GEP: Neues Verwirrspiel um Mollath

 Während die Medien seit Ende Oktober manch erschreckende Details vom Vorgehen der Justiz und einiger Psychiater im Fall Mollath berichtet hatten und die Öffentlichkeit sich am Fernsehen von Bayern 3 am 11.12 (Münchner Runde) und am 12.12.20112 (Kontrovers) selbst ein ungefähres Bild von dessen Befinden, Denken und Empfinden machen konnte, meldete am 13.12.2012 SPIEGEL-online . Beate Lakotta: „Fall Gustl Mollath: Warum der Justizskandal doch keiner ist“. Im gedruckten SPIEGEL erschien ihr Beitrg am 20.12. gar unter dem Titel Schizo-Protestbürger. Verrückt sind demnach über Mollath hinaus, die sich für ihn einsetzen. In besagter Münch­ner Runde spulte diese Version die bayerische Justizministerin Dr. Beate Merk ähnlich ab.

Sie sagte sinngemäß, der „letzte“ Gutachter – Frau Merk nannte ihn nicht beim Namen, meinte offen­sichtlich aber den Ulmer Forensiker Prof. Pfäfflin – habe den Mann für krank und ge­fährlich befunden ganz so, wie es jetzt Spiegel-online kolportierte. Nur ist die Meldung mehrfach falsch. Das „letzte“ psychiatrische Gutachten zum Fall Mollath haben nach eingehender persönlicher Untersuchung nicht Pfäfflin, sondern der Autor dieser Zeilen im April 2011 erstellt. Und dieser befand Mollath nicht als wahn­krank. Und er fand an ihm auch keine Hinweise für das Vorliegen einer Gemein­ge­fähr­lich­keit.

Leider haben die Medien, auch diejenigen, die das Geschehen um Mollath sonst korrekt darstellten, von Frontal 21 am 4.12.2012 abgesehen, ausgespart, wie denn die psychiatrischen Expertisen im Einzelnen aussahen und wie sie auf Mollaths Schicksal genau einwirkten. Völlig ging bisher unter, daß von den drei „offiziellen“, urteilswirksamen, von Merk anerkannten Gerichtsgutachtern zwei Mollath über­haupt nicht untersucht haben, von den Gutachtern aber, die ihn untersuchten, zwei gegen einen (2:1) für Mollaths Gesundheit sprachen, insgesamt drei zu dem Fall Stellung nehmende Experten den urteils­wirk­samen, von Dr. Merk hochgelobten Gerichtsgutachten diamentral entgegenstehen, unter ihnen der Bonner Gutachter Prof. Dr. Dr. Dieckhöfer, der sie als „hilfloses Wortgeplänkel“, „bishe­ri­ges wissenschaftliches Denken in der Psychiatrie offensichtlich bewußt auf den Kopf stel­lend“ charakterisierte.

   Frau Dr. Merk unterschlug das in ihren Ausführungen in der „Münchner Runde“ wieder. Spiegel-online machte es jetzt ebenso. Er tischte Merks stereotype Glattbügelei erneut auf, die Argumente der Gegenseite herabsetzend, teilweise verfälschend. Daß das ärztliche Attest, das 2003 Ver­let­zungen der damaligen Frau Mollath bestätigte, eine „Fälschung“ ist, ist jezt klar. Daß Mollaths Unterbringung jährlich über­prüft wurde, hat niemand bezweifelt. Die Zwei­fel heften sich nur an das Wie der Überprüfung. Der letzte, die Fortdauer der Unterbringung verkündende Beschluß des Bay­reuther Vollstreckungsgerichts beispielsweise stützt z.B. auf einen Kli­nikbericht, der All­mensch­liches, in der Situa­tion durchaus „Normales“ („formales Denken tendentiell weit­­schweifig, …meist ge­drängt, …deut­liche thematische Ein­engung auf das Unrechtserleben, deutlich einge­schränkte bzw. aufgehobene Fähigkeit zur Selbstreflexion“ usw.), sofern zutreffend, einfach als wahn­haft, krank­haft hinstellt, während das ganze Land inzwischen im Fernsehen das Denken des Mannes doch als vernünftig, seine Emotion als gut verständlich und angemessen miterleben konnte.

 Wie die Ärzte der Klinik unterstellte der Spiegel Mollath eine „wahn­hafte Ausweitung“ seiner Beschuldi­gungen u.a. auf einen dort tätigen Oberarzt. Dabei hat dieser real auf  jene Betreuung (=Ent­mündigung) gedrängt, durch die Mollaths vormals beträchtliches Vermögen im Nu verschwand. Ein gutes Jahr später fand der Mainkofener Psychiater Dr. Simmerl für die Betreuung nicht mehr den geringsten Grund. Merks „letzter“ Gutachter Prof. Pfäfflin – den wirklich letzten, aktuellsten, für Mollath zeu­genden, mich, überging sie – stellte in seiner Expertise Mollath dem Fall Michael Kohlhaus an die Seite. Wie Pfäfflin scheute sich jetzt auch Spiegel-online nicht, Mollath mit einem Mör­der und Brand­schatzer vergangener Zeiten zu vergleichen, be­kannt aus einer berühmten Erzählung Heinrich von Kleists. Dabei war bei jenem von Geisteskrankheit gar keine Rede. Mit solch hergehol­tem, unpassenden Vergleichen und krassen Verzeichnungen versuchen manche, auch manche Medien die Wirklichkeit umzudeuten, die öffentliche Meinung zu manipulieren. 

Dr. Friedrich Weinberger, derzeit Gustl Mollaths letzter Gutachter,
14.12.2012 (Nachtrag 17.4.13)

6 responses to “GEP: Neues Verwirrspiel um Mollath”

  1. newkid

    nach ihrem kommentar bei opablog das die seite der psychiater zu kurz kommt stimme ich ihnen zu denn sie waren ja noch weit vor dr strate nach bayreuth gefahren und haben sich um ih gekümmert.

    die arroganz der dt richter zeigt auch das sie trotz professorentitel im anhörungsverfahren am lg bayreuth nicht geladen wurden ihr gutachten arrogant noch nicht mal zur akte genommen wurde.

    man kann hier auch den beiden ministerinnen in bayern merk und fdp chefin leutheuser min justiz im bund nicht die hand geben.

    es gibt kein recht und es gibt kein achtung derrichterkast vor irgendwem auch nicht vor psychiatrieprofessoren dies es gut meinen.

    deshalb muss man den schmusekurs mit derjustiz aufhören und bei kleinkriminellen un Par 63 STGB nur noch rechtsbeugungsklagen schreiben aus jurisitsicher und psychologischer sicht das klageerzwingungsverfahren von ra strate jetzt am olg münchen gegen dr leipziger u.a. ist der richtige wegn und gleich 2 mal ausdrucken für die verfassungsbeschwerde.

    nur so geht es weiter

  2. Gerd Paruschke

    In einem Dokument des RA Strate wurde dargelegt, dass die Atteste gefälscht sind nicht nur weil der Sohn der Ärztin das Attest unterzeichnete und somit ungültig ist, man hat auch festgestellt dass Frau Maske alias Mollath das Attest bzw die Atteste selbst geschrieben hatte und offenbar Blankoatteste hatte!!! In den Attesten sind zahlreiche Rechtsschreibfehler der Frau Maske enthalten die auch in ihren anderen Schreiben an ihren Anwalt und an die Polizei zu finden sind (sie schrieb die Worte, sie, ihn, ihm als Anrede in Großschrift was natürlich falsch ist usw und setzte die Punktion und Kommas falsch!!! Das dürfte auch das neue gefundene Attest betreffen!!!

  3. mi1esg

    Das alte Wort, das Wort erschallt:
    Gehorche willig der Gewalt!
    Und bist du kühn und hälst du Stich,
    So wage Haus und Hof und–dich. (Goethe, in Faust II)

    Respekt vor GEP’s Hilfe!

  4. Kutschke

    Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Spiegel auf die Seite der Leute schlägt, die die Psychiatrie mißbrauchen. Es gibt einen Studienrat, der durch Mißbrauch der Psychiatrie zwangsberentet wurde. Dadurch begann er sich mit dem Thema zu beschäftigen und setzte sich für ebenfalls Betroffene ein. Ein Spiegelreporter besuchte ihn zufällig,während eine Hausdurchsuchung wegen vermeindlicher Verleumdung, die bei ihm durchgeführt wurde. Er zeigte Verständnis für ihn und wollte wahrheitsgemäß Bericht erstatten. Das war dann nicht der Fall. Es erschien ein einseitiger Artikel mit der Überschrift ” König der Querulanten”. In diesem wurde er verhöhnt und die Menschen, um die er sich gekümmert hatte als wahnhaft verleumdet. Dies hatte fatale Konsequenzen für ihn. Die Ministerien verweigern ihm, unter Berufung auf diesen Artikel, Antworten auf seine Schreiben und dokumentieren dies mit den Worten, dass die Monarchie abgeschafft worden sei und man dem “König” nicht antworten müsse.

  5. Frau Merk im Interview bei Telepolis zum Fall Mollath | opablog

    [...] Medienkritik des Artikels der Frau Lakotta auf SPON ist bei humana conditio zu finden. Und hier ist eine Stellungnahme zu finden, die beweist zu welch unglaublichen Lügenmethoden inzwischen Frau Merk (und interessierte Medien) [...]

  6. Neues Verwirrspiel um Gustl Mollath « Kritische Standpunkte

    [...] Quelle: GEP – Walter-von-Baeyer-Gesellschaft für Ethik in der Psychiatrie e.V. [...]

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