Aktuelles

Bei den folgenden kritischen Ausführungen über Vorkommnisse in Psychiatrie und Psycho­logie, dabei auch Fehler in deren System, sei betont, daß wir diese Fächer nicht grundsätzlich in Frage stellten. Wir betreiben keine „Antipsychiatrie“.

In der vorliegenden Rubrik stehen meist kürzere Mitteilungen zu aktuellen Ereig­nissen und Erkenntnissen, die zwischen den seltener, meist halbjährlich erscheinenden Rundbriefen an­gefallen sind. Diese Kurzmitteilungen werden  vom Zeitablauf meist bald von anderen abgelöst. Was von ihnen langfristig festgehalten zu wer­den verdient, wandert dann zusammengefaßt in den näch­sten Rundbrief. Die jüngsten Einträge in dieser Rubrik werden  im Folgenden rot markiert.

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Establishment, Mißbrauch und Reform der Psychiatrie

Donald Trump bezichtigte „das Estab­lish­ment“  im Wahlkampf schon der „Lügen, Lügen, Lügen“. An diesem Establishment reiben wir uns seit über 40 Jahren in unserer Auseinandersetzung um Psychiatriemißbrauch und Psych­ia­trie­­re­form, in denen wir eine just von diesem Establishment betriebene Kor­rum­pierung des Fa­ches erkennen. Mißbrauchsfälle, von denen wir früher aus der Sowjet­union erfuhren, die sich in jünger Zeit aber wie etwa der Fall von Gustl Mollath eher im Westen abspielen, sind deren Ergebnis. Jüngst bekam eine „reform­psychia­tri­sche“ Diagnose auch Präsident Trump angehängt.  Die Entwicklung dazu konnten wir über vier Jahrzehnte in vielen Einzelheiten beobachten. Jüngst sind uns dazu weitere einschlägige Informationen zuge­gangen. Da in der nächsten Jahresver­samm­lung der GEP u.U. deren Auflösung ansteht, wollen wir die Gele­gen­heit, vielleicht eine der letzten, nützen, noch verbliebene Lücken in unserer jahr­zehntelangen Berichterstattung zu diesem Thema zu schließen, wollen diese Ent­wick­lung damit noch­mals zusammenfassend beleuchten. Die seinerzeitigen  Vor­gänge spielen ganz wesentlich ins heutige Geschehen nicht nur der Psychiatrie, sondern des gesellschaftlichen Lebens allgemein hinein.

In RB 1/11,2.5 warfen wir bereits einige Schlaglichter auf das Buch COLD WAR IN PSYCHIATRY, Radopi, Amsterdam, 2010 von R. van Voren. Bürger­lich heißt er J. Bax. Mit ihm waren wir rund zehn Jahre in IAPUP verbunden, der Inter­national Association on the Political Use of Psychiatry,[1] einem Verband selb­ständiger Mit­­gliedsgruppen aus verschiedenen Ländern, dem wir bis 1991 an­ge­hörten.[2] Das Buch handelt vom Kampf gegen den sowjetischen Psychiatriemißbrauch, der in den 1960er bis 80er Jahren spielte, handelt aber auch vom Um­bruch in der psych­iatrischen Diagnostik des Westens, dem Herauskommen der neuen Psycho-Dia­gnosenliste der Amerikaner von 1980, dem DSM-III, dem we­sentlichsten Element der Psychiatriereform. Diese lief gleichzeitig in etlichen westlichen Ländern ab­ und bildet einen Schwerpunkt der 68er Kulturrevolution.

Zur Entwicklung des DSM-III ging uns kürzlich ein Artikel von  Hannah S. Decker zu, einer Historikerin, Pro­­fes­sorin an der Universität von Houston, Texas, die in mehreren Büchern sich der Geschichte der Psychiatrie, kritisch auch der Psychoanalyse widmet. Sie stellt die neue Psycho-Diagnostik des  DSM-III als das Werk von Robert L. Spitzer (1932-2015) dar, eines Professors an der Columbia University in New York. Dieser lehnte laut Decker an die deutschen Pioniere des Fachs an, vor allem an Emil Krae­pelin (1856-1926) und seine sorgsamen Krank­­heits­be­schrei­bun­gen. Nach dem zuvor freud-be­dingt ziemlich desolaten, von gewal­tigen Straf­zah­lun­gen und einer ätzenden Kritik belasteten Zustand des Faches in den USA (vgl. RB 1/16, 6.3) verhalf ihm Spitzer so wieder zu einigem Ansehen.

Decker erklärt in dem Artikel freilich nicht, warum die APA 1980 aus der Inter­nationalen Klassifikation psychischer Störungen der WHO, der ICD, ausscherte, die weitgehend schon auf Kraepelin fußte, nur bei den damals ganz auf Freud fi­xierten Amerikanern nichts galt. Auch erwähnt Decker nicht das Baxsche Buch, das mit dem Segen hoher APA-Ver­treter der Entwicklung des DSM-III einen ganz anderen Spin gibt. Bax schreibt die Verdienste an ihm dem damaligen Medical Director der APA Melvin Sabshin[3] zu. Spit­zer kommt bei ihm nicht vor. In­direkt macht Bax aber erkennbar, warum die APA 1980 den Affront gegen die WHO beging und aus deren vor­bestehender ICD ausschied. Sab­shin war nämlich nicht nur ein Freu­dia­ner, sondern ein vom FBI über Jahrzehnte beobachteter, ak­tiver Kom­­­munist. Die nach 1933 in Ame­rika wirkenden Vertreter der Frankfurter Schule hat­ten in den Spuren u.a. von Trotzki Mar­xismus und Psy­choanalyse perfekt vereinigt. Sabshin mußte ihr ideologisches Paket nur in die Psychiatrie einpassen.

Nach all ihren voraus­ge­gan­genen Freud-bedingten Skandalen (s.o.) war die APA aber auch mit dem Weltkongreß für Psych­iatrie in Honolulu 1977 schon zu einigen Ehren gekommen. Dieser Kongreß gewann seine historische Be­deutung auch unter unserer Mitwirkung mit der Verurteilung des sowjetischen Psychiatrie­miß­brauchs (RB 3/77), nach wie vor eimem Markstein psychiatrischer Ethik, der viele Psychiater freilich eher stört. An den hitzigen Debatten um dieses Thema beteiligte sich Sab­shin in Honolulu nicht. In der Folge nützte er die wieder gewonnene Repu­ta­tion der APA aber, sie von der WHO zu lösen und mit kleinen semantischen Tricks seine Ideologi­en in ihrem diagnostischen System DSM zu verankern. Indem er fast unauffällig den nicht unbedingt krankheitswertigen Begriff „Psychopathie“ der Kraepelin-Psy­ch­ia­trie durch den regelhaft Krankheit anzeigenden der „Per­sön­lich­keits­­stö­rung“ ersetzte, hiermit u.a. die luftigen Freu­­dia­­ner-Dia­gno­sen der „narziss­ti­schen“, der „Bor­der­line-“ und weiterer „Per­sön­lich­keits­stö­rungen“ ins DSM einbrachte und dieses in der Weltpsychiatrie durchsetzte (vgl. den Fall A. Kuwalew­sky – RB 1/14,4-5), verwischte er den Unterschied zwischen (biologischem) Krank­­heits­prozeß wie auch angeborenen Persönlichkeitsvarianten einerseits und auf der anderen Seite (psychologisch begründeten) Erlebnisreaktionen[4], damit bis dahin erreichten wis­sen­schaft­lichen Standard![5] Mit solch feinen Begriffsverbiegungen machte er – das wird bei Bax immerhin klar[6] – neue diagno­sti­sche Über­zie­hun­gen der Psychiatrie auf das nor­male Menschenleben möglich, eröffnete er die diagno­stische Inflation des DSM auf jetzt über 300 „Störungen“ (nach der alten „Würzburger Diagnosen-Tabelle“ gab’s vordem gerade einmal 20 (zwanzig) psychische Krankheiten!) und schuf im Fach neue Mißbrauchs­be­reit­schaf­ten, die bald auf viele Mitbürger durch­­schlu­­gen (RB 1/16, 6.2-3), letztlich heute gar auf den Prä­sidenten der USA. Just von der freudisch reformierten US-Psy­ch­iatrie aus be­setzte der Neo-Marxismus,  Freud-Mar­xis­­mus die westliche Gesellschaft insgesamt.

Decker liegt als Historikerin mit gutem Grund vor allem am Aufzeigen des Fortschritts, den die APA mit dem DSM gegenüber dem vordem unhaltbaren Zustand der US-Psy­cho-Dia­gnostik machte. Den in ihm trotzdem noch resistie­renden, dann gar in die internationale Klassifikation psychiatrischer Diagnosen (ICD)[7] über­tragenen Murks übergeht sie. Die deutschen Psychiater, die in jenen Jahren allen Grund gehabt hätten, hier ein gutes Erbe zu verteidigen, waren, von ihrer Nazi-Last beschwert, damals wie heute zu feige, ihr Fach gegen die Ver­bie­gun­gen der APA zu verteidigen. Lieber ließen und lassen sie über fragwürdigen Dia­gnosen ihre Patienten und Probanden zu Schaden kommen. Natürlich gab es unter den US-Psy­ch­­iatern immer auch ehrliche Kollegen, denen das Treiben ihrer Freud-Marxisten im Fach aufstieß. Durch sie  (u.a. E. Fuller Torrey FREUDIAN FRAUD oder Joel Paris, THE FALL OF AN ICON) erfuhren letztlich auch wir davon. Aber in hier­archisch geordneten, letztlich staatlich gelenkten Fach­gesellschaften halten sich Seilschaften zäh, ist gegen sie kein Aufkommen.[8]

Hüben wie drüben dachten diese nach Honolulu mit Sabshin offensichtlich, die Welt­­revolution mit dem se­xy-amerikanischen Freud­-Mar­xis­mus besser voranbrin­gen zu können als mit dem verstaubten Marxismus der So­wjet­uni­on. Diese könnte darum ruhig untergehen, was natürlich auch amerikanischen Neocons und Neolibs zusagte. Das ge­­fiel selbst der neu-linken Führungs­spitze, die sich über die APA in der Führung des Weltverbands für Psychiatrie (WVP) eingenistet hatte. Sie war damals fast komplett kom­munistisch besetzt. Sabshin arbeitete ab 1984 bestens u.a. mit dem Stasi-Mann Prof. Jochen Neumann (IM Ernst Lache) aus der DDR zusammen, der als Ver­treter des Ostblocks jetzt im WVP-Vor­stand saß. Bax feiert ihn und Sabshin über viele Seiten seines Buches über alle Maßen, letzteren als „exponent of American dominance in world psychiatry“. Daneben kreiste er, vom Geld u.a. der (neo-)kon­ser­va­tiven Smith-Ri­chard­­­­son-Foundation gepäppelt, von Litauen bis Tadschikistan Rußland mit Filialen seiner GIP (RB 1/16, Fn 30) ein [9], wohl um es reform-psych­­ia­trisch, neu-links aufzuweichen, wie es vordem in Deutschland so gut geklappt hat. Uns, die wir  von 1980 bis ’91 freund­lich-kri­tisch mit ihm zusam­men­arbeiteten,[10] diffamiert er jetzt.[11] Noch 1987 war ich bei der KSZE-Nach­folge­kon­­fe­renz in der Wiener Hofburg an der Seite des US-Bot­­schafters Warren Zimmer­mann dem sowjetischen Psychiatrie-Mißbrauch entgegengetreten (RB 2/89, S.31).[12] Noch 1988 bestärkte ich bei der Jah­res­ver­samm­lung der APA in Washing­ton D.C. die amerikanischen Kollegen im Widerstand gegen jene Miß­brauchs­prak­tiken – um heilkundliche Redlichkeit, nicht um amerikanisch-neu-lin­ke Globali­sierung voranzubringen.[13] Bei Bax’ macht­politischen Spiel­chen machten wir als DVpMP/GEP längst nicht mehr mit.

Ruß­land kulturpolitisch kirre zu machen, gelang Bax und seinen Auftragsgebern so auch nicht mehr ganz.[14] Das er­klärt, warum sich dann auch hohe APA-Funk­tio­näre, Sabshin, Mercer etc., den Diffa­mierungen im Bax-Buch an­schlos­sen.[15] Mit fachlich verpackten Verleum­dungen, etwa der Zuschreibung einer „narzißtischen Persönlichkeitsstörung“ glauben US-Psy­chiater jetzt den bei über ¾ von ihnen (laut DÄ 50/16) unbe­liebten rechten Präsidenten der USA demontieren zu können. Seine Politik muß niemand gutheißen. Ein ganzes psychia­trisches Diagnostik-Manual aber so auszurichten, daß es just in einer Zeit (um 1980), in der Miß­­­­­bräuche des Fachs welt­weite Empörung auslösten, solche neu ermöglicht, dieses Manual dann an der ICD, der WHO vorbei zur „inter­natio­nally accepted psychiatric nosology“ zu erheben und es schließlich auch noch als „Barriere“ gegen solche Mißbräuche auszugeben, das ist wohl Chuzpe.

Von Präsident Trump, der noch keine drei Monate im Amt ist, wissen wir bis jetzt weder, wie er die Beziehungen zu Rußland gestalten noch wie er mit der ihm angehängten Psycho-Dia­gnose oder gar dem Dia­­gnosensystem seiner „Psychis“ insgesamt umgehen wird. Die Zukunft ist offen.

Dr. F. Weinberger, 5.4.2017

Endnoten:
[1]  Wir waren in den 70er und 80er Jahren die schärfsten Kritiker der sowjetischen Psychiatrie-Mißbräuche. Um so ferner liegt uns heute Feindseligkeit dem aktuellen Rußland gegenüber, das seine Truppen aus Deutschland abgezogen hat, kei­­nen Totalitarismus mehr ver­ficht und (soweit bekannt) keine Heil­kunde mehr mißbraucht.
[2]  Nachträglich fragten wir uns, ob bei IAPUP nicht von vornherein politische Organisationen, der britische Geheimdienst etwa, die Zügel führten. So vorzüglich funktionierte sie, so selbstverständlich stand Herrn Bax das nötige Geld zur Verfügung. Wir waren in IAPUP wohl die einzige von Idealisten, von klei­nen Mitgliedsbeiträgen getragene Mitgliedsgruppe.
[3]  An seiner Seite Ellen Mercer,  damals Direktorin des APA-Office for Foreign Affairs, eine Soziologin und vormalige CIA-Be­dien­stete.
[4] Ersterer häufig, letztere nur ausnahmsweise die Schuldfähigkeit tangierend
[5] Auch weil sie mit ihrer umstrittenen Borderline-Störung (RB 1/14,5) in der „unstrittigen“ psychiatrischen Nomenklatur (DSM und ICD) vertreten waren, konnten die Freudianer ihre Reputation in der Gesellschaft aufrecht halten.
[6]  Nicht nur die Hintergründe des DSM verzeichnet Bax/van Voren in seinem Buch (Fn 1 und 2) grob, sondern auch den Kampf gegen den Psychiatriemißbrauch, sein Schwerpunktthema. Über diesem waren wir 1980 mit entsprechend engagierten Gruppen in IAPUP kooperativ und doch kritisch in Verbindung getreten. Begonnen hat der Kampf be­kanntlich 1971 mit dem Bericht Wladimir Bukowskis über gehäufte Mißbräuche des Fachs in der Sowjetunion. Schon im gleichen Jahr erreichte der Kampf einen ersten Höhepunkt beim Weltkongreß für Psy­ch­­iatrie in Mexiko mit dem Appell Walter von Baeyers, damals Vizepräsident des WVP, an die Delegierten, ihr Ohr den Opfern solcher Mißbräuche nicht zu verschließen (s. M. Lader PSYCVHIATRY ON TRIAL, Penguin 1977). Die Vertreter der nationalen Psychiatergesellschaften, auch der APA, aber kniffen (s. Bloch und Reddaway DISSIDENT ODER GEISTESKRANK; Piper, 1978, S. 236ff). Den 2. Höhepunkt des Kamp­fes brachte der Weltkongreß für Psychiatrie 1977 in Honolulu mit der Verurteilung besagten Mißbrauchs. Auch hier hüllten sich die Vertreter der APA im Gegensatz zum „Fußvolk“ in Schweigen. Und vom Bax war damals erst recht nichts zu hö­ren. Erst 1980 begann er, von amerikanischem Geld gepäppelt, in IAPUP aufzudrehen. 1991 trennten wir uns von ihm und ihr. Ihm und seinen Geld- und Auftraggebern ging es, wie sich jetzt und in der Folge zeigte, um die Durch­setzung neu-links-mißbrauchsträchtiger Reformkon­­zepte in der Weltpsychiatrie, uns um die Ab­schaf­fung des Psy­chia­trie­mißbrauchs, wo und in welcher seiner Spielarten auch immer – s. Bilder von Bax in RB 1/11,2.5.
[7] Mit dem DSM fühlte sich die APA jetzt als „world leader in science and conscience of psychiatry“.
[8] Das ist das ganz Außergewöhnliche an der Wahl Trumps, daß sie gewonnen wurde gegen den breiten Widerstand des Establishments, gegen sein in alle Po­ren der westlichen Gesellschaft eingedrungenes, globalistisches Gedankengut und seine Seilschaften.
[9]  Die Russen fühlen sich verständlicherweise von der Einzingelung mehr beunruhigt, die Amerika / die NATO mili­tärisch u.a. mit deutschen Hilfstruppen heute von Litauen bis Georgien um ihr Land legen.
[10]  1998 ­gab Bax die Parole aus: „DDR – No systematic abuse“ (RB 2/98,2). Vgl. hierzu unsere Rundbriefe seit 1997, besonders RB 2/09). Dazu ein Wort von Wolf Biermann, Autobiographie S. 277-278 : „…aus Anlaß der Weltjugendfestspiele 1973 in Ostberlin wurden u.a. … über 2000 Bürger der DDR … ‚vorsorglich‘ verhaftet … 477 wurden in die Psychiatrie eingewiesen.“ Ohne Trennung von GIP, ohne Bewahrung unserer Selbstän­digkeit hätten wir die Mißbräuche des Fachs in der DDR nie aufspießen und Mißbrauchsfällen in un­serem demokra­tischen Rechts­staat heute schon gar nicht nachgehen können.
[11]  Mit anderen dem Mißbrauch wehrenden, unab­hän­gigen Gruppen aus verschiedenen Ländern, vor allem in England und der Schweiz (Genf) hatten wir uns 1980 zu IAPUP zusammengeschlossen. Im Nachhinein zweifle ich, ob diese an­deren Gruppen, etwa die britische, „unabhängig“ waren und nicht eher aus Leuten etwa des brit­ischen Geheimdienstes bestanden, so perfekt funktionierte IAPUP bald.  Zu ihr stieß auch der Hollän­der Bax, der russisch sprach, aus Amerika viel Geld beischaffte und so in IAPUP Einfluß gewann, bis Dr. Korjagin und wir ihm 1991 Adieu sagten (s. RB 90-93) . In seinem o.g. Buch (S. 156) erklärt Bax für GIP, die er mit IAPUP gleichsetzt, die aber von An­fang an auch wir repräsentierten: „Our organization had been infiltrated via our West-German member organization, the DVpMP (heute GEP), chaired by the Starnberg psychiatrist Dr. Fried­rich Weinberger“. Daß die Gegen­seite uns aus­spionieren würde, damit war immer zu rechnen. Daß wir dann un­wis­sentlich tatsächlich von einem Stasi-Spitzel abgeschöpft wurden, habe ich in RB 1/11, Fn 8 erklärt. Für ihren Verrat zahlte das Spitzel Prof. Dr. med. Gisela Otto nach der Wende mit Selbstmord. Zwei Leute aus den eigenen Reihen, der FAZ-Korrespondent Langen und Fachkollege Dr. Bieber, in der Vereinsarbeit bis dahin nicht die aktivsten, wechselten 1991 zu Bax und ar­beiteten mit ihm fortan gegen uns. Zwei gewichtige Mitstreiter stützten uns um so nachhaltiger, Christine Gat­tinger, Mitinitiatorin und Gründungsmitglied der DVpMP/GEP sowie die Psychologin Dr. Wanda von  Baeyer-Katte, die Witwe unseres Ehrenpräsidenten. Sie retteten unsere Linie. Die damaligen Auseinandersetzungen glichen in ihrem ideellen Kern und ihrer Schärfe bereits den heutigen zwischen Trump und dem neu-linken Establishment um Clinton (s. RB 90-93).
Nachtrag 28.4.17: Soeben finde ich auf Bax`/ GIPs Webseite einen unser Them beleuchtenden Artikel von 2009: „Political Abuse of Psychiatry – An Historical Overview.“ Er entspricht uns in manchen Punkten durchaus, verzeichnet aber nach wie vor andere und zwar die wichtigsten.
12]  Heute füllen russische Stimmen wie das offene, keineswegs mehr kommunistische RT-­Deutsch viele Lücken, die unssere mainstream-Medien oft genug hinterläassen.
[13]  Meine Rede dort gar in der IAPUP-Schrift soviet psychiatric abuse in the gobachev era noch 1989 festgehalten.
[14]  Die Sowjetunion war 1991 zerbrochen. Da sollten die Kollegen im Osten jetzt für die westlich-neu-marxi­sti­sche Psychiatrie gewonnen werden und wurden deshalb gehätschelt. Deshalb GIP, Bax und die APA-Spit­ze: „DDR – No systema­tic abuse“. Das hörten deutsche „Psychis“ natürlich gern. Das gesamte Establishment hierzulande, voran das DEUTSCHE  ÄRZTEBLATT, schwätzten es nach. Vielen Kollegen aus dem Osten zahlte George Soros den Besuch des WVP-Kon­gresses 1999 im Ham­burg. Im gleichen Jahr schloß sich Rußland der ICD an, da­mit ein Stück weit dem sie führenden amerikanischen DSM. George Soros, Scientology und ähnlich psycho-ak­ti­ve Initiativen warf Putin inzwischen aber aus dem Land.
[15] Tatsächlich waren wir, insbesondere von Baeyer und ich lange vor Bax die ak­tiv­sten Widersacher des sowjetischen Psychiatriemißbrauchs. Auf der machtpo­litischen Ebene aber waren es, wie ge­sagt, zuletzt ausgewiesene (Neo-)Marxisten wie Sabshin, wie Neumann, Bax sowieso, die vom großen amerikanischen Geld ge­stützt, versuchten, just von der Psychiatrie aus nach der Sowjetunion auch Rußland zu destabilisieren.

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Nach nicht-endenden Abwertungen, Schmähungen gegen Präsident Trump in unserer Lügenpresse entdeckten etliche Psych­ia­ter, daß auch sie gegen ihn noch etwas vorbringen könnten. Laut STERN vom 23.2.17 waren es in den USA gleich 35 „Psychis“, „Psy­ch­iater, Psychologen, Sozialar­beiter“ usw., die an Trump einen Narzissmus kon­sta­tier­ten, woraus DER STERN die Überschrift machte: „Ame­rikanische Psych­ia­ter diskutieren, ob der Präsident geisteskrank ist“.

 Und die gleich linke SÜDDEUTSCHE ZEITUNG vom 18.-19.2.17 bot den Berliner Charité-Psychiater Röpke als „führenden Experten für Narziß­mus“ auf, um einen solchen ihrerseits dem ungeliebten Präsidenten Trump zu unterstellen. Alle mög­lichen in der Breite des Menschlichen liegenden Eigen­schaften, „starre Denk- und Verhal­tensmuster“, das Bedürfnis, „beachtet und bewundert“ zu wer­den, eine „leichte Kränkbarkeit“‚ zudem “extreme Wutaus­brüche“ u.ä. fanden sie an ihm. Und die SZ fragte, ob Trump „denn amtsfähig wäre, wenn er tatsächlich un­ter krankhaftem Narzissmus leiden würde“.  Fein deckte sie dabei ihren „Ex­perten“ ab. In der Unter-Überschrift schrieb sie, „warum der Berliner Psychia­ter Röpke davor warnt“, an Trump eine „narzißtische Persönlichkeitsstörung“ zu dia­­­gnosti­zieren, während Röpke letzteres, den US-Kollegen nachhinkend, doch eindeutig tat, wenn auch strecken­wei­se ver­klau­suliert. So hinterhältig, so verlo­gen, so verleumderisch operieren viele unserer „Qua­litäts­me­di­en“ und viele „Psychis“.

Dabei ist festzustellen, daß Narzissmus an sich keine Krank­heits­diagnose ist, es demzufolge hier auch kein „Expertentum“ gibt, die „Dia­gnose Nar­zissmus“ vielmehr auf dem Mistbeet Freudscher Phantasterei gewachsen und just von hier aus über amerikanische „Psychis“ in die Seelen­heil­kunde einge­drungen ist. Freud hat dabei noch den Gehalt des antiken Mythos verfälscht, von dem er den Narzissmus ableitete, schön herausgearbeitet von Dipl.Psych. Klaus Schlag­mann in seinem Buch Oedipus – komplex betrachtet (Selbstverlag 2005).

Wir haben Präsident Trump auf den SZ-Artikel und des­sen Implikationen hingewiesen. Wie gegen die Lügenpresse wird er sich gegen seine, unsere „Psy­chis“ zu behaupten wissen. Vielleicht werden sie, die sich hüben wie drüben seit langem auf „wissen­schaft­lich“ auf­ge­motzte po­litische Mißbräuche ihrer Fächer verstehen, von ihm noch zur Ordnung gerufen. Fällig wär’s.

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Folgender verlinkter Beitrag des Bayerischen Rundfunks (BR)
http://www.br.de/br-fernsehen/programmkalender/ausstrahlung-962634.html

zeigt nicht nur einzelne Justizskandale auf, die in unserem Rechtsstaat zu irreparablen Zerstörungen un­schul­diger Men­schenleben führten, sondern zeigt endlich einmal Fehler auf, die im System unse­rer Justiz liegen und, obwohl, des öfteren schon aufgezeigt, über Jahrzehnte Urständ feiern.

Bei den Justizskandalen, zu denen entscheidend die Psychiatrie beiträgt, fand es weder der BR noch sonst ein Medium im Land je für nötig, kri­tisch einmal ins System unserer Psychiatrie hineinzuleuchten. Wer solches unter­nahm, wurde von den Medien ausgegrenzt, wenn nicht verrissen.

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Es reicht nicht mehr, nur unser engeres Thema zu behandeln. Dafür sind die Zeiten zu stürmisch. Das Psychische reicht in alles Weltgeschehen hinein. Willy Wimmer, Urgestein der CDU, heute über außenpolitischen Themen einer ihrer entschiedensten Kritiker, und weitere kritisch uns verwandte Geister sollen deshalb jetzt vermehrt auch auf unserer Webseite zu Wort kommen. Wir wurden vor Jahrzehnten gegenüber der politischen Klasse schon über psychiatrischen Themen zunehmend reserviert, die heute noch vielen als unerheblich erscheinen. Verschiedene Konflikte laufen jetzt zusammen und machen die Lage zum Zerrreißen angespannt. Klicken Sie, liebe Besucher, zuzr besseren Information, z.B. auf

http://www.politikversagen.net/die-macht-der-gesinnungspresse

oder angesichts der horrenden Vorbereitungen unserer Regierenden auf Einschränkungen der Meinungsfreiheit (Stichwort: fake news, hate speech etc.) auch auf
die Stellungnahmen  von Vera Lengsfeld

oder auf
2017 wird die Schlacht im Informationskrieg entschieden

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Der GEP-Rundbrief 2/16 von Anfang November brachte als Schwerpunkthemen

– eine umfassende Kritik der Psychoanalyse, die an ein Interview anlehnt, das Prof. Dr. M. F. Vogt auf Quer-denken.TV mit Dr. Weinberger Anfang September über die  Freudschen Schwindellehren führte, den letzten Grund der vielen Unaufrichtigkeiten, der Lügen vor­stel­lend, die heute nicht nur die Psychiatrie, sondern das gesamte politische Leben im Land durchsetzen. Da­zu legt unser Vorstandsmitglied Dipl.Psych. Klaus Schlagmann dar, mit welcher Kalt­schnäu­zigkeit diese Schwindellehren, auch ihre gröbsten, grausamsten Ausläufer an der Ba­sis „unten“, weil „von oben“ ge­deckt, vertreten werden und zur Anwendung kommen

– weiter bezüglich des „oben“ immer wieder geleugneten Psychiatriemißbrauchs in der DDR eine Entgegnung Prof. Dieckhöfers an einen Kollegen, einen der prominenten Abwieg­ler, die dieses Thema von Anfang an herunterspielten, allem An­schein nach, um im Fall des Falles das Fach selbst als Repressi­ons­mittel zur Ver­fü­gung zu haben – die von uns wieder­holt angeführten Fälle Mollath etc. ein­drück­liche Bei­spiele. Daß die Ausein­an­dersetzung jetzt auch in „Opferverbände“ eindrang –  Prof. Dieck­höfers Entgegnung er­schien in der Frei­heits­glocke 9-10/16 – läßt hoffen, daß die so durch­sichtige wie zäh aufrecht erhaltene Lüge vom Nicht-Vorkommen der „weißen Folter“ in der DDR viel­leicht doch noch zu Fall kommt. Vielen Opfern gereichte sie zum Schaden

– weiter das Thema Gender-Mainstreaming, das ebenfalls „von ganz oben“, nicht zuletzt  von konservativ firmierenden Parteien „hinterlistig“, wie Papst Franziskus es ausdrückte, oft also un­bemerkt, in die Gesellschaft hineingedrückt wird. Seinen Ursprung hat es eben­falls im Um­­feld der Psychoanalyse. Auch dieses Thema konnten wir kürzlich auf alternativen TV-Por­ta­len, u.a. Kulturstudio und NeueHorizonte ansprechen. Daß links und rechts der eta­blier­­ten Parteien und Medien alternative Formationen aufgetaucht sind, hier RT Deutsch, da u.a. die obengenannten, gibt Hoffnung, daß zumindest breiter bekannt wird, was an Ver­frem­dung, nach W. Reich an „sozialistischer Umstrukturierung des Menschen“ von „oben“, vom „großen Geld“ ver­folgt wird. Das Ziel des langfristig betriebenen Unternehmens ist anscheinend, die Men­schen von Klein auf ihrer Orientierung, Identität und Selbstsicherheit zu berauben, sie zu primitivisieren und sie so in möglichst allen Lebensvollzügen von staat­lich ge­trimmten, staatlich approbierten  „Ex­per­ten“ abhängig, kontrollierbar und damit leichter regierbar zu machen. Just so hat es Aldous Huxley 1932 vorausschauend schon in seiner  „Schönen neuen Welt“ beschrieben.

– Schließlich stellen wir auch im neuen Rundbrief aktuelle Fälle eines Psychiatrie­miß­brauchs vor, der hier aufgrund des raschen Eingreifens engagierter Helfer gerade noch ein­mal abzufangen war, in vielen ähn­­­­lichen Fäl­len aber wohl seinen Lauf nimmt, bevorzugt ältere Menschen trifft. Wir legen an verschiedenen Stellen des Rund­briefs dazu weitere Aspekte von schon behandelten Mißbrauchsfällen dar und ge­ben ab­schlie­ßend einen kurzen Aus­blick darauf, wie unsere GEP fortwirken könnte. Üüber 40 Jahre hatte sie gegen ein übermächtiges, rechts­staatlich getarntes, de facto schon bösartiges (Sub-) System an­zu­­kämp­fen und erzielte dabei mit­unter gar Er­folge.

Nachdem sich im gerade zu Ende gehenden Wahlkampf in den USA Vertreter und Kritiker die­ses Sy­stems in noch nicht dagewesener Schärfe gegenüberstanden und aller Lug und Trug des  globalistischen, amerikanisch zentrierten, auch unser Fachgebiet umfangenden (Sub-) Sy­stems damit zur Sprache kamen, bleibt Hoff­nung, daß auch die grund­legen­den Lügen und Li­sten in den Psy­cho-Fächern, an denen wir uns seit 40 Jahren reiben, letztlich noch auffliegen.

Dr. F. Weinberger, GEP                                                     4.11.2016

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Manche früher schon festgehalte Ausführungen sind es wert,  auf Dauer auf unserer Webseite zu stehen, so die von

Prof. Igor Schafarewitsch, einem russischen Mathematiker und Freund Andrej Sacharows, der in einem Aufruf vom 14.05.1978 gegen die Verhaftung des jüdischen Bürgerrechtlers Alexander Podrabinek und weiter gegen die damals in seinem Land verbreitete Psychiatri­sierung Oppositioneller, gegen ihre Internierung und Behandlung als Geistes­kranke, protestierte – seine Worte standen bereits in unserem Rundbrief 3/78:

Wenn man im Menschen nichts anderes sieht als eine Mischung von sozialen oder biologischen Kräften, dann verlieren die Konzepte von Schuld und Strafe jede Be­deu­­tung, so wie sie bedeutungslos sind, wenn sie gegen eine Maschine angewandt werden. So wie ein kaputter Computer nicht vor Gericht gestellt und nicht bestraft, sondern repariert wird, so ist es notwendig, eine Person zu reparieren, die aufhört nach dem offiziellen Programm zu funktionieren. Für exakt diesen Zweck gibt es psychiatrische Spezialkrankenhäuser.

Diese Schlußfolgerung ist so unausweichlich, daß schon ein Früh-Materialist wie Weitling, ein Vorläufer und Lehrer von Marx, das Bild einer Zukunftsgesellschaft von Freiheit und Harmonie gemalt hat, in der es keine Gerichtsverfahren und keine Prozesse mehr gäbe, in der vielmehr alle von schlechten Leidenschaften Besessenen in Hospitäler gesteckt und die Unheilbaren auf speziellen Insel-Kolonien festgehalten würden. Dies eine typische, von einem schlimmen Phantasten geträumte Utopie. Um wieviel schauriger ist die Utopie, die das reale Leben ge­schaf­fen hat? Im (noch kleinen) Modell zeigt sie uns, was uns in nicht zu ferner Zukunft erwartet.

Eine Kostprobe davon ist gegeben, wenn Psychiater zwangseingewiesenen Patien­ten in offensichtlich aller Ernsthaftigkeit erklären, daß ihre religiösen Glaubens­überzeugungen oder ihre kritischen Haltungen dem Leben gegenüber, ihr Mangel an sozialer Anpassung, wie die Ärzte sagen, ein klares Symptom geistiger Er­kran­kung seien.

Die Weltanschauung, von der solche Ansicht stammt, ist nicht in Rußland geboren – sie wuchs und trieb Blüten auf westlichem Boden. Aus diesem Grund bin ich sicher, daß auch der Westen von der gleichen Gefahr bedroht ist, wenn vielleicht auch in anderer Weise – von der Perfektion der Techniken zur Mani­pulation des Denkens, von der Veränderung des Menschen in ein eindimen­sionales Wesen, das seiner inneren Freiheit beraubt ist…

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Wenn Sie in Zukunft automatisiert per Mail über jeden neuen Rundbrief informiert werden wollen, können Sie Ihre Mail-Adresse an der folgenden Stelle (siehe rechts) im Blog eintragen. Ihre Mail-Adresse wird nur zum Mailversand für Hinweise auf aktuelle Blogeinträge der GEP e.V. verwendet und wird nicht an Dritte weitergegeben.

 

2 responses to “Aktuelles”

  1. Paradigma

    Das justizielle Vorgehen gegen Gustl Mollath und jetzt noch gegen seinen Freund Edward Braun
    (zur Übersicht ein Bericht der Mittelbayerischen Zeitung)
    http://www.mittelbayerische.de/bayern-nachrichten/mollath-prozess-zeuge-verurteilt-21705-art1505500.html
    Im WA-Ver­fah­ren gegen Mollath 2014 wurde sein langjähriger Freund Edward Braun vom Regensburger Landgericht als Zeuge in einem vierein­halbstündigen Kreuzverhör am Rand der Un­ter­zuckerung zu einer Beeidigung seiner Aussagen über Mittei­lun­gen gezwungen, die ihm Mollaths Ex-Frau 2002 am Telephon machte, dabei ihm einen regelrechten „Vernich­tungs­plan“ ge­gen ihren Mann eröffnete. Der Zahn­arzt machte sich über die schockierenden telephonische Mit­teilung der Frau u.a. auf einer Schreibtisch­un­ter­lage stich­wort­artige Notizen. Auf sie stützte er sich bei seiner Zeugen­aussage vor dem Landgericht 2014. Auf Veranlassung des Verteidigers Strate wurde er auf sie vereidigt.
    Ihren damals bekundeten Plan setzte die Frau gegen ihren Mann in der Folge rücksichtslos um, indem sie diesen ab 2003 u.a. einer Körper­ver­letzung beschuldigte, wozu sie auch zwei trick­reich erreich­te Atteste beibrachte. Das WA-Gericht hat dabei den of­fen­sichtlichen Masterplan wie auch den Bela­stungs­eifer der Frau wohl wahrge­nommen, nicht aber den Ge­samt­zu­sam­men­hang, in dem das alles ablief. Das WA-Ge­richt aber bela­stete Mollath mit der Körperverletzung ähnlich wie bereits das Tat­gericht (Landgericht Nürn­berg-Fürth) 2006. Dieses steckte Mollath darauf über psy­chia­tri­sche Gut­- oder Schlechtachten ins Irrenhaus.
    In Ansatz ähnliches wiederholte sich im April 2017 im Meineids­prozeß gegen Mollaths Unterstützer Braun:
    Im Verfahren gegen Mollaths Freund Braun am Regens­burger Amtsgericht spielte die inhaltliche Richtigkeit seiner be­ei­dig­ten Aussage von 2014 nur eine untergeordnete Rolle. Man stürzte sich auf eine Schwach­­stelle in sei­ner Dokumentation der Aus­sagen der Ex-Frau von 2002 und dies war ein willkommener Anlass Herrn Braun wegen eines Meineids anzuklagen. Das Ge­richt hielt sein Zeugnis von 2014 jetzt zwar für „möglicher­wei­se“ zutreffend, befand aber die Verfär­bung der Kugelschreibertinte sei­ner Notiz auf der Schreib­­tisch­un­ter­lage nicht zum an­ge­ge­benen Datum der Ein­tra­­gung pas­send. We­gen Mein­eids verur­teil­te es so den Freund, der auf­op­fe­rungsvoll Mol­lath aus sie­ben­ein­halb­jähriger Frei­heits­­berau­bung herausgeholt hat und ihm seitdem weiter Schutz gewährt.
    Das Amtsgericht Regensburg beurteilte Brauns Aussage über die telefonisch vorgebrachten Drohungen der Ex-Frau, die das Landgericht Regensburg 2014 noch strikt verworfen hatte, jetzt also als mög­li­cherweise stimmig. Nur der lo­gischen Schluß­fol­ge­­­rung, dass der Ma­ster­­plan der Ex-Frau tatsächlich skrupellos um­­­­­ge­setzt und schon von da­­her in seiner Stimmigkeit be­stätigt wor­den ist, entzog sich das Gericht auch jetzt.
    Das Urteil gegen ihn wirkt wie ein Nachschlag des Systems zum Fall Mollath, wie ein Racheakt dafür, daß dieser und sein Freund Braun die bayerische Justiz so bloßge­stellt haben.
    Wie der Ministerialrat a.D. Wilhelm Schlötterer in seinem Buch „Macht und Mißbrauch“ akribisch beschrieb, handelt es sich bei dem Fall Mollath um einen politischen Fall, bei dem der Rechts­staat erbärmlich versagt hat. Dies erklärt all die Fragwür­dig­keiten, die ihm juristisch bis heute nachge­schoben wurden.

  2. Klaus Schlagmann

    Zum Gender-Thema:

    Als ich mit beginnender Studentenzeit in den frühen 80er Jahren erste Erfahrungen mit Partnerschaften machte, traten mir selbstbewusste junge Frauen gegenüber, die – für mich selbstverständlich – respektvolle Behandlung erwarteten. Eine Kopie des Rollenvorbilds unserer Eltern kam nicht in Frage. Es war nicht schwer, mich z.B. für die Problematik einer vorherrschenden Männersprache zu sensibilisieren. Die Lektüre von „Die Töchter Egalias“ (in diesem Roman der Autorin Gerd Brantenberg wird eine Gesellschaft konsequent so gezeichnet, dass hier die Frauen dominant das gesellschaftliche Leben und die Sprache bestimmen; dass sich am Ende erste zaghafte Versuche zur Gegenwehr von männlicher Seite aus regen, betrachtet man hier als logisch und überfällig) bot eine witzige Möglichkeit zur Einfühlung in die andere Seite. Als junger Vater wollte ich mich dann natürlich auch von Beginn an in die Kinderversorgung einbringen. Freilich musste ich so auch die Frustration erleben, dass ein Säugling schon sehr schnell unterscheiden kann, ob er von Mama oder Papa im Arm gehalten wird: Mama war in etlichen Situationen eindeutig beruhigender. Hier spürte ich sehr unmittelbar die Grenzen der mir damals ideologisch durchaus noch wünschenswert erscheinenden Beliebigkeit.

    Aus meiner Sicht ist dabei übrigens nicht daran zu zweifeln, dass die Unterwerfung frauenrechtlicher Gesellschaften durch patriarchalische Eroberer eine Form der Ur-Unterdrückung der Menschheit darstellt. Die damit einhergehende Entwertung von Frauen hatte und hat geradezu zwangsweise zur Folge, dass immer wieder entsprechend unterdrückte Mütter in ihren Kampf gegen diese unsinnige Einengung und Bevormundung ihre eigenen Kinder als Blitzableiter und Partnerersatz instrumentalisieren. Im Ödipus-Mythos, den ich z.B. in „Ödipus – komplex betrachtet“ eingehend untersucht habe, sehe ich einen Niederschlag dieses wichtigen Menschheits-Themas. Die patriarchalische Norm – Männer sind wichtiger als Frauen – hat Auswirkungen auf die konkrete Familie: Allzu leicht befinden sich in solch einer Gesellschaft die Eltern latent in einem Dauer-Konflikt, in den immer wieder Kinder hineingezogen und geprägt werden. Dass dieses Thema bereits von Marx und Engels analysiert wurde, erscheint mir nur als guter und notwendiger Beitrag zur Aufklärung.

    Dass mit der heutigen Genderisierung eine Zerrüttung von Familien, und damit von Gesellschaften, einhergeht, steht auf einem anderen Blatt und ist mir erst in den letzten Jahren deutlich geworden. In der asiatischen Lehre von Yin und Yang sehe ich ein schönes Modell, das womöglich eine wünschenswerte Entwicklungsrichtung angeben könnte: Zwei Teile, die von der Form her gleich, von der Farbe gegensätzlich sind, jeweils versehen mit dem Keim des anderen. Und nur gemeinsam bilden sie eine runde Sache.

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