Aktuelles

In dieser Rubrik stehen meist kürzere Mitteilungen und Stellungnahmen zu aktuellen Ereig­nissen, die zwischen den früher meist halbjährlich, jetzt eher jährlich erscheinenden Rundbriefen an­fallen. Da diese Kurzmitteilungen vom Zeitablauf oft rasch überholt sind, werden sie nach kürzerer Zeit gewöhnlich von anderen abgelöst. Was von den aktuellen Ereignissen langfristig festgehalten zu wer­den verdient, wandert dann in den jeweils näch­sten Rundbrief. Meist berichten wir in dieser Rubrik mehr im allgemeinen Zusammenhang psychiatrischer Mißbräuche als etwa zu Einzelfällen. Die jüngsten Einträge werden jeweils rot markiert.

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Am 7.7.2016 fanden Pressekonferenzen zu Vor­fällen im pfälzischen Kinderheim Silz statt, die eine veranstaltet von Trägern und Bediensteten des Heims, die andere, unmittel­bar anschließend, auf Ini­tiative von Andrea Kuwalewsky, deren vier Kinder im November 2013, damals zwischen 12 und fünf Jahren alt, dort acht Monate lang zwangsuntergebracht waren (RB 1/14,4). Eine gerichtlich bestellte Psychologin hatte vordem die damals alleinstehende Frau, eine Polizistin, einer seelischen Erkankung verdächtigt und so die Kindsentziehung gestützt. An ihrer Konferenz nahmen jetzt von Seiten un­serer GEP teil RA Seitz, der sie seinerzeit rechtlich vertrat, sowie Dr. Weinberger, der sie Anfang 2014 psychiatrisch als fit begutachtet hatte.

Weinberger  erfuhr bei dieser Gelegenheit ihm bisher noch unbekannte Details: Als die Kinder im August 2014 nach einem Um­gangstermin mit der Mutter die Rückkehr ins Heim verweigerten und die Heim­­­er­zieher, um sie zu erzwingen, die Polizei riefen, erkannten die Ordnungshüter nach Einsicht in Weinbergers Gut­achten im Gegensatz zum vorher waltenden Familienrichter, welches Spiel da ablief. Sie fanden damit selbst jetzt keinen Grund, Gewalt gegen die Kin­der an­zuwenden und ließen diese mit ihrer Mutter, alle mit Freudentränen in den Augen, nach Hause zurückkehren. Das war das glückliche Ende dieses Dramas.

Frau Kuwalewsky wurde danach noch anderer Übergriffe im Heim ge­wahr und brachte sie zusammen mit ihrem jetzigen Anwalt Michael Langhans und weiteren Zeugen bei dem Termin zur Sprache. Hier ein Bericht des Pfalzexpress über die beiden Konferenzen und die dortigen (unterschiedlichen) Aussagen. Mehrere Medien berichteten, u.a. der SWR. Viele beklagen die Mißstände. In seinem Buch EIN­SPRUCH – Wider die Willkür an deutschen Gerichten schreibt Ex-Bundesminister Blüm: „Den stärk­sten Ab­stieg im Gerichtswesen hat  … das Familiengericht.“ Am psycho-justiziellen System aber prallen alle Klagen ab. Am ehesten kommt Rechtspflege noch durch die Öf­fent­­lich­keit in Gang. Erfreulich jedenfalls, daß einige Menschen, für die wir uns einsetzten, dieses Bemühen ihrerseits in eigener Regie tatkräftig fortsetzen. Da und dort werden wir gemeinsam vielleicht doch Erfolg haben.

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Manche früher schon festgehalte Ausführungen sind es wert,

 auf Dauer auf unserer Webseite zu stehen, so die von Prof. Igor Schafarewitsch, einem russischen Mathematiker und Freund Andrej Sacharows, der in einem Aufruf vom 14.05.1978 gegen die Verhaftung des jüdischen Bürgerrechtlers Alexander Podrabinek und weiter gegen die damals in seinem Land verbreitete Psychiatri­sierung Oppositioneller, gegen ihre Internierung und Behandlung als Geistes­kranke, protestierte – seine Worte standen bereits in unserem Rundbrief 3/78:

Wenn man im Menschen nichts anderes sieht als eine Mischung von sozialen oder biologischen Kräften, dann verlieren die Konzepte von Schuld und Strafe jede Be­deu­­tung, so wie sie bedeutungslos sind, wenn sie gegen eine Maschine angewandt werden. So wie ein kaputter Computer nicht vor Gericht gestellt und nicht bestraft, sondern repariert wird, so ist es notwendig, eine Person zu reparieren, die aufhört nach dem offiziellen Programm zu funktionieren. Für exakt diesen Zweck gibt es psychiatrische Spezialkrankenhäuser.

Diese Schlußfolgerung ist so unausweichlich, daß schon ein Früh-Materialist wie Weitling, ein Vorläufer und Lehrer von Marx, das Bild einer Zukunftsgesellschaft von Freiheit und Harmonie gemalt hat, in der es keine Gerichtsverfahren und keine Prozesse mehr gäbe, in der vielmehr alle von schlechten Leidenschaften Besessenen in Hospitäler gesteckt und die Unheilbaren auf speziellen Insel-Kolonien festgehalten würden. Dies eine typische, von einem schlimmen Phantasten geträumte Utopie. Um wieviel schauriger ist die Utopie, die das reale Leben ge­schaf­fen hat? Im (noch kleinen) Modell zeigt sie uns, was uns in nicht zu ferner Zukunft erwartet.

Eine Kostprobe davon ist gegeben, wenn Psychiater zwangseingewiesenen Patien­ten in offensichtlich aller Ernsthaftigkeit erklären, daß ihre religiösen Glaubens­überzeugungen oder ihre kritischen Haltungen dem Leben gegenüber, ihr Mangel an sozialer Anpassung, wie die Ärzte sagen, ein klares Symptom geistiger Er­kran­kung seien.

Die Weltanschauung, von der solche Ansicht stammt, ist nicht in Rußland geboren – sie wuchs und trieb Blüten auf westlichem Boden. Aus diesem Grund bin ich sicher, daß auch der Westen von der gleichen Gefahr bedroht ist, wenn vielleicht auch in anderer Weise – von der Perfektion der Techniken zur Mani­pulation des Denkens, von der Veränderung des Menschen in ein eindimen­sionales Wesen, das seiner inneren Freiheit beraubt ist…

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