{"id":47,"date":"2012-04-17T09:32:30","date_gmt":"2012-04-17T09:32:30","guid":{"rendered":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/?p=47"},"modified":"2012-04-23T17:39:28","modified_gmt":"2012-04-23T17:39:28","slug":"erster-schritt-hin-auf-das-verschwinden-der-psychoanalyse-aus-schweden","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/erster-schritt-hin-auf-das-verschwinden-der-psychoanalyse-aus-schweden\/","title":{"rendered":"Erster Schritt hin auf das Verschwinden der Psychoanalyse aus Schweden"},"content":{"rendered":"<p>Max Scharnberg<\/p>\n<p align=\"center\"><strong> <span style=\"font-size: medium;\">Erster Schritt hin auf das Verschwinden der Psychoanalyse aus Schweden<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Bis vor kurzem hatten achtzehn Ausbildungseinrichtungen in Schweden das Recht, den gesch\u00fctzten Titel <em>lizenzierter Psychotherapeut<\/em> an Absolventen ihres Ausbildungsprogramms zu verleihen. Vor rund zehn Jahren wurde jedoch ein Komitee bestellt, das die Qualit\u00e4t dieser Einrichtungen und ihrer Trainigsprogramme pr\u00fcften sollten, um empfehlen zu k\u00f6nnen, ob dieses Recht fortbestehen oder entzogen werden sollte. Sechs Jahre lang wurden die Einrichtungen und Programme beobachtet. Allen Institutionen und Programme, deren Qualit\u00e4t als zu niedrig eingesch\u00e4tzt wurde, bekamen eine Frist von einem Jahr zur Erreichung einer Verbesserung einger\u00e4umt. Unter denen, die diese Atempause zur Verbesserung nicht n\u00fctzten, war die <em>Svenska\u00a0 psychoanalytiska f\u00f6renigen (SPF)<\/em>, die schwedische Sektion der <em>International Psychoanalytic Association (IPA)<\/em>. Da die IPA eine weltweite Organisation ist mit starken internationalen Strukturen, ist es sinnvoll, ein Hauptaugenmerk auf ihre schwedische Sektion\u00a0 zu richten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besagtes Komitee nennt sich selbst \u201eBeurteilungsgruppe\u201c und der Report, den sie vorlegte, hei\u00dft \u201e<em>H\u00f6gskoleverkets rapport 2007:30 R<\/em>\u201c &#8211; H\u00f6gskoleverket auf deutsch: <em>Schwedische Agentur f\u00fcr die h\u00f6here Bildung<\/em>. Die Kritik an der SPF \/ IPA-Ausbildung steht im Report auf den Seiten 142ff.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Psychoanalytiker<\/em> und <em>zertifizierter Psychoanalytiker<\/em> sind in Schweden aber keine gesch\u00fctzten Titel. Die schwedische Sektion der IPA ist nat\u00fcrlich frei, ihre eigenen Regeln f\u00fcr die Bedingungen aufzustellen, unter denen man Mitglied in dieser Organisation werden kann. Es ist jedoch etwas ganz anderes, einem Kandidaten den staatlich gesch\u00fctzten Titel \u201e<em>lizenzsierter Psychotherapeut<\/em>\u201c zu verleihen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als die <em>Beurteilergruppe <\/em>ihre Arbeit aufnahm, war das Ausbildungsprogramm der SPF auf sechs Jahre ausgelegt. W\u00e4hrend der ersten drei Jahre studierten die Teilnehmer ausschlie\u00dflich Psychoanalyse. Sie konnten aber auch mit dem vierten Jahr beginnen. Wenn sie die Kriterien nach dem 6. Jahr am Ende erf\u00fcllten, konnten sie \u201e<em>lizenzierte Psychotherapeuten<\/em>\u201c werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hier sah die <em>Beurteilergruppe<\/em> die erste Anomalie. \u201e<em>Ein gro\u00dfer Teil der Bewerber, die (zur Ausbildung) zugelassen wurden, waren vor der Zulassung bereits \u201alizenzierte Psychotherapeuten\u2019, <\/em>(acht etwa von den zwanzig 2003 und 2005 zur Ausbildung Zugelassenen).\u201c Wenn es das Ziel der Ausbildung ist, die Studenten zu <em>lizenzierten Psychotherapeuten <\/em>zu machen, ist es verwunderlich, Bewerber anzunehmen, die diese Lizenz bereits haben. Oder in den Worten der <em>Beurteilergruppe<\/em>: \u201e<em>Nachdem es das Ziel der Ausbildung ist, die Studenten zum Ablegen des Psychotherapeuten-Examens zu bringen, h\u00e4lt es die Beurteilergruppe f\u00fcr reichlich merkw\u00fcrdig, Personen zuzulassen, die nicht das Ziel haben, dieses Examen zu bestehen<\/em>.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine eigene \u00dcberlegung richtet sich auf die Motivation jener \u201elizenzierten Psychotherapeuten\u201c, die sich f\u00fcr die letzten drei Jahre der SFP\/IPA-Ausbildung bewerben. Schwer vorstellbar ist, da\u00df irgend ein anderes Motiv dahinter stand als ihr Wunsch, damit ein zertifiziertes <em>SFP\/IPA-Mitglied <\/em>zu werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcbliches Vorgehen in der akademischen Welt ist, da\u00df Studenten, die vor ihrer Zulassung schon ein \u00e4quivalentes anderes Training erhalten haben, nicht das gleiche Gebiet wiederholen m\u00fcssen. So mag jemand am <em> K\u00f6niglichen Kolleg der Musik <\/em>zwei Jahre lang Harmonielehre studiert haben und danach einen entsprechenden Kurs an der Universit\u00e4t belegen, in dem das gleiche Ma\u00df an Harmonielehre Thema ist. Dann wird er \u00fcblicherweise von dem nochmaligen Studium der gleichen Sache befreit werden. Im Unterschied dazu praktiziert die SPF\/IPA die Vorschrift, da\u00df nichts, was der Student, die Studentin au\u00dferhalb der IPA ge\u00adlernt hat, irgend einen Nachla\u00df f\u00fcr das einbringt, was er\/sie noch bei ihr zu lernen hat. Das ist die zweite Anomalie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Beurteilergruppe erkl\u00e4rt dann eine dritte Anomalie: \u201eVom Psychotherapieexamen wird angenommen, da\u00df es den\/die Auszubildenden kompetent macht, Psychotherapie im Rahmen der medizinischen Dienstes zu erbringen. Besagter Ausbildungsweg unterscheidet sich (aber) nach sowohl der Form als auch dem Inhalt von (allen) anderen psychotherapeutischen Ausbildungswegen, weil es er, sowohl was die Menge der Unterrichtsstunden, der Supervision und des Literaturstudiums betrifft, viel mehr als die vorherrschenden Normen umfa\u00dft. Eine psychotherapeutische Ausbildung kann nicht akzeptiert werden, bei der die Studenten nur ausgedehnte\u00a0 Psychoanalysen durchf\u00fchren, ohne da\u00df von ihnen gefordert w\u00e4re, da\u00df sie vor Beendigung der Ausbildung auch nur einen Fall wirklich abgeschlossen haben.. Zudem fehlt die Kurzzeit-Therapie, ob\u00adwohl das \u00f6ffentliche Gesundheitswesen just diese anfordert. (Es fehlt auch) eine breitere Diagnostik etwa im Rahmen des DSM- und ICD-Systems.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da diese Assoziation (SPF\/IPA) klein ist, haben die Dozenten verschiedene\u00a0 Rollen gleichzeitig inne, z.B. Dozent und Supervisor und manchmal auch die des Psychoanalytikers des Studenten. Das ist unangemessen und mu\u00df durch die Einstellung von mehr Personal in die Ausbildung wieder ausgeglichen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Ausbildungsvorgang der SFP\/IPA l\u00e4\u00dft in jenen Bereichen zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, die auf der Ebene der Hochschulbildung essentiell sind, z.B. einer offenen Haltung modernen Trends gegen\u00fcber innerhalb der Psychotherapie-Forschung au\u00dferhalb der eigenen Tradition. Hier gibt es keine Verbindung mit irgend einer Art von Forschung. Und obwohl mancher Student\u00a0 bei anderen Institutionen oder Ausbildungsprogrammen etwas gelernt haben mag, werden solche Kenntnisse als null und nichtig angesehen. Sie bringen dem Studenten keine Einsparung an IPA-Unterricht. Dem Prinzip, da\u00df alle Ausbildung auf Universit\u00e4tsniveau in einem kritischen und kreativen Rahmen durchgef\u00fchrt werden mu\u00df, wird nicht Gen\u00fcge getan.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus deckt der Ausbildungsteil, der allgemeine Wissenschaftstheorie betrifft, ein sehr enges Gebiet ab. Allein qualitative Methoden kommen dabei zum Einsatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die <em>Beurteilergruppe <\/em>stellt weiter fest, da\u00df \u201eweil diese Assoziation (SPF\/IPA) klein ist, haben die Dozenten verschiedene\u00a0 Rollen gleichzeitig inne, z.B. die des Dozent und des Supervisors und manchmal auch die des Psychoanalytikers des Studenten. Das ist unangemessen\u2026\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eEin seltsamer Umstand ist auch, da\u00df den Dozenten eine feste Anbindung in ver\u00adtraglich oder \u00e4hnlich festgelegter Form fehlt. Sie werden f\u00fcr jede einzelne Ausbildungsaufgabe speziell bestellt\u2026 Die Studenten bezahlten die Dozenten individuell f\u00fcr jede Stunde, jedes Seminar; jede Supervision, ein Muster, das weder dem Ausbildungsprogramm noch den Studenten Stabi\u00adlit\u00e4t verleiht. Was zum Beispiel passiert, wenn der Student, die Studentin einen Teil der Ausbildung nicht bestanden hat und ihn wiederholen mu\u00df? Es ist sein \/ ihr Recht zu Beginn einer Ausbildung zu wissen, was sie kosten wird.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es nimmt nicht wunder, da\u00df die SFP\/IPA keine Ma\u00dfnahmen auf eine Verbesserung hin ergriffen hat. Infolge dessen hat sie das Recht verloren, den Titel \u201elizenzierte Psychotherapeut\u201c zu verleihen. In Schweden k\u00f6nnen Sie sich nicht l\u00e4nger dem von der SPF\/IPA angebotenen Trainingsprogramm unterziehen und auf dieser Basis die Lizenz zum Psychotherapeuten erwerben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>***<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[8],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=47"}],"version-history":[{"count":3,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":75,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/47\/revisions\/75"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=47"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=47"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.psychiatrie-und-ethik.de\/wpinfcde\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=47"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}