Aktuelles und Grundsätzliches

In dieser Rubrik stehen meist kürzere Mitteilungen und Stellungnahmen zu aktuellen Ereig­nissen, die zwischen den früher meist halbjährlich, jetzt eher jährlich erscheinenden Rundbriefen an­fielen. Da diese Kurzmitteilungen vom Zeitablauf oft rasch überholt sind, werden sie nach kürzerer Zeit gewöhnlich von anderen abgelöst. Was von den aktuellen Ereignissen langfristig festgehalten zu wer­den verdient, wandert dann in den jeweils näch­sten Rundbrief. Meist berichten wir in dieser Rubrik mehr im allgemeinen Zusammenhang psychiatrischer Mißbräuche als etwa zu Einzelfällen. Die jüngsten Einträge werden jeweils rot markiert.

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Zum Fall Mollath und dem Wiedereaufnahmeverfahren am LG Regensburg vom Sommer 2014 erscheinen im Beck-Blog von Prof. Müller, Regensburg, Ergebnisse weiter laufender Recherchen, die Lücken des Verfahrens und meheren daran Mitwirkenden nachspüren und dabei zu manch brisanten Befunden und Schlüssen kommen. Sie könnten zu dem jetzt von RA Dr. Ahmed, München, weiter verfolgten neuen Wiederaufnahmeverfahren Beachtenswertes beitragen.

K. Dieckhöfer, F. Weinberger

Zum kürzlich erschienenen Buch DER FALL MOLLATH – Vom Versagen der Justiz und Psych­iatrie von Gerhard Strate, Mollaths Verteidiger im jüngsten Wiederaufnahmeverfahren, erschien im Voraus eine glänzende Rezension im SPIEGEL 49/2014. Belobi­gungen, aber auch kritische Rezensionen erschienen dann auch anderenorts.

 

F. Weinberger bemerkte für die GEP an dieser Stelle am 11.12.2014, später ergänzt:

Das Buch ist flüssig geschrieben, enthält interessante Details zum Fall, macht viele Zusam­men­hänge ansichtig und läuft letztlich doch wieder auf eine Verzeichnung des Psych­iatrie­miß­brauchs hinaus. Der Einsatz der GEP und ihrer Sprecher sei 1.) völlig wirkungslos ge­we­sen und 2.) allein aus Eitelkeit zur Feier des eigenen Egos geschehen, so Strate, dessen eitles Konterfei auf dem Cover prangt. Kann ein vielbeschäf­tigter Anwalt überhaupt in drei Mona­ten ein 270-Seiten-Buch schreiben? Gegen uns wendet er (seine Ghost­­writerin?) u.a. ein, un­sere “Verwendung des Begriffs Mißbrauch“ bedinge „die Annahme, es könne auch einen sinn­­­vollen Gebrauch dieser rechtsstaatlich bedenklichen Institution geben“, einen sinn­vollen Gebrauch der Psychiatrie. Zum Glück ist das Mandat dieses jetzt ins Anti­psych­ia­tri­sche abge­glittenen Staranwalts beendet, steht der erfahrene Münchner Strafverteidiger Dr. Adam Ahmed jetzt an Mollaths Seite. Bei vielen, die sich seiner Sache bisher annahmen, liegen Verdienst und Verfehlung dicht beisammen. Zum Glück kam seine Sache in dem Gemenge dennoch voran.

Nachtrag: Das Bundesverfassungsgericht hat Weinbergers Gutachten mit Beschluß vom 6.9.1013 (2BvR 371/12) ausdrücklich anerkannt und die Vorinstanzen, die Mollaths Inter­nierung fortsetzten, gerügt, „da eine zureichende Auseinander­­set­zung mit dem durch den Be­schwer­deführer (Mollath) vorgelegten Gutachten des Dr. Weinberger vom 29. April 2011 … nicht erfolgt sei.“ (RB 1/13,6). W.

 

K. Dieckhöfer fügte obigem Kurzkommentar für die GEP am 27.12.2014 einige Bemer­kungen hinzu:

Zu dem Buch Dr. Strates DER FALL MOLLATH sind zwi­schenzeitlich weitere Stel­lung­nahmen erschie­nen u.a. von Gabriele Wolff, einer Oberstaatsanwältin a.D., Ju­ristin also wie Strate.[1] Sie beteuert, ein An­ti­psychiater sei dieser nicht. Nur lassen seine oben zitierten Aus­sagen einen anderen Schluß kaum zu. Einem ganzen ärztli­chen Fach­­­­ge­biet, der Psychiatrie, sprach Dr. Strate die Exi­stenzberech­ti­gung ab, nicht nur ihrem foren­si­schen Teilbe­reich. Ge­wiß er­schöpft er sich nicht in der Ab­surdität seiner oben zi­tierten Äuße­rung. Er deckt viele reale Unzuläng­lichkeiten an dem Fach und an etli­chen seiner Ver­treter auf. Gleich­zeitig deckt er die wesentlichsten Ur­sachen für sie zu, lenkt von ihnen ab und ver­sucht, das Be­mü­hen um eine umfassende Aufklärung zu diskre­ditieren.

Auch der Regensburger Strafrechtler Prof. Henning E. Müller, selbst ein engagierter Kom­mentator des Falles Mollath im Netz (Beck-Blog, Legal Tribune online), meldete Zweifel an Strates Weisheit an, der, so Müller, „die gesamte Fachrichtung (Psychiatrie) als ‚Wissen­schaft der Stigma­tisie­rung’ (S. 59) beurteilt. Sie trage ‚dem uralten Bedürfnis Rechnung, In­dividuen oder will­kür­lich de­fi­nierte Menschen­grup­pen vom allg. geltenden Rechtssystem aus­zuschließen’ (S. 61). Zweck der Begutachtung sei ‚ein­zig und alleine die Befriedigung archai­scher Instinkte’ (S. 62). Strate schreibt der Bran­che ‚Pa­thologisierungswahn’, gepaart mit ‚Omni­potenz­fan­ta­sien’ zu (S. 75).“ „Insgesamt bedeutet dies nichts weniger als die voll­stän­dige Delegi­timie­rung der forensisch-psychia­tri­schen Gutach­tertätigkeit durch Strate.“

Dieser nimmt aber nicht nur die dringend nötige Justierung des Falles Mollath, an der er großenteils ge­scheitert ist, unverdrossen für sich weiter in An­spruch, son­dern eben auch die der ­ge­samten Psy­ch­ia­trie. Was Mollath in ihr konkret auszustehen hatte, übergeht er. Dafür reißt er die Ärzte her­unter, die nicht nur ent­schei­den­de Beiträge zu Mol­laths Frei­las­sung lei­ste­ten – durch sie erhielten Strate, seine Damenriege und viele andere von Mol­lath über­haupt erst Kunde[2] -, sondern die seit über 40 Jahren wie niemand sonst im Land den Zustand des Fa­ches monieren, den durch die 68er Kulturrevolution so mißratenen. Teils treffend, teils ähnlich mißraten sind die Anklagen Strates, eines früheren Spitzenfunktionärs des maoi­sti­schen KBW, der sich laut Wikipedia heute „als 68er versteht“ (Fußnote 12). Auf öffent­liche Ohr­feigen von außen, wie der Fall Mollath sie er­heischt und wie Stra­tes Buch sie teilweise auch treffend ent­hält, reagieren die Psychiater, die Ärzte und ihre Standes­ver­tre­tung mit­un­ter eher als auf ge­duldige, sachgerechte Mah­nungen ihrer Kol­legen.

Ihren Aberwitz können sich Strate und sein (Damen-)Anhang leisten, weil sei­ne Kritik, die, soweit inhaltlich zutreffend, seit 40 Jahren unsere Kritik ist, von besagter Standes­ver­tretung ignoriert wurde. War die­se Kritik also primär immer eine ärzt­liche, so leider die einer kleinen ärztlichen Min­derheit. Viele schwenkten in den ver­gangenen 40 Jah­­­ren auf 68er Kurs ein, mit ihnen die Ärzte­mehr­heit. Rund 10 (in Worten: zehn) Ärz­te aber blieben in unserer Gesell­schaft[3] bei dem tradier­ten hippokra­ti­schen „nil nocere“ (nur „nicht schaden“) und traten, teil­weise er­­folg­­reich, Über­­grif­fen entgegen, wie sie jetzt mehr und mehr – der Fall Mol­lath nur einer von vie­len –zum Vor­schein kamen, unter diesen Ärzten der Mitgründer der GEP und bis zu sei­nem Tod ihr Ehren­­prä­si­dent Prof. Wal­ter von Baey­er, der ehemalige Vi­ze­präsident des Welt­verbands für Psych­iatrie. Die­sen rund zehn Psychia­tern standen über die Jahre rund 10.000 im Land prak­tizie­rende Fach­kol­le­gen, da­zu die gesamte Standes­vertretung ähnlich feind­­lich ent­gegen wie jetzt Strate, Wolff, Prem und Co. Sie können jetzt vielleicht gar höh­nen und ver­su­chen, diese traurige Wahrheit noch­mals gegen uns und für sich auszu­spie­len. Nur kommen sie daran nicht vorbei, daß just aus dem Kreis die­ser rund zehn Psychiater und vieler zum Glück sie unter­stüt­zen­der „Laien“ Men­­­schen wie Mol­­lath aus psy­ch­ia­trisch ver­an­laßter Ent­rech­tung und Ent­wür­digung her­aus­ge­holt wurden – ge­gen die Indolenz und Miß­gunst der 10.000. Auch haben diese zehn und ihre Unterstützer vie­les von dem, was Strate jetzt an Kri­tik am Fach zu Recht vor­trägt, „Versagen der Psychiatrie“ nennt und sich ans Revers hef­tet, lange vor ihm schon vorge­bracht, nach­zu­le­sen in den seit 1977 erschei­nen­den und vielfach noch im Netz prä­senten Rundbriefen der GEP (www.psychiatrie-und-ethik.de).

Ich selbst habe die Ehre, dieser kleinen, doch wahrlich feinen Gesellschaft GEP seit 20 Jahren als deren 2. Vorsitzender dienen zu dürfen und so zu ihren Erfolgen beigetragen zu haben, mö­­­gen sie der Jurist Strate und andere jetzt für sich und gegen uns und unser Fach in Ansatz bringen. Mich selbst, der ich den Mollath-schä­digenden Staatsgut-/schlechtachtern Dr. Leip­zi­ger, Prof. Krö­ber, Prof. Pfäfflin und der sie schüt­zenden baye­ri­schen Ex-Justiz­mini­ste­rin Dr. Merk in noch nicht dagewesener Schärfe öffent­lich ent­ge­gen­ge­treten bin, kennt Strate in sei­nem Buch scheinbar nicht. Ebenso wenig erwähnte er die Mitwir­kenden an jener Gruß­kund­gebung in Nürnberg am 27.7.2013, die der Frei­las­sung Mol­laths unmittelbar vor­­an­ging und sie vor den bayerischen Land­tagswahlen „atmosphä­risch“ er­zwang. So läuft Geschichts­fäl­schung. Wenn auch von seinem ehemaligen Mandanten Mol­lath in­zwischen getrennt – der Erfolg, den er für ihn heraus­holte, war bescheiden genug[4] -, benützt er ihn mit seinem Buch jetzt, sich selbst noch­mals in Szene zu setzen und all die nieder­zuma­chen, die über diesen Fall hin­aus den Kampf für eine ehrliche, ethische Psych­iatrie führten, voran der Gar­misch-Par­ten­kirchner, vormals Starn­ber­ger Nervenarzt Dr. Friedrich Wein­berger. „Es gibt kein rich­tiges Leben im falschen“, stellt Strate als Motto über sein „Weinberger-Kapitel“ 16 in Anleh­nung an Th. W. Adorno, den Anspitzer der 68er Kulturrevolution. Aber genau dieses „richtige Le­ben im fal­schen“ gibt es! Viele haben es gegen eine Welt von Feig­heit, Dumm­heit, Gleich­schaltung und Mit­läu­fer­tum gelebt, zu we­nige oft, aber zum Glück immer noch viele, zu de­nen wir auf­blicken können. Auch Weinberger lebt es, allen Widrigkeiten zum Trotz.

Von Strate, der zu ihm wie zu Mollath lange einen freundlichen Ton pflegte (seine stete An­rede bis zuletzt: „Lieber Herr Weinberger“) und in dem Wieder­auf­nah­me­­ver­fah­ren lange viel Engagement zeigte, erlebten wir bei Gericht in Regensburg am 23.7.2014 plötzlich einen ver­änderten Ton. Er erklärte hier barsch: „Die Psychiatrie-Kiste bleibt zu“. Unmittelbar zu­vor war es auch zum Eklat mit Mol­lath ge­kom­men. Aus heiterem Himmel kündigte ihm Stra­te hier das Mandat auf, bezichtigte ihn öffentlich der „Lüge“, behauptete, er könne „Freund und Feind nicht unter­schei­den“ und be­zeich­nete seine Beweisanträge als „Mist[5] – was man­­­che schon als Partei­ver­rat werte­ten. Wie Mol­lath selbst ver­ken­nen wir nicht, daß Strate für seinen Mandanten auch gute Dien­ste leistete. Man fragt nur, was ihn veranlaßte, zuletzt so ab­zurut­schen.

Etwa zu dem Zeitpunkt des beginnenden Wiederaufnahmeverfahrens wurde bekannt, daß Strate auch „einen deutlich vermö­gen­de­­ren Mandanten“ vertritt, den AWD-Grün­der Carsten Maschmeyer (HAN­DELS­BLATT vom 18.8.2014, die SZ berichtete bereits am 3.4.2014 da­von). Beim Streit Masch­meyers mit der Basler Bank Safra Sarasin geht es um 40 Mil­lionen. Da sind die € 38.000.-, die Strate von Sixt für uner­laubte Reklame mit Mollath her­ausholte (€ 3.000.- blieben die­sem), auch im Ver­­gleich zu seiner sonstigen Klientel – auch VW-Patriarch Piech gehört dazu – gewiß eher Pea­nuts. Ganz umsonst, wie es oft hieß, ar­bei­tete Strate für Mollath also nicht. Be­sagter Herr Masch­meyer, den er jetzt vertritt, be­treibt zusammen mit dem ehema­li­gen Di­rektor des Münchner Max-Planck-Instituts für Psy­ch­iatrie F. Hols­boer in der Münch­­­ner Ma­ximi­li­anstraße die HMNC (Holsboer-Masch­meyer Neu­roChe­mie). 2010 ge­gründet, betreibt die­se laut Selbstdarstellung die Entwicklung von neuen „market­­­able con­cepts“ bei depres­si­ven und Angst­­störungen. „Big Pharma“ ist da nicht fern. Rührt Stra­tes ab­rupte öffentliche Kehrt­wen­dung gegen seinen Mandanten just von daher – Spannungen zwi­schen den beiden gab es schon vor­her -, von daher auch die plötzliche Kehrt­wen­dung gegen un­sere GEP und ihre Sprecher, durch die er von Mollath erst Wind bekomm­en hatte?

Seine „Ab­rech­nung mit der Psych­ia­trie“ geht über die alten Plati­tüden der Anti­psy­chiatrie nicht hinaus. Die Mächtigen stört sie seit hundert Jahren nicht (vgl. meine ent­spre­chenden Aus­führungen in Fachjournalen, unter „Wis­sen­­schaft“ auch von der GEP-Webseite abrufbar). Unsinnig-antipsych­ia­tri­sche Kritik, wie sie Strate jetzt wieder an­schlug (s.o.), be­glei­tete die 68er Bewegung von An­fang an und mündete in der Psychiatrie-En­quête von 1975, der Psy­ch­iatrie-Reform. Mit ihr wurde das Fach erst richtig mißbrauchbar.

Nach vorausgegangenen Schmähungen schmäht Strate, Schmähungen der Ju­ri­stin Wolff kol­portierend, den Psychiater-Psy­cho­thera­peuten Weinberger als „irratio­na­len Freud-Geg­ner“, ihn, der Mollaths Freilassung angestoßen und tatkräftig mit durchgesetzt hat. Damit sind wir wohl bei dem Haupt­grund für die seit Jahr­zehnten auch gegen un­sere GEP lau­fenden An­griffe und Ausgrenzungen. Freud ist als Schwindler und Betrüger[6] bis in die letz­ten Winkel seiner Theo­rie, seiner Praxis und seiner Biographie aus­gewie­sen. Freud-Kritik ist heute alles andere als „irrational“. Sie ist in­ter­­natio­nal. Freud hat das willkür­liche „Psych­iatri­sieren“ Anders­den­ken­­der bis hin zu Freunden und Kollegen auf­ge­bracht, auch wenn dies bei den Juristen Strate und Wolff und anderen noch nicht ange­kom­men ist. Nicht, daß nicht auch vordem schon Un­er­wünschte mit Psych­iater-Hilfe aus­ge­schaltet wor­den wären.[7] Durch Freud

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sind Flunkern und Groß­spu­rig­keit in der Seelenheilkunde heute nur Stan­dard ge­wor­den und zwar dadurch, daß unsere ameri­kanischen Fachkollegen um 1945 – heute sind sie weithin er­nüch­tert – kritik­los auf Freud „abfuhren“ und ihr Freud-gestütztes dia­gno­­sti­sches Sy­stem DSM in der in­ter­­­natio­nalen ICD politisch durch­zusetzen verstanden – Ergebnis nicht zuletzt der Zwangs­­emigration der Psycho­ana­ly­ti­ker aus Deutschland um 1933.

Freud, der in der deutschen Psychiatrie lange ein krasser Außen­seiter war, wurde ihr mit der Psychia­trie-Enquête von 1975 politisch aufgedrückt und so zum Ur­sprung ihrer dia­gno­sti­schen Ver­lotte­rung. Fal­sche „Psy­chiatri­sie­­run­gen“ in noch nicht da­ge­wesenem Um­­fang wur­den da­mit möglich, der Fall Mol­lath einer von ihnen. Freud ist jetzt der Säu­len­heilige aller, die an den Miß­brauchs­­mög­lich­keiten des Fa­ches festhalten wollen. Wie Strate und sein (Da­men-)Anhang dif­famie­ren sie deshalb Freud-Kri­tiker wie uns. Seit 100 Jahren reagieren Freud-Jünger, „Glaubenskrieger/innen der Moderne“, so, wenn ihr Aberglaube hinterfragt wird.

In den ang­lo­ame­rika­ni­schen Ländern ist Freud inzwi­schen weithin zwar entzaubert. In DSM- und ICD-Dia­gnosen ge­tarnt, leben viele seiner wissenschaftlich haltlosen Konzepte je­doch fort und rich­ten Unheil an weit über direkte Mißbräuche des Fa­­­ches hinaus. U.a. führten sie zu einer gro­tesken Ver­meh­rung psychiatrischer Dia­gnosen. Noch zu Beginn meiner ärzt­lichen Tä­tig­keit wa­ren es gerade ein­mal 20[8]. Heute sind es über 300 Dia­gno­sen, die sich in ihrer luf­tigen Dehn­­­­­barkeit jedermann /-frau locker über­stül­pen las­sen. Parallel mit dia­gno­sti­zier­baren „Stö­rungen“ ver­mehrten sich so „Ge­­störte“, Krankgeschriebene[9] und mit ih­nen auch die In­sassen psychia­tri­scher Fo­ren­siken. Die Ent­wick­lung bescherte Psychiatern, Psy­cho­logen und ähn­li­chen „See­len-Ex­perten“, So­zial­pä­da­gogen, Sozial­ar­beitern usw. Macht und Geld, wes­halb sie die Ent­wick­lung auch nach Kräf­ten förderten (da­her das Ver­hält­nis 10:10.000). Die Ent­wick­lung blieb freilich fragil, auch wenn Poli­tiker[10] sie mit „pushten“. Sie ziehen für sich ja den größten Nutzen aus ihr.

Eine aufgeblähte, damit noch leichter mißbrauchbare Psychiatrie liegt im Inter­esse der Mäch­tigen jeglicher Couleur. Wie seinerzeit in der So­wjet­union[11] wird das Fach heute im ver­einig­ten Deutschland mißbraucht und nicht nur hier. Entsprechende Meldungen errei­chen die GEP auch aus anderen westeuro­päi­schen Ländern. Wie im GEP-Rund­brief 1/14 ausgeführt, ist die Psy­chiatrie „seit Ab­schaffung der Folter das einzige Mittel der Mäch­tigen, mit Anders­denken­den fertig zu werden.“ Es ist zumindest eines ihrer Hauptmittel. Nicht von un­gefähr er­klär­­ten Vertreter der CSU, der SPD und FDP bei der Anhörung im Baye­ri­schen Land­tag Ende 2011 übereinstimmend (RB 2/12,2), mit Mollaths In­ter­­nierung sei alles in Ord­nung.

Wie Strate Mollaths Rehabilitierung nur teilweise vor­anbrachte, ging auch seine „Ab­rech­nung mit der Psychiatrie“ großenteils fehl. Er, der in Regensburg auf sei­nem Ge­biet im Grund ein Stümpere­rgeb­nis erzielte – er schreibt es natürlich Mollath zu -, erlaubt sich, Ärzte an­zu­grei­fen, die auf dem „psy­cho-ju­sti­tiellen Gebiet“ mit anderen zu­sam­men her­vorra­gende Erfol­ge, u.a. Mol­laths Frei­las­sung, er­reichten und die darüber hinaus Ausmaß und Hin­ter­grün­­de der Psy­ch­ia­trie­miß­bräuche über Jahrzehnte realistisch aufzei­g(t)en. Den Psych­iater Dr. Simmerl, der Mollath ähn­lich wie Weinberger kor­rekt be­gut­ach­tete, lobt Strate über die Ma­ßen. Anders als Weinberger rührte Sim­merl nach sei­ner Be­gutach­tung für Mol­lath jedoch keinen Fin­ger mehr! Vor al­lem rührte er nie an das Sy­stem der Psychiatrie und ihrer politischen Admi­ni­stra­toren, nie an das DSM, die ICD und schon gar nicht an die Psy­choanalyse und die da lau­fen­den Ge­schäfte, ein braver baye­ri­scher Beamter halt. Das war für Stra­te wohl der Grund, als Krönung seiner Be­lobigung sein Buch noch Simmerl zu wid­men.

Wer wie dieser Staranwalt mit dem Fall Mollath auf seinem Fachgebiet gerade eine „Bauch­lan­dung hingelegt“ hat, sodaß ein anderer jetzt seinen Auftrag fortführen muß, sollte die Schar­te nicht auf einem anderem Ge­biet der Wissenschaft auszuwetzen versuchen, von dem er noch weniger ver­steht. Sonst geht er/sie am Kernproblem reform-psychiatrischer Verirrun­gen vorbei, aus denen die Miß­bräuche des Fa­ches heute erwachsen, und landet wie Strate, sein Anhang oder der Hoch­­stap­ler Po­stel im anti­psychiatrisch Unsinnigen. Ihm und den Ein­flü­sterungen der Da­­men Wolff und Prem fol­gend, die eben­so ­in­kom­petent sind wie er selbst, glaubt Strate Psychiater, Psy­cho­the­ra­peuten aus­ste­chen zu kön­nen, die in der GEP die „Ab­rechnung“ seit Jahrzehnten kompetent leisten, eine Ab­rech­nung freilich weniger mit der Psychia­trie selbst – das wäre, ja ist immer un­sinnig – als mit Miß­stän­den in ihr und mit ihrem Miß­brauch. So weit sind wir infolge der neo-marxistisch-(freud-marxistisch)en Kulturrevolution jetzt, daß Da­her­ge­lau­fene und ähn­lich ahnungslose, jedoch repu­tier­te Ju­rist/in­n/en sich erdreisten, Ärz­te öffentlich herunterzu­machen, die dem Ein­drin­gen von Schwindel in die Medizin und des­sen Folgen weh­ren.

Unter Umständen spielen freilich auch ande­re Ein­flü­ste­rungen herein.[12] Tatsächlich erinnert so, wie Strate seine „Ab­rechnung mit der Psych­ia­trie“ betreibt und sie gleichzeitig torpe­diert, hie sei­nen Mandanten „verteidigt“ und da ihn bloßstellt, hie „liebe“ Grüße bestellt und da halt­lose Ver­leumdungen gegen Weinberger streut, an die Zer­set­zungs­­taktik von Ge­heim­dien­sten, die Richt­linie 1/76 der Sta­si. Psy­ch­iatrie­miß­brauch ist, wie Weinberger schrieb, seit Ab­schaffung der Folter, sofern sie abge­schafft ist, ein Hauptmittel der Mächti­gen, mit Anders­denkenden fer­tig zu werden. Psychia­trie, auch die foren­si­sche, blei­ben als Heilkunde un­ver­zichtbar, ihr Miß­brauch aber ein Poli­ti­kum ersten Ranges. Ist’s verwun­derlich, daß da auch als „Unter­stützer“, als Ver­teidiger Ver­klei­dete uns, seit Jahrzehnten seine schärf­sten Kritiker, be­kämpf­en? Die Spie­gel-Rezen­sion von Stra­tes Buch war wohl „glän­zend“ (s.o.), gab seinem Inhalt aber fal­schen Glanz. Sel­ten noch ist mir in dem Buch eines re­nom­mier­ten Men­schen (oder mehrerer) ein solches Konglomerat hie aus Richtigem, da aus Falschem, aus Selbst­ge­fäl­lig­keit, Über­­griffig­keit, Schmähung und blankem Unsinn un­terge­kom­men. Psychiatrie in ihrer jetzigen Verfassung ist ein Ergebnis der Kul­turrevolution. Von Hork­heimer, Ador­no, Marcuse u.a. aus den USA impor­tiert, bestimmt sie das öffentliche Bewußtsein, in der „Re­form-Psychiatrie“ besonders. Wie nichts an­de­res stellt der Fall Mollath sie in Fra­ge. Des­halb warf sich Strate, heute noch bekennender 68er, erst einmal auf diesen Fall und ver­suchte mit ihm 68er Deutungshoheit über ihn wie über die „Seelenheilkunde“ ins­gesamt zu behaup­ten. Deshalb kamen zuletzt seine Ausfälle gegen den unbeugsamen Mollath wie gegen uns.

So wie sich schon in dessen ehemaligen „Unterstützerkreis“ heftige Auseinandersetzungen abspiel­ten, seine Aktivitäten aber dennoch mit zu Mollaths Freilassung und Fast-Re­habili­tie­rung beitrugen, ge­hen diese Kon­tro­­­versen jetzt weiter – was nur gut ist. Denn nur da­durch, daß die Mißbräuche der Psy­chia­trie, Psychologie und sonstiger „Seelenfächer“ in ihrer Viel­schich­tigkeit, ihren Hintergründen und ihrer Un­ge­heu­er­lich­keit in Rede und Gegen­rede immer weiter aufgedeckt wer­den – Kompetenz bleibt doch wirk­­sam, mag das Zahlenverhältnis auch weiter bei 10 : 10.000 sein ‑, werden sie zuletzt doch auf­hören.

Es drängt mich, mit Sätzen zu schließen, die Yehudi Menuhin (1916 – 1990) in einem großen Gebet an den „Einen und Vielen“ richtete, darin „Bürokraten, Ignoranten und Vor-ein­ge­nom­mene“ streifte und bat: „Erleuchte sie und mich und hilf uns einander zu verge­ben… Hilf mir, zu unter­schei­den zwi­schen dem, was versöhnbar und dem, was un­ver­söhnbar ist. Ermu­tige mich, alle Mit­tel der Verständigung mit den einen zu suchen und mit den anderen als un­nütz aufzu­geben, von bei­den zu lernen und sie nicht vorsätzlich mir zu Feinden zu ma­chen. Ge­währe mir die Er­leuch­tung, die Du für die Menschheit vorgesehen hast…“ [13]

Prof. Dr. med. Dr. phil. Klemens Dieckhöfer, GEP                                    27.12.2014

 

Endnoten:

1Strate nennt Wolff „das stählerne Rückgrat unserer Kampagne“ (die nie seine „Kampagne“ war). Ähnlich wie Wolff be­glei­tete Ursula Prem, eine Ex-Opernsängerin, das WAV Mollath mit regel­mäßigen Kommentaren auf ihrem Blog. Wie uns zuverlässig be­richtet wurde, saß sie nach den Gerichtsterminen all­abend­lich mit Strate in Vorbe­rei­tung des Buches zu­sam­men. Mit uns, d.h. mit wissenschaftlicher Psych­ia­trie ist sie seit langem zer­fallen. Eng ver­bun­den ist sie mit dem bekannten Hochstapler, gern Psychiater-spielenden Postboten Postel. Schon vor über einem Jah­r ließ Prem auf ih­rem Blog gegen Weinberger Schmä­hungen Postels verbreiten. Dieser kannte den Inhalt des „Strate-Bu­chs“ be­reits ein rundes Monat, bevor es erschien – woher wohl?

[2] M. Kasperowitsch, der den Fall Mollath in den Nürnberger Nachrichten als erster in die Öffent­lich­keit brach­te, konn­te dies tun, weil er sich nach eigenen Worten auf eine gründliche Fallaufbereitung des Juristen Dr. Schlöt­te­rer und auf ein psychiatrisches Gutachten stützen konnte, das eben von Dr. Weinberger. Mit Kaspero­witschs Ar­tikel vom 7.11.2011 kam die wei­tere Publizistik in Gang,. In ihrer Folge er­fuh­ren von Mollath auch Strate, Prem, Wolff und viele ande­­re, die den Fall dann nach ihrer Weise deuteten. In ihren Publikationen blieben die psychiatrischen Zutaten durch­­gehend unerwähnt.

[3] Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V (GEP), vormals Deutsche Vereinigung gegen poli­ti­schen Mißbrauch der Psychiatrie e.V.

[4] Nichts von einem „Freispruch 1. Klasse“ erreichte dieser Staranwalt. Eine Täterschaft (von 2001) wie auch ein psychiatrischer „Fleck“ bleiben trotz fehlender Nachweise Mollath erhalten. Soviel hätte wohl auch jeder Feld-Wald-und-Wiesen-Anwalt erreicht. Zeit, daß jetzt ein neuer Anwalt, Dr. Adam Ahmed, am Werk ist.

[5] Mollaths Beweisanträge zielten auf eine Zeugeneinvernahme auch der Psychiater Weinberger und Dieckhöfer. Freud und Feind unterscheiden kann Mollath sehr gut. Er sah sich bald nach einem anderen Verteidiger um.

[6] Aus der Fülle einschlägiger Bücher seien einige der aus­ländi­schen Autoren und ihrer Titel genannt, so MENSONGES FREUDIENS des Kinderpsychologen Jacques Bénesteau, Tou­louse, THE FREUD FILES und MAKING MINDS AND MADNESS des Literatur-Professors Mikkel Borch-Jacobsen, Seattle, FREUD AND THE QUESTION OF PSEUDO-SCIENCE des britischen (inzwischen verstorbenen) Philosophie­professors Frank Cioffi, Canterbury, FOLLIES OF THE WISE des Literaturprofessors Frederick Crews, Berke­ley, SEDUCTIVE MIRAGE des Mathematikers Allen Esterson, London, FREUD EVALUATED des Psycho­logen M. Macmillan, Melbourne, THE FALL OF AN ICON des kanadischen Psychiaters Joel Paris, THE NON-AUTHENTIC NATURE OF FREUD’S OBSERVATIONS des Pädagogen Max Scharnberg, Uppsala, WHY FREUD WAS WRONG des inzwischen verstorbenen Philologen Richard Web­ster, Suffolk, FREUDIAN FRAUD des US-Psychiaters E. Fuller Torrey, MAELZEL’S CHESSPLAYER – SIGMUND FREUD AND THE RHETORIC OF DECEIT des Literatur­-Professors Robert Wilcocks, Edmonton. Von der umfang­reichen Se­kun­därliteratur erwähnenswert Edward Dolnick: MADNESS ON THE COUCH und George Makari RE­VOLUTION IN MIND.

Auch auf Deutsch liegen umfassende Kritiken vor, etwa Dieter E. Zimmer TIE­FEN­SCHWINDEL, Frank Sullo­way FREUD, Han Israel DER FALL FREUD, Herbert Selg SIGMUND FREUD – GENIE ODER SCHARLA­TAN?, Bücher auch un­se­rer GEP-Mitglieder, etwa Wolfgang Kretsch­mer (†) PSY­CHOANALYSE IM WIDER­STREIT und Klaus Schlagmann ÖDIPUS – KOMPLEX BE­TRACH­­TET. Die ge­wichtigste Kritik bleibt gewiß die lebenslänglich von Karl Jaspers in vielen Schriften vorge­tragene.

[7] Als eindrückliches Bei­spiel führt Strate selbst den Bayern-König Ludwig II. an, an dessen übergroßes Por­trait läs­sig sich an­lehnend, er uns aus seinem Buch ähn­lich groß entgegen­tritt.

[8] nach der „Würzburger Diagnosen-Tabelle“ von 1931

[9] Über ein Drittel der Bevölkerung, verlautet seit etwa 1968, sei psychisch krank; meist sagt man „gestört“.

[10] Die „Psychiatrie-Enquête“ von 1975 war ein Ergebnis davon. Die „Freudsche Betrü­gerei“ (Freudian Fraud – Fußnote 4) fand in Deutschland damit offizielle An­er­kennung.

[11] Es gibt keine Sicherheit, befriedigt aber doch, daß solche böse Mel­dungen – vielleicht auch aufgrund un­se­res Einsatzes (RB 1/14,3.9 – nach Ende der 1980er aus Rußland nicht mehr eintrafen.

[12] DEUTSCHLANDRADIO berichtete von Dr. Strates Manschettenknöpfen, es ziere sie das Emblem der CIA. In jungen Jahren war er Spitzenfunktionär des KBW, der, so Peter Zol­ling in: „K-Grup­pen – Wende-Ge­nos­sen“, FOCUS MAGAZIN 8.9.1997, „terroristisch mit den Mitglie­dern, …der Ge­sell­schaft, mit den Menschen umge­gangen ist“. Aus den USA kamen auch die 68er, die Einpeitscher des Neo-Mar­xismus, Strates Leitsterne heute. Sie alle halfen, die Psychiatrie zu „refor­mie­ren“, sie miß­brauchstauglich zu ma­chen und sind heute so vereinigt, uns, die Kritiker, zu schmähen, KBW-Strate und die CSU-Ministerin Merk. Der Psy­chia­trie­miß­brauch ist etwas Hoch­­brisan­tes. „Die Verwendung des Begriffs“ schon versucht Strate wegzu­drü­cken (s.o.), als wäre er „top secret“. Seine ernst­haften Kritiker haben viele Gegner, offene und verdeckte.

[13] Text entnommen einem Beitrag von Roland R. Ropers in Kirche In 3/13 zum 85. Geburtstag von Hans Küng: „Der Hoffnungsträger“. Wenn Papst Franziskus dieser Tage in einer Weihnachtsansprache den Mitglie­dern sei­ner Kurie „den Terrorismus des Geschwätzes“ vorhielt, „die Krankheit der feigen Men­schen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemandem zu sprechen,“ dann treffen die Worte gewiß nicht weniger auf die „Crème“ der „welt­li­­chen Seelsorger“, der deutschen Psychiater zu (s. RB 1/14,3.8).

Vgl. hierzu noch die Rezension des Strate-Buchs von Thomas Fischer, Vors. Richter am Bundesgerichtshof,[2] in DIE ZEIT vom 23.12.2014: Es hätte nicht passieren dürfen.

Prof. Fischer hält in dem Artikel Strates Umgang mit dem Fall seines Ex-Man­­danten „im Ergebnis“ für gelungen, „obwohl es zweifach zu kritisieren“ sei: „Den Justizskandal definiert er (Strate) auf das Versagen von Einzelnen herunter. Den Psychiatrieskandal hingegen bläst er “, so Fischer, „zu überdimensionaler Größe auf“. Fischer erkennt dabei in dem, was in dem Fall psychiatrisch gelaufen ist, ein “Desaster” – „für eine Wissenschaft, die einst angetreten ist, die Person des Beschuldigten aus den Fängen einer gnaden­losen Vergeltungsjustiz zu befreien“. Er mißt ihm al­so selbst eine ziem­lich „überdimensionale Größe“ zu. Voll geht Fischer mit Strates antipsychiatrischen Auslassungen ins Gericht und auch mit der „merkwürdig überzogenen Form“, in der er sich auf den Berliner Forensiker Kröber stürzt, einen der unrühmlich bekannt gewordenen Gutachter Mollaths. Ihm, der wie er selbst einer „maoi­sti­schen Sekte“ diente, hing  Strate an, es sei ihm deshalb vielleicht “die Grenze zum gemeingefährlichen Wahn schon immer unklar gewesen“.

Deutlich geht Fischer auf die „Routinen der Justiz“ ein, die „furchterregende Alltäglichkeit ihrer Verrich­tungen“, die „schulterzuckend-schadenfrohe Gleichgültigkeit, mit der der Mollath-Skan­dal in den Ge­richts­kantinen der Republik aufgenommen wurde.“ Strate berichte nur „zwischen den Zeilen“ davon. Wie der Skandal in den ärztlichen, speziell psychiatrischen „Kan­­­tinen“ besprochen wurde, darüber geben auf unserer Web-Site die unter „Neue Kommentare“ publizierten „Ärztlichen Meinungen zu Mollath“ Anhaltspunkte. Auch hier hat ja der Fall „mit dem eigenen Berufsleben (meist) nicht das Geringste zu tun.“ Davon berichtet Strate am aller wenigsten.

Am Rande streift Fischer noch Beiträge der Medien zur verbreiteten Desorientierung, etwa die nach „Strates Vorbild im Spiegel voraus­eilenden Kommentare der – psychiatrischer Sachkun­de unverdächtigen – Jour­­nalistin Gisela Friedrichsen“.  Im Voraus hatte sie von Strates Buch Solides in Aussicht gestellt – zu Unrecht.

Einige Akzentuierungen Prof. Fischers würden wir anders setzen. Insgesamt sind seine Ausführungen das Treffendste, was von prominenter Seite zum Fall Mollath bisher vorgetragen wurde.

Auf eine weitere Rezension des Strate-Buchs, die der FAZ vom 29.12.2014, ist noch einzugehen (“Eine eindrückliche Mahnung“). H. Bubrowski rügt hier die pauschale (antipsychiatrische) “Abur­tei­lung der Psy­chiatrie” durch Strate ebenfalls. Solches “Versteigen” ” hätte er sich sparen können und sollen“. Allzu leicht aber gibt sich die Rezensentin den Beteuerungen der “Psychiater“, genauer ihrer Fachgesellschaft, hin. Diese habe doch “in den vergangenen Monaten eine Dis­kus­sion über Qua­litätsmängel in forensischen Gutachten angestoßen“. Von solchen Mängeln und ihren Bemühungen um deren Behebung tönt die DGPPN freilich seit Jahr­­­­zehnten, wobei sie bei der Psychiatrie-Enquête von 1975 schon beteuerte, die Höchstform an Qualität (zumindest demnächst) erreicht zu haben. Ihr Ergebnis waren u.a. die bekannten Gut-/Schlecht­­achten der Chefärzte, Pro­fessoren Leipziger, Kröber, Pfäfflin. Die FAZ aber trans­por­tierte die Leerformeln der „Psycho-Crème“ immer bevorzugt. Wenn Stra­te da­gegen schreibt, es steige die “Gemein­gefähr­lich­keit der forensischen Psychiatrie mit dem, Grad der ‘Qualifikation’ sogar pro­portional“, so ist das wohl etwas übertrieben, führt aber doch die ganze Leere der Formeln vor Augen, mit denen die Fachge­sell­schaft letztlich ihre Deu­tungs­hoheit sichern will. Ob und inwieweit Gut­ach­ten die menschliche Realität der Be­troffe­nen wiedergeben, ist da zweitrangig. Wer erinnert nicht die Einladung der Her­ren Leip­ziger und Kröber zum „Fortbildungs­seminar in forensischer Psychiatrie“ in Ber­lin, Sep­tember 2013: “Unser Gustl“, gefördert von der DGPPN, der Landesärztekammer etc? Wenn Strate die Attitüden der Fachgesellschaft moniert, berührt er einen wahren Kern. Nur ist es just das, was wir fach­kom­pe­tent seit Jahrzehnten sagen – wofür die DGPPN uns ausgrenzt, er uns jetzt herunterreißt und seine Souffleuse, seine „stählerne Säule“ Wolff seit langem uns angiftet. Die kor­rekten Gutachten über Mol­lath ha­ben immer noch so „normal“ qualifizierte Gutachter wie die Dres. Sim­merl und Weinberger ge­schrieben. Schicht um Schicht gilt es von den angehäuften Fehlvorstellungen, Fehlweisungen der „Crème“, nicht nur der psy­chiatrischen, abzutragen, um endlich zur Wirklichkeit der Seelenheilkunde vorzudringen. W.  3.1.2015

Eine neue (ausgewogene) Kritik des Strate-Buchs von Roland R. Ropers in EPOCH TIMES vom 4.1.2015: www.epochtimes.de

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Zum Urteil des Landgerichts Regensburg in der Sache Gustl Mollaths stand an dieser Stelle “eine psychiatrische Kritik”, die sich vor allem auf die Stellungnahme Prof. Nedopils bezog und feststellte, daß das  121-seitige Urteil vom 15.10.2014 für Mollath eine bessere Perspektive eröffnete, als der Sachverständige sie in seiner verschwurbelten Sprache in der mündlichen Verhandlung entwickelte und die Medien sie dann der Öffentlichkeit vermittelten, ihn damit erneut abwertend. Ob der Beschwer, die das Regensburger Urteil für Mollath gleichwohl hinterließ, hat dieser über seinen neuen Anwalt Dr. Adam Ahmed, München, am 24.11.2014 Antrag auf Bevision gestellt. Er ist ausführlich und triftig begründet. Eine spezielle “psychiatrische Kritik” braucht’s jetzt nicht mehr.

Im Beck-blog von Prof. H.E. Müller läuft auch nach Abschluß des Wieder­auf­nahmeverfahren am LG Regensburg eine lebhafte Diskussion der vielen Inkonsistenzen, die bei der Aufarbeitung des Falles resistierten und zu dem Antrag auf erneute Revision führten. In aller Regel werden hier juristische, kriminologische Pro­ble­me behandelt. Mitte Ferbruar erschienen hier aber auch Beiträge (von “Menschenrechtler” sowie “atropa belladonna” – Pseudonyme sind auf blogs verbreitet), die anzeigen, daß am Fall Mollath die allgemeine kritische Diskussion nunmehr auch die Psych­iatrie erreicht. Wir stellen die Beiträge im Original des Beck-blogs und nochmals vervollständigt im Zusammenhang unserer Tehematik vor.

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False-flag-Operationen in Psychiatrie und den in Bayern sie verwaltenden Bezirken

Kürzlich erfuhren wir durch eine Anzeige von einem Netzwerk Psychiatrie München e.V. Eine „Beschwerdestelle Kompaß“ ist ihm angegliedert.

Wir beraten“, so heißt es in der Anzeige (Eigenwerbung), „Menschen, die Probleme oder Konflikte mit psychiatrischen Einrichtungen haben“ – eigentlich genau das, was wir seit 40 Jahren tun. Wir erfahren von dem „vor unserer Haustüre“ sich Tummelnden per Zufall. „Schildern Sie uns ihre Beschwerde bzw. Ihr Problem… In der Regel kann Ihr Gesprächs­partner Ihnen bereits nützliche Hin­weise geben. Komplizierte Fragen besprechen wir im Team … und erarbeiten nützliche Informationen und Vorschläge für Sie. Was Sie daraus mac­hen, bestimmen Sie. Wenn nötig, unterstützen wir Sie weiter…

Alle Mitarbeiter seien „ehrenamtlich tätig. Wir sind Psychiatrieerfahrene, Angehörige, Fach­leute und Bürgerhelfer. Zu unserem Expertenkreis gehören Psychiater, Psychologen, Psy­cho­therapeuten, Sozialpädagogen, Juristen und nicht zuletzt Betroffene (‚Experten in eigener Sache’) …“

Tätig sind in dem Münchner Verein, wie wir dann herausfanden, einige Leute, die uns über der Sache Gustl Mollath – ungut – bekannt geworden sind und zwar eine

- RAin Erika Lorenz-Löblein aus München, die als So­zial­bertriebswirtin Mollath noch während seiner Internierung eine weitere Diagnose anzuhängen versuchte, eine „soziale Inter­ak­tions­störung“, und die seine rechtliche Vertretung schleifen ließ (sodaß RA Strate sie ablösen mußte)

- Dipl.Psych. Dr. R. Sponsel, Erlangen, der als Psychologe pharisäisch der Psychiatrie gern die Leviten liest (RB 2/12,5.9), der Juristerei ähnlich, wie jüngst Prof. H.E. Müller, Regensburg, bemerkte

- Gabriele Gordon(-Wolff), die, in Neuruppin zu Hause, seit langem Gift und Galle gegen uns spuckt (RB 1/13,7.2, RB 1/14,3.6) aus der als Motiv einzig bisher erkennbaren Aversion gegen unsere Freud-Kritik heraus.

(Gordon-Wolff und Sponsel beteuern inzwischen, mit dem Netzwerk nichts zu tun zu haben. Wieso stehen sie nur auf einer an sich ehrenwerten Liste, dort aber unter dem Dach des dubiosen  Netzwerks, damit es stützend, wenn sie jetzt mit ihm gar nichts zu tun haben wollen? Bei ehrenwert Anständigen suchen Antipsychiater in  all ihrer Unsinnigkeit gern Unterschlupf und findet sie mitunter). Auch weitere an dem Netzwerk Mitwirkende kommen nach der Netzwerk-Liste aus reichlich münchen-fernen Regionen.

Der 2007 gegründete Verein habe, heißt es in der Werbung, einen „ehrenamtlichen Auf­sichts­rat,“ bestehend aus einem Pädagogen – Dipl.Theologen, einem Dipl.Psych.-Psychoanalytiker und „zwei en­ga­­­­gierten Per­so­nen, die nicht im Licht der Öffentlichkeit stehen wollen“.

Der von diesem Aufsichtsrat gewählte „für die Tagesgeschäfte zuständige Vorstand“ ist ein Rudolf Winzen, den wir auch schon kennen, weil er auf dem Blog der Gabriele (Gordon-)Wolff einträchtig mit ihr Schmähreden gegen uns führte, nach 68er Ma­nier uns als nicht diskurs-würdig erklärte (worin Psychiater-Crème und Antipsychiater einig sind). Ihm, dem Inhaber des Zenit-Verlags, widmete die SÜDDEUTSCHE ZEI­TUNG, die uns seit 40 Jahren totschweigt, am 26.09.2003 eine große Belobigung, mit den Worten beginnend: “Diagnose: schwerer Idealismus – Im wohl kleinsten Buchverlag der Stadt produziert Rudolf Winzen Psychiatriebücher. Zehn Titel in fünf Jahren…“ (gewiß antipsychiatrischen Inhalts).

 Weiter heißt es in der Eigenwerbung des Vereins:
“WIR SIND UNABHÄNGIG“ und „WIR SUCHEN MITSTREITER

Und dann in schöner Offenheit:
Wir sind Mitglied im
Paritätischen Wohlfahrtsverband…
Und in der Deutschen Gesellschaft für
soziale Psychiatrie – DGSP
– und (unser Fettdruck)
Wir werden gefördert vom Bezirk Oberbayern“.

Das Netzwerk Psychiatrie München e.V. entpuppt sich so als Tarnorganisation und Vorposten der bayerischen Bezirke, die fast die gesamte stationär-psy­chiatrische Versorgung in Bayern in Händen halten – ein Milliardengeschäft. Zweck des Netzwerk ist offensichtlich, den Maschen der Bezirkspsychiatrie Entkommene wieder ein- und ihre Kritik abzufangen, sie vor al­lem von wirklich unab­hängigen, effizienten Kritikern, wirklich Besorgten, etwa uns, abzu­halten, sie aus­zuhorchen, ihren Protest auszubremsen – s. die Er­fah­rungen Mollaths mit Lorenz-Löblein -, auf daß ihre Erlebnisse nur nicht weiter nach außen dringen.

 Wiederholt wiesen wir schon darauf hin, daß es solch politisch ausgehaltene Tarn- und Ab­fang­organisationen auch anderenorts gibt, z.B. das Werner-Fuß-Zentrum im „Haus der Demo­kratie und der Menschenrechte“ zu Berlin (RB 1/09,4.4, RB 2/10,5.8, RB 2/12, Fn 33). Sie alle spielen zusammen mit besagter DGSP u.a. die antipsychiatrische Platte ab. So unsinnig sie ist, besticht sie doch in der angesprochenen Klientel und wird – erstaun­lich genug – dank der Medien, nicht nur der SZ, und dank ihrer staatlichen Förderung auch von der Öffentlichkeit vielfach hinge­nommen. Wer in­teressiert sich denn für das Geschehen in der Psychiatrie näher? Erfreulicherweise regt sich jetzt zumindest bei anderen aktu­ell-politi­schen Herausforderungen gegen die Penetranz des Mainstreams neuer Widerstand im Land.

 Die Existenz dieser Tarnorganisationen und ihre gleichförmig dumpfen Vorbringungen zeigen, wie „hoch“ angesiedelt die anti-psychiatrische Pseudokritik ist und wie durch­trieben  bei aller Plump­heit, ja Unsinnigkeit die Vorgehensweisen ihrer Protagonisten gegen uns, die einzig wirksamen Kritiker bis­her, sie doch ist, zudem mit welch unglaublichem Aufwand sie von Staats wegen (!) betrieben wird – das Ganze offenkundig zu dem Zweck, das herrschende „refor­mierte“ Psy­chiatriesystem mitsamt seinen Mißbrauchmöglichkeiten zu erhalten.

 Wie sich dieses System verkauft, wie es in den Medien landauf, landab seit Jahrzehnten verkauft wird, das macht der folgende Artikel der NÜRNBERGER NACHRICHTEN vom 20.10.2014 sinnfällig. Ein Link weist auf einen weiter dazu passenden Artikel des MIESBACHER MERKUR.  W.7.1.15

Wie sich Psychiatrie-Administratoren gern darstellen bzw. in den Medien dargetellt werden

Zu dem NN-Artikel hat eine der bewährten Unterstützer/innen Mollaths die dann weiter fol­gen­de Kritik geschrieben . In dem Artikel geht es um etwas ganz anderes als um „Krisentelephone“. Das Bild von Gustl Mollath und Ilona Hasl­bau­er, beide nach über siebenjährigem Freiheitsentzug den BKHs gerade Ent­kom­mene, sollte offensichtlich als Blick­­fang Herrn Mederer, dem Repräsentanten der baye­rischen Be­zirke, „die für die psychiatrische Versorgung im Freistaat verantwortlich sind“, zur Zierde die­nen.

NN3
Margit Menter  hierzu:

Grundsätzlich ist es erfreulich, wenn weiterhin über „Die Dunkelkammer des Rechts“ berichtet wird. Aller­dings habe ich den Eindruck, dass die aktuelle Popularität des Themas jetzt von denjenigen als Mar­ke­ting­instrument instrumentalisiert wird, die von den Zuständen über Jahrzehnte profitiert haben, sei es, weil die Zwangspsychiatrie jederzeit als Machtinstrument gegen aufmüpfige Mitbürger einge­setzt werden kann, sei es weil die Psychiatrie für die Bezirke ein Riesen­geschäft ist.

Wenn man hört, dass ein Zwangspsychiatrisierter wie z. B. Ulvi Kulac mit vier anderen Patienten in einem Zimmer untergebracht wird und gleichzeitig vernimmt, dass für diese Patienten im Jahr ca. 100.000,– € vereinnahmt werden, von den BKHs und ähnlichen Einrichtungen, dann kann man sich ausrechnen wie überaus lukrativ jeder einzelne Zwangsuntergebrachte für die Bezirke ist.

Der bayerischen Bezirke sind Träger der BKHs, in Union mit privaten Unternehmen Träger der meisten stationären psychiatrischen Behandlungseinrichtungen. Teilweise gibt es auch rein private Träger. Die Millionengewinne werden regelmäßig in den Bettenausbau gesteckt, die dann auch wieder bestückt werden müssen, ein circulus vitiosus also zu Lasten der bayerischen Bürger.

Wenn jetzt von Seiten des Bezirks mitgeteilt wird, man sei an Neuerungen zu Gunsten der Patienten in­ter­essiert, man würde dafür sogar „kämpfen“, dann wundert mich das. Die Bezirke als vierte Regie­rungs­ebene sind doch Teil des bayerischen politischen Systems. Da hätte man auch schon früher gegen miss­bräuchliche Einweisungen, gegen BKH-interne Willkür, gegen überlange Unterbringung, gegen fehlende Gesetze etc. vorgehen können, die jetzt ausschließlich wegen Mollath ins Licht der Öffentlich­keit gerückt sind.

Man hätte jahrzehntelang die Möglichkeit gehabt die Patientensituation zu verbessern, beispielsweise ein Maßregelvollzugsgesetz auf den Weg zu bringen, oder das bayerische Unterbringungsgesetz zu mo­derni­sieren.

Jetzt fabuliert sich der  Bezirk, der wie ein Fuchs gleichzeitig Bewacher und Anteilseigner eines über­dimensionierten Hühnerstalls ist, zum Hühnerbeschützer hoch.

Was soll denn das heißen, dass die Bezirke für die psychiatrische Versorgung „bezahlen müssen“? Sie bekommen das Geld doch von den Krankenkassen (für die nach dem bayerischen Unterbringungsgesetz untergebrachten Bürger) und zudem von der Regierung (für die Bürger, die im Maßregelvollzug sitzen), also von den baye­rischen Bürgern und zwar erheblich mehr als für die reine Versorgung notwendig ist, weil die Bezirks­ebene selbst ja auch noch finanziert werden muss.

Gelegentlich kommt ein verschämter Hinweis, dass die meisten anderen Bundesländer auch ohne Bezirksebene auskommen, man diese also abschaffen könnte, wobei die bezirksfreie Psychiatrie­verwaltung vermutlich sowohl  preisgünstiger als auch transparenter wäre.

Wir haben mehr ambulante Versorgungsmöglichkeiten als früher und trotzdem steigen die Einwei­sungs­zahlen in die Psychiatrie.

Bayern hat die höchste prozentuale Einweisung in die Zwangspsychiatrie von allen Bundesländern.

Da erschließt sich für mich keinerlei Glaubwürdigkeit der für die Zwangspsychiatrie zuständigen vierten Regierungsebene „Bezirk“.

Ganz im Gegenteil, möglicherweise ist gerade diese Regierungsebene dafür verantwortlich, dass ein baye­rischer Bürger ein erheblich größeres Risiko hat in der Zwangspsychiatrie zu landen, und zwar auf viele Jahre, eventuell sogar lebenslänglich, als in Bundesländern ohne diese Regierungsebene, die ja nicht nur Kontrolleur, sondern auch Mitspieler im Psychiatriemonopoly ist.

Als Argumente für dieses Phänomen sind mir bisher zwei Begründungen untergekommen:

  1.  Das Sicherheitsbedürfnis der bayerischen Bevölkerung sei höher und
  2.  die Versorgungssicherheit in Bayern sei eben besser.

Beide Argumente sind nicht besonders plau­sibel. Es bleibt die Tatsache, dass man als bayerischer Bürger stark zwangspsychiatriegefährdet ist und zwar aus Gründen der jederzeit verfügbaren Bürgerdisziplinierung und aus dem Grund, dass der staatliche Kon­trol­leur gleichzeitig seine finanziellen Ressourcen, seine Bedeutung und seine Macht aus einem maximal aufgeblähtem stationären Psychiatriebereich schöpft.

 Nur am Rande: Ulvi Kulac, der von den erfundenen Mord an Peggy Knobloch freigesprochen worden ist und zwar aus tatsächlichen Gründen („Freispruch 1. Klasse“) sitzt immer noch mit fadenscheiniger Be­grün­dung in der stationären Zwangspsychiatrie in Bayreuth/Bayern, obwohl ja jetzt mit und laut dem neuen Bezirkstagspräsidenten Herrn Mederer insgesamt alles besser werden soll und die ambulante Ver­sorgung vorgehen soll.

16.11.2104, Margit Menter

Daß in einem Bereich, in dem Menschen anderen Menschen ausgeliefert sind, von den Machern, Präsidenten etc. gern so getan wird, als gebe es hier nichts als Edelmut und Menschenfreundlichkeit, dazu sandte Frau Menter noch einen Artikel des MIESBACHER MERKURs vom 6.-7.12.2014. Eine Vertreterin des VdKs  zeigt da ein ganz anderes Bild auf: “Wir brauchen einen Aufschrei” –  hier anzuklicken. W 16.12.2014

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Über dem Skandal, den der Fall Mollath für die Justiz, die Psychiatrie, nicht zuletzt aber die miverantwortliche politische Klasse bildet, be­müht diese sich jetzt, gesetzliche Reformen auf den Weg zu bringen. Sie sollen helfen, daß solche Skandale in Zukunft nicht mehr vorkommen.  Zu dem geplanten „Gesetz über den Vollzug der Maß­regeln der Bes­serung und Sicherung sowie der einstweiligen Unter­bringung“, einem neuen Bayerisches Maßregelvollzugsgesetz (BayMRVG)“ hat die baye­rische Staatsre­gierung jetzt einen Entwurf vorgelegt. Nach ihm wollen die Machthaber, nicht zuletzt solche von der Art des Bezirkstags­prä­sidenten Mederer, anscheinend jedoch nicht zu­viel von ihren bisher gehaltenen Macht- und Repressionsmitteln und ihren Pfründen hergeben. Hier rührt sich immerhin jetz Kritik vom Bayerischen Richterverein e.V. 1111 http://www.bayrv.de/DesktopModules/ExpandableTextHtml_News/PopUpContent.aspx?moduleid=615&itemid=64

 Erfreulich genug, daß im Bayernland jetzt solche Kritik intern aufgekommen ist. Sie kann der Allgemeinheit ver­deutlichen, an welchen Stellen bei den angekündigten Gesetzes­novellen besonders Obacht zu geben ist. W.

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Auch derFall Kuwalewsky, der an dieser Stelle vorgestellt worden war, ist jetzt akutalisiert im Rundbrief 1/14 nachzulesen. Hier nur noch ein Bericht des Pfalz-Express zu dem Fall, der, so aufregend er ist, über den örtlichen Radius hinaus noch wenig Aufmerksamkeit erfahren hat. Dazu das Bild von dem glücklichen Augenblick am 20.7.2014, an dem sich entschieden hatte, daß die Kinder nach einem dreiviertel Jahr gewaltsamer Trennung endlich wieder nach Hause zu ihrer Mutter heimkehren durften.

http://kindesentzug2013kuwalewsky.files.wordpress.com/2014/08/familienbild.jpg

Eine Unterstützergruppe berichtet im Folgenden über die weiteren Ereignisse, u.a.  die ersten Tage der Kinder zuhause und den weiteren Fortgang der Ereignisse im Fall Kuwalewsky

 – hierzu auch der weblog: http://kindesentzug2013kuwalewsky.wordpress.com/2014/08/20/eilmeldung-alle-vier-kuwalewsky-kinder-sind-zuhause-bei-der-mama/

Am 23.08.14 konnte die Mutter die Habe der Kinder beim Jugendamt abholen.

Es gab eine große Wiedersehensfeier mit Familie und Freunden.

Am 02.09.14 konnte Max seinen 13.Geburtstag zuhause in Lambrecht mit seinen Freunden feiern.

Am 08.09.14 begann die Schule in Rheinland-Pfalz – Hanni und Max wurden äußerst freudig in ihrer alten Klasse begrüßt.  Am 09.09.14 wurde Benni in der 5.Klasse eingeschult und für den kleinen Till begann die Schulzeit mit der Einschulung in die 1.Klasse.

Auf ihre Schulbücher mussten alle vier Kinder noch bis zum 22.09.14 warten: Mama Andrea fehlten die Mittel zum Kauf der Bücher (zu diesem Zeitpunkt lag die Sorge in wesentlichen Teilen noch beim Jugendamt. Das Jugendamt führte zunächst auch keine Klärung herbei. Erst am 22.09. wurden die Kinder trotz wiederholter dringender Intervention der Mutter per Ausleihe mit Büchern versorgt.

Am 07.10.14 erfolgte ein Termin am Familiengericht Neustadt/Weinstraße.

Im Ergebnis wurden beiden Eltern das Sorgerecht zu gleichen Teilen rückübertragen.

Der Pfalzexpress berichtete sachgerecht: http://www.pfalz-express.de/fall-kuwalewsky-kinder-durfen-vorerst-bei-der-mutter-bleiben-weitere-verhandlung-anberaumt/

Bereits seit Anfang August kommt 1-2x wöchentlich für wenige Stunden ein Familienhelfer, um sich vom Wohlergehen der Kinder zu überzeugen – zunächst Frau K., die aus sehr persönlichen,  privaten Gründen ihr Mandat zurückgeben musste, seit etwa Mitte September Herr S. von einer anderen Einrichtung.

Beide haben weder an der Mutter und ihrem Erziehungsverhalten noch an den Kindern etwas zu bemängeln. Das sind ja auch tolle Kinder.

Alle vier Kinder haben sich gut in ihr altes Leben wiedereingefunden. Alle vier gehen zur Schule – insbesondere Max und Hanni mit guten bis sehr guten Leistungen.

Hierzu bei: http://kindesentzug2013kuwalewsky.wordpress.com/2014/11/23/wie-geht-es-den-vier-kindern/

Maximilian, der Älteste, konnte zu seiner und der Klassenkameraden großen Freude in seine alte Klasse, jetzt also Klasse 7, zurück, wo er gute Leistungen bringt und ein von Lehrern und Mitschülern geachteter Schüler ist. Dies ist um so erfreulicher, als dass Maximilian während der Zeit im Kinderheim S. an der dortigen Schule zunächst vom Realschulzweig in den Hauptschulzweig degradiert wurde und auch dort v.a. Noten bei 5-6 hatte, weil er so sehr unter der Heimunterbringung litt. Das Jugendamt wollte ihn aus dem Kinderheim S. im Juni 2014 allein in ein anderes Heim verlegen mit dortiger Schule (für Erziehungshilfe). Max sollte allein ohne die Geschwister nach Pirmasens http://www.nardinihaus.de/html/start.html ins Nardinihaus, Zentrum für Erziehungshilfe (!).

(Es ist wohl klar, dass damit unwiderbringlich eine lebenslange Stigmatisierung stattge­funden hätte. Ein 12jähriger, der seinen Eltern weggenommen und in ein Erziehungshilfeheim verbracht wird, muss wohl ein ganz schlimmer Bub sein, oder? Welche Chance hätte Max noch auf ein ganz normales Leben, eine normale Ausbildung gehabt? Max hat sich dieser Zwangsunterbringung gegen seinen Willen letztlich durch Flucht entzogen und sich wochenlang versteckt gehalten.)

Andrea Kuwalewsky ist nach monatelanger Arbeitsunfähigkeit infolge der Belastungen durch die Wegnahme der Kinder, das familiengerichtliche Sorgerechtsverfahren und vor allem auch der Flucht und dem ungeklärten Verbleib von Max (Juni-Juli 2014) schließlich Mitte November in den Polizeidienst zurückgekehrt.

Sie ist laut ihrer Ärzte dienstfähig und fühlt sich fitt, ihre beruflichen Aufgaben wieder zu übernehmen.

Unerfreulich und von außen betrachtet unverständlich ist, dass der Dienstherr der Polizistin Andrea Kuwalewsky dennoch auf einer Untersuchung der Dienstfähigkeit zu bestehen scheint.

Ebenso besteht der Familienrichter Dr. F. (AG Neustadt/W.) auf einem neuen psychiatrischen Gutachten über die Mutter wie auch aller vier Kinder.  Als Gutachter wurde benannt der Chefarzt der Kinder-und Jugendpsychiatrie des Pfalzklinikums Klingenmünster, Dr. med. M. B.

(Das erscheint so erstaunlich wie unverständlich, da Herr Dr. B. bereits Max in Behandlung bzw. Zwangsunterbringung hatte und daraus Strafanzeigen gg. das PI vorliegen, so dass der Verdacht einer Befangenheit zumindest naheliegen dürfte.)

Auch eine weitere Behörde verlangt eine psychiatrische Untersuchung von Mutter Andrea.

Dass es nicht unbedingt angenehm ist, sich zeitgleich dreifach psychiatrisch begutachten zu lassen im heutigen Wissen z.B. um den Fall Mollath und den Fall Haslbauer – bei ohnehin voller psychischer Gesundheit, leuchtet wohl jedem Menschen ein.

Mutter Andrea sorgt umsichtig und ganz großartig für ihre vier Kinder. Ihr Haushalt ist vorbildlich in Ordnung. Sie geht arbeiten und erzielt ein Einkommen, um sich und ihre Kinder zu versorgen. 

Sie ist aus unserer Sicht eine absolut gesunde und normale Person. Sonst hätte sie den ganzen behördlichen Wahnsinn, den sie – und ihre Kinder – erlebt hat, nicht so gut überstanden.

 Alle Freunde und Bekannte, ihre Familie vor Ort und wir externen Unterstützer erleben täglich eine tolle, toughe, liebevolle und gut organisierte Frau und Mama – wir alle fragen uns, warum die Behörden vor Ort Frau Kuwalewsky und ihre vier Kinder nicht einfach in Ruhe “einfach leben lassen” können?

Warum ist es so unbedingt nötig, die Kinder nicht in Ruhe zu lassen, sie weiter in der Angst zu halten, nochmals gewaltsam von der Mutter und aus ihrem Zuhause weggeschleppt zu werden?

Ist das behördliche Verhalten mit dem Kindeswohl von Max, Benni, Hanni und Till vereinbar?

Hiermit bitten wir – stellvertretend auch für die vier Kinder von Andrea – die beteiligten Behörden, insbesondere auch Familiengericht und Jugendamt: Stellen Sie die behördlichen Verfahren gegen die Familie ein.

Sorgen Sie dafür, dass die vier Kinder sich endlich wieder sicher fühlen können zuhause, dass sie keine Angst mehr haben müssen, wenn es an der Klassenzimmertüre klopft.

Die Kinder haben genug erlitten. Sie müssen jetzt zur Ruhe kommen dürfen. Es ist bald Weihnachten! 

“Endlich in Frieden ohne Angst vor erneuter Heimunterbringung zu leben”, ist der sehnlichste Weihnachtswunsch der Kinder und auch der ihrer Mama.

Weitere Mitteilung der Berichterstatterin im Januar 2015:

Der Amtsrichter Dr. F. scheint gegen alle Vernunft weiterhin auf ein Obergutachten durch das Pfalzinstiut (PI) Klingenmünster zu bestehen. Obwohl allen klar ist, dass sich weder Andrea noch die Kinder dort begutachten lassen werden. Ebenso wünscht die Polizeidirektion eine Begutachtung von Andrea auf Dienst­fä­higkeit durch das ZMU Mainz. Hier wehrt sich Andrea über einen beauftragten (teuren!) Fachanwalt. Der sah die Dienstakte von Andrea ein. Aus den Unter­lagen ist zu erlesen, dass bereits ab Juli 2014 eine Begutachtung in Richtung “Dienstunfähigkeit” der Beamtin er­wünscht wurde. An­drea geht wieder arbeiten, die Kinder zur Schule. Johanna, das Mädchen (9) von den vieren, ist Klassenbeste. Der große Max bringt gute bis sehr gute Schul­leistungen. Benni, 10, wird in der Schule durch seine Lehrer gut unterstützt. Der kleine Till, der wegen seines jungen Alters im Heim sicherlich die größten Schä­den erlitt, ist in der 1.Klasse schu­lisch ganz unauf­fäl­lig. Der Familienhelfer kommt etwa 1-2x/Woche, findet aber weiterhin nichts Negatives. Fi­nan­ziell: Andrea stopft weiterhin Löcher. Es ist schwierig und weiterhin jeden Monat eine Grat­­wande­rung, v.a. weil weiterhin Anwälte bezahlt werden müssen, die die jeweiligen Be­hörden in die Schranken weisen.

Kurzmitteilung von Andrea K. Mitte Februar: Sie verrichte seit einem halben Jahr an der neuen polizeilichen Dienststelle ihren Dienst ohne Beanstandung. Die Kinder gediehen. Richter  am Amtsgericht Neustadt /W. Dr. F. aber faßte am 3.2.2015 erneut den Beschluß, sie und die vier Kinder müßten sich im Pfalzklinikum Klingenmünster begutachten lassen. Die Kinder ergriff pa­nische Angst, wieder von der Schule abgeholt zu werden. Sie selbst aber blieb gelassen. Die An­ordnung einer Zwangsbegutachtung durch ein Familiengericht sei, wie sie am 16.2. in Erfahrung brachte, verfassungswidrig.

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Seit Jahren erreichen uns immer wieder Mitteilungen über “psycho-justitielle” Übergriffe gerade auf familienrechtlichem Gebiet. Eine Übersicht gibt die Anfang 2014 erschienene Masterarbeit von Stephanie Termeer Die Fürsorgepflicht gegenüber Schutzbefohlenen durch das Jugendamt.

In seinem neuen Buch EINSPRUCH! – WIDER DIE WILLKÜR AN DEUTSCHEN GERICHTEN (Westend, 2014) stellt auch Bundesminister a.D. Norbert Blüm bei allgemeiner Verlotterung der Rechtspflege (samt Gutachterwesen) die besonders kritische Situation an Famliengerichten heraus.

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Im Rundbrief 1/14 stellen wir auch den Fall des Rechtsanwalts Peter Putzhammer aus Isen vor. Gegen ihn hatte ob seiner juristisch spitzfindigen, mitunter schon groben, un­an­geneh­men Ein­gaben in einem anderen Streitfall ein bayerisches Amtsgericht im März 2012 ein Be­treu­ungs­verfahren eröffnet und sich mit der Frage, ob da nicht „zu­mindest eine par­tielle Ge­schäftsunfähigkeit“ vorläge, an Prof. Nedopil ge­wandt. Von diesem ließ sich der Anwalt aber nicht untersuchen, so daß N. ein Akten­gut­achten erstellte. Gespreizt, wie sich Psycho-Spitzenvertreter gern geben, be­jah­te dieser die Frage halb, zum Glück aber, da die Exploration fehlte, nicht ganz, so das Ge­richt eine weitere Ex­pertise anforderte, dem Angeklagten jetzt aber die Wahl des Gut­ach­ters über­ließ. Auch in Bayern gibt es eben noch faire, nach Recht und Gesetz urtei­lende Richter. Die Wahl des An­ge­klag­ten fiel auf mich. Ich un­ter­suchte ihn Ende 2012, erkannte in ihm eine in­takte, streitbare, fachlich dabei gut beschla­gene Persönlich­keit, in dem Vorgutachten da­geg­en grobe Feh­ler. Im Fe­bruar 2013 lieferte ich ein entspre­chendes Gutachten ab. Dieser Tage erhielt ich von dem Probanden die Nachricht, daß das Gericht „mit Beschluß vom 5.8.2014 das Ent­mündi­gungs­verfahren“ gegen ihn eingestellt habe. 

Apropos Erfolge. Sie wurden in erster Linie von den Betroffenen selbst errun­gen, indem sie wie E. Her­rmann und R. Hoff­mann den Schlägen des krummen Psycho-Justiz-Sy­stems geschickt auswichen, sie wie P. Putzhammer gekonnt parierten und/oder sie wie G. Mollath und die vier Kinder Kuwalewsky und ihre Mutter tapfer erduldeten, Widerstand leisteten und nicht zer­brachen. Wir gaben nicht mehr als Hilfestellung und sie in unter­schied­lichster und keines­wegs immer unbestrittener Weise.

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Die Zustände in bayerischen psychiatrischen Krankenhäusern scheinen mitunter  so zu sein – der Fall  Mollath hat anhaltende Aufmerksamkeit für sie auf­kommen lassen -, daß auch der Bayerische Rundfunk nachhakt, am 9.2.2014 hier etwa so.

Es werden halt auch bayerische Psychiater  von ihren (oberen) Fachvertretern, Fachjournalen ein­gelullt. Da berichtete DNP 2014; 15 (2) unter der Überschrift „Psychiatrie ohne Zwang – zu schön um wahr zu sein“ von dem Heidenheimer Chefarzt Dr. Zinkler – Antipsy­chiater stellten ihn auf dieser Website schon als Vorbild dar -, der auch gerichtlich genehmigte Zwangs­be­handlungen (mit Psychopharmacis) seit Mitte 2011 nicht mehr durchführe. Nur sei die Zahl der Fixierungen in seinem Haus erheblich gleichzeitig angestiegen. Zugenommen hat in der Zeit von 10/11 bis 2/13, als es auf Grund von BGH-Ur­tei­len in Baden-Würt­temberg keine Zwangsmedikation gab, auch die Zahl ag­gres­siver Handlungen unter Mitpatienten um 44%. Einem Vortrag beim DGPPN-Kongreß 2013 entsprechend, berichtet der Artikel auch aus den liberalen Nieder­landen von Zwangmaßnahmen dort, u.a. von Fixierungen bis zu 8.015 Stunden, wogegen wohl die 60 Tage (= 1440 Stunden) Fixierung, die Mollath u.a. kürzlich einem Krankenblatt des Bezirks­kran­kenhauses Taufkirchen entnahm, fast nicht aus dem Rahmen fallen. Wie leicht verblassen Gräßlichkeiten in wissenschaftlichen Bei­trägen! Wer möchte nicht laut aufschreien? Wie schwierig die Behandlung psychisch Kranker mitunter ist, darüber gebe sich niemand Illusionen hin. Das alles rechtfertigt aber Intransparenz und Übergriffe nicht. Sie kommen vor, wo Men­schen Mächtigen ausgeliefert, Kontrolle un­zureichend und Kritik erschwert sind.

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Auf Initiative der Münchner Medizin-Studenten kam der Fall Mollath am 13.12.2013 im Hörsaal der Chirurgischen Klinik der LMU, München erstmals vor ein Anteil nehmendes medizinisches Auditorium. Es referierten und diskutierten mit den großenteils studentischen Teilnehmern von ärztlicher Seite Dr. Hanna Ziegert, Prof. Dr. Dr. Klemens Dieckhöfer und Dr. Friedrich Weinberger (deren Referate verlinkt), von juristischer Seite Ministerialrat Dr. Wilhelm Schlötterer und Oberstaatsanwalt Dr. Karl als Vertreter des bayerischen Justizministeriums. Eindrückliche Worte sprach Gustl Mollath selbst. Zwei Berichte über die Veranstaltung aus unterschieliicher Perspektive sind hier abrufbar.

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Nachwehen des Falles Gustl Mollath
(Beitrag vom 28.11.2013, am 8.1., nochmals 3.2.2014 überarbeitet und gestrafft)

Für Mollaths Freilassung (am 6.8.2013) konnten sich Unterstützer einsetzen und sie schließ­lich durchset­zen, weil ihm nach den ver­nich­ten­den Ex­per­tisen der Professoren Krö­ber und Pfäfflin rasch, de­tailliert und kom­petent ein anderes Gut­achten, meines, psychische Gesund­heit und Un­gefähr­lichkeit bescheinigte.

Um so verwunderter waren wir in der GEP ob der Vorbehalte, die uns aus Teilen des „engeren“ Unter­stützerkreises, mehr noch dann aus dem „weiteren“ Kreis „neuer“ Unterstützer be­geg­neten. Dass es unter den Unterstützern von Opfern eines Psychiatriemißbrauchs mehr In­ter­­esse für das Fach gebe, als in der übrigen Bevölkerung, dass unter ihnen mehr Unterschei­dungs­ver­mögen wäre für das, was hie unum­gäng­lich, da aber an unrechtsträchtigen Fehl­steue­rungen abstellbar und dringend abzustellen ist, war eigentlich nie zu erwarten. Dafür schwirren zu viele Illusionen in der Öffentlichkeit über das, was im Fach hie unum­gänglich und da un­rechts­träch­ti­ge Fehlsteue­rungen sind. Daß eine Oberstaatsanwältin [1] hie Mollaths Sache juri­stisch–kriminologisch in hervorragender Weise weiter verfolgt, da gleich­zeitig aber den satten, in weiten Teilen der Welt bereits überwundenen Un­fug der Psycho­ana­lyse hochlobt und den (Freud-kritischen) Gutachter herunterreißt, der Mollath mit zur Freiheit verhalf, zeigt ein weiteres Mal den Wirrwarr an, der in der Öf­fent­­lichkeit über die Psy­cho-Fä­cher weithin herrscht. Leicht kann er von interessierten Mächtigen über die Medien weiter aufrecht­erhal­ten, ja vergrößert werden.

Aus diesem Wirrwarr heraus passierte es, dass sich in einem dieser Unterstützerszene ent­sprungenem Buch (STAATS­VER­SAGEN AUF HÖCHSTER EBENE) zwei Psychiater mächtig jetzt zu Wort kommen, die seinerzeit keinen Finger für Mollath rührten. Der eine, Dr. Torhorst schreibt (so M. Riebe auf NürnbergWiki), der Fall Mollath zeige, „daß die Psychia­trie in Kompli­zenschaft mit der Justiz Menschen mit psychischer Erkrankung be­nach­teilige (S. 127), so als sei Gustl Mollath psychisch krank und träfe der Vorwurf der Benachteiligung pri­mär nicht sie selbst. Und der Nervenarzt Dr. Rauch­fuss „betrachtet Gustl Mol­lath gar als psychisch kranken Straftäter, der therapeutische Angebote abgelehnt habe (S. 131). …” Welch haltlose Verun­glimpfung durch „Psychis“ jetzt noch – und das in einem sog.Unterstützer-Buch“.

Daß jetzt vor allem „neuere“ Mollath-Unterstützer von uns, der GEP, abrückten, hat allem An­schein nach den Grund, dass sie wie Wolff und viele andere im Land auf der Freud-Schiene lau­fen. Nur an­dere Psy­chia­ter, die wie ich ge­gen die Sachverständigen Leipziger, Kröber, Pfäfflin  ange­treten wären und ge­gen Staats­anwälte und Gerichte die psychische Gesundheit Mol­laths aus­gewiesen hätten [3], oder die wie Prof. Dieckhöfer besagten Schlecht­achtern mit der not­wen­digen Klarheit und wis­sen­schaftlichen Autorität entgegen­getre­ten wä­ren, ha­ben die Un­ter­stüt­­zer (die ursprünglichen, denen die Aufgabe der Suche gestellt war) nirgends gefunden, zumindest nicht, solange Mol­lath un­be­kannt war. Das war sein Glück, dass er, selbst unermüdlich Hilfe suchend, von der GEP diese schließlich erfuhr. Hier allein hatte man gelernt, der „crème de la crème“ der Psych­iater, wenn es sein muß, auch paroli zu bieten. Nicht von unge­fähr stehen Dieckhöfer und ich wie vordem auch von Baeyer mit ande­ren zusammen in der DVpMP/GEP seit Jahrzehnten allein gegen das Psy­cho-Establish­ment, was manchen dieser (neuen) Unterstützer heute gar zum Feixen Anlaß ist.

Freud, auf den der heutige Wirrwarr in der Seelenheilkunde wie der Gesellschaft großenteils zurückgeht, gilt hierzulande – OSTAin a.D. Wolff ist keine Ausnahme – immer noch als ge­nialer See­­lenarzt, in großen Teilen der Welt inzwi­schen eher als großer Schrift­steller, ansonsten als großer Scharlatan. Eine um­fängliche Lite­ratur liegt international dazu vor, auf deutsch die Bücher von D. E. Zim­mer TIEFEN­SCHWIN­DEL, von H. Israels DER FALL FREUD, von H. Hemminger & V. Becker WENN THE­RA­PIEN SCHADEN, von H. Selg SIGMUND FREUD – GENIE ODER SCHARLATAN, von C. Eschenröder, HIER IRRTE FREUD, von K. Schlagmann, ÖDIPUS KOMPLEX BETRACHTET. In ersterem Buch ist schön auch zu sehen, welches Ge­zeter hierzu­lande über die hereinbricht, die es wagen, Freud in Frage zu stel­len. Meist freilich werden sie „nur“ totgeschwiegen.

Kam das Thema Freud mit dem Disput mit Wolff kurze Zeit in Aufwallung, breitete sich bald doch wieder lähmendes Schweigen darüber aus. Erstaunlich ist ja für viele, dass und wie es die Medien trotz grundgesetzlich verankerter Informationsfreiheit über Jahrzehnte verstehen, dieses und andere wich­ti­ge Themen gänzlich auszuklammern, der Psychiatriemißbrauch eines da­von. Noch aber ist nicht aller Tage Abend. Hat es im Fall Mollath zwei Jahre ge­dauert, bis Politik und Justiz wieder zu Recht und Wahrheit fanden, sieht es so aus, als wolle es noch­mals so lange dauern, bis auch die Psychiatrie dazu gelangt. Die Verbie­gungen rei­chen hier noch viel tiefer, aber auch sie kommen zunehmend ans Licht.

Dr. Weinberger            


[1] Aus­löser des heißen Disputs mit OSTAin  Gabriele Wolff war unser Beitrag  Zur Wissenschaftlichkeit der Psychiatrie (“Psycho-Fächern”) in RB 1/13,7. Wo ungedeckte Hypothesen, fälschlich als Wissenschaft gehan­delt, in die Diagnostik ein­dringen, wird diese grundsätzlich verdorben. Im Fall Mollath brauchte es da keinen beken­nenden Freudianer Pfäfflin mehr, um den “Diagnosen” Leip­zigers oder Kröbers noch eine schlechte Pro­gnose für Mollath draufzusetzen.

Hier Weinbergers Ausführungen in Nürnberg am 27.7.2013:

 Wie das Thema Mollath / Psychiatriemißbrauch unter Ärzten diskutiert wurde und wird, dazu anbei ein kleiner Überblick. Wie ungezügelt Politiker zur Durchsetzung ihrer Ziele, welcher auch immer, auf  die Psychiatrie zugreifen, dafür gab SPD-Chef Gabriel im April 2011 ein eindrückliches Beispie (Video).  Daß die Psychiatrisierung als patentes Mittel der Einschüchterung nicht nur hierzulande vorkommt, auch dazu jetzt ein Beispiel (Video). Diese eindrücklichen Videos und auch das nächste stammen von Rainer Hoffmann, der selbst von Psychiatrisierung bedroht wurde – wir haben ihm (s.E. ungenügend) geholfen (RB 1/13, 2.2.1), ihr zu entkommen. Auch unter un­seren Schutzbefohlenen gibt es schwierige Naturen. Hoffmann, ein IT-Freak, stellt wichtige, für unsere Sache mitunter relevante Bei­träge jetzt in die Website Flucht und Ausreise, so auch das folgende Video.

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  Einige früher schon wiedergegebene Aussagen sind es wert, auf Dauer festgehalten zu werden, so

Prof. Igor Schafarewitsch,russischer Mathematiker,ein Freund Andrej Sacharows, in einem Aufruf vom 14.05.1978 anläßlich der Verhaftung des jüdischen Bürgerrechtlers Alexander Podrabinek, der  gegen die damals in seinem Land verbreitete Psychiatri­sierung Oppositioneller, ihre Internierung und Behandlung als Geistes­kranke, nachdrücklich protestierte – seine Worte standen bereits in unserem Rundbrief 3/78:

Wenn man im Menschen nichts anderes sieht als eine Mischung von sozialen oder biologischen Kräften, dann verlieren die Konzepte von Schuld und Strafe jede Be­deu­­tung, so wie sie bedeutungslos sind, wenn sie gegen eine Maschine angewandt werden. So wie ein kaputter Computer nicht vor Gericht gestellt und nicht bestraft, sondern repariert wird, so ist es „notwendig“, eine Person zu reparieren, die aufhört nach dem offiziellen Programm zu funktionieren. Für exakt diesen Zweck gibt es psychiatrische Spezialkrankenhäuser.

Diese Schlußfolgerung ist so unausweichlich, daß schon ein Früh-Materialist wie Weitling, ein Vorläufer und Lehrer von Marx, das Bild einer Zukunftsgesellschaft „von Freiheit und Harmonie“ gemalt hat, in der es keine Gerichtsverfahren und keine Prozesse mehr gäbe, in der vielmehr alle „von schlechten Leidenschaften Besessenen“ in Hospitäler gesteckt und die „Unheilbaren“ auf speziellen Insel-Kolonien festgehalten würden. Dies eine typische, von einem schlimmen Phantasten geträumte Utopie. Um wieviel schauriger ist die Utopie, die das reale Leben ge­schaf­fen hat? Im (noch kleinen) Modell zeigt sie uns, was uns in nicht zu ferner Zukunft erwartet.

Eine Kostprobe davon ist gegeben, wenn Psychiater zwangseingewiesenen „Patien­ten“ in offensichtlich aller Ernsthaftigkeit erklären, daß ihre religiösen Glaubens­überzeugungen oder ihre kritischen Haltungen dem Leben gegenüber, ihr „Mangel an sozialer Anpassung,“ wie die Ärzte sagen, ein klares Symptom geistiger Er­kran­kung seien.

Die Weltanschauung, von der solche Ansicht stammt, ist nicht in Rußland geboren – sie wuchs und trieb Blüten auf westlichem Boden. Aus diesem Grund bin ich sicher, daß auch der Westen von der gleichen Gefahr bedroht ist, wenn vielleicht auch in anderer Weise – von der Perfektion der Techniken zur Mani­pulation des Denkens, von der Veränderung des Menschen in ein „eindimen­sionales“ Wesen, das seiner inneren Freiheit beraubt ist… 

 

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13 responses to “Aktuelles und Grundsätzliches”

  1. Petra Kutschke

    Sehr geehrter Herr Dr. Weinberger,
    auf dem Beck-blog findet man eine sehr gute Analyse des Urteils über Herrn Mollath von Herrn Prof. Müller.
    Ich wünschte, das Urteil hätte sich an seinen Ausführungen orientiert, dann wäre Herr Mollath freigesprochen worden ohne den Makel zu tragen, ein schuldunfähiger, wahnhafter Gewalttäter zu sein, der mittlerweile wieder durch eine Spontanheilung genesen sei.
    Das eigentliche Lob gilt dem Rechtsanwalt, der die Verfassungsbeschwerde zum
    Erfolg gebracht hat. Erst dadurch geriet die Staatsanwaltschaft unter Druck
    und beantragte die Wiederaufnahme. Ich will dabei den umfangreichen und
    substantiierten Wiederaufnahmeantrag von Herrn Strate nicht unerwähnt
    lassen. Es stellt sich aber doch die Frage, ob das Wiederaufnahmeverfahren
    zustande gekommen wäre, wenn die Staatsanwaltschaft keinen Antrag gestellt
    hätte. Mit Bewilligung der Wiederaufnahme stand das Urteil „Freispruch“
    bereits fest. Dazu bedurfte es keines Rechtsanwaltes mehr. Ich hätte aber
    erwartet, dass man Herrn Mollath vor der ehrverletzenden Psychiatrisierung
    bewahrt hätte.
    Die Gutachter, welche Herrn Mollath eine wahnhafte Erkrankung unterstellt
    hatten, taten dies ohne die gutachterlichen Richtlinien einzuhalten. Im Fall
    der Finanzbeamten aus Frankfurt wurde der Gutachter wegen der gleichen
    Verstöße gegen die gutachterlichen Richtlinien berufsrechtlich belangt.
    Warum geschah dies im Fall Mollath nicht? Ich habe mir als Fachärztin für
    Psychiatrie sämtliche Gutachten über Herrn Mollath angesehen, die
    dankenswerterweise von Herrn Strate veröffentlicht wurden. Die Diagnose
    einer wahnhaften Erkrankung ist nach methoden- kritischer Untersuchung der
    Gutachten nicht haltbar. Daher konnte auch der Kollege Nedopil sich auf
    keine Vordiagnose beziehen, anhand derer man auf eine Schuldunfähigkeit
    /verminderte Schuldfähigkeit schließen vermochte. Wenn man seine
    Stellungnahme ansieht, fällt auf, dass er ohne Herrn Mollath untersucht und
    exploriert zu haben, direkt vom Vorliegen einer wahnhaften Erkrankung
    ausgeht. Es folgen eine Darstellung, was diese Erkrankung ausmacht und der
    Hinweis, dass es häufig zu einer Ausheilung kommt. Dies sei der Grund, warum
    Herr Mollath nun gesund erscheine. Damit konnte man eine erneute
    Unterbringung von Herrn Mollath vermeiden. Wenn man das letzte Gutachten von
    Herrn Leipziger anschaut, wäre dies aber zwingend erforderlich gewesen.
    Ich halte es für äußerst bedenklich, dass sich Psychiater bereit erklären,
    anhand einer Beobachtung während eines Strafprozesses, eine Stellungnahme
    abzugeben. Es wäre nur akzeptabel, wenn der Psychiater erklären würde, dass
    ohne Untersuchung und Exploration keine Erklärung abgegeben werden könne.
    Ich frage mich, wie der Kollege Nedopil auf die Idee kommt, er sei
    verpflichtet eine Stellungnahme abzugeben, die er anfänglich auch noch
    Gutachten nannte. Es schadet aus meiner Sicht dem Ansehen der Psychiater
    auch in Bezug auf die Arzt- Patienten- Beziehung.
    Herr Nedopil ließ sich aber zu einer Stellungnahme verleiten. Warum fiel ihm
    nicht auf, dass die Vordiagnose wahnhafte Störung, die diverse Kollegen
    erkannt haben wollten, nicht lege artis erstellt worden war? Spielten hier
    Schadensersatzansprüche eine Rolle?
    Fakt ist, dass mit Nedopils Hilfe das Gericht Herrn Mollath eine unbewiesene
    Körperverletzung vorwerfen und aufgrund der gemutmaßten Schuldunfähigkeit
    trotzdem zu einem Freispruch gelangen konnte. Damit erklären sich wohl auch
    die Wertungen des Gerichts zu Gunsten der Nebenklägerin.
    Dieses Urteil vertuscht aus meiner Sicht den eigentlichen Skandal, dass mit
    Hilfe der Psychiatrie ein Gesunder über Jahre weggeschlossen wurde. Es ist
    erfreulich, dass im Beck-blog lange nach Beendigung des Regensburger
    Wiederaufnahmeverfahrens so viele gehaltvolle Beiträge erscheinen. Es zeigt,
    wie viel noch als ungeklärt oder unschlüssig empfunden wird, auch bezüglich
    der Leistungen der Verteidigung. Auch werden Strates Ausführungen in seinem
    Buch sowie seine Selbstrechtfertigung vielfältig hinterfragt z.B. vom
    Juristen VRBGH Thomas Fischer insbesondere zur forensischen Psychiatrie (Die
    Zeit, 23.12.2014).

  2. Wolfgang Paul

    Die Abspaltung der “forensischen Medizin” von der normalen Medizin habe ich schon als Uni-Assisten erlebt, sie ist erschreckend!
    Ich erinnere mich an eine konkrete Auseinandersetzung über den Ort einer vom Kliniker gewünschten Obduktion (wird heute in der Regel von Angehörigen nicht gewünscht und daher selten geworden) in der “normalen” Pathologie, aus der man immer nur lernen kann, oder in der forensischen Obduktion, die wohl irgendwie angeordnet war, da es sich letztlich um die Folgen einer Schussverletzung (durch einen Polizist) gehandelt hatte.
    Immerhin hatten die Ärzte über 6 Wochen mit 2 Op,s und Intensivstation bis zum Schluss versucht, das arme Opfer zu retten. Der Streit ging bis zu den Ordinarien, weil das Ergebnis der Forensik üblicherweise nie bei den behandelnden Ärzten angekommen war, wohl mit irgendwelcher Absicht, nicht durch Zufall. Die Folge davon war nun die konzidierte Ausnahme, dass ich als Klinikassintent (Intensivstation) an der forensischen Obduktion teilnehmen konnte.
    Es zeigte sich mir dabei die Abspaltung von “normaler” Medizin schon in der Nomenklatur, also einer komplett eigenen Sprache. Das Wort Peritonitis, die wesentliche Todesursache gab es überhaupt nicht, jedoch am meisten hat mich der wirklich ernst gemeinte Vorwurf geschockt, dass der Erstoperateur wohl illegalerweise die Spuren des Schusses beseitigt hätte.
    Dagegen konnte ich mich trotz meiner Jugend jedoch nicht zurückhalten mit der Bemerkung, dass alles andere ein Kunstfehler gewesen sei.
    Es war die letzte Einladung der Forensik für einen normalen Arzt, soweit mir bekannt ist.
    Das ist also keine Medizin mehr mit einem erkennbaren Ziel, etwas positives für den Patient zu bewirken.
    Gerade, wenn es auch um die Frage eines operativen Fehlers geht, kommt durch diese Selbstisolierung das erhebliche Defizit dieser Ärzte zu Tage, hier fach- und sachkundig den vorausgegangenen Operationsablauf und dessen Zweck überhaupt beurteilen zu können.
    Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Man darf das sicher auch auf die Psychiatrie erweitern, die nicht funktionieren kann, wenn man hier als “Forensiker” den Kontakt zum bekannten Patientengut der Psychiatrie verloren hat.
    Philosophisch muss sich die Gesellschaft selbst die Frage stellen, wie weit man die Frage von Schuld und Unschuld (normengerechtes Verhalten) überhaupt einem Mediziner überlassen soll.
    Abenteuerlich wird das besonders, wenn es um Voraussagen menschlichen Verhaltens für die Zukunft geht, die über Freiheitsberaubung entscheiden und somit eine Bestrafung für nicht begangene Handlung bedeuten. Für mich eine schwerwiegende Fehlentwicklung von Rechtsverständnis.

    mfG

  3. Wolfgang Paul

    zu RA Edmund Schönenberger:
    Man darf nicht das Kind mit dem Bade ausschütten!
    Es gibt selbstverständlich psychiatrische Erkrankung bei denen der Arzt VERPFLICHTET ist zu helfen. Und hier sind z.B. die viel gescholtenen “Psychopharmaka” ein wesentlicher Fortschritt, der es in der Mehrzahl möglich macht, auf Zwangsunterbringung ganz zu verzichten.
    Kriminell ist deshalb nur,
    eine nicht existierende Diagnose zu stellen
    um Freiheitsberaubung zu ermöglichen.
    Oder solche Medikamente gesunden Menschen zu verabreichen.
    Das entspricht einem Chirurg,
    der den Bauch öffnet um einen nicht existierenden Tumor zu entfernen.
    Es geht also eindeutig um Psychiatrie-Missbrauch!
    Und hier ist Mollat im aktuellen Deutschland NICHT der einzige!
    Die Hauptschuld trägt dabei immer die Justitz, die so etwas ermöglicht, oder gar “organisiert”!
    In NRW ist ein Kläger vor der angedrohten “Psychiatrisierung” ins Ausland geflohen. Die Gerichtsakte wurde daraufhin in großem Umfang zur “Geheimsache” erklärt.
    Deutschland im 21. Jahrhundert.

    Man fragt sich auch warum staatliche Stellen gegen den erklärten Widerstand der Ärzteschaft mit der inzwischen Milliarden-teuren eCard letztlich eine zentrale Datensammlung aller Krankheitsdaten anstrebt.
    Der Allgemeinheit, den betroffenen Patienten, wird hierzu permanent Sand in die Augen gestreut, warum so etwas unbedingt erforderlich sei.

    Wehret den Anfängen!

    1. Routil

      Der Vergleich mit dem tumorentfernenden Chirurgen hinkt.
      Die Existenz des Tumors lässt sich objektivieren, die einer “Geisteskrankheit” nicht. Darum kann die Psychiatrie immer mit Leichtigkeit missbraucht werden. Es nützt nichts die Schuld auf die Juristerei zu schieben. Psychiatrie ist in Ihrem Wesen Missbrauch.

      Obige Ansicht ist bei Unkundigen weit verbreitet, aber falsch. Besagte Krankheit ist anhand psychopathologischer Befunde ähnlich zu objektivieren wie ein Tumor anhand somatischer Befunde, es sei denn, die Befunde sind hie wie da in Anfangsstadien der Erkrankung noch zu diskret. W.

      1. Wolfgang Paul

        Lieber Herr Routil, Sie wirken wie ein Scharlatan,
        dann definieren Sie einfach mal “Geisteskrankheit”
        “objektiv wie ein Tumor anhand somatischer Befunde”.

  4. Wolfgang Paul

    Was “der Staat”, also die momentan herrschende Klasse als “gesundheitliche Versorgung” definiert und “verordnet”, ist keineswegs identisch mit “Wissenschaft”, leider.
    Zur “herrschenden Klasse” gehört eine merkwürdige Mischung von Kungelei mit internationaler “Geldwirtschaft”, Konsumdruck des industriellen Komplexes und geradezu “psychotherapeutischer” Meinungslenkung der weitgehend gleichgeschalteten “Medien”.
    “Gesundheitspolitik” in Deutschland ist charakterisiert einerseits durch Schulterschluss mit “Kostenträgern” (seit Willi Brand ein “Kostendämpfungsgesetz” nach dem anderen, immer mit dem Tarnnamen Reform) und andererseits durch Dauerkonfrontation mit den Ärzten.
    Das Menschenbild der persönlichen Freiheit mit der damit verbundenen Selbstverantwortung wird schrittweise ersetzt durch Lenkung von außen, wobei die Neudefinition von “Krankheit” geraderzu als Droge verteilt wird (sozialer Besitzstand) ohne ernsthafte Aussicht auf Heilung. Dazu gehört auch die staatlich finanzierte “Homöopathie” aus dem 18. Jahrhundert, oder noch “Älteres” aus China oder sonst woher mit Heilpraktikern aller Art, mit der ökonomischen Illusion, das sei billiger als richtige Medizin.
    Psychoanalyse, die selbstdefinierte Insuffizienzen vielfältiger menschlicher Lebensführung zurückführen möchte auf sexuelle Ereignisse vor Eintritt der Pupertät bis zurück in den Uterus ist doch eher abstoßend. Da ein solcher Einfluss auch immer in das ominöse “Unterbewusstsein” verortet wird, ist diese Ideologie gleichzeitig ein philosophischer Angriff auf den freien Willen, das höchste menschliche Gut.
    Auf ein Neues Jahr in Freiheit, soweit noch gestattet

  5. RA Edmund Schönenberger

    Sobald man entdeckt hat, dass die Zwangspsychiatrie mit Recht, Gerechtigkeit, Fürsorge, Heilung “psychischer Krankheiten” etc. nichts zu tun hat, sondern ein infames Herrschaftsinstrument ist, kann man alle mit ihr zusammenhängenden Geschehnisse auf Anhieb entschlüsseln. Das erspart einem auch, sich auf die Leimspuren der Justiz kleben zu lassen. Deren Urteile dienen lediglich der Verschleierung der eigentlichen Funktion dieser neuen Geissel der Menschheit.

    RA Edmund Schönenberger

    http://edmund.ch/more/1/FundamentalkritikZwangspsychiatrie.pdf

  6. Menschenrechtler (E. Stephany)

    Erich Stephany 23.August 2014

    Die fragwürdige, unkritische Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung über das WA-Verfahren:

    Nachdem die Journalisten Herr Przybilla und Herr Ritzer sehr umfassend und kritisch ein Jahr lang über den Fall Mollath berichtet hatten, wurde die Berichterstattung über das WA-Verfahren durch den langjährigen erfahrenen Gerichtsreporters Hans Holzhaider
    v o r d e r g r ü n d i g objektiv fortgesetzt.
    Am Donnerstag, den 14.Aug.2014! berichtete Herr Holzhaider mit dem bildzeitungsreifen Titel: “Der seltsame Gust Mollath” sehr ausführlich über das fragwürdige Marathon-Plädoyer des Oberstaatsanwalts Meindl.
    Zwei Tage v o r dem Urteil verstieg sich der SZ-Journalist mit einer fettgedruckten Überschrift mit der Aussage:
    “Der Mensch hat ein Recht auf Schrullen, aber nicht auf das Durchstechen von Reifen”. Eine üble Vorverurteilung, die dann durch den Freispruch von der Sachbeschädigung bestätigt wurde!
    Eine Berichterstattung über das überzeugende Plädoyer des Herrn Dr. Strate erfolgte nur mit den Worten: Gerhard Strate stellte die Ex-Frau und deren Schwägerin, die zweite Belastungszeugin als Lügnerinnen dar; die Belege, die er dafür aufführen konnten.
    blieben dürftig. Nach der Urteilsverkündigung setzte Holzhaider seine Gerichtsreportage ausschließlich im Bayern-Teil am Samstag den 16.8.2014 mit dem Artikel “Die Passion ist zu Ende” fort.
    Er berichtete über die Einschätzung von Dr. Strate mit seinen Worten:
    “Das ist ein sorgfältig begründetes Urteil, das geht a b s o l u t n Ordnung”.Klasse finde er, wie das Gericht den Vorwurf der Sachbeschädigung auseinandergenommen habe. “Völlig klar” werde aus der Urteilsbegründung, dass das Urteil des LG Nürnberg mit dem
    Mollath in die Psychiatrie eingewiesen wurde, ein Unrechtsurteil gewesen sei: “Die Psychiatrisierung hätte nicht stattfinden dürfen.”.

    Wenn auch die Berichterstattung den Anschein erweckt objektiv zu
    sein, ist sie durch die obigen Aussagen ausgesprochen einseitig, unkritisch und
    m a n i p u l a t i v. Insbesondere durch die unzureichende Berichterstattung über das Verteidigerplädoyer. Damit wurde der offensichtliche Belastungseifer der Ex-Frau verschwiegen und der Gesamtzusammenhang im Fall Mollath geht insbesondere
    in der Berichterstattung über das Urteil m.E. bewußt verloren. Leserzuschriften über das WA-Verfahren wurden nur über die Zwangsbeobachtung durch Prof. Nedopil veröffentlicht.
    Die sublim tendenziöse Berichterstattung durch Herrn Holzhaider hat m.E. das Urteil publizistisch vorbereitet und ist der renommierten Süddeutschen Zeitung nicht würdig.
    Herr Heribert Prantl hat zumindest die gesellschaftspolitische
    Bedeutung von Herrn Mollath im deutschlandweiten Teil gewürdigt.

  7. Mischa

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich würde mir wünschen, es gäbe Journalisten, Gutachter, Studenten, die den Gutachter selbst mit all seinen Konzentrationsschwächen, Gähnen, Müdigkeit minutiös begutachtet.

    Was ich außerdem nicht verstehe ist, wie leicht die kausale Grundvoraussetzung von Krankheit und Straftat über Jahre (und unzähliger unverbrecherischer Tage, Monate, Jahre) hinweg aufrecht erhalten wird.
    Ebenfalls ärgerlich: Der Richter beurteilt letztlich selbst, und könnte auch jetzt schon ohne oder mit Gutachten feststellen, dass keine Anzeige und keine Straftat gegen Mollath vorliegt – selbst wenn er jetzt krank wäre.

    Ach ja, falls es dieselbe Krankheit wäre, dann wäre sie wohl kaum geneigt jetzt noch kausale Erklärungskraft zu haben.

  8. Bockmann Joachim

    Tipp für Betroffene und Angehörige (relativ neue Judikatur!!):

    Betreuungsgerichtliche Genehmigung der Zwangsmedikation
    22. Februar 2012 @ 06:56 | Familienrecht

    Die betreuungsgerichtliche Genehmigung einer Zwangsmedikation ist derzeit mangels einer wirksamen gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage nicht möglich.

    Die Zwangsbehandlung eines Untergebrachten ist, wie jeder andere Grundrechtseingriff, nur auf der Grundlage eines Gesetzes zulässig, das die Voraussetzungen für die Zulässigkeit des Eingriffs bestimmt. Dies gilt nicht nur für die materiellen, sondern auch für die formellen Eingriffsvoraussetzungen1. Das Betreuungsrecht enthält in §§ 1904 ff BGB keine Regelungen bzgl. der materiellen Voraussetzungen der Durchführung einer Zwangsbehandlung. Auch das Verfahrensrecht des FamFG enthält keinerlei Vorschriften über die formellen Eingriffsvoraussetzungen. Damit fehlt dem Betreuungsgericht jegliche Befugnis zur Genehmigung einer Zwangsbehandlungsmaßnahme.
    Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts stellt die medizinische Zwangsbehandlung einen Eingriff dar, der nicht nur die körperliche Integrität der Betroffenen als solche, sondern in besonders intensiver Weise auch das geschützte Recht auf Selbstbestimmung berührt.

    Die Gabe von Neuroleptika gegen den natürlichen Willen der Betroffenen stellt einen besonders schweren Grundrechtseingriff dar.

    Das Bundesverfassungsgericht weist in der oben genannten Entscheidung ausdrücklich darauf hin, dass auch die Einwilligung des für einen einsichts- und einwilligungsunfähigen Untergebrachten bestellten Betreuers der Maßnahme nicht den Eingriffscharakter nimmt, der darin liegt, dass sie gegen den natürlichen Willen der Betroffenen erfolgt.

    Im vorliegend vom Amtsgericht Ludwigsburg entschiedenen FAll verweigert die Betroffene seit ihrer Aufnahme in die psychiatrische Abteilung des Klinikums L. jegliche Medikamenteneinnahme. Zwar ist die Betroffene krankheitsbedingt nicht einsichtsfähig und ihre Weigerung, die Medikamente einzunehmen, ist daher nicht das Ergebnis einer freien Willensbildung.

    Das Bundesverfassungsgericht weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Gabe von Neuroleptika gegen den natürlichen Willen des Patienten einen besonders schweren Grundrechtseingriff darstellt, unabhängig davon, ob die Betroffene einwilligungsfähig ist. Sobald feststeht, dass sie sich mit natürlichem Willen gegen die Gabe von Neuroleptika wendet, stellt die Medikamentenabgabe gegen ihren Willen einen besonders schweren Grundrechtseingriff dar.

    Wie ausgeführt, kann dieser Grundrechtseingriff nur dann erfolgen, wenn zuvor vom Gesetzgeber die formellen und materiellen Voraussetzungen in einer klaren und bestimmten gesetzlichen Regelung niedergelegt wurden. Daran fehlt es im Bereich des Betreuungsrechts, so dass das Betreuungsgericht die beabsichtigte Zwangsmedikation nicht genehmigen konnte.

    Dabei übersieht das Gericht nicht die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 1. Februar 20062. Dort hatte der Bundesgerichtshof zwar, in Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, die „Freiheit zur Krankheit“ betont, jedoch ausgeführt, dass nach dem Betreuungsrecht Zwangsbehandlungen nicht grundsätzlich verboten seien. § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB ermögliche die Zwangsbehandlung einwilligungsunfähiger Betroffener gegen deren natürlichen Willen während der stationären Unterbringung. Weiter ist der Bundesgerichtshof der Auffassung gewesen, dass dem Betreuungsrecht damit eine generelle Rechtsgrundlage dafür zu entnehmen sei, dass der Betreuer auch gegen den natürlichen Willen des Betreuten in eine medizinische Maßnahme einwilligen könne. § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB könne sinnvoll nur dahin ausgelegt werden, dass der Betreute die notwendigen medizinischen Maßnahmen, in die der Betreuer zu seinem Wohl eingewilligt habe und derentwegen der Betreute untergebracht werden durfte, unabhängig von seinem möglicherweise entgegenstehenden natürlichen Willen während der Unterbringung zu dulden habe. Aufgrund dieser Entscheidung hatte das Betreuungsgericht die Genehmigung zur Zwangsmedikation am 14. Januar 2011 erteilt.

    Diese Entscheidung des Bundesgerichtshofs war vom Bundesverfassungsgericht in dem oben zitierten Beschluss vom 23.03.2011 berücksichtigt worden. Nach Auffassung des Betreuungsgerichts kann der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nach der nunmehr vorliegenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nicht mehr gefolgt werden.
    Da es bei der Zwangsmedikation um einen schwerwiegenden Grundrechtseingriff geht, kann die Möglichkeit der Zwangsmedikation nicht im Wege der verfassungskonformen Auslegung § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB entnommen werden, sondern es bedarf einer klaren und bestimmten gesetzlichen Reglung, in der die materiellen und formellen Voraussetzungen der Zwangsbehandlung vom Gesetzgeber bestimmt werden.
    Da es daran mangelt, war der Antrag auf betreuungsgerichtliche Genehmigung der Zwangsmedikation zurückzuweisen.
    Amtsgericht Ludwigsburg, Beschluss vom 18. Mai 2011 – 8 XVII 257/2011

    BVerfG vom 23.03.2011 – 2 BVR 882/09↩
    BGH, NJW 2006, 1277 ff.↩

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  9. Karsten Zühlke

    Sehr geehrter Herr Dr. Weinberger,

    Sehr geehrte Freunde und Förderer der Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V.,

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    seit der Überwindung meiner über 30 jährigen partiellen Amnesie im Zusammenhang mit meiner zwangsweisen Unterbringung als gerade 16 jähriger, pol. Gefangener (§213 StGB DDR) in dem weltweit als die Hölle von Ueckermünde bekannten „HEILKLINIKUM“, den heutigen AMEOS-Kliniken, befasse ich mich mehr oder weniger freiwillig mit dem pol. initiierten Missbrauch der Psychiatrie.
    Ich danke und beglückwünsche Sie zu ihrem „neuen“ Internetauftritt. Er ist in gewisser Weise ein Quantensprung und wird bereits rein optisch den ohnehin wertvollen Inhalt aufwerten.

    Bitte erlauben Sie mir, Ihnen meine persönliche Achtung und meinen Respekt zu erklären.

    Gleichzeitig erlaube ich mir die Hoffnung, dass sich noch weitere Fachleute konstruktiv in die –oftmals leider auch noch heute hochgradig ominösen- Geschehnisse konstruktiv einbringen.
    Mit freundlichen Grüßen

    Karsten Zühlke

  10. WInston Smith

    Sehr geehrte Damen und Herrn,

    Was sich am 13.2.2012 im Landtag Baden-Württemberg abgespielt hat, sollten Sie sich unbedingt zu Gemüte führen:

    http://www.youtube.com/watch?v=9vjnHK-5vIk

    MdL. Manfred Lucha – selbst Leiter eines sozialpsychiatrischen Dienstes hatte die von der CDU-Vorgängerregierung vorgenommenen Kürzungen der Zuschüsse für die SPDi’s wieder rückgängig gemacht.
    Mit seinem Einzug in den Landtag wurde die Landeskasse zum Selbstbedienungsladen für die Psycho-Branche. Zu der Anhörung im Landtag hatte Lucha all seine “Amigos” geladen, die sich dann auch höflich für den von Lucha angeordneten Geldsegen bedankten. Allerdings waren auch jede Menge Psychiatrie-Erfahrene, sowie der Rechtsanwalt Schneider-Addae-Mensah, der das wegweisende Urteil gegen psychiatrische Zwangsbehandlung vor dem Bundesverfassungsgericht erstritten hatte, anwesend. Diese Gruppe bot Lucha und seinen Leuten ordentlich Paroli.

    Auch im Sozialministerium von Baden-Württemberg spielt sich ähnliches ab. Hier sollt ein neues “Landespsychiatriegesetz” ausgearbeitet werden. Zu den Sitzungen eingeladen waren Vertreter all derjenigen, die an der Psychiatrie und ihrem Umfeld verdienen, also z.B. Vertreter von Psychiatrien, sozialpsychiatrischen Diensten, Psychologenverbände Diakone und Caritas usw. Mit anderen Worten: All diejenigen, die in diesem Umfeld verdienen, sollten für sich selbst ein maßgeschneidertes Gesetz machen dürfen. Die Liste der Teilnehmer habe ich übrigens hier…

    Mfg.

    Winston Smith

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