartige Deutungen h\u00e4tten der Patientin Erleichterung oder intellektuellen Genuss bereiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis in die letzten Jahrzehnte hinein schwankten die Psychoanalytiker zwischen zwei einander ausschlie\u00dfenden Standpunkten:<\/p>\n<p>(a)\u00a0\u00a0\u00a0 Die publizierte Literatur enth\u00e4lt nachhaltige klinische Beweise f\u00fcr die Wahrheit der Theorie.<\/p>\n<p>(b)\u00a0\u00a0 Die psychoanalytischen Beobachtungen sind so esoterisch, dass es unm\u00f6glich ist, sie in Wort und Schrift darzustellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber falls die Mehrzahl der Beobachtungen \u00e4u\u00dferes Verhalten schildert, m\u00fcsste es doch leicht sein, sie in Wort und Schrift darzustellen. Auch Bonapartes Traum und die Erinnerungen daran sind unproblematisch zu schildern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die allermeisten Beobachtungen der psychoanalytischen Literatur geben wieder, was die Patienten <em>gesagt<\/em> haben. Aussagen \u00fcber die Art der Stimme, der Mimik, der Gesten und der K\u00f6rperhaltung kommen zwar vor, aber doch nur vereinzelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Punkt ist hier n\u00e4her noch zu kl\u00e4ren. Worte, die mit \u201ebeobacht-\u201c, oder auf englisch mit \u201eobserv-\u201c, beginnen, kommen in dem zentralen Zitat, in dem unmittelbar folgenden Zitat von Ford &amp; Urban, und in allen Bonaparte-Zitaten insgesamt zw\u00f6lf Mal vor. Der Begriff \u201eBeobachtung\u201c (observation) schlie\u00dft bei Hartmann, Ford, Urban und Bonaparte aber Patientenberichte, Traumberichte und Traumbilder in gleicher Weise ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angeblich wurden die Beobachtungen (einschlie\u00dflich Traumbilder, Traumszenen, Bestandteile des Traumberichts) in Bonapartes Artikel mit der psychoanalytischen Methode gewonnen. Das gilt besonders f\u00fcr diejenigen, die als Grundlage der Deutungen dienen. Angeblich h\u00e4tten sie ohne diese Methode nicht gewonnen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jeder Laie jedoch kann solche Beobachtungen machen. Es gibt so etwas wie psychoanalytische Beobachtungen (auch von Traumbildern und Traumberichten) \u00fcberhaupt nicht. Nirgendwo in der psychoanalytischen Literatur findet man eine Beobachtung oder ein Muster von Beobachtungen, die nicht ganz allt\u00e4glich sind. \u00dcbliches Verfahren der Analytiker ist, wenige und dabei meist reichlich oberfl\u00e4chliche Beobachtungen wiederzugeben. Und der Grund, dass gerade diese Beobachtungen (auch oder gar besonders von Traumbildern, Traumszenen, Traumberichten) ausgew\u00e4hlt werden, ist, dass sie gebraucht <em>oder missbraucht<\/em> werden k\u00f6nnen, um vorher konzipierte Deutungen zu beweisen oder den Schein eines Beweises zu erzeugen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bonapartes Traum besteht aus 31 W\u00f6rtern. Er kann als aus nur einer oder aus maximal acht (Traum-)Beobachtungen zusammengesetzt aufgefasst werden: [a] Die Patientin befindet sich in eine kleine H\u00fctte [b] auf einer grasbewachsenen Erhebung [c] in einem Schlosspark [d] nahe einem See. [e] Sie betrachtet intensiv [f] ein verheiratetes Paar, das sie kennt, [g] das ganz nahe bei einander [h] in einem Bette liegt. Nur die vier letzten Details sind in die Deutung eingegangen. \u00dcberdies muss [f] das Wort \u201everheiratetes\u201c unbeachtet bleiben. Der Onkel und die Amme waren ja nicht verheiratet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor dem Alter von zwei Jahre kann das menschliche Gehirn keine dauernden Erinnerungen speichern. Obendrein k\u00f6nnen aus dem, was einem Kind sp\u00e4ter erz\u00e4hlt wird, Scheinerinnerungen entstehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur\u00fcck aber zu der hier anstehenden Deutung: Die Patientin sagt <em>nicht<\/em>, dass die Amme ein Pferdegesicht hatte. Sie spricht zwar von einem <em>langen<\/em> Gesicht. Aber es wird nicht klar, ob dieser Zug spezifisch zur erinnerten Situation geh\u00f6rt. Ein langes Gesicht ist nicht notwendig ein Pferdegesicht. Schon der Beobachtungswinkel eines niedrig sitzenden Kindes kann den Eindruck eines langen Gesichtes ergeben. Die Photographie ist also belanglos. Vielleicht hatte die Amme lange Haare. Vielleicht hielt sie sich beim Einschmieren der Pomade beide H\u00e4nde unter dem Haare, so dass ihr <em>Haar<\/em> einem Rosschweif \u00e4hnelte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weil, wie das Photo zeigte, die Amme kein Pferdegesicht hatte, zieht der Psychoanalytiker den Schluss, sie sei \u201ewie ein Pferd geritten\u201c worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erinnerungen von Farben sind besonders unsicher. Auch k\u00f6nnte ihr Gesicht infolge Kerzenbeleuchtung \u201egelblich\u201c gewesen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie viele \u201eBeobachtungen\u201c wurden registriert, um zu beweisen, dass die Amme \u201ewie ein Pferd geritten\u201c wurde? Drei: (a) die gelbe Farbe ihres Gesichts; (b) eine unbestimmte \u00c4hnlichkeit mit einem Pferd; und (c) die Photographie (die das \u201ePferdegesicht\u201c ausschloss).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Deutung \u201eTageslicht\u201c gr\u00fcndet auf drei \u201eTatsachen\u201c: (A) Alle Kinder lernen zu sprechen, wenn sie genau zwei Jahre alt sind. (B) Marie <em>k\u00f6nnte<\/em> das Paar verraten, wenn sie zu sprechen gelernt hat. (C) Das Paar ging nie ein Risiko ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jede der folgenden f\u00fcnf Deutungen gr\u00fcndet nur auf einer einzigen Beobachtung: (a) Das Feuer im Kamin bedeutet Feuer sexueller Liebe. (b) Der Kamin ist ein Symbol des Anus. (c) Die schwarze Pomade bedeutet Kot. (d) Die Haare auf dem Kopf der Amme sind eigentlich ihre Schamhaare. (e) Der Titel \u201eDer Mundbleistift\u201c beweist, dass die Amme und der Onkel Fellatio betrieben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fassen wir zusammen. Die tats\u00e4chliche Anzahl von \u201eBeobachtungen\u201c, auf welche die psychoanalytischen Deutungen gr\u00fcnden, ist: 4\u20113\u20113\u20111\u20111\u20111\u20111\u20111,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Hartmanns Behauptung (B\u20111), jede psychoanalytische Deutung st\u00fctze sich auf einer riesigen Menge von Beobachtungen, ist gerade in seinem gezielt ausgew\u00e4hlten Beispiel offensichtlich falsch. Offensichtlich ist auch: Hartmann konnte nicht in gutem Glauben gesprochen haben.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"left\">\n<p align=\"left\">\n<p align=\"left\">\n<p><strong>Kapitel IV <\/strong><\/p>\n<p><strong>Freuds, Bonapartes, Jones\u2019 und Hartmanns Unverm\u00f6gen, zwischen psychoanalytischen Deutungen und privaten <\/strong><strong>Vorurteilen zu unterscheiden<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Kapitel\u00fcberschrift gibt einen in allen psychoanalytischen Schriften aufscheinenden Grundzug wieder \u2013 jedoch mit einer geringf\u00fcgigen Ausnahme, n\u00e4mlich den Schriften, die ganz ohne Beobachtungen auskommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>K\u00f6nnte die Amme\u201c wie ein Pferd geritten\u201c worden sein, jedoch von einem anderen Mann, keinem \u201ePferdemann\u201c? <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Maries Vater war der Besitzer der Pferde. War er kein \u201ePferdemann\u201c? Gleichg\u00fcltig, ob die Amme und der Onkel eine Liebesbeziehung hatten oder nicht, k\u00f6nnten nicht auch &#8211; wenn schon &#8211; sie und Maries Vater in deren Gegenwart sexuell verkehrt haben, sie und der Onkel aber anderswo?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Au\u00dferdem lernen nicht alle Kinder im Alter von genau zwei Jahren sprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine gro\u00dfe \u00dcberraschung ist auch der Grad von Rationalit\u00e4t, den Freud, Bonaparte, Hartmann und Jones, ausgerechnet sie, ausgerechnet hier unterstellen. Ist es ausgeschlossen, dass die Amme und der Onkel (oder jene und der Vater), als Marie etwa schon drei Jahre alt war, bei entsprechender Gelegenheit, wenn der Trieb dr\u00e4ngte und das Kind sein Mittagsschl\u00e4fchen machte, die Chance zur Liebe wahrgenommen haben?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf Grund des Titels \u201eDer Mundbleistift\u201c k\u00f6nnte sich mit der Theorie decken, dass Marie Vorstellungen von Fellatio hatte. Auch wenn wir gro\u00dfz\u00fcgig beig\u00e4ben, dass sie die Fellatio beobachtet h\u00e4tte, k\u00f6nnte das, bevor sie jene kleine Geschichte schrieb, nicht (a) in jedem Alter und (b) entweder im Dunklen oder bei hellem Tageslicht stattgefunden haben? K\u00f6nnte es au\u00dferdem nicht (c) irgendein Paar gemacht haben?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt nicht einmal spekulative Gr\u00fcnde f\u00fcr die aufgestellte Deutung. Freud hat sie nicht, wie Jones erkl\u00e4rt, <em>aus analytischem Material<\/em> \u201evorausgeahnt\u201c (\u201edivined\u201c). W\u00e4re die psychoanalytische Theorie wahr, h\u00e4tte Freud sie in dilettantischer Weise angewendet. Seine Deutungen k\u00f6nnen nur zutreffen, wahr nur sein, wenn ein wundersamer Zufall mit hereinspielte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fassen wir zusammen: Die psychoanalytische Theorie k\u00f6nnte bestenfalls enth\u00fcllen, dass Marie Vorstellungen von sexuellem Verkehr und Fellatio hatte. Die Theorie kann vor allem aber nichts aussagen \u00fcber die Identit\u00e4t des Liebespaares oder \u00fcber Maries Alter.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu einer angemessenen Untersuchung unseres Gegenstands geh\u00f6rt nicht nur zu pr\u00fcfen, welche Deutungen aus einer Theorie wirklich abgeleitet werden k\u00f6nnen, sondern auch welche Deutungen die Psychoanalytiker glauben, aus ihrer Theorie abgeleitet zu haben. Es ist wichtig, festzuhalten, dass Freud, Bonaparte, Jones und Hartmann meinten, die Identit\u00e4t des Liebespaar folgte aus der Theorie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kapitel V <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong> Scheinbest\u00e4tigung von Bonapartes Deutungen <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass Freud, Jones, Bonaparte und Hartmann auf solch \u201eeinh\u00e4mmerndes\u201c Verfahren zur\u00fcckgriffen, um das einzige Beispiel einer \u201eBest\u00e4tigung\u201c der psychoanalytischen Theorie vorweisen zu k\u00f6nnen, ist erhellend genug.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Fraglos h\u00e4tte es Hartmann es nie gewagt, den Philosophen auf der Konferenz 1958 zu erz\u00e4hlen, welche Deutungen in Bonapartes Artikel beschrieben sind, noch <strong>wie<\/strong> sie gewonnen, noch <strong>wie<\/strong> sie best\u00e4tigt wurden. <\/em> Deshalb nur sein kurzes \u201eBonaparte, sechs\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie lange kann sich ein Stallmeister und unehelicher Onkel erlauben, einer Prinzessin zweier L\u00e4nder zu widersprechen und zu sagen, dass sie g\u00e4nzlich irrte? Manche 82-j\u00e4hrige Menschen sind so stark nicht. Au\u00dferdem war Marie Bonaparte erst wenige Jahre vorher ernstlich psychisch krank gewesen. Der Onkel mochte gedacht haben, ihre neuen Vorstellungen w\u00e4ren vielleicht ein residuales Krankheitssymptom; man sollte ihr deshalb nicht unbedingt widersprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bez\u00fcglich dessen, was man durch einh\u00e4mmernde Bearbeitung erreichen kann, kann ich die Autorit\u00e4t eines ber\u00fchmten Psychoanalytikers anf\u00fchren:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cAm Anfang einer Psychoanalyse treffen unsere Deutungen unsere Patienten als etwas vollkommen Absurdes. Und unaufh\u00f6rlich widerlegen sie sie mit logischen Argumenten. Von den hohen Zinnen der Logik und des gesunden Menschenverstands blicken sie mitleidsvoll auf uns nieder, ironisch und manchmal sogar, was unsere Intelligenz betrifft, die Hoffnung aufgebend. [\u2026] Das Einzige, was sie zur\u00fcckbringt, ist die Konstanz, mit welcher wir unseren Standpunkt verteidigen. [&#8230;] Es ist eine Erfahrungstatsache, dass im allgemeinen Leben jede Behauptung, die mit innerer \u00dcberzeugung vorgetragen wird, wie absurd auch immer sie mag sein, Menschen aus ihrer Fassung bringen kann.\u201c<\/p>\n<p>\u201cAt the beginning of analysis our interpretations strike our patients as completely absurd and they constantly counter them with logical arguments. From the exalted pinnacles of logic and common sense, they look down upon us compassionately, ironically and sometimes actually in despair of our intelligence. [&#8230;] The only thing which takes them back is the consistency with which we defend our point of view. [&#8230;] It is a fact of experience that in life in general any assertion which is made with inner conviction, however absurd it may be, is disconcerting.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(Edmund Bergler: [Beitrag zum] <em> Symposion on the Theory of the Therapeutic Results of Psycho-Analysis<\/em>, 1937, Ss. 152f.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bergler r\u00e4umt ausdr\u00fccklich ein, dass mit dieser Technik einem Patienten falsche ebenso leicht wie wahre Deutungen eingeredet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Verlagstext auf der R\u00fcckseite von Berglers <em>Homosexuality: Disease or Way of Life?<\/em> (1962) geh\u00f6rte er ab 1927 zum Stab der Freud-Klinik in Wien. Er war deren stellvertretender Direktor von 1933 bis 1937. Von 1942 bis 1945 war er Dozent am psychoanalytischen Institut in New York. Er h\u00e4tte diese Stellungen nicht innegehabt, wenn seine Auffassung von denen Freuds und anderer prominenter Analytiker sehr abgewichen w\u00e4re.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den therapeutischen Dialogen in Freuds und Berglers Schriften finden wir recht grobe \u00dcberredungstechniken aufgef\u00fchrt. Und durchgehend zielten die Behandlungen beider Analytiker darauf, <em>die bewussten \u00dcberzeugungen des Patienten durch andere bewusste \u00dcberzeugungen zu ersetzen<\/em>, so viel beide auch vom Unbewussten sprechen. Ihr faktisches Verfahren gr\u00fcndet auf der Pr\u00e4misse, dass sie sich um unbewusste Ph\u00e4nomene nicht zu k\u00fcmmern brauchen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nirgendwo in der Krankengeschichte etwa des ber\u00fchmten Falles <em>Dora<\/em> kann man einen Hinweis daf\u00fcr finden, dass Freud irgendetwas anderes zu beeinflussen versuchte als ihre bewussten \u00dcberzeugungen. Und in seinem Brief vom 03.01.1897 schildert er sein wahrlich brutales Vorgehen bei einer anderen Patientin, die nicht glauben wollte, dass die Ursache f\u00fcr ihr Mund-Ekzems die Fellatio ihres Vater war, als sie selbst noch in der Wiege lag:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201e&#8230;Sie leidet an Ekzem um den Mund und nicht heilenden Einrissen der Mundecken&#8230; Bei Nacht l\u00e4uft ihr anfallsweise der Speichel zusammen, wonach die Einrisse auftreten. (Ganz analoge Beobachtung habe ich bereits einmal auf das Saugen am Penis zur\u00fcckgef\u00fchrt.) [&#8230;] <em>Habemus papam!<\/em> Als ich ihr die Aufkl\u00e4rung entgegenschleuderte, war sie zuerst gewonnen. Dann beging sie die Torheit, den Alten selbst zur Rede zu stellen, der auf die ersten Anbahnungen entr\u00fcstet ausrief: Soll ich das gar gewesen sein? und mit heiligen Eiden seine Unschuld beschwor. Sie befindet sich nun im heftigsten Str\u00e4uben, gibt an, ihm zu glauben [&#8230;] Ich habe ihr das Wegschicken angedroht\u201c [offensichtlich f\u00fcr den Fall, dass sie die Deutung nicht glaube].<\/p>\n<p>(Jeffrey M. Masson: Sigmund Freud, <em>Briefe an Fliess 1887\u20111904<\/em>, 1999, Ss.\u00a0232f. Freuds kursiv. &#8211; \u201e<em>Habemus papam<\/em>\u201c hei\u00dft hier \u201eDa haben wir den Vater\u201c! \u2013 Anmerkung des Buch-Kommentators).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dieser Schilderung stimmt Freuds Technik v\u00f6llig mit Berglers Technik \u00fcberein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die \u201eIch-Analytiker\u201c, darunter Heinz Hartmann, waren f\u00fcr Freuds Krankengeschichten voller Bewunderung, vor allem f\u00fcr den Fall des Wolfsmannes. Freud erkl\u00e4rte die Neurose dieses Patienten als Auswirkung davon, dass er im Alter von 18 Monaten [angeblich] den Koitus seiner Eltern beobachtete. Der sp\u00e4tere Psychoanalytiker A. Esman gab folgende Charakterisierung der Ich-Analyse. Auch Patrick Mahony stimmt in <em>Cries of the Wolf Man<\/em> (1984, S.53) mit ihr \u00fcberein:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cManie, Depression, Paranoia, Hebephrenie, Phobie, Hysterie, Zwangsneurose, Charakterst\u00f6rung, Lern-Schwierigkeiten, Asthma, Kopfweh, Kriminalit\u00e4t, sie alle wurden als Folge einmaliger oder mehrfacher Beobachtungen der Urszene erkl\u00e4rt [= des elterlichen Koitus]. Man wird zu fragen bewegt, ob wir es da nicht mit einer der Situationen zu tun haben, in der es einer Theorie gelingt dadurch, dass sie alles erkl\u00e4rt, nichts zu erkl\u00e4ren.\u201d<\/p>\n<p>\u201cMania, depression, paranoia, hebephrenia, phobia, hysteria, compulsive neurosis, character disorder, learning disturbance, asthma, headache, delinquency \u2013 all have been explained as reactions to single or multiple exposures to the primal scene. One is moved to wonder whether we are here confronted by one of those situations in which a theory, by explaining everything, succeeds in explaining nothing.\u201d<\/p>\n<p>(A. Esman: The Primal Scene: A Review and a Reconstruction, 1973, Ss.\u00a064f.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ich-Analytiker, die doch vorgeben, Freud \u201eweiterentwickelt\u201c zu haben, bek\u00fcmmerte es nicht, dass das Gehirn des Menschen in diesen Alter gar nicht so weit entwickelt ist, um Erinnerungen auf Dauer zu fixieren. Sie \u00fcbertrugen Freuds Koitus-Deutung mechanisch auf ihre eigenen Patienten. Es ist deshalb nicht \u00fcberraschend, dass Hartmann ein Beispiel der \u201eBeobachtung\u201c von Koitus und Fellatio f\u00fcr seine hier zur Diskussion stehende Ausf\u00fchrung gew\u00e4hlt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Marie \u201ebetrachtete intensiv\u201c das Paar im Bette. Bonapartes Worte sind: \u201elooking intently\u201c. Das k\u00f6nnte im Fall des Wolfmanns eine Beziehung haben zu dem dort bei Freud stehenden Ausdruck \u201edas aufmerksame Schauen\u201c. Als der Wolfmann knapp vier Jahre alt war, hatte er einen Angsttraum von W\u00f6lfen, die auf dem Nussbaum vor seinem Fenster sa\u00dfen. Der Traum wird in der Krankengeschichte (<em>Aus der Geschichte einer infantilen Neurose<\/em>, GW\u2011XII:54\/SE\u2011XVII:29) und in dem kurzen Artikel <em>M\u00e4rchenstoffe in Tr\u00e4umen<\/em> (GW\u2011X:5\/\u00adSE\u2011XII:283f.) in genau den gleichen Worten berichtet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Der Wolfsmann <\/em>lebte lange genug, dass es einem Nicht-Analytiker, n\u00e4mlich der Journalistin Karin Obholzer gelang, ihn aufzusp\u00fcren. 1980 ver\u00f6ffentlichte sie das Buch <em>Gespr\u00e4che mit dem Wolfsmann<\/em>, das weitgehend aus Interviews mit ihm besteht. Von dem sogenannten Wolfstraum sagt er, dass die Tiere keine W\u00f6lfe, sondern Hunde und auch keine sieben waren, sondern f\u00fcnf. Auf einer Seite in Freuds Krankengeschichte (GW\u2011XII:55\/\u00adSE\u2011XVII:30) ist eine Illustration wiedergegeben, die der Wolfsmann selbst gezeichnet hat: Auf ihr sitzen auf den \u00c4sten eines Baumes f\u00fcnf Tiere.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freud lag, wie aus seiner Darstellung ersichtlich wird, viel daran, seine Deutung zu belegen, dass sich hinter dem Traum die Geschichte vom Wolf und den sieben Gei\u00dflein versteckte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein wiederkehrender Grundzug in Freuds methodischem Vorgehen ist, dass er auch seine eigenen Beobachtungen entstellt, wenn er seine Deutungen beweisen will. So geschieht es auch hier. \u201cDas aufmerksame Schauen, das im Traum den W\u00f6lfen zugeschrieben wird, ist vielmehr auf ihn [= den Wolfsmann] zu schieben\u201d (GW\u2011XII:61\/\u00adSE\u2011XVII:35.) Nirgendwo in der Krankengeschichte steht jedoch, dass der Wolfsmann erz\u00e4hlte, die Tiere h\u00e4tten aufmerksam auf ihn geschaut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Wolfmann sagt auch nicht, die W\u00f6lfen seien bewegungslos gewesen. Im Traum war er in Angst, dass sie ihn im n\u00e4chsten Augenblick anfallen und ihn auffressen w\u00fcrden. Freud aber erfindet das Traumdetail der \u201eBewegungslosigkeit (die W\u00f6lfen sitzen regungslos da, schauen auf ihn, aber r\u00fchren sich nicht)\u201c. Und dann deutet er das mittels Umkehrung als \u201eheftigste Bewegung\u201c, n\u00e4mlich Koitus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Marie spricht vom Haupthaar der Amme. Aber nach Freud galt ihr wirkliches Interesse dem Schamhaar. Nur infolge Abwehrmechanismen hat Marie angeblich den Trauminhalt nach oben zum Haupthaar verschoben. F\u00fcr diese Deutung gibt Freud nicht einmal das Minimum von Begr\u00fcndung, wie f\u00fcr die anderen Deutungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In <em>Doras Krankengeschichte<\/em> finden wir ein paralleles Beispiel von Verschiebung. \u201eHerr K.\u201c war der Ehemann der Geliebten von Doras Vater. Als Dora 13 Jahre alt war (nicht 14, wie Freud schreibt), k\u00fcsste sie Herr K. unter Anwendung von Gewalt. Sie k\u00e4mpfte sich frei. K. war drei mal so alt wie sie. Nach dieser Begebenheit hatte Dora ein andauerndes<em> <\/em>Druckgef\u00fchl in ihrer Brust (<em>Bruchst\u00fccke einer Hysterie-Analyse<\/em>, GW\u2011V:187f.\/\u00adSE\u2011VII:29).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenigstens ein Jahr schon <em>vor<\/em> der Kussattacke litt sie an Hustenattacken, die drei bis sechs Wochen anhielten. Ihre beiden Eltern litten an einer Lungenkrankheit, die eine heredit\u00e4re Komponente hat. Die Mutter starb sp\u00e4ter daran. Freud aber zieht die M\u00f6glichkeit einer erblichen, somatischen \u00c4tiologie gar nicht in Betracht. Er beachtet nur, dass der Husten wie sexueller Verkehr rhythmisch ist und wie die Fellatio eine Beziehung zum Mund hat. Auf diese \u00c4hnlichkeiten baut er die Deutung, dass die Hustenattacken durch Doras unbewussten Wunsch verursacht worden waren, am Penis des Herrn K. zu lutschen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freud \u00fcbersieht u.a., dass Herr K. einen starken Druck auf Doras Brustkorb aus\u00fcben musste, um sie an der Flucht zu hindern. K\u00f6nnte sein Druck nicht auch Ursache von dem sein, was Freud wie die Ich-Analytiker \u201eeinen halluzinatorischen Druck\u201c nannten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freud erkl\u00e4rt, Dora habe sich \u00fcber dem Kussangriff unmittelbar in Herrn K. verliebt. Sie h\u00e4tte den Druck seines erigierten Glieds gegen ihren Unterk\u00f6rper gesp\u00fcrt. Sie wagte jedoch nicht, sich ihre Gef\u00fchle einzugestehen. Sie f\u00fcrchtete, Herr K. k\u00f6nnte ihre Vagina ekelhaft finden, weil sie [angeblich!] im Alter von acht Jahre masturbiert hatte. Darum habe sie den gef\u00fchlten Druck \u201evom Unterk\u00f6rper auf den Oberk\u00f6rper\u201c verschoben (GW\u2011V:188\/SE\u2011VII:29).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oben wurde das Zitat des Psychoanalytikers Jules Glenn angef\u00fchrt: <em>\u201eDora, die sich nach diesem Ideal [= Wahrheitsliebe] sehnte, muss Freuds beachtliche Integrit\u00e4t und seine zielbewusste Suche nach Wahrheit in seiner Arbeit, gesch\u00e4tzt haben.\u201c <\/em> (Kursivdruck MS).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Zitat kann nicht unkommentiert bleiben. Es stellt die Wahrheit auf den Kopf. Aber noch so sp\u00e4t wie 1980 hatte die Psychoanalyse eine so starke Stellung, dass Glenn in dieser falschen, propagandistischen Darstellung kein Risiko erkannte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freud wurde w\u00fctend, als Dora die Therapie nach elf Wochen abbrach. Dieser Abbruch war f\u00fcr ihn ein Akt unglaublicher, ihn besch\u00e4digender Bosheit. \u201eWer wie ich <em>die b\u00f6sesten D\u00e4monen<\/em>, die unvollkommen geb\u00e4ndigt in einer menschlichen Brust wohnen, aufweckt, um sie zu bek\u00e4mpfen, muss darauf gefasst sein, dass er in diesem Ringen selbst <em>nicht unbesch\u00e4digt<\/em> bleibe\u201c(GW\u2011V:272\/\u00adSE\u2011VII:109, kursiv MS).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er schrieb und ver\u00f6ffentlichte die Krankengeschichte offensichtlich, um sich zu r\u00e4chen. Er f\u00fchrte viel Information darin an, die f\u00fcr das psychologische Verst\u00e4ndnis bedeutungslos ist, aber sicherstellte, dass Dora von vielen Menschen erkannt wurde. Um sie zu kompromittieren, fabrizierte Freud zum Beispiel, dass sie homosexuell sei &#8211; zu jener Zeit eine extreme Schm\u00e4hung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einer der f\u00fcnf Beweise, die er dazu vorlegte, sieht so aus: \u201eAls Dora bei den K.s wohnte, teilte sie das Schlafzimmer mit der Frau; der Mann wurde ausquartiert.\u201c(GW\u2011V:222\/SE\u2011VII:61)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Beweis ist absurd genug. Es wird aber noch schlimmer, weil Freud eine Reihe von Tatsachen verschweigen, verbergen muss, um seine Behauptungen [scheinbar!] zu begr\u00fcnden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Man kann, was er da verschweigt, jedoch auf anderen Seiten auffinden. Das Ganze spielte sich w\u00e4hrend einer Woche im Sommer 1898 ab. Dora war damals 15 Jahre und acht Monate alt. Sie und ihr Vater waren in das Sommerhaus der Familie K. in den Alpen gefahren. Geplant war, dass Dora den ganzen Sommer dort bleiben und die zwei Kinder der K.s versorgen sollte. Ihr Vater w\u00fcrde nach einer Woche zur\u00fcckfahren. Das Sommerhaus war zu klein, dass sechs Personen darin bequem wohnen konnten. Sowohl Herr K. wie Doras Vater wohnten deshalb in einem Hotel. Sie waren gute Freunde. Sie hatten sich lange nicht gesehen und wussten, dass sie sich nach dieser Woche f\u00fcr Monate nicht wieder treffen w\u00fcrden. Vielleicht hatten sie auch die gleiche Auffassung davon, wie M\u00e4nner ihre Abende verbringen und wann sie schlafen gehen sollten. Das Hotel war auch wegen der halb kaschierten Zusammenk\u00fcnfte von Doras Vater mit Frau K. n\u00f6tig, zu welchen ihr Gatte taktvoll seine Augen verschloss, w\u00e4hrend er die selben Augen auf die F\u00fcnfzehnj\u00e4hrige warf. Gab es eine \u201evern\u00fcnftigere\u201c Ordnung als die, dass Dora und Frau K. das Schlafzimmer teilten?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In <em>Das Unbewusste<\/em> (GW\u2011X:265\/\u00adSE\u2011XIV:166) schreibt Freud dazu: \u201eSie [= die Annahme des Unbewussten] ist notwendig, weil die Daten des Bewusstseins in hohem Grade l\u00fcckenhaft sind sowohl bei Gesunden als bei Kranken.\u201c In Wirklichkeit wiederholt sich immer das selbe Muster: Durch Verbergen offenkundiger Tatsachen muss Freud, um Raum f\u00fcr seine Deutungen zu erhalten, L\u00fccken <em>schaffen<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kapitel VI <\/strong><\/p>\n<p><strong>Das Prinzip der kausalen \u00c4hnlichkeit<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Offensichtlich sind die Aussagen Freuds und seiner Nachfolger dar\u00fcber, wie sie ihre Deutungen konstruieren, absichtlich falsch. Ist es aber m\u00f6glich, die Regeln aufzufinden und explizit zu formulieren, die sie wirklich anwendeten? Nun, in <em>The Non-Authentic Nature of Freud\u2019s Observations<\/em>, 1993, Band II, Kap. 36, habe ich sieben dieser Regeln und Grunds\u00e4tze herausgearbeitet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nur der erste soll hier n\u00e4her dargestellt werden. <em>Das Prinzip der (kausalen) \u00c4hnlichkeit<\/em> besagt, dass eine <em>\u00c4hnlichkeit zwischen Ursache und Wirkung vorliegt.<\/em> Will man die Ursache eines Symptoms (oder irgendeines Ph\u00e4nomens) aufdecken, muss man eine Begebenheit finden <em>oder erfinden<\/em>, die dem Symptom (oder des Ph\u00e4nomens) \u00e4hnelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Prinzip ist keine psychoanalytische Innovation. Freud hat es aus mythologischem Denken und traditionellem Aberglauben \u00fcbernommen. Man kann aus den letzen 2000 Jahren willk\u00fcrlich viele Beispiele angeben. Die drei folgenden Beispiele sind aus Schriften genommen, die seinerzeit als wissenschaftlich angesehen wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im zw\u00f6lften Jahrhundert schreibt Hildegard von Bingen in <em>\u201eNaturkunde\u201c<\/em> (1959, S.\u00a0125), dass Taubheit geheilt werden kann, wenn man das noch warme Ohr eines L\u00f6wen auf das taube Ohr eines Menschen legt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1621 erkl\u00e4rt Robert Burton in <em>Anatomy of Melancholy<\/em> (1927, S. 187), die Ursache der Hasenscharte sei, dass die Mutter vor einem Hasen erschrak.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201ePsychische Heilkunde\u201c<\/em> (I\u2011II, 1817\u20111818) war seinerzeit ein sehr gesch\u00e4tztes Fach- und Lehrbuch. Im Kapitel <em>Von dem Einflusse der Phantasie der Mutter auf die K\u00f6rperbildung der Leibesfrucht<\/em> schreibt Albert Matthias Vering (Band I, S. 42) von einer Frau, die ein Kind ohne Arme gebar, und erkl\u00e4rt es damit, dass sie w\u00e4hrend der Schwangerschaft vor einem Bettler ohne Arme erschrak. Vering spricht von der \u201eMenge der Beobachtungen, welche in den Werken so vieler gro\u00dfer und glaubw\u00fcrdiger M\u00e4nner \u00e4lterer und neurer Zeit [&#8230;] aufgezeichnet sind\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um 1890 war das Prinzip der \u00c4hnlichkeit in dem Hintergrund gedr\u00e4ngt worden. Dann aber wurde es von Freud wieder aufgenommen und zu einem Grundstein der Psychoanalyse entwickelt. Es bekam so zu erneuter wissenschaftlicher Respektabilit\u00e4t.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>S\u00e4mtliche psychoanalytischen Deutungen korrespondieren mit diesem Prinzip. Husten, Ekzem um den Mund und eine kleine Geschichte namens \u201eDer Mundbleistift\u201c \u201esind\u201c durch wirkliche oder phantasierte Fellatio verursacht. Noch einmal stehen wir vor Deutungen, die nur durch Dazukommen eines ganz wundersamen Zufalls zutreffen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Prinzip der \u00c4hnlichkeit und die Ausdeutung isolierter Details ohne Ber\u00fccksichtigung der Zusammenh\u00e4nge passen gut zu einander.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kapitel VII <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201cDie riesige Menge von Beobachtungen\u201d im \u201edritten Verf\u00fchrungsartikel\u201c <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kapitel III war der Frage gewidmet, ob sich die Deutungen Freuds in Bonapartes Fall wirklich auf sehr viele Beobachtungen st\u00fctzen, d.h. ob sie mit Hartmanns Behauptung in Tabelle (B\u20112) \u00fcbereinstimmen. Nirgendwo hat Freud aber nachdr\u00fccklicher die riesige Menge von Beobachtungen beteuert, als im \u201edritten Verf\u00fchrungsartikel\u201c (s.u.). Wir werden jetzt genauer untersuchen, ob das stimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das oben angef\u00fchrte Zitat von Ford &amp; Urban (Kap.1) stimmt mit Hartmanns Behauptungen \u00fcberein, nach denen Freuds Schriften angeblich zeigen, dass er<\/p>\n<p>(a)\u00a0\u00a0\u00a0 ein \u00fcberzeugter Empiriker und ein gl\u00e4nzender Beobachter war, der<\/p>\n<p>(b)\u00a0\u00a0 umfassende und richtige Beobachtungen machte und<\/p>\n<p>(c)\u00a0\u00a0\u00a0 dessen Theorie auf empirisch gest\u00fctzten Regularit\u00e4ten aufbaut.<\/p>\n<p>Angeblich wird das aus seinem dritten Verf\u00fchrungsartikel und aus seinen Krankengeschichten ersichtlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freuds sogenannte drei Verf\u00fchrungsartikel wurden alle 1896 ver\u00f6ffentlicht:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der erste hei\u00dft: <em> Weitere Bemerkungen \u00fcber die Abwehr-Neuropsychosen.<\/em> (GW\u2011I:\u00ad377-403)<\/p>\n<p>Der zweite wurde auf franz\u00f6sisch abgefasst und steht, nicht \u00fcbersetzt, in Gesammelte Werke: <em> L&#8217;H\u00e9r\u00e9dit\u00e9 et l&#8217;\u00e9tiologie des N\u00e9vroses.<\/em> (GW\u2011I:405\u2011422). In the Standard Edition steht er in englischer \u00dcbersetzung: <em>Heredity and the Aetiology of the Neuroses.<\/em> (SE\u2011III:141\u2011156)<\/p>\n<p>Der dritte Verf\u00fchrungsartikel hei\u00dft: <em> Zur \u00c4tiologie der Hysterie.<\/em> (GW\u2011I:423\u2011459). Er breitet Freuds \u201eVerf\u00fchrungstheorie\u201c aus und erkl\u00e4rt sie als umfassende Erkl\u00e4rung dieser psychischen, psycho-somatischen St\u00f6rung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der dritte Verf\u00fchrungsartikel ist auch in <em>The Assault on Truth<\/em> von Jeffrey Masson (1984) als Anhang aufgef\u00fchrt. Dieses Buch wurde in viele Sprachen \u00fcbersetzt. Millionen haben es gelesen. W\u00e4hrend der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts wurde die Verf\u00fchrungstheorie sowohl in der akademischen Welt wie in den Massenmedien st\u00e4ndig debattiert. Alle Diskutanten stimmten darin \u00fcberein, dass Freuds fr\u00fche Patienten ganz von selbst von sexuellen \u00dcbergriffen erz\u00e4hlten. Nur in einem Punkt waren sie uneinig. Manche meinten, dass Freud leichtgl\u00e4ubig war, als er anfangs diese Erz\u00e4hlungen glaubte. Andere meinten, er sei, als er sp\u00e4ter die Erz\u00e4hlungen als Phantasien verwarf, feige gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie Ford &amp; Urban 1963 \u00fcbersahen alle Teilnehmer an diesen Debatten, was Freud in allen drei Verf\u00fchrungsartikeln klar zum Ausdruck brachte, n\u00e4mlich, dass die Patienten \u00fcberhaupt nichts von sexuellen Erlebnissen berichteten. Es war Freuds Deutung, dass sie solche Erlebnisse erfahren hatten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie erw\u00e4hnt, berichtet Freud im Brief vom 3.1.1897 Fliess vertraulich, dass und wie er Deutungen selbst erfand und brutale \u00dcberredungstechniken anwandte, um sie den Patienten aufzuzwingen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ford &amp; Urban plagiierten die Kunstgriffe, die Freud seinen offiziellen Darlegungen zufolge anwandte, als sie schrieben, dass er seine Theorien aus einer Menge von Beobachtungen induktiv ableitete und er sp\u00e4ter seine Theorie nur \u00e4nderte, um die gleichen Beobachtungen besser zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weil das auch viele Leser und Kommentatoren Freuds verkannten, ist es angebracht, diesen dritten Verf\u00fchrungsartikel <em>\u201eZur \u00c4tiologie der Hysterie<\/em>\u201c n\u00e4her zu pr\u00fcfen. Freud versicherte hier, er habe die wahre Ursache der Hysterie entdeckt. Au\u00dferdem habe er die einzig m\u00f6gliche Behandlungsmethode entwickelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Durch einen Trick schaffte es Freud, das fast vollst\u00e4ndige Fehlen klinischer Beobachtungen zu verbergen. Er gab vor zu schwanken, ob er <em>erst<\/em> \u2013 so fragt er in GW\u2011I:439\/SE\u2011III:203 \u201esich selbst\u201c \u2013 sein tats\u00e4chliches Material \u201eausbreiten\u201c oder besser zuerst der \u201eMasse von Einw\u00e4nden und Zweifel [&#8230;] begegnen\u201c und <em>danach<\/em> die Beweise anf\u00fchren solle? Er tut so,<em> <\/em>als sei es ziemlich bedeutungslos, welche Alternative er w\u00e4hlte. Er beginnt mit den Einw\u00e4nden, denn, wie er sagt, wenn die Einw\u00e4nde zerlegt sind, dann k\u00f6nnen wir \u201eum so ruhiger beim Tats\u00e4chlichen verweilen.\u201c Er reiht dann eine Menge von Einw\u00e4nden auf, gibt Pseudo-Antworten darauf und <em>beendet den ganzen Artikel, bevor er irgend etwas zu den Beweisen ausgef\u00fchrt hat! <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Beobachtungen im dritten Verf\u00fchrungsartikel (\u201eZur \u00c4tiologie der Hysterie\u201c) sind ausnahmslos oberfl\u00e4chlich und ohne wirklichen Belang. Auch sind es \u00fcberhaupt nur sehr wenige Beobachtungen. Aber weil sie \u00fcber den ganzen Artikel verstreut sind, schaffen es viele Leser nicht, ihrer Seltenheit, ihrer Banalit\u00e4t und ihrer mangelnden Beweiskraft gewahr zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Deshalb ist es kein unn\u00f6tiger methodischer Kniff, den in dem Artikel angef\u00fchrten zw\u00f6lf weiblichen und den sechs m\u00e4nnlichen Patienten \u2013 Freud st\u00fctzte die G\u00fcltigkeit seiner Verf\u00fchrungstheorie just auf sie \u2013 einmal Namen zu geben und s\u00e4mtliche Beobachtungen und Deutungen \u00fcber jeden Patienten so in getrennten Biographien zusammenzustellen und sie so besser verfolgbar zu machen. Ich habe die erfundenen Namen alphabetisch angeordnet: <strong>A<\/strong>lice, <strong>B<\/strong>eatrice, <strong>C<\/strong>hristina, <strong>D<\/strong>esir\u00e9e, <strong>E<\/strong>lsa, <strong>F<\/strong>lorence u.s.w., <strong>M<\/strong>ichael, <strong>N<\/strong>athan, <strong>O<\/strong>tto u.s.w.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Merken wir uns, dass die aller umfassendste Biographie zu \u201eAlice\u201c geh\u00f6rt. Und im Fall von Alice sieht die Unmenge der Tatsachen und Schl\u00fcsse so aus:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><span style=\"text-decoration: underline;\"> Symptome:<\/span><\/em> \u201eHauptsymptome der Neurose\u201c waren \u201eeigent\u00fcmliche schmerzhafte Empfindungen in den Genitalien\u201c und Selbstvorwurfe, weil sie das Verhalten des Knaben w\u00e4hrend der ausl\u00f6senden Begebenheit geduldet hatte.<\/p>\n<p><em><span style=\"text-decoration: underline;\"> Ausl\u00f6sung des Symptoms:<\/span><\/em> [&#8230;] \u201eein ihr befreundeter Knabe streichelte z\u00e4rtlich ihre Hand\u201c und dr\u00e4ngte \u201eseinen Unterschenkel an ihr Kleid\u201c, w\u00e4hrend sie nebeneinander bei Tische sa\u00dfen, wobei \u201eseine Miene sie erraten lie\u00df, es handle sich um etwas Unerlaubtes\u201c. Alice hat sich \u201edie entsetzlichen Vorw\u00fcrfe macht, weil sie [das] geduldet\u201c hat.<\/p>\n<p><em><span style=\"text-decoration: underline;\"> Alter bei der Ausl\u00f6sung:<\/span><\/em> Pubert\u00e4t. Alice war eine junge Dame.<\/p>\n<p><em><span style=\"text-decoration: underline;\"> Urspr\u00fcngliche kausale Begebenheit:<\/span><\/em> [\u00dcberhaupt keine Information.] [F\u00fcr eine <em>kausale <\/em>Begebenheit ist es eine Grundbedingung, dass sie sich im Alter von zwei bis vier Jahren abspielten. Sp\u00e4tere Erfahrungen k\u00f6nnen ein Symptom <em>ausl\u00f6sen<\/em>, aber es nicht <em> verursachen<\/em>.]<\/p>\n<p><em><span style=\"text-decoration: underline;\"> Weitere Bemerkungen:<\/span><\/em> Freud sagt explizit, dass die urs\u00e4chliche Begebenheit \u201emit so viel M\u00fche\u201c \u201eaus dem Erinnerungsmateriale\u201c \u201eentdeckt und herausgezogen\u201c wurde. Die Patienten berichteten, schreibt er, nicht \u201espontan\u201c von ihren sexuellen Erlebnissen, sondern die \u201eErinnerungen\u201c wurden \u201eSt\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck\u201c, \u201eunter dem kraftvollsten Druck des analytischen Verfahrens und gegen einen enormen Widerstand\u201c gewonnen.<\/p>\n<p>(GW\u2011I:436, 437, 418, 455\/\u00adSE\u2011II:200f., 217f., 153, 217)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese klinischen Daten stehen in <em>Zur \u00c4tiologie der Hysterie<\/em> verstreut an vier unterschiedlichen Stellen. Ich habe in <em>The Non-Authentic Nature of Freud\u2019s Observations<\/em>, 1993, Band I, Ss. 137\u2011139, s\u00e4mtliche Daten aller Patienten zusammengestellt. Hier wird ersichtlich, dass Freud von 11 der 18 Patienten au\u00dfer \u00fcber deren Geschlecht \u00fcberhaupt keine Informationen gab. Eigentlich ist es noch schlimmer. Denn es ist aus Freuds Artikel auch unm\u00f6glich zu erkennen, ob Alice und Beatrice die gleichen Personen sind wie Desir\u00e9e und Elsa. Falls sie identisch sind, gibt es \u00fcber 13 Patienten \u00fcberhaupt keine Information.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der zentralste Bestandteil von Freuds Theorie ist das Postulat eines Zusammenhangs zwischen den gegenw\u00e4rtigen Symptomen und den [angeblichen] kausalen Erlebnissen im Alter von zwei bis vier Jahren. Sehr merkw\u00fcrdig ist da, dass nur von zwei Patienten (Florence und Michael) sowohl die Symptome wie die kausale Begebenheit erw\u00e4hnt werden. Wie man aber aus der Biographie von Alice sieht, r\u00e4umte Freud ein, dass er alle Begebenheiten konstruierte. Die Patienten erinnerten sie nicht. Aus anderen Quellen, etwa Freuds Briefen an Fliess, wissen wir auch, dass kein Patient ein sexuelles Ereignis aus der Kindheit erinnerte \u2013 und dass auch kein Patient geheilt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Felix Gattel<\/em> war Psychiater in Berlin. Er scheint der erste Berufsvertreter gewesen zu sein, den Freud in seiner Methode ausbildete. 1897 kam Gattel nach Wien, um zu lernen, wie man Patienten psychoanalysiert. In Krafft-Ebings Sexualklinik untersuchte er auch aufeinander folgend 100 Patienten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Richard von Krafft-Ebing ist vor allem durch sein bahnbrechendes Buch <em> Psychopathia sexualis<\/em> (1886) bekannt, in welchem er auf Grund von Krankengeschichten sexuelle Abnormit\u00e4ten, aber auch Geschehen wie klitorischen Orgasmus und weiblichen Genuss beschrieb. Bis zu seinem Tod 1902 erschienen zw\u00f6lf Ausgaben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gattel ver\u00f6ffentlichte alle hundert Biographien in einem Buch <em>\u00dcber die sexuellen Ursachen der Neurasthenie und Angstneurose<\/em> (1898). In <em> The Non-Authentic Nature of Freud\u2019s Observations<\/em>, Band II habe ich in den Kapiteln 38\u201143 s\u00e4mtliche Biographien methodisch, gr\u00fcndlich analysiert. Auch sind alle Biographien von Patienten, denen Gattel die Diagnose \u201eHysterie\u201c gab, und zudem das Protokoll einer (1897 ausgef\u00fchrten) psychoanalytischen Behandlung wiedergegeben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele gravierende Irrt\u00fcmer scheinen da auf. Einige sollen vorgestellt werden. An sich ist Gattel nicht wichtig. Wichtig ist Freuds Reaktion auf seine Theorien und Resultate. Sie gibt bedeutsame Auskunft \u00fcber die Natur von Freuds eigener Forschung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gegensatz zu Freud kann Gattel aber nicht verd\u00e4chtigt werden, Beobachtungen fabriziert zu haben. Seine Beobachtungen sind auch nicht ganz so trivial wie die Freuds. Gattel zieht jedoch, wenn ein Patient je masturbierte, direkt den Schluss, dass Masturbation die Ursache seiner Krankheit sei. Er k\u00fcmmert sich nicht darum, ob die Symptome viele Jahre vor der Masturbation auftauchten oder viele Jahre nach deren Ende. Er fand auch eine erstaunliche Korrelation zwischen Masturbation und Magenbeschwerden. Wir wissen, dass es eine solche Beziehung nicht gibt und m\u00fcssen so f\u00fcr letztere andere Erkl\u00e4rungen annehmen. Gattel fragte Patienten, die masturbierten oder angaben, masturbiert zu haben, viel <em>h\u00e4ufiger <\/em>als andere nach Magenbeschwerden. Oder er fragte Patienten mit Magenbeschwerden viel <em>h\u00e4ufiger<\/em> als andere nach Masturbation. Oder beides. Wenn aber Masturbation vorlag, war seine Diagnose immer \u201cNeurasthenie\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn der Patient \u201ekein Geschlechtsleben\u201c hatte, zog Gattel immer den Schluss, seine sexuelle Abstinenz sei die Krankheitsursache. Die Diagnose war dann immer \u201eAngstneurose\u201c. Gab es aber Perioden mit Masturbation und andere Perioden mit v\u00f6lliger Abstinenz, sah er die Krankheit als gemeinsame Wirkung beider an und seine Diagnose war sowohl \u201eAngstneurose\u201d wie \u201cNeurasthenie\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cHysterie\u201d aber ist die Wirkung fr\u00fcher sexueller Erlebnisse. Mit wenigen Ausnahmen erw\u00e4hnte Gattel als einzig relevante Erlebnisse Erektionen, sexuelle Tr\u00e4ume oder n\u00e4chtliche Samenerg\u00fcsse, die der Patient \u201ein fr\u00fchem Alter\u201c hatte. Es ist nicht erkennbar, welches Alter Gattel als \u201efr\u00fch\u201c ansah. Da er aber einmal einen Achtj\u00e4hrigen als <em>kleines<\/em> Kind bezeichnet, hatten seine hysterischen Patienten vielleicht keine ganz ungew\u00f6hnlichen Erfahrungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein einziger Patient war von einem 15-jahrigen M\u00e4dchen verf\u00fchrt worden, als er drei Jahre alt war. Gattel sah eine kausale Erfahrung auch darin, dass ein vierj\u00e4hriger Knabe an die Geschlechtsteile eines nur wenig \u00e4lteren M\u00e4dchens gegriffen hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Diagnose \u201cHysterie\u201d stellte Gattel stillschweigend in zwei weiteren Fallkategorien, n\u00e4mlich jedes Mal,<\/p>\n<p>(a)\u00a0\u00a0\u00a0 wenn der Patient <em>viele Symptome hatte<\/em>; und jedes Mal,<\/p>\n<p>(b)\u00a0\u00a0 wenn der Patient <em>einen physischen Unfall erlebt hatte<\/em>, aber <em>keine nachfolgenden physische Sch\u00e4den gefunden werden konnten<\/em>.<\/p>\n<p>Hier sollte man sich merken, dass trotz unstrittig enormer Vorschritte der Neurologie w\u00e4hrend der letzten hundert Jahre auch heute posttraumatisch noch lange nicht alle physischen Sch\u00e4den entdeckt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt auch in Gattels Biographien letztlich sehr wenige Details. Den folgenden Fall findet man auf S. 30f.:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Johanna K., Verk\u00e4uferin.<\/p>\n<p><em> Alter:<\/em> 20.<\/p>\n<p><em> Dauer der Krankheit:<\/em> 8 Jahre.<em> <\/em><\/p>\n<p><em> Heredit\u00e4t und fr\u00fchere Erkrankungen:<\/em> Vor 8 Jahren Sturz auf den Kopf.<\/p>\n<p><em> Subjektive Beschwerden:<\/em> Schlaflosigkeit, Kopfschmerz, allgemeine Angst.<\/p>\n<p><em> Somatischer Befund:<\/em> Keiner.<\/p>\n<p><em> Sexualbeziehungen:<\/em> Menstruation bei 13, fr\u00fche Entwicklung oder Vorkommen von Br\u00fcsten und Schamgegend, sexuelle Tr\u00e4ume und h\u00e4ufige sexuelle Erregung beim Anblick von M\u00e4nnern. Nicht m\u00f6glich herauszufinden, ob sexuelle Erlebnisse in ihrer fr\u00fchen Kindheit vorliegen.<\/p>\n<p><em> Diagnose<\/em>: Hy.? An. [= Hysterie? Angst Neurose]<\/p>\n<p>(Layout MS)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Symptome fingen also mit 12 Jahren an, ein Jahr vor der ersten Menstruation. Gattels Schluss ist nichtsdestoweniger, dass sexuelle Abstinenz die erstrangige Ursache der Beschwerden war. Das Fragezeichen nach \u201eHy.\u201c bedeutet, dass der Sturz auf den Kopf m\u00f6glicherweise eine sekund\u00e4re Ursache war: ein physischer Unfall, der keinen physischen Schaden hinterlie\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freud sch\u00e4tzte Gattels Biographien au\u00dferordentlich. Er lud ihn zu einem Ferienaufenthalt in Italien ein. Er erwartete aber auch, dass er als Mitverfasser von Gattels Buch genannt w\u00fcrde. Als das nicht geschah, wurde er sehr zornig. <em> Er beschuldigte Gattel des Plagiats.<\/em> In einem noch nicht ver\u00f6ffentlichten Brief unbekannten Datums schrieb Freud: \u201cEs ist f\u00fcr mich sehr \u00e4rgerlich, ihm zu sagen, dass, selbst wenn er diese Sachen weiter verfolgt h\u00e4tte, er sie m\u00f6glicherweise nicht als seine eigene Arbeit ver\u00f6ffentlichen k\u00f6nnte &#8211;\u00a0 It is very distressing for me to tell him that even if he had pursued these matters further, he cannot possibly publish them as his own work.\u201d (Hier zitiert nach Sulloway: <em> Freud \u2013 Biologist of Mind<\/em>, 1979, S. 515, r\u00fcck\u00fcbersetzt). Sulloway f\u00fchrt auch Fliess\u2019 Zeugnis an, dass Freud Gattel als Plagiator ansah.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Nach Freuds Auffassung waren Biographien wie die von Johanna K. Plagiate seiner eigenen Entdeckungen. Diese Beurteilung gibt unzweideutige Information \u00fcber die Natur von Freuds eigenen Beobachtungen sowohl 1896 als auch sp\u00e4ter. Es sind extrem wenige, extrem \u00e4u\u00dferliche, banale und ohne jeden Beweiswert. Wenn Freud meint, seine Schl\u00fcsse (Deutungen) w\u00fcrden von solchen Beobachtungen best\u00e4tigt, beweist er schlechte Urteilskraft. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Andere Umst\u00e4nde verraten dies ebenso. Am 15.02.1901, also sechs Jahre sp\u00e4ter, schreibt Freud an Wilhelm Fliess:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201c&#8230; Das dritte, was ich begonnen, ist <em>etwas ganz Harmloses; die reine Wasserkocherei der armen Leute<\/em>. Ich sammelte die Notizen \u00fcber die Neurotiker in der Ordination, um zu zeigen, was eine <em>notwendig fl\u00fcchtige Beobachtung<\/em> von den Beziehungen zwischen Vita sexualis und Neurose enth\u00fcllt, und um Bemerkungen daran zu kn\u00fcpfen. <em>Also etwa dasselbe, womit sich Gattl seinerzeit so unbeliebt in Wien gemacht hat.<\/em> Da &#8230; die Ordination sehr sp\u00e4rlich geht, habe ich bis jetzt erst sechs Nummern [&#8230;] beisammen [&#8230;]\u201d (kursiv MS, Freuds fehlerhafte Buchstabierung von Gattels Namen)<\/p>\n<p>J. M. Masson, Sigmund Freud, Briefe an Wilhelm Fliess, 1999, Ss. 480<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Falls Freud 1896 die Wahrheit berichtete, h\u00e4tte er schon zu dieser Zeit seine Beobachtungen gesammelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er stellte aber 1896 die Art der (angeblichen und selbst gesammelten) Erinnerungen <em>auch <\/em>dar als \u201eSzene, die\u201c der Kranke \u201emit allen zu ihr geh\u00f6rigen Empfindungen zu durchleben schien\u201c (GW\u2011I:441\/\u00adSE\u2011III:205). Was Gattel von Johanna K. und den anderen Patienten berichtet und was er, Freud, in o.g. Zitat selbst berichtet, ist aber weder Szene, noch Durchleben, noch eine Zustand mit allen zu der Szene geh\u00f6rigen Empfindungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kapitel VIII <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Die \u201eBest\u00e4tigungen\u201c von Deutungen in \u201eZur \u00c4tiologie der Hysterie\u201c, einige L\u00fcgentechniken und L\u00fcgenindikatoren<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vorgeblich erhielt Freud \u201eeinen wirklich unantastbaren Beweis f\u00fcr die Echtheit der sexuellen Kindererlebnisse\u201c dadurch, dass au\u00dfenstehende Personen die Realit\u00e4t dieser Begebenheiten bez\u00fcglich zweier Patienten, n\u00e4mlich Christinas und Desir\u00e9es, bezeugten (GW\u2011I:442f.\/\u00adSE\u2011III:206). Der entscheidende Punkt ist hier, dass seine Darstellung \u201eL\u00fcgenindikatoren\u201c beinhaltet, bez\u00fcglich Desir\u00e9es sehr starke Indikatoren. (In den folgenden Zitaten werde ich kursiven Druck zur Verdeutlichung einf\u00fcgen.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vorgeblich erz\u00e4hlte Christinas Bruder Freud <em>\u201ewenigstens\u201c<\/em> [!] <em>Sexualerlebnisse<\/em> mit ihr, <em>jedoch \u201enicht die fr\u00fchesten\u201c<\/em> [!] Selbst wenn das wahr w\u00e4re, berichtete er also weder <em> urs\u00e4chliche<\/em> noch <em>verdr\u00e4ngte<\/em> noch <em>wiederaufgedeckte<\/em> Erlebnisse, wie Freud sie <em> wiederaufgedeckt zu haben vorgab<\/em>. Auch wird nichts \u00fcber <em>die Art<\/em> der Erlebnisse gesagt. Der Bruder berichtete bestenfalls von <em> anderen<\/em> Erlebnissen aus der <em>\u201esp\u00e4teren Kindheit\u201c<\/em> der Schwester.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anderswo (GW\u2011I:449\/\u00adSE\u2011III:212) schreibt Freud, dass infolge seiner klinischen Erfahrung, sexuelle Erlebnisse nach dem Alter von acht Jahren keine psychische Schaden bewirken k\u00f6nnten. Was aber meint Freud, wenn er von der \u201esp\u00e4teren Kindheit\u201c spricht? Das Problem ist die Authentizit\u00e4t und die kausale Bedeutung von Erlebnissen im Alter von zwei bis vier Jahren. Was der Bruder \u201ebest\u00e4tigte\u201c, muss also v\u00f6llig irrelevant sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Bruder best\u00e4tigte <em>\u201edie Tatsache\u201c<\/em> [!] von <em>\u201eweiter zur\u00fcckgreifenden<\/em> [!] sexuellen Beziehungen\u201c. [Warum spricht Freud von \u201ezur\u00fcckgreifenden\u201c und nicht von \u201ezur\u00fcckliegenden\u201c?] Anderswo (GW\u2011I:435\/\u00adSE\u2011III:199) behauptet Freud, er habe s\u00e4mtliche verdr\u00e4ngten und kausalen Erlebnisse wiederaufgedeckt. <em>W\u00fcrde er solch irrelevante <\/em> (kausal nach seiner eigenen Theorie nichts beweisende)<em> Beweise anf\u00fchren, wenn er wirklich sexuelle Erlebnisse aufgedeckt h\u00e4tte, bei denen der Bruder eine Rolle spielte?<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu den <em> klassischen L\u00fcgentechniken<\/em> geh\u00f6rt, unbestimmte, unbestimmbare Formulierungen zu ben\u00fctzen, die kaum etwas aussagen. Denn dadurch verpflichtet sich der L\u00fcgner eigentlich zu nichts und seine Darstellung ist immun gegen Einw\u00e4nde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenden wir uns jetzt Desir\u00e9e zu, der anderen Patientin, f\u00fcr die Freud vorgab, durch das Zeugnis von au\u00dfenstehenden Personen die Best\u00e4tigung sexueller Kindheitserlebnisse erhalten zu haben (GW\u2011I:442f.\/\u00adSE\u2011III:206). Merken wir uns, dass Freud solche Best\u00e4tigungen von <em>zwei Patienten insgesamt<\/em> erhielt, dass Christina die eine Patientin war und dass es folglich <em>Raum nur f\u00fcr einen weiteren Patienten au\u00dfer Christina gibt.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Desir\u00e9e und Else hatten an derselben Begebenheit teilgenommen. Der dritte Teilnehmer wird als <em> \u201cdie n\u00e4mliche m\u00e4nnliche Person\u201d<\/em> beschrieben. Dieser Ausdruck \u2013 nicht geradeaus ein Mann, sondern eine Person m\u00e4nnlichen Geschlechts \u2013 ist eigenartig. Es scheint, dass Freud etwas verbergen wollte und deshalb unbestimmt lie\u00df, ob dieser Teilnehmer ein Kind oder ein Erwachsener war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sowohl Desir\u00e9e wie Elsa waren Freuds Patienten. Desir\u00e9e hat [angeblich] von einer sexuellen Begebenheit berichtet, die sie und Elsa und \u201ceine m\u00e4nnliche Person\u201d einschloss. Elsa hat [angeblich] von der selben Begebenheit berichtet. Elsa hat dadurch Desir\u00e9es Erz\u00e4hlung best\u00e4tigt. Und damit hat Freud die Best\u00e4tigung von Desir\u00e9es Erz\u00e4hlung gewonnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nun gut. Aber <em> falls beide Patientinnen von der selben Begebenheit erz\u00e4hlten, dann hat nicht nur Elsa Desir\u00e9es Bericht best\u00e4tigt, sondern Desir\u00e9e hat zugleich Elsas Bericht best\u00e4tigt. Es ist logisch notwendig, dass beide Patientinnen beide Berichte gegenseitig best\u00e4tigten.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Und genau das ist es, was Freud \u00fcbersieht. Er glaubt, dass in dieser Situation Elsa Desir\u00e9es Erz\u00e4hlung best\u00e4tigen k\u00f6nnte, ohne dass Desiree zugleich Elsas Erz\u00e4hlung best\u00e4tigte. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Sehr viele Menschen, auch sehr viele L\u00fcgner, sind mit den kleinsten, unauff\u00e4lligen Z\u00fcgen der Wirklichkeit nicht vertraut genug. Unter anderem sehen sie an den Details vorbei, die noch hinzukommen w\u00fcrden, wenn ihre Kernbehauptung zutr\u00e4fe. Meistens sind sie nicht in der Lage, die vollst\u00e4ndige Situation zu erfinden, die wahr sein k\u00f6nnte.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Freuds Kernl\u00fcge ist, dass Desir\u00e9es Bericht best\u00e4tigt wurde. Aber er hat nicht vor Augen, dass diese Kernl\u00fcge impliziert, dass die Berichte beider Patientinnen sich gegenseitig best\u00e4tigen w\u00fcrden. Er m\u00fcsste folglich Best\u00e4tigung au\u00dfer von Christina von zwei Patienten, d.h. insgesamt von drei Patienten, erhalten haben. <\/em><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><em>Freud w\u00fcrde nicht einen so wirklichkeitsfremden Fehler gemacht haben, h\u00e4tte er an reale Berichte gedacht, die reale Patienten erz\u00e4hlt hatten.<\/em> Der vorliegende Fehler beweist, dass er konfabulierte, ohne authentische Umst\u00e4nde bedacht zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unz\u00e4hlige Freud-Leser haben diesen Fehler offensichtlich nie bemerkt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiter: Steht irgendwo in Freuds Text, dass alle achtzehn Patienten, oder wenigstens einer von ihnen geheilt wurden? Nirgendwo steht das. Statt dessen \u00fcberl\u00e4sst uns Freud die folgenden drei S\u00e4tze (S\u2011):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>S\u20111\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jedes Symptom jedes der achtzehn Patienten wurde durch ein verdr\u00e4ngtes Erlebnis sexueller Verf\u00fchrung verursacht, das sich im Alter von zwei bis vier Jahren zugetragen hatte. (GW\u2011I:435, 449\/\u00adSE\u2011III:199, 212)<\/p>\n<p>S\u20112\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jedes verdr\u00e4ngte Erlebnis jedes Patienten wurde in Beziehung zu jedem Symptom wieder erinnert. Jeder Patient erinnerte urs\u00e4chliche Erlebnisse aus dem Vorschulalter wieder. (GW\u2011I:448\/\u00adSE\u2011III:211f.)<\/p>\n<p>S\u20113\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Wenn das verdr\u00e4ngte ursachliche Erlebnis wiedererinnert wird, verschwindet das mit diesem Erlebnis verbundenes Symptom. (GW\u2011I:448\/\u00adSE\u2011III:211f.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine logisch notwendige Folge aus diesen drei S\u00e4tzen ist, dass s\u00e4mtliche Symptome bei s\u00e4mtlichen Patienten verschwanden. Jedoch stellt Freud diese logische Implikation ausdr\u00fccklich nie vor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er sagt, dass jedes hysterische Symptom von einem verdr\u00e4ngten Erlebnis aus der Vorschulalter stammt und dass er jedes verdr\u00e4ngte Erlebnis wieder aufdeckte. Nichtsdestoweniger sagt er auf einer anderen Seite folgendes:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>S\u20114\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jeder hysterische Patient hat sowohl Symptome, die aus dem Vorschulalter stammen als auch andere Symptome, die <em>nicht<\/em> aus dem Vorschulalter stammen. (GW\u2011I:449, 451\/\u00adSE\u2011III:212, 214)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Offensichtlich kann sich Freud nicht von einer Seite zur n\u00e4chsten an seine eigenen L\u00fcgen erinnern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir erhalten keine Auskunft dar\u00fcber, wie man die beiden Symptom-Kategorien unterscheiden k\u00f6nnte. Ist die Art der Symptome mit und die ohne infantile Wurzeln v\u00f6llig, teilweise oder niemals dieselbe?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freud denkt in dem \u201edritten Verf\u00fchrungsartikel\u201c nicht an sexuelle \u00dcbergriffe Erwachsener, sondern vor allem an sexuelle Spiele zweier Vorschulkinder. Er berichtet jedoch nicht, wie viele seiner Patienten als Kinder nur \u201eSpiele spielten\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwei Kinder k\u00f6nnen sexuelles Spiel betreiben, ohne dass ein Erwachsener beteiligt ist. Dann ergriff, so Freud, eines der Kinder die Initiative. Er bringt nun zwei Verallgemeinerungen vor, die zwar nur f\u00fcr die Initiatoren gelten sollen, angeblich aber bei seiner <em>ganzen <\/em>Gruppe von achtzehn Patienten best\u00e4tigt wurden. Das ist alles aber unstimmig, ja unm\u00f6glich:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>S\u20115\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Jedes Kinder-Sex-ohne-Erwachsene \u201einitiierende\u201c Kind [<em>also Knaben sowohl als M\u00e4dchen<\/em>] war vordem von einem Erwachsenen verf\u00fchrt worden. (GW\u2011I:452\/\u00adSE\u2011III:215)<\/p>\n<p>S\u20116\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Einige von den Kinder-Sex-ohne-Erwachsene initiierenden <em> Knaben<\/em> waren von Erwachsenen <em>fr\u00fcher<\/em> <em>nicht <\/em> verf\u00fchrt worden. (GW\u2011I:445\/\u00adSE\u2011III:208)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn Freud auch nur einen einzigen Patienten geheilt h\u00e4tte, w\u00e4re sein Einsatz viel gr\u00f6\u00dfer gewesen, als aus all den h\u00f6lzernen Behauptungen in dem dritten Verf\u00fchrungsartikel <em>(Zur \u00c4tiologie der Hysterie) <\/em>erkennbar wird. Dann h\u00e4tte er einen solchen Patienten einigen seiner Kollegen vorstellen k\u00f6nnen. Er h\u00e4tte dokumentarisch die fr\u00fcheren Symptome, das Verschwinden derselben und die Wiedererinnerungen w\u00e4hrend der Behandlung belegen k\u00f6nnen. Insbesondere h\u00e4tte er die enge zeitliche Beziehung zwischen dem Aufkommen der Wiedererinnerungen und dem Verschwinden der Symptome zu belegen vermocht. Manche nehmen den Umstand, dass Freud die Verf\u00fchrungstheorie bald, wenn auch nie vollst\u00e4ndig, aufgab, als Entlastung f\u00fcr ihn. Er ging aber nur von einer L\u00fcge zur n\u00e4chsten \u00fcber. Er blieb ein L\u00fcgner.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist nicht vorstellbar, dass Freud sich dessen nicht bewusst war. Die Tatsache, dass er es, statt einen geheilten Patienten vorzustellen, vorzog, leere Phrasen zu dreschen, kann kaum anders gedeutet werden, als dass keiner der Patienten geheilt wurde, was Freud ja letztlich in den Briefen an seinen Intimus Fliess vertraulich mehrmals auch eingestand\u00a0 (Z\u2011):<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Z\u20111\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201c&#8230;Wenn uns beiden [= Freud und Fliess] <em>noch einige Jahre ruhiger Arbeit verg\u00f6nnt sind<\/em>, werden wir sicherlich etwas hinterlassen, <em>was unsere Existenz rechtfertigen kann.<\/em> In diesem Bewusstsein f\u00fchle ich mich stark gegen alle Sorgen und M\u00fchen des Tages. [\u2026] Ich habe die \u00dcberzeugung, dass ich die Hysterie und Zwangsneurose definitiv heilen kann, gewisse Bedingungen der Person und des Falles zugegeben.\u201d [2.4.1896]<\/p>\n<p>Z\u20112\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u201c&#8230;<em>Gib mir noch zehn Jahre <\/em>und ich mache die Neurosen und die neue Psychologie fertig &#8230;\u201d In dem selben Brief gibt <em>Freud seiner Hoffnung Ausdruck, dass er in einigen Wochen bis Monaten (Ostern 1897) den ersten Patienten seines Lebens geheilt haben werde.<\/em> \u201eVielleicht habe ich bis dahin einen Fall zu Ende gebracht&#8230;\u201c [3.1.1897]<\/p>\n<p>Z\u20113\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Freud erreichte die Heilungen nicht, mit denen er gerechtet hatte. Er ist <em>jetzt <\/em>davon \u00fcberzeugt, dass <em>alles, was verdr\u00e4ngt worden ist, f\u00fcr immer verdr\u00e4ngt bleibt.<\/em> \u201e&#8230;Ich glaube an meine Neurotica nicht mehr &#8230; Die fortgesetzten Entt\u00e4uschungen bei den Versuchen, eine Analyse zum wirklichen Abschluss zu bringen, das Davonlaufen der eine Zeitlang am besten gepackten Leute, das Ausbleiben der vollen Erfolge [&#8230;] Ich k\u00f6nnte mich sehr unzufrieden f\u00fchlen. Die Erwartung des ewigen Nachruhms war so sch\u00f6n&#8230;\u201c [21.9.1897]<\/p>\n<p>(J.M. Masson, Sigmund Freud &#8211; Briefe an Fliess, S. Fischer, 1999, Ss. **190, 231f., 281f., kursiv MS)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Z\u20111 wurde geschrieben neunzehn Tage, bevor Freud am 21.04.1896, 40-j\u00e4hrig, vor dem <em> Verein f\u00fcr Psychiatrie und Neurologie in Wien<\/em> den \u201edritten Verf\u00fchrungsartikel\u201c vortrug. Schon am 05.02.1896 sandte er die beiden ersten Verf\u00fchrungsartikel ab, in welchen er behauptete, dreizehn hysterische Patienten geheilt zu haben. Falls seine Behauptungen \u00fcber therapeutisches Gelingen wahr w\u00e4ren, h\u00e4tte er schon etwas geleistet, was Nachruhm rechtfertigte. Er w\u00fcrde dazu nicht mehr viele weitere Jahre ben\u00f6tigen. In dem privaten Brief aber dr\u00fcckt er nur seine subjektive \u00dcberzeugung aus, dass er <em>unter gewissen Umst\u00e4nden <\/em>Hysterie werde heilen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Z\u20112 und Z\u20113 wurde geschrieben 8\u00bd und 17 Monate nach dem genannten Vortrag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn kein Patient geheilt wurde, musste Freud mit der Gefahr rechnen, dass einige Patienten sp\u00e4ter andere \u00c4rzte aufsuchen w\u00fcrden. Diese w\u00fcrden erkennen, dass sie zu den Patienten geh\u00f6rten, die Freud angeblich vollkommen geheilt hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um einem Aufkommen seiner L\u00fcgen vorzubeugen, baute Freud eine \u201eRettungskonstruktion\u201c in seinen Text ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Eine h\u00e4ufige L\u00fcgentechnik ist, sowohl die wahre wie die falsche Information in der selben Schrift unterzubringen. Die falsche Information kann wiederholt werden und auf ins Auge fallenden Stellen stehen. Bei der wahren Information gen\u00fcgt es, sie nur ein Mal anzuf\u00fchren. Sie kann an verborgener Stelle stehen <\/em><\/p>\n<p><em> (a)\u00a0\u00a0 als Nebenbemerkung bei Behandlung eines anderen Themas; <\/em><\/p>\n<p><em> (b)\u00a0\u00a0 in einem Nebensatz; und <\/em><\/p>\n<p><em> (c)\u00a0\u00a0 in so dunklen Formulierungen, dass die meisten Leser oder Zuh\u00f6rer gar nicht merken, was gesagt wurde. <\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>W\u00fcrde ein Leser die Falschheit der Haupt-Information ausfindig machen und den wahren Stand der Dinge hervorheben, dann kann der Verfasser erwidern, ihn tr\u00e4fe der Einwand nicht. Er selbst habe ja genau dasselbe wie der Kritiker schon gesagt. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freuds Theorie ist, dass jedes hysterische Symptom durch Verdr\u00e4ngung eines im Alter von zwei bis vier Jahre erlebten <em>sexuellen Erlebnisses<\/em> verursacht sei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eWenn Sie [= die Zuh\u00f6rer oder Leser] meine Behauptung, die \u00c4tiologie auch der Hysterie l\u00e4ge im Sexualleben, der strengsten Pr\u00fcfung unterziehen, so erweist sie sich als vertretbar durch die Angabe, dass ich in etwa achtzehn F\u00e4llen von Hysterie diesen Zusammenhang f\u00fcr jedes einzelne Symptom erkennen und, <em> wo es die Verh\u00e4ltnisse gestatteten, durch den therapeutischen Erfolg bekr\u00e4ftigen konnte.<\/em>\u201c (GW\u2011I:435\/\u00adSE\u2011III:199, kursiv MS)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gibt mehr als einen Fehler in diesem Satz. Ich will aber nur einen hervorheben. Gewiss ist Freuds Formulierung auf den ersten Blick sonderbar und schwer verst\u00e4ndlich. Was sagt er eigentlich?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er spricht von seiner Theorie, dem Zusammenhang zwischen Symptomen und kausalen Erlebnissen. Er sagt erst, diese Theorie sei bez\u00fcglich aller achtzehn Patienten best\u00e4tigt worden, sagt aber nichts dar\u00fcber, <em>wie<\/em> sie best\u00e4tigt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Er f\u00fcgt dann aber doch hinzu, dass die Theorie <em>daneben<\/em> in einer bestimmten Weise best\u00e4tigt wurde, n\u00e4mlich durch den <em>aus ihr hervorgehenden <\/em>therapeutischen Erfolg. In dieser Weise wurde die Theorie jedoch nicht f\u00fcr alle achtzehn Patienten best\u00e4tigt, sondern nur, \u201ewo es die Verh\u00e4ltnisse gestatteten\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit anderen Worten: \u201eDie Verh\u00e4ltnisse gestatteten es nicht\u201c, dass die Theorie bez\u00fcglich aller achtzehn Patienten \u201edurch den therapeutischen Erfolg best\u00e4tigt wurde\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das kann nur bedeuten, dass f\u00fcr alle achtzehn Patienten therapeutischer Erfolg nicht vorlag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Freuds eigent\u00fcmliche Formulierungen sind Zeichen eines <em> virtuosen<\/em> L\u00fcgners. Die in ihnen verborgene Information wird sehr wenigen Lesern oder Zuh\u00f6rern auffallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kapitel IX <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201cDie Psychoanalytiker beeinflussen ihre Patienten nicht\u201d <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von den elf Behauptungen Hartmanns in obiger Aufstellung haben wir die ersten sieben widergelegt. Jetzt sind die vier letzten an der Reihe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ihr gemeinsames Thema ist: Die Psychoanalytiker beeinflussen ihre Patienten gar nicht oder kaum. Die psychoanalytische Situation sei (fast) konstant und mit einer experimentellen Situation vergleichbar. Wegen dieser Konstanz k\u00e4men alle Reaktionen des Patienten unabh\u00e4ngig vom Verhalten des Psychoanalytikers zustande und r\u00fchrten ausschlie\u00dfend aus dem Inneren der Patienten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Doktrin der Nicht-Beeinflussung hat u.a. mit der Tatsache zu tun, dass die meisten Patienten letztendlich an die Deutungen der Analytiker glauben. Die Doktrin wurde schon von Freud aufgestellt. Er hat sie 1895, 1896 und 1937 in fast denselben Worten ausgesprochen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cMan \u00fcberzeugt sich dabei mit Erstaunen, dass man nicht imstande ist, dem Kranken \u00fcber die Dinge, die er angeblich nicht weiss, etwas aufzudr\u00e4ngen oder die Ergebnisse der Analyse durch Erregung seiner Erwartung zu beeinflussen. Es ist mir kein einziges Mal gelungen, die Reproduktion der Erinnerungen oder den Zusammenhang der Ereignisse durch meine Vorhersage zu ver\u00e4ndern und zu f\u00e4lschen.\u201d (GW\u2011I:300\/\u00adSE\u2011II:295)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cDass der Arzt dem Kranken derartige Reminiszenzen aufdr\u00e4nge, ihn zu ihrer Vorstellung und Wiedergabe suggeriere, ist weniger bequem zu widerlegen, erscheint mir aber ebenso unhaltbar. Mir ist es noch nie gelungen, einem Kranken eine Szene, die ich erwartete, derart aufzudr\u00e4ngen, dass er sie mit allen zu ihr geh\u00f6rigen Empfindungen zu durchleben schien.\u201d (GW\u2011I:441\/\u00adSE\u2011III:204f.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cDie Gefahr, den Patienten durch Suggestion irre zu f\u00fchren, indem man ihm Dinge \u2019einredet\u2019, an die man selbst glaubt, die er aber nicht annehmen sollte, ist sicherlich ma\u00dflos \u00fcbertrieben worden. Der Analytiker m\u00fcsste sich sehr inkorrekt benommen haben, wenn ihm ein solches Missgeschick zusto\u00dfen k\u00f6nnte; vor allem h\u00e4tte er sich vorzuwerfen, dass er den Patienten nicht zu Wort kommen liess. Ich kann ohne Ruhmredigkeit behaupten, dass ein solcher Missbrauch der \u2019Suggestion\u2019 in meiner T\u00e4tigkeit sich niemals ereignet hat.\u201d (GW\u2011XVI:48f.\/\u00adSE\u2011XXIII:262).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Doktrin ist jedoch v\u00f6llig unvereinbar mit Bonapartes Bericht und Artikel. Das oben angef\u00fchrte Bonaparte-Zitat soll hier mit einem deutlicheren Lay-Out wiederholt werden:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>[a]\u201e<em>Anfangs akzeptierte<\/em> die Patientin diese Deutung ihres Traumes <em>nicht<\/em>; sie [b] <em>reagierte gegen sie sogar heftig<\/em>; aber der Psychoanalytiker [c] <em>fuhr in seiner Behauptung beharrlich fort<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>\u201cThe patient did [a] <em>not at first accept<\/em> this interpretation of her dream, she even [b] <em>reacted violently against<\/em> it, but [c] <em>the analyst persisted in his assertion<\/em>.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Techniken Freuds wie sp\u00e4ter Bonapartes, Zustimmung zu erreichen, unterschieden sich kaum. Auch Hartmann postulierte die Doktrin der Nicht-Beeinflussung und bestand im gleichen Atemzug auf der Indoktrination als einer wissenschaftlichen Methode!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Kapitel X <\/strong><\/p>\n<p><strong> Schlussbemerkungen <\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn ein Mensch oder eine Gruppe von Menschen \u00fcberhaupt keine Beobachtungen, Theorien, Methoden, Ideen, Argumente oder therapeutische Resultate hervorbrachten und es dennoch zu gro\u00dfem Prestige bringen wollen, kann es eine raffinierte, propagandistische Technik sein, sich gro\u00dfer Mengen und der Originalit\u00e4t gemachter Beobachtungen, Theorien, Methoden u.s.w. zu r\u00fchmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Psychoanalytische Beobachtungen wie auch eine psychoanalytische Beobachtungsmethode geben es nicht. In den psychoanalytischen Schriften kommen nur Beobachtungen, Traumbilder und Traumberichte vor, die jedem Laien zug\u00e4nglich sind. Das Verfahren der Psychoanalytiker ist, wenige einfache Tatsachen zur St\u00fctzung f\u00fcr Deutungen auszusuchen, die schon vorher konstruiert worden waren, weil diese Tatsachen sowohl gebraucht als auch<em> missbraucht<\/em> werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Zeit der Ich-Analytiker, d.h. in den 1950er bis 70er Jahren, schien es, dass die Psychoanalyse am leichtesten Prestige gewinnen k\u00f6nnte, wenn sie vorgab, sie habe im Grunde denselben Charakter wie die \u00fcbrigen wissenschaftlich-psychologischen Theorien. Die Ich-Analytiker waren nicht die ersten, die die These fabrizierten, Freud sei ein gl\u00e4nzender Beobachter gewesen; das hatte dieser selbst oft genug behauptet. Die Ich-Analytiker waren aber die Ersten, die erfanden, dass Freud seine Theorien auf dem Boden seiner Beobachtungen induktiv aufgebaut habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwei grunds\u00e4tzliche Einw\u00e4nde werden oft und wurden so auch bei der anfangs vorgestellter Konferenz \u00fcbersehen. <em>Die Deutungen, die da angeblich verifiziert worden waren, waren \u00fcberhaupt nicht aus der psychoanalytischen Theorie abgeleitet worden.<\/em> Auf Grund der Tatsache, dass Bonaparte im Alter von sieben Jahren eine kleine Geschichte mit dem Titel \u201eDer Mund-Bleistift\u201c verfasst hatte, konstruierte Freud die Deutung, dass Bonaparte \u00fcber Fellatio nicht phantasiert, sondern diese Sexualvariante gesehen hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Insofern haben die hier vorgebrachten Deutungen eine verstehbare Beziehung zur Theorie. Es ist kein Fehler der Theorie, dass sie bestimmte Personen nicht identifizieren kann. Dagegen machten Freud, Bonaparte, Jones und Hartmann einen schweren methodologischen Fehler, als sie glaubten und behaupteten, ihre Identifikationen aus den Theorie abgeleitet zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die meisten Teilnehmer oder Leser des Kongress(-Bericht)es haben die aufgestellten konkreten Behauptungen nicht kontrolliert, etwa, dass die Psychoanalyse bessere Voraussagen machen k\u00f6nne als andere psychologische Theorien, die sehr wohl verifiziert sind. Der Hauptgrund kann nur sein, dass viele Leser <em>weder bez\u00fcglich der Gr\u00f6\u00dfe noch der Grobheit der Freudschen L\u00fcgen Verdacht sch\u00f6pften.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-size: x-small;\">\u00a0F\u00fcr seine linguistische Unterst\u00fctzung danke ich dem Herausgeber der deutschen <\/span><\/p>\n<p align=\"center\"><span style=\"font-size: x-small;\">INFC-Site, Herrn Dr. Weinberger.\u00a0\u00a0 Max Scharnberg<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur-Verzeichnis<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bailey, Percival (1965): <em>Sigmund the Unserene. <\/em><em>A Tragedy in Three Acts.<\/em> Springfield, Ill.: Charles C. Thomas.<\/p>\n<p>Bergler, Edmund (1937): [Beitrag in] Symposition on the Theory of Therapeutic Results of Psychoanalysis. <em> International Journal of Psychoanalysis, 18:<\/em> 146-161<\/p>\n<p>Bergler, Edmund (1962): <em> Homosexuality: Disease or Way of Life?<\/em> New York: Collier Books.<\/p>\n<p>Bonaparte, Marie (1945): Notes on the Analytic Discovery of a Primal Scene. <em>The Psychoanalytic Study of the Child, I:<\/em> 119-125.<\/p>\n<p>Burton, Robert (1927): <em>The Anatomy of Melancholy.<\/em> New York: Tudor.<\/p>\n<p>Eissler, Kurt (1965): <em>Medical Orthodoxy and the Future of Psychoanalysis.<\/em> New York: International Universities Press.<\/p>\n<p>Ford, Donald H. &amp; Urban, Hugh B. (1963): <em>Systems of Psychotherapy.<\/em> New York: John Wiley.<\/p>\n<p>Freud, Anna (1931): Psychoanalysis of the Child. Murchison, C. (ed.): <em>Handbook of Child Psychiatry.<\/em> 555-567<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (1941-1973): <em>Gesammelte Werke.<\/em> London: Imago. \/ Frankfurt am Main: S. Fischer.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (1964 or 1986) <em> The Standard Edition of the Complete Psychological Works of.<\/em> (transl.: James Strachey) London: Hogarth.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (GW\u2011I:377-403) = Weitere Bemerkungen \u00fcber die Abwehr-Neuropsychosen.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (GW\u2011I:405-422) = L&#8217;H\u00e9r\u00e9dit\u00e9 et l&#8217;\u00e9tiologie des N\u00e9vroses.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (GW\u2011I:423-459) = Zur \u00c4tiologie der Hysterie.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (GW\u2011I:75-312) = Studien \u00fcber Hysterie.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (GW\u2011V:161-286) = Bruchst\u00fcck einer Hysterie-Analyse.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (GW\u2011X:264-303) = Das Unbewusste.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (GW\u2011XII:27-159) = Aus der Geschichte einer infantilen Neurose.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (GW\u2011XVI:43-56) = Konstruktionen in der Psychoanalyse.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (SE\u2011II) = Studies on Hysteria.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (SE\u2011III:141-156) = Heredity and the Aetiology of the Neuroses.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (SE\u2011III:157-186) = Further Remarks on the Neuro-Psychoses of Defence.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (SE\u2011III:187-222) = The Aetiology of Hysteria.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (SE\u2011VII:1-122) = Fragment of an Analysis of a Case of Hysteria.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (SE\u2011XIV:159-204) = The Unconscious.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (SE\u2011XVII:1-122) = From the History of an Infantile Neurosis.<\/p>\n<p>Freud, Sigmund (SE\u2011XXIII:255-270) = Constructions in Analysis.<\/p>\n<p>Gattel, Felix (1898): <em>\u00dcber die sexuellen Ursachen der Neurasthenie und Angstneurose.<\/em> Berlin: August Hirschwald.<\/p>\n<p>Glenn, Jules (1980): Freud&#8217;s adolescent patients: Katharina, Dora and the &#8218;homosexual woman&#8216;. in: Kanzer, M. &amp; Glenn, J. 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