Aktuelles und Grundsätzliches

In dieser Rubrik stehen meist kürzere Mitteilungen und Stellungnahmen zu aktuellen Ereig­nissen, die zwischen den früher meist halbjährlich, jetzt eher jährlich erscheinenden Rundbriefen an­fielen. Da diese Kurzmitteilungen vom Zeitablauf oft rasch überholt sind, werden sie nach kürzerer Zeit gewöhnlich von anderen abgelöst. Was von den aktuellen Ereignissen langfristig festgehalten zu wer­den verdient, wandert dann in den jeweils näch­sten Rundbrief. Meist berichten wir in dieser Rubrik mehr im allgemeinen Zusammenhang psychiatrischer Mißbräuche als etwa zu Einzelfällen. Die jüngsten Einträge werden jeweils rot markiert.

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GEP-Jahreshauptversammlung 2015 in München

F. Weinberger

Liebe Mitglieder und geladene Gäste,

herzlich willkommen zur Jahresversammlung der GEP, die hiermit eröffnet sei.

GEP-Jahresvesammlung 2015

Schön, daß Sie aus Nah und Fern zahlreich gekommen sind, um unsere Aniegen voranzubringen. Besonders herzlich begrüße ich Gustl Mollath, der erstmals in unserer Mitte ist. Die Versammlung ist beschlußfähig.

 

 

Zum folgenden Rechenschaftsbericht

sind wie immer kurze Zwischenbemerkungen willkommen. Die aus­führ­liche Diskussion kommt da­nach. Vorab will ich, muß ich einen Überblick über den Stoff geben, der uns im letzten Jahr besonders beschäf­tigte.

Wie sehr der Psychiatriemißbrauch über je­der­mann, jedefrau hereinbrechen kann – manche von Ihnen haben ihn grausam er­­lebt -, sind es seit 40 Jahren nur we­­nige, die ihm wehren. So bewirk­te auch un­ser Wi­der­­stand, der einzige im Land systematisch erhobe­ne, lange nur we­nig. Hauptgrund dafür ist wohl, daß die Macht­­­­­ha­ber in­ternational an diesem Miß­brauch, an miß­brauch­ba­ren Psycho-Fächern als Mit­teln der Dis­zi­pli­nie­rung An­ders­­­den­­­ken­­­der, der Steue­rung und Kon­trolle des Den­­kens allgemein, in­ter­essiert sind, sie för­dern und sie ge­gen Kri­ti­ker schützen. So horrend wie in den Fäl­len Mol­lath, Herr­mann, Schmenger, Ku­walew­sky wird dieser Mißbrauch nicht all­zu oft sichtbar. Viel­ häu­figer ist er in „leichteren“ For­men unter­wegs, ein solcher im Fall von Frau Kause im Rundbrief 1/13,5 dar­ge­stellt. Einzelfälle aber, gravierende wie „leichte“, steckt das Establishment weg. Daß wir über sie hinaus dem System des Mißbrauchs nachgehen, das bringt uns den besonderen Haß der Etablierten ein, Herrn Dieckhöfer und mir die Verunglimpfung etwa der Staats­ministerin Merk, mir jetzt die Verleum­dung des Herrn Strate[1] in seinem neuen Mollath-Buch, uns al­len aber die langjährige Ausgrenzung der Medien, vieler Psy­ch­iater, Antipsychiater und sonstiger Besserwisser. Versuchte aber niemand wie wir über Einzelfälle hinaus dem Mißbrauchssystem beizukommen, bliebe es wie im Fall Mollath weiter allein dem Glück des ein­­­zelnen Betroffenen überlassen, Unterstützer UND einen Gutachter zu finden, die erst einmal das einen solch „Irren“ einschließende Eis der vollständigen Diskreditierung aufbrechen, auf daß dann Medien vielleicht mit anspringen und für weitere Öffentlichkeit sorgen. Die Betroffenen blieben ihrem Schick­sal überlassen.

Die Vorgänge um den Fall Mollath sind Ihnen über das Re­gens­­burger Wiederaufnahmever­fahren hinaus bekannt (RB 1/14). Ein tiefer Riß zwischen ihm und seinem Verteidiger wurde dort am 23.7.2014 offenbar. Strate selbst UND die Medien, aber auch einige vormalige „Unterstützer“ lasteten den Konflikt schnurstracks Mol­lath an. Andere aber fragten, was den An­walt wohl ritt, der sich an­fangs, schien es, doch für seinen Man­dan­ten sehr ins Zeug gelegt hat. Sie rät­seln, warum er nicht als erstes die neue In­fra­­ge­stel­lung Mollaths durch die Dauer­prä­senz des Psy­chia­ters Nedopil abwehrte. Darüber ging kürzlich noch eine lebhafte Diskus­sion im (juristisch geführten) Beck-Blog. Daß rein formale Gründe, der Umstand etwa, daß Mollath vordem (zu Unrecht) schon un­ter­gebracht war, für die erneute Psycho-Beobachtung im Prozeß aus­rei­chen sollte, leuchtete vielen nicht ein. Hinter­fragt wurden im Beck-Blog (Menter, Ste­pha­ny, Bixler) weiter auch die ge­richt­li­chen Be­weis­erhebun­gen zum Tathergang am 12. August 01. Daß Mol­lath jetzt we­­­der krank noch gefähr­lich ist, stellte ich zwei Jah­­re vor Nedopil fachkun­dig schon fest. Ne­do­­pils herbeigebogene, an Ernst Kretschmer anlehnende Kon­­­­struk­tion einer passa­ge­ren, psy­­cho­ge­nen Störung als mög­li­che Be­din­gung[2] für die an­geb­­lich 13 Jahre zuvor (am 12.8.2001) statt­ge­habte Ge­­walt­tätigkeit will ich hier nicht dis­ku­tieren, solang diese im beantragten neu­en WAV nicht über­prüft ist. Daß der Bayreuther Vollstre­ckungs­richter Kahler 2011 mein Gutachten von Tisch wischte, darüber feixt Strate jetzt in seinem Buch (S. 174-5). Sei­nem Ex-Man­danten aber ko­stete es zwei weitere Jah­re Freiheit. „Die Psy­ch­ia­trie-Ki­ste bleibt zu“, war Strates Mot­to.[3] Nur so viel Licht ließ er ­ein­fallen, daß für Gustls Gegner ein entlastendes, nur für seinen Ex-Mandan­ten ein weiter be­­la­sten­des Urteil herauskam.

Vieles an dem gerichtlichen Vorgehen in Regensburg mutete bei aller zur Schau gestellten Rechtsstaatlichkeit, auch Freundlichkeit der Vors. Richterin Escher wieder wie abge­kartet an. Mich irritierte am 23.7.14 u.a., daß Stra­te nach dem Eklat mit Mollath bei flüchtigem Zusammentreffen auch mich plötzlich anfuhr und in sei­nem Buch jetzt auch Dieck­höfer und mich, die wir Mollath über Jahre unterstützten und seit Jahrzehn­ten Psy­chiatrie­miß­bräu­chen wehren, ähnlich her­unterriß, wie es Frau Merk und andere Systemvertreter/in­nen taten. Mol­lath manda­tier­te nach der Trennung von Strate den Münch­­ner Anwalt Dr. Ah­­med, der, umfänglich begründet, ein neues Wie­der­­­auf­nah­me­ver­fah­ren beantragte. Er harrt noch der Bescheidung durch den BGH. Ein Ur­teil des EGMR vom 15.1. 2015 stützt ihn. Mol­lath geht’s um Aufhebung falscher Vor­wür­fe und natürlich des psych­ia­tri­schen Makels, den ihm das Re­gens­burger Ge­richt, Nedopil folgend, be­ließ. Strate[4] scheint es vor allem um die Deutungshoheit über den Fall zu gehen. Da­zu zieht er im­mer publikumsträchtigere Register. Der UFA-Film­pro­du­zent Nico Hofmann soll den Fall jetzt fürs Fern­sehen verfilmen wobei der Fokus auf Strate lie­gen soll.

SelfTimer Off

Opfer des Psycho-Mißbrauches bei der JHV 2015
v.l. E. Herrmann, G. Mollath, A. Kuwalewsky
mit Kindern Max und Johanna, D. Eckstein

Zu Frau Kuwalewsky (RB 1/14,4): Sie verrichtet seit Monaten wieder ihren Dienst, jetzt an einer neuen polizeilichen Dienst­stelle. Ihre vier Kinder, die sie müh­sam genug zurückholen konnte, gedeihen; zwei, den Max und die Johanna, hat sie gleich mitgebracht. Der Richter am Amts­ge­richt Neustadt /W. Fitterer faßte Anfang Februar aber er­neut den Beschluß, sie alle müß­ten sich im Pfalzklinikum Klin­gen­mün­ster be­gutachten lassen. Erst vor wenigen Tagen ging der Alptraum nach neuer Verhandlung zu Ende, hat Frau K. das Sor­gerecht für die Kinder zurückerhalten, hat sie auf ganzer Linie obsiegt. Herzlichen Glückwunsch! In ihrem Fall ging es vorderhand um einen Mißbrauch der Psycho­logie und um ein Borderline-Syn­drom, nicht wie bei Mollath um eine wahn­hafte Störung.

Die eine wie die andere Dia­gnose ist der Internationalen Diagnosen-Klas­­­sifikation ICD entnommen, das „Borderline“ im übrigen das Konstrukt eines US-Psycho­ana­lytikers (RB 1/14, 5.2). Kürzlich nahmen sich lokale Medien des Falles Ku­walewsky an, am 16.4. gar 3-Sat. Was Frau und Kinder K. betrifft, waren die Strei­fen eindrucksvoll, letzterer ansonsten wieder halbe Irreführung. Er stellte persönliches Versagen heraus, wo systematisches vorliegt, blies abwegig Psycho-Pro­minenz, Hirn-Scans und ähn­lich Irrelevantes auf und über­ging dafür die fragwürdige Diagnose wie auch die Umstände, die zur Beendigung des Skandals führten, u.a. Saschenbreckers anwaltlichen, meinen gutachtlichen und den Ein­satz vieler weiterer Helfer. Wenn, wie man liest, daß „jeden Tag im Durchschnitt 100 Kinder und Jugendliche aus ihren Fami­lien genom­men, in Ein­rich­tungen gesteckt werden und diese “Inob­hut­nah­men” seit 2005 um 64 Prozent gestiegen sind“, so spielt da „Psycho-Miß­brauch“ gewiß nicht selten mit.[5] Zu allen Psycho-Skandalen trug die de­fi­zitäre, oft verzeichnende Berichterstattung der Medien bei.

Unter den Psycho-Miß­­bräu­chen ist der straf­recht­liche Fall Mollath gewiß der eindrücklich­ste. Die mei­­­­­sten Fälle aber spielen sich auf zivilrechtlichem und eben familienrechtlichem Gebiet ab. Bei den Auseinandersetzungen, die wir führen, geht’s um das Miß­brauchs­­ge­sche­hen mit der Pein, die seine Opfer trifft, und geht’s um die Übergriffe, die sich Ärzte und andere Gut­achter und Behandler dabei leisten. Und es geht um die Haltung, die Fach­­­­ver­tre­ter, Politiker und eben die Medien dazu einnehmen. Alle zusammen muß man ins Auge fassen, will man diesen Praktiken wehren und vorbeugen. Das Mißbrauchsgeschehen nimmt wie im Fall Mollath die Öffent­lich­keit am ehesten wahr, die Umgangsweisen des „Establish­­ments“, der Fachrepräsentanz etwa, weit weniger. Wie etwa Prof. Mai­­­er, Präsident der Fachgesellschaft DGPPN, das Ver­hal­ten der Herren Leipzi­ger, Kröber, Pfäfflin herunter­spielte, die we­ni­­gen kritischen Me­­dien­be­richte darüber als über­trieben abtat, über unbillige Angriffe auf das Fach klag­te und so den Übeltätern die So­li­darität der gesamten Kol­legen­schaft bekun­dete (RB 1/14,3.8), ließen die Medien unbeachtet, ähnlich wie et­wa 2008 die Auszeichnung des Münchner Ordi­narius Prof. Möller durch den Weltverband für Psychiatrie, nachdem dieser knapp zuvor vom OLG Mün­­chen saftig verurteilt worden war (RB 2/08,3.6). –Möller hat bekanntlich den Fall Herrmann auf dem Kerbholz.

Die weiteren Rahmenbedingungen aber, aus denen heraus Psycho-Mißbräuche mög­­lich wer­den, verzeich­nen die Medien erst recht. Wenn das Wort Lü­gen­presse jüngst mächtig wieder aufkam, auf dem „Psycho-Gebiet“ ist es wahrlich angebracht.[6] Nichts ist im Land drau­ßen bekannt von den staatskirchen-ähn­li­ch geordneten Struk­­turen des Fachs, seiner bis zur WHO reichenden politischen Gängelung, die Psy­ch­ia­ter und Psy­cho­logen von ihrer Ausbil­dung bis in ihre Dia­­­gno­sen und Fehl­diagnosen hinein leiten. Ab den 1960 bis 80er Jah­ren kam mit der 68er Kul­tur­re­volu­tion aus Ame­rika, hier­zu­lande speziell mit der Psy­ch­iatrie-En­quête von 1975 die Psy­­­chia­trie-Re­­­form. Mit ihr kam u.a. das neue Dia­gno­stik-Sy­stem ICD, eine in­ter­na­tio­nale, de facto aber eine vom ameri­kani­­schen, psychoanalytisch geprägten Manual DSM ab­ge­leitete Auf­stel­lung dessen, was (laut SPIE­GEL – RB 1/13,2.5) jetzt als „psy­chi­sche Krankheit gelten darf“. Es enthält u.a. so schüttere Diagnosen wie die Borderline-Stö­rung, die der US-Analytiker Adolf Stern 1938 erfand. Dabei ist Freud, wie nam­hafte Ge­­­lehrte, „Freud-scho­lars“, ge­ra­de in ang­lo­ameri­kani­schen Län­dern auf­­­zeigten, durch und durch heute als Schwind­ler aus­ge­wie­­sen. Nicht einen einzigen seiner berühmten Fälle hat Freud geheilt. Die Presse aber propagierte ihn. „The hack and the quack“, wie’s auf englisch heißt, Schreiberling und Quacksalber, gehen Hand in Hand. Un­ser Herr Schlag­mann ist einer der we­ni­gen deutschen Psychothe­ra­peu­­ten, der sich von der Freud­schen Theo­rie, u.a. dem Ödi­pus-Kom­plex ab­setzt und zeigt, daß Freud selbst die ihm zu Grund liegende Ödipus-Sage verdreht hat. Wä­re Freud noch, was er über Jahrzehnte war, die Kultfigur einiger esoterischer Spin­ner, wäre er heute nicht, wozu ihn dann Politik, Medien und – einige „Psychis’“ aufgeblasen ha­ben, der Gott einer neuen Staatsreligion, und kämen durch ihn nicht grundlos viele Menschen zu Schaden, verlöre ich auch hier kein Wort über ihn.

Ein Exkurs an dieser Stelle: Oft genug stand hinter Freud-Kritik plumper Antisemitismus. Der betagte, krebskranke Freud entkam den Nazis 1938 nur mit Mühe. Seine Bücher warfen sie ins Feuer. Drei seiner Schwestern ermordeten sie. Oft genug wird Freud-Kritik seit ’45 aber auch unbegründet unter Ge­neralver­dacht gestellt und damit plump unterdrückt. Es könnte sein, daß auch die Aus­grenzung, die Anfeindungen, die unseren Kampf gegen Psy­ch­iatrie­miß­­­bräu­che seit 40 Jah­ren bis hin jetzt zu Wolff und Strate treffen, diesen Hintergrund haben. Breite, wissen­schaft­liche Freud-Kritik wurde in Deutschland auch von jüdischen Kollegen vor hundert Jahren schon vorgebracht (RB 1/06,4.2-4). Mit besonderer Nachdrücklichkeit wurde sie in den letzten Jahrzehnten in englischsprachigen Ländern erhoben.[7] Hierzulande nimmt man sie nur nicht zur Kenntnis. Viele, Wolff und Strate darunter, fahren ihr NichtWis­sen noch frech als Besserwissen ge­gen uns auf. In besagten Ländern, so schreiben Kri­ti­ker dort, mit denen wir über das INFC Aus­­­tausch haben,[8] sei Freud jetzt „out“, was vielleicht nicht ganz stimmt, ihre Kri­tik aber nicht aufhebt.[9] Freud ist, wenn auch vielfältig ge­tarnt, zumin­­dest hierzulande heu­te mehr denn je in Kraft. U.a. per blankem Eti­ket­ten­schwindel wird die Psy­cho­analyse etwa unter dem unverdächtigen Titel Psychothe­ra­pie verkauft. Besonders aber kommt sie verbunden mit und verschlei­­ert durch DSM-, folg­lich auch ICD-Dia­gno­sen zu böser Wirk­ung[10]. Die Borderline-Stö­rung – nur ein Beispiel. Auch den schar­­fen angloamerikanischen Kritikern Freuds scheinen die nachhaltigen Ein­fluß­nah­men seiner Anhänger auf Mensch und Gesellschaft über die psy­ch­ia­trischen Diagnosenmanuale entgangen zu sein. Ich muß Sie mit diesen theoretisch-medizin-historischen Dingen plagen. Aber Sie wollen ja wissen, woher und wie die üblen Fehlgriffe der heutigen Seelenheilkunde zustande kommen.

Als in den 1970er und 80er Jahren Psychiatriemißbräuche in der Sowjetunion in der inter­na­tio­nalen Kritik standen, wurde selbstverständlich an der dort gängigen Diagnostik gekratzt, etwa an der „Schizophrenie ohne Symptome“ des Prof. Snesch­newsky. Wer es aber heute wagt, das bei uns jetzt geltende, de facto amerikanische Dia­­gno­­sen-Sy­stem zu hinterfragen – durch Überführung in die Internationalität der ICD hat es sich politisch immunisiert -, wird aus­ge­grenzt bis an­ge­giftet. Dabei ist aus dem System nicht nur eine absurde Aus­­­­wei­tung psy­ch­­ia­tri­scher Diagnosen hervorgegangen – zu Beginn meiner Berufstätigkeit gab es nach der „Würz­­burger Diagno­sen­tabelle“ von 1931 davon 20; jetzt sind’s über 300 -, sondern auch eine aber­witzige „Vermehrung“ psychisch Kranker. Und es gehen in nicht geringer Zahl schlimmste Psy­­cho-Miß­bräu­che aus dem System hervor. Die neue freudisch refor­mier­te Psy­chiatrie und der Weg dahin sind mit Mo­geleien gepflastert. International als Schwin­del ausgewiesene[11] Lehren wurden politisch, staat­lich als Wahr­heit aner­kannt, drangen in das psych­iatri­sche Fachgebiet ein und be­stim­men so jetzt seine Inhalte und Struk­­­turen mit.[12] Trotz des Nazi-Präze­denz­falls beugten sich die Psy­ch­ia­ter erneut einer politi­schen, rein staatlichen In­stanz, diesmal der WHO, die laut Wiki­pedia zu ¾ von der Phar­ma-In­du­strie fi­nan­ziert wird. Dog­ma­tisch nicht ver­engte, realitätsnahe Psychothe­rapie (s.o. Kretsch­mer[13]) brau­­­chen viele Men­schen. Hier­zu­lande aber drückte die Bundesregierung mit der Psy­ch­ia­trie-En­quête, der Psych­ia­trie-Re­­­­form von 1975, just Freuds Pseudowissenschaft durch­, von der mehr Schaden als Hilfe ausgewiesen sind.[14] Im Fall Ku­wa­lewsky ist die rote Li­nie von der haltlos konstruierten, von einer Psy­chologin gar nur verdachts­­­­weise geäußerten ICD-Dia­­gnose Bor­der­line-Per­­sönlich­keits­stö­rung[15] zu der Pein sichtbar, die die Frau und ihre vier Kin­­der dann konkret traf. Aber auch, was die Herren Herrmann, Mol­lath, Schmenger und viele andere ereilte, rührt aus der diagno­­­stischen Verlotterung des Faches in der Folge Freuds.[16]

In­tern gibt es um die ICD-, pri­mär DSM-Dia­gno­sen zwar man­ches Ge­­ran­gel.[17] Dennoch sind sie jetzt Stan­dard für Psy­chia­trie und Psy­chologie, wird mit ihnen international Unrecht und Leid über jung und alt gebracht.[18] Zu fei­ge sind un­sere Psycho-Or­di­­na­­ri­en, Chef­­ärzte, In­sti­tuts­leiter etc., „des Kai­­­sers“, der APA, der WHO „neue (Psycho-) Klei­der“ nicht zu be­wundern. Den Freunden stehen ja auch andere sonst gern bei. Gewiß erhöhen wir, indem wir unsere Kritik so hoch an­­set­zen – nie­dri­ger geht’s nicht -, im Augenblick ihre Er­folgschancen nicht. Aber auszusprechen, was heute die schlim­men Fehlleistungen des Faches ermöglicht, muß erlaubt sein. Manchen ge­ben wir mit unserer Kritik drin­gend gesuchte Erklärungen für das Gesche­­hen, bewahren sie, Schwind­­­lern zum Op­­fer zu fallen, helfen anderen, die schon gefallen sind, sich wieder auf­zu­richten und sind längerfristig natürlich des Erfolgs sicher. Denn kein Schwindel währt ewig. Unsere In­for­mationen im Netz werden aus aller Welt abgerufen, am meisten (nach KByte) zur Zeit aus den USA, Deutsch­land, Frankreich, China, Mexiko, der Schweiz, der Ukraine, Österreich, Groß Britannien, Australien usf.

Auch in der Umhüllung sog. „operationalisierter“, symptombezogener DSM- und ICD-Diagnosen macht Freud das besondere Gefahrenpotential der neuen, ame­ri­ka­nischen Reform-Psychiatrie aus. So entzaubert er einerseits ist (s.o.), kann von ihm her diagnostisch jetzt geschludert werden, wie es u.a. in all den Mißbrauchsfällen, die hier bei uns jetzt am Tische sitzen, der Fall war. Die verbogene Reform-Psych­ia­trie hat offensichtlich einen hohen ­politi­schen Stel­lenwert. Auch im Osten, in der UdSSR, war der Psychiatriemißbrauch seinerzeit „hoch“ an­gesiedelt, direkt beim Generalsekretär Chrusch­tschow. 1988 wurde er so auch auf der KSZE-Nachfol­ge-Kon­ferenz verhandelt (RB 1/14,3.9), was Ihnen die Reich­weite des­sen, was wir hier betreiben, nochmals ver­deut­li­chen könnte. Für viele Kranke ist die Psychiatrie gewiß weiter ein Heilmittel,[19] für die Mäch­tigen gerade in ihrer neuen, reformierten Form aber ein Haupt­mittel, Unbequeme aus dem Weg zu räu­­men. Viel Mühe wenden sie auf, sich das Mittel zu be­wah­ren und Kritiker abzuwehren.[20] Daß die Maßgabe, was und wer geistig gesund oder krank und damit ggf. mundtot zu machen ist, de fac­to bei der APA, für Leichtgläubige bei der hohen Welt-Ge­sundheitsor­ga­nisation liegt, gibt deren Diagnosen den Anschein des Sak­ro­sank­ten und ermutigt Dahergelaufene jeglicher Schattierung, Zweif­ler wie uns abzufertigen, was immer aus besagten Diagnosen an Katastrophen erwächst.

Zwei weitere Fälle noch will ich ansprechen, einmal den der Psychiaterin Kutschke, die schon einmal an unserer Versammlung teilnahm. Nähe­res jetzt dazu: Der Landkreis Wittmund (Ostfriesland) plante seit 2001, den Empfehlungen der Psychiatrie-Enquête (s.o.) entsprechend, die Errichtung eines „Psy­cho­so­zia­­len Zentrums“. Man benötigte dazu eine Kas­sen­z­u­las­­sung und zielte so auf den Kas­­sen­sitz der Ärztin.[21] Um sie auszubooten, überzog man sie mit verschiedenen Kla­gen, die, wenn sie stimmten, ein Ein­schreiten der zuständigen Ärztekammer und Kassenärztlichen Vereinigung notwendig ge­­macht hätten. Daß dies nicht geschah, deutet darauf, daß die Klagen doch nicht stimmten. Frau K. wehrte sich hef­tig. So setzte man auf ihre „Psy­chia­trisierung“. Im Zug der Be­­gut­ach­tung, die man ihr aufnötigte, diagnostizierte eine „Fachkollegin“ vom Klinikum Kassel 2008 aufgrund eines erhöhten Urin-Wertes einmal eine Benzodia­ze­­pinab­hän­gig­keit, zum ande­ren eine wahn­hafte Störung (wie bei Mollath). Frau K., sicher, daß schon erstere Dia­gnose nicht stim­men könne, ließ darauf am Rechts­­­me­dizi­ni­schen In­stitut der Uni­ver­sität Bre­men eine Haar-Ana­­lyse durch­­füh­ren, die absolut unauf­fällig aus­fiel. Medikamente wie Drogen sind im Haar zeitlich unbegrenzt nachweisbar! Der Urin­­test muß also falsch gewesen sein. Die wahn­hafte Stö­rung aber begründete die Kassler Kollegin damit, daß Frau Kutschke die ge­gen sie erhobenen Vorwürfe als interes­sen­geleitete Verleumdung erklärte, was ihr als Krank­heits­­un­ein­sich­tigkeit ausgelegt wurde. So primitiv geht’s im Fach heute mitunter zu. Damit war die Ärz­tin Kutschke er­ledigt. Wir haben sie vor zwei Jahren hier in der Versammlung kennen­­ge­lernt. Sie hält seitdem meist ein­mal wö­chent­­lich schrift­­­­lich oder tele­pho­nisch Kon­takt mit mir. Abwegig, ja unerhört ist’s, ihr eine Wahnkrankheit anzudichten.

Ihre Auseinan­der­set­zungen mit Ämtern und Gerichten erreichten kürzlich einen neuen Höhe­punkt vor dem Lan­des­so­zial­gericht in Celle, wo in der Verhandlung alle die gegen sie stan­den, die über die Jahre ge­gen sie schon agiert hatten und bei einem Urteil für sie jetzt blamiert wä­ren, u.a. die Kran­­ken­kas­sen. Nunmehr aber saß als ehrenamtlicher Rich­­ter ein An­­ge­stell­­ter der AOK auf der Rich­ter­bank! Über Jah­re wird die Kollegin systematisch zermür­bt und die Berufsvertretung spielt mit. Gerade derzeit unternimmt wie zu Enquête-Zei­ten die Staatspsy­chiatrie wieder einen Anlauf, mit fragwürdigen Argu­menten auf Kosten der „freien“, halbwegs noch unabhängigen Psychiatrie Terrain zu ge­winnen (Berger M., DÄ13/15).

Zu einem weiteren Arzt, einen Anästhesisten, den ich kürzlich begutachtete, möchte ich noch sprechen. Herr B. ist infolge anhaltender „rheumatischer“ Schmerzen seit sieben Jahren fast durch­gehend arbeitsunfähig. Eine er­hebliche Verbesserung erreichte er durch Anwen­dungen der „chinesischen Medizin“. Er kam damit von einer langjährigen, hohen Opiat-Medikation weg! Für mich sind diese „Anwendungen“ „chinesische Dörfer“. Das Freiwerden von der langfristigen Einnahme von 100 mg Oxygesic täglich (!), einer he­roischen Dosis, weist die Behandlung jedenfalls überzeu­gender aus, als es manche Psychotherapien sind. Für ihre Fortsetzung verweigert die Al­lianz-Kran­ken­versiche­rung jetzt die Kostenübernahme. Sie drängte den Mann zur Begutachtung durch „freu­­disch“ orientierte Psychiater und verlangte danach, daß er sich in entsprechende Klinikbehandlung be­gebe, er sich damit den offiziellen Stempel des psychisch Kranken aufdrücken lasse.

Hier spielt jetzt also die Krankenversicherung Richter über konträre Gutachter bzw. Lehrmeinun­gen, ergreift für Freuds Schwindel­wis­sen­schaft Partei und erklärt mokant für „befremd­lich“, daß ich meinen „eige­nen Berufsstand in Zweifel“ zie­he. Genau das aber war gefordert, um etwa dem Gustl Mollath, der Frau Kuwalwesky und anderen gutachtlich aus der Patsche zu helfen. Es war gefordert schon, als von Baeyer mit seinem Buch PSYCHIATRIE DER VERFOLG­TEN in den 1960ern ge­gen den „eigenen Berufsstand“ den Na­ziVer­folg­ten zu einer Entschädigung und dem aufmüpfigen, zwangs­internierten Günther Weigand gegen den Berliner Ordinarius Selbach zur Freiheit verhalf (das ging damals durch die Medien). Und solch punktueller Widerstand „gegen den eigenen Be­rufs­stand“ – un­ser Stand auf dem wissenschaftlichen Boden des Fachs, zumindest dem der soliden „Vor-ReformPsychia­trie“ steht außer Frage – wird weiter nötig sein, um Menschen vor den Absurditäten zu bewahren, die die politisch ver­boge­nen, „reformier­ten“ Psy­cho­fächer heute bergen. Diagno­stisch geführt und stigmatisiert wird der Arzt B. jetzt von seiner Krankenver­sicherung unter ICD-10: F 61Kom­binier­te Persönlich­keits­störung, was immer sie sei: Ope­­ratio­nalisiert[22], auf einzelne Sym­­ptome bezogen ist die Diagnose auch hier nicht. Persönlichkeits­stö­rungen, „Psychopathien“, sind nach Kurt Schneider 1.) überhaupt keine Krankheitsdiagnosen (RB 1/14,5.2) und bestehen 2.) per definitionem von Kindheit an, wofür bei dem Arzt nicht der geringste Anhalt besteht. Auf vie­len krummen Wegen kommt die Psy­chia­tri­sie­rung der Bevölkerung voran, werden viele Menschen der Verfügung über ihren eigenen Körper, ihre Seele beraubt. Besonders alte Menschen geraten rasch in die Mühle. Das wäre ein Extra-Kapitel, wenn ich Zeit hätte.

Wie in Ame­­ri­ka schon in den 1920ern steht Freud vor allem bei unseren Journalisten hoch im Kurs („The hack and the quack“ –s.o.).[23] So kam im Herbst 2013 in der Fernsehsendung-Sendung bei Beck­mann zum Fall Mollath zusammen mit Strate die Psychiaterin Ziegert zu Wort, die für Mollath bis dahin zwar keinen Finger gerührt hat, aber Psychoanalyse praktiziert. In der Sendung verlor sie einige kritische Worte, etwa daß sie sich selbst psychiatrisch nicht begutachten ließe. Auch monierte sie, daß die Richter Gutachter nach Gusto auswählten und damit nicht selten das Er­gebnis der Verhandlung präjudizierten. Viele fanden ihre Ausführungen mutig. Ziegert spielte mit ihnen aber den Ball geschickt vom psychiatrischen Tor weg ins ju­ri­sti­sche Feld zurück. Die psychiatrischen Skandal-Faktoren ließ sie zu Strates und des Moderators Wohlgefallen schön abgedeckt, ließ vor allem die „Freud-Ki­ste zu“, aus der heraus Sie, Herr Mollath, vom Freudianer Pfäfflin, aus der die vom „Borderline“ Berührten und aus der heraus auch der Kollege B. psychiatrisiert, stig­ma­ti­siert und entrechtet wurden oder wer­den.[24] Im konkreten Fall geht’s der Alli­anz natürlich darum, ihren kostenträchtigen Ver­sicherten loszuwerden, so wie’s im Fall der Ärztin Kutsc­hke dem Landkreis Wittmund darum ging, den Weg für die (für ihn) einträglichere Staatspsy­chia­trie freizumachen. Sie se­hen, aus wie unterschied­li­chen, meist recht handfesten Inter­essen und in welch verdrückten Weisen selbst un­­ter dem Schild von „Kritik“ die wirk­li­chen Kritikpunkte der „Reform-Psy­ch­­iatrie“ umschifft werden, über sie hin­weg­getäuscht wird und ihre Aufspielungen bis vollendete Mißbräu­che vonstatten gehen. Viele partizipieren an ihr, wes­halb wir kompetenten Kritiker auch von vielen so angefeindet werden. Nicht gründ­lich genug kann in die „Psychiatrie-Ki­ste“ hineingeleuchtet werden.

Drei erfreuliche Meldungen noch: Der geistig behinderte Ulvi Kulac, der unter falschen Anklagen u.a. auf Mord[25] seit 13 Jahren im Bay­reu­ther Maßregel­voll­zug sitzt, soll Ende Juli frei­kommen. Seine langjährige Betreuerin Frau Rödel und zuletzt unser Justitiar Saschen­brecker schafften es, daß die Türen für Ulvi jetzt aufgehen. Der in RB 1/14,2 erwähnte Rechtsanwalt Peter Putzhammer, den ich mit einem Nedopil zausenden Gutachten 2013 vor einer Psychiatrisierung bewahren konn­te, mußte sich Ende März am AG München noch einem Verfahren wegen Beleidigung stellen, konnte aber auch hier seinen recht­lichen Status bewahren. Mochte der Herr Amtsrichter meine Expertise auch abwertend wieder ein „komisches Gut­achten“ nennen, in der Sache hielt es stand. Und dem jetzt 71- jährigen Beamten Norbert Kuß hat im Januar 2015 das Landgericht Saarbrücken für zwei Jahre Haft Schadensersatz in Höhe von € 50.000.- zugesprochen. Für ihr fal­sches Glaub­wür­dig­keits­gutachten muß die Leitende Psycho­login der Univ.-Klinik für forensische Psycho­lo­gie und Psychiatrie Homburg jetzt gerade stehen. Ob dieses Urteil[26] unsere Psy­­chis, Psy­­ch­ia­ter, Psychologen, Sozialarbeiter usw. doch noch zur Besinnung brin­gen wird? Vor­der­hand tun sie, tun über Wolff und Strate hinaus selbst manche aus Mollaths ehem. „Unterstützerkreis“ und tun die Me­dien, als sei ganz abwegig, über diese Fälle im Zusammen­hang und damit von einem Mißbrauchssystem zu reden.

Bezüglich Verbesserungen im Maßregelvollzug hat der neue bayerische Ju­stizminister Bausback laut Pressemitteilung vom 28.1.15 eine „Ar­beits­gruppe“ aus Vertreter/inne/n der beteiligten Justiz-Bereiche be­stellt. Sie soll ein neues Gesetz erarbeiten. Damit sollen u.a. die jähr­lichen „gutachtlichen Stellungnahmen (der forensischen Kliniken)… in Zukunft gesetzlich geregelt werden“. Psychiatrie-Internes erwähnte Bausback nicht. Erfolgreich, wie Staats­an­waltschaft und Verteidigung, die Medien, die Psychiater-crème im Fall Mollath mit vereinten Kräften Strates „Psychiatriekiste“ zugedrückt hielten, kann jetzt auch er so tun, als sei, was in den „weißen Haftanstalten“ abläuft, ein rein juristisches Problem und habe die Psy­ch­iatrie mit dem Psychiatriemißbrauch rein gar nichts zu tun. Der zentrale Begriff, der all die Übergriffe auf strafrechtlichem wie zivilrechtlichem und familienrechtlichem Gebiet verbindet, ja ihr gemeinsame Nenner ist, Psychiatriemißbrauch, tauch­te auch in der Pressemitteilung des Justizministers so wenig auf wie in all den bisherigen Medien-Berichten zu Mollath, Herr­mann, Schmenger etc. (Fn 7). Ihn gibt’s offiziell gar nicht, uns, seine erklärten Widersacher, deshalb auch nicht. Seit 40 Jahren werden wir so von der Politik, den Medien, unseren Kol­legen natürlich zuvörderst ignoriert. Der Psychiatriemißbrauch, der wie bei Mollath an den „psy­­cho-ju­stiti­el­len Skan­dalen“ als Agens zumindest hälftig beteiligt ist, wird neutral im „Maß­regel­voll­zug“ ver­senkt, ver­steckt. Nur von ihm wird gesprochen. Daß besagte Verbesserungen Augen­wi­scherei bleiben werden, darauf ist Verlaß. Die „politische Klasse“ gibt den Psy­chiatriemißbrauch, ihr fein­stes Macht- und Disziplinierungsmittel heute, nicht auf, schweigt einfach darüber. Die bisher mit ihm bekannt gewor­denen Juristen und Ärz­te sind, soweit nicht pen­sio­niert, alle noch in ihren Äm­tern. Sie ha­ben ja nichts getan, was nicht im Sinn der „Klas­se“ war. Möglicherweise setzt diese uns in noch dramatischerem Umfang eine virtuelle Wirklichkeit vor und ge­staltet mit ihr die reale Wirklichkeit zu unserem Wohl – oder Wehe.

Wohl seit es Psychiatrie gibt, seit knapp 200 Jahren, wurde sie auch politisch miß­braucht, gewiß auch vor Freud schon, seit ihm jetzt nur öfters, routinierter. Wer erinnert nicht den Bayern-König Ludwig II.? Das spricht nicht gegen das Fach, son­dern gegen seine Abfälscher, seine Mißbraucher und ihre Auftraggeber und Unterstützer. Wir haben zusammen mit Walter von Baeyer den Kampf vor nun­mehr 40 Jah­ren aufgenommen. Er wird so schnell nicht en­den­,[27] wird mühsam bleiben, ist aber keineswegs aussichtslos, wie die Erfolge gerade der jüngeren Zeit zeigen, Erfolge in Einzelfällen. Ans Mißbrauchssystem kamen sie bisher nicht heran. Gegenüber den Zerstörungen , die an vielen anderen Orten der Welt aufgebrochen sind, verschwinden sie fast, wiewohl sie schon gräßlich genug sind. Selbst zu unseren Erfolgen „im Kleinen“ bedurfte es aber der Mithilfe vieler. Daß viele von Ihnen über lange Zeit mithalfen und sich auch jetzt wieder mit einbringen, dafür danke ich Ihnen.

F. Weinberger

Endnoten

[1] Stützend auf die Schmähungen seines „stählernen Rückgrats“, der OSTAin a.D. G. Wolff, in ihrem Blog

[2] Kretschmer E., DER SENSITIVE BEZIEHUNGSWAHN, 4. Aufl., Springer, 1966. Kretsch­­mer ist im Gegensatz zu Nedopil klassische, psy­cho­dyna­mi­sche, da­bei „Freud-ferne“ „Vor-Re­form“-Psy­chia­trie – s. Fußnote 11.

[3] Daß all die nachträglich aufgesprungenen „Unterstützer“ die psychiatrische Seite des Skandals ausklammerten oder ver­zeichneten, zeigt schon System auf. In der Weise betätigten sich Pommrenke und Klöckner in STAATS­­VERSAGEN AUF HÖCHSTER EBENE, Ritzer und Pzrybilla in DIE AFFÄRE MOLLATH und zuletzt eben Strate in seinem Buch. Daß diesen Verzeichnern umgehend Geld und Verlage zum Druck zur Verfügung standen, erweckt nochmals den Verdacht, daß ihre Verzeich­nungen „oben“ gewünscht, gefördert wurden.

[4] In Nummer 11/15 der angesehenen NJW konnte Strate den öfters schon von ihm, zu Hauf aber von den An­ti­psychiatern gehörten Unfug vorbringen: „Seit rund 150 Jahren versuchen Nervenheilkundler, den Ursachen psy­chischer Erkrankungen auf die Spur zu kommen. Das Ergebnis dieser Bemühungen geht gen Null.“ Bei vielen Krankheiten aber sind die URSACHEN biß heute un­geklärt. Aus um so besseren Grund kümmert sich die Medizin um sie, sucht sie zu klären und ihre Folgen zu mildern, was, auch wenn das nicht optimal ge­lingt, nicht gegen die Bemühungen spricht. Nur wenn diese, wie wir es jetzt bei verschiedenen forensischen Psy­chiatern erleben,  zu billigen Leerformeln, zur Rechtfertigung verkappten Macht- und Profitstrebens verkom­men, ist gegenzusteuern. Unsinni­ge Forderungen etwa nach Abschaffung der forensischen  Psy­chiatrie führen zu keinen realen Verbesserungen. Was wollen Herr Strate und andere Antipsychiater mit Kranken tun, die unter den Einflüsterungen ihrer Halluzinationen den Nächstbesten umgebracht haben, was mit der Mutter, die in ihrer Wochen­bettpsychose ihr Baby getötet hat? Wollen sie sie ins Gefängnis stecken? Seit 150 Jahren ist die forensische Psychiatrie trotz ihrer Unzulänglichkeit und trotz Übergriffen, wie wir sie schauurig jetzt an verschiedenen Fällen erlebten, Teil einer Humanisierung des Umgangs des Menschen mit seinesgleichen, wird sie als solche jedenfalls von der großen Mehrheit der Menschen aufgefaßt.

[5] Infolge Arbeitsüberlastung beauftragen die Ämter häufig, heißt es, „freie Träger, die sich dann um die Kinder küm­mern. Der Markt, heißt es weiter, ist lukrativ. Ein ein­ziger Platz in einem Heim kostet die Kommunen im Jahr rund 50.000 Euro. Längst ist die Jugendhilfe auch ein großes Ge­schäft geworden…“ (140.000 Kinder und Jugend­liche seien betroffen).

[6] Eine Ausnahme machte die FAZ, solang die Klage allein gegen Psychiatriemißbräuche in der Sowjetunion ge­führt wurde. Nach deren Ende verlautete doch von solchen anderenort vorkommenden Mißbräuchen nichts mehr. Von der einflußreichen, konser­va­tiver US-Po­litik verpflichteten Smith-Ri­chard­­son-Foundation, der Geld­geberin un­seres einstigen Dachverbands IAPUP, hör­ten wir, sie möge das Wort Psy­chia­trie­miß­brauch nicht mehr hö­ren! Strate mit seinen CIA-Man­schet­ten­knöp­fen (s.u.) mag es jetzt auch nicht. Zur Gerichtspsychiatrie bemerkt er gegen uns gerichtet in seinem Buch (S. 177): „Die Verwendung des Be­griffs Mißbrauch be­dingt die Annahme, es könne auch einen sinnvollen Gebrauch dieser rechts­staatlich be­­denklichen Institution geben“. Absurder hat sich zur Rechtspflege einer ihrer renommiertesten Vertreter kaum je ge­äußert. Kein Wunder, daß das Wort Psychiatriemißbrauch beim WAV in Re­gensburg nicht zu hö­ren war.

[7] Anfang der 1970er schon wandte ich mich publizistisch sowohl gegen Psychiatriemißbräuche als auch die psy­cho­­analytischen Versteigungen.

[8] Ich selbst war während meiner psychiatrischen Weiterbildung zwei Jahre lang daneben in psychoanalytischer samt (teurer) Lehranalyse. Ich lernte da viele Schichten an ihr kennen und wurde langsam so ihr Kritiker.

[9] Üble Folgen haben die Freudschen Vor­stellungen auch in Amerika produziert. Manche „Freud-scho­lars“ (vgl. RB 1/14, Fn13) machen wie etwa Frederick Crews (Follies of the Wise) auch die APA dafür mitverantwortlich! Zwiespältig wie mit der US-Freud-Kri­tik sieht’s im Rückblick auch mit dem Wi­derstand der APA gegen den Psychiatrie­miß­brauch in den 1970er und 80ern aus. Ihn gab’s praktisch nur, solang er ge­gen die Sowjetunion ge­richtet war.

[10] Zu einer Riesen-Industrie ist sie inzwischen geworden. In der Publizistik ist sie allgegenwärtig, in der Sozialgesetzgebung tief veran­kert. Mit einem weiteren großen Täuschungsmanöver gelang das. In ihrem Kom­men­tar der Psycho­therapie-Richt­li­ni­en ha­ben Faber und Haarstrick den Ödipus-Konflikt auf eine schlichte „Kon­flikt­­theo­rie“ reduziert, ha­ben Freud damit nominell „entschärft“, als Quelle neurotischen Leids aber Konflikte zwischen dem Freudschen Begriffen von Es, Ich und Überich festge­zurrt, Freud als spiritus rector des See­lischen weiter etabliert und die Massenverbreitung seiner Theorie als Kassenleistung damit durchgesetzt. Alle machten mit.

[11] Vgl. die Literaturübersicht, die K. Dieckhöfer in Fn 6 seiner Rezension des Strate-Buchs beigefügt hat (s.u.).

[12] Bei der Gelegenheit ein Wort noch zu den Psychopharmacis, an denen die Aversion vieler Antipsychiater ein­schließlich Wolffs und Strates gegen die (klassische) Psychiatrie und gegen uns festmacht. So viel Hilfe die Mit­tel, richtig an­ge­wandt, vielen Kran­ken leisten, gibt es ob ihrer oft unangenehmen Neben­wir­kungen auch be­grün­deten Wi­der­stand gegen sie. Begrüßenswert und als Verdienst der Anti­psychiatrie anzuer­kennen ist deshalb, daß speziell die Zwangmedika­tion im Maßregelvollzug gesetzlich neu geregelt wurde. Ob die jetzige Regelung be­friedigt, muß sich weisen. Nach einer antipsychiatrischen Mitteilung vom 6.4.15 sieht ein Berliner Ge­setz­ent­wurf vor, „den sozialpsychiatrischen Dienst zu ermächtigen, ohne Polizei und ohne richterlichen Beschluß eine Wohnung aufzubrechen, zwangsdiagostizieren, zwangs­ein­weisen und auch zwangsbehandeln zu kön­nen.“ Wenn’s stimmt, wahrlich, ein neuer Alptraum. Daß die Antipsychiater über den Psy­cho­phar­macis das Miß­brauchs­­problem ignorierten, es mit den Spitzen­ver­tretern des Fachs so über Jahrzehnte geradezu stützten, verdient freilich auch festgehalten zu werden.

[13] Beim sensitiven Beziehungswahn, den Nedopil bei Mollath jetzt unterstellte, grenzt sich Kretschmer deutlich von der „psychoanalytischen Neurosenlehre“ ab. Die Krankheit erkläre sich mit „einer anfechtba­ren, wenn auch geistreichen Hinein­deutung psy­cho­lo­gi­scher Zu­sam­­menhän­ge“. Sie werde psychotherapeutisch am ehesten „in schlichter, ärztlicher Unterredung mit dem Kranken“ zum Abklingen ge­bracht (Fn 2 – S. 147). Kretschmer hat im Ge­­gensatz zu Freud das Störungsbild in seiner Entwicklung schlüssig aus­ge­wie­sen, es dif­fe­renti­al­dia­gno­stisch abgegrenzt, die Schritte der Heilung nachvollziehbar und an einer Reihe namentlich vorgestellter Fälle ansichtig gemacht. Nicht von un­gefähr wurde Ernst Kretsch­­­mer nach 1945 zum Vorsitzen­den der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie gewählt. Nedopils Übertragung von Kretsch­mers Ausführungen auf Mollath kommentiert der Erlanger Psychologe Dr. Sponsel so: Leipzigers „Befund­fäl­schung durch Textmontage zum Vergiftungs­wahn entspricht bei Nedopil exakt dessen Befund­fälschung zum Kretschmerschen sensitiven Beziehungswahn…

[14] Ein wenig entlastet können sich die hohen Instanzen insofern fühlen, als die profunde angloamerikanische Freud-Kri­tik damals erst einsetzte – mit H. F. Ellenbergers THE DISCOVERY OF THE UNCONSCIOUS (1979) dann F.J. Sulloways FREUD, BIOLOGIST OF THE MIND (1979) und weiteren. Voll in Fahrt war die Kritik in den 1980 und 90ern, auch hierzulande etwa mit D.E. Zimmers TIEFENSCHWINDEL. Die Bundesregierung und andere, auch psychiatrische Instanzen aber taten weiter, als gäbe es sie nicht. Ähnlich ihr Verhalten uns gegenüber, dümmliche Vogel-Strauß-Politik.

[15] Selbst in Wikipedia heißt es zum Borderline: „…Wissenschaftler fordern die Aufgabe des Begriffs, da er eigent­lich keine Persönlichkeitsstörung, sondern differentialdiagnostische Probleme bezeichne. Zu Fragen der Einord­nung, Ursachen, Abgrenzung und Therapie gibt es bisher keinen Konsens.“ Berger sehe ich als einen einer der eifrigsten Zuarbeiter des amerikanischen Psycho-Imperialismus.

[16] H.J. Weitbrecht (PSYCHIATRIE IM GRUNDRISS, Springer 1963, Seite 63) erinnert an die „Mahnung von Kurt Schneider, daß Psychopathien“, die heute Persönlichkeitsstörungen heißen, überhaupt „keine Krankheitsdiagnosen sind“(!), was vielen „Psycho-Experten“ infolge des DSM, der ICD völlig aus dem Blick geraten ist.

[17] vgl. Allen Frances’ Kritik am DSM-5 – ein Schattenboxen. Der Freudianer Frances hat den Spuk in der Vorgänger-Version DSM-IV selbst mit angeführt (RB 2/13,2.7).

[18] Und noch etwas: Teilweise ähnliche Kritik erheben die aus Amerika kommende Scientology und ihre KVPM. Von ihnen hielten wir über Jahrzehnte Abstand, weil wir sie für undurchsichtig hal­ten. Ihre Kritik richtet sich wie die anderer Antipsychiater vor allem gegen Psychophar­maka. Sie greift in ihrer Einseitigkeit hie zu kurz und ist da plump überzogen, oft hetzerisch. Sie wird anscheinend auch er­hoben, um gerechtfertigter, notwendiger Kritik das Wasser ab­­zugraben. Psychotherapeutisches spart Scientology aus, wohl weil sie mit ihrem Auditing selbst dubiose „psy­chotherapeutische“ Geschäfte macht. Der Skandal der Psychiatrie ist inzwischen aber so groß, daß ich einen Link auf ein neues Video der KVPM set­ze, das eben auch Zu­tref­fendes bringt. Bei vielem aus Ame­rika kom­men­den Stoff muß jede/r selbst prü­fen, was daran ist. Daß von fragwürdigen Organisationen auch berechtigte Kritik kommt, soll sie nicht um jegliche Beachtung bringen. Besagte Organisationen ha­ben da­bei das Vorbringen ausgewogener Kritik über Jahre erschwert. Die­jenigen aber, die zur Klä­rung der auch in dem Vi­­deo aufgeworfenen, auch viele Fachkollegen irritierenden Fragen pri­mär auf­ge­rufen waren, u.a. die Ärzte­schaft, die Fach­vertretung haben über Jahrzehnte die Diskussion verweigert, wohl weil sie selbst an der politischen Leine laufen (z.B. RB 1/14,3.8).

[19] Geradezu penetrant wirbt das „System“ für Psychotherapie. Dahinter können auch weitere politische Mo­tive stecken. In der FAS vom 18.1.2015 schrieb der in Berlin lehrende Byung-Chul Han: „Die Strategie der Herr­­schaft besteht darin, das Leiden zu privatisieren… (und so) „seine Politisierung zu verhindern….“ Nichts lenkt Ener­gien, die zur Bewältigung von Lebensaufgaben benötigt werden, in eine fruchtlose Nabelschau, als die verstiegenen Kon­struk­­tionen Freuds.

[20] Unsere Zwei­­fels­äuße­run­gen an Freud trie­ben Gabriele Wolff (RB 1/13,7) und Dr. Strate den Geifer vor den Mund. Sie und andere Eta­blierte (Fn 2) insze­nierten sich als Un­­ter­­stützer, Verteidiger Mol­laths, um umzukippen, als mit der „Psy­chia­trie-Ki­ste“ der ganze Jam­mer der „Re­formPsy­ch­ia­trie und da­mit des FreudSchwin­dels ans Licht zu kom­men droh­ten. Daß nur das nicht ge­sche­he, da­­für ließen diese Leute wie auch die wenigen Zeitungen, die Mol­lath anfangs stützten, ihn zeitgleich mit Strate fallen. Ihr vorrangiges In­teresse war offensichtlich, die im Land auf­ge­kom­­mene Em­pörung über den Fall zum Ab­flauen zu bringen, „Dampf aus dem Kessel“ zu lassen. Das ist „social engineering“.

[21] Die niedergelassenen, halbwegs noch unabhängigen Psychiater durch weisungsgebundene „Psycho-Appa­ratschiks“ zu ersetzen, war ein von Anfang an erkennbares Anliegen der Psychiatrie-Enquête von 1975, vom Autor dieses Beitrags frühzeitig schon moniert u.a. im DEUT­ SCHEN ÄRZTEBLATT 50/73 Achillesferse Psychiatrie oder: Der Countdown einer Sozialisierung, auf der GEP-Webseite noch nachlesbar unter > Rundbriefe > Vorläufer.

[22] Die „Operationalisierung“ der ICD-/DSM-Diagnosen, die sie angeblich sicher macht, gereichte schon dem ehem. Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie Prof. Holsboer zu blankem Spott (RB 1/11, Fn2).

[23] Die erste Freud-Welle in den USA in den 1920ern ebbte wieder ab, brandete nach 1933 erst mit den Emigran­­­ten aus Deutschland wieder auf. Seit der Psychiatrie-Re­­­form wird sie bei uns u.a. durch Kranken­kassen und –vers­i­che­run­gen aufrecht erhalten.

[24] Sie Herr B., haben ein Gutachten noch von einer weiteren Psychiaterin eingeholt, die zwar von der Allianz auch nicht goutiert wird, Ihnen aber doch auch eine Störung anhängte. So wie unsere jungen Kolleg/inn/en heute erzogen, auf DSM- und ICD-Diagnosen getrimmt werden, bleibt bei ihnen kaum jemand ohne Diagnose.

[25] R. Biswas hat am 19.03.15 seine Geschichte zusammengefaßt: „Im Wiederaufnahmeverfahren wegen Mordes an Peggy Knobloch zeigte sich: Es gibt keinen einzigen Sachbeweis für diesen Vorwurf. Nur ein ‚Geständnis’, das der geistig behinderte Kulac nach zahllosen Verhörtagen angeblich abgelegt hatte. Natürlich war das Tonband verschwunden. Und ein ‚gekaufter’ Zeuge Peter Hoffmann, der seine Aussage kurz vor seinem Krebstod widerrief. Und eine dubiose Tathergangshypothese, bei deren Rekonstruktion Ulvi Kulac artig mitspielte, weil er die Konsequenzen nicht überschauen konnte. Das angebliche Motiv Kulacs für den Mord: Eine vorangegangene ‚Vergewaltigung der Peggy’. Auch dafür gibt es keinen einzigen Sachbeweis. Auch das Geständnis hat man dem Behinderten in den Mund gelegt. Aus dem Sich-Entblössen vor Kindern, die ihn geradezu angestachelt haben, wird dem geistig Behinderten ‚Missbrauch an Kindern’ vorgeworfen, wofür er 13 Jahre büssen musste…

[26] Vors. Richter Hoschke – Strafverteidiger Jens Schmidt – Zivilanwältin Daniela Lordt, gestützt u.a. auf das Gut­achten von Prof. Eberhard Schulz von der kinder­psychiatrischen Univ.-Klinik Freiburg

[27] Viele Kol­le­gen geben uns im Stillen Recht, halten aber Ab­stand, weil sie nicht wagen können, sich gegen den main­stream zu stellen. Auch gibt’s viele, die da und dort zwar Berüh­rungs­punkte mit uns haben, mit denen aber doch kein Zusammen­ar­bei­ten ist. Schwie­rige Menschen kommen zahlreich auch im psychiatrischen Umkreis vor. Über das ganze Land verteilt, gibt es zum Glück aber viele Aufmerksame, die uns auch als Nicht-Mit­glie­der gut zuar­bei­ten, In­for­ma­tionen senden, Tips geben etc. Über 40 Jahre gab es immer aus­reichend Fach­kom­pe­tenz bei uns. Bei al­len, die sich als Mißbrauchsopfer bei uns vorstellen, müssen ja erst einmal die Verhältnisse kompetent geprüft werden. Wie es nach uns einmal weitergeht: Wer kann’s vorhersehen?

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Zum Fall Mollath und dem Wiedereaufnahmeverfahren am LG Regensburg vom Sommer 2014 erscheinen im Beck-Blog von Prof. Müller, Regensburg, Ergebnisse weiter laufender Recherchen, die Lücken des Verfahrens und meheren daran Mitwirkenden nachspüren und dabei zu manch brisanten Befunden und Schlüssen kommen. Sie könnten zu dem jetzt von RA Dr. Ahmed, München, weiter verfolgten neuen Wiederaufnahmeverfahren Beachtenswertes beitragen.

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K. Dieckhöfer, F. Weinberger

Zum kürzlich erschienenen Buch DER FALL MOLLATH – Vom Versagen der Justiz und Psych­iatrie von Gerhard Strate, Mollaths Verteidiger im jüngsten Wiederaufnahmeverfahren, erschien im Voraus eine glänzende Rezension im SPIEGEL 49/2014. Belobi­gungen, aber auch kritische Rezensionen erschienen dann auch anderenorts.

 

F. Weinberger bemerkte für die GEP an dieser Stelle am 11.12.2014, später ergänzt:

Das Buch ist flüssig geschrieben, enthält interessante Details zum Fall, macht viele Zusam­men­hänge ansichtig und läuft letztlich doch wieder auf eine Verzeichnung des Psych­iatrie­miß­brauchs hinaus. Der Einsatz der GEP und ihrer Sprecher sei 1.) völlig wirkungslos ge­we­sen und 2.) allein aus Eitelkeit zur Feier des eigenen Egos geschehen, so Strate, dessen eitles Konterfei auf dem Cover prangt. Kann ein vielbeschäf­tigter Anwalt überhaupt in drei Mona­ten ein 270-Seiten-Buch schreiben? Gegen uns wendet er (seine Ghost­­writerin?) u.a. ein, un­sere “Verwendung des Begriffs Mißbrauch“ bedinge „die Annahme, es könne auch einen sinn­­­vollen Gebrauch dieser rechtsstaatlich bedenklichen Institution geben“, einen sinn­vollen Gebrauch der Psychiatrie. Zum Glück ist das Mandat dieses jetzt ins Anti­psych­ia­tri­sche abge­glittenen Staranwalts beendet, steht der erfahrene Münchner Strafverteidiger Dr. Adam Ahmed jetzt an Mollaths Seite. Bei vielen, die sich seiner Sache bisher annahmen, liegen Verdienst und Verfehlung dicht beisammen. Zum Glück kam seine Sache in dem Gemenge dennoch voran.

Nachtrag: Das Bundesverfassungsgericht hat Weinbergers Gutachten mit Beschluß vom 6.9.1013 (2BvR 371/12) ausdrücklich anerkannt und die Vorinstanzen, die Mollaths Inter­nierung fortsetzten, gerügt, „da eine zureichende Auseinander­­set­zung mit dem durch den Be­schwer­deführer (Mollath) vorgelegten Gutachten des Dr. Weinberger vom 29. April 2011 … nicht erfolgt sei.“ (RB 1/13,6). W.

 

K. Dieckhöfer fügte obigem Kurzkommentar für die GEP am 27.12.2014 einige Bemer­kungen hinzu:

Zu dem Buch Dr. Strates DER FALL MOLLATH sind zwi­schenzeitlich weitere Stel­lung­nahmen erschie­nen u.a. von Gabriele Wolff, einer Oberstaatsanwältin a.D., Ju­ristin also wie Strate.[1] Sie beteuert, ein An­ti­psychiater sei dieser nicht. Nur lassen seine oben zitierten Aus­sagen einen anderen Schluß kaum zu. Einem ganzen ärztli­chen Fach­­­­ge­biet, der Psychiatrie, sprach Dr. Strate die Exi­stenzberech­ti­gung ab, nicht nur ihrem foren­si­schen Teilbe­reich. Ge­wiß er­schöpft er sich nicht in der Ab­surdität seiner oben zi­tierten Äuße­rung. Er deckt viele reale Unzuläng­lichkeiten an dem Fach und an etli­chen seiner Ver­treter auf. Gleich­zeitig deckt er die wesentlichsten Ur­sachen für sie zu, lenkt von ihnen ab und ver­sucht, das Be­mü­hen um eine umfassende Aufklärung zu diskre­ditieren.

Auch der Regensburger Strafrechtler Prof. Henning E. Müller, selbst ein engagierter Kom­mentator des Falles Mollath im Netz (Beck-Blog, Legal Tribune online), meldete Zweifel an Strates Weisheit an, der, so Müller, „die gesamte Fachrichtung (Psychiatrie) als ‚Wissen­schaft der Stigma­tisie­rung’ (S. 59) beurteilt. Sie trage ‚dem uralten Bedürfnis Rechnung, In­dividuen oder will­kür­lich de­fi­nierte Menschen­grup­pen vom allg. geltenden Rechtssystem aus­zuschließen’ (S. 61). Zweck der Begutachtung sei ‚ein­zig und alleine die Befriedigung archai­scher Instinkte’ (S. 62). Strate schreibt der Bran­che ‚Pa­thologisierungswahn’, gepaart mit ‚Omni­potenz­fan­ta­sien’ zu (S. 75).“ „Insgesamt bedeutet dies nichts weniger als die voll­stän­dige Delegi­timie­rung der forensisch-psychia­tri­schen Gutach­tertätigkeit durch Strate.“

Dieser nimmt aber nicht nur die dringend nötige Justierung des Falles Mollath, an der er großenteils ge­scheitert ist, unverdrossen für sich weiter in An­spruch, son­dern eben auch die der ­ge­samten Psy­ch­ia­trie. Was Mollath in ihr konkret auszustehen hatte, übergeht er. Dafür reißt er die Ärzte her­unter, die nicht nur ent­schei­den­de Beiträge zu Mol­laths Frei­las­sung lei­ste­ten – durch sie erhielten Strate, seine Damenriege und viele andere von Mol­lath über­haupt erst Kunde[2] -, sondern die seit über 40 Jahren wie niemand sonst im Land den Zustand des Fa­ches monieren, den durch die 68er Kulturrevolution so mißratenen. Teils treffend, teils ähnlich mißraten sind die Anklagen Strates, eines früheren Spitzenfunktionärs des maoi­sti­schen KBW, der sich laut Wikipedia heute „als 68er versteht“ (Fußnote 12). Auf öffent­liche Ohr­feigen von außen, wie der Fall Mollath sie er­heischt und wie Stra­tes Buch sie teilweise auch treffend ent­hält, reagieren die Psychiater, die Ärzte und ihre Standes­ver­tre­tung mit­un­ter eher als auf ge­duldige, sachgerechte Mah­nungen ihrer Kol­legen.

Ihren Aberwitz können sich Strate und sein (Damen-)Anhang leisten, weil sei­ne Kritik, die, soweit inhaltlich zutreffend, seit 40 Jahren unsere Kritik ist, von besagter Standes­ver­tretung ignoriert wurde. War die­se Kritik also primär immer eine ärzt­liche, so leider die einer kleinen ärztlichen Min­derheit. Viele schwenkten in den ver­gangenen 40 Jah­­­ren auf 68er Kurs ein, mit ihnen die Ärzte­mehr­heit. Rund 10 (in Worten: zehn) Ärz­te aber blieben in unserer Gesell­schaft[3] bei dem tradier­ten hippokra­ti­schen „nil nocere“ (nur „nicht schaden“) und traten, teil­weise er­­folg­­reich, Über­­grif­fen entgegen, wie sie jetzt mehr und mehr – der Fall Mol­lath nur einer von vie­len –zum Vor­schein kamen, unter diesen Ärzten der Mitgründer der GEP und bis zu sei­nem Tod ihr Ehren­­prä­si­dent Prof. Wal­ter von Baey­er, der ehemalige Vi­ze­präsident des Welt­verbands für Psych­iatrie. Die­sen rund zehn Psychia­tern standen über die Jahre rund 10.000 im Land prak­tizie­rende Fach­kol­le­gen, da­zu die gesamte Standes­vertretung ähnlich feind­­lich ent­gegen wie jetzt Strate, Wolff, Prem und Co. Sie können jetzt vielleicht gar höh­nen und ver­su­chen, diese traurige Wahrheit noch­mals gegen uns und für sich auszu­spie­len. Nur kommen sie daran nicht vorbei, daß just aus dem Kreis die­ser rund zehn Psychiater und vieler zum Glück sie unter­stüt­zen­der „Laien“ Men­­­schen wie Mol­­lath aus psy­ch­ia­trisch ver­an­laßter Ent­rech­tung und Ent­wür­digung her­aus­ge­holt wurden – ge­gen die Indolenz und Miß­gunst der 10.000. Auch haben diese zehn und ihre Unterstützer vie­les von dem, was Strate jetzt an Kri­tik am Fach zu Recht vor­trägt, „Versagen der Psychiatrie“ nennt und sich ans Revers hef­tet, lange vor ihm schon vorge­bracht, nach­zu­le­sen in den seit 1977 erschei­nen­den und vielfach noch im Netz prä­senten Rundbriefen der GEP (www.psychiatrie-und-ethik.de).

Ich selbst habe die Ehre, dieser kleinen, doch wahrlich feinen Gesellschaft GEP seit 20 Jahren als deren 2. Vorsitzender dienen zu dürfen und so zu ihren Erfolgen beigetragen zu haben, mö­­­gen sie der Jurist Strate und andere jetzt für sich und gegen uns und unser Fach in Ansatz bringen. Mich selbst, der ich den Mollath-schä­digenden Staatsgut-/schlechtachtern Dr. Leip­zi­ger, Prof. Krö­ber, Prof. Pfäfflin und der sie schüt­zenden baye­ri­schen Ex-Justiz­mini­ste­rin Dr. Merk in noch nicht dagewesener Schärfe öffent­lich ent­ge­gen­ge­treten bin, kennt Strate in sei­nem Buch scheinbar nicht. Ebenso wenig erwähnte er die Mitwir­kenden an jener Gruß­kund­gebung in Nürnberg am 27.7.2013, die der Frei­las­sung Mol­laths unmittelbar vor­­an­ging und sie vor den bayerischen Land­tagswahlen „atmosphä­risch“ er­zwang. So läuft Geschichts­fäl­schung. Wenn auch von seinem ehemaligen Mandanten Mol­lath in­zwischen getrennt – der Erfolg, den er für ihn heraus­holte, war bescheiden genug[4] -, benützt er ihn mit seinem Buch jetzt, sich selbst noch­mals in Szene zu setzen und all die nieder­zuma­chen, die über diesen Fall hin­aus den Kampf für eine ehrliche, ethische Psych­iatrie führten, voran der Gar­misch-Par­ten­kirchner, vormals Starn­ber­ger Nervenarzt Dr. Friedrich Wein­berger. „Es gibt kein rich­tiges Leben im falschen“, stellt Strate als Motto über sein „Weinberger-Kapitel“ 16 in Anleh­nung an Th. W. Adorno, den Anspitzer der 68er Kulturrevolution. Aber genau dieses „richtige Le­ben im fal­schen“ gibt es! Viele haben es gegen eine Welt von Feig­heit, Dumm­heit, Gleich­schaltung und Mit­läu­fer­tum gelebt, zu we­nige oft, aber zum Glück immer noch viele, zu de­nen wir auf­blicken können. Auch Weinberger lebt es, allen Widrigkeiten zum Trotz.

Von Strate, der zu ihm wie zu Mollath lange einen freundlichen Ton pflegte (seine stete An­rede bis zuletzt: „Lieber Herr Weinberger“) und in dem Wieder­auf­nah­me­­ver­fah­ren lange viel Engagement zeigte, erlebten wir bei Gericht in Regensburg am 23.7.2014 plötzlich einen ver­änderten Ton. Er erklärte hier barsch: „Die Psychiatrie-Kiste bleibt zu“. Unmittelbar zu­vor war es auch zum Eklat mit Mol­lath ge­kom­men. Aus heiterem Himmel kündigte ihm Stra­te hier das Mandat auf, bezichtigte ihn öffentlich der „Lüge“, behauptete, er könne „Freund und Feind nicht unter­schei­den“ und be­zeich­nete seine Beweisanträge als „Mist[5] – was man­­­che schon als Partei­ver­rat werte­ten. Wie Mol­lath selbst ver­ken­nen wir nicht, daß Strate für seinen Mandanten auch gute Dien­ste leistete. Man fragt nur, was ihn veranlaßte, zuletzt so ab­zurut­schen.

Etwa zu dem Zeitpunkt des beginnenden Wiederaufnahmeverfahrens wurde bekannt, daß Strate auch „einen deutlich vermö­gen­de­­ren Mandanten“ vertritt, den AWD-Grün­der Carsten Maschmeyer (HAN­DELS­BLATT vom 18.8.2014, die SZ berichtete bereits am 3.4.2014 da­von). Beim Streit Masch­meyers mit der Basler Bank Safra Sarasin geht es um 40 Mil­lionen. Da sind die € 38.000.-, die Strate von Sixt für uner­laubte Reklame mit Mollath her­ausholte (€ 3.000.- blieben die­sem), auch im Ver­­gleich zu seiner sonstigen Klientel – auch VW-Patriarch Piech gehört dazu – gewiß eher Pea­nuts. Ganz umsonst, wie es oft hieß, ar­bei­tete Strate für Mollath also nicht. Be­sagter Herr Masch­meyer, den er jetzt vertritt, be­treibt zusammen mit dem ehema­li­gen Di­rektor des Münchner Max-Planck-Instituts für Psy­ch­iatrie F. Hols­boer in der Münch­­­ner Ma­ximi­li­anstraße die HMNC (Holsboer-Masch­meyer Neu­roChe­mie). 2010 ge­gründet, betreibt die­se laut Selbstdarstellung die Entwicklung von neuen „market­­­able con­cepts“ bei depres­si­ven und Angst­­störungen. „Big Pharma“ ist da nicht fern. Rührt Stra­tes ab­rupte öffentliche Kehrt­wen­dung gegen seinen Mandanten just von daher – Spannungen zwi­schen den beiden gab es schon vor­her -, von daher auch die plötzliche Kehrt­wen­dung gegen un­sere GEP und ihre Sprecher, durch die er von Mollath erst Wind bekomm­en hatte?

Seine „Ab­rech­nung mit der Psych­ia­trie“ geht über die alten Plati­tüden der Anti­psy­chiatrie nicht hinaus. Die Mächtigen stört sie seit hundert Jahren nicht (vgl. meine ent­spre­chenden Aus­führungen in Fachjournalen, unter „Wis­sen­­schaft“ auch von der GEP-Webseite abrufbar). Unsinnig-antipsych­ia­tri­sche Kritik, wie sie Strate jetzt wieder an­schlug (s.o.), be­glei­tete die 68er Bewegung von An­fang an und mündete in der Psychiatrie-En­quête von 1975, der Psy­ch­iatrie-Reform. Mit ihr wurde das Fach erst richtig mißbrauchbar.

Nach vorausgegangenen Schmähungen schmäht Strate, Schmähungen der Ju­ri­stin Wolff kol­portierend, den Psychiater-Psy­cho­thera­peuten Weinberger als „irratio­na­len Freud-Geg­ner“, ihn, der Mollaths Freilassung angestoßen und tatkräftig mit durchgesetzt hat. Damit sind wir wohl bei dem Haupt­grund für die seit Jahr­zehnten auch gegen un­sere GEP lau­fenden An­griffe und Ausgrenzungen. Freud ist als Schwindler und Betrüger[6] bis in die letz­ten Winkel seiner Theo­rie, seiner Praxis und seiner Biographie aus­gewie­sen. Freud-Kritik ist heute alles andere als „irrational“. Sie ist in­ter­­natio­nal. Freud hat das willkür­liche „Psych­iatri­sieren“ Anders­den­ken­­der bis hin zu Freunden und Kollegen auf­ge­bracht, auch wenn dies bei den Juristen Strate und Wolff und anderen noch nicht ange­kom­men ist. Nicht, daß nicht auch vordem schon Un­er­wünschte mit Psych­iater-Hilfe aus­ge­schaltet wor­den wären.[7] Durch Freud

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sind Flunkern und Groß­spu­rig­keit in der Seelenheilkunde heute nur Stan­dard ge­wor­den und zwar dadurch, daß unsere ameri­kanischen Fachkollegen um 1945 – heute sind sie weithin er­nüch­tert – kritik­los auf Freud „abfuhren“ und ihr Freud-gestütztes dia­gno­­sti­sches Sy­stem DSM in der in­ter­­­natio­nalen ICD politisch durch­zusetzen verstanden – Ergebnis nicht zuletzt der Zwangs­­emigration der Psycho­ana­ly­ti­ker aus Deutschland um 1933.

Freud, der in der deutschen Psychiatrie lange ein krasser Außen­seiter war, wurde ihr mit der Psychia­trie-Enquête von 1975 politisch aufgedrückt und so zum Ur­sprung ihrer dia­gno­sti­schen Ver­lotte­rung. Fal­sche „Psy­chiatri­sie­­run­gen“ in noch nicht da­ge­wesenem Um­­fang wur­den da­mit möglich, der Fall Mol­lath einer von ihnen. Freud ist jetzt der Säu­len­heilige aller, die an den Miß­brauchs­­mög­lich­keiten des Fa­ches festhalten wollen. Wie Strate und sein (Da­men-)Anhang dif­famie­ren sie deshalb Freud-Kri­tiker wie uns. Seit 100 Jahren reagieren Freud-Jünger, „Glaubenskrieger/innen der Moderne“, so, wenn ihr Aberglaube hinterfragt wird.

In den ang­lo­ame­rika­ni­schen Ländern ist Freud inzwi­schen weithin zwar entzaubert. In DSM- und ICD-Dia­gnosen ge­tarnt, leben viele seiner wissenschaftlich haltlosen Konzepte je­doch fort und rich­ten Unheil an weit über direkte Mißbräuche des Fa­­­ches hinaus. U.a. führten sie zu einer gro­tesken Ver­meh­rung psychiatrischer Dia­gnosen. Noch zu Beginn meiner ärzt­lichen Tä­tig­keit wa­ren es gerade ein­mal 20[8]. Heute sind es über 300 Dia­gno­sen, die sich in ihrer luf­tigen Dehn­­­­­barkeit jedermann /-frau locker über­stül­pen las­sen. Parallel mit dia­gno­sti­zier­baren „Stö­rungen“ ver­mehrten sich so „Ge­­störte“, Krankgeschriebene[9] und mit ih­nen auch die In­sassen psychia­tri­scher Fo­ren­siken. Die Ent­wick­lung bescherte Psychiatern, Psy­cho­logen und ähn­li­chen „See­len-Ex­perten“, So­zial­pä­da­gogen, Sozial­ar­beitern usw. Macht und Geld, wes­halb sie die Ent­wick­lung auch nach Kräf­ten förderten (da­her das Ver­hält­nis 10:10.000). Die Ent­wick­lung blieb freilich fragil, auch wenn Poli­tiker[10] sie mit „pushten“. Sie ziehen für sich ja den größten Nutzen aus ihr.

Eine aufgeblähte, damit noch leichter mißbrauchbare Psychiatrie liegt im Inter­esse der Mäch­tigen jeglicher Couleur. Wie seinerzeit in der So­wjet­union[11] wird das Fach heute im ver­einig­ten Deutschland mißbraucht und nicht nur hier. Entsprechende Meldungen errei­chen die GEP auch aus anderen westeuro­päi­schen Ländern. Wie im GEP-Rund­brief 1/14 ausgeführt, ist die Psy­chiatrie „seit Ab­schaffung der Folter das einzige Mittel der Mäch­tigen, mit Anders­denken­den fertig zu werden.“ Es ist zumindest eines ihrer Hauptmittel. Nicht von un­gefähr er­klär­­ten Vertreter der CSU, der SPD und FDP bei der Anhörung im Baye­ri­schen Land­tag Ende 2011 übereinstimmend (RB 2/12,2), mit Mollaths In­ter­­nierung sei alles in Ord­nung.

Wie Strate Mollaths Rehabilitierung nur teilweise vor­anbrachte, ging auch seine „Ab­rech­nung mit der Psychiatrie“ großenteils fehl. Er, der in Regensburg auf sei­nem Ge­biet im Grund ein Stümpere­rgeb­nis erzielte – er schreibt es natürlich Mollath zu -, erlaubt sich, Ärzte an­zu­grei­fen, die auf dem „psy­cho-ju­sti­tiellen Gebiet“ mit anderen zu­sam­men her­vorra­gende Erfol­ge, u.a. Mol­laths Frei­las­sung, er­reichten und die darüber hinaus Ausmaß und Hin­ter­grün­­de der Psy­ch­ia­trie­miß­bräuche über Jahrzehnte realistisch aufzei­g(t)en. Den Psych­iater Dr. Simmerl, der Mollath ähn­lich wie Weinberger kor­rekt be­gut­ach­tete, lobt Strate über die Ma­ßen. Anders als Weinberger rührte Sim­merl nach sei­ner Be­gutach­tung für Mol­lath jedoch keinen Fin­ger mehr! Vor al­lem rührte er nie an das Sy­stem der Psychiatrie und ihrer politischen Admi­ni­stra­toren, nie an das DSM, die ICD und schon gar nicht an die Psy­choanalyse und die da lau­fen­den Ge­schäfte, ein braver baye­ri­scher Beamter halt. Das war für Stra­te wohl der Grund, als Krönung seiner Be­lobigung sein Buch noch Simmerl zu wid­men.

Wer wie dieser Staranwalt mit dem Fall Mollath auf seinem Fachgebiet gerade eine „Bauch­lan­dung hingelegt“ hat, sodaß ein anderer jetzt seinen Auftrag fortführen muß, sollte die Schar­te nicht auf einem anderem Ge­biet der Wissenschaft auszuwetzen versuchen, von dem er noch weniger ver­steht. Sonst geht er/sie am Kernproblem reform-psychiatrischer Verirrun­gen vorbei, aus denen die Miß­bräuche des Fa­ches heute erwachsen, und landet wie Strate, sein Anhang oder der Hoch­­stap­ler Po­stel im anti­psychiatrisch Unsinnigen. Ihm und den Ein­flü­sterungen der Da­­men Wolff und Prem fol­gend, die eben­so ­in­kom­petent sind wie er selbst, glaubt Strate Psychiater, Psy­cho­the­ra­peuten aus­ste­chen zu kön­nen, die in der GEP die „Ab­rechnung“ seit Jahrzehnten kompetent leisten, eine Ab­rech­nung freilich weniger mit der Psychia­trie selbst – das wäre, ja ist immer un­sinnig – als mit Miß­stän­den in ihr und mit ihrem Miß­brauch. So weit sind wir infolge der neo-marxistisch-(freud-marxistisch)en Kulturrevolution jetzt, daß Da­her­ge­lau­fene und ähn­lich ahnungslose, jedoch repu­tier­te Ju­rist/in­n/en sich erdreisten, Ärz­te öffentlich herunterzu­machen, die dem Ein­drin­gen von Schwindel in die Medizin und des­sen Folgen weh­ren.

Unter Umständen spielen freilich auch ande­re Ein­flü­ste­rungen herein.[12] Tatsächlich erinnert so, wie Strate seine „Ab­rechnung mit der Psych­ia­trie“ betreibt und sie gleichzeitig torpe­diert, hie sei­nen Mandanten „verteidigt“ und da ihn bloßstellt, hie „liebe“ Grüße bestellt und da halt­lose Ver­leumdungen gegen Weinberger streut, an die Zer­set­zungs­­taktik von Ge­heim­dien­sten, die Richt­linie 1/76 der Sta­si. Psy­ch­iatrie­miß­brauch ist, wie Weinberger schrieb, seit Ab­schaffung der Folter, sofern sie abge­schafft ist, ein Hauptmittel der Mächti­gen, mit Anders­denkenden fer­tig zu werden. Psychia­trie, auch die foren­si­sche, blei­ben als Heilkunde un­ver­zichtbar, ihr Miß­brauch aber ein Poli­ti­kum ersten Ranges. Ist’s verwun­derlich, daß da auch als „Unter­stützer“, als Ver­teidiger Ver­klei­dete uns, seit Jahrzehnten seine schärf­sten Kritiker, be­kämpf­en? Die Spie­gel-Rezen­sion von Stra­tes Buch war wohl „glän­zend“ (s.o.), gab seinem Inhalt aber fal­schen Glanz. Sel­ten noch ist mir in dem Buch eines re­nom­mier­ten Men­schen (oder mehrerer) ein solches Konglomerat hie aus Richtigem, da aus Falschem, aus Selbst­ge­fäl­lig­keit, Über­­griffig­keit, Schmähung und blankem Unsinn un­terge­kom­men. Psychiatrie in ihrer jetzigen Verfassung ist ein Ergebnis der Kul­turrevolution. Von Hork­heimer, Ador­no, Marcuse u.a. aus den USA impor­tiert, bestimmt sie das öffentliche Bewußtsein, in der „Re­form-Psychiatrie“ besonders. Wie nichts an­de­res stellt der Fall Mollath sie in Fra­ge. Des­halb warf sich Strate, heute noch bekennender 68er, erst einmal auf diesen Fall und ver­suchte mit ihm 68er Deutungshoheit über ihn wie über die „Seelenheilkunde“ ins­gesamt zu behaup­ten. Deshalb kamen zuletzt seine Ausfälle gegen den unbeugsamen Mollath wie gegen uns.

So wie sich schon in dessen ehemaligen „Unterstützerkreis“ heftige Auseinandersetzungen abspiel­ten, seine Aktivitäten aber dennoch mit zu Mollaths Freilassung und Fast-Re­habili­tie­rung beitrugen, ge­hen diese Kon­tro­­­versen jetzt weiter – was nur gut ist. Denn nur da­durch, daß die Mißbräuche der Psy­chia­trie, Psychologie und sonstiger „Seelenfächer“ in ihrer Viel­schich­tigkeit, ihren Hintergründen und ihrer Un­ge­heu­er­lich­keit in Rede und Gegen­rede immer weiter aufgedeckt wer­den – Kompetenz bleibt doch wirk­­sam, mag das Zahlenverhältnis auch weiter bei 10 : 10.000 sein ‑, werden sie zuletzt doch auf­hören.

Es drängt mich, mit Sätzen zu schließen, die Yehudi Menuhin (1916 – 1990) in einem großen Gebet an den „Einen und Vielen“ richtete, darin „Bürokraten, Ignoranten und Vor-ein­ge­nom­mene“ streifte und bat: „Erleuchte sie und mich und hilf uns einander zu verge­ben… Hilf mir, zu unter­schei­den zwi­schen dem, was versöhnbar und dem, was un­ver­söhnbar ist. Ermu­tige mich, alle Mit­tel der Verständigung mit den einen zu suchen und mit den anderen als un­nütz aufzu­geben, von bei­den zu lernen und sie nicht vorsätzlich mir zu Feinden zu ma­chen. Ge­währe mir die Er­leuch­tung, die Du für die Menschheit vorgesehen hast…“ [13]

Prof. Dr. med. Dr. phil. Klemens Dieckhöfer, GEP                                    27.12.2014

 

Endnoten:

1Strate nennt Wolff „das stählerne Rückgrat unserer Kampagne“ (die nie seine „Kampagne“ war). Ähnlich wie Wolff be­glei­tete Ursula Prem, eine Ex-Opernsängerin, das WAV Mollath mit regel­mäßigen Kommentaren auf ihrem Blog. Wie uns zuverlässig be­richtet wurde, saß sie nach den Gerichtsterminen all­abend­lich mit Strate in Vorbe­rei­tung des Buches zu­sam­men. Mit uns, d.h. mit wissenschaftlicher Psych­ia­trie ist sie seit langem zer­fallen. Eng ver­bun­den ist sie mit dem bekannten Hochstapler, gern Psychiater-spielenden Postboten Postel. Schon vor über einem Jah­r ließ Prem auf ih­rem Blog gegen Weinberger Schmä­hungen Postels verbreiten. Dieser kannte den Inhalt des „Strate-Bu­chs“ be­reits ein rundes Monat, bevor es erschien – woher wohl?

[2] M. Kasperowitsch, der den Fall Mollath in den Nürnberger Nachrichten als erster in die Öffent­lich­keit brach­te, konn­te dies tun, weil er sich nach eigenen Worten auf eine gründliche Fallaufbereitung des Juristen Dr. Schlöt­te­rer und auf ein psychiatrisches Gutachten stützen konnte, das eben von Dr. Weinberger. Mit Kaspero­witschs Ar­tikel vom 7.11.2011 kam die wei­tere Publizistik in Gang,. In ihrer Folge er­fuh­ren von Mollath auch Strate, Prem, Wolff und viele ande­­re, die den Fall dann nach ihrer Weise deuteten. In ihren Publikationen blieben die psychiatrischen Zutaten durch­­gehend unerwähnt.

[3] Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V (GEP), vormals Deutsche Vereinigung gegen poli­ti­schen Mißbrauch der Psychiatrie e.V.

[4] Nichts von einem „Freispruch 1. Klasse“ erreichte dieser Staranwalt. Eine Täterschaft (von 2001) wie auch ein psychiatrischer „Fleck“ bleiben trotz fehlender Nachweise Mollath erhalten. Soviel hätte wohl auch jeder Feld-Wald-und-Wiesen-Anwalt erreicht. Zeit, daß jetzt ein neuer Anwalt, Dr. Adam Ahmed, am Werk ist.

[5] Mollaths Beweisanträge zielten auf eine Zeugeneinvernahme auch der Psychiater Weinberger und Dieckhöfer. Freud und Feind unterscheiden kann Mollath sehr gut. Er sah sich bald nach einem anderen Verteidiger um.

[6] Aus der Fülle einschlägiger Bücher seien einige der aus­ländi­schen Autoren und ihrer Titel genannt, so MENSONGES FREUDIENS des Kinderpsychologen Jacques Bénesteau, Tou­louse, THE FREUD FILES und MAKING MINDS AND MADNESS des Literatur-Professors Mikkel Borch-Jacobsen, Seattle, FREUD AND THE QUESTION OF PSEUDO-SCIENCE des britischen (inzwischen verstorbenen) Philosophie­professors Frank Cioffi, Canterbury, FOLLIES OF THE WISE des Literaturprofessors Frederick Crews, Berke­ley, SEDUCTIVE MIRAGE des Mathematikers Allen Esterson, London, FREUD EVALUATED des Psycho­logen M. Macmillan, Melbourne, THE FALL OF AN ICON des kanadischen Psychiaters Joel Paris, THE NON-AUTHENTIC NATURE OF FREUD’S OBSERVATIONS des Pädagogen Max Scharnberg, Uppsala, WHY FREUD WAS WRONG des inzwischen verstorbenen Philologen Richard Web­ster, Suffolk, FREUDIAN FRAUD des US-Psychiaters E. Fuller Torrey, MAELZEL’S CHESSPLAYER – SIGMUND FREUD AND THE RHETORIC OF DECEIT des Literatur­-Professors Robert Wilcocks, Edmonton. Von der umfang­reichen Se­kun­därliteratur erwähnenswert Edward Dolnick: MADNESS ON THE COUCH und George Makari RE­VOLUTION IN MIND.

Auch auf Deutsch liegen umfassende Kritiken vor, etwa Dieter E. Zimmer TIE­FEN­SCHWINDEL, Frank Sullo­way FREUD, Han Israel DER FALL FREUD, Herbert Selg SIGMUND FREUD – GENIE ODER SCHARLA­TAN?, Bücher auch un­se­rer GEP-Mitglieder, etwa Wolfgang Kretsch­mer (†) PSY­CHOANALYSE IM WIDER­STREIT und Klaus Schlagmann ÖDIPUS – KOMPLEX BE­TRACH­­TET. Die ge­wichtigste Kritik bleibt gewiß die lebenslänglich von Karl Jaspers in vielen Schriften vorge­tragene.

[7] Als eindrückliches Bei­spiel führt Strate selbst den Bayern-König Ludwig II. an, an dessen übergroßes Por­trait läs­sig sich an­lehnend, er uns aus seinem Buch ähn­lich groß entgegen­tritt.

[8] nach der „Würzburger Diagnosen-Tabelle“ von 1931

[9] Über ein Drittel der Bevölkerung, verlautet seit etwa 1968, sei psychisch krank; meist sagt man „gestört“.

[10] Die „Psychiatrie-Enquête“ von 1975 war ein Ergebnis davon. Die „Freudsche Betrü­gerei“ (Freudian Fraud – Fußnote 4) fand in Deutschland damit offizielle An­er­kennung.

[11] Es gibt keine Sicherheit, befriedigt aber doch, daß solche böse Mel­dungen – vielleicht auch aufgrund un­se­res Einsatzes (RB 1/14,3.9 – nach Ende der 1980er aus Rußland nicht mehr eintrafen.

[12] DEUTSCHLANDRADIO berichtete von Dr. Strates Manschettenknöpfen, es ziere sie das Emblem der CIA. In jungen Jahren war er Spitzenfunktionär des KBW, der, so Peter Zol­ling in: „K-Grup­pen – Wende-Ge­nos­sen“, FOCUS MAGAZIN 8.9.1997, „terroristisch mit den Mitglie­dern, …der Ge­sell­schaft, mit den Menschen umge­gangen ist“. Aus den USA kamen auch die 68er, die Einpeitscher des Neo-Mar­xismus, Strates Leitsterne heute. Sie alle halfen, die Psychiatrie zu „refor­mie­ren“, sie miß­brauchstauglich zu ma­chen und sind heute so vereinigt, uns, die Kritiker, zu schmähen, KBW-Strate und die CSU-Ministerin Merk. Der Psy­chia­trie­miß­brauch ist etwas Hoch­­brisan­tes. „Die Verwendung des Begriffs“ schon versucht Strate wegzu­drü­cken (s.o.), als wäre er „top secret“. Seine ernst­haften Kritiker haben viele Gegner, offene und verdeckte.

[13] Text entnommen einem Beitrag von Roland R. Ropers in Kirche In 3/13 zum 85. Geburtstag von Hans Küng: „Der Hoffnungsträger“. Wenn Papst Franziskus dieser Tage in einer Weihnachtsansprache den Mitglie­dern sei­ner Kurie „den Terrorismus des Geschwätzes“ vorhielt, „die Krankheit der feigen Men­schen, die nicht den Mut haben, direkt mit jemandem zu sprechen,“ dann treffen die Worte gewiß nicht weniger auf die „Crème“ der „welt­li­­chen Seelsorger“, der deutschen Psychiater zu (s. RB 1/14,3.8).

Vgl. hierzu noch die Rezension des Strate-Buchs von Thomas Fischer, Vors. Richter am Bundesgerichtshof,[2] in DIE ZEIT vom 23.12.2014: Es hätte nicht passieren dürfen.

Prof. Fischer hält in dem Artikel Strates Umgang mit dem Fall seines Ex-Man­­danten „im Ergebnis“ für gelungen, „obwohl es zweifach zu kritisieren“ sei: „Den Justizskandal definiert er (Strate) auf das Versagen von Einzelnen herunter. Den Psychiatrieskandal hingegen bläst er “, so Fischer, „zu überdimensionaler Größe auf“. Fischer erkennt dabei in dem, was in dem Fall psychiatrisch gelaufen ist, ein “Desaster” – „für eine Wissenschaft, die einst angetreten ist, die Person des Beschuldigten aus den Fängen einer gnaden­losen Vergeltungsjustiz zu befreien“. Er mißt ihm al­so selbst eine ziem­lich „überdimensionale Größe“ zu. Voll geht Fischer mit Strates antipsychiatrischen Auslassungen ins Gericht und auch mit der „merkwürdig überzogenen Form“, in der er sich auf den Berliner Forensiker Kröber stürzt, einen der unrühmlich bekannt gewordenen Gutachter Mollaths. Ihm, der wie er selbst einer „maoi­sti­schen Sekte“ diente, hing  Strate an, es sei ihm deshalb vielleicht “die Grenze zum gemeingefährlichen Wahn schon immer unklar gewesen“.

Deutlich geht Fischer auf die „Routinen der Justiz“ ein, die „furchterregende Alltäglichkeit ihrer Verrich­tungen“, die „schulterzuckend-schadenfrohe Gleichgültigkeit, mit der der Mollath-Skan­dal in den Ge­richts­kantinen der Republik aufgenommen wurde.“ Strate berichte nur „zwischen den Zeilen“ davon. Wie der Skandal in den ärztlichen, speziell psychiatrischen „Kan­­­tinen“ besprochen wurde, darüber geben auf unserer Web-Site die unter „Neue Kommentare“ publizierten „Ärztlichen Meinungen zu Mollath“ Anhaltspunkte. Auch hier hat ja der Fall „mit dem eigenen Berufsleben (meist) nicht das Geringste zu tun.“ Davon berichtet Strate am aller wenigsten.

Am Rande streift Fischer noch Beiträge der Medien zur verbreiteten Desorientierung, etwa die nach „Strates Vorbild im Spiegel voraus­eilenden Kommentare der – psychiatrischer Sachkun­de unverdächtigen – Jour­­nalistin Gisela Friedrichsen“.  Im Voraus hatte sie von Strates Buch Solides in Aussicht gestellt – zu Unrecht.

Einige Akzentuierungen Prof. Fischers würden wir anders setzen. Insgesamt sind seine Ausführungen das Treffendste, was von prominenter Seite zum Fall Mollath bisher vorgetragen wurde.

Auf eine weitere Rezension des Strate-Buchs brachte die FAZ vom 29.12.2014 (“Eine eindrückliche Mahnung“). H. Bubrowski rügt hier die pauschale (antipsychiatrische) “Abur­tei­lung der Psy­chiatrie” durch Strate ebenfalls. Solches “Versteigen” ” hätte er sich sparen können und sollen“. Allzu leicht aber gibt sich die Rezensentin den Beteuerungen der “Psychiater“, genauer ihrer Fachgesellschaft, hin. Diese habe doch “in den vergangenen Monaten eine Dis­kus­sion über Qua­litätsmängel in forensischen Gutachten angestoßen“. Von solchen Mängeln und ihren Bemühungen um deren Behebung tönt die DGPPN freilich seit Jahr­­­­zehnten, wobei sie bei der Psychiatrie-Enquête von 1975 schon beteuerte, die Höchstform an Qualität (zumindest demnächst) erreicht zu haben. Ihr Ergebnis waren u.a. die bekannten Gut-/Schlecht­­achten der Chefärzte, Pro­fessoren Leipziger, Kröber, Pfäfflin. Die FAZ aber trans­por­tierte die Leerformeln der „Psycho-Crème“ immer bevorzugt. Wenn Stra­te da­gegen schreibt, es steige die “Gemein­gefähr­lich­keit der forensischen Psychiatrie mit dem, Grad der ‘Qualifikation’ sogar pro­portional“, so ist das wohl etwas übertrieben, führt aber doch die ganze Leere der Formeln vor Augen, mit denen die Fachge­sell­schaft letztlich ihre Deu­tungs­hoheit sichern will. Ob und inwieweit Gut­ach­ten die menschliche Realität der Be­troffe­nen wiedergeben, ist da zweitrangig. Wer erinnert nicht die Einladung der Her­ren Leip­ziger und Kröber zum „Fortbildungs­seminar in forensischer Psychiatrie“ in Ber­lin, Sep­tember 2013: “Unser Gustl“, gefördert von der DGPPN, der Landesärztekammer etc? Wenn Strate die Attitüden der Fachgesellschaft moniert, berührt er einen wahren Kern. Nur ist es just das, was wir fach­kom­pe­tent seit Jahrzehnten sagen – wofür die DGPPN uns ausgrenzt, er uns jetzt herunterreißt und seine Souffleuse, seine „stählerne Säule“ Wolff seit langem uns angiftet. Die kor­rekten Gutachten über Mol­lath ha­ben immer noch so „normal“ qualifizierte Gutachter wie die Dres. Sim­merl und Weinberger ge­schrieben. Schicht um Schicht gilt es von den angehäuften Fehlvorstellungen, Fehlweisungen der „Crème“, nicht nur der psy­chiatrischen, abzutragen, um endlich zur Wirklichkeit der Seelenheilkunde vorzudringen. W.  3.1.2015

Eine weitere (ausgewogene) Kritik des Strate-Buchs von Roland R. Ropers erschien in EPOCH TIMES vom 4.1.2015 unter: www.epochtimes.de

 

 

  Einige früher schon wiedergegebene Aussagen sind es wert, auf Dauer festgehalten zu werden, so

Prof. Igor Schafarewitsch,russischer Mathematiker,ein Freund Andrej Sacharows, in einem Aufruf vom 14.05.1978 anläßlich der Verhaftung des jüdischen Bürgerrechtlers Alexander Podrabinek, der  gegen die damals in seinem Land verbreitete Psychiatri­sierung Oppositioneller, ihre Internierung und Behandlung als Geistes­kranke, nachdrücklich protestierte – seine Worte standen bereits in unserem Rundbrief 3/78:

Wenn man im Menschen nichts anderes sieht als eine Mischung von sozialen oder biologischen Kräften, dann verlieren die Konzepte von Schuld und Strafe jede Be­deu­­tung, so wie sie bedeutungslos sind, wenn sie gegen eine Maschine angewandt werden. So wie ein kaputter Computer nicht vor Gericht gestellt und nicht bestraft, sondern repariert wird, so ist es „notwendig“, eine Person zu reparieren, die aufhört nach dem offiziellen Programm zu funktionieren. Für exakt diesen Zweck gibt es psychiatrische Spezialkrankenhäuser.

Diese Schlußfolgerung ist so unausweichlich, daß schon ein Früh-Materialist wie Weitling, ein Vorläufer und Lehrer von Marx, das Bild einer Zukunftsgesellschaft „von Freiheit und Harmonie“ gemalt hat, in der es keine Gerichtsverfahren und keine Prozesse mehr gäbe, in der vielmehr alle „von schlechten Leidenschaften Besessenen“ in Hospitäler gesteckt und die „Unheilbaren“ auf speziellen Insel-Kolonien festgehalten würden. Dies eine typische, von einem schlimmen Phantasten geträumte Utopie. Um wieviel schauriger ist die Utopie, die das reale Leben ge­schaf­fen hat? Im (noch kleinen) Modell zeigt sie uns, was uns in nicht zu ferner Zukunft erwartet.

Eine Kostprobe davon ist gegeben, wenn Psychiater zwangseingewiesenen „Patien­ten“ in offensichtlich aller Ernsthaftigkeit erklären, daß ihre religiösen Glaubens­überzeugungen oder ihre kritischen Haltungen dem Leben gegenüber, ihr „Mangel an sozialer Anpassung,“ wie die Ärzte sagen, ein klares Symptom geistiger Er­kran­kung seien.

Die Weltanschauung, von der solche Ansicht stammt, ist nicht in Rußland geboren – sie wuchs und trieb Blüten auf westlichem Boden. Aus diesem Grund bin ich sicher, daß auch der Westen von der gleichen Gefahr bedroht ist, wenn vielleicht auch in anderer Weise – von der Perfektion der Techniken zur Mani­pulation des Denkens, von der Veränderung des Menschen in ein „eindimen­sionales“ Wesen, das seiner inneren Freiheit beraubt ist… 

 

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12 responses to “Aktuelles und Grundsätzliches”

  1. Wolfgang Paul

    Die Abspaltung der “forensischen Medizin” von der normalen Medizin habe ich schon als Uni-Assisten erlebt, sie ist erschreckend!
    Ich erinnere mich an eine konkrete Auseinandersetzung über den Ort einer vom Kliniker gewünschten Obduktion (wird heute in der Regel von Angehörigen nicht gewünscht und daher selten geworden) in der “normalen” Pathologie, aus der man immer nur lernen kann, oder in der forensischen Obduktion, die wohl irgendwie angeordnet war, da es sich letztlich um die Folgen einer Schussverletzung (durch einen Polizist) gehandelt hatte.
    Immerhin hatten die Ärzte über 6 Wochen mit 2 Op,s und Intensivstation bis zum Schluss versucht, das arme Opfer zu retten. Der Streit ging bis zu den Ordinarien, weil das Ergebnis der Forensik üblicherweise nie bei den behandelnden Ärzten angekommen war, wohl mit irgendwelcher Absicht, nicht durch Zufall. Die Folge davon war nun die konzidierte Ausnahme, dass ich als Klinikassintent (Intensivstation) an der forensischen Obduktion teilnehmen konnte.
    Es zeigte sich mir dabei die Abspaltung von “normaler” Medizin schon in der Nomenklatur, also einer komplett eigenen Sprache. Das Wort Peritonitis, die wesentliche Todesursache gab es überhaupt nicht, jedoch am meisten hat mich der wirklich ernst gemeinte Vorwurf geschockt, dass der Erstoperateur wohl illegalerweise die Spuren des Schusses beseitigt hätte.
    Dagegen konnte ich mich trotz meiner Jugend jedoch nicht zurückhalten mit der Bemerkung, dass alles andere ein Kunstfehler gewesen sei.
    Es war die letzte Einladung der Forensik für einen normalen Arzt, soweit mir bekannt ist.
    Das ist also keine Medizin mehr mit einem erkennbaren Ziel, etwas positives für den Patient zu bewirken.
    Gerade, wenn es auch um die Frage eines operativen Fehlers geht, kommt durch diese Selbstisolierung das erhebliche Defizit dieser Ärzte zu Tage, hier fach- und sachkundig den vorausgegangenen Operationsablauf und dessen Zweck überhaupt beurteilen zu können.
    Ausnahmen bestätigen die Regel.
    Man darf das sicher auch auf die Psychiatrie erweitern, die nicht funktionieren kann, wenn man hier als “Forensiker” den Kontakt zum bekannten Patientengut der Psychiatrie verloren hat.
    Philosophisch muss sich die Gesellschaft selbst die Frage stellen, wie weit man die Frage von Schuld und Unschuld (normengerechtes Verhalten) überhaupt einem Mediziner überlassen soll.
    Abenteuerlich wird das besonders, wenn es um Voraussagen menschlichen Verhaltens für die Zukunft geht, die über Freiheitsberaubung entscheiden und somit eine Bestrafung für nicht begangene Handlung bedeuten. Für mich eine schwerwiegende Fehlentwicklung von Rechtsverständnis.

    mfG

  2. Wolfgang Paul

    zu RA Edmund Schönenberger:
    Man darf nicht das Kind mit dem Bade ausschütten!
    Es gibt selbstverständlich psychiatrische Erkrankung bei denen der Arzt VERPFLICHTET ist zu helfen. Und hier sind z.B. die viel gescholtenen “Psychopharmaka” ein wesentlicher Fortschritt, der es in der Mehrzahl möglich macht, auf Zwangsunterbringung ganz zu verzichten.
    Kriminell ist deshalb nur,
    eine nicht existierende Diagnose zu stellen
    um Freiheitsberaubung zu ermöglichen.
    Oder solche Medikamente gesunden Menschen zu verabreichen.
    Das entspricht einem Chirurg,
    der den Bauch öffnet um einen nicht existierenden Tumor zu entfernen.
    Es geht also eindeutig um Psychiatrie-Missbrauch!
    Und hier ist Mollat im aktuellen Deutschland NICHT der einzige!
    Die Hauptschuld trägt dabei immer die Justitz, die so etwas ermöglicht, oder gar “organisiert”!
    In NRW ist ein Kläger vor der angedrohten “Psychiatrisierung” ins Ausland geflohen. Die Gerichtsakte wurde daraufhin in großem Umfang zur “Geheimsache” erklärt.
    Deutschland im 21. Jahrhundert.

    Man fragt sich auch warum staatliche Stellen gegen den erklärten Widerstand der Ärzteschaft mit der inzwischen Milliarden-teuren eCard letztlich eine zentrale Datensammlung aller Krankheitsdaten anstrebt.
    Der Allgemeinheit, den betroffenen Patienten, wird hierzu permanent Sand in die Augen gestreut, warum so etwas unbedingt erforderlich sei.

    Wehret den Anfängen!

    1. Routil

      Der Vergleich mit dem tumorentfernenden Chirurgen hinkt.
      Die Existenz des Tumors lässt sich objektivieren, die einer “Geisteskrankheit” nicht. Darum kann die Psychiatrie immer mit Leichtigkeit missbraucht werden. Es nützt nichts die Schuld auf die Juristerei zu schieben. Psychiatrie ist in Ihrem Wesen Missbrauch.

      Obige Ansicht ist bei Unkundigen weit verbreitet, aber falsch. Besagte Krankheit ist anhand psychopathologischer Befunde ähnlich zu objektivieren wie ein Tumor anhand somatischer Befunde, es sei denn, die Befunde sind hie wie da in Anfangsstadien der Erkrankung noch zu diskret. W.

      1. Wolfgang Paul

        Lieber Herr Routil, Sie wirken wie ein Scharlatan,
        dann definieren Sie einfach mal “Geisteskrankheit”
        “objektiv wie ein Tumor anhand somatischer Befunde”.

  3. Wolfgang Paul

    Was “der Staat”, also die momentan herrschende Klasse als “gesundheitliche Versorgung” definiert und “verordnet”, ist keineswegs identisch mit “Wissenschaft”, leider.
    Zur “herrschenden Klasse” gehört eine merkwürdige Mischung von Kungelei mit internationaler “Geldwirtschaft”, Konsumdruck des industriellen Komplexes und geradezu “psychotherapeutischer” Meinungslenkung der weitgehend gleichgeschalteten “Medien”.
    “Gesundheitspolitik” in Deutschland ist charakterisiert einerseits durch Schulterschluss mit “Kostenträgern” (seit Willi Brand ein “Kostendämpfungsgesetz” nach dem anderen, immer mit dem Tarnnamen Reform) und andererseits durch Dauerkonfrontation mit den Ärzten.
    Das Menschenbild der persönlichen Freiheit mit der damit verbundenen Selbstverantwortung wird schrittweise ersetzt durch Lenkung von außen, wobei die Neudefinition von “Krankheit” geraderzu als Droge verteilt wird (sozialer Besitzstand) ohne ernsthafte Aussicht auf Heilung. Dazu gehört auch die staatlich finanzierte “Homöopathie” aus dem 18. Jahrhundert, oder noch “Älteres” aus China oder sonst woher mit Heilpraktikern aller Art, mit der ökonomischen Illusion, das sei billiger als richtige Medizin.
    Psychoanalyse, die selbstdefinierte Insuffizienzen vielfältiger menschlicher Lebensführung zurückführen möchte auf sexuelle Ereignisse vor Eintritt der Pupertät bis zurück in den Uterus ist doch eher abstoßend. Da ein solcher Einfluss auch immer in das ominöse “Unterbewusstsein” verortet wird, ist diese Ideologie gleichzeitig ein philosophischer Angriff auf den freien Willen, das höchste menschliche Gut.
    Auf ein Neues Jahr in Freiheit, soweit noch gestattet

  4. RA Edmund Schönenberger

    Sobald man entdeckt hat, dass die Zwangspsychiatrie mit Recht, Gerechtigkeit, Fürsorge, Heilung “psychischer Krankheiten” etc. nichts zu tun hat, sondern ein infames Herrschaftsinstrument ist, kann man alle mit ihr zusammenhängenden Geschehnisse auf Anhieb entschlüsseln. Das erspart einem auch, sich auf die Leimspuren der Justiz kleben zu lassen. Deren Urteile dienen lediglich der Verschleierung der eigentlichen Funktion dieser neuen Geissel der Menschheit.

    RA Edmund Schönenberger

    http://edmund.ch/more/1/FundamentalkritikZwangspsychiatrie.pdf

  5. Menschenrechtler (E. Stephany)

    Erich Stephany 23.August 2014

    Die fragwürdige, unkritische Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung über das WA-Verfahren:

    Nachdem die Journalisten Herr Przybilla und Herr Ritzer sehr umfassend und kritisch ein Jahr lang über den Fall Mollath berichtet hatten, wurde die Berichterstattung über das WA-Verfahren durch den langjährigen erfahrenen Gerichtsreporters Hans Holzhaider
    v o r d e r g r ü n d i g objektiv fortgesetzt.
    Am Donnerstag, den 14.Aug.2014! berichtete Herr Holzhaider mit dem bildzeitungsreifen Titel: “Der seltsame Gust Mollath” sehr ausführlich über das fragwürdige Marathon-Plädoyer des Oberstaatsanwalts Meindl.
    Zwei Tage v o r dem Urteil verstieg sich der SZ-Journalist mit einer fettgedruckten Überschrift mit der Aussage:
    “Der Mensch hat ein Recht auf Schrullen, aber nicht auf das Durchstechen von Reifen”. Eine üble Vorverurteilung, die dann durch den Freispruch von der Sachbeschädigung bestätigt wurde!
    Eine Berichterstattung über das überzeugende Plädoyer des Herrn Dr. Strate erfolgte nur mit den Worten: Gerhard Strate stellte die Ex-Frau und deren Schwägerin, die zweite Belastungszeugin als Lügnerinnen dar; die Belege, die er dafür aufführen konnten.
    blieben dürftig. Nach der Urteilsverkündigung setzte Holzhaider seine Gerichtsreportage ausschließlich im Bayern-Teil am Samstag den 16.8.2014 mit dem Artikel “Die Passion ist zu Ende” fort.
    Er berichtete über die Einschätzung von Dr. Strate mit seinen Worten:
    “Das ist ein sorgfältig begründetes Urteil, das geht a b s o l u t n Ordnung”.Klasse finde er, wie das Gericht den Vorwurf der Sachbeschädigung auseinandergenommen habe. “Völlig klar” werde aus der Urteilsbegründung, dass das Urteil des LG Nürnberg mit dem
    Mollath in die Psychiatrie eingewiesen wurde, ein Unrechtsurteil gewesen sei: “Die Psychiatrisierung hätte nicht stattfinden dürfen.”.

    Wenn auch die Berichterstattung den Anschein erweckt objektiv zu
    sein, ist sie durch die obigen Aussagen ausgesprochen einseitig, unkritisch und
    m a n i p u l a t i v. Insbesondere durch die unzureichende Berichterstattung über das Verteidigerplädoyer. Damit wurde der offensichtliche Belastungseifer der Ex-Frau verschwiegen und der Gesamtzusammenhang im Fall Mollath geht insbesondere
    in der Berichterstattung über das Urteil m.E. bewußt verloren. Leserzuschriften über das WA-Verfahren wurden nur über die Zwangsbeobachtung durch Prof. Nedopil veröffentlicht.
    Die sublim tendenziöse Berichterstattung durch Herrn Holzhaider hat m.E. das Urteil publizistisch vorbereitet und ist der renommierten Süddeutschen Zeitung nicht würdig.
    Herr Heribert Prantl hat zumindest die gesellschaftspolitische
    Bedeutung von Herrn Mollath im deutschlandweiten Teil gewürdigt.

  6. Mischa

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich würde mir wünschen, es gäbe Journalisten, Gutachter, Studenten, die den Gutachter selbst mit all seinen Konzentrationsschwächen, Gähnen, Müdigkeit minutiös begutachtet.

    Was ich außerdem nicht verstehe ist, wie leicht die kausale Grundvoraussetzung von Krankheit und Straftat über Jahre (und unzähliger unverbrecherischer Tage, Monate, Jahre) hinweg aufrecht erhalten wird.
    Ebenfalls ärgerlich: Der Richter beurteilt letztlich selbst, und könnte auch jetzt schon ohne oder mit Gutachten feststellen, dass keine Anzeige und keine Straftat gegen Mollath vorliegt – selbst wenn er jetzt krank wäre.

    Ach ja, falls es dieselbe Krankheit wäre, dann wäre sie wohl kaum geneigt jetzt noch kausale Erklärungskraft zu haben.

  7. Bockmann Joachim

    Tipp für Betroffene und Angehörige (relativ neue Judikatur!!):

    Betreuungsgerichtliche Genehmigung der Zwangsmedikation
    22. Februar 2012 @ 06:56 | Familienrecht

    Die betreuungsgerichtliche Genehmigung einer Zwangsmedikation ist derzeit mangels einer wirksamen gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage nicht möglich.

    Die Zwangsbehandlung eines Untergebrachten ist, wie jeder andere Grundrechtseingriff, nur auf der Grundlage eines Gesetzes zulässig, das die Voraussetzungen für die Zulässigkeit des Eingriffs bestimmt. Dies gilt nicht nur für die materiellen, sondern auch für die formellen Eingriffsvoraussetzungen1. Das Betreuungsrecht enthält in §§ 1904 ff BGB keine Regelungen bzgl. der materiellen Voraussetzungen der Durchführung einer Zwangsbehandlung. Auch das Verfahrensrecht des FamFG enthält keinerlei Vorschriften über die formellen Eingriffsvoraussetzungen. Damit fehlt dem Betreuungsgericht jegliche Befugnis zur Genehmigung einer Zwangsbehandlungsmaßnahme.
    Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts stellt die medizinische Zwangsbehandlung einen Eingriff dar, der nicht nur die körperliche Integrität der Betroffenen als solche, sondern in besonders intensiver Weise auch das geschützte Recht auf Selbstbestimmung berührt.

    Die Gabe von Neuroleptika gegen den natürlichen Willen der Betroffenen stellt einen besonders schweren Grundrechtseingriff dar.

    Das Bundesverfassungsgericht weist in der oben genannten Entscheidung ausdrücklich darauf hin, dass auch die Einwilligung des für einen einsichts- und einwilligungsunfähigen Untergebrachten bestellten Betreuers der Maßnahme nicht den Eingriffscharakter nimmt, der darin liegt, dass sie gegen den natürlichen Willen der Betroffenen erfolgt.

    Im vorliegend vom Amtsgericht Ludwigsburg entschiedenen FAll verweigert die Betroffene seit ihrer Aufnahme in die psychiatrische Abteilung des Klinikums L. jegliche Medikamenteneinnahme. Zwar ist die Betroffene krankheitsbedingt nicht einsichtsfähig und ihre Weigerung, die Medikamente einzunehmen, ist daher nicht das Ergebnis einer freien Willensbildung.

    Das Bundesverfassungsgericht weist jedoch ausdrücklich darauf hin, dass die Gabe von Neuroleptika gegen den natürlichen Willen des Patienten einen besonders schweren Grundrechtseingriff darstellt, unabhängig davon, ob die Betroffene einwilligungsfähig ist. Sobald feststeht, dass sie sich mit natürlichem Willen gegen die Gabe von Neuroleptika wendet, stellt die Medikamentenabgabe gegen ihren Willen einen besonders schweren Grundrechtseingriff dar.

    Wie ausgeführt, kann dieser Grundrechtseingriff nur dann erfolgen, wenn zuvor vom Gesetzgeber die formellen und materiellen Voraussetzungen in einer klaren und bestimmten gesetzlichen Regelung niedergelegt wurden. Daran fehlt es im Bereich des Betreuungsrechts, so dass das Betreuungsgericht die beabsichtigte Zwangsmedikation nicht genehmigen konnte.

    Dabei übersieht das Gericht nicht die Entscheidung des Bundesgerichtshofs vom 1. Februar 20062. Dort hatte der Bundesgerichtshof zwar, in Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts, die „Freiheit zur Krankheit“ betont, jedoch ausgeführt, dass nach dem Betreuungsrecht Zwangsbehandlungen nicht grundsätzlich verboten seien. § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB ermögliche die Zwangsbehandlung einwilligungsunfähiger Betroffener gegen deren natürlichen Willen während der stationären Unterbringung. Weiter ist der Bundesgerichtshof der Auffassung gewesen, dass dem Betreuungsrecht damit eine generelle Rechtsgrundlage dafür zu entnehmen sei, dass der Betreuer auch gegen den natürlichen Willen des Betreuten in eine medizinische Maßnahme einwilligen könne. § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB könne sinnvoll nur dahin ausgelegt werden, dass der Betreute die notwendigen medizinischen Maßnahmen, in die der Betreuer zu seinem Wohl eingewilligt habe und derentwegen der Betreute untergebracht werden durfte, unabhängig von seinem möglicherweise entgegenstehenden natürlichen Willen während der Unterbringung zu dulden habe. Aufgrund dieser Entscheidung hatte das Betreuungsgericht die Genehmigung zur Zwangsmedikation am 14. Januar 2011 erteilt.

    Diese Entscheidung des Bundesgerichtshofs war vom Bundesverfassungsgericht in dem oben zitierten Beschluss vom 23.03.2011 berücksichtigt worden. Nach Auffassung des Betreuungsgerichts kann der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs nach der nunmehr vorliegenden Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nicht mehr gefolgt werden.
    Da es bei der Zwangsmedikation um einen schwerwiegenden Grundrechtseingriff geht, kann die Möglichkeit der Zwangsmedikation nicht im Wege der verfassungskonformen Auslegung § 1906 Abs. 1 Nr. 2 BGB entnommen werden, sondern es bedarf einer klaren und bestimmten gesetzlichen Reglung, in der die materiellen und formellen Voraussetzungen der Zwangsbehandlung vom Gesetzgeber bestimmt werden.
    Da es daran mangelt, war der Antrag auf betreuungsgerichtliche Genehmigung der Zwangsmedikation zurückzuweisen.
    Amtsgericht Ludwigsburg, Beschluss vom 18. Mai 2011 – 8 XVII 257/2011

    BVerfG vom 23.03.2011 – 2 BVR 882/09↩
    BGH, NJW 2006, 1277 ff.↩

    Dies ist ein Artikel aus der Rechtslupe: [http://www.rechtslupe.de]
    URL des Artikels: http://www.rechtslupe.de/familienrec…ikation-338786

  8. Karsten Zühlke

    Sehr geehrter Herr Dr. Weinberger,

    Sehr geehrte Freunde und Förderer der Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V.,

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    seit der Überwindung meiner über 30 jährigen partiellen Amnesie im Zusammenhang mit meiner zwangsweisen Unterbringung als gerade 16 jähriger, pol. Gefangener (§213 StGB DDR) in dem weltweit als die Hölle von Ueckermünde bekannten „HEILKLINIKUM“, den heutigen AMEOS-Kliniken, befasse ich mich mehr oder weniger freiwillig mit dem pol. initiierten Missbrauch der Psychiatrie.
    Ich danke und beglückwünsche Sie zu ihrem „neuen“ Internetauftritt. Er ist in gewisser Weise ein Quantensprung und wird bereits rein optisch den ohnehin wertvollen Inhalt aufwerten.

    Bitte erlauben Sie mir, Ihnen meine persönliche Achtung und meinen Respekt zu erklären.

    Gleichzeitig erlaube ich mir die Hoffnung, dass sich noch weitere Fachleute konstruktiv in die –oftmals leider auch noch heute hochgradig ominösen- Geschehnisse konstruktiv einbringen.
    Mit freundlichen Grüßen

    Karsten Zühlke

  9. WInston Smith

    Sehr geehrte Damen und Herrn,

    Was sich am 13.2.2012 im Landtag Baden-Württemberg abgespielt hat, sollten Sie sich unbedingt zu Gemüte führen:

    http://www.youtube.com/watch?v=9vjnHK-5vIk

    MdL. Manfred Lucha – selbst Leiter eines sozialpsychiatrischen Dienstes hatte die von der CDU-Vorgängerregierung vorgenommenen Kürzungen der Zuschüsse für die SPDi’s wieder rückgängig gemacht.
    Mit seinem Einzug in den Landtag wurde die Landeskasse zum Selbstbedienungsladen für die Psycho-Branche. Zu der Anhörung im Landtag hatte Lucha all seine “Amigos” geladen, die sich dann auch höflich für den von Lucha angeordneten Geldsegen bedankten. Allerdings waren auch jede Menge Psychiatrie-Erfahrene, sowie der Rechtsanwalt Schneider-Addae-Mensah, der das wegweisende Urteil gegen psychiatrische Zwangsbehandlung vor dem Bundesverfassungsgericht erstritten hatte, anwesend. Diese Gruppe bot Lucha und seinen Leuten ordentlich Paroli.

    Auch im Sozialministerium von Baden-Württemberg spielt sich ähnliches ab. Hier sollt ein neues “Landespsychiatriegesetz” ausgearbeitet werden. Zu den Sitzungen eingeladen waren Vertreter all derjenigen, die an der Psychiatrie und ihrem Umfeld verdienen, also z.B. Vertreter von Psychiatrien, sozialpsychiatrischen Diensten, Psychologenverbände Diakone und Caritas usw. Mit anderen Worten: All diejenigen, die in diesem Umfeld verdienen, sollten für sich selbst ein maßgeschneidertes Gesetz machen dürfen. Die Liste der Teilnehmer habe ich übrigens hier…

    Mfg.

    Winston Smith

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