Aktuelles

In dieser Rubrik stehen meist kürzere Mitteilungen und Stellungnahmen zu aktuellen Ereig­nissen, die zwischen den früher meist halbjährlich, jetzt eher jährlich erscheinenden Rundbriefen an­fielen. Da diese Kurzmitteilungen vom Zeitablauf oft rasch überholt sind, werden sie nach kürzerer Zeit gewöhnlich von anderen abgelöst. Was von den aktuellen Ereignissen langfristig festgehalten zu wer­den verdient, wandert dann in den jeweils näch­sten Rundbrief. Meist berichten wir in dieser Rubrik mehr im allgemeinen Zusammenhang psychiatrischer Mißbräuche als etwa zu Einzelfällen. Die jüngsten Einträge werden jeweils rot markiert.

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GEP-Jahresversammlung in München am 7.5.2016

1. Begrüßung der Mitglieder und geladenen Gäste, dann Rechenschaftsbericht , dann Diskussion, danach kommen die GEP-Mitgliederversammlung, danach Sitzung im Biergarten.

Rechenschaftsbericht

Über fast 40 Jahre hat unsere GEP ihre ideellen Ziele gegen unendliche Widerstände treu verfolgt und dabei vielen Menschen geholfen. Auch das vergangene Jahr war gemischt erfolgreich.

  1. Aktivitäten

2.1  Umfänglich haben wir wieder informiert. Rundbriefe gab’s im Juni und im November 2015 (RB 1 und 2/15). Dazu laufen viele Informationen über unsere Webseite. Rund sechs Millionen KBytes monatlich werden von ihr aus aller Welt abgerufen, großenteils wohl von Psychiatern und entsprechenden Organisationen, vielleicht auch von Geheimdiensten. Wer machte sich sonst von Rio bis Reyk­­javik, London, Paris, Tel Aviv, Moskau, Peking, Sydney usf. die Mühe, die Texte her­unter­zuladen und, um sie zu verstehen, sie zu übersetzen?

2.2 Im Januar 2016 kam un­ser Thema – in der ARD, im ZDF konnten wir es über 40 Jahre (!) nicht zu Gehör bringen – im Interview auf RT Deutsch, dem russischen Staatssender,[1] dem eher linken, wie Putin selbst viel verlästerten. RT Deutsch hat aber seine angesehenen Fürsprecher. Willy Wim­mer etwa, unter Kohl Staatssekre­tär im Bundesverteidigungs­mi­nisterium, nennt ihn „das nö­­­­tige Korrektiv in der Zeit zweck­gerich­teter Mei­nungs­­mani­pulation“. Auch wenn psychiatrische Themen nicht Wim­mers Ding sind – das ist die Außen- und Verteidigungspolitik -, kommen, wie Sie sehen, bei rt pro­funde Stimmen zu Wort. Ich bin froh, daß ich un­sere Sache just bei RT vortragen konnte. Das Interview ist dort immer noch abrufbar.

2.3 Am 1.März konnte ich bei einem weiteren „alternativen“, auch nur übers Internet empfangbaren TV-Sender, bei Quer-den­ken.tv, zu unserem The­ma ein fast einstündiges In­terview mit Michael Vogt einbringen, einem eher rechten, vordem an der Universität Leipzig tätigen Honorarprofessor, Historiker, Filmemacher.[2]

Die Rechte, teilweise nazistisch-abwegig wie vordem, ist mit den Landtags­wah­len im März als AfD gemäßigt, ehrsam und vor allem standfest in die po­li­tische Land­schaft Deutschlands zurückgekehrt, vom Mainstream en bloc geschmäht, was nicht verwundert. Fordert der Neomarxismus, Freud-Marxismus, der mit der 68er Kul­tur­re­vo­lu­tion, aus Amerika kommend[3], diesen Hauptstrom ausmacht, mit Her­bert Mar­cuse[4] doch ausdrücklich „Intoleranz vor allem gegenüber den Konservativen und der po­litischen Rechten“ . Gegen die Gleich­schaltung der öffentlichen Meinung, die daraus folgte, regt sich inzwischen zunehmend Widerstand. Mit dem Mainstream ist sicher auch Wertvolles verbunden. Diskriminierungen we­­gen rassischem oder se­xu­el­lem Sosein gehen nicht mehr. Gegensätze in der Gesellschaft haben sich sonst dafür reichlich verschärft. Wir scheuern uns am Hauptstrom mehr aus fachlichen Grün­den. Von vielen wird er heute vor allem über den aktuellen amerikanisch angezettelten Krie­gen in der Welt und der durch sie ausgelösten Massenmigration hin­ter­fragt, werden aber alle Opponenten gegen ihn, linke wie rechte und aus wlchen Motiven auch immer Opponierende, schneidend her­un­ter­ge­macht. Ob unseres Widerstands ge­gen Miß­bräu­che in der amerikanisch-neu-links (oder doch eher großgeldig) „reformierten“ Seelenheilkunde wur­den auch wir immer strikter ausgegrenzt. Die Psychiater-Crème entzieht sich jeder Diskussion. Die eigentlich Rechten wiederum, die oft  „Ver­schwö­rungs­theorien“ angehängt bekommen, oft also selbst „psy­chia­tri­siert“ werden (s. „Paranoid Shift“ RB 1/04,5), interessierten sich für das Ge­schehen in den Seelen-Fä­chern herzlich wenig. Rühmliche Ausnahme jetzt Michael Vogt (s.o.). Wider­stand gegen Mißbräu­che der Psychiatrie zu therapiefer­nen Zwecken zu mobilisie­ren und von ihr und ihren politischen Implikationen ein über­par­teilich-wirk­lich­keits­ge­treu­es Bild zu vermitteln, war jedenfalls das Ziel meiner beiden „TV-Auf­tritte“, des „lin­ken“ wie des „rech­ten“.

2.4  Zuletzt kamen wir aber auch in einem „Hauptstrom-Me­di­um“ zu Wort. In einem kleinen Leserbrief sagte ich im Deutschen Ärzteblatt (DÄ 15/16) den Fach­vertretungen von Psychiatern und Psy­chologen beim aktuellen Migrationsthema, sie versuchten die Umsetzung rechtskräftiger Ur­teile auf Ab­schiebung von Mi­granten mit fragwürdigen Dia­gno­­sen zu behindern. In Gutachten führen sie mit Vorliebe die „Post­­trau­m­ati­sche Be­la­stungs­­­­­stö­rung“ (PTBS) auf, die nach dem im Februar vom Bundestag beschlossenen Asyl­pa­ket II, weil auch nach ICD-10: F 43.1 immer noch dehnbar genug, kein gen­erel­ler Ab­schie­be-Ver­hinde­rungs­grund mehr ist. Der Vorsitzende der Bundes­psy­chothera­peutenkammer häng­te dem Gesetzgeber darob eine „deutliche Vorein­ge­nommenheit gegen psychische Er­kran­kun­gen“ an. Mit Unterstellungen sind hochrangige Psychis oft bei der Hand. Und Iris Hauth, derzeit Vorsitzende der Psych­ia­ter-Fach­ge­sell­schaft DGPPN, be­haup­tete: „Die Diagnose von psychi­schen Erkrankungen ist heute genauso zu­verlässig wie die somatischer Krank­­­­hei­ten“, was in Teil­bereichen stimmt, ins­ge­samt aber eine Vortäuschung falscher Tat­­sachen ist.[5] Derartige Ohrfeigen – die Zuverlässigkeit ihrer Dia­gno­sen nahmen nicht zuletzt die Herren Leip­ziger, Kröber, Pfäfflin in Anspruch – hatten Sprecher ganzer heil­kund­licher Fächer im repräsentativen Organ der Ärzteschaft bisher noch nicht bezogen. Es macht fast ver­ges­sen, wie die Ärzteschaft die Flun­ke­reien ihrer „Psychis“ über vier Jahrzehnte deckte. Diese scheinen jetzt die Sache erneut aussitzen zu wollen.

2.5  Auch andere Mitglieder publizierten: Herr Discher zeigte in seinem Buch Die Stimmen der Übriggebliebenen, wie zäh die Verhältnisse in der Psychiatrie das Ende der DDR überlebten, sie in der BRD den dortigen ähneln. Erhellend besonders, wie just „sozialpsychiatrische“ Anbrütung“ üble Psychiatrisierungen fördert. Eine Pfarrerin sah sich da gehalten, einen rat­su­chenden jungen Mann in seiner homosexuellen Adoleszentenkrise flott in die Psychiatrie zu verfrachten.

3.) Nochmals zu den Fällen, die uns in letzter Zeit beschäftigten

3.1  Herr Herr­mann, der sein Geschäft in der Schweiz neu etablieren konnte (RB 1/10, 4.4, RB 2/10, 4.1), sah von den gerichtlich ihm zugesprochenen (gutachtlich von uns beförderten) Entschädigungen nichts. Seinen Fall und den anderer Mißbrauchsopfer be­leuchtete der SWR (Thomas Diehl) im November 2015 noch­mals in der Sen­dung „In der Gutachtenfalle“, main­stream-typisch ihn verkürzend, d.h. die polit-diagnostischen Umstellungen im Fach seit ’68 und andere weitere  poli­ti­sche Fak­toren in ihm, aus­klam­mernd. Die Sendung berührte auch den Fall Mollath. Hier waren ihre Verfälschungen noch grober.[6]

Herr Schmen­ger und seine drei Frankfurter Steuer­fahnder-Kolleg/inn/en (RB 1/11,3.3) lösten ihre Sache selbst. Sie haben am Psycho-System nie grundsätzliche Zweifel geäußert und hielten von uns so eher Distanz. Sie verfolgen ihre Entschädigung und damit basta.

Frau Kuwalewsky (RB 1/14,4) setzt sich weiter für den Eltern entzogene Kinder ein – ob immer geschickt, weiß ich nicht. Sie fand eine Zeit lang viel Auf­merksamkeit bei Funk und Fernsehen. Von unserem Vorstand, unserer Gesellschaft zog sie sich im Zwist mit anderen zurück.

3.2  Sie aber, Herr Mollath, sind wieder hier und verstärken so unseren Kampf für eine „ordentliche Psychiatrie, keine Scharlatanerie“, wie Sie es im letzten Mai bei der Kund­gebung des Justiz-Opfer e.V. auf dem Münchner Marienplatz aus­drückten. Sie sollen nach meinem Referat ausführlich noch zu Wort kommen. Einige Fragen habe ich bei Ihrer letztendlichen Entzweiung mit Strate aber gleich vorweg: Wann wurde Ihnen Ihre tiefe Diskrepanz mit ihm erst­mals klar? Mein lege artis erstelltes Gutachten publizierte Strate gar zusammen mit anderen Prozeßunterlagen, blendete es bei Gericht aber von vornherein aus und bereitete so Nedopil schon den Boden. Vergeigte er vielleicht damit schon Ihre Verteidigung, bis er zu­letzt noch gegen Sie ausfällig wurde? Wie beurteilen Sie sein anfänglich doch beachtliches Engage­ment für Sie?

Zu meiner Begutachtung 2011 wie auch der sie ebnenden, vorausgegangenen Begutachtung Herrmanns wäre es nicht gekom­men, hätte es, liebe Mitglieder,

SANYO DIGITAL CAMERA  keine GEP gegeben. Gutachtlich gegen sog. Spitzenvertreter des Faches, gegen hie einen Prof. Möller, da einen Prof. Pfäfflin, laut bayerischer Ex-Justizministerin Merk „crème de la crème“, an­zutreten, ist keine Klei­­­nigkeit für einen „Provinz“-Nervenarzt, den einzigen (!) im ganzen deutschen Vaterland, der solches unternahm, solches unternehmen konnte, weil er die GEP im Rücken hatte. Da war zwar vorprogrammiert, daß er verrissen wür­de, mochte seine Expertise sachlich noch so untadelig sein.[7] Herr Braun, Ihr treuer F’reund und Kamerad, und der Nürn­berger Un­terstützerkreis waren jetzt aber munitioniert und konnten da­mit weiter Druck machen. Tat­sächlich setz­te Herr Kas­pe­ro­­witsch im Ok­to­ber 2011, auf mein Gutachten gestützt, dann seinen zünden­den Ar­ti­kel in die Nürn­ber­ger Nach­­­richten, worauf die Kam­­­pagne be­gann, an deren Ende Sie – Herr Dieckhöfer legte publizistisch noch­mals nach – am 6. August 2013 freikamen.

Der Bayreuther Vollstreckungsrichter Kahler tat meine zu­letzt auch vom Bundesverfassungsgericht gewürdigte Expertise (2BvR 371/ 12) 2011 als „sarkastische Paro­die eines Gutachtens“ ab[8] und viele taten’s ihm gleich – von Frau Merk bis zu etlichen Ihrer Nürnberger „Unterstützer“, vom Psychologen Sponsel bis zum Hochstapler Postel, zur Spiegel-Schrei­be­rin Lakotta, zur OSTAin a.D. Wolff, ja letztlich bis zu den Verfahrensbeteiligten am Regensburger Landgericht mit­­samt Ihrem Star­ver­tei­diger Strate. Auch auf Herrn Dieck­­höfer gingen ob seiner Kenn­zeich­nung der Falsch-Achter Leipziger bis Pfäfflin ähnliche Herabwürdigungen der Mi­ni­ste­rin Merk nieder. Viele halfen direkt und indirekt dem Regensburger Landgericht, Ihnen Ihr prozessuales Recht auf Anhörung entlasten­der Zeugen zu neh­men und Sie den hergeholten, an E. Kretschmers „sensitiven Beziehungswahn“ anlehnenden Konstruktionen Ne­do­pil­s auszuliefern. In der Herde von uns „Gut-Gut­ach­tern“ abrüc­kend, folgten viele gläubig dem Alt-Maoi­sten, jetzt be­ken­nen­den 68er Strate mit seinen CIA-Man­­­schet­ten­­knöp­­fen[9] (RB2/15,3.4) und trugen so wohl zu dem absurden Ausgang des Prozesses bei, der Ihnen, dem siebeneinhalb Jah­re lang psychiatrisch Gedemütigten, Gequälten, den Makel der Gewalt­tä­tig­keit und der Gei­stesstörung nochmals aufbrummte. Ja, es passierte auch, daß Sie, Herr Mollath, der Aufforderung der Richterin Escher, den Hergang der Auseinandersetzung mit der Frau am 12.8.2001 darzulegen, nicht nachkamen. Hätte da Ihr Anwalt nicht intervenieren müssen?

Inwieweit das von RA Kleine-Cossack erwirkte Urteil des BVerG vom 26.8. 2013 zu Ihrer Freilassung drei Wochen vorher am 6.8.2013 beitrug, ist mir nicht recht klar. An den Begründungen, mit denen das Bundesverfassungsgericht sein Urteil unter­mauerte, u.a. seinen wiederholten Hinweisen auf mein für Sie sprechendes Gutachten, gingen die Verfahrensbeteiligten im dann folgenden WAV in Regensburg allesamt hinweg. Mir stößt da­zu immer noch ein Schrei­ben Strates vom 31.7.2014 auf, in dem er Ihnen erklär­te, Nedopil sei „in seinem Gutachten zum Ergebnis ge­kommen, daß … eine … Minderung der Schuld­­fä­higkeit … 2001– 2005 nicht gegeben ist“ , weshalb das Gericht „die Anhörung weiterer psy­ch­ia­trischer Gutachter ableh­nen wird“. Nedopil sagte aber das genaue Gegenteil! Versuchte Strate da Ihnen Sand in die Augen zu streuen? Nota bene: Wurde der Neomarxismus um ’68 hierzulande Staats­raison,[10] so gilt unseren 68ern die Psychiatrie-Re­form von 1975 mit all ihren Folgen doch als ihr Mei­sterstück, das sie unter allen Umständen vor Kritik zu bewahren suchen. Woll­te Ihnen Strate deshalb[11]weitere psy­chia­tri­sche Gut­achter“, nämlich Dieckhöfer und mich, ausreden, gleichgültig, was es Sie kostete? Viele, auch Herr Schlötte­rer in seinem neuen Taschen­buch Wahn und Willkür, sehen in dem Regensburger WAV einen Coup, mit dem „das Establishment“ für das konzertierte Agieren seiner Ak­teu­re gegen Sie den Schein der Recht­mäßigkeit wieder herzustellen suchte. War auch Ihr Verteidiger Strate ein Mitspieler? Bei vielen nährte das „System“ mit diesem Prozeß freilich nur neue Zweifel. Das kam vielleicht im März auch in den Wahl­er­geb­nissen zum Ausdruck. Daß Strate in „sei­nem“ Buch DER FALL MOLLATH mich, den nim­­mer­müden, kom­­peten­ten Kritiker des „Psychosystems“ madig mach­te und sich als Jurist selbst zu dessen Kritiker aufwarf, dabei sich in antipsychiatrischem Unfug, zuletzt der Abschaffung des § 63 StGB verlor, ent­spricht der Chuzpe, mit der unsere 68er seit Jahrzehnten, auch von der CSU gedeckt, die gesellschaft­li­chen Realitäten auf den Kopf stellten. In der Diskussion werden Sie, Herr Mollath, dazu sicher noch einiges sagen. (Mollaths Antwort am Ende dieses Berichts – unter 5).

3.3  Gewiß sinken die von mir erneut jetzt aufgegriffenen Fälle bald in die Vergangenheit und damit ins Vergessen ab. Und nichts wird sich am System des Psychiatrie-Mißbrauchs ge­ändert haben, wenn es demnächst neue Opfer fordert. Über dieses System des Mißbrauchs gingen die Politik, die Justiz und die Medien auch in Ihrem Fall elegant hinweg und werden es weiterhin tun. Auf viele weitere und ganz unterschiedliche Fälle sollte ich jetzt noch eingehen. Da­mit würde ich freilich meine Zeit hier heillos überziehen. Für Psychiatrieopfer setzen sich auch andere ein, für Frau Hasl­bauer (RB 1/14,2), die nach siebenjähriger Internierung im Sommer 2014 freikam, die Pop-Künstlerin Nina Hagen, die uns un­sere Freud-Kritik verargt und deshalb meidet.

3.4  Mißbrauch von Psychiatrie und Psychotherapie

Seit 40 Jahren spüren wir über Hilfeleistung in Einzelfällen hinaus – das hebt unseren Einsatz von dem anderer ab – dem sie tragenden „System“ nach. Und just diese Systemkritik ist’s offensichtlich, derentwegen wir vom „Establishment“ der Kollegen, Juristen, Medi­en, Politi­ker ausgegrenzt und angefeindet wurden und werden. Oft hieß es, wir wollten uns doch nur aufzu­spielen. So kam uns vor Jahren schon in ihrem Buch POLITISCH MISSBRAUCHT? Frau Süß, die, von Joachim Gauck gestützt, damit unsere Kritik am Psychiatrie-Miß­brauch der DDR herunterriß. Mächtige jeglicher Couleur stützen die Miß­brauchs­­­psych­iatrie und machen ihre Kritiker nie­der. Gar unter dem Schein ärztlicher Für­­sorge können sie so doch Unbot­­mä­ßige erledigen. Das war schon zu Zeiten von Baey­ers so. Wir stehen da quasi in einem vierzigjährigen Kalten Krieg gegen dieses „System“. Von den Bedingungen real vorkommender Psycho-Mißbräuche wollen ja selbst die oft nichts mehr wissen, die sie am eigenen Leib erfuhren oder ihnen knapp nur ent­kommen sind, was auch verständlich ist. Wer denkt schon an Schlimmes gern zurück?

3.5  Viele wenden sich um Hilfe an uns, oft viel zu viele, um ihnen gerecht zu werden, alle natürlich, solange sie Hilfe suchen, höflich. Da­nach sieht’s oft anders aus. Wir können gewiß nicht allen Hilfesuchen­den hel­­fen, teils weil sie wirklich krank sind und auch wir ihnen das Gegenteil nicht at­te­stieren können oder weil die Interessensschwerpunkte doch auseinander­gehen oder weil die Persönlich­keits­strukturen länger­fri­stige Zu­sam­menarbeit nicht erlauben oder ganz einfach, weil wir gegen die Übermacht des Systems nicht aufkommen und bei ausbleibenden Erfolgen sich dann nicht selten Enttäuschung oder gar wilde Aggres­sionen gegen uns richten (Fall R. H., Fall P. K.). Die Arbeit, die uns gerade solche Menschen machen, mußten wir über die Jahre tragen. Die hier notwen­dige Prüfung ist ein wesentlicher Grund, warum Fachkompetenz in unserem Vorstand unerläßlich ist.

3.6  Mag sein, daß andere „unsere Sache“ tatsächlich besser machen. Auch wir sind vor Irrtum ja nicht gefeit. An­fang März bekam ich Post vom Zürcher Anwalt Schönenberger vom Schwei­zer Verein PSYCH­EX, der sich, ähnlich wie wir auch seit 40 Jahren mit großem Engagement gegen Entrechtungen mittels Psychiatrie ein­setzt. Er hat auch einen Kommentar auf unsere Webseite gestellt, hat seine Positionen in einer  „Fundamentalkritik der Zwangspsychiatrie“ (21 Sei­ten) niedergelegt. Einige davon unterschreibe ich glatt. Manches aber ist m.E. antipsychiatrisch überzogen, was den Kampf gegen Psy­ch­ia­trie­­miß­bräuche konter­karie­rt.

Das Netzwerk Psychiatrie München e.V. aber stellten wir in RB 1/15,5.1 schon vor – als eine Tarn- und Zuträgerfirma des Establishments, u.a. der mißbrauchs­verstrickten bayerischen Bezirke, finanziert u.a. vom CSU-regierten Be­zirk Ober­bayern. Erst vor wenigen Tagen, am 3.5.16, trat der Verein, d.h. für ihn der Psycho­analytiker Thorwart in der Münchner Seidlvilla mit der Veranstaltung „Macht und Machtmissbrauch in der Psychotherapie“ auf. Uns wäre es ja recht, wenn andere in unserer Richtung wirkten. Tat­sächlich versucht das Netzwerk aber mit mäch­tiger Unterstützung unter „unseren“ Titeln eher ab­zulenken und irrezuführen, Freudsche Schwindelwissenschaft auf­­zupolieren und die Umsätze der Psycho-Industrie zu steigern. Herr Schlagmann konterte da. Er wird als Psychotherapeut dazu noch einiges vortragen.

  1. Der 68er Einbruch in die Ärzteschaft

Um zu zeigen, mit welcher Durchtrieben­­heit und Hartnäckigkeit die Verkrümmung des Psy­ch­iatrie-System vom Establ­ish­ment der Alt-Par­teien und der Medien verfolgt worden ist, muß ich mitunter weit zurückgreifen. Ich kann mich da auf selbst Erlebtes stüt­zen.

4.1   Ich hatte 1970 meine Weiterbildung zum Nervenarzt abgeschlossen, konnte mich nieder­lassen, war damit von keiner Admi­ni­stra­tion, keinem Chefarzt mehr ab­hän­gig. Es war just die Zeit der 68er angebrochen. Es lief gerade die sog. Psych­iatrie-En­quête der Bun­des­regierung, die von der eta­blierten Politik, den Medien unterstützte Pla­nung einer Psy­ch­­iatrie-Re­form. Ich erkannte rasch, daß da eine dubiose Sy­­stem-Verände­rung ablief und griff zur Feder. Die Ärz­te­ver­tre­tung, sog. Ärz­te­schaft, war damals, Anfang der 70er, noch wert-kon­ser­va­tiv orientiert, nicht so grün-rot wie heute, so daß ich in ihrem Organ, dem wö­chent­­lich allen Ärzten zu­­ge­hen­den Deut­­­schen Ärz­te­blatt noch gedruckt wurde. Ich war damals dort der mit Ab­stand meistgedruckte Psychiatrie-Autor. Als 1974 mit der En­quête die Reform des Fachs zur Be­hand­lung auf dem Deutschen Ärz­te­tag, im Ärzte-Par­lament quasi, anstand, wurde so auch ich noch zum Vortrag ge­la­­den. Auf diesem Ärztetag in Ber­lin brach Deutscher Ärztetag 1974just nach meinem Re­ferat die 68er Ärzte-APO in das Ärzte­parla­ment ein, ließ laut­stark die Versammlung plat­zen und verhinderte so eine nähere Diskussion des Psycho-The­mas, verhinderte sie gemäß Herbert Marcuses Direktive (Fn 4) letztlich bis heute! Ihren „Halb-Götter-in-Weiß-Nim­bus“ wie auch die hier­ar­chi­schen Strukturen der Medizin wollten die orga­nisierten Ärzte-Re­vo­luz­­zer nicht ändern. Sie wollten sie nur vom Wert-Konser­va­tiven hin­­über zur Be­stär­kung neu-lin­ker, freud-mar­xistischer Po­si­tionen ziehen.

Das damals medial  schon verbreitete Grün-Gefühl im Land zog so auch in die Ärzterepräsentanz, Ärzte­schaft, ein mit wie selbst­ver­ständ­lich jetzt ak­zep­tierter, bald nicht mehr diskutabler Abtrei­bung, Leug­nung so­wjeti­scher Psych­ia­trie­miß­bräu­che, För­derung von Psy­cho-Pseu­do­wis­sen­schaft, voran der Psychoana­lyse, bald auch des gender-main­strea­mings bis hin zur heute mit­tels CRSPR-/Cas9-Me­thode mög­­­lich ge­wor­de­nen (in England in An­sätzen bereits aufgenom­me­nen) Men­­schen-nach-Maß-Ma­che, der Voll­en­dung von Hux­leys Schöner neuer Welt, laut DÄ 3/16 „Preis des Fort­schritts“. Seien wir uns bewußt: Die reformierte Psychiatrie einschließlich ihrer Mißbräuche wurde langfristig geplant und ist letztendlich Teil einer schleichend aufkommenden One-World-Diktatur.

Nach besagtem Ärztetags-Plenum, vor dem ich, bevor der Tumult losbrach, ge­rade noch den 68er Spielplan der „Psycho-Reform“ kritisch hatte vor­stellen können, fand eine in­terne Sit­zung der dort mit mir zu Wort ge­kommenen Fachreferenten[12] statt. Als ich deren Ex­tra-Ta­gungs­raum be­trat, fiel der seltsamerweise mit an­wesende Wis­sen­­schafts­­redakteur der FAZ Rainer Flöhl über mich her und entrüstete sich, was mir eingefallen wäre, einen Re­formplan, über den doch „al­les“ längst einig sei, zu hin­terfragen. Die Referate im Plenum hat­te der Welt offensichtlich nur eine durch „de­mokra­ti­sche Willensbildung“ zustande gekommene Zustimmung der Ärzte zur Systemsprengung , die höheren Orts längst be­schlos­sene Sache war, vorgaukeln sollen. An­statt vom Ärz­te­tag zu be­rich­ten, erlaubte sich der FAZ-Mann Flöhl, ein Chemiker, einen ge­la­de­nen Fachre­fe­renten zu be­leh­ren und die Leser seiner „Zei­tung für Deutsch­land“ zu täuschen. Just mit dem Thema Psy­ch­ia­trie hat die FAZ in Deutschland die Ära der Lügenpresse[13], der „zweckgerichteten Meinungsmanipulation“ (2.2) eröffnet. Auf diese und ähnliche Weisen[14] kippte auch  die Vertretung der Ärzte ins amerikanisch-freud-marxistische Fahrwasser. Jahrzehntelang brachte ich im erwähnten Deutschen Ärzteblatt nicht den kleinsten Leser­brief mehr un­ter. Kürzlich erschien, wie erwähnt, erstmals wieder einer. Der macht freilich noch keine Wende aus.

4.2   Geldgeber aus Amerika

In etwa gleichzeitig mit meinem Widerstand gegen die geschilderte 68er Übernahme der Medizin, also Anfang der 70er, nahmen wir den damals bekannt gewordenen Psychiatrie-Mißbrauch in der Sowjetunion aufs Korn. Er erschien damals als deren Spezifikum. Wir verbanden uns 1980 dazu mit „ähnlich“ engagierten Gruppen in anderen Ländern zu IAPUP. Zu ihr stieß bald ein junger Holländer, J. Bax, alias R. van Voren (RB 1/11,2.5), der gute Ver­bindung nach Amerika hatte, rasch für IAPUP viel amerikanisches Geld auftrieb (RB 1/15, Fn 9) und so größeren Einfluß in ihr gewann, bis die Grup­pe – wir nahmen 1991 un­­seren Hut – unter dem neuen Namen GLOBAL INI­TIATIVE ON PSYCHIATRY, abgekürzt GIP, ganz auf amerikanisch-neu-linke, de facto großgeldige Psychiatriereform ab­fuhr. „GIP startete“, schreibt der jetzige „Chief Executive“ Bax (van Voren), „als Menschen­­rechts­or­ganisation mit dem Ziel, die Internierung von Dissi­denten in psy­chia­tri­schen Krankenhäusern zu beenden“. Bald darauf gab er, im Deutschen Ärzteblatt nachgedruckt, die Pa­role aus: „DDR – No systematic abuse“ (RB2/98,2). Wir merkten an dem anfangs durchaus geschätz­ten Kon­takt, wie die ganze 68er Kulturrevolution doch ein ame­­rikanisch ausgehaltenes, wenn nicht amerikanisch an­ge­scho­benes UN-Un­ter­fan­gen[15] war, eingebettet in sie die Reform-Psych­iatrie mitsamt letztlich auch der Leipziger-Krö­­ber-Pfäff­linschen Gut- oder Schlechtachten. Ich be­leuchte die alte IAPUP-Ge­schichte, um auch an ihr zu zeigen, welches Falschspiel das Estabblishment just auf dem „Psycho-Feld“ abzog, um so sei­nem offensichtlichen Ziel, einer schön-neu-welt­lichen One-World-Diktatur, näher zu kommen.

Das geht bis zum Bildungs­­plan 2015 in Baden-Würt­tem­ber­g zur Sexualerziehung, den die neue grün-schwarze Koalition jetzt weiter verfolgt. Sanft schwingen da Wilhelm Reichs Psychoanalyse und Trotzkis „neuer Sowjet­mensch“ herein.[16] Ihm ihre Kinder zu entziehen haben Eltern kein Recht mehr. Erziehung ist, wie schon gehabt und verfassungsgerichtlich jetzt abgesegnet (1BvR 436/03), Staatsangelegenheit. Sie erkennen  den ideologischen wie real-poli­ti­schen Hin­tergrund auch der verbreiteten Sorgerechts­entziehungen, derentwegen ja einige von Ihnen heute hier bei uns sind. Sie sehen, wieso und wie solch neue Menschen-Ver­bil­dungs­pläne  wie bei der Psychiatrie-Reform von allen etablierten Parteien am Grund­gesetz (Art 6!) vorbei beschlossen und still und leise, aber un­erbittlich umgesetzt werden. Eine entscheidende Rolle spielen auch hier­bei die neuen Psycho-Diagnosen, die doch aus gott-gleichen Hö­hen, etwa der (pharma-industrie-finanzierten) WHO her kommen und deshalb – sagen zumindest die Präsident/inn/en der Psychiater-Fachge­sell­schaft und der Bundespsychotherapeutenkammer – so zuverlässig sind. Immer penetranter wirft sich die politische Klasse nicht zuletzt mittels Psychiatrie und Psychologie über das Volk auf.

4.3  Amerikanisch ge­sponserte NGOs der Facon GIP warf Putin mehrfach inzwischen aus seinem Land, u.a. die „psycho-aktive“ Sciento­logy. In Rußland gelten, erstaunlich genug, wieder ethische, z.B. Familien-Wer­te! Es könnte gar die erste und eigentliche Ursache für die neue Feindschaft des Westens sein. Si­cher nicht verfrüht war, daß ich im Nachtrag zu meinem In­ter­view bei RT Deutsch GIPs Hintergründe auf­zeigte. Passend dazu das Wort des (von uns selten zitierten) US-Se­na­tors John McCain: „Wir (Amerikaner) sponsern in Rußland und auch außerhalb seiner Grenzen Personen mit äußerst zweifelhaftem Ruf und abscheu­lichen Beschä­fti­gun­gen, die die USA nur diskreditieren…  Rußland macht genau das, was es für nötig hält… und macht aus uns dabei Idioten…“ Hinter den Hux­ley- und Or­well­schen Zu­kunfts­ent­würfen, west­­li­ch totalitären Herr­­schafts­kon­zep­ten, steht wohl nicht „der Westen“ ins­­gesamt, stehen aber offensichtlich doch mächtige Sy­steme im System. Auch wenn Ärzte, die sich allen Systemen anpassen, mit­un­ter gar deren Schand­­taten anführen und sich so zu deren Idioten machen: Es gibt immer noch andere, die sich ihnen widersetzen.

4.4  Ärzte und Politik

Mit-Ursache ist: Politik war und ist bei den Ärzten unbeliebt. Das ist teilweise verständlich. Im Pa­tienten-In­teresse sollen, müssen Ärzte zu­sam­­menar­beiten. Weil über Politik die Geister leicht ausein­ander­gehen, wird die politische Mei­nungs­bil­dung unter ihnen von der Ärzte­ver­wal­tung kurz ge­hal­ten. Bei Wahlen zu den Ärztekammern etc. bekam ich in den 35 Jahren meiner Pra­xis­tä­tig­keit in Starn­­berg alle paar Jahre zwei Wahl­­li­sten vor­gelegt. We­der auf der einen noch der an­de­ren noch sonstwo er­fuhr ich, für was die Kol­legen, die da ge­wählt werden wollten, eigentlich stehen. So kam und kommt es zu Prä­si­denten der Ärzte­schaft, die eher vorgescho­ben als ge­wählt wor­­­­­den sind. Die ärztliche Basis in­ter­­es­siert politisch meist nur, daß die Kasse stimmt. Auf diese Weise sind die Ärzte seiner­zeit in den Nazismus getappt, die Berufsgruppe mit dem höchsten An­teil damals an Nazis. Die öfters konstatierte „Gleichschaltung der Berufsverbände[17]  hat heute die Nervenärzte mit als erste erfaßt. Ist im Land jetzt politische Bewegung aufgekommen, zweifle ich, daß davon bei den Ärzten viel ankommen wird.

4.5 Im Interview am 15.1.2016 bei RT Deutsch wies ich darauf, wie mit dem DSM der Amerikaner, dem Diagnostical and Statistical Manual of Mental Disorders und der im Psycho-Kapitel davon abgekupferten ICD (In­ter­na­tio­nal Classi­fication of Diseases der Charakter des Fachs geändert wurde. Der „alte“ Vor-Reform-Psy­chiater sah den Men­­­­­schen als Ganzes, registrierte dazu Sym­ptome, ihr erstes Auf­­treten, ihren Verlauf, ihre Begleiterscheinungen, erwog andere evt. in Frage kommende Diagnosen und stellte seine Diagnose dann quasi als Bilanz seines Gesamteindrucks, seiner Einzelbefunde und Erwägungen. Heute muß der Diagnostiker schauen, ob die festgestellten Symptome auch in besagte Listen passen, ob sie im Detail deren Vorgaben entsprechen, ob weiter geforderte Symptome zumin­dest andeutungs­­weise auffindbar sind usf. Er wird zum Tüf­teln, mitunter gar zum (Hin-) Biegen an­gehalten, wird erzogen, nicht mehr den Ge­samtein­druck eines Men­schen, „den Wald“ quasi, zu erfassen, sich vielmehr an einzelne Symptome, „ein­zelne Bäu­me“, zu halten und darauf zu achten, daß und wie sie in vorgegebene Muster passen.[18] Sie sehen gerade am Fall Mollath, aber auch den anderen vorgestellten Mißbrauchsfällen, wie leicht sich mit der ICD, dem DSM diagnostisch fehlgehen, ja flunkern läßt, ja wie die ganze angeblich erhöhte Treffsicherheit der neuen DSM- und ICD-Diagnostik eine plumpe Augenwischerei war und ist. Dazu hat die Psychiatrie-Reform von 1975 das Fach und sei­ne Praxis vielfäl­tig dubiosen staatlichen Direktiven ausge­liefert, was kritisch zu diskutieren fachintern seit Jahrzehnten nicht mehr möglich ist. Politisch ist erst recht kein Rühren daran. Das alles gehört zum  „System“ des Psychiatriemißbrauchs!

Nun sind gerade an den großen, schweren psychischen Erkrankungen, etwa den Psy­chosen, so typische Symptome, daß sie nach „alter“ wie „reformierter“ Psychiatrie treffend festgestellt werden können. Problematisch, vieldeutig  sind eher die „leichten“ Fälle, die sich jetzt so leicht verbösern lassen. Meine Ausführungen in o.g. In­ter­views, in denen ich auf den pseudowissenschaftlichen Freudschen Boden des amerikanischen Diagnose-Ma­nuals als Mo­dell der ICD aufmerksam machte, werden aus aller Welt von un­serer Webseite abgerufen. Reaktionen können letztendlich nicht ausblieben. Ich zweifle insbesondere, ob sich die russischen Psychiater auf Dauer der ICD-, de facto amerikanischen Diagnostik auf Dauer beugen werden.

4.6  Offene Zukunft

Mit den Landtagswahlen im März ist der politische „Hauptstrom“ etwas aus dem Tritt ge­raten. Zweifel, wie wir sie an der amerikanischen Diagno­stik erheben, begegnen angesichts blutiger Kriege heute dem Westen, voran seiner Führungsmacht Amerika insgesamt. In vielen euro­päi­schen Ländern er­fah­ren neue, dem Hauptstrom grund­sätzlich widersprechende Parteien zunehmende Un­ter­stüt­zung. Die 68er Revolte, die Psychiatrie-Reform, die Massenzuwanderung u.a. kamen ja nicht als Naturereignis über uns. Sie wurden von „oben“ staatlich und über Deckorganisationen, NGOs, organisiert und finanziert, letztere z.B. über eine IOM mit über einer Mil­liarde Euros (seit 2010), was im Internet auch offen ausgedruckt steht. Kann­te jemand IOM vorher?  Von vielem, was da läuft, erhaschen wir nur ab und zu wie zufällig einmal einen kleinen Einblick. Ungeheuerliches wird uns da oft ganz beiläufig, dann auch  als „alternativlos“ und als unabänderlich, vor allem als Fortschritt angepriesen, so wie uns die „Re­form“ des Fachs zum perfektionierten sozialen Kontrollinstrument von  Presse, halb- oder ganz staatlichen Agenturen (bis hin zum Weltverband für Psychiatrie und zur GIP des Herrn Bax) verkauft wurde.

Gemäß unserer Satzung halten wir parteipolitische Neutralität. Wie andere Gruppen dürfen wir aber prüfen, wo im Spektrum der Parteien für uns Anknüpfungspunkte sind. Bei den Parteien der sog. schwarz-rot-gelb-grünen „Mitte“ war das Thema Psy­chia­trie­miß­brauch über 40 Jahre tabu. Erstmals war es in „Putins Staatssender“ öffentlich ansprechbar. Heute (7.Mai 2016)  soll es bei „Querdenken.TV“ herauskommen.

In seiner Biographie[19] schrieb Walter Ritter von Baeyer, unser Mitgründer und langjähriger Ehrenpräsident (1904 -1987), wie er am En­de seiner Tätigkeit als Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Heidel­berg von der politischen Radikalisierung des Faches in Gestalt des just hier aufgebrochenen Sozialistischen Patientenkollektivs überrollt wurde – es wurde bekanntlich zur Keimzelle des RAF-Terrors. So wie ich den Umbruch beim Deutschen Ärztetag 1974 erlebte (4.1), ereilte auch ihn eine vordem im Fach noch nicht da­gewe­sene Feindseligkeit der Kollegen. Die Radikalität der 68er (Fn 4) schlug damals auf das Fach voll durch und hält sich hier teilweise bis heute. Den tiefen Entfremdungen wird am ehesten durch Zu-Wort-Kom­men unterschiedlicher Meinungen in der Fachpresse zu begegnen sein, ähnlich vielleicht dem Auseinander­klaffen der Be­­völ­kerung durch „Wort-Gewäh­rung“ in den allgemeinen Medien. Wir haben jedenfalls allen Grund weiter auszusprechen und zu tun, was rechtens und notwendig ist. Und die Allgemeinheit läßt sich auch nicht den Mund verbieten.

  1. In der anschließenden Diskussion brachten wichtige Ergänzungen Frau Rödel sowie die Herren Dieckhöfer, Mollath, Walter, Schaar­schmidt und
    Klaus Schlagmann. Dieser beleuchtete horrende Geschehnisse in der Psychoanalyse und deren Auswirkungen auf Mensch und Gesellschaft.
    Gudrun  Rödel berichtete zum geistig behinderten Ulvi Kulac, ihm hänge, obwohl er im Mai 2014 vom Mord an Peggy Knobloch freigesprochen wurde, die ebenso unbewiesene Vergewaltigung des Mädchens, das angebliche Motiv für den „Mord“, dadurch weiter an, daß sie  im  WAV einfach ausgeklammert wurde. So stellte jetzt RA Saschenbrecker Antrag auf ein erneutes WAV, dazu erst einmal Antrag auf Einsicht in die Fall- und Spurenakten, die durch das LG Bayreuth aber bis heute verweigert wurde, so dass er das OLG Bamberg angehen mußte. Es stelle sich für sie die Frage, was hier vertuscht werden soll, zumal auch hinsichtlich der verschwundenen Peggy weitere Ermittlungen eingestellt wurden.

    Gustl Mollath antwortete auf die Frage nach dem Beginn seiner Entfremdung von Dr. Strate, dieser sei, so großen Einsatz er vordem tatsächlich leistete, seit etwa der Jahreswende 2013 auf  ’14 zunehmend auf Distanz zu ihm gegangen. Wiederholt habe er hier die Verteidigung schon hinwerfen wollen. Er selbst habe natürlich an ihm festhalten wollen, festhalten müssen. Wie wäre ihm denn ein erneuter Anwaltwechsel ausgelegt worden, vorausgesetzt, er hätte überhaupt einen gefunden, einen bezahlbaren? Von Anfang an habe er eine Zeugenanhörung von Prof. Dieckhöfer und von mir gewünscht, vor allem von ersterem, einem  gestandenen Professor der Psychiatrie. Strate aber habe sie von Anfang an entschieden abgelehnt. Noch kurz vor Prozeßbeginn habe er ihn zusammen mit Braun u.a. deshalb in seiner Kanzlei in Hamburg aufgesucht. Er, so Mollath, habe sich während des ganzen Verfahrens von seinem Verteidiger allein gelassen gefühlt.

Endnoten:

[1] In Rußland, von wo in den 1960 bis 80ern Psychiatriemißbräuche gemeldet wurden, ist man jetzt, etwa im vormals berüchtig­ten Serbski-Institut mit Psychiatrisierungen äußerst zu­rück­haltend – vgl. den Fall des Selbstbeschädigungen nicht scheuenden „Aktionskünstlers“ Pjotr Pawlenski.

[2] Was Vogt politisch sonst vertritt, berührte das Interview nicht.

[3]  und breit heute dort mit neolibs und neocons in Einklang. So ähnlich sehen es jetzt auch andere, etwa Hauke Ritz bei RT Deutsch: Die Logik des Kalten Krieges, Teil 6: Neoliberalismus – eine komplexe Verbindung aus Kultur und Ideologie.

[4] Wolff R.P., B. Moore und H. Marcuse, Kritik der reinen Toleranz, Suhrkamp, 1967.

[5] Richter beklagen derweil, daß sie jetzt „für den Papierkorb“ arbeiteten (R. Seegmüller, Face­book 25.3.16).

[6]  Auf den Fall machte mich ursprünglich,anerkannt sei’s,- ein Vertreter von Scientology aufmerksam.

[7] Kürzlich erst wurde ich von einem saarländischen Gericht zur Begutachtung einer Probandin bestellt. Ihr konnte ich aus langjähriger Betreuung, also Rechtlosigkeit, heraus zu ihrer heiß erhofften und erkämpften Rechtsfähig­keit verhelfen. Auch das geschah im Sinn der GEP. Es gibt noch gewissenhaft prüfende Richter im Land.

[8] Das Bundesverfassungsgericht rügte mit o.g. Beschluß vom  26.8.2013 unter Verweis auf mein Gutachten die Vorinstanzen, das OLG Bamberg und den Bayreuther Richter Kahler, die 2011 Ihre Internierung rechtswidrig fortsetzten, „da eine zu­rei­chende Auseinandersetzung mit dem… Gutach­ten des Dr. Weinberger vom 29. April 2011 … nicht erfolgt“ sei (RB 1/13,6). Herr Stephany setzte im März eine breite Darlegung auch der psychiatrischen Abläufe in den juristischen Beck-Blog, der bis März noch die Mollath-Debatte fortsetzte.

[9] Dip.Med. W. Meißner machte mich auf die entsprechende Mitteilung von Deutschlandradio aufmerksam.

[10] Albrecht  C. & G. Behrmann, Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik – Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule, 3. Auf. 2007

[11]  Oder sollte darauf sein neuer geldiger Klient Maschmeyer gedrungen haben, veranlaßt von dessen neuem Geschäftspartner, dem Psychiater Prof. Holsboer (RB 1/15,4.3)?

[12]  der Ordinarien Erhardt, Hippius, Kulenkampff, Lauter und weiterer staatshöriger Reform-En­thu­siasten

[13]  Ein Beispiel von „Lügenpresse“ gab auch die TV-Sendung Beck­manns zum Fall Mollath im Herbst 2013 ab (RB 1/15,3.79, in der an seiner und der Seite Strates u.a. die Psych­iaterin-Psychoanalytikerin Dr. Ziegert saß. Wie das Gros der Kollegen hatte sie für Mollath seinerzeit keinen kleinen Finger ge­rührt. Freudsche Pseudowissenschaft und de­ren Anhänger/innen aber bauen unsere GEZ-Medien bei allen passenden wie unpassenden Gelegenheiten auf. Kri­tiker ignorieren sie. Ziegert trug durch­aus Wichtiges vor, so et­wa, daß bayerische Richter Gut­achter oft nach Gu­sto auswählten und damit nicht selten das Ergebnis der Exper­tisen präjudizierten. Nur die an Mollath begange­nen psychiatri­schen Fehl­praktiken berührte Ziegert nicht. Geschickt spielte sie den Ball vom psy­ch­ia­trischen Tor weg ins juristische Feld zurück. Dies nur ein Beispiel, wie die 68er Psychiatrie, eigentliches Agens der Mollath angetanen Übergriffe versteckt wurde und wird –  s. auch 2.2.

[14]  Richtiges und Falsches vermischten in Sachen Psychiatrie gezielt auch andere namhafte Zeitungen, be­sonders  die SÜDDEUTSCHE, diese erst kürzlich (25.2.16) erneut mit dem Beitrag „Psychiatrie: Entwertung hinter verschlossenen Türen“. So wie sie seinerzeit ihren Lesern von der 68er Reform des Fachs sozialpsychiatrische Märchen erzählte, eine rosige Zukunft versprach. Ähnlich jetzt ihr „Plädoy­er für eine offene Psychiatrie“. Was Klinikern blüht, wenn etwa ein verwirrter Patient entweicht und zu Schaden, vielleicht zu Tode kommt, das fragen ihre Schrei­berlinge, diesmal gar ein Lehrstuhlinhaber (!), nicht. Daß bei all dem (falsch-)humani­tären Gedöns „in den letzten zwanzig Jahren die An­zahl der Zwang­s­ein­wei­sun­gen in Deutschland um zwei Drit­tel gestiegen“ ist, räumen sie noch ein, verschweigen nur, daß dies alles eine  Folge der von ihnen vorangetriebenen und bejubelten 68er Reform ist.

[15] Mitte April ging wieder die Meldung „von WHO und Weltbank“ durch die Presse, „jeder zehnte Mensch weltweit leide an Depressionen oder starken Angstzuständen.“ Seit Jahrzehnten kommen solche Zahlen, oft auch noch wesentlich höhere, Oft sind es 30 Prozent. Gut zu wissen, daß die Pharmaindustrie die WHO aushält. Kürzlich meldete SWR 3, wie das auch Salär des Berner Psychiatrie-Ordinarius von Big Pharma bezahlt wird.

[16] BGH-Richter  Thomas Fischer verbreitet in der ZEIT seit langem seine allwöchentliche Rechts­kolumne, am 23.12. u.a. Folgendes: „… Manche kennt der Kolumnist noch von früher: Da bestimmten sie in der Wohnküche maoistischer Glaubenswohngemeinschaften, wer mit wem Sex haben dürfe und wer ‚Selbstkritik’ wegen Chauvinismus zu leisten habe, samt Kü­chendienst…

[17] L. Witzani, Putsch der Zivilgesellschaft, Junge Freiheit 18/16.

[18] Selbst Prof. Holsboer, System-Psychiater par excellence (Fn11), fand: „Wenn jemand fünf von neun Kriterien innerhalb eines Katalogs (eben der ICD, des DSM) erfüllt, hat er die Krankheit, sind es nur vier, hat er  sie nicht. So was Blödes“ (vgl. RB 1/11, Fn2)

[19]  Pongratz: L.J., Psychiatrie  in Selbstdarstellungen, Huber, Bern, 1977

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Anfang der 1970er Jahre – die deutsche Ärzteschaft war damals weithin noch wert-konser­va­tiv orientiert – war der Autor des folgenden Leserbriefs, Dr. Weinberger, der mit Abstand meistge­druck­­te Autor zu psychiatrischen Themen des Deutschen Ärzteblatts, das allen Ärzten des Landes allwöchent­lich zugeht. Dort brachte er dann lange Zeit nicht den kleinsten Leserbrief mehr unter. Dankbar re­gi­striert er, daß die „Zeitschrift der Ärzteschaft“ eine solche Zuschrift am 15.4.16 wieder ver­öf­fent­l­ichte. Darin geht es weniger um die aktuelle Zuwanderungs- und Asylpro­ble­matik selbst als um die viel beschworene diagnostische Zuverlässigkeit der „neuen (reformierten) Psychiatrie“.

Asylpaket II: Verantwortungsethik beachten

Dtsch Arztebl 2016; 113(15): A-724 / B-611 / C-603

Die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber scheitert nicht selten aus medizinischen Gründen (DÄ 11/2016: „Gesundheitsbedingte Abschiebungshindernisse: Asylpaket II schafft höhere Hürden“ von Petra Bühring und Heike Korzilius).

Hierzu F. Weinberger:

Um Abschiebungen von abgelehnten Asylbewerbern zu verhindern, bemühen einige Gutach­ter, Psychiater, Psychologen seit langem vor allem die „Posttraumatische Belastungsstörung“ (PTBS). Und die Sprecherin der Psychiater-Fachgesellschaft DGPPN, Dr. Hauth, behauptet: „Die Diagnose von psychischen Erkrankungen ist heute genauso zuverlässig wie die soma­tischer Krankheiten.“ Das trifft in Teilbereichen zu, ist insgesamt aber eine Vorgaukelung falscher Tatsachen. Dass die psychiatrische Diagnostik „heute“ sicherer sei als früher, dazu verweisen viele Fachvertreter gern auf die ICD und das amerikanische DSM, die freilich auch nur eine diagnostische Konvention sind, gewiss eine breiter aufgestellte, als es früher etwa die „Würzburger Diagnosen-Tabelle“ von 1931 war. Dabei ist die Diagnose jener PTBS auch nach ICD und DSM immer noch dehnbar genug. Nicht von ungefähr erkennt der Ge­setz­geber sie als generellen Abschiebe-Verhinderungsgrund nicht mehr an – auf die Gefahr hin, vom Prä­sidenten der Bundespsychotherapeutenkammer eine „deutliche Vorein­ge­nommenheit gegen psychische Erkrankungen“ angehängt zu bekommen.

Wenn bei der Migrations- und Asylproblematik mit großen Teilen der Bevölkerung auch viele Ärzte in „Gesinnungsethik“ aufgehen, so sollte die „Verantwortungsethik“ nicht ganz aus dem Blick geraten. Nach Max Weber gebietet sie, „das Ganze“, unter anderem die Langzeit­folgen, zu beachten.

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F. Weinberger

Interview am 15.1.2016 bei RT Deutsch zum Psychiatriemißbrauch

(dazu erst das Video, folgend dann die schriftliche Textvorlage. Der zweite Teil des Manuskripts nachträglich eingefügt, weiter dann Ausschnitte der bei RT Deutsch eingegangenen Kommentare, die selbst wieder kommentiert werden.

Seit 40 Jahren versuche ich mit Mitstreitern in der „Ge­sell­schaft für Ethik in der Psych­ia­trie“ (GEP) Mißbräuchen des Fachs zu wehren. Gerade in jün­gerer Zeit sind dazu meh­rere auf­se­henerregende Fälle bekannt ge­worden. Teilweise hatte unsere Arbeit auch Erfolg:

Dem Ge­schäfts­­mann Eberhart Hermann hat 1994 der damalige Münch­ner Psychiatrieordi­nari­us Prof. Möller, ohne ihn untersucht zu haben, mit einem haltlosen Attest die Exi­stenz un­ter den Füßen weg­ge­zogen. Mit Müh und Not konnte Herrmann sich und seinen Waren­be­stand in die Schweiz retten und dort sein Geschäft neu aufbauen. Im Februar 2010 obsiegte er mit seinen Schmer­­zens­geld- und Scha­dens­er­satzforderungen beim Oberlandesgericht Mün­­chen, wozu auch un­sere Gut­ach­ten[1] beitru­gen. Die Münchner Medien berichteten – knapp. Die Ver­nich­­tung beruflicher Exi­sten­zen durch fal­sche Psycho-Gutachten trifft mitunter auch Psy­chiater-innen selbst.[2]

Weithin bekannt geworden ist der Fall Gustl Mollath. 2006 wur­de er ins Ir­ren­­haus gesteckt und siebeneinhalb Jahre lang dort festgehalten, offensichtlich weil er über große Geld­ver­schie­­­­bungen nicht sprechen soll­te. Ihm angelastete Tät­lich­keiten ge­gen sei­ne Frau, eine Ban­kerin, Geldverschieberin, waren nie be­wiesen worden. 2011 befand ich den Inter­nierten in ei­nem Fachgutachten als gesund und un­ge­fähr­lich. Der Vollstreckungsrichter verwarf es. Mollath mußte weiter brummen. Es ent­stand jetzt aber öffent­li­che Em­pö­rung, sodaß er im Au­gust 2013 wieder frei­kam. Das gan­ze Land lern­te ihn in der Fol­­ge am Fernsehen als mit persön­licher Note „normal tickend“ ken­nen. Den­noch drück­­­­te ihm ein baye­­­ri­sches Gericht im Wie­der­aufnahme­ver­fah­ren im August 2014 auf ein neu bei­­gezogenes, frag­wür­di­ges, fast lachhaftes Gutachten hin er­neut den Makel einer Geistes­stö­rung auf.

Kürzlich, im November brachte VOX eine umfängliche Sen­dung zum Fall Andrea Kuwa­lew­­sky. Der Frau war von einer Psychologin eine „Persönlichkeitsstö­­rung“¸ eigentlich nur der Ver­­­­dacht auf eine solche, ange­hängt wor­den. Mit dieser Begründung aber wur­den ihr ihre vier Kin­der ent­zo­gen und zu deren argem Leid in ein Kin­­der­heim ge­steckt. Ge­stützt auch auf ein Ge­gen­gutachten von mir und auf weitere Helfer konn­te die Frau ihre Kinder im August 2014 glücklich wieder nach Hau­se holen.

Im bekannten Fall der vier Frankfurter Steuerfahnder um Rudolf Schmenger fiel im De­zem­ber ein knackiges Urteil. Die vier hatten jah­re­lang er­folgreich ge­gen Steuerhin­ter­zieher er­mittelt, hat­ten dem Staat Mil­lionen an Rück­zah­lun­gen ein­­­­­­­­ge­bracht, den Finanz­instituten zahl­reiche Straf­ver­fahren. Politisch unerwünscht, hatten sie so am Fi­nanz­platz Frankfurt die ge­wohn­­­­ten Ge­schäfts­ab­läufe ge­stört. Im Auf­trag der Finanzver­waltung wur­den sie darob 2006 psych­ia­trisch be­gut­achtet, vom Gutachter Dr. Holzmann für para­noid befunden und zwangs­pen­sio­niert, so als habe alle vier mit einem Schlag die gleiche Gei­stes­krank­heit be­fallen. Die ge­wieften Beamten ver­standen sich weh­ren. Im Dezem­ber wur­de der Gut­achter jetzt ver­ur­teilt, ihnen ins­ge­samt 226.000 Euro Scha­­dens­er­satz zu zah­len. Und für das Land Hessen könnte die Sache noch teu­rer wer­­den.

Über diese und ähnliche Skandale berichteten die Medien, wenn überhaupt, so, als han­dele es sich doch nur um Einzelfälle, seien es auch vier auf einmal. In unserer GEP er­fuhren wir in den letzten 40 Jahren von vie­len ähnlichen Fällen und viele blieben ge­wiß ver­bor­gen. Re­form­­be­dürftiges im Justiz-System wurde jetzt über dem Fall Mol­lath er­kannt, im Novem­ber darüber der „Maß­regel­paragraph“ § 63 StGB refor­miert. An das Sy­stem Psy­chia­trie[3] aber rührte nie­mand. Das heißt, 1975 gab es, von Ame­ri­ka aus­ge­hend und auch medial lebhaft begleitet, mit einer En­quête der Bun­des­re­gie­rung, von ihr geleitet, durch­aus eine Psy­chiatrie­re­form. Nur hat diese das Fach zu Miß­­­bräu­chen, wie sie jetzt abliefen, erst rich­tig auf­gepeppt

Psychiatrie gibt’s seit 200 Jahren. Dabei gibt es seit langem zwei kri­tisch ein­ander ge­gen­­überste­hende Richtungen, die „klassische“, me­dizin-üblich „bio­logisch“ ori­en­tierte Psy­­­chia­trie und die mehr „psy­cho­lo­gisch“ seelisches Leid aus widri­gen Erlebnissen ableitende. Als ihr Kopf gilt Freud. 1970 brach­te die WHO eine der „klas­si­schen“ Psychiater-Mehr­heit ent­sprechende Dia­gno­sen­liste her­aus, die In­ter­na­tio­nal Classi­fication of Diseases (ICD), um damit die Psych­iater welt­weit auf eine ge­mein­same Spra­che festzulegen. 10 Jahre später, 1980, aber brach die ameri­ka­ni­sche Fachge­sellschaft APA mit einer eigenen Diagno­sen­liste, dem DSM, aus der WHO-Ge­mein­sam­keit aus. Seit langem auf Freud fixiert, der vielen Psy­chia­tern sonst als wis­sen­schaft­lich nicht so zuver­lässig galt, hielt die APA doch strikt, wenn auch mitunter kaschiert, an ihm fest. Sie ver­mehrte dazu die Zahl psych­iatrischer Dia­gno­sen. Zu Be­ginn meiner Berufs­tätig­keit gab es da­von 20, jetzt sind’s über 300![4] Und auch mit der Umbe­nen­nung alter Dia­gnosen gab APA deren In­­hal­ten – wer die Begriffe prägt, prägt ge­sell­schaftliche Wirklichkeit – unter neuen Namen eine neue Bedeutung. Eine arge Groß­zügig­keit, ja Schludrigkeit rissen in die Psycho-Fächer, Psych­iatrie und Psy­cho­logie, ein.

Wäh­rend etwa die bis­her so genannten „Psycho­pa­thien“ (Kurt Schnei­der, RB 1/15, Fn 16) le­diglich akzentuierte Charaktereigen­schaf­ten markierten, be­zeichnen sie jetzt un­ter dem neu­en Na­men „Per­sön­lich­keits­­störung“  klar seelische Krank­heiten. Wenn Per­sön­lich­keits­stö­run­gen von Gut­achtern bei Ge­richt Be­trof­fe­nen an­gehängt wer­den, haben sie jetzt für sie oft schlim­me Fol­gen. Und die neuen Dia­gnosen wer­den be­son­ders in fa­mi­lien­recht­­­­li­chen Ver­­­fah­ren häu­fig vergeben. All­ein­ste­henden El­tern­teilen etwa werden just unter die­ser neu­en „Kran­k­heits­­dia­gno­se“ häufig ihre Kin­der ent­zo­gen (s.o.). Ich habe als Gut­­ach­­ter meh­rere sol­cher Fälle kennen­ge­lernt. Auch Ex-Bundes­mini­ster Blüm weist in seinem Buch EIN­SPRUCH auf die so bewirk­te „Verwü­stung des Rechts“, spe­ziell des Fa­mi­lienrechts hin.

Unter der Hand aber zwang die APA mit dem DSM ihre Vorstellungen den Psy­ch­ia­tern der Welt in er­presse­ri­scher Wei­se auf. Wer in US-Fach­zeit­schrif­­ten pub­li­zie­ren woll­te – das wa­ren nun einmal die prestige­träch­tigsten, einfluß­reich­sten -, der mußte ihre Begriffe mit den ent­spre­­­­chen­den DSM-Codes be­nützen und damit ihren Positionen hul­digen. Das DSM wie die ICD kom­men alle paar Jahre bis Jahr­zehnte mit neuen Ver­sionen her­aus – die Zahl der Dia­gnosen steigt dadurch weiter -, wobei die WHO jetzt ihre ICD dem DSM anpaßt, sie den Ame­rikanern quasi nach­hinkt.[5] Von An­fang an wirk­te im Übrigen po­li­tischer Druck. Die Bun­desregierung, die eta­blier­ten Par­tei­en drückten mit ihrer Psy­ch­ia­trie-Enquête von 1975 ganz nach heutiger GroKo-Manier die neu­en Vor­lagen, de facto ame­­ri­ka­nisch-Freud­sche, viel­fach noch als realitätsfern ausgewiesene Kon­­­­zepte der deut­­schen See­len­heil­kunde auf. So be­stimm­en im Grund jetzt die APA, nach ihrer Selbstbeschreibung „Stimme und Gewissen der mo­dernen Psych­iatrie“, genauer ein Klün­gel aus­ge­wähl­ter „Wis­­sen­­schafts-Oli­gar­chen“ just aus dem Land, in dem sich da­mals selbst die spek­ta­ku­lär­sten Psy­cho-Skan­dale abspielten, wer bei uns fort­an als ge­stört, als krank, als ver­rückt gelten und da­mit recht­los ge­stellt, wie Schmen­­­ger zwangs­relegiert oder wie Mol­lath auf Jahre weg­ge­sperrt wer­den kann.

Wie diese Fälle jetzt hierzulande, bewegten jene Skandale seinerzeit die Be­völ­kerung der USA, 1982 etwa der Fall Osher­off, der die ange­se­hene Freu­dia­ner-Klinik Chest­­nut Lodge in Mary­land Strafzah­lungen von meh­reren hun­dert­tau­send Dol­lar ko­stete, 1983 der Skandal um den (vor­mals) „reputierten“ Freu­dia­ner-Arzt John Rosen, der wegen Ge­walt­tätigkeit gegen Pa­tien­t/inn/en dann seine Lizenz ver­lor, in den 1980er und 90er Jahren, fast bis zur Gegen­wart reichend, die „re­co­vered memory“-Bewegung, die, von frühen Posit­ionen Freuds aus­ge­hend, vieler Men­schen Leben rui­nier­te.[6] Gleichwohl gelang es der APA just in dieser Zeit mit ihrem DSM eine Art amerika­ni­schen Psy­cho-Im­pe­ria­lis­mus zu etablieren.

Die deutschen Psychiater spielten mit. Und die mainstream-Medien schwie­gen oder griffen allenfalls uns fach-intern übrig gebliebene Kri­tiker an. „Schwei­­gekartell“ vom Übelsten auf dem Psycho-Gebiet schon ab den 1970ern! Gut, daß es heute RT Deutsch gibt!

Das Folgende aus dem vorbereiteten Konzept anzusprechen, reichte die Zeit der In­terview-Aufnahme nicht. Da unsere Publikationen aus aller Welt von der GEP-Website abge­rufen werden, könnte das aber die Wie­dergabe des Konzepts hier ausgleichen.

Kurz einige Worte – wir sind hier doch bei einem russischen Staats­sen­der – zu Rußland[7]: Freud spiel­te dort in den vor- wie den ersten nachrevolutionären Jahren unter Trotzki / Lew Bron­­­stein, dem „Kriegskommissar“, dem „Schlächter der Kronstädter Matrosen“, ebenfalls eine her­ausragende Rolle. Der Mensch werde, so verkündeten seine Freudianer – ihre ex­al­tier­ten Töne begegneten uns bei unseren 68ern wieder – „un­ver­gleich­lich viel stärker, klüger und feiner; sein Körper wird harmonischer, seine Bewe­gungen wer­den rhyth­mischer und sei­ne Stimme wird musika­lischer werden. […] Der durch­schnitt­li­che Menschen­typ wird sich bis zum Ni­veau von Aristo­teles, Goethe und Marx erheben…“ Die Be­gei­ste­rung ließ aber bald nach[8], wohl weil sich der von Freud abge­leitete, von Trotzki ge­pushte „neue So­wjet­mensch“ rasch als Luft­nummer erwies. Ruß­land blieb stark und ist nach großer Krise, wenn ich’s recht se­he, durch die Ko-Existenz der ange­stamm­ten gei­sti­gen Kräfte und Wer­te in ihm, des ortho­doxen Chri­sten­tums auch in dessen sä­ku­larer Form als Sozia­lis­mus, alt ver­­wurzelten Pa­trio­tis­mus und wieder entdeckter Marktwirt­schaft, wie­der er­starkt. Vom ame­­ri­ka­ni­schen Neo-Mar­xis­mus, der mehr mit Freud und Trotz­ki als mit Marx zu tun hat und we­sentlich über die Psy­cho-Fä­cher die Auf­lösung tra­dierter Werte im We­sten be­sorgte, blieb Ruß­land jetzt ver­schont, wohl gefeit.

Von Psychiatriemißbräuchen wurde in den 1960er bis 80er Jahren häufig aus der So­wjet­uni­on Chrusch­tschows, dann Breschnews be­richtet. Nach der Wende erfuhren wir von solchen auch aus der Ex-DDR, wovon freilich abgewiegelt wurde, nicht zuletzt von Joachim Gauck. Der ein­zige Welt­politiker, der sich von diesen Fehl­prak­tiken öf­fentlich di­stan­zierte, war Michail Gor­­ba­tschow in sei­nem Buch AL­LES ZU SEI­NER ZEIT – MEIN LE­BEN (RB 1/13,2.9). In Deutsch­land, das ihm wie nie­­­­mandem sonst die Wieder­ver­eini­gung des Landes ver­dankt, kümmert das die wenig­sten. Schweigend nimmt man hin, wie ihn der Westen täuschte, wie entgegen heiliger Verspre­chen die NATO nach Osten vorrückte. Verständlich, daß  die Russen Gorbatschow sein Vetrauen auf diese mündliche Zusicherung heute verargen (Nachtrag 1.5. 2016 anläßlich der Ankündigung der Bundesregierung einer Truppenverlegung ins Baltikum). Für seine außer­­ge­wöhnliche moralische Lei­stung, dem Auf­zeigen schandbarer Miß­bräuche der Heil­kunde, hat Gorba­tschow nirgends Dank und Aner­­kennung er­fah­ren. Sei­en sie ihm von deutscher, von psychia­tri­scher Seite hier wenigstens abge­stattet.

Ein Wort an dieser Stelle noch zu den real-politischen Hintergrün­den des damals inter­na­tio­nalen Widerstands gegen die sowjetischen Praktiken. Unsere Vereinigung, Teil da­mals einer aus „ähnlichen“ Gruppierun­gen in ver­schie­denen Ländern beste­hen­den Asso­zia­tion, der IAPUP, war an ihm voll beteiligt. Mit der Zeit merkten wir jedoch, daß diese ande­ren Grup­­­pen auch von uns abweichende Ziele verfolg­ten und ihnen trübes Geld zuging. In die­sem Kreis, der dann ganz auf (amerikanisch-freud-marxistische) „Reform“ umschwenkte, hör­ten wir 1991, daß die Smith-Richard­­­son-Foun­da­tion, eine der Haupt-Geldquellen – unsere deut­sche Ver­­eini­gung war of­fen­sicht­­lich die ein­zige, die sich über die Jahre al­lein aus Mit­glieds­beiträgen nähr­te -, das Wort „Psy­chia­triemiß­brauch“ nicht mehr hören wolle. Laut Wikipedia un­ter­stützt die Foun­dation vor allem kon­ser­vative US-Po­l­itik! Wir ver­ließen IAPUP[9] rasch. Außer von uns war der sowjeti­sche Psycho-Miß­brauch hier­zulande nur von der FAZ ver­merkt worden. Jetzt aber – die Sowjetunion war 1991 in Auf­lösung, das Hauptziel der Geldgeber wohl er­reicht – tauch­­te be­sag­­tes Wort auch in der FAZ nie mehr auf, auch in Zusammenhang mit der DDR oder jetzt mit Mollath, Schmenger u.a. nie mehr. West­lichen Machthabern, die das Fach, wie sich bald zeigte, ähn­lich miß­brau­chen wie seinerzeit Chrusch­tschow[10] & Co., wollte wohl auch die FAZ das Spiel nicht verderben.

Das ist offen­sichtlich der Grund für den Mißbrauch der Heilkunde, daß Machthaber unter­schied­lich­ster Fär­bung auf unterschiedlichsten Ebenen sie allzu gern gebrauchen und wei­terhin ge­brauchen wol­len, um Oppositionelle, ggf. ganze Gruppen, ganze Lager,[11] die das Sy­stem hinter­fra­gen, zu „erle­di­gen“, sie in leichten Fällen etwa mit der Dia­gnose „Ver­schwö­rungstheoretiker“ zu diskreditieren, in „schwereren“, sie ganz aus dem Ver­kehr zu zie­hen, wo­bei sie ihre Hände noch in Unschuld waschen. Ärzte, Psy­cho­logen, „Sach­ver­ständige“ über­nehmen für sie die Drecksarbeit und versehen diese gar noch mit inter­na­tio­nal- „wissenschaftlichen“ Gütesiegeln. Im Fall Schmenger konnte der hessische Ge­­sund­heits­mini­ster Banzer sagen, das Holzmannsche Gutachten, das wohl auch sei­ne Staats­kasse dem­nächst noch einiges kosten wird, werde von DSM und ICD ge­deckt. So wäre, meinte er, alles in Ordnung.

Daß unseren Machthabern das Treiben in den Fällen Mollath, Schmen­ger u.a. miß­lang, heißt nicht, daß es ih­nen in vielen, wohl den mei­sten Fäl­len bisher nicht gelungen wäre. Über­all in der Psy­chia­trie und Psychologie, der Justiz und in an­deren Berufen finden sie Dienstbe­flis­sene, die ihnen an die Hand ge­hen. Daß die Medi­en mit­spielen, die viel be­schwo­re­ne „öf­fent­liche Kon­trolle“ nicht funk­tioniert, ist das Schlimmste. Psy­ch­iatrie ist Heilkunde ge­wiß, ist aber poli­tisch auch ein Macht­mittel ersten Ranges. Alternative Medien braucht es über RT hinaus hier be­sonders.

Nachdem sich die nationalen Bezüge zu Psychiatriemißbräuchen verändert, ja um­­gekehrt ha­ben – sie ereignen sich jetzt wohl eher im We­sten – und nachdem Rußland zu Beginn der So­wjet­zeit mit Freud selbst intensiv kon­­­­­frontiert war, ist zu hoffen, daß sich die russi­schen Psy­ch­ia­ter, im zeit­lichen Abstand jetzt unbefangen, mit den angeführten Problemen ein­gehender wieder be­fassen werden, nicht zuletzt wegen ihrer aktuel­len po­liti­schen Bedeutung. Daß „der Westen“ die Thematik einseitig in seiner Obhut hält, birgt zu viel Gefahr.

Im Grund berührt die in­zwischen 100 Jahre alte Auseinandersetzung um Freud[12] unsere GEP nur am Rand. Wir versuchen pri­mär kon­kreten Mißbräuchen des Fachs wie den an­fangs ange­führten zu wehren. Solche kommen lei­der un­ab­hängig von allen divergenten Lehr­mei­nun­­gen immer wieder vor. So beur­teilen wir die ver­­­schie­de­nen, oft konträren Rich­tungen der „Psy­cho-Fächer“ vor allem nach den Kri­terien:

  • Wie begegnen sie besagten, ihrem Heilauftrag zu­wider­lau­fenden Miß­bräu­chen? Und
  • Welche Erfolge haben sie konkret vor­zu­weisen?

Unter dicken Eisschichten nicht nur politischer Interessen, sondern auch professionellen Dün­kels war die Diskussion dieser Dinge innerhalb der Psychiater-, der Ärzte- und Psycho­lo­gen­schaft lange erstarrt. Nach­dem RT Deutsch sie in ihrer Dramatik jetzt in die all­ge­meine Öf­fent­lichkeit brachte, könnte es sein, daß sie auch bei Psychiatern und Psy­chologen wieder in Gang kommt. Dank dem Sender RT Deutsch, der das geschafft hätte.

Dr. med. Friedrich Weinberger, GEP

Endnoten:

[1] eines von Prof. Dr. Dr. K. Dieckhöfer, Bonn, eines von mir
[2] s. GEP-Rundbrief 1/15,3.5, der Fall Petra Kutschke
[3] Der Psychiater-Präsident Prof. Dr. W. Maier, Bonn, fand zum Fall Mollath nur, die Presse habe das Fach „zu Unrecht“ ange­schwärzt.
[4] Ältere Autoren schätzten die Zahl schizophrener auf 0,8% (J. Weitbrecht 1963), manisch-depressiver Er­kran­kung auf 0,6% der Bevölkerung (Th. Spoerri, 1970). Schon zur Zeit der Enquête bezeichnete u.a. die Bun­­des­re­gie­rung ein Drittel der Bevöl­kerung als psy­chisch krank und behandlungsbedürftig. Und uni­sono stießen die Medien ins gleiche Horn.
[5] Berger M., PSYCHISCHE ERKRANKUNGEN – Klinik und Therapie, Urban & Fischer 2004, S. 48 ff.
Faust V., PSYCHIATRIE, ein Lehrbuch für Klinik, Praxis und Beratung, Gustav Fischer, 1995, S. 17 ff.
[6] z.B. Crews F., Follies of the Wise, 2006, Wilcoks R. Mousetraps and the Moon (2000) – um nur zwei Beispiele von Quellen zu nen­nen. Von den erhellenden Büchern ist auf Deutsch nichts erschienen. Das deutsche Lesepublikum hält man dumm.
[7] In den rasch bei RT Deutsch eingegangenen Kommentaren zur Sendung wurde prompt auch nach den seiner­zeit in Rußland abgelaufenen Mißbräuchen gefragt.
[8] Etkind A., EROS DES UNMÖGLICHEN, Kiepenheuer, 1993
[9] Sie wechselte ihren Namen danach mehrfach, heißt jetzt Global Initiative on Psychiatry (GIP), hat als NGO Verbin­dun­gen nach, teils Filialen in Kaunas, Sofia, Kiew, Tbilisi und Duschanbe und treibt dort „Psychiatrie-Re­form“ (s.o.), ein anschauliches Beispiel, wie „moderne Psychiatrie“ (s.o.), die hierzulande schon als Schritt­macher der amerikanischen Kultur­revolution diente, jetzt kulturpolitisch von allen Seiten Rußland umzingelt.
[10] Daß er den Stalinismus überwandt, bleibt sein Verdienst.
[11] Für sie hat man den Begriff „Verschwörungstheoretiker“ parat, mit dem man sie ähnlich als paranoid, als geistes­gestört erledigt.
[12] Über die alte Psychoanalyse sei die neue längst hinausgewachsen, sagen die Freudianer u.a. in Deutschland jetzt. Hier wird derzeit das „Lehr­buch der Psychody­na­mik“ des kürz­lich ver­­stor­benen Deutsch-Grie­chen Stavros Mentzos von 2009 hochgelobt. Es be­sticht durch eine teilweise schlüssig erscheinende Aufarbei­tung aktuell ge­han­delter psycho­dyna­mi­scher Konzepte. Wie Freud spricht Mentzos von Erfolgen, bleibt nur ihren Nachweis schul­dig. Aber prin­zipiell bleiben wir allen Ansätzen gegenüber offen, die Leid zu mindern versprechen. Sie müssen nur die Versprechen halten und dürfen nicht neue Gefahren heraufbeschwören.

 

Etliche Kommentare gingen zu dem Interview bei RT Deutsch ein
(meist, wie blog-üblich, anonym oder unter Psedonymen, so u.a.).

 „Frank“ etwa dankte für die Aufklärung. „Von dieser Art von Psychatriemissbrauch wusste ich bisher noch nichts.

 „Schulz“ fragte, ob „sich denn Russland um die Aufarbeitung der eigenen Psychiatriege­schich­te bemüht“ habe. Er kannte den oben nachgetragenen Teil meines Redekonzepts noch nicht, in dem ich dazu u.a. die Stellungnahme Gorbatschows herausstellte. Hätte es nur eine sol­che „Auf­ar­beitung der eigenen Psychiatriegeschichte“ von einem namhaften Vertreter Deutschlands gegeben!

Schulz spielte weiter auf das Buch von Sonja Süß „Politisch mißbraucht?“ an, „das … zu dem Ergebnis kommt, dass es keinen systematischen Mißbrauch in der DDR gab“. Be­schö­nigend behaupteten das der sei­nerzeit­ige Bun­des­beauftragte Gauck mit seiner Zut­rägerin Süß, als „Organ der (deut­schen) Ärzte­schaft“ das Deut­sche Ärzteblatt (RB 1/97,3) und nicht zuletzt der Spre­cher der vor­maligen IAPUP J. Bax, alias R. van Voren (RB 2/98,2), der sich auch heute noch als (alleiniger) Vorkämpfer gegen diese Mißbräuche ausgibt (Fußnote 9). Gegen al­les offi­zielle Vertuschen brach­te unser GEP-Rundbrief 1/09 zu Psychiatrie-Mißbräuchen in der DDR um­fängliche Belege heraus. Das aber sollte der Re­daktion von RT Deutsch heute beson­de­re Anerkennung einbringen, daß sie die­se Dinge als erstes und bisher einziges Medium in Deutsch­land  vor ein breites allgemeines Publikum brachte im Wis­sen, daß ihr Gesprächs­part­ner sei­ner­zeit der schärfste Kritiker der sowjetischen und DDR-Psychiatrie­mißbräu­che war. RT Deutsch bewies mit der Sen­dung mehr unverstellte Meinungsfrei­heit und Souveränität, als unsere deutschen angeblich freien Mainstream-Me­dien sie über Jahrzehnte boten!

 Monika Brunschwiler schrieb aus der Schweiz: „Zürich soll die Hochburg solchen Miss­brauchs sein, TAUSENDE pro Jahr in Zürich alleine, pro Tag in den CH Städten ca. 3 Personen durch die Polizei missbräuchlich weggesperrt, schon seit Jahrzehnten in der Schweiz normal ….“ Mit den Vereinen, deren Adressen Brun­schwiler dazu angab (http://polizeierfahrungbrunschwiler.weebly.com/uploads/1/6/8/6/16868954/1991__beobachter_jahr_2006_bericht_betr.__zwangspsychiatrie_.pdf und oder www.psychex.ch oder auch www.zopph.ch), konnten wir nie nä­heren Kontakt herstellen. Insofern legen wir für ihre Mit­tei­lun­gen keine Hand ins Feuer. Aus dem eigenen Land wissen wir, wie viel übertriebene, ja un­sin­nige Kritik von manchen antipsychiatrischen Vereinen vorgetragen und diese gar von staat­li­chen Instanzen gepäppelt werden, just um damit angemessener, notwen­di­ger Kritik das Wasser abzugraben und das System Psychiatrie mitsamt eingebauter Miß­­brauchs­möglichkeiten zu erhalten, wenn darauf zurück­gegriffen werden soll (RB 1/15,5.1). Ein eindrückliches Bei­spiel für kontraproduktive Psycho-Pseudo-Kritik bietet die mächtige Antipsychiater-„Kir­­che“ Sciento­logy, deren bekannt dicke Polster kaum nur aus Auditing-Entgelt stammen. Über den Fall Brunschwiler berichtet näher (und u.E. objektiv) https://www.google.de/?gws_rd=ssl#q=Monika+Brunschwiler+z%C3%BCrich.

Margit Menter (s. auch RB 1/15,5.2) meinte: Wo man in Deutschland hinschaue, „hat man die Fassade eines Potemkinschen Dorfes vor sich. Auf dem Ortsschild steht ‚Demokratie’ und hinter der Dorffassade verbirgt sich eine amerikanisch gesteuerte Bananenrepublik.“ Die Psych­ia­trie mache da keine Ausnahme. „Vordergründig ein hoher medizinischer Versor­gungsstand und hinter den Kulissen …“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Weinberger

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Aktuelle Mitteilungen
1.) zur BGH-Entscheidung in Gustl Mollaths Sache
2.) zu Ulvi Kulac
3.) zu Rudolf Schmenger

1.) Zur Sache Gustl Mollaths wurde am 8.12.2015 die Entscheidung des BGH bekannt gemacht – am gleichen Tag, an dem der Film Mollath – Und plötzlich bist du verrückt im BR-Fernsehen gesendet, der Fall damit vielen Menschen im Land bildhaft vor Augen gestellt worden ist. Mit der BGH-Entscheidung wurde das Urteil des Landgerichts Regensburg vom 14. August 2014 rechtskräftig. Auch die Anwendung des § 63 StGB durch das LG Regenburg war laut BGH rechtsfehlerfrei.

In Zeitungen und Blogs, u.a. im Beck-Blog http://blog.beck.de/2015/12/09/fall-mollath-bgh-verwirft-revision wurde vieles dazu wieder publiziert. Umfassend und auf den Punkt kommend der Kommentar von RA Oliver Garcia, Mannheim, der vordem schon wiederholt das Verfahren gegen Mollath in profunden Beiträgen kommentiert hat, anzuklicken unter http://blog.delegibus.com/2015/12/14/mollath-am-bgh/.

Zum Psychiater Nedopil, auf dessen Äußerungen bei Gericht wesentlich dessen Entscheidung fußt, meint Garcia: „… Die gutachterlichen Äußerungen des Sachverständigen Nedopil liefen darauf hinaus, daß er weder positiv noch negativ etwas Brauchbares über den Geisteszustand des Angeklagten zum Zeitpunkt der angeblichen Tat hat feststellen können….“ Garcia zweifelt, „ob sich aus der von Nedopil in allerlei Formulierungsvarianten auf den Richtertisch ab­geladenen Nichtdiagnose genug Stoff für die Anwendung … von § 20 StGB ableiten ließ…“ und folgert: „Damit ist die Annahme der Wahnbedingtheit gerade des Körperverletzungsgeschehens völlig aus der Luft gegriffen.“

Wurden Mollath weder die Körperverletzung an seiner Ex-Frau noch eine Geistesstörung wirklich nachgewiesen, geriet gerade der versuchte Nachweis letzterer zur Farce, so blieb an dem Mann doch der Makel der Gewalttat und besagter Störung hängen. Und die Vertreter des Staats­we­sens, die an seiner siebeneinhalb-jährigen Wegsperrung im Irrenhaus mitgewirkt haben, Psy­chiater, Polizei- und Finanzbeamte, Staatsanwälte, Rich­ter, nicht zuletzt eine Justizministerin, blieben unbeschadet. Völlig der öffentlichen Aufmerksamkeit entzogen blieb der Psychiatrie­mißbrauch, der sich hier abspielte. So funktioniert die Macht.

Am Schluß seiner o.g. tiefschürfenden Abhandlung rät auch Garcia Herrn Mollath, jetzt Ruhe zu geben, u.a. weil er sonst „in der öffentlichen Wahrnehmung Sympathien verspielen könn­e. Irgend­wann muß auch mal gut sein.“ Das Problem, daß sich der BGH mit dem „’unechten Freispruch‘ gerade nicht befaßt hat“, werde hoffentlich bei den zu erwartenden nächsten ein­schlägigen Fällen gelöst werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch die auf den Rechtsstaat.

2.) Korrespondenz zu Ulvi Kulac

mit Gudrun Rödel, die den geistig behinderten, fast 14 Jahre lang zu Unrecht psychiatrisch internierten Ulvi mit viel Engagement, ja Herzblut betreut und ihm zur Freiheit (in seinem Rahmen) zurückverholfen hat. Ulvi lebt glücklich und zufrieden jetzt in einem betreuten Wohnheim.

Weinberger an Rödel am 8.12.2015

… Dieser Tage ging mir ein Video zu, das Herrn Postel bei Ihrer zu Ulvis Freilassung am 31.7.2015 abgehaltenen Veranstaltung in Bayreuth in Aktion zeigt. Ich weiß nicht, ob Sie realisieren, daß und wie Sie damit zum Fortbestand krummer Verhältnisse in der Psychiatrie, zur Belu­sti­gung zwar des Publikums, letztlich aber zur Zerstreuung ernsthaften Interesses der Allge­mein­heit für die im psycho-justiziellen Bereich sich abspielenden Schreck­nisse beigetragen und solides Bemühen um ihre Abstel­lung, Abstel­lung auch der Über­heblichkeiten der hier Beschäftigten entgegengewirkt haben. Dachten Sie wirklich, eine  „ordentliche Psychia­trie, keine Scharlatanerie“, so Gustl Mollath, voranzubringen, indem Sie dem bekannten, heute mit Mollaths Ex-Ver­tei­di­ger Strate verbundenen Hochstapler und Betrüger Postel die Bühne be­rei­te­ten? Ich kann mich nur wundern. Etwas Grundsätzliches noch, aber Sie wissen es selbst: Bei aller Kritik an gar empörenden Unzuläng­lich­kei­ten in besagten Bereichen darf nie außer Acht geraten, daß es Justiz wie Psychiatrie grundsätzlich braucht.

Rödel an Weinberger am 11.12.2015

… Postel hatten wir zu einem Zeitpunkt nach Bayreuth eingeladen, als eine Freilassung von Ulvi noch sehr in Frage stand. Wir mussten jede Plattform nutzen, um in die Öffentlichkeit zu kommen. Dass seine Person sehr umstritten ist, war uns sehr wohl bekannt. Er hat diese Lesung für Ulvi – ohne Honorar – abgehalten. Aber seine Darstellung (wie übrigens auch in der Sendung am Mittwoch), dass er über zwei Jahre mit als Gutachter gearbeitet und Fremd­wör­ter ver­wendet hat, die es weder in diesen noch in anderen Bereichen der Medizin gibt und dass keiner gemerkt hat, dass er nur ein kleiner Postbote ist, regt schon sehr zum Nachdenken an.

Ich habe in der Sache Ulvi die Arbeit von fünf verschiedenen, zum Teil gar habilitierten psy­ch­ia­trischen Gutach­tern – Nedopil, Kröber, Wenske, Blocher und Leipziger – kennengelernt; sie waren alle katastrophal, ja geradezu niederschmetternd. (Sie bestätigen die Aussage im TV-Bericht vom Dienstag zum Fall Mollath (BR 8.12.2015 Mollath – Und plötzlich bist du verrückt): Einer schreibt vom anderen ab!)

Nedopil und Kröber haben die geistige Behinderung von Ulvi völlig außer Acht gelassen. Ulvi hat ihnen teilweise regelrechte Märchen erzählt; keiner von beiden hat einmal den Wahr­heitsgehalt überprüft. Nedopil hat Ulvi sogar seinen Studenten bei einer Vorlesung als den Mörder von Peggy Knobloch präsentiert bzw. regelrecht vorge­führt. Nedopil hatte die geistige Behinderung von Ulvi zwar zunächst eindeutig diagnostiziert; ein behinderter Mensch auf dem geistigen Niveau eines Zweitklässlers! Als es aber um die Frage der Verhand­lungs­fä­hig­keit ging, hat er sein eigenes Gutachten über den Haufen geworfen und Ulvi für verhand­lungs­­fähig erklärt und somit die Grundlage für den Prozess und seine Ver­urteilung gelegt!!!!

Blocher hat Ulvi zweimal begutachtet; in der Begutachtung nach dem Freispruch des Mordes in meinem Beisein erklärte er, dass Ulvi die ganzen Jahre in der Psychiatrie wegen des angeb­lichen Mordes an Peggy Knobloch untergebracht sei. Für seine anderen Handlungen hätte er höchstens ein bis zwei Jahre Therapie bekommen. Im schriftlichen Gutachten waren seine Aus­füh­run­gen – zu meinem und Ulvis Entsetzen – total entgegengesetzt; er erklärte ihn plötzlich für nach wie vor gefährlich (was dieser tatsächlich nie war!).

Von Dr. Leipziger ganz zu schweigen: in den jährlichen Berichten für die Strafvoll­streckungs­kammer wurden immer wieder Gründe erfunden, um eine Freilassung zu verhindern. So wur­de festgestellt, dass Ulvi auf seiner Station immer wieder sexuell auffällig sei. Mir liegen je­doch von seinen Kameraden die Unterschriften vor, wonach dies keinesfalls zutrifft, im Ge­gen­teil: Ulvi sei ein ganz ruhiger und lieber Zeitgenosse!

Sehr geehrter Herr Dr. Weinberger, all diese Vorkommnisse in meinen über 10 Jahre an­dau­ernden Re­cherchen bringen mich nicht nur zum Wundern, sondern lassen bei mir große Zwei­fel an der Psychiatrie aufkommen. Während meiner Besuche bei Ulvi in der Psychiatrie in Bayreuth haben sich viele Menschen Hilfe suchend an mich gewandt, die zum Teil bereits 10, 20 und sogar über 40 Jahre hinter Gittern sind ohne Lockerungen und völlig resigniert haben. Das kann und darf nicht länger hingenom­men werden; dagegen vorzugehen, das war auch der Grund meines Beitritts in die GEP.

Weinberger an Rödel am 14.12.2015

… Ihre „großen Zweifel an der Psychiatrie“, die Ihnen beim Fall Ulvi kamen, steigen uns seit 40 Jahren immer wieder auf. Sie sind es, über denen wir unsere GEP (vormals DVpMP) grün­deten. Ihre Aktivitäten wur­den in unseren Rundbriefen regel­mä­ßig do­kumentiert. Wer aber las sie?[1]

Weil wir den Jammer in den Psycho-Fächern aufzeigten, nichts übertrieben, aber auch nichts ausließen – um Ulvi kümmerten sich andere schon, Sie vor allem -, wur­­den wir von unseren hohen Ordinarien und (Fach-) Kol­legen über 40 Jahre aus­ge­grenzt bis verleumdet, von den Berufs­orga­nisationen, Be­rufs­ver­bänden, Fachge­sell­schaften, Ärztekammern vorneweg, wurden aber auch von der großen Schar sonstiger Psychis, Psychologen, Sozialarbeiter usw. heftig angefeindet. Auch viele selbsternannte „See­lenkenner“ hielten da mit. Im bekannten Fall Mollath sprang das auch auf Richter und an­de­re Ju­risten über, zu­letzt gar auf Mol­laths Ex-Vertei­di­ger Stra­te. Aus gewiß unter­schiedlichen Motiven schnitten oder diffa­mier­ten uns noch strik­ter aber unsere Po­li­tiker und durch die Bank die Me­dien. Als Anklä­ger, als Reformer der Psychiatrie wurden und werden außer Staats­psy­ch­­iatern nur 68er Chao­ten, Anti-Psychiater und Hoch­stapler vom Schlag des Herrn Po­stel ak­zeptiert. Gegen sie hoben sich die Nedopils, Kröbers, Pfäfflins dann günstig ab. Ihnen floch­ten Medien[2] und Po­li­ti­ker Ehrenkränze. Men­schen, die an Fol­­gen von Psy­cho­miß­bräuchen dahinkümmern, sind, wenn sie denn auf uns sto­ßen, oft er­staunt, daß es eine GEP überhaupt gibt. Ich ver­stehe gut, daß Sie bei so viel Indolenz im Land jede Plattform nutzen mußten, um in die Öffentlichkeit zu kommen.

Wohl weil es im staatlich (und überstaatlich) geordneten psycho-justiziellen Be­reich meist leidlich korrekt zugeht, glauben viele, es gehe hier grundsätzlich korrekt zu. Es men­schelt aber über­all. Um diese Er­kennt­­­nis nicht zu breitem Protest anschwellen zu lassen, hat das Sy­stem, so scheint es, Vorkehrun­gen getroffen. Offensichtlich des­­halb wur­den und werden ernsthafte Kritiker des Psychiatriemißbrauchs von den Me­di­en sy­stematisch tot­ge­schwie­gen, ge­ge­be­nen­falls gar diffamiert, werden zur Ablenkung auch Pseudo-Konflikte wie die zwi­schen Psychiatern und Psycho­the­ra­peu­ten forciert und hochgeschwemmt oder gar Instanzen unsinniger, anti­psy­ch­ia­trischer Kritik ge­päppelt, auf daß der von ihnen veranstaltete Lärm alle berechtigte Kritik wie etwa Ihre, liebe Frau Rödel, übertöne.

Schön daß Sie kürzlich zu uns gestoßen sind. Es gibt viel noch zu tun.

[1] Rings um den Globus werden unsere Publikationen sehr wohl gelesen, vor allem in Amerika, Frankreich, Rußland und China – wahrscheinlich freilich eher von Stellen wie der NSA. Psychiatriemißbräuche sind sicher weit verbreitet. Auch hier­zu­lande werden sie fleißig gelesen. Man tut offiziell nur so, als kenne man sie nicht.

[2] Wie sollten wir das Wort Lügenpresse nicht aufgreifen, wie nicht unsere Politiker hinterfragen, die das Psy­cho-System so unterhalten, wie es ist?

3. Zu Rudolf Schmenger und Kollegen,

den bekannten vier Steuerfahndern, die in Frankfurt jah­relang er­folgreich ge­gen Steuerhinterzieher er­mittelt hatten, wurde am 14.12.2015 ein neues Urteil bekannt (http://www.morgenpost.de/vermischtes/article206817657/Fuer-paranoid-erklaerte-Steuerfahnder-werden-rehabilitiert.html- modalMatthias Thieme).

Mit ihren Ermitt­lungen hatten die vier dem Staat Millionen an Steuerrück­zah­lungen und den Finanz­instituten etliche Strafverfahren beschert. Am Fi­nanz­platz Frankfurt aber hatten sie, politisch unerwünscht, die gewohnten Ge­schäftsabläufe ge­stört. Im Auftrag der Finanzver­waltung wur­den sie darob 2006 psych­ia­trisch be­gutachtet, hierbei für para­noid erklärt und in der Folge zwangspen­sio­niert, so als habe alle vier mit einem Schlag ein und die gleiche Geistes­krank­heit befallen. Die gewieften Beamten verstanden sich wehren. Jetzt, zehn Jah­re später, wur­de der Gutachter ver­urteilt, ihnen ins­ge­samt über 226.000 Euro Schadensersatz zu leisten. Und für das Land Hessen könnte die Sache noch teurer wer­den.

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Manche früher schon festgehalte Ausführungen sind es wert,

 auf Dauer auf unserer Webseite zu stehen, so die von Prof. Igor Schafarewitsch, einem russischen Mathematiker und Freund Andrej Sacharows, der in einem Aufruf vom 14.05.1978 gegen die Verhaftung des jüdischen Bürgerrechtlers Alexander Podrabinek und weiter gegen die damals in seinem Land verbreitete Psychiatri­sierung Oppositioneller, gegen ihre Internierung und Behandlung als Geistes­kranke, protestierte – seine Worte standen bereits in unserem Rundbrief 3/78:

Wenn man im Menschen nichts anderes sieht als eine Mischung von sozialen oder biologischen Kräften, dann verlieren die Konzepte von Schuld und Strafe jede Be­deu­­tung, so wie sie bedeutungslos sind, wenn sie gegen eine Maschine angewandt werden. So wie ein kaputter Computer nicht vor Gericht gestellt und nicht bestraft, sondern repariert wird, so ist es notwendig, eine Person zu reparieren, die aufhört nach dem offiziellen Programm zu funktionieren. Für exakt diesen Zweck gibt es psychiatrische Spezialkrankenhäuser.

Diese Schlußfolgerung ist so unausweichlich, daß schon ein Früh-Materialist wie Weitling, ein Vorläufer und Lehrer von Marx, das Bild einer Zukunftsgesellschaft von Freiheit und Harmonie gemalt hat, in der es keine Gerichtsverfahren und keine Prozesse mehr gäbe, in der vielmehr alle von schlechten Leidenschaften Besessenen in Hospitäler gesteckt und die Unheilbaren auf speziellen Insel-Kolonien festgehalten würden. Dies eine typische, von einem schlimmen Phantasten geträumte Utopie. Um wieviel schauriger ist die Utopie, die das reale Leben ge­schaf­fen hat? Im (noch kleinen) Modell zeigt sie uns, was uns in nicht zu ferner Zukunft erwartet.

Eine Kostprobe davon ist gegeben, wenn Psychiater zwangseingewiesenen Patien­ten in offensichtlich aller Ernsthaftigkeit erklären, daß ihre religiösen Glaubens­überzeugungen oder ihre kritischen Haltungen dem Leben gegenüber, ihr Mangel an sozialer Anpassung, wie die Ärzte sagen, ein klares Symptom geistiger Er­kran­kung seien.

Die Weltanschauung, von der solche Ansicht stammt, ist nicht in Rußland geboren – sie wuchs und trieb Blüten auf westlichem Boden. Aus diesem Grund bin ich sicher, daß auch der Westen von der gleichen Gefahr bedroht ist, wenn vielleicht auch in anderer Weise – von der Perfektion der Techniken zur Mani­pulation des Denkens, von der Veränderung des Menschen in ein eindimen­sionales Wesen, das seiner inneren Freiheit beraubt ist…

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