Aktuelles

Bei den folgenden kritischen Ausführungen über Vorkommnisse in Psychiatrie und Psycho­logie, dabei auch Fehler in deren System, sei betont, daß wir diese Fächer nicht grundsätzlich in Frage stellen. Wir betreiben keine „Antipsychiatrie“.

In der vorliegenden Rubrik stehen meist kürzere Mitteilungen zu aktuellen Ereig­nissen und Erkenntnissen, die zwischen den seltener, ein- oder  halbjährlich erscheinenden Rundbriefen an­gefallen sind. Diese Kurzmitteilungen werden  vom Zeitablauf meist bald von anderen abgelöst. Was von ihnen langfristig festgehalten zu wer­den verdient, wandert dann zusammengefaßt in den näch­sten Rundbrief. Die jüngsten Einträge in dieser Rubrik werden  im Folgenden rot markiert.

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GEP-Jahresversammlung 2017 Rechenschaftsbericht

Liebe Mitglieder und Gäste,

Wir sind heute zur 40. Jahresversammlung unserer Gesellschaft zusammengekommen. Letztes  Jahr haben wir schon die Ver­eins­auf­lösung angedacht. Die Entscheidung darüber wird unsere anschließende interne Mitgliederversammlung treffen. Zwei gewichtige Gründe gäbe es, unsere Arbeit einzustellen:

1.)  Die fachlich kom­pe­ten­testen Leute in unseren Reihen, die „Zugtiere“ des Vereins quasi, sind in die Jahre ge­kommen. Und

2.)  haben wir den Kreis der Aufgaben, die wir uns bei der Vereins­gründung 1977 stellten, leidlich abge­schrit­ten. Als unsere Hauptaufgabe sahen wir an, Mißbräuchen des Fachs zu wehren, wo immer sie vorkom­men, den betroffenen Menschen beizustehen und damit auch die im System, im Fach selbst gelegenen, politisch gestützten Be­din­gun­gen solcher Miß­bräuche zu fassen und nach Möglichkeit abzustellen. Diese letztgenannte Aufgabe haben wir nicht erledigt. Dafür waren hie die Interessenten an den Mißbrauchsmöglichkeiten des Fachs zu stark und zu verfilzt. Von daher die Quintessenz nach 40 Jahren:  So lange Psychiatrie, die es nun einmal der vielen Kranken wegen braucht, so lange wird Psychiatriemißbrauch sein, so lange kann oder darf unsere Arbeit an sich nicht aufhören. Der Endlichkeit von allem Menschlichen entraten aber auch wir nicht.

Der prominenteste Fall solch aktuellen Mißbrauchs ist derzeit fraglos Donald Trump, dem amerikanische wie deutsche „Psychis“ [1] Anfang des Jahres die Diagnose einer „narzißtischen Persönlichkeitsstörung[2] anhängten. Trump hat bekanntlich viele Gegner. Seine Psychiatrisierung ist in jedem Fall skandalös. Daß an ihr hierzulande niemand sonst Anstoß nahm, zeigt, wie kanalisiert-einschichtig die öffentliche Meinung hier doch ist. Trump selbst wird sie nicht jucken.

Gehen wir aber auf andere aktuelle Fälle ein, in denen Betroffene erlebten Psychiatriemißbrauch nicht so leicht wegstecken, zuerst auf den mit Gustl Mollath verbunden Fall seines hochherzigen Freunds und Unterstützers, Edward Braun. Jüngst wurde er über einer ihm, so scheint es fast, als Falle gestellten Beeidigung angeklagt und Anfang April wegen Meineids verurteilt. Dazu haben die  MITTELBAYERISCHE ZEITUNG und sogar die SZ leidlich kritisch berichtet. Herr Stephany hat dazu einen treffenden Kommentar auf unsere Website gestellt. Herr Braun hatte 2014 in Mollaths WAV nach dreistündiger Einvernahme als Zeuge die Wiedergabe einer Aussage von Mollaths Ehe­frau, der Urheberin der dann folgenden  siebeneinhalb jährigen Internierung, zu beschwören, eine Aussage, die er 2002 stichwortartig auf seiner Schreibtisch­unterlage dokumentiert hatte. Der Fall könnte noch­mals verdeutlichen, wie wir Staatsbürger einem doch dubiosen Polit-Sy­stem, einem „Staat im Staat“, weithin eben einem verlogenen Establishment (Trump dixit), ausgeliefert sind. Für Mollath stellt mein Gutachten von 2011, vom Vollstreckungsrichter verrissen, vom Bundesver­fas­sungs­­ge­richt gewürdigt, den belastbaren Aus­­weis seiner prinzipiell gegebenen Gesundheit dar, dazu die erste Dokumentation dieses Psy­cho- und Justizskandals, den der „Nachschlag“ Braun nur noch skandalöser macht.

Die bei Gerichten insgesamt auch erzielten Erfolge unserer Gutachten ließen uns zwischendurch immer wieder ein wenig Vertrauen in den Rechts­­staat fassen. Sie waren nach außen ein markantes Gütesiegel unserer Arbeit, beginnend mit der Expertise unseres seinerzeitigen Ehrenpräsidenten Walter von Baeyer[3] über Günter We­igand, den er 1965 gegen den zähen Widerstand seines Berliner Ordinarius-Kollegen Selbach aus der Forensik herausholte, bis zu mei­nem letzten Gutachten über eine rund 30-jährige Frau aus dem Saarland (J.Z). Als Kind hatte diese durch Unfall ein schweres Schädel-Hirn-Trauma erlitten und davon eine schwere Behinderung zurück­be­hal­ten. Sie erholte sich davon langsam aber doch so gut, daß ich ihr im letz­ten Jahr über einen verständigen Richter (wie­der ge­­gen heftige Widerstände von Nutz­nießern, Betreuern, auch Ärzten) gutacht­lich zu ihrer vollen Rechtsfähigkeit verhelfen konn­te.

In anderen und gerade den politisch aufgeladenen Fällen wie dem von Mollath, den ich 2011 schon als gesund und ungefährlich befand, wurden wir vom Establish­ment strikt ausgegrenzt bis heruntergerissen, Prof. Dieck­­höfer u.a. von der bayerischen Justizmi­nisterin Merk (RB 2/12, 2.11), ich von ihr nicht weniger wie zuvor schon vom  Bayreuther Vollstreckungsrichter Kahler,  dem das freilich einige Rüffel des BVerG einbrachte. Neben vielen kleinen Mitläufern und Lästermäulern blieben uns gegenüber vor allem unsere hochmögenden Professoren und sonstigen Fach­­kollegen spinnefeind. Werden unsere Mitteilungen im Netz auch welt­weit aufgesucht – s. die dortige „Map of Visitors“ -, wissen sich doch die Leipzigers, Kröbers, Sonja Süß etc. vom Establishm­ent getragen. Daß Abfälligkeiten, Schmä­hungen mitunter auch von solchen kamen, für die wir uns erfolgreich eingesetzt, sie vor Zwangs­­­­­in­ter­nie­­rung bewahrt oder sie in mißlichen Lagen anderweitig unter­stützt haben, gehört wohl zum Allzu­mensch­li­chen. Wir haben uns für Mißbrauchs­opfer aber nie eingesetzt, um ihr Lob zu ernten, sondern der Sache wegen.

Um Unterstützung werden wir immer wie­der gebeten. Wir sind seit 40 Jahren nun einmal die einzige „Institution“ im Land, die sich ehrenamtlich, fachkompetent psychiatrischer Miß­brauchsfälle annimmt, aus Kapazitätsgründen leider bei weitem nicht ausreichend all der vielen Hilfesuchenden annehmen kann. Jeder Fall ist ja mit viel Arbeit verbunden. Kürz­lich schrieb uns ein Betriebswirt, Finanzmakler, Oberleutnant d.R., Vater eines 8-jährigen Sohnes aus Eggenfelden, Niederbayern: Sehr geehrte Damen und Herren der Walter-von- Baeyer-Ge­sell­schaft für Ethik in der Psychiatrie, ich möchte mich in meinem sehr verwunderlichen Fall, der große Ähnlichkeit mit dem Fall Mollath hat, an Sie wenden und um ihre Hilfe bitten…“ Der Schreiber, Bernhard Holzleitner (43), sitzt hier unter uns. Er soll seinen Fall selbst einmal schildern (10 Minuten). Sein Bericht, im Folgenden zsamengefaßt, wird mit weiteren Details gewiß bei entsprechenden Gelegenheiten noch ausführlicher zur Sprache kommen:

3/13 wegen Depression aus eigenem Antrieb ambulant u.a. bei Prof. Sulz, stationär dann in Grönenbach, dann tagesklinisch 3 Monate lang BKH Landshut, im Entlassungsbericht und dann auch auf der Arzrechnung wird eine (mögl.) Manie in der Vorgeschichte erwähnt.
Ob der Behandlung von konkurrierendem Kollegen angeschwärzt, verliert H. seinen  Arbeitsplatz in München, wird von der Bundeswehr als Oberleutnant d.R. entlassen, eröffnet er am Heimatort eigene Geschäftsstelle.
12/14 Krach mit der Frau wegen Liebschaft, Frau räumt Wohnung aus.
6/15 Scheidung, Kampf um das Sorgerecht für den Sohn, Frau bringt dabei die auf BKH-Rechnung gelesene „Manie“ gegen ihn vor.
Juni, Juli 15: Vorstellungen zur Absicherung bei seit 2013 bekannten Psychiatern und Psychotherapeuten, u.a. Prof. Dr. Dr. Sulz, die Störung ausschließen, nachdem ihm Jugendamt, Landratsamt, Polizei, Justizbeamte, ehem. Kollege Bedrohungen, Beschimp­­fungen anlasten, etwa: er „fühle sich wie Gott“
21.8. Festnahme, kommt vors AG,  dort stellt hinzugerufener Psychiater innert weniger  Minuten Krankheit fest, visiert Einweisung ins BKH Mainkofen an.
24.8. Nochmals bei den ihm bekannten „Seelenkundlern“, die Störung erneut ausschließen.
26.8.  will am  AG  EG Anzeige erstatten; dort aber nimmt ihn Polizei fest und bringt ihn schnurstracks ins
BKH Mainkofen, 1. Unterbringung bis 2.9. zivilrechtlich; es gelingt ihm von dort zu fliehen, fährt in Urlaub nach Frankreich, kommt am 16.9. zurück und trifft am
17.9. mit RiAG Nagl auf der Straße zusammen, Disput; er bringt Nagl zu Boden, fährt dann nach Österreich, wird auf der Rückfahrt am
18.9. bei Bad Reichenhall festgenommen, erst wegen unklarer Schmerzen ins  KKH Reichhall, tagsdrauf am
19.9. (strafrechtlich) ins BKH Mainkofen verbracht, von dort am
5.10.15 in den „Psycho-Knast“ des BKH Straubing verlegt, dort bis 10.12.15 zwei Monate lang festgehalten, bekommt einmal Haloperidol und Neurocil je 10mg i.m. (massive Dosis), Fixierung an Armen, Beinen und Bauchgurt). Plötzlich kommt es dann zu vollständiger Rückbildung der „Symptome“, Rückverlegung nach Mainkofen, von dort am 14.12.15 entlassen.

Sie haben, liebe Mitglieder, Herrn Holzleitner nun selbst gehört. Sein unauffälliger Zustand hier heißt nichts: Nach depressiven und manischen Phasen, die „bi-polar“ oft einander ablösen, sind vollstän­dige Symptomrückbildungen die Regel. Aber: Herr H., der 2013 wegen einer Depression freiwillig fachliche Behandlung aufsuchte, wurde 2015 in der Forensik des BKH Straubing wegen einer angeblichen „Manie“ oder auch „bipolaren Störung“ zwangsinterniert! In den Kranken­unter­la­gen der Grönenbacher Klinik von 2013 wird, ohne daß klare Symptome vorlagen, vager Verdacht auf eine vor ein bis zwei Jahren vielleicht dagewesene Hypomanie geäußert. Das BKH Lands­hut notiert eine (keineswegs gesicherte) Manie auf der Arztrechnung, die der Ehefrau in die Hände fällt und die diese dann im Ehestreit gegen den Mann ausspielt. Auch in den Klinik-Berichten von 2015 werden manische Symptome keineswegs „gut belegt“, wie es die ICD-10 F 31.7 zur Diagnosenstellung fordert.[4] Krankheit wurde „diagnostiziert“, obwohl zeitgleich von Fachkollegen Krankheit ausgeschlossen worden war. Auffällig auch, daß die „Manie“ hier auf eine einmalige Injektion von Haloperidol und Neurocil, je 10 mg innert einer Woche verschwand (wie H. sagt, geschah die „Rückbildung“ der – gar nicht vorhandenen – Symptome auf den Eingang seiner Petition beim Bayerischen Landtag, wo sich allein  die Grünen für ihn einsetzten!), auffällig weiter, daß hier wie vordem bei Mollath im einschlägigen Gut­­­achten der Realitätsgehalt der Patienten-An­ga­ben gar nicht geprüft, diese vielmehr freiweg als krankhaft gedeutet wurden. Die Diagnose, die Herrn Holz­leitner drei Monate seiner Freiheit, dazu weitere schwere Einbrüche in seine soziale Exi­stenz kostete, entspringt offensichtlich ärztlichen Fehleinschätzungen, die dann mehrfach kollegial weitergereicht wurden. Der Fall, liebe Mitglieder, ist wohl unserer weiteren Aufmerksamkeit wert.

Die Frage nur: Wie hier helfen – nach all den Erfahrungen, die wir mit unseren ärztlichen und juristischen Instanzen und auch mit den meisten Medien über 40 Jahre mach­ten. Der neue bayerische Justiz-Mini­ster Bausback gibt hier keine an­dere, vor allem keine bessere Figur ab als vordem im Fall Mollath seine Vorgängerin Merk. Beim Maibock-Anstich im Hofbräuhaus Ende April hat ihn bei allgemeiner Fröhlichkeit Django Asül, der Nie­derbayer, nicht von un­­gefähr sauber „derbleckt“. Der Fall gehört gewiß nicht wie noch der Mollathsche in die Reihe sowjetoid-systemati­scher, Schweigen bewirkender Psychiatrie-Mißbräuche. Er entspringt eher persönlichen kleinen Rachewünschen. Er  ist aber dennoch systematisch insofern, als auch er, wie hier dargelegt[5], aus der um 1975 politisch durchgedrückten, mißbrauchsträchtigen Psychiatrie-Re­form und der von ihr induzierten diagnostischen Verlotterung folgt.

Sachverhalte werden in der Psychiatrie wie der Justiz heute, scheint es, ähnlich wie in der Politik einfach statuiert. Die Krim, die sich nach russischer Meinung durch Volksabstimmung Rußland anschloß, wurde nach westlicher „annektiert“, 9/11 wurde von Bin Laden ver­brochen, die MH 17 von den Russen abgeschossen, Giftgas von Assad ein­gesetzt usf. Viele offen gebliebene Fragen werden überhaupt nicht geprüft, bleiben ungeklärt. In der deutschen Justiz und Psy­chiatrie geht’s, wenn’s drauf ankommt, ähnlich zu. Ich zweifle, ob’s Ihnen, Herr Holzleitner, helfen wird, wenn wir uns für Sie einsetzen. Das Establishment, gleich ob „rot“ oder „schwarz“, haßt uns.[6] Wenn seine Interessen  tangiert sind, reißt es gleich, ob rechts oder links, auch die triftigsten Argumente und auch den fachkundigsten Arzt herunter. So hat es in Ihrem Fall u.a. der durchaus im Mainstream liegende Professor Sulz erlebt. So be­kamen wir, besonders ich es im Fall Mollath  bis hin zu dessen „Verteidiger“ Strate am laufenden Meter ab. Bei ärztlichen Fragen, bei denen die Allgemeinheit am wenigsten Durchblick hat, wird’s unabhängigen Ärzten a priori so gut wie unmöglich ge­macht, ge­gen die politisch abhängigen Psycho-Be­amten, zumeist Pro­fes­so­ren, aufzu­kom­men.[7] Dennoch gibt’s da und dort Lichtblicke (s.o.). Vielleicht wird sich Gelegenheit finden, auch Ihren Fall, tatsächlich einen 2. Fall Mollath, voranzubringen.

Ich weise noch auf das eindrückliche Video von A. Christidis hin, das mir gestern erst, den sorgerechtlichen Bereich betreffend, zugegangen ist. Psycho-justizielle Skandale er­strecken sich in viele weitere Be­reiche hinein und schreien nach Abhilfe. Ihr Fall, Herr Holzleitner, wird uns in der anschließenden Diskussion noch beschäftigen. Ich möchte oder muß hier aber erst mit meinem Jahresbericht fortfahren, um nichts auszulassen, was im letzten Jahr in unserem Tätigkeitsbereich angefallen ist.

Dr. B. etwa wandte sich im Februar (28.2.17) in einem Leserbrief im Deutschen Ärzteblatt gegen die Art, in der 68er „Psychis“ [8] die Abschie­­bung von zu Unrecht Asylsuchenden hintertreiben, dazu Wissenschaft, die „Psycho-Trau­­­ma­to­logie“, die Moral zuvörderst, für sich in Anspruch neh­men, sich zu Obergutachtern aufwerfen und nach „Gutmenschen“-Ma­nier rechtsstaatlich Entschiedenes unterlaufen. Gewiß hinterfragen auch wir wie im Fall Mollath u.a., „rechtsstaatlich Entschiedenes“. Besagte Kollegen treten aber – das macht den Unterschied – als „Arbeits­gruppe der DGPPN“, der Fachgesellschaft, auf, stellen sich damit als besonders autorisiert und qualifiziert dar, ver­breiten ihren Senf im Deutschen Ärz­teblatt, das wöchentlich allen Ärzten im Land zugeht, verstärken den Main­stream und setzen sich geschäfts­tüchtig als bewähr­te Gut­achter ge­gen­sei­tig in Szene. Ein  Beispiel dies, wie sehr die DGPPN auf Mainstream-Kurs liegt. Sie liegt seit Jahrzehnten, ja wohl im­mer und grundsätzlich an der Leine der Obrigkeit. Erfreulich, daß das Ärzteblatt im Febru­ar mit B.s Leserbrief wenigstens einen kleinen Einspruch gestattete. Besagte „Asyl-Psychis“ gehen[9] wie die DGPPN insgesamt auf der 68er Mainstream-Spur und haben damit Rückenwind, so wie wir seit 40 Jahren halt Gegenwind haben.

Manche zerbrechen daran, Norman Walter etwa, der letztes Jahr hier in unserer Versammlung war und seinen Schmerz vortrug (RB 1/16,4), vor 20 Jahren über einem Krach mit seiner Großmutter für ein paar Wochen psychiatrisch zwangsinterniert worden zu sein. Er führte an sich jetzt ein unauffälliges Leben, hatte einen guten Beruf, ein gutes Auskommen. Unentwegt kämpf­te er dabei um seine Rehabilitierung, letztlich vergeblich. Vor kurzem beging er Suizid.

Wie diese krumme 68er-Psychiatrie Platz greifen konnte, die solche und viele ähnliche Übergriffe möglich macht und solche Schäden setzt, dazu habe ich Anfang April, auf 40 Jahre lang selbst Erlebtes zurückgreifend, einen zusammenfassenden Beitrag auf unsere Web­seite gestellt (Establishment, Mißbrauch und Reform der Psychiatrie). Ich empfahl das dort Ausgeführte Ihrer Aufmerksamkeit, weil es m.E. zeigt, welch tiefe Wur­­zeln Mißbräuche des Fachs haben und weil es zum Verständnis der heutigen Vorgänge hier wie in der Gesellschaft allgemein beitragen kann. Diese spezielle Psychiatrie wurde, wie oft schon dargelegt, politisch arrangiert und zwar international. Sie bietet  dem Establishment in rechtsstaatlich wie totalitär verfaßten Staats­wesen das Machtmittel, mit Andersdenkenden elegant fertig zu werden, die Psychoanalyse dazu ein oder gar das Mittel, die Menschen bezüglich des Seelischen grundsätzlich – fast diabolisch – zu verun­sichern und zu ver­wirren. Freud ist, wiewohl vielfach als Schwindler ausgewiesen, hierzulande das tabuisierteste aller Tabus, die heiligste Kuh (unter allen Rind­vie­chern und aktuellen Geistesgrößen). Soll dem Psy­ch­ia­trie­­miß­brauch begegnet werden, so gibt’s an Freud kein Vorbeikom­men. Soll dieser Mißbrauch wie nach Mollaths Fall auch nach dem Ihrigen, Herr Holz­­leitner, nicht lässig weitergehen, muß er mit seinen pseu­do­wis­sen­schaft­li­chen und administrativen Verankerungen erfaßt und in seiner Tiefe ausgehoben werden.

Herr Schlagmann hat dieser Tage den um­fassenden Beitrag Freud-Kritik  und Antisemitismus auf den INFC-De-Teil unserer Webseite gestellt. Gewiß hat der Antisemitismus der Nazis Freud und die Seinen auf das Schrecklichste getroffen. Vier seiner Schwestern starben im KZ. Mit Müh und Not erreichte er selbst das rettende Exil. International ist man deshalb aber  nicht bereit, sein pseudo-wis­sen­­schaftli­ches Geflunker hinzunehmen. Freud-Kri­tik äußerten von An­­­fang an sachlich im In- und Ausland herausragen­de Gelehrte, auch jüdische. Hierzulande nahm die intellektuelle Elite nach ’45 aber Freud einfach hin. Er war in Amerika damals auf dem Höhepunkt und stieg mit den 68ern auch hierzulande nochmals höher, wurde „Mainstream“.

Ihren Anspruch verbindend, Wissenschaft zu sein, erlangten Psychoanalyse und Marxis­mus gemeinsam die Herrschaft über das allgemeine Meinungs­klima, gebärden sie sich jetzt als Neo-Mar­xis­mus, Freud-Marxismus als allein-richtig, quasi „allein-selig­machend“. Er ist in den Unionsparteien jetzt ebenso zu Hause wie in allen übrigen Parteien, allen „gesellschaftlich relevanten Gruppierungen“, Kirchen, Gewerkschaften etc. Selbst die AfD traut sich an Freud, den Ursprung der Lüge im Land, nicht heran, was gar verständlich ist: Freud ist kein Wahlkampfthema. Ängstlich hüten sich aber auch, weniger ver­ständ­lich, ihr nahestehende Blätter, an Freud nur anzutippen.[10] Immerhin tritt die AfD als einzige Partei dem Unfug des Gen­der Mainstreamings entgegen­­, das in der Psy­choanalyse seinen Ursprung hat (RB 2/16, 5). Viel wird heute geklagt, daß „der Respekt vor einstigen Autoritätspersonen erodiert“ (Psychologie heute 5/17). Wie sollte das anders sein, wo doch just solche „Autoritätspersonen“ wie das Gros unserer Psycho-Ordinarien das Bubenstück der Psychiatrie-Enquête von 1975 gestützt, damit die Kulturrevolution, mit ihr u.a. die 68er Fäkalsprache, die verwilderten Umgangsformen und den gesellschaftlichen „Klima­wandel“ im  Land vorangetrieben haben. Wiewohl Freud auch in Putins Rußland präsent ist, ist das „Gender-main­streaming“ dort, wie man hört, noch nicht Haupt­­­strom.[11] Vielleicht kommt’s noch soweit, daß die russischen Psychiater, die vordem  ob ihrer Psychiatriemißbräuche von ihren westlichen Kollegen gerüffelt wurden, jetzt umgekehrt diese an die hippokratische Ethik des „nil nocere“ (nur nicht schaden!) erinnern werden.

Unsere Webseite wird „von der ganzen Welt“ besucht, am häufigsten gar aus Amerika. An Informationen werden im Schnitt zwischen 4 und 7 Mio. KByte monatlich abgerufen. Sie dürften auch die “richtigen“ Adressaten,  Psychiater, Politiker etc. erreichen. Wer sonst klickte sie an? Angesichts dessen ist, so wie wir, die einzige ärztlich geführte und effektive Widerstandsgruppe gegen Psychiatriemißbräuche, über 40 Jahre von der Politik, der Presse, vorab unseren verehrten Kollegen ausgegrenzt, totgeschwiegen oder verleumdet wurden, eigentlich nur lächerlich. Sich gegen die Realität zu immunisieren, funktioniert nicht. Daß die Wahrheit überhaupt ausgesprochen würde, war unser primä­res  Ziel. Und das wurde erreicht. Daß unsere Webseite unter den vielen Tausenden, die es da gibt, so viele Besucher aus aller Welt anzieht, spricht dafür, daß interessiert, was auf ihr steht.

Fraglos war und ist die Webseite das wirksamste Mittel der Einflußnahme in die Welt hinein. Das seit vielen Jahren ebenfalls auf ihr stehende INFC ist mit der Zeit freilich zum Problem geworden. Es bleiben seit langem neue englische und französische Beiträge aus, vom Kanadier Wilcocks infolge Krankheit, vom Franzosen Bénesteau wohl infolge politischer Intrige. Wir, Herr Schlagmann und ich, gaben und geben deshalb jetzt auf den drei englisch-fran­zö­sisch-deut­schen Ein­führungs­seiten das Ende des INFC-Pro­jekts bekannt, setzen aber hinzu, daß die deutsche Seite weiter lebt. Herr Schlagmann hat ja gerade dieser Tage dort den erwähnten wichtigen Beitrag eingestellt. Die bereits postierten englischen und französischen Artikel auf INFC werden bestehen bleiben. Auch die ausländischen Freud-Kritiker waren sich unter einander nicht immer einig. Die subtile, heute oft getarnte Prä­senz Freuds in allen Gesellschaftsbereichen, nicht nur der Psychiatrie, brachten sie kaum zur Sprache. Der erwähnte neue Artikel Schlagmanns wird vielleicht auch hierzulande die Erkenntnis verbreiten, daß sach­liche Freud-Kritik möglich, natürlich nur solche statthaft, zur Wiedergewinnung von Ehrlichkeit in der Seelenheilkunde, ja der Gesellschaft aber auch notwendig ist.

Trotz einzelner Erfolge lief die Entwicklung in der Psychiatrie in den 40 Jahren unserer Vereinstätigkeit gegen uns. Davon sind wir anders als in Amerika hierzulande weit entfernt, daß gegen das Establishment, gegen die Medien, gegen die Hierarchie in Psychiatrie und Psychotherapie eine Mehr­­­heit, ja auch nur eine nennenswerte Bewegung für Redlichkeit in der Gesellschaft, in der Heilkunde auf die Beine kommen. Es scheint hier der sarkastische Satz (Scae­volas?) zu gelten: „Mun­dus vult decipi. Ergo de­cipiatur – Die Welt will betrogen werden. Also werde sie betrogen“. Daß wir in quasi einem 40-jährigen Kalten Krieg gegen unsere Fachvertretung versuchten, den Betrügereien in der Seelenheilkunde zu wehren, war recht, war notwendig und ehren­­voll. Nach dem, was wir, Herr Schlagmann und ich, gerade in den letzten Tagen an aufwühlenden Informationen in die Welt hinaus sandten, können Reaktionen eigentlich nicht ausbleiben. Über die jetzt von uns zu ziehenden Konsequenzen wird anschließend unsere Mitglieder­­versamm­lung entscheiden. Kommt es zur Beendigung der Vereinstätigkeit, bleibt mir nur, allen, die über vier Jahrzehnte zu ihr beigetragen haben, mir beigestanden sind, Mitgliedern und Freunden der GEP, zu danken.

Dr. med. F. Weinberger, Vorsitzender, GEP                                  München, 6.5.2017

P.S. Nach lebhafter Diskussion entschied die Mitgliederversammlung:
Die Gesellschaft setzt ihre Tätigkeit fort
. Sie kann leise auch auslaufen.

Die Mitglieder des Vorstands bleiben in ihren alten Ämtern.
Die nächste Jahresversammlung soll 2018 in Nürnberg stattfinden

Endnoten:

[1] Laut Stern v.23.2.17 hefteten einige US-Psy­chiater, Psychologen, Sozialarbeiter, unter ihnen der bekannte DSM-5-Kritiker Allen Frances, Trump eine „narzißtische Persönlichkeitsstörung“ an, ähnlich laut SZ vom 18.2.17 auch der Berliner Psychiater Röpke. Der Stern machte daraus: „Amerikanische Psychiater diskutieren, ob der Präsident geisteskrank ist“ und die gleich neu-linke SZ fragte mit Unschuldsmiene, ob Trump „denn amtsfähig wäre, wenn er tatsächlich un­ter krankhaftem Narzissmus leiden würde“. Noch offener tat in HÖRZU WISSEN kürzlich der Göttinger Psychiater Bandelow sein „Fachwissen“ kund, indem er Trump in Sachen Narzißmus Putin, aber auch Kaliber wie Mugabe und Al-Baghdadi an die Seite stellte. Hell  empört aber geben sich unsere Medien, wenn man sie Lügen- oder Verblödungspresse nennt. Solch grundsätzliche Feststellung fällt seit Trumps Diktum von den „Lügen, Lügen, Lügen“ des Establishments wenigstens nicht mehr aus dem Ramen.

[2]  Freud S., ZUR EINFÜHRUNG DES NARZISSMUS, 1924. – Wenn eine(r) an wem auch immer „Narzissmus“ feststellt, geht das als Privatmeinung wohl an. Wer es aber als Psychiater tut und dabei Expertentum Anspruch nimmt oder sich zusprechen läßt, sinkt in berufliches Fehlverhalten ab.

3] Mit seinem Beitrag  Zur Frage der strafrechtlichen Zurechnungsfähigkeit von Psychopathen in Der Nerven­arzt  5/67 ist von Baeyer schon diesem Rückschritt in der US-Psychiatrie, der Pathologisierung allmenschlicher Be­sonder­heiten, ent­gegengetreten. Nicht von ungefähr nannte er diese Publikation „Beginn der DVpMP!“ Unsere heutige GEP hätte damit heute eigentlich schon ihr 50. Jubliläum!

[4] Diese Diagnose darf nach der ICD-10 F31,7 nur gestellt werden, wenn eben „eine gut belegte manische, hypomanische oder gemischte Episode“ vorliegt, eine „bipolare Stö­rung“ (F31.8) aber, wie sie auf der Rechnung von 2013 auch notiert ist, wenn neben der Depression eine manische Episode zusätzlich „gut belegt“ ist. Die Diagnosen sind mit entsprechenden Sympto­men in den bisher eingesehenen Akten – das BKH Landshut rückt, wohl um nicht belangt zu werden, seine Unterlagen bisher nicht heraus – aber weder 2013 noch 2015 „gut belegt“.

[5]  Establishment, Mißbrauch und Reform der Psychiatrie – auf dieser Webseite, April 2017

[6] Besagte Farbzuschreibungen beeinträchtigen mitunter nur die Mißbrauchsabwehr, stiften am Ende noch Mißtrauen unter Abwehrleistern. Wie oft schon dargelegt, wurden und werden „Psycho-Mißbräuche“ von Mächtigen jeglicher Couleur gefördert, wenn nicht begangen.

[7]  Den Richter Kahler etwa, der 2011 mein Gutachten zu Mollath vom Tisch fegte und diesen zwei Jah­re weiter schmo­ren ließ, kratzten auch Rüffel des Bundes­­ver­fas­sungsgerichts nicht.

[8]  F. Haenel; K.-H.: Biesold; D. Denis, R. Ebbinghaus, G. Flatten und P. Liebermann In DÄ 3/17: Asylbewerber – Ein ethisches Dilemma. Das hier pathetisch vorgetragene „Dilemma“ gebe es, so Barabasch, nicht. Ob Reisefähigkeit vorliege oder nicht, könne „ein Mensch .. nach bestandenem Arztstaatsexamen korrekt beurteilen“. Über den Komplex gibt es aber auch in unserem Vorstand unterschiedliche Meinungen.

[9] Da machen auch manch andere mit, Dr. Discher etwa, dessen Erfahrungen mit der Ückermünder Psychiatrie nach ’89 als heranwachsender Schwuler wir im Rundbrief 2/15 ausbreiteten. Er erbat kürzlich seinen Antrag um finanzielle Zuwendung durch die Bundes­stiftung Aufarbeitung, zu unterstützen. Er legte ein neu publiziertes Statement bei, das sich gegen die Anbrin­gung einer Gedenkplakette am Geburtshaus Kraepelins in Neustrelitz wandte und diesen als Wegbereiter der Nazi-Psychiatrie dif­famierte. Ich mußte ihm mitteilen, daß wir ihn da nicht unterstützen könnten. Daß auch an Kraepelin Zeitgeistiges war, ändert nichts daran, daß er das bis heute gültige Grundgerüst wissenschaftlicher Psychiatrie aufstellte. Discher verdankt seine Psychiatrisierung – das verkeennt er – vorwissenschaftlichen 68er Psychovorstellungen , die un­kri­tisch auch in evangelische Pfarrhäuser eingedrungen sind.

[10]  Der bürgerlich firmierende Münchner Merkur verriß am 16.1.16 als besonders gefährlich so  unterschiedliche, auf Links wie Rechts verteilte Medien wie das Compact-Magazin, die Junge Freiheit, RT Deutsch, Sezes­sion, Poltical­ly Incorrect und KenFM. Manch weitere interessante Infomationsquellen gibt es, Tichys Einblick etwa oder Klagemauer-TV. Aber auch da gibt es für die „Psycho-Problematik“ nicht das geringste Interesse und Gespür. An Freud wagten sich bisher nur Querdenken.TV, Neue Horizonte und das Kultur­studio her­an.

[11] Wladimir Putin erspart seinem Land dieses von der UNO und Hillary Clinton gepushte „Mainstreaming“. Das hat ihm auch den frühesten und zähesten Haß des neulinken Westens eingebracht. Der einzige Staatsmann von Weltrang, der zur Beendigung politischer Psychiatriemißbräuche selbst beigetragen und ihr früheres Vorkommen in seinem Land in seinem Buch ALLES ZU SEINER ZEIT – MEIN LEBEN eingeräumt hat, ist Michail Gorbatschow. Anerkennung, die das verdiente,  hat es ihm nicht eingebracht.

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Establishment, Mißbrauch und Reform der Psychiatrie

Donald Trump bezichtigte „das Estab­lish­ment“  im Wahlkampf schon der „Lügen, Lügen, Lügen“. An diesem Establishment reiben wir uns seit über 40 Jahren in unserer Auseinandersetzung um Psychiatriemißbrauch und Psych­ia­trie­­re­form. In ihnen erkennen wir eine just von diesem Establishment betriebene Kor­rum­pierung des Fa­chs, unseres Berufs. Mißbrauchsfälle, von denen wir früher aus der Sowjet­union erfuhren, die sich in jünger Zeit aber wie etwa der Fall von Gustl Mollath eher im Westen abspielen, sind deren Ergebnis. Jüngst bekam eine „reform­psychia­tri­sche“ Diagnose auch Präsident Trump angehängt.  Die Entwicklung dazu konnten wir über vier Jahrzehnte in vielen Einzelheiten beobachten. Jüngst sind uns dazu weitere einschlägige Informationen zuge­gangen. Da in der nächsten Jahresver­samm­lung der GEP u.U. deren Auflösung ansteht, wollen wir die Gele­gen­heit, vielleicht eine der letzten, nützen, noch verbliebene Lücken in unserer jahr­zehntelangen Berichterstattung zu diesem Thema zu schließen, wollen diese Ent­wick­lung damit noch­mals zusammenfassend beleuchten. Die seinerzeitigen  Vor­gänge spielen ganz wesentlich ins heutige Geschehen nicht nur der Psychiatrie, sondern des gesellschaftlichen Lebens allgemein hinein.

In RB 1/11,2.5 warfen wir bereits einige Schlaglichter auf das Buch COLD WAR IN PSYCHIATRY, Radopi, Amsterdam, 2010 von R. van Voren. Bürger­lich heißt er J. Bax. Mit ihm waren wir rund zehn Jahre in IAPUP verbunden, der Inter­national Association on the Political Use of Psychiatry.[1] Diesem Verband selb­ständiger Mit­­gliedsgruppen aus verschiedenen Ländern ge­hörten wir bis 1991 an­.[2] Das Buch handelt vom Kampf gegen den sowjetischen Psychiatriemißbrauch, der in den 1960er bis 80er Jahren spielte, handelt aber auch vom Um­bruch in der psych­iatrischen Diagnostik des Westens, dem Herauskommen der neuen Psycho-Dia­gnosenliste der Amerikaner von 1980, dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, Third Edition (DSM-III), dem we­sentlichsten Element der Psychiatriereform. Diese lief gleichzeitig in etlichen westlichen Ländern ab­ und bildet einen Schwerpunkt der 68er Kulturrevolution.

Zur Entwicklung des DSM-III ging uns kürzlich noch ein Artikel von  Hannah S. Decker zu, einer Historikerin, Pro­­fes­sorin an der Universität von Houston, Texas. In mehreren Büchern widmet sie sich, von den US-Psychiatern hoch anerkannt, der Geschichte der Psychiatrie, auch der Psychoanalyse. Sie stellt die neue Psycho-Diagnostik des DSM-III als das Werk von Robert L. Spitzer (1932-2015) dar, eines Professors an der Columbia University in New York. Dieser lehnte laut Decker an die deutschen Pioniere des Fachs an, vor allem an Emil Krae­pelin (1856-1926) und seine sorgsamen Krank­­heits­be­schrei­bun­gen. Nach dem zuvor freud-be­dingt ziemlich desolaten, von gewal­tigen Straf­zah­lun­gen und einer ätzenden Kritik belasteten Zustand des Faches in den USA (vgl. RB 1/16, 6.3) verhalf ihm Spitzer so wieder zu einigem Ansehen.

Decker erklärt in dem Artikel freilich nicht, warum die APA 1980 aus der Inter­nationalen Klassifikation psychischer Störungen der WHO, der ICD, ausscherte, die weitgehend schon auf Kraepelin fußte, nur bei den damals ganz auf Freud fi­xierten Amerikanern nichts galt. Auch erwähnt Decker nicht das Baxsche Buch, das mit dem Segen hoher APA-Ver­treter der Entwicklung des DSM-III einen ganz anderen Spin gibt. Bax schreibt die Verdienste an ihm allein dem damaligen Medical Director der APA Melvin Sabshin[3] zu. Spit­zer kommt bei ihm nicht vor. In­direkt macht Bax aber erkennbar, warum die APA 1980 den Affront gegen die WHO beging und aus deren vor­bestehender ICD ausschied. Sab­shin war nämlich nicht nur ein Freu­dia­ner, sondern auch ein vom FBI über Jahrzehnte beobachteter, ak­tiver Kom­­­munist. Die nach 1933 in Ame­rika wirkenden Vertreter der Frankfurter Schule hat­ten in den Spuren u.a. von Trotzki Mar­xismus und Psy­choanalyse perfekt vereinigt. Sabshin mußte ihr ideologisches Paket nur in die Psychiatrie einpassen.

Nach all ihren voraus­ge­gan­genen Freud-bedingten Skandalen (s.o.) war die APA aber auch mit dem Weltkongreß für Psych­iatrie in Honolulu 1977 schon zu einigen Ehren gekommen. Dieser Kongreß gewann seine historische Be­deutung auch unter unserer Mitwirkung mit der Verurteilung des sowjetischen Psychiatrie­miß­brauchs (RB 3/77), nach wie vor eimem Markstein psychiatrischer Ethik, der viele Psychiater freilich bis heute eher stört. An den hitzigen Debatten um dieses Thema beteiligte sich Sab­shin in Honolulu nicht. In der Folge nützte er die wieder gewonnene Repu­ta­tion der APA aber, sie von der WHO zu lösen und mit kleinen semantischen Tricks seine Ideologi­en in ihrem diagnostischen System DSM zu verankern. Indem er fast unauffällig den nicht unbedingt krankheitswertigen Begriff „Psychopathie“ der Kraepelin-Psy­ch­ia­trie durch den regelhaft Krankheit anzeigenden der „Per­sön­lich­keits­­stö­rung“ ersetzte, hiermit u.a. die luftigen Freu­­dia­­ner-Dia­gno­sen der „narziss­ti­schen“, der „Bor­der­line-“ und weiterer „Per­sön­lich­keits­stö­rungen“ ins DSM einbrachte und dieses in der Weltpsychiatrie durchsetzte (vgl. den Fall A. Kuwalew­sky – RB 1/14,4-5), verwischte er den Unterschied zwischen biologischem Krank­­heits­prozeß und angeborenen Persönlichkeitsvarianten einerseits und auf der anderen Seite den psychologisch begründeten Erlebnisreaktionen[4], damit bis dahin erreichten wis­sen­schaft­lichen Standard![5] Mit solch feinen Begriffsverbiegungen machte er – das wird bei Bax immerhin klar[6] – neue diagno­sti­sche Über­zie­hun­gen der Psychiatrie auf das nor­male, u.U. unbeugsam widerständige Menschenleben möglich, eröffnete er die diagno­stische Inflation des DSM auf jetzt über 300 „Störungen“ (nach der alten „Würzburger Diagnosen-Tabelle“ gab’s vordem gerade einmal 20 – zwanzig – psychische Krankheiten!) und schuf im Fach neue Mißbrauchs­be­reit­schaf­ten, die bald auf viele Mitbürger durch­­schlu­­gen (RB 1/16, 6.2-3), letztlich heute gar auf den Prä­sidenten der USA. Just von der freudisch reformierten US-Psy­ch­iatrie aus be­setzte der Neo-Marxismus,  Freud-Mar­xis­­mus die westliche Gesellschaft insgesamt.

Decker liegt als Historikerin mit gutem Grund vor allem am Aufzeigen des Fortschritts, den die APA mit dem DSM gegenüber dem vordem unhaltbaren Zustand der US-Psy­cho-Dia­gnostik machte. Den in ihm trotzdem noch resistie­renden, dann gar in die internationale Klassifikation psychiatrischer Diagnosen (ICD)[7] über­tragenen Murks übergeht sie. Die deutschen Psychiater, die in jenen Jahren allen Grund gehabt hätten, hier ein gutes Erbe zu verteidigen, waren, von ihrer Nazi-Last beschwert, damals wie heute zu feige, ihr Fach gegen die Ver­bie­gun­gen der APA zu verteidigen. Lieber ließen und lassen sie über fragwürdigen Dia­gnosen ihre Patienten und Probanden zu Schaden kommen. Natürlich gab es unter den US-Psy­ch­­iatern immer auch ehrliche Kollegen, denen das Treiben ihrer Freud-Marxisten im Fach aufstieß. Durch sie  (u.a. E. Fuller Torrey FREUDIAN FRAUD oder Joel Paris, THE FALL OF AN ICON) erfuhren letztlich auch wir davon. Aber in hier­archisch geordneten, letztlich staatlich gelenkten Fach­gesellschaften halten sich Seilschaften zäh, ist gegen sie kein Aufkommen.[8]

Hüben wie drüben dachten diese nach Honolulu mit Sabshin offensichtlich, die Welt­­revolution mit dem se­xy-amerikanischen Freud­-Mar­xis­mus besser voranbrin­gen zu können als mit dem verstaubten Marxismus der So­wjet­uni­on. Diese könnte darum ruhig untergehen, was natürlich auch amerikanischen Neocons und Neolibs zusagte. Das ge­­fiel selbst der neu-linken Führungs­spitze, die sich über die APA in der Führung des Weltverbands für Psychiatrie (WVP) eingenistet hatte. Sie war damals fast komplett kom­munistisch besetzt. Sabshin arbeitete ab 1984 bestens u.a. mit dem Stasi-Mann Jochen Neumann (IM Ernst Lache) aus der DDR zusammen, der als Ver­treter des Ostblocks jetzt im WVP-Vor­stand saß. Bax feiert ihn und Sabshin über viele Seiten seines Buches über alle Maßen, letzteren als „exponent of American dominance in world psychiatry“. Daneben kreiste er, vom Geld u.a. der (neo-)kon­ser­va­tiven Smith-Ri­chard­­­­son-Foundation gepäppelt, von Litauen bis Tadschikistan Rußland mit Filialen seiner GIP (RB 1/16, Fn 30) ein [9], wohl um es reform-psych­­ia­trisch, neu-links aufzuweichen, wie es vordem in Deutschland so gut geklappt hat. Uns, die wir  von 1980 bis ’91 freund­lich-kri­tisch mit ihm zusam­menge­arbeitet haben,[10] diffamiert er jetzt.[11] Noch 1987 war ich bei der KSZE-Nach­folge­kon­­fe­renz in der Wiener Hofburg an der Seite des US-Bot­­schafters Warren Zimmer­mann dem sowjetischen Psychiatrie-Mißbrauch entgegengetreten (RB 2/89, S.31).[12] Noch 1988 bestärkte ich bei der Jah­res­ver­samm­lung der APA in Washing­ton D.C. die amerikanischen Kollegen im Widerstand gegen jene Miß­brauchs­prak­tiken – um heilkundliche Redlichkeit, nicht um amerikanisch-neu-lin­ke Globali­sierung voranzubringen.[13] Bei Bax’ macht­politischen Spiel­chen machten wir als DVpMP/GEP längst nicht mehr mit.

Ruß­land kulturpolitisch kirre zu machen, gelang Bax und seinen Auftragsgebern so auch nicht mehr ganz.[14] Das er­klärt, warum sich dann auch hohe APA-Funk­tio­näre, Sabshin, Mercer etc., den Diffa­mierungen im Bax-Buch an­schlos­sen.[15] Mit fachlich verpackten Verleum­dungen, etwa der Zuschreibung einer „narzißtischen Persönlichkeitsstörung“ glauben US-Psy­chiater jetzt den bei über ¾ von ihnen (laut DÄ 50/16) unbe­liebten rechten Präsidenten der USA demontieren zu können. Seine Politik muß niemand gutheißen. Ein ganzes psychia­trisches Diagnostik-Manual aber so auszurichten, daß es just in einer Zeit (um 1980), in der Miß­­­­­bräuche des Fachs welt­weite Empörung auslösten, solche neu ermöglicht, dieses Manual dann an der ICD, der WHO vorbei zur „inter­natio­nally accepted psychiatric nosology“ zu erheben und es schließlich auch noch als „Barriere“ gegen solche Mißbräuche auszugeben, das ist wohl Chuzpe.

Von Präsident Trump, der noch keine drei Monate im Amt ist, wissen wir bis jetzt weder, wie er die Beziehungen zu Rußland gestalten noch wie er mit der ihm angehängten Psycho-Dia­gnose oder gar dem Dia­­gnosensystem seiner „Psychis“ insgesamt umgehen wird. Die Zukunft ist offen.

Dr. F. Weinberger, 5.4.2017

Endnoten:
[1]  Wir waren in den 70er und 80er Jahren die schärfsten Kritiker der sowjetischen Psychiatrie-Mißbräuche. Um so ferner liegt uns heute Feindseligkeit dem aktuellen Rußland gegenüber, das seine Truppen aus Deutschland abgezogen hat, kei­­nen Totalitarismus mehr ver­ficht und (soweit bekannt) keine Heil­kunde mehr mißbraucht.
[2]  Nachträglich fragten wir uns, ob bei IAPUP nicht von vornherein politische Organisationen, der britische Geheimdienst etwa, die Zügel führten. So vorzüglich funktionierte sie, so selbstverständlich stand Herrn Bax das nötige Geld zur Verfügung. Wir waren in IAPUP wohl die einzige von Idealisten, von klei­nen Mitgliedsbeiträgen getragene Mitgliedsgruppe.
[3]  An seiner Seite Ellen Mercer,  damals Direktorin des APA-Office for Foreign Affairs, eine Soziologin und vormalige CIA-Be­dien­stete.
[4] Ersterer häufig, letztere nur ausnahmsweise die Schuldfähigkeit tangierend
[5] Auch weil sie mit ihrer umstrittenen Borderline-Störung (RB 1/14,5) in der „unstrittigen“ psychiatrischen Nomenklatur (DSM und ICD) vertreten waren, konnten die Freudianer ihre Reputation in der Gesellschaft aufrecht halten.
[6]  Nicht nur die Hintergründe des DSM verzeichnet Bax/van Voren in seinem Buch (Fn 1 und 2) grob, sondern auch den Kampf gegen den Psychiatriemißbrauch, sein Schwerpunktthema. Über diesem waren wir 1980 mit entsprechend engagierten Gruppen in IAPUP kooperativ und doch kritisch in Verbindung getreten. Begonnen hat der Kampf be­kanntlich 1971 mit dem Bericht Wladimir Bukowskis über gehäufte Mißbräuche des Fachs in der Sowjetunion. Schon im gleichen Jahr erreichte der Kampf einen ersten Höhepunkt beim Weltkongreß für Psy­ch­­iatrie in Mexiko mit dem Appell Walter von Baeyers, damals Vizepräsident des WVP, an die Delegierten, ihr Ohr den Opfern solcher Mißbräuche nicht zu verschließen (s. M. Lader PSYCHIATRY ON TRIAL, Penguin 1977). Die Vertreter der nationalen Psychiatergesellschaften, auch der APA, aber kniffen (s. Bloch und Reddaway DISSIDENT ODER GEISTESKRANK, Piper, 1978, S. 236ff). Den 2. Höhepunkt des Kamp­fes brachte der Weltkongreß für Psychiatrie 1977 in Honolulu mit der Verurteilung besagten Mißbrauchs mit 90:88 Stimmen! Das war ja bis dahin noch nicht dagewesen, daß nicht ein einzelner Kollege, sondern eine ganze Fachgesellschaft von der Weltgemeinschaft des Faches derart gerüffelt wurde. Jedoch hüllten sich  die Vertreter der APA in Honolulu im Gegensatz zum „Fußvolk“ der Psychiater in Schweigen. Und von Bax war damals erst recht noch nichts zu hö­ren. Erst 1980 begann er, von amerikanischem Geld gepäppelt, in IAPUP aufzudrehen. 1991 trennten wir uns von ihm und ihr. Ihm und seinen Geld- und Auftraggebern ging es, wie sich jetzt und in der Folge zeigte, um die Durch­setzung mißbrauchsträchtiger, neu-linker Reformkon­­zepte in der Weltpsychiatrie, uns um die Ab­schaf­fung solcher Mßbräuche, wo und in welchen Spielarten auch immer sie auftreten – s. Bilder von Bax in RB 1/11,2.5.
[7] Mit dem DSM fühlte sich die APA jetzt als „world leader in science and conscience of psychiatry“.
[8] Das ist das ganz Außergewöhnliche an der Wahl Trumps, daß sie gewonnen wurde gegen den breiten, erbitterten Widerstand des Establishments gegen sein in alle Po­ren der westlichen Gesellschaft eingedrungenes, globalistisches Gedankengut und seine Seilschaften.
[9]  Die Russen fühlen sich verständlicherweise von der Einzingelung mehr beunruhigt, die Amerika / die NATO mili­tärisch u.a. mit deutschen Hilfstruppen heute von Litauen bis Georgien um ihr Land legen.
[10]  1998 ­gab Bax die Parole aus: „DDR – No systematic abuse“ (RB 2/98,2). Vgl. hierzu unsere Rundbriefe seit 1997, besonders RB 2/09). Dazu ein Wort von Wolf Biermann, Autobiographie S. 277-278 : „…aus Anlaß der Weltjugendfestspiele 1973 in Ostberlin wurden u.a. … über 2000 Bürger der DDR … ‚vorsorglich‘ verhaftet … 477 wurden in die Psychiatrie eingewiesen.“ Ohne Trennung von GIP, ohne Bewahrung unserer Selbstän­digkeit hätten wir die Mißbräuche des Fachs in der DDR nie aufspießen und Mißbrauchsfällen in un­serem demokra­tischen Rechts­staat heute schon gar nicht nachgehen können.
[11]  Mit anderen dem Mißbrauch wehrenden, unab­hän­gigen Gruppen aus verschiedenen Ländern, vor allem in England und der Schweiz (Genf) hatten wir uns 1980 zu IAPUP zusammengeschlossen. Im Nachhinein zweifle ich, ob diese an­deren Gruppen, etwa die britische, „unabhängig“ waren und nicht eher aus Leuten etwa des brit­ischen Geheimdienstes bestanden, so perfekt funktionierte IAPUP bald.  Zu ihr stieß auch der Hollän­der Bax, der russisch sprach, aus Amerika viel Geld beischaffte und so in IAPUP Einfluß gewann, bis Dr. Korjagin, der russische Opfergänger des Psychiatriemißbrauchs  und wir ihm 1991 Adieu sagten (s. RB 90-93) . In seinem o.g. Buch (S. 156) erklärt Bax für GIP, die er mit IAPUP gleichsetzt, die aber von An­fang an auch wir repräsentierten: „Our organization had been infiltrated via our West-German member organization, the DVpMP (heute GEP), chaired by the Starnberg psychiatrist Dr. Fried­rich Weinberger“. Daß die Gegen­seite uns aus­spionieren würde, damit war immer zu rechnen. Daß wir dann un­wis­sentlich tatsächlich von einem Stasi-Spitzel abgeschöpft wurden, habe ich in RB 1/11, Fn 8 erklärt. Für ihren Verrat zahlte das Spitzel Prof. Dr. med. Gisela Otto nach der Wende mit Selbstmord. Zwei Leute aus den eigenen Reihen, der FAZ-Korrespondent Langen und Fachkollege Dr. Bieber, in der Vereinsarbeit bis dahin nicht die aktivsten, wechselten 1991 zu Bax und ar­beiteten mit ihm fortan gegen uns. Zwei gewichtige Mitstreiter stützten uns um so nachhaltiger, Christine Gat­tinger, Mitinitiatorin und Gründungsmitglied der DVpMP/GEP sowie die Psychologin Dr. Wanda von  Baeyer-Katte, die Witwe unseres Ehrenpräsidenten. Sie retteten unsere Linie. Die damaligen Auseinandersetzungen glichen in ihrem ideellen Kern und ihrer Schärfe bereits den heutigen zwischen Trump und dem neu-linken Establishment um Clinton (s. RB 90-93).
Nachtrag 28.4.17: Soeben finde ich auf Bax`/ GIPs Webseite einen unser Them beleuchtenden Artikel von 2009: „Political Abuse of Psychiatry – An Historical Overview.“ Er entspricht uns in manchen Punkten durchaus, verzeichnet aber nach wie vor andere und zwar die wichtigsten.
12]  Heute füllen russische Stimmen wie das offene, keineswegs mehr kommunistische RT-­Deutsch viele Lücken, die unssere mainstream-Medien oft genug hinterläassen.
[13]  Meine Rede dort gar in der IAPUP-Schrift soviet psychiatric abuse in the gobachev era noch 1989 festgehalten.
[14]  Die Sowjetunion war 1991 zerbrochen. Da sollten die Kollegen im Osten jetzt für die westlich-neu-marxi­sti­sche Psychiatrie gewonnen werden und wurden deshalb gehätschelt. Deshalb GIP, Bax und die APA-Spit­ze: „DDR – No systema­tic abuse“. Das hörten deutsche „Psychis“ natürlich gern. Vom damaligen Bundesbeauftragten Gauck bestellt und bezahlt, fand so, dem linken DA-Flügel entsprungen und mit Bax im Bund, auch Sonja Süß in ihrem Buch POLITISCH MISSBRAUCHT?, es habe in der DDR keinen politischen Psychiatriemißbrauch gegeben. Allein die in unseren Rundbriefen bis weit in die 2000er Jahre hinein dokumentierten Fälle solchen Mißbrauchs unterschlug sie oder färbte sie schön, Schmähungen gegen uns noch draufsetzend. Das gesamte Establishment hierzulande, voran das DEUTSCHE  ÄRZTEBLATT, schwätzten es nach. Vielen Kollegen aus dem Osten zahlte George Soros den Besuch des WVP-Kon­gresses 1999 im Ham­burg. Im gleichen Jahr schloß sich Rußland der ICD an, da­mit ein Stück weit dem sie führenden amerikanischen DSM. George Soros, Scientology und ähnlich psycho-ak­ti­ve Initiativen warf Putin inzwischen aber aus dem Land.
[15] Tatsächlich waren wir, insbesondere von Baeyer und ich lange vor Bax die ak­tiv­sten Widersacher des sowjetischen Psychiatriemißbrauchs. Auf der machtpo­litischen Ebene aber waren es, wie ge­sagt, zuletzt ausgewiesene (Neo-)Marxisten wie Sabshin, wie Neumann, Bax sowieso, die vom großen amerikanischen Geld ge­stützt, versuchten, just von der Psychiatrie aus nach der Sowjetunion auch Rußland zu destabilisieren.

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Zur Psychiatrisierung von Präsident Trump

Nach nicht-endenden Abwertungen, Schmähungen gegen Präsident Trump in unserer Lügenpresse entdeckten etliche Psych­ia­ter, daß auch sie gegen ihn noch etwas vorbringen könnten. Laut STERN vom 23.2.17 waren es in den USA gleich 35 „Psychis“, „Psy­ch­iater, Psychologen, Sozialar­beiter“ usw., die an Trump einen Narzissmus kon­sta­tier­ten, woraus DER STERN die Überschrift machte: „Ame­rikanische Psych­ia­ter diskutieren, ob der Präsident geisteskrank ist“.

 Und die gleich linke SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 18.-19.2.17 bot den Berliner Charité-Psychiater Röpke als „führenden Experten für Narziß­mus“ auf, um einen solchen ihrerseits dem ungeliebten Präsidenten Trump zu unterstellen. Alle mög­lichen in der Breite des Menschlichen liegenden Eigen­schaften, „starre Denk- und Verhal­tensmuster“, das Bedürfnis, „beachtet und bewundert“ zu wer­den, eine „leichte Kränkbarkeit“‚ zudem “extreme Wutaus­brüche“ u.ä. fanden sie an ihm. Und die SZ fragte, ob Trump „denn amtsfähig wäre, wenn er tatsächlich un­ter krankhaftem Narzissmus leiden würde“.  Fein deckte sie dabei ihren „Ex­perten“ ab. In der Unter-Überschrift schrieb sie, „warum der Berliner Psychia­ter Röpke davor warnt“, an Trump eine „narzißtische Persönlichkeitsstörung“ zu dia­­­gnosti­zieren, während Röpke letzteres, den US-Kollegen nachhinkend, doch eindeutig tat, wenn auch strecken­wei­se ver­klau­suliert. So hinterhältig, so verlo­gen, so verleumderisch operieren viele unserer „Qua­litäts­me­di­en“ und viele „Psychis“.

Dabei ist festzustellen, daß Narzissmus an sich keine Krank­heits­diagnose ist, es demzufolge hier auch kein „Expertentum“ gibt, die „Dia­gnose Nar­zissmus“ vielmehr auf dem Mistbeet Freudscher Phantasterei gewachsen und just von hier aus über amerikanische „Psychis“ in die Seelen­heil­kunde einge­drungen ist. Freud hat dabei noch den Gehalt des antiken Mythos verfälscht, von dem er den Narzissmus ableitete, schön herausgearbeitet von Dipl.Psych. Klaus Schlag­mann in seinem Buch Oedipus – komplex betrachtet (Selbstverlag 2005).

Wir haben Präsident Trump auf den SZ-Artikel und des­sen Implikationen hingewiesen. Wie gegen die Lügenpresse wird er sich gegen seine, unsere „Psy­chis“ zu behaupten wissen. Vielleicht werden sie, die sich hüben wie drüben seit langem auf „wissen­schaft­lich“ auf­ge­motzte po­litische Mißbräuche ihrer Fächer verstehen, von ihm noch zur Ordnung gerufen. Fällig wär’s.

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Folgender verlinkter Beitrag des Bayerischen Rundfunks (BR)
http://www.br.de/br-fernsehen/programmkalender/ausstrahlung-962634.html

zeigt nicht nur einzelne Justizskandale auf, die in unserem Rechtsstaat zu irreparablen Zerstörungen un­schul­diger Men­schenleben führten, sondern zeigt endlich einmal Fehler auf, die im System unse­rer Justiz liegen und, obwohl, des öfteren schon aufgezeigt, über Jahrzehnte Urständ feiern.

Bei den Justizskandalen, zu denen entscheidend die Psychiatrie beiträgt, fand es weder der BR noch sonst ein Medium im Land je für nötig, kri­tisch einmal ins System unserer Psychiatrie hineinzuleuchten. Wer solches unter­nahm, wurde von den Medien ausgegrenzt, wenn nicht verrissen.

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Es reicht nicht mehr, nur unser engeres Thema zu behandeln. Dafür sind die Zeiten zu stürmisch. Das Psychische reicht in alles Weltgeschehen hinein. Willy Wimmer, Urgestein der CDU, heute über außenpolitischen Themen einer ihrer entschiedensten Kritiker, und weitere kritisch uns verwandte Geister sollen deshalb jetzt vermehrt auch auf unserer Webseite zu Wort kommen. Wir wurden vor Jahrzehnten gegenüber der politischen Klasse schon über psychiatrischen Themen zunehmend reserviert, die heute noch vielen als unerheblich erscheinen. Verschiedene Konflikte laufen jetzt zusammen und machen die Lage zum Zerrreißen angespannt. Klicken Sie, liebe Besucher, zuzr besseren Information, z.B. auf

http://www.politikversagen.net/die-macht-der-gesinnungspresse

oder angesichts der horrenden Vorbereitungen unserer Regierenden auf Einschränkungen der Meinungsfreiheit (Stichwort: fake news, hate speech etc.) auch auf
die Stellungnahmen  von Vera Lengsfeld

oder auf
2017 wird die Schlacht im Informationskrieg entschieden

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Der GEP-Rundbrief 2/16 von Anfang November brachte als Schwerpunkthemen

– eine umfassende Kritik der Psychoanalyse, die an ein Interview anlehnt, das Prof. Dr. M. F. Vogt auf Quer-denken.TV mit Dr. Weinberger Anfang September über die  Freudschen Schwindellehren führte, den letzten Grund der vielen Unaufrichtigkeiten, der Lügen vor­stel­lend, die heute nicht nur die Psychiatrie, sondern das gesamte politische Leben im Land durchsetzen. Da­zu legt unser Vorstandsmitglied Dipl.Psych. Klaus Schlagmann dar, mit welcher Kalt­schnäu­zigkeit diese Schwindellehren, auch ihre gröbsten, grausamsten Ausläufer an der Ba­sis „unten“, weil „von oben“ ge­deckt, vertreten werden und zur Anwendung kommen

– weiter bezüglich des „oben“ immer wieder geleugneten Psychiatriemißbrauchs in der DDR eine Entgegnung Prof. Dieckhöfers an einen Kollegen, einen der prominenten Abwieg­ler, die dieses Thema von Anfang an herunterspielten, allem An­schein nach, um im Fall des Falles das Fach selbst als Repressi­ons­mittel zur Ver­fü­gung zu haben – die von uns wieder­holt angeführten Fälle Mollath etc. ein­drück­liche Bei­spiele. Daß die Ausein­an­dersetzung jetzt auch in „Opferverbände“ eindrang –  Prof. Dieck­höfers Entgegnung er­schien in der Frei­heits­glocke 9-10/16 – läßt hoffen, daß die so durch­sichtige wie zäh aufrecht erhaltene Lüge vom Nicht-Vorkommen der „weißen Folter“ in der DDR viel­leicht doch noch zu Fall kommt. Vielen Opfern gereichte sie zum Schaden

– weiter das Thema Gender-Mainstreaming, das ebenfalls „von ganz oben“, nicht zuletzt  von konservativ firmierenden Parteien „hinterlistig“, wie Papst Franziskus es ausdrückte, oft also un­bemerkt, in die Gesellschaft hineingedrückt wird. Seinen Ursprung hat es eben­falls im Um­­feld der Psychoanalyse. Auch dieses Thema konnten wir kürzlich auf alternativen TV-Por­ta­len, u.a. Kulturstudio und NeueHorizonte ansprechen. Daß links und rechts der eta­blier­­ten Parteien und Medien alternative Formationen aufgetaucht sind, hier RT Deutsch, da u.a. die obengenannten, gibt Hoffnung, daß zumindest breiter bekannt wird, was an Ver­frem­dung, nach W. Reich an „sozialistischer Umstrukturierung des Menschen“ von „oben“, vom „großen Geld“ ver­folgt wird. Das Ziel des langfristig betriebenen Unternehmens ist anscheinend, die Men­schen von Klein auf ihrer Orientierung, Identität und Selbstsicherheit zu berauben, sie zu primitivisieren und sie so in möglichst allen Lebensvollzügen von staat­lich ge­trimmten, staatlich approbierten  „Ex­per­ten“ abhängig, kontrollierbar und damit leichter regierbar zu machen. Just so hat es Aldous Huxley 1932 vorausschauend schon in seiner  „Schönen neuen Welt“ beschrieben.

– Schließlich stellen wir auch im neuen Rundbrief aktuelle Fälle eines Psychiatrie­miß­brauchs vor, der hier aufgrund des raschen Eingreifens engagierter Helfer gerade noch ein­mal abzufangen war, in vielen ähn­­­­lichen Fäl­len aber wohl seinen Lauf nimmt, bevorzugt ältere Menschen trifft. Wir legen an verschiedenen Stellen des Rund­briefs dazu weitere Aspekte von schon behandelten Mißbrauchsfällen dar und ge­ben ab­schlie­ßend einen kurzen Aus­blick darauf, wie unsere GEP fortwirken könnte. Üüber 40 Jahre hatte sie gegen ein übermächtiges, rechts­staatlich getarntes, de facto schon bösartiges (Sub-) System an­zu­­kämp­fen und erzielte dabei mit­unter gar Er­folge.

Nachdem sich im gerade zu Ende gehenden Wahlkampf in den USA Vertreter und Kritiker die­ses Sy­stems in noch nicht dagewesener Schärfe gegenüberstanden und aller Lug und Trug des  globalistischen, amerikanisch zentrierten, auch unser Fachgebiet umfangenden (Sub-) Sy­stems damit zur Sprache kamen, bleibt Hoff­nung, daß auch die grund­legen­den Lügen und Li­sten in den Psy­cho-Fächern, an denen wir uns seit 40 Jahren reiben, letztlich noch auffliegen.

Dr. F. Weinberger, GEP                                                     4.11.2016

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Manche früher schon festgehalte Ausführungen sind es wert,  auf Dauer auf unserer Webseite zu stehen, so die von

Prof. Igor Schafarewitsch, einem russischen Mathematiker und Freund Andrej Sacharows, der in einem Aufruf vom 14.05.1978 gegen die Verhaftung des jüdischen Bürgerrechtlers Alexander Podrabinek und weiter gegen die damals in seinem Land verbreitete Psychiatri­sierung Oppositioneller, gegen ihre Internierung und Behandlung als Geistes­kranke, protestierte – seine Worte standen bereits in unserem Rundbrief 3/78:

Wenn man im Menschen nichts anderes sieht als eine Mischung von sozialen oder biologischen Kräften, dann verlieren die Konzepte von Schuld und Strafe jede Be­deu­­tung, so wie sie bedeutungslos sind, wenn sie gegen eine Maschine angewandt werden. So wie ein kaputter Computer nicht vor Gericht gestellt und nicht bestraft, sondern repariert wird, so ist es notwendig, eine Person zu reparieren, die aufhört nach dem offiziellen Programm zu funktionieren. Für exakt diesen Zweck gibt es psychiatrische Spezialkrankenhäuser.

Diese Schlußfolgerung ist so unausweichlich, daß schon ein Früh-Materialist wie Weitling, ein Vorläufer und Lehrer von Marx, das Bild einer Zukunftsgesellschaft von Freiheit und Harmonie gemalt hat, in der es keine Gerichtsverfahren und keine Prozesse mehr gäbe, in der vielmehr alle von schlechten Leidenschaften Besessenen in Hospitäler gesteckt und die Unheilbaren auf speziellen Insel-Kolonien festgehalten würden. Dies eine typische, von einem schlimmen Phantasten geträumte Utopie. Um wieviel schauriger ist die Utopie, die das reale Leben ge­schaf­fen hat? Im (noch kleinen) Modell zeigt sie uns, was uns in nicht zu ferner Zukunft erwartet.

Eine Kostprobe davon ist gegeben, wenn Psychiater zwangseingewiesenen Patien­ten in offensichtlich aller Ernsthaftigkeit erklären, daß ihre religiösen Glaubens­überzeugungen oder ihre kritischen Haltungen dem Leben gegenüber, ihr Mangel an sozialer Anpassung, wie die Ärzte sagen, ein klares Symptom geistiger Er­kran­kung seien.

Die Weltanschauung, von der solche Ansicht stammt, ist nicht in Rußland geboren – sie wuchs und trieb Blüten auf westlichem Boden. Aus diesem Grund bin ich sicher, daß auch der Westen von der gleichen Gefahr bedroht ist, wenn vielleicht auch in anderer Weise – von der Perfektion der Techniken zur Mani­pulation des Denkens, von der Veränderung des Menschen in ein eindimen­sionales Wesen, das seiner inneren Freiheit beraubt ist…

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Wenn Sie in Zukunft automatisiert per Mail über jeden neuen Rundbrief informiert werden wollen, können Sie Ihre Mail-Adresse an der folgenden Stelle (siehe rechts) im Blog eintragen. Ihre Mail-Adresse wird nur zum Mailversand für Hinweise auf aktuelle Blogeinträge der GEP e.V. verwendet und wird nicht an Dritte weitergegeben.

 

2 responses to “Aktuelles”

  1. Paradigma

    Das justizielle Vorgehen gegen Gustl Mollath und jetzt noch gegen seinen Freund Edward Braun
    (zur Übersicht ein Bericht der Mittelbayerischen Zeitung)
    http://www.mittelbayerische.de/bayern-nachrichten/mollath-prozess-zeuge-verurteilt-21705-art1505500.html
    Im WA-Ver­fah­ren gegen Mollath 2014 wurde sein langjähriger Freund Edward Braun vom Regensburger Landgericht als Zeuge in einem vierein­halbstündigen Kreuzverhör am Rand der Un­ter­zuckerung zu einer Beeidigung seiner Aussagen über Mittei­lun­gen gezwungen, die ihm Mollaths Ex-Frau 2002 am Telephon machte, dabei ihm einen regelrechten „Vernich­tungs­plan“ ge­gen ihren Mann eröffnete. Der Zahn­arzt machte sich über die schockierenden telephonische Mit­teilung der Frau u.a. auf einer Schreibtisch­un­ter­lage stich­wort­artige Notizen. Auf sie stützte er sich bei seiner Zeugen­aussage vor dem Landgericht 2014. Auf Veranlassung des Verteidigers Strate wurde er auf sie vereidigt.
    Ihren damals bekundeten Plan setzte die Frau gegen ihren Mann in der Folge rücksichtslos um, indem sie diesen ab 2003 u.a. einer Körper­ver­letzung beschuldigte, wozu sie auch zwei trick­reich erreich­te Atteste beibrachte. Das WA-Gericht hat dabei den of­fen­sichtlichen Masterplan wie auch den Bela­stungs­eifer der Frau wohl wahrge­nommen, nicht aber den Ge­samt­zu­sam­men­hang, in dem das alles ablief. Das WA-Ge­richt aber bela­stete Mollath mit der Körperverletzung ähnlich wie bereits das Tat­gericht (Landgericht Nürn­berg-Fürth) 2006. Dieses steckte Mollath darauf über psy­chia­tri­sche Gut­- oder Schlechtachten ins Irrenhaus.
    In Ansatz ähnliches wiederholte sich im April 2017 im Meineids­prozeß gegen Mollaths Unterstützer Braun:
    Im Verfahren gegen Mollaths Freund Braun am Regens­burger Amtsgericht spielte die inhaltliche Richtigkeit seiner be­ei­dig­ten Aussage von 2014 nur eine untergeordnete Rolle. Man stürzte sich auf eine Schwach­­stelle in sei­ner Dokumentation der Aus­sagen der Ex-Frau von 2002 und dies war ein willkommener Anlass Herrn Braun wegen eines Meineids anzuklagen. Das Ge­richt hielt sein Zeugnis von 2014 jetzt zwar für „möglicher­wei­se“ zutreffend, befand aber die Verfär­bung der Kugelschreibertinte sei­ner Notiz auf der Schreib­­tisch­un­ter­lage nicht zum an­ge­ge­benen Datum der Ein­tra­­gung pas­send. We­gen Mein­eids verur­teil­te es so den Freund, der auf­op­fe­rungsvoll Mol­lath aus sie­ben­ein­halb­jähriger Frei­heits­­berau­bung herausgeholt hat und ihm seitdem weiter Schutz gewährt.
    Das Amtsgericht Regensburg beurteilte Brauns Aussage über die telefonisch vorgebrachten Drohungen der Ex-Frau, die das Landgericht Regensburg 2014 noch strikt verworfen hatte, jetzt also als mög­li­cherweise stimmig. Nur der lo­gischen Schluß­fol­ge­­­rung, dass der Ma­ster­­plan der Ex-Frau tatsächlich skrupellos um­­­­­ge­setzt und schon von da­­her in seiner Stimmigkeit be­stätigt wor­den ist, entzog sich das Gericht auch jetzt.
    Das Urteil gegen ihn wirkt wie ein Nachschlag des Systems zum Fall Mollath, wie ein Racheakt dafür, daß dieser und sein Freund Braun die bayerische Justiz so bloßge­stellt haben.
    Wie der Ministerialrat a.D. Wilhelm Schlötterer in seinem Buch „Macht und Mißbrauch“ akribisch beschrieb, handelt es sich bei dem Fall Mollath um einen politischen Fall, bei dem der Rechts­staat erbärmlich versagt hat. Dies erklärt all die Fragwür­dig­keiten, die ihm juristisch bis heute nachge­schoben wurden.

  2. Klaus Schlagmann

    Zum Gender-Thema:

    Als ich mit beginnender Studentenzeit in den frühen 80er Jahren erste Erfahrungen mit Partnerschaften machte, traten mir selbstbewusste junge Frauen gegenüber, die – für mich selbstverständlich – respektvolle Behandlung erwarteten. Eine Kopie des Rollenvorbilds unserer Eltern kam nicht in Frage. Es war nicht schwer, mich z.B. für die Problematik einer vorherrschenden Männersprache zu sensibilisieren. Die Lektüre von „Die Töchter Egalias“ (in diesem Roman der Autorin Gerd Brantenberg wird eine Gesellschaft konsequent so gezeichnet, dass hier die Frauen dominant das gesellschaftliche Leben und die Sprache bestimmen; dass sich am Ende erste zaghafte Versuche zur Gegenwehr von männlicher Seite aus regen, betrachtet man hier als logisch und überfällig) bot eine witzige Möglichkeit zur Einfühlung in die andere Seite. Als junger Vater wollte ich mich dann natürlich auch von Beginn an in die Kinderversorgung einbringen. Freilich musste ich so auch die Frustration erleben, dass ein Säugling schon sehr schnell unterscheiden kann, ob er von Mama oder Papa im Arm gehalten wird: Mama war in etlichen Situationen eindeutig beruhigender. Hier spürte ich sehr unmittelbar die Grenzen der mir damals ideologisch durchaus noch wünschenswert erscheinenden Beliebigkeit.

    Aus meiner Sicht ist dabei übrigens nicht daran zu zweifeln, dass die Unterwerfung frauenrechtlicher Gesellschaften durch patriarchalische Eroberer eine Form der Ur-Unterdrückung der Menschheit darstellt. Die damit einhergehende Entwertung von Frauen hatte und hat geradezu zwangsweise zur Folge, dass immer wieder entsprechend unterdrückte Mütter in ihren Kampf gegen diese unsinnige Einengung und Bevormundung ihre eigenen Kinder als Blitzableiter und Partnerersatz instrumentalisieren. Im Ödipus-Mythos, den ich z.B. in „Ödipus – komplex betrachtet“ eingehend untersucht habe, sehe ich einen Niederschlag dieses wichtigen Menschheits-Themas. Die patriarchalische Norm – Männer sind wichtiger als Frauen – hat Auswirkungen auf die konkrete Familie: Allzu leicht befinden sich in solch einer Gesellschaft die Eltern latent in einem Dauer-Konflikt, in den immer wieder Kinder hineingezogen und geprägt werden. Dass dieses Thema bereits von Marx und Engels analysiert wurde, erscheint mir nur als guter und notwendiger Beitrag zur Aufklärung.

    Dass mit der heutigen Genderisierung eine Zerrüttung von Familien, und damit von Gesellschaften, einhergeht, steht auf einem anderen Blatt und ist mir erst in den letzten Jahren deutlich geworden. In der asiatischen Lehre von Yin und Yang sehe ich ein schönes Modell, das womöglich eine wünschenswerte Entwicklungsrichtung angeben könnte: Zwei Teile, die von der Form her gleich, von der Farbe gegensätzlich sind, jeweils versehen mit dem Keim des anderen. Und nur gemeinsam bilden sie eine runde Sache.

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