GEP-Jahreshauptversammlung 2015 in München

F. Weinberger

Liebe Mitglieder und geladene Gäste,

herzlich willkommen zur Jahresversammlung der GEP, die hiermit eröffnet sei.

GEP-Jahresvesammlung 2015

Schön, daß Sie aus Nah und Fern zahlreich gekommen sind, um unsere Aniegen voranzubringen. Besonders herzlich begrüße ich Gustl Mollath, der erstmals in unserer Mitte ist. Die Versammlung ist beschlußfähig.

 

 

Zum folgenden Rechenschaftsbericht

sind wie immer kurze Zwischenbemerkungen willkommen. Die aus­führ­liche Diskussion kommt da­nach. Vorab will ich, muß ich einen Überblick über den Stoff geben, der uns im letzten Jahr besonders beschäf­tigte.

Wie sehr der Psychiatriemißbrauch über je­der­mann, jedefrau hereinbrechen kann – manche von Ihnen haben ihn grausam er­­lebt -, sind es seit 40 Jahren nur we­­nige, die ihm wehren. So bewirk­te auch un­ser Wi­der­­stand, der einzige im Land systematisch erhobe­ne, lange nur we­nig. Hauptgrund dafür ist wohl, daß die Macht­­­­­ha­ber in­ternational an diesem Miß­brauch, an miß­brauch­ba­ren Psycho-Fächern als Mit­teln der Dis­zi­pli­nie­rung An­ders­­­den­­­ken­­­der, der Steue­rung und Kon­trolle des Den­­kens allgemein, in­ter­essiert sind, sie för­dern und sie ge­gen Kri­ti­ker schützen. So horrend wie in den Fäl­len Mol­lath, Herr­mann, Schmenger, Ku­walew­sky wird dieser Mißbrauch nicht all­zu oft sichtbar. Viel­ häu­figer ist er in „leichteren“ For­men unter­wegs, ein solcher im Fall von Frau Kause im Rundbrief 1/13,5 dar­ge­stellt. Einzelfälle aber, gravierende wie „leichte“, steckt das Establishment weg. Daß wir über sie hinaus dem System des Mißbrauchs nachgehen, das bringt uns den besonderen Haß der Etablierten ein, Herrn Dieckhöfer und mir die Verunglimpfung etwa der Staats­ministerin Merk, mir jetzt die Verleum­dung des Herrn Strate[1] in seinem neuen Mollath-Buch, uns al­len aber die langjährige Ausgrenzung der Medien, vieler Psy­ch­iater, Antipsychiater und sonstiger Besserwisser. Versuchte aber niemand wie wir über Einzelfälle hinaus dem Mißbrauchssystem beizukommen, bliebe es wie im Fall Mollath weiter allein dem Glück des ein­­­zelnen Betroffenen überlassen, Unterstützer UND einen Gutachter zu finden, die erst einmal das einen solch „Irren“ einschließende Eis der vollständigen Diskreditierung aufbrechen, auf daß dann Medien vielleicht mit anspringen und für weitere Öffentlichkeit sorgen. Die Betroffenen blieben ihrem Schick­sal überlassen.

Die Vorgänge um den Fall Mollath sind Ihnen über das Re­gens­­burger Wiederaufnahmever­fahren hinaus bekannt (RB 1/14). Ein tiefer Riß zwischen ihm und seinem Verteidiger wurde dort am 23.7.2014 offenbar. Strate selbst UND die Medien, aber auch einige vormalige „Unterstützer“ lasteten den Konflikt schnurstracks Mol­lath an. Andere aber fragten, was den An­walt wohl ritt, der sich an­fangs, schien es, doch für seinen Man­dan­ten sehr ins Zeug gelegt hat. Sie rät­seln, warum er nicht als erstes die neue In­fra­­ge­stel­lung Mollaths durch die Dauer­prä­senz des Psy­chia­ters Nedopil abwehrte. Darüber ging kürzlich noch eine lebhafte Diskus­sion im (juristisch geführten) Beck-Blog. Daß rein formale Gründe, der Umstand etwa, daß Mollath vordem (zu Unrecht) schon un­ter­gebracht war, für die erneute Psycho-Beobachtung im Prozeß aus­rei­chen sollte, leuchtete vielen nicht ein. Hinter­fragt wurden im Beck-Blog (Menter, Ste­pha­ny, Bixler) weiter auch die ge­richt­li­chen Be­weis­erhebun­gen zum Tathergang am 12. August 01. Daß Mol­lath jetzt we­­­der krank noch gefähr­lich ist, stellte ich zwei Jah­­re vor Nedopil fachkun­dig schon fest. Ne­do­­pils herbeigebogene, an Ernst Kretschmer anlehnende Kon­­­­struk­tion einer passa­ge­ren, psy­­cho­ge­nen Störung als mög­li­che Be­din­gung[2] für die an­geb­­lich 13 Jahre zuvor (am 12.8.2001) statt­ge­habte Ge­­walt­tätigkeit will ich hier nicht dis­ku­tieren, solang diese im beantragten neu­en WAV nicht über­prüft ist. Daß der Bayreuther Vollstre­ckungs­richter Kahler 2011 mein Gutachten von Tisch wischte, darüber feixt Strate jetzt in seinem Buch (S. 174-5). Sei­nem Ex-Man­danten aber ko­stete es zwei weitere Jah­re Freiheit. „Die Psy­ch­ia­trie-Ki­ste bleibt zu“, war Strates Mot­to.[3] Nur so viel Licht ließ er ­ein­fallen, daß für Gustls Gegner ein entlastendes, nur für seinen Ex-Mandan­ten ein weiter be­­la­sten­des Urteil herauskam.

Vieles an dem gerichtlichen Vorgehen in Regensburg mutete bei aller zur Schau gestellten Rechtsstaatlichkeit, auch Freundlichkeit der Vors. Richterin Escher wieder wie abge­kartet an. Mich irritierte am 23.7.14 u.a., daß Stra­te nach dem Eklat mit Mollath bei flüchtigem Zusammentreffen auch mich plötzlich anfuhr und in sei­nem Buch jetzt auch Dieck­höfer und mich, die wir Mollath über Jahre unterstützten und seit Jahrzehn­ten Psy­chiatrie­miß­bräu­chen wehren, ähnlich her­unterriß, wie es Frau Merk und andere Systemvertreter/in­nen taten. Mol­lath manda­tier­te nach der Trennung von Strate den Münch­­ner Anwalt Dr. Ah­­med, der, umfänglich begründet, ein neues Wie­der­­­auf­nah­me­ver­fah­ren beantragte. Er harrt noch der Bescheidung durch den BGH. Ein Ur­teil des EGMR vom 15.1. 2015 stützt ihn. Mol­lath geht’s um Aufhebung falscher Vor­wür­fe und natürlich des psych­ia­tri­schen Makels, den ihm das Re­gens­burger Ge­richt, Nedopil folgend, be­ließ. Strate[4] scheint es vor allem um die Deutungshoheit über den Fall zu gehen. Da­zu zieht er im­mer publikumsträchtigere Register. Der UFA-Film­pro­du­zent Nico Hofmann soll den Fall jetzt fürs Fern­sehen verfilmen wobei der Fokus auf Strate lie­gen soll.

 

SelfTimer Off

Opfer des Psycho-Mißbrauches bei der JHV 2015 v.l. E. Herrmann, G. Mollath, A. Kuwalewsky mit Kindern Max und Johanna, D. Eckstein

Zu Frau Kuwalewsky (RB 1/14,4): Sie verrichtet seit Monaten wieder ihren Dienst, jetzt an einer neuen polizeilichen Dienst­stelle. Ihre vier Kinder, die sie müh­sam genug zurückholen konnte, gedeihen; zwei, den Max und die Johanna, hat sie gleich mitgebracht. Der Richter am Amts­ge­richt Neustadt /W. Fitterer faßte Anfang Februar aber er­neut den Beschluß, sie alle müß­ten sich im Pfalzklinikum Klin­gen­mün­ster be­gutachten lassen. Erst vor wenigen Tagen ging der Alptraum nach neuer Verhandlung zu Ende, hat Frau K. das Sor­gerecht für die Kinder zurückerhalten, hat sie auf ganzer Linie obsiegt. Herzlichen Glückwunsch! In ihrem Fall ging es vorderhand um einen Mißbrauch der Psycho­logie und um ein Borderline-Syn­drom, nicht wie bei Mollath um eine wahn­hafte Störung.

Die eine wie die andere Dia­gnose ist der Internationalen Diagnosen-Klas­­­sifikation ICD entnommen, das „Borderline“ im übrigen das Konstrukt eines US-Psycho­ana­lytikers (RB 1/14, 5.2). Kürzlich nahmen sich lokale Medien des Falles Ku­walewsky an, am 16.4. gar 3-Sat. Was Frau und Kinder K. betrifft, waren die Strei­fen eindrucksvoll, letzterer ansonsten wieder halbe Irreführung. Er stellte persönliches Versagen heraus, wo systematisches vorliegt, blies abwegig Psycho-Pro­minenz, Hirn-Scans und ähn­lich Irrelevantes auf und über­ging dafür die fragwürdige Diagnose wie auch die Umstände, die zur Beendigung des Skandals führten, u.a. Saschenbreckers anwaltlichen, meinen gutachtlichen und den Ein­satz vieler weiterer Helfer. Wenn, wie man liest, daß „jeden Tag im Durchschnitt 100 Kinder und Jugendliche aus ihren Fami­lien genom­men, in Ein­rich­tungen gesteckt werden und diese „Inob­hut­nah­men“ seit 2005 um 64 Prozent gestiegen sind“, so spielt da „Psycho-Miß­brauch“ gewiß nicht selten mit.[5] Zu allen Psycho-Skandalen trug die de­fi­zitäre, oft verzeichnende Berichterstattung der Medien bei.

Unter den Psycho-Miß­­bräu­chen ist der straf­recht­liche Fall Mollath gewiß der eindrücklich­ste. Die mei­­­­­sten Fälle aber spielen sich auf zivilrechtlichem und eben familienrechtlichem Gebiet ab. Bei den Auseinandersetzungen, die wir führen, geht’s um das Miß­brauchs­­ge­sche­hen mit der Pein, die seine Opfer trifft, und geht’s um die Übergriffe, die sich Ärzte und andere Gut­achter und Behandler dabei leisten. Und es geht um die Haltung, die Fach­­­­ver­tre­ter, Politiker und eben die Medien dazu einnehmen. Alle zusammen muß man ins Auge fassen, will man diesen Praktiken wehren und vorbeugen. Das Mißbrauchsgeschehen nimmt wie im Fall Mollath die Öffent­lich­keit am ehesten wahr, die Umgangsweisen des „Establish­­ments“, der Fachrepräsentanz etwa, weit weniger. Wie etwa Prof. Mai­­­er, Präsident der Fachgesellschaft DGPPN, das Ver­hal­ten der Herren Leipzi­ger, Kröber, Pfäfflin herunter­spielte, die we­ni­­gen kritischen Me­­dien­be­richte darüber als über­trieben abtat, über unbillige Angriffe auf das Fach klag­te und so den Übeltätern die So­li­darität der gesamten Kol­legen­schaft bekun­dete (RB 1/14,3.8), ließen die Medien unbeachtet, ähnlich wie et­wa 2008 die Auszeichnung des Münchner Ordi­narius Prof. Möller durch den Weltverband für Psychiatrie, nachdem dieser knapp zuvor vom OLG Mün­­chen saftig verurteilt worden war (RB 2/08,3.6). –Möller hat bekanntlich den Fall Herrmann auf dem Kerbholz.

Die weiteren Rahmenbedingungen aber, aus denen heraus Psycho-Mißbräuche mög­­lich wer­den, verzeich­nen die Medien erst recht. Wenn das Wort Lü­gen­presse jüngst mächtig wieder aufkam, auf dem „Psycho-Gebiet“ ist es wahrlich angebracht.[6] Nichts ist im Land drau­ßen bekannt von den staatskirchen-ähn­li­ch geordneten Struk­­turen des Fachs, seiner bis zur WHO reichenden politischen Gängelung, die Psy­ch­ia­ter und Psy­cho­logen von ihrer Ausbil­dung bis in ihre Dia­­­gno­sen und Fehl­diagnosen hinein leiten. Ab den 1960 bis 80er Jah­ren kam mit der 68er Kul­tur­re­volu­tion aus Ame­rika, hier­zu­lande speziell mit der Psy­ch­iatrie-En­quête von 1975 die Psy­­­chia­trie-Re­­­form. Mit ihr kam u.a. das neue Dia­gno­stik-Sy­stem ICD, eine in­ter­na­tio­nale, de facto aber eine vom ameri­kani­­schen, psychoanalytisch geprägten Manual DSM ab­ge­leitete Auf­stel­lung dessen, was (laut SPIE­GEL – RB 1/13,2.5) jetzt als „psy­chi­sche Krankheit gelten darf“. Es enthält u.a. so schüttere Diagnosen wie die Borderline-Stö­rung, die der US-Analytiker Adolf Stern 1938 erfand. Dabei ist Freud, wie nam­hafte Ge­­­lehrte, „Freud-scho­lars“, ge­ra­de in ang­lo­ameri­kani­schen Län­dern auf­­­zeigten, durch und durch heute als Schwind­ler aus­ge­wie­­sen. Nicht einen einzigen seiner berühmten Fälle hat Freud geheilt. Die Presse aber propagierte ihn. „The hack and the quack“, wie’s auf englisch heißt, Schreiberling und Quacksalber, gehen Hand in Hand. Un­ser Herr Schlag­mann ist einer der we­ni­gen deutschen Psychothe­ra­peu­­ten, der sich von der Freud­schen Theo­rie, u.a. dem Ödi­pus-Kom­plex ab­setzt und zeigt, daß Freud selbst die ihm zu Grund liegende Ödipus-Sage verdreht hat. Wä­re Freud noch, was er über Jahrzehnte war, die Kultfigur einiger esoterischer Spin­ner, wäre er heute nicht, wozu ihn dann Politik, Medien und – einige „Psychis’“ aufgeblasen ha­ben, der Gott einer neuen Staatsreligion, und kämen durch ihn nicht grundlos viele Menschen zu Schaden, verlöre ich auch hier kein Wort über ihn.

Ein Exkurs an dieser Stelle: Oft genug stand hinter Freud-Kritik plumper Antisemitismus. Der betagte, krebskranke Freud entkam den Nazis 1938 nur mit Mühe. Seine Bücher warfen sie ins Feuer. Drei seiner Schwestern ermordeten sie. Oft genug wird Freud-Kritik seit ’45 aber auch unbegründet unter Ge­neralver­dacht gestellt und damit plump unterdrückt. Es könnte sein, daß auch die Aus­grenzung, die Anfeindungen, die unseren Kampf gegen Psy­ch­iatrie­miß­­­bräu­che seit 40 Jah­ren bis hin jetzt zu Wolff und Strate treffen, diesen Hintergrund haben. Breite, wissen­schaft­liche Freud-Kritik wurde in Deutschland auch von jüdischen Kollegen vor hundert Jahren schon vorgebracht (RB 1/06,4.2-4). Mit besonderer Nachdrücklichkeit wurde sie in den letzten Jahrzehnten in englischsprachigen Ländern erhoben.[7] Hierzulande nimmt man sie nur nicht zur Kenntnis. Viele, Wolff und Strate darunter, fahren ihr NichtWis­sen noch frech als Besserwissen ge­gen uns auf. In besagten Ländern, so schreiben Kri­ti­ker dort, mit denen wir über das INFC Aus­­­tausch haben,[8] sei Freud jetzt „out“, was vielleicht nicht ganz stimmt, ihre Kri­tik aber nicht aufhebt.[9] Freud ist, wenn auch vielfältig ge­tarnt, zumin­­dest hierzulande heu­te mehr denn je in Kraft. U.a. per blankem Eti­ket­ten­schwindel wird die Psy­cho­analyse etwa unter dem unverdächtigen Titel Psychothe­ra­pie verkauft. Besonders aber kommt sie verbunden mit und verschlei­­ert durch DSM-, folg­lich auch ICD-Dia­gno­sen zu böser Wirk­ung[10]. Die Borderline-Stö­rung – nur ein Beispiel. Auch den schar­­fen angloamerikanischen Kritikern Freuds scheinen die nachhaltigen Ein­fluß­nah­men seiner Anhänger auf Mensch und Gesellschaft über die psy­ch­ia­trischen Diagnosenmanuale entgangen zu sein. Ich muß Sie mit diesen theoretisch-medizin-historischen Dingen plagen. Aber Sie wollen ja wissen, woher und wie die üblen Fehlgriffe der heutigen Seelenheilkunde zustande kommen.

Als in den 1970er und 80er Jahren Psychiatriemißbräuche in der Sowjetunion in der inter­na­tio­nalen Kritik standen, wurde selbstverständlich an der dort gängigen Diagnostik gekratzt, etwa an der „Schizophrenie ohne Symptome“ des Prof. Snesch­newsky. Wer es aber heute wagt, das bei uns jetzt geltende, de facto amerikanische Dia­­gno­­sen-Sy­stem zu hinterfragen – durch Überführung in die Internationalität der ICD hat es sich politisch immunisiert -, wird aus­ge­grenzt bis an­ge­giftet. Dabei ist aus dem System nicht nur eine absurde Aus­­­­wei­tung psy­ch­­ia­tri­scher Diagnosen hervorgegangen – zu Beginn meiner Berufstätigkeit gab es nach der „Würz­­burger Diagno­sen­tabelle“ von 1931 davon 20; jetzt sind’s über 300 -, sondern auch eine aber­witzige „Vermehrung“ psychisch Kranker. Und es gehen in nicht geringer Zahl schlimmste Psy­­cho-Miß­bräu­che aus dem System hervor. Die neue freudisch refor­mier­te Psy­chiatrie und der Weg dahin sind mit Mo­geleien gepflastert. International als Schwin­del ausgewiesene[11] Lehren wurden politisch, staat­lich als Wahr­heit aner­kannt, drangen in das psych­iatri­sche Fachgebiet ein und be­stim­men so jetzt seine Inhalte und Struk­­­turen mit.[12] Trotz des Nazi-Präze­denz­falls beugten sich die Psy­ch­ia­ter erneut einer politi­schen, rein staatlichen In­stanz, diesmal der WHO, die laut Wiki­pedia zu ¾ von der Phar­ma-In­du­strie fi­nan­ziert wird. Dog­ma­tisch nicht ver­engte, realitätsnahe Psychothe­rapie (s.o. Kretsch­mer[13]) brau­­­chen viele Men­schen. Hier­zu­lande aber drückte die Bundesregierung mit der Psy­ch­ia­trie-En­quête, der Psych­ia­trie-Re­­­­form von 1975, just Freuds Pseudowissenschaft durch­, von der mehr Schaden als Hilfe ausgewiesen sind.[14] Im Fall Ku­wa­lewsky ist die rote Li­nie von der haltlos konstruierten, von einer Psy­chologin gar nur verdachts­­­­weise geäußerten ICD-Dia­­gnose Bor­der­line-Per­­sönlich­keits­stö­rung[15] zu der Pein sichtbar, die die Frau und ihre vier Kin­­der dann konkret traf. Aber auch, was die Herren Herrmann, Mol­lath, Schmenger und viele andere ereilte, rührt aus der diagno­­­stischen Verlotterung des Faches in der Folge Freuds.[16]

In­tern gibt es um die ICD-, pri­mär DSM-Dia­gno­sen zwar man­ches Ge­­ran­gel.[17] Dennoch sind sie jetzt Stan­dard für Psy­chia­trie und Psy­chologie, wird mit ihnen international Unrecht und Leid über jung und alt gebracht.[18] Zu fei­ge sind un­sere Psycho-Or­di­­na­­ri­en, Chef­­ärzte, In­sti­tuts­leiter etc., „des Kai­­­sers“, der APA, der WHO „neue (Psycho-) Klei­der“ nicht zu be­wundern. Den Freunden stehen ja auch andere sonst gern bei. Gewiß erhöhen wir, indem wir unsere Kritik so hoch an­­set­zen – nie­dri­ger geht’s nicht -, im Augenblick ihre Er­folgschancen nicht. Aber auszusprechen, was heute die schlim­men Fehlleistungen des Faches ermöglicht, muß erlaubt sein. Manchen ge­ben wir mit unserer Kritik drin­gend gesuchte Erklärungen für das Gesche­­hen, bewahren sie, Schwind­­­lern zum Op­­fer zu fallen, helfen anderen, die schon gefallen sind, sich wieder auf­zu­richten und sind längerfristig natürlich des Erfolgs sicher. Denn kein Schwindel währt ewig. Unsere In­for­mationen im Netz werden aus aller Welt abgerufen, am meisten (nach KByte) zur Zeit aus den USA, Deutsch­land, Frankreich, China, Mexiko, der Schweiz, der Ukraine, Österreich, Groß Britannien, Australien usf.

Auch in der Umhüllung sog. „operationalisierter“, symptombezogener DSM- und ICD-Diagnosen macht Freud das besondere Gefahrenpotential der neuen, ame­ri­ka­nischen Reform-Psychiatrie aus. So entzaubert er einerseits ist (s.o.), kann von ihm her diagnostisch jetzt geschludert werden, wie es u.a. in all den Mißbrauchsfällen, die hier bei uns jetzt am Tische sitzen, der Fall war. Die verbogene Reform-Psych­ia­trie hat offensichtlich einen hohen ­politi­schen Stel­lenwert. Auch im Osten, in der UdSSR, war der Psychiatriemißbrauch seinerzeit „hoch“ an­gesiedelt, direkt beim Generalsekretär Chrusch­tschow. 1988 wurde er so auch auf der KSZE-Nachfol­ge-Kon­ferenz verhandelt (RB 1/14,3.9), was Ihnen die Reich­weite des­sen, was wir hier betreiben, nochmals ver­deut­li­chen könnte. Für viele Kranke ist die Psychiatrie gewiß weiter ein Heilmittel,[19] für die Mäch­tigen gerade in ihrer neuen, reformierten Form aber ein Haupt­mittel, Unbequeme aus dem Weg zu räu­­men. Viel Mühe wenden sie auf, sich das Mittel zu be­wah­ren und Kritiker abzuwehren.[20] Daß die Maßgabe, was und wer geistig gesund oder krank und damit ggf. mundtot zu machen ist, de fac­to bei der APA, für Leichtgläubige bei der hohen Welt-Ge­sundheitsor­ga­nisation liegt, gibt deren Diagnosen den Anschein des Sak­ro­sank­ten und ermutigt Dahergelaufene jeglicher Schattierung, Zweif­ler wie uns abzufertigen, was immer aus besagten Diagnosen an Katastrophen erwächst.

Zwei weitere Fälle noch will ich ansprechen, einmal den der Psychiaterin Kutschke, die schon einmal an unserer Versammlung teilnahm. Nähe­res jetzt dazu: Der Landkreis Wittmund (Ostfriesland) plante seit 2001, den Empfehlungen der Psychiatrie-Enquête (s.o.) entsprechend, die Errichtung eines „Psy­cho­so­zia­­len Zentrums“. Man benötigte dazu eine Kas­sen­z­u­las­­sung und zielte so auf den Kas­­sen­sitz der Ärztin.[21] Um sie auszubooten, überzog man sie mit verschiedenen Kla­gen, die, wenn sie stimmten, ein Ein­schreiten der zuständigen Ärztekammer und Kassenärztlichen Vereinigung notwendig ge­­macht hätten. Daß dies nicht geschah, deutet darauf, daß die Klagen doch nicht stimmten. Frau K. wehrte sich hef­tig. So setzte man auf ihre „Psy­chia­trisierung“. Im Zug der Be­­gut­ach­tung, die man ihr aufnötigte, diagnostizierte eine „Fachkollegin“ vom Klinikum Kassel 2008 aufgrund eines erhöhten Urin-Wertes einmal eine Benzodia­ze­­pinab­hän­gig­keit, zum ande­ren eine wahn­hafte Störung (wie bei Mollath). Frau K., sicher, daß schon erstere Dia­gnose nicht stim­men könne, ließ darauf am Rechts­­­me­dizi­ni­schen In­stitut der Uni­ver­sität Bre­men eine Haar-Ana­­lyse durch­­füh­ren, die absolut unauf­fällig aus­fiel. Medikamente wie Drogen sind im Haar zeitlich unbegrenzt nachweisbar! Der Urin­­test muß also falsch gewesen sein. Die wahn­hafte Stö­rung aber begründete die Kassler Kollegin damit, daß Frau Kutschke die ge­gen sie erhobenen Vorwürfe als interes­sen­geleitete Verleumdung erklärte, was ihr als Krank­heits­­un­ein­sich­tigkeit ausgelegt wurde. So primitiv geht’s im Fach heute mitunter zu. Damit war die Ärz­tin Kutschke er­ledigt. Wir haben sie vor zwei Jahren hier in der Versammlung kennen­­ge­lernt. Sie hält seitdem meist ein­mal wö­chent­­lich schrift­­­­lich oder tele­pho­nisch Kon­takt mit mir. Abwegig, ja unerhört ist’s, ihr eine Wahnkrankheit anzudichten.

Ihre Auseinan­der­set­zungen mit Ämtern und Gerichten erreichten kürzlich einen neuen Höhe­punkt vor dem Lan­des­so­zial­gericht in Celle, wo in der Verhandlung alle die gegen sie stan­den, die über die Jahre ge­gen sie schon agiert hatten und bei einem Urteil für sie jetzt blamiert wä­ren, u.a. die Kran­­ken­kas­sen. Nunmehr aber saß als ehrenamtlicher Rich­­ter ein An­­ge­stell­­ter der AOK auf der Rich­ter­bank! Über Jah­re wird die Kollegin systematisch zermür­bt und die Berufsvertretung spielt mit. Gerade derzeit unternimmt wie zu Enquête-Zei­ten die Staatspsy­chiatrie wieder einen Anlauf, mit fragwürdigen Argu­menten auf Kosten der „freien“, halbwegs noch unabhängigen Psychiatrie Terrain zu ge­winnen (Berger M., DÄ13/15).

Zu einem weiteren Arzt, einen Anästhesisten, den ich kürzlich begutachtete, möchte ich noch sprechen. Herr B. ist infolge anhaltender „rheumatischer“ Schmerzen seit sieben Jahren fast durch­gehend arbeitsunfähig. Eine er­hebliche Verbesserung erreichte er durch Anwen­dungen der „chinesischen Medizin“. Er kam damit von einer langjährigen, hohen Opiat-Medikation weg! Für mich sind diese „Anwendungen“ „chinesische Dörfer“. Das Freiwerden von der langfristigen Einnahme von 100 mg Oxygesic täglich (!), einer he­roischen Dosis, weist die Behandlung jedenfalls überzeu­gender aus, als es manche Psychotherapien sind. Für ihre Fortsetzung verweigert die Al­lianz-Kran­ken­versiche­rung jetzt die Kostenübernahme. Sie drängte den Mann zur Begutachtung durch „freu­­disch“ orientierte Psychiater und verlangte danach, daß er sich in entsprechende Klinikbehandlung be­gebe, er sich damit den offiziellen Stempel des psychisch Kranken aufdrücken lasse.

Hier spielt jetzt also die Krankenversicherung Richter über konträre Gutachter bzw. Lehrmeinun­gen, ergreift für Freuds Schwindel­wis­sen­schaft Partei und erklärt mokant für „befremd­lich“, daß ich meinen „eige­nen Berufsstand in Zweifel“ zie­he. Genau das aber war gefordert, um etwa dem Gustl Mollath, der Frau Kuwalwesky und anderen gutachtlich aus der Patsche zu helfen. Es war gefordert schon, als von Baeyer mit seinem Buch PSYCHIATRIE DER VERFOLG­TEN in den 1960ern ge­gen den „eigenen Berufsstand“ den Na­ziVer­folg­ten zu einer Entschädigung und dem aufmüpfigen, zwangs­internierten Günter Weigand gegen den Berliner Ordinarius Selbach zur Freiheit verhalf (das ging damals durch die Medien). Und solch punktueller Widerstand „gegen den eigenen Be­rufs­stand“ – un­ser Stand auf dem wissenschaftlichen Boden des Fachs, zumindest dem der soliden „Vor-ReformPsychia­trie“ steht außer Frage – wird weiter nötig sein, um Menschen vor den Absurditäten zu bewahren, die die politisch ver­boge­nen, „reformier­ten“ Psy­cho­fächer heute bergen. Diagno­stisch geführt und stigmatisiert wird der Arzt B. jetzt von seiner Krankenver­sicherung unter ICD-10: F 61Kom­binier­te Persönlich­keits­störung, was immer sie sei: Ope­­ratio­nalisiert[22], auf einzelne Sym­­ptome bezogen ist die Diagnose auch hier nicht. Persönlichkeits­stö­rungen, „Psychopathien“, sind nach Kurt Schneider 1.) überhaupt keine Krankheitsdiagnosen (RB 1/14,5.2) und bestehen 2.) per definitionem von Kindheit an, wofür bei dem Arzt nicht der geringste Anhalt besteht. Auf vie­len krummen Wegen kommt die Psy­chia­tri­sie­rung der Bevölkerung voran, werden viele Menschen der Verfügung über ihren eigenen Körper, ihre Seele beraubt. Besonders alte Menschen geraten rasch in die Mühle. Das wäre ein Extra-Kapitel, wenn ich Zeit hätte.

Wie in Ame­­ri­ka schon in den 1920ern steht Freud vor allem bei unseren Journalisten hoch im Kurs („The hack and the quack“ –s.o.).[23] So kam im Herbst 2013 in der Fernsehsendung-Sendung bei Beck­mann zum Fall Mollath zusammen mit Strate die Psychiaterin Ziegert zu Wort, die für Mollath bis dahin zwar keinen Finger gerührt hat, aber Psychoanalyse praktiziert. In der Sendung verlor sie einige kritische Worte, etwa daß sie sich selbst psychiatrisch nicht begutachten ließe. Auch monierte sie, daß die Richter Gutachter nach Gusto auswählten und damit nicht selten das Er­gebnis der Verhandlung präjudizierten. Viele fanden ihre Ausführungen mutig. Ziegert spielte mit ihnen aber den Ball geschickt vom psychiatrischen Tor weg ins ju­ri­sti­sche Feld zurück. Die psychiatrischen Skandal-Faktoren ließ sie zu Strates und des Moderators Wohlgefallen schön abgedeckt, ließ vor allem die „Freud-Ki­ste zu“, aus der heraus Sie, Herr Mollath, vom Freudianer Pfäfflin, aus der die vom „Borderline“ Berührten und aus der heraus auch der Kollege B. psychiatrisiert, stig­ma­ti­siert und entrechtet wurden oder wer­den.[24] Im konkreten Fall geht’s der Alli­anz natürlich darum, ihren kostenträchtigen Ver­sicherten loszuwerden, so wie’s im Fall der Ärztin Kutsc­hke dem Landkreis Wittmund darum ging, den Weg für die (für ihn) einträglichere Staatspsy­chia­trie freizumachen. Sie se­hen, aus wie unterschied­li­chen, meist recht handfesten Inter­essen und in welch verdrückten Weisen selbst un­­ter dem Schild von „Kritik“ die wirk­li­chen Kritikpunkte der „Reform-Psy­ch­­iatrie“ umschifft werden, über sie hin­weg­getäuscht wird und ihre Aufspielungen bis vollendete Mißbräu­che vonstatten gehen. Viele partizipieren an ihr, wes­halb wir kompetenten Kritiker auch von vielen so angefeindet werden. Nicht gründ­lich genug kann in die „Psychiatrie-Ki­ste“ hineingeleuchtet werden.

Drei erfreuliche Meldungen noch: Der geistig behinderte Ulvi Kulac, der unter falschen Anklagen u.a. auf Mord[25] seit 13 Jahren im Bay­reu­ther Maßregel­voll­zug sitzt, soll Ende Juli frei­kommen. Seine langjährige Betreuerin Frau Rödel und zuletzt unser Justitiar Saschen­brecker schafften es, daß die Türen für Ulvi jetzt aufgehen. Der in RB 1/14,2 erwähnte Rechtsanwalt Peter Putzhammer, den ich mit einem Nedopil zausenden Gutachten 2013 vor einer Psychiatrisierung bewahren konn­te, mußte sich Ende März am AG München noch einem Verfahren wegen Beleidigung stellen, konnte aber auch hier seinen recht­lichen Status bewahren. Mochte der Herr Amtsrichter meine Expertise auch abwertend wieder ein „komisches Gut­achten“ nennen, in der Sache hielt es stand. Und dem jetzt 71- jährigen Beamten Norbert Kuß hat im Januar 2015 das Landgericht Saarbrücken für zwei Jahre Haft Schadensersatz in Höhe von € 50.000.- zugesprochen. Für ihr fal­sches Glaub­wür­dig­keits­gutachten muß die Leitende Psycho­login der Univ.-Klinik für forensische Psycho­lo­gie und Psychiatrie Homburg jetzt gerade stehen. Ob dieses Urteil[26] unsere Psy­­chis, Psy­­ch­ia­ter, Psychologen, Sozialarbeiter usw. doch noch zur Besinnung brin­gen wird? Vor­der­hand tun sie, tun über Wolff und Strate hinaus selbst manche aus Mollaths ehem. „Unterstützerkreis“ und tun die Me­dien, als sei ganz abwegig, über diese Fälle im Zusammen­hang und damit von einem Mißbrauchssystem zu reden.

Bezüglich Verbesserungen im Maßregelvollzug hat der neue bayerische Ju­stizminister Bausback laut Pressemitteilung vom 28.1.15 eine „Ar­beits­gruppe“ aus Vertreter/inne/n der beteiligten Justiz-Bereiche be­stellt. Sie soll ein neues Gesetz erarbeiten. Damit sollen u.a. die jähr­lichen „gutachtlichen Stellungnahmen (der forensischen Kliniken)… in Zukunft gesetzlich geregelt werden“. Psychiatrie-Internes erwähnte Bausback nicht. Erfolgreich, wie Staats­an­waltschaft und Verteidigung, die Medien, die Psychiater-crème im Fall Mollath mit vereinten Kräften Strates „Psychiatriekiste“ zugedrückt hielten, kann jetzt auch er so tun, als sei, was in den „weißen Haftanstalten“ abläuft, ein rein juristisches Problem und habe die Psy­ch­iatrie mit dem Psychiatriemißbrauch rein gar nichts zu tun. Der zentrale Begriff, der all die Übergriffe auf strafrechtlichem wie zivilrechtlichem und familienrechtlichem Gebiet verbindet, ja ihr gemeinsame Nenner ist, Psychiatriemißbrauch, tauch­te auch in der Pressemitteilung des Justizministers so wenig auf wie in all den bisherigen Medien-Berichten zu Mollath, Herr­mann, Schmenger etc. (Fn 7). Ihn gibt’s offiziell gar nicht, uns, seine erklärten Widersacher, deshalb auch nicht. Seit 40 Jahren werden wir so von der Politik, den Medien, unseren Kol­legen natürlich zuvörderst ignoriert. Der Psychiatriemißbrauch, der wie bei Mollath an den „psy­­cho-ju­stiti­el­len Skan­dalen“ als Agens zumindest hälftig beteiligt ist, wird neutral im „Maß­regel­voll­zug“ ver­senkt, ver­steckt. Nur von ihm wird gesprochen. Daß besagte Verbesserungen Augen­wi­scherei bleiben werden, darauf ist Verlaß. Die „politische Klasse“ gibt den Psy­chiatriemißbrauch, ihr fein­stes Macht- und Disziplinierungsmittel heute, nicht auf, schweigt einfach darüber. Die bisher mit ihm bekannt gewor­denen Juristen und Ärz­te sind, soweit nicht pen­sio­niert, alle noch in ihren Äm­tern. Sie ha­ben ja nichts getan, was nicht im Sinn der „Klas­se“ war. Möglicherweise setzt diese uns in noch dramatischerem Umfang eine virtuelle Wirklichkeit vor und ge­staltet mit ihr die reale Wirklichkeit zu unserem Wohl – oder Wehe.

Wohl seit es Psychiatrie gibt, seit knapp 200 Jahren, wurde sie auch politisch miß­braucht, gewiß auch vor Freud schon, seit ihm jetzt nur öfters, routinierter. Wer erinnert nicht den Bayern-König Ludwig II.? Das spricht nicht gegen das Fach, son­dern gegen seine Abfälscher, seine Mißbraucher und ihre Auftraggeber und Unterstützer. Wir haben zusammen mit Walter von Baeyer den Kampf vor nun­mehr 40 Jah­ren aufgenommen. Er wird so schnell nicht en­den­,[27] wird mühsam bleiben, ist aber keineswegs aussichtslos, wie die Erfolge gerade der jüngeren Zeit zeigen, Erfolge in Einzelfällen. Ans Mißbrauchssystem kamen sie bisher nicht heran. Gegenüber den Zerstörungen , die an vielen anderen Orten der Welt aufgebrochen sind, verschwinden sie fast, wiewohl sie schon gräßlich genug sind. Selbst zu unseren Erfolgen „im Kleinen“ bedurfte es aber der Mithilfe vieler. Daß viele von Ihnen über lange Zeit mithalfen und sich auch jetzt wieder mit einbringen, dafür danke ich Ihnen.

F. Weinberger

Endnoten

[1] Stützend auf die Schmähungen seines „stählernen Rückgrats“, der OSTAin a.D. G. Wolff, in ihrem Blog

[2] Kretschmer E., DER SENSITIVE BEZIEHUNGSWAHN, 4. Aufl., Springer, 1966. Kretsch­­mer ist im Gegensatz zu Nedopil klassische, psy­cho­dyna­mi­sche, da­bei „Freud-ferne“ „Vor-Re­form“-Psy­chia­trie – s. Fußnote 11.

[3] Daß all die nachträglich aufgesprungenen „Unterstützer“ die psychiatrische Seite des Skandals ausklammerten oder ver­zeichneten, zeigt schon System auf. In der Weise betätigten sich Pommrenke und Klöckner in STAATS­­VERSAGEN AUF HÖCHSTER EBENE, Ritzer und Pzrybilla in DIE AFFÄRE MOLLATH und zuletzt eben Strate in seinem Buch. Daß diesen Verzeichnern umgehend Geld und Verlage zum Druck zur Verfügung standen, erweckt nochmals den Verdacht, daß ihre Verzeich­nungen „oben“ gewünscht, gefördert wurden.

[4] In Nummer 11/15 der angesehenen NJW konnte Strate den öfters schon von ihm, zu Hauf aber von den An­ti­psychiatern gehörten Unfug vorbringen: „Seit rund 150 Jahren versuchen Nervenheilkundler, den Ursachen psy­chischer Erkrankungen auf die Spur zu kommen. Das Ergebnis dieser Bemühungen geht gen Null.“ Bei vielen Krankheiten aber sind die URSACHEN biß heute un­geklärt. Aus um so besseren Grund kümmert sich die Medizin um sie, sucht sie zu klären und ihre Folgen zu mildern, was, auch wenn das nicht optimal ge­lingt, nicht gegen die Bemühungen spricht. Nur wenn diese, wie wir es jetzt bei verschiedenen forensischen Psy­chiatern erleben, zu billigen Leerformeln, zur Rechtfertigung verkappten Macht- und Profitstrebens verkom­men, ist gegenzusteuern. Unsinni­ge Forderungen etwa nach Abschaffung der forensischen Psy­chiatrie führen zu keinen realen Verbesserungen. Was wollen Herr Strate und andere Antipsychiater mit Kranken tun, die unter den Einflüsterungen ihrer Halluzinationen den Nächstbesten umgebracht haben, was mit der Mutter, die in ihrer Wochen­bettpsychose ihr Baby getötet hat? Wollen sie sie ins Gefängnis stecken? Seit 150 Jahren ist die forensische Psychiatrie trotz ihrer Unzulänglichkeit und trotz Übergriffen, wie wir sie schauurig jetzt an verschiedenen Fällen erlebten, Teil einer Humanisierung des Umgangs des Menschen mit seinesgleichen, wird sie als solche jedenfalls von der großen Mehrheit der Menschen aufgefaßt.

[5] Infolge Arbeitsüberlastung beauftragen die Ämter häufig, heißt es, „freie Träger, die sich dann um die Kinder küm­mern. Der Markt, heißt es weiter, ist lukrativ. Ein ein­ziger Platz in einem Heim kostet die Kommunen im Jahr rund 50.000 Euro. Längst ist die Jugendhilfe auch ein großes Ge­schäft geworden…“ (140.000 Kinder und Jugend­liche seien betroffen).

[6] Eine Ausnahme machte die FAZ, solang die Klage allein gegen Psychiatriemißbräuche in der Sowjetunion ge­führt wurde. Nach deren Ende verlautete doch von solchen anderenort vorkommenden Mißbräuchen nichts mehr. Von der einflußreichen, konser­va­tiver US-Po­litik verpflichteten Smith-Ri­chard­­son-Foundation, der Geld­geberin un­seres einstigen Dachverbands IAPUP, hör­ten wir, sie möge das Wort Psy­chia­trie­miß­brauch nicht mehr hö­ren! Strate mit seinen CIA-Man­schet­ten­knöp­fen (s.u.) mag es jetzt auch nicht. Zur Gerichtspsychiatrie bemerkt er gegen uns gerichtet in seinem Buch (S. 177): „Die Verwendung des Be­griffs Mißbrauch be­dingt die Annahme, es könne auch einen sinnvollen Gebrauch dieser rechts­staatlich be­­denklichen Institution geben“. Absurder hat sich zur Rechtspflege einer ihrer renommiertesten Vertreter kaum je ge­äußert. Kein Wunder, daß das Wort Psychiatriemißbrauch beim WAV in Re­gensburg nicht zu hö­ren war.

[7] Anfang der 1970er schon wandte ich mich publizistisch sowohl gegen Psychiatriemißbräuche als auch die psy­cho­­analytischen Versteigungen.

[8] Ich selbst war während meiner psychiatrischen Weiterbildung zwei Jahre lang daneben in psychoanalytischer samt (teurer) Lehranalyse. Ich lernte da viele Schichten an ihr kennen und wurde langsam so ihr Kritiker.

[9] Üble Folgen haben die Freudschen Vor­stellungen auch in Amerika produziert. Manche „Freud-scho­lars“ (vgl. RB 1/14, Fn13) machen wie etwa Frederick Crews (Follies of the Wise) auch die APA dafür mitverantwortlich! Zwiespältig wie mit der US-Freud-Kri­tik sieht’s im Rückblick auch mit dem Wi­derstand der APA gegen den Psychiatrie­miß­brauch in den 1970er und 80ern aus. Ihn gab’s praktisch nur, solang er ge­gen die Sowjetunion ge­richtet war.

[10] Zu einer Riesen-Industrie ist sie inzwischen geworden. In der Publizistik ist sie allgegenwärtig, in der Sozialgesetzgebung tief veran­kert. Mit einem weiteren großen Täuschungsmanöver gelang das. In ihrem Kom­men­tar der Psycho­therapie-Richt­li­ni­en ha­ben Faber und Haarstrick den Ödipus-Konflikt auf eine schlichte „Kon­flikt­­theo­rie“ reduziert, ha­ben Freud damit nominell „entschärft“, als Quelle neurotischen Leids aber Konflikte zwischen dem Freudschen Begriffen von Es, Ich und Überich festge­zurrt, Freud als spiritus rector des See­lischen weiter etabliert und die Massenverbreitung seiner Theorie als Kassenleistung damit durchgesetzt. Alle machten mit.

[11] Vgl. die Literaturübersicht, die K. Dieckhöfer in Fn 6 seiner Rezension des Strate-Buchs beigefügt hat (s.u.).

[12] Bei der Gelegenheit ein Wort noch zu den Psychopharmacis, an denen die Aversion vieler Antipsychiater ein­schließlich Wolffs und Strates gegen die (klassische) Psychiatrie und gegen uns festmacht. So viel Hilfe die Mit­tel, richtig an­ge­wandt, vielen Kran­ken leisten, gibt es ob ihrer oft unangenehmen Neben­wir­kungen auch be­grün­deten Wi­der­stand gegen sie. Begrüßenswert und als Verdienst der Anti­psychiatrie anzuer­kennen ist deshalb, daß speziell die Zwangmedika­tion im Maßregelvollzug gesetzlich neu geregelt wurde. Ob die jetzige Regelung be­friedigt, muß sich weisen. Nach einer antipsychiatrischen Mitteilung vom 6.4.15 sieht ein Berliner Ge­setz­ent­wurf vor, „den sozialpsychiatrischen Dienst zu ermächtigen, ohne Polizei und ohne richterlichen Beschluß eine Wohnung aufzubrechen, zwangsdiagostizieren, zwangs­ein­weisen und auch zwangsbehandeln zu kön­nen.“ Wenn’s stimmt, wahrlich, ein neuer Alptraum. Daß die Antipsychiater über den Psy­cho­phar­macis das Miß­brauchs­­problem ignorierten, es mit den Spitzen­ver­tretern des Fachs so über Jahrzehnte geradezu stützten, verdient freilich auch festgehalten zu werden.

[13] Beim sensitiven Beziehungswahn, den Nedopil bei Mollath jetzt unterstellte, grenzt sich Kretschmer deutlich von der „psychoanalytischen Neurosenlehre“ ab. Die Krankheit erkläre sich mit „einer anfechtba­ren, wenn auch geistreichen Hinein­deutung psy­cho­lo­gi­scher Zu­sam­­menhän­ge“. Sie werde psychotherapeutisch am ehesten „in schlichter, ärztlicher Unterredung mit dem Kranken“ zum Abklingen ge­bracht (Fn 2 – S. 147). Kretschmer hat im Ge­­gensatz zu Freud das Störungsbild in seiner Entwicklung schlüssig aus­ge­wie­sen, es dif­fe­renti­al­dia­gno­stisch abgegrenzt, die Schritte der Heilung nachvollziehbar und an einer Reihe namentlich vorgestellter Fälle ansichtig gemacht. Nicht von un­gefähr wurde Ernst Kretsch­­­mer nach 1945 zum Vorsitzen­den der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie gewählt. Nedopils Übertragung von Kretsch­mers Ausführungen auf Mollath kommentiert der Erlanger Psychologe Dr. Sponsel so: Leipzigers „Befund­fäl­schung durch Textmontage zum Vergiftungs­wahn entspricht bei Nedopil exakt dessen Befund­fälschung zum Kretschmerschen sensitiven Beziehungswahn…

[14] Ein wenig entlastet können sich die hohen Instanzen insofern fühlen, als die profunde angloamerikanische Freud-Kri­tik damals erst einsetzte – mit H. F. Ellenbergers THE DISCOVERY OF THE UNCONSCIOUS (1979) dann F.J. Sulloways FREUD, BIOLOGIST OF THE MIND (1979) und weiteren. Voll in Fahrt war die Kritik in den 1980 und 90ern, auch hierzulande etwa mit D.E. Zimmers TIEFENSCHWINDEL. Die Bundesregierung und andere, auch psychiatrische Instanzen aber taten weiter, als gäbe es sie nicht. Ähnlich ihr Verhalten uns gegenüber, dümmliche Vogel-Strauß-Politik.

[15] Selbst in Wikipedia heißt es zum Borderline: „…Wissenschaftler fordern die Aufgabe des Begriffs, da er eigent­lich keine Persönlichkeitsstörung, sondern differentialdiagnostische Probleme bezeichne. Zu Fragen der Einord­nung, Ursachen, Abgrenzung und Therapie gibt es bisher keinen Konsens.“ Berger sehe ich als einen einer der eifrigsten Zuarbeiter des amerikanischen Psycho-Imperialismus.

[16] H.J. Weitbrecht (PSYCHIATRIE IM GRUNDRISS, Springer 1963, Seite 63) erinnert an die „Mahnung von Kurt Schneider, daß Psychopathien“, die heute Persönlichkeitsstörungen heißen, überhaupt „keine Krankheitsdiagnosen sind“(!), was vielen „Psycho-Experten“ infolge des DSM, der ICD völlig aus dem Blick geraten ist.

[17] vgl. Allen Frances’ Kritik am DSM-5 – ein Schattenboxen. Der Freudianer Frances hat den Spuk in der Vorgänger-Version DSM-IV selbst mit angeführt (RB 2/13,2.7).

[18] Und noch etwas: Teilweise ähnliche Kritik erheben die aus Amerika kommende Scientology und ihre KVPM. Von ihnen hielten wir über Jahrzehnte Abstand, weil wir sie für undurchsichtig hal­ten. Ihre Kritik richtet sich wie die anderer Antipsychiater vor allem gegen Psychophar­maka. Sie greift in ihrer Einseitigkeit hie zu kurz und ist da plump überzogen, oft hetzerisch. Sie wird anscheinend auch er­hoben, um gerechtfertigter, notwendiger Kritik das Wasser ab­­zugraben. Psychotherapeutisches spart Scientology aus, wohl weil sie mit ihrem Auditing selbst dubiose „psy­chotherapeutische“ Geschäfte macht. Der Skandal der Psychiatrie ist inzwischen aber so groß, daß ich einen Link auf ein neues Video der KVPM set­ze, das eben auch Zu­tref­fendes bringt. Bei vielem aus Ame­rika kom­men­den Stoff muß jede/r selbst prü­fen, was daran ist. Daß von fragwürdigen Organisationen auch berechtigte Kritik kommt, soll sie nicht um jegliche Beachtung bringen. Besagte Organisationen ha­ben da­bei das Vorbringen ausgewogener Kritik über Jahre erschwert. Die­jenigen aber, die zur Klä­rung der auch in dem Vi­­deo aufgeworfenen, auch viele Fachkollegen irritierenden Fragen pri­mär auf­ge­rufen waren, u.a. die Ärzte­schaft, die Fach­vertretung haben über Jahrzehnte die Diskussion verweigert, wohl weil sie selbst an der politischen Leine laufen (z.B. RB 1/14,3.8).

[19] Geradezu penetrant wirbt das „System“ für Psychotherapie. Dahinter können auch weitere politische Mo­tive stecken. In der FAS vom 18.1.2015 schrieb der in Berlin lehrende Byung-Chul Han: „Die Strategie der Herr­­schaft besteht darin, das Leiden zu privatisieren… (und so) „seine Politisierung zu verhindern….“ Nichts lenkt Ener­gien, die zur Bewältigung von Lebensaufgaben benötigt werden, in eine fruchtlose Nabelschau, als die verstiegenen Kon­struk­­tionen Freuds.

[20] Unsere Zwei­­fels­äuße­run­gen an Freud trie­ben Gabriele Wolff (RB 1/13,7) und Dr. Strate den Geifer vor den Mund. Sie und andere Eta­blierte (Fn 2) insze­nierten sich als Un­­ter­­stützer, Verteidiger Mol­laths, um umzukippen, als mit der „Psy­chia­trie-Ki­ste“ der ganze Jam­mer der „Re­formPsy­ch­ia­trie und da­mit des FreudSchwin­dels ans Licht zu kom­men droh­ten. Daß nur das nicht ge­sche­he, da­­für ließen diese Leute wie auch die wenigen Zeitungen, die Mol­lath anfangs stützten, ihn zeitgleich mit Strate fallen. Ihr vorrangiges In­teresse war offensichtlich, die im Land auf­ge­kom­­mene Em­pörung über den Fall zum Ab­flauen zu bringen, „Dampf aus dem Kessel“ zu lassen. Das ist „social engineering“.

[21] Die niedergelassenen, halbwegs noch unabhängigen Psychiater durch weisungsgebundene „Psycho-Appa­ratschiks“ zu ersetzen, war ein von Anfang an erkennbares Anliegen der Psychiatrie-Enquête von 1975, vom Autor dieses Beitrags frühzeitig schon moniert u.a. im DEUT­ SCHEN ÄRZTEBLATT 50/73 Achillesferse Psychiatrie oder: Der Countdown einer Sozialisierung, auf der GEP-Webseite noch nachlesbar unter > Rundbriefe > Vorläufer.

[22] Die „Operationalisierung“ der ICD-/DSM-Diagnosen, die sie angeblich sicher macht, gereichte schon dem ehem. Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie Prof. Holsboer zu blankem Spott (RB 1/11, Fn2).

[23] Die erste Freud-Welle in den USA in den 1920ern ebbte wieder ab, brandete nach 1933 erst mit den Emigran­­­ten aus Deutschland wieder auf. Seit der Psychiatrie-Re­­­form wird sie bei uns u.a. durch Kranken­kassen und –vers­i­che­run­gen aufrecht erhalten.

[24] Sie Herr B., haben ein Gutachten noch von einer weiteren Psychiaterin eingeholt, die zwar von der Allianz auch nicht goutiert wird, Ihnen aber doch auch eine Störung anhängte. So wie unsere jungen Kolleg/inn/en heute erzogen, auf DSM- und ICD-Diagnosen getrimmt werden, bleibt bei ihnen kaum jemand ohne Diagnose.

[25] R. Biswas hat am 19.03.15 seine Geschichte zusammengefaßt: „Im Wiederaufnahmeverfahren wegen Mordes an Peggy Knobloch zeigte sich: Es gibt keinen einzigen Sachbeweis für diesen Vorwurf. Nur ein ‚Geständnis’, das der geistig behinderte Kulac nach zahllosen Verhörtagen angeblich abgelegt hatte. Natürlich war das Tonband verschwunden. Und ein ‚gekaufter’ Zeuge Peter Hoffmann, der seine Aussage kurz vor seinem Krebstod widerrief. Und eine dubiose Tathergangshypothese, bei deren Rekonstruktion Ulvi Kulac artig mitspielte, weil er die Konsequenzen nicht überschauen konnte. Das angebliche Motiv Kulacs für den Mord: Eine vorangegangene ‚Vergewaltigung der Peggy’. Auch dafür gibt es keinen einzigen Sachbeweis. Auch das Geständnis hat man dem Behinderten in den Mund gelegt. Aus dem Sich-Entblössen vor Kindern, die ihn geradezu angestachelt haben, wird dem geistig Behinderten ‚Missbrauch an Kindern’ vorgeworfen, wofür er 13 Jahre büssen musste…

[26] Vors. Richter Hoschke – Strafverteidiger Jens Schmidt – Zivilanwältin Daniela Lordt, gestützt u.a. auf das Gut­achten von Prof. Eberhard Schulz von der kinder­psychiatrischen Univ.-Klinik Freiburg

[27] Viele Kol­le­gen geben uns im Stillen Recht, halten aber Ab­stand, weil sie nicht wagen können, sich gegen den main­stream zu stellen. Auch gibt’s viele, die da und dort zwar Berüh­rungs­punkte mit uns haben, mit denen aber doch kein Zusammen­ar­bei­ten ist. Schwie­rige Menschen kommen zahlreich auch im psychiatrischen Umkreis vor. Über das ganze Land verteilt, gibt es zum Glück aber viele Aufmerksame, die uns auch als Nicht-Mit­glie­der gut zuar­bei­ten, In­for­ma­tionen senden, Tips geben etc. Über 40 Jahre gab es immer aus­reichend Fach­kom­pe­tenz bei uns. Bei al­len, die sich als Mißbrauchsopfer bei uns vorstellen, müssen ja erst einmal die Verhältnisse kompetent geprüft werden. Wie es nach uns einmal weitergeht: Wer kann’s vorhersehen?

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